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2022 | Buch

Georessourcen

Transformationen, Konflikte, Kooperationen

verfasst von: Thomas Feldhoff, Helmut Schneider

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Georessourcen sind die Elemente des gesellschaftlichen Stoffwechsels mit der Natur: mineralische Rohstoffe, fossile Energieträger, Wasser, Luft, Böden und in einem weiteren Sinn auch die Biosphäre und das Klima. Mit der Inwertsetzung und Nutzung dieser Georessourcen sind zeitlich und räumlich stark variierende Mensch-Umwelt-Verhältnisse verbunden. Moderne Gesellschaften mit ihren vielschichtigen Verflechtungen sind so abhängig wie nie zuvor. Georessourcen sind dabei immer auch Instrument zur (Re-)Produktion von Machtverhältnissen und zur Durchsetzung politisch-ökonomisch-ideologischer Interessen im Rahmen von Geopolitik.
Neben dem Klimawandel ist eine der großen und weiterhin unbeantworteten Zukunftsfragen die nach dem Umgang mit der Endlichkeit nicht erneuerbarer Georessourcen bei wachsendem Ressourcenverbrauch. Wie kann hier mehr Nachhaltigkeit im Sinne von Generationengerechtigkeit gelingen?
Der vorliegende Band liefert eindrucksvolle Einblicke in die komplexen Wirkungsketten, die mit der Nutzung von Georessourcen verbunden sind – und die der Mensch in der Regel nicht vollständig kontrollieren kann. Verschiedene konzeptionelle, analytische und kritische Zugänge liefern wichtige Denkanstöße für Energie- und Ressourcenwenden jenseits von Geoengineering und anderen technologischen Innovationen. Denn ohne die Überwindung gewohnheitsmäßiger Denk-, Lebens- und Verhaltensweisen, die sich an fossil-kapitalistischen Wohlstandsmodellen orientieren, dürfte eine konfliktfreie Versorgung der Menschheit in Zukunft kaum zu gewährleisten sein.
Das Buch richtet sich an die interdisziplinäre Fachwelt, an Praktiker, an Studierende und Lehrende aller Hochschultypen, die sich für die Schnittstellenthematik Mensch-Umwelt und die große Transformation zur Nachhaltigkeit interessieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einführung und theoretische Rahmung
Zusammenfassung
 Die Inwertsetzung und Nutzung natürlicher Ressourcen unter marktwirtschaftlich-kapitalistischen Bedingungen war eine zentrale Grundlage der Entwicklung gegenwärtiger Produktions- und Konsumsysteme. Vor allem die Nutzung fossiler Energieträger in industriellen Produktionsprozessen hatte eine umfassende sozialökologische Transformation zu Folge; sie hat mit der „Großen Beschleunigung“ in den 1950er Jahren nochmals einen dramatischen Schub erhalten – und konfrontiert die Menschheit heute mit krisenhaften Umweltwirkungen jenseits der politisch-territorialen Herkunft der Georessourcen. Die Erforschung von Krisen des Mensch-Umwelt-Verhältnisses, deren Entstehung und ungleiche Auswirkungen sowie alternativer Entwicklungspfade zu ihrer Überwindung ist eine große Herausforderung für die interdisziplinäre Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung. Die humanökologische Ontologie versteht dabei Gesellschaft und Ökonomie als Subsysteme der Natur, in ihrer dauerhaften Erhaltung liegt der Schlüssel zur Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit. Der Klimawandel und die damit verbundene Herausforderung einer „Großen Transformation“ ist deshalb ein zentrales Thema der Beschäftigung mit Georessourcen.
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Kapitel 2. Historische Ressourcennutzungen und Transformationen
Zusammenfassung
