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Über dieses Buch

Mit den Beiträgen dieses Sammelbandes wird die Absicht verfolgt, die politisch intendierte Natur- und Umweltforschung zur Reflexion über ihre gesellschaftstheoretischen Grundlagen anzuregen. In der aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschung wird diskutiert, dass die Natur nicht als Gegenüber der Gesellschaft, als das Andere konzipiert werden kann, womit zugleich eine tendenzielle Sinnentleerung dieses Begriffs verbunden ist. Vielmehr muss es darum gehen, die Wissensordnungen und ihre alltagsweltlichen Bezüge und Kontexte in den Blick zu nehmen, das heißt, wie Gesellschaft alltäglich Natur konzipiert, um ihre Probleme darin zu spiegeln und bearbeiten zu können.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Naturverständnisse aus disziplinären Perspektiven

Das Naturverständnis der Moderne ist wesentlich durch die Entwicklung von Technologien und Produktionsweisen, der Wissenschaften (wie der Physik, Biologie, Chemie) als auch durch die Erschließung neuer Lebensräume geprägt (Heiland 1992). Natur wird in der modernen Gesellschaft in vielfältiger Weise verwendet und mit ganz unterschiedlichen Attributen versehen. Natur kann dabei als das unendlich Weite und Große angesehen und kommuniziert werden, als etwas Starkes und Schönes, als Quelle ewigen Lebens und Wachstums, aber auch als Topos der Bedrohung und Gefahr (Reusswig 2002).

Jana Rückert-John

Die Naturbewusstseinsstudie als neues Instrument der Naturschutzpolitik in Deutschland – Hintergründe, Zielsetzungen und erste Erkenntnisse

Dieser Beitrag widmet sich der Darstellung der Naturbewusstseinsstudien aus der Auftraggeber-Perspektive des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Einleitend sollen zunächst die nationalen und internationalen Rahmenbedingungen für dieses Vorhaben beleuchtet werden, bevor tiefer gehend auf die konkreten Erhebungen eingegangen wird und Schlussfolgerungen für die Naturschutzarbeit in Deutschland gezogen werden.

Andreas Mues, Christiane Schell, Karl-Heinz Erdmann

Empirische Befunde zu Naturbewusstsein und Naturschutz. Konzeptioneller Rahmen der Naturbewusstseinsstudien

Im Jahr 2009 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Bundesamtes für Naturschutz erstmals eine umfassende und repräsentative Untersuchung zu den Natureinstellungen der Deutschen durchgeführt, die sogenannte ‚Naturbewusstseinsstudie‘. Auf diese Pilotstudie folgte im Jahr 2011 die zweite Naturbewusstseinsstudie. Das Konzept für die Naturbewusstseinsstudien wurde durch das ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachreferaten der Auftraggeber und in Diskussion mit einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe erarbeitet.

Silke Kleinhückelkotten

Naturbewusstsein und Moralbewusstsein: Der Beitrag der Naturbewusstseinsstudie zu einer ethisch fundierten Naturschutzkommunikation

Mit den Naturbewusstseinsstudien soll das Verhältnis der Deutschen zur Natur empirisch erfasst werden, damit Naturschutzpolitik sowie Kommunikation, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit der für Naturschutz zuständigen politischen Institutionen fortlaufend über aktuelle Daten hierzu verfügen (BMU/BfN 2012: 13). Was kann ethische Reflexion zu einem solchen Vorhaben beitragen? In den Studien geht es dezidiert „nicht um ‚hohes‘ oder ‚niedriges‘ Naturbewusstsein als normative Kategorie“ (BMU/BfN 2010: 17). „Wertschätzung von Natur“, „Verantwortungsbewusstsein für Natur“, „Naturliebe“ oder „Naturkenntnis“ sind mit dem Begriff „Naturbewusstsein“ ausdrücklich nicht gemeint (Kleinhückelkotten 2013).

Uta Eser

Zur ‚Natur‘ der ökologischen Frage: Gesellschaftliche Naturverhältnisse zwischen öffentlichem Diskurs und Alltagspolitik

Nicht nur von Natur- oder Umweltbewusstsein, sondern auch von der ökologischen Frage zu sprechen, bedeutet, strukturelle Voraussetzungen, diskursive Problematisierungen und alltagskulturelle Implikationen moderner Naturverhältnisse in den Blick zu nehmen und sich jenen Folgen – genauer: Nebenfolgen – des industriegesellschaftlichen Fortschritts-, des Wachstums- und Wohlstandsmodells zuzuwenden, die gegen ein unbekümmertes ‚Weiter So‘ gerichtet sind. Angesichts der zunehmend beobachtbaren Umweltschäden, der schon in den 1970er Jahren konstatierten Grenzen des Wachstums, der aktuellen Problematik des Klimawandels sowie nicht zuletzt der mit dem Begriff der „Risikogesellschaft“ verbundenen (Beck 1986), sich verbreitenden Erkenntnis, dass Störungen des Ökosystems und technische Entwicklungen sich zu Zivilisationsrisiken auswachsen können, sind bislang unhinterfragte Formen der ökonomischinstrumentellen Nutzung und Ausbeutung von Naturressourcen, Naturproduktivität und ihrer technologischen Überformung seit geraumer Zeit in die Kritik geraten. Dies ist wiederum weit mehr als nur ein ‚grünes‘ Thema.

Angelika Poferl

Natur. Versuch über eine soziologische Kalamität

Natur, die einmal überholt schien, erhält sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Versöhnung versäumt ward. Mit