 Mit Steinkohle, Salpeter und Guano werden drei wichtige Rohstoffe der Vergangenheit in ihrem jeweiligen historischen Kontext thematisiert, die im Zuge der Industrialisierung als Treiber für die moderne Wirtschaftsentwicklung weltweit eine herausgehobene Rolle erlangt haben. Zugleich hatte die Nutzung dieser Georessourcen weitreichende und teilweise bis heute andauernde Auswirkungen in den Herkunftsregionen. Dabei wird oft übersehen, dass mit ihrer Schlüsselrolle meist auch massive politische Auswirkungen bis hin zu zwischenstaatlichen Kriegen und militanten innenpolitischen Konflikten verbunden waren. Wirtschaftliche Stärke, politische Durchsetzungsfähigkeit und militärische Macht eines Landes sind historisch betrachtet und auch gegenwärtig wieder untrennbar mit der Verfügbarkeit über bestimmte Georessourcen verknüpft. Für das Verständnis der Komplexität heutiger Transformationsprozesse und ihrer gesellschaftlichen Bearbeitung liefern diese Betrachtungen deshalb wertvolle Erkenntnisse – allen voran, dass es rational planbare, konfliktfreie, von Interessen und Pfadabhängigkeiten losgelöste, gradlinig-lineare Übergänge nicht geben kann. 
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Kapitel 3. Hightech-Ressourcen
Zusammenfassung
Die Importabhängigkeiten vieler Schlüsseltechnologien von kritischen Hightech-Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium und Kobalt können im Falle von Verknappungen graveriende Konsequenzen haben. Insofern lohnt ein Blick auf ihre Herkunft, ihre Verwendung und potenzielle machtpolitische Instrumentalisierung im Rahmen geopolitischer Interessen und Ambitionen. Sorgen vor der wachsenden Dominanz der Volksrepublik Chinas sind über Asien hinaus weit verbreitet, da der Aufstieg des Landes in der Volksrepublik auch sinozentrische Perspektiven wieder populär gemacht hat, die außerdem mit der Belt and Road Initative ein wirkungsmächtiges Narrativ zur Durchsetzung eigener Interessen implizieren. Das betrifft auch Dynamiken der Digitalisierung, die u. a. Fragen der Rechtspolitik und Grundnormen der Ethik berühren. Aus der Sicht von Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltschutzorganisationen werden insbesondere Nachhaltigkeitsziele bei der Inwertsetzung von Rohstoffen weltweit nicht konkret genug mit verbindlichen Standards und wirksamen Sanktionsmechanismen einer Global Governance unterlegt.
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Kapitel 4. Energieressourcen
Zusammenfassung
 Die Grundlagen des fossil-atomaren Energie-Zeitalters werden durch die Endlichkeit der Energierohstoffe Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran sowie negative Begleiterscheinungen ihrer Gewinnung und Inwertsetzung für Umwelt und Klima zunehmend in Frage gestellt. Dennoch ist das historisch betrachtet noch relativ junge Interesse an der Erschließung des Öls und anderer begrenzt verfügbarer fossiler Rohstoffe nach wie vor ein wichtiger Treiber weltwirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen. „Peak Oil/Coal“ und „Coal/Uranium Shift“ sind zentrale Begriffe, mit deren Hilfe die sich verändernden gesellschaftlichen Bedeutungszuschreibungen und Kritikalitäten beschrieben werden können. Die mit den fossilen Brennstoffen eng zusammenhängenden Auswirkungen des globalen Klimawandels sind dabei auch eine entwicklungspolitische Herausforderung, weil sie die weniger entwickelten und weniger klimaschädliche Treibhausgase emittierenden Länder des Globalen Südens besonders stark betreffen. Debatten um die Verknüpfung zwischen Klima- und Ressourcengerechtigkeit, Klimaaktivismus und Kapitalismuskritik sind deshalb auch stark normativ geprägt.
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Kapitel 5. Erneuerbare Energien und Energiewenden
Zusammenfassung
 Die Energiewende in Deutschland basiert im Wesentlichen auf drei Säulen: der Steigerung der Energieeffizienz, der Reduzierung des Energieverbrauchs und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Gesellschaftlicher Grundkonsens ist, dass der zügige weitere Ausbau der regenerativen Energien einschließlich des überregionalen Netzausbaus angesichts der Klimaschutzverpflichtungen und des beschlossenen Atom- und Kohlestromausstiegs sowie steigender Preise für fossile Energieträger, insbesondere Erdgas, dringend erforderlich ist. Weltweit betrachtet werden klimaneutrale Energien allerdings noch längst nicht in ausreichend großen Mengen produziert, um die erhoffte globale Abkehr von fossil-atomaren Energieträgern zügig umsetzen zu können. Wichtige Voraussetzungen dafür sind der Abbau der Subventionen für fossile Energien, Technologieoffenheit und Anschlussfähigkeit der neuen Technologien an lokale Kontexte sowie gerechte Aushandlungs- bzw. Beteiligungsprozesse, die den neu entstehenden Energie-Landschaften eine breite gesellschaftliche Akzeptanz verschaffen. Die Einbindung der Energiepolitik in ein komplexes Mehrebenensystem und damit zusammenhängende Pfadabhängigkeiten bzw. Widerstände erschweren die Transformation.
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Kapitel 6. Geoökologische Ressourcen
Zusammenfassung
 Die weltweite Zerstörung von Böden und die Übernutzung von Wasservorkommen haben beide Georessourcen zu zunehmend teuren Handels- und Spekulationsobjekten werden lassen, gleichzeitig bedrohen diese Entwicklungen die Existenz ganzer Ökosysteme. Insbesondere hat die transnationale Vermarktung von Land in weniger entwickelten Ländern der Erde vielfältige und komplexe Zielkonflikte zwischen verschiedenen Akteursgruppen bei mangelnder Kontrollierbarkeit bzw. Steuerbarkeit der inneren Verhältnisse in den Zielländern der Landinvestitionen hervorgerufen. Attraktive Standorte für internationale Finanzinvestitionen und -spekulationen sind auch prosperierende Großstädte mit guten Wachstumsaussichten, auch in Deutschland. In den urbanen Räumen erweist sich dabei der umfassende Schutz des privaten Eigentums and Grund und Boden zunehmend als Hindernis für eine am Gemeinwohl und nicht primär an der Rendite orientierte Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik.
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Kapitel 7. Ausblick: Transformationen, Konflikte, Kooperationen
Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung mit der Inwertsetzung und Nutzung von Georessourcen wirft eine Reihe von problem- und zielorientierten Fragen auf, die die Konfliktverarbeitungskapazitäten gesellschaftlicher Systeme rasch überfordern können. Besonders herausfordernd sind das Ausmaß der Konflikthaftigkeit gesellschaftlicher Naturverhältnisse sowie die Vielschichtigkeit sozialökologischer Krisenprozesse. Die in diesem Band vorgestellten historischen und aktuellen Ressourcenbeispiele haben verdeutlicht, wie sich die von ihrer Nutzung für gesellschaftliche Zwecke ausgehenden komplexen Wirkungsketten in Raum und Zeit entfalten und dabei verschiedene Sektoren auf unterschiedliche Weise beeinflussen: von der Natur über die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bis hin zur Kultur. Auch bei sorgfältigster Planung und unter möglichst umfassender Berücksichtigung der jeweils verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich diese Wirkungsketten in ihren räumlichen Verästelungen und in ihrem zeitlichen Verlauf kaum überschauen oder prognostizieren, geschweige denn kontrollieren. Diese Einsicht darf aber nicht zu fatalistischer Passivität oder Resignation führen. Die sich verschärfende Umweltkrise erfordert vielmehr verstärkte Anstrengungen, mehrheitsfähige, demokratische Wege zu einer ressourcenschonenden Postwachstumsökonomie zu bahnen.
Thomas Feldhoff, Helmut Schneider
Backmatter
Metadaten
Titel
Georessourcen
verfasst von
Thomas Feldhoff
Helmut Schneider
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-65747-8
Print ISBN
978-3-662-65746-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-65747-8

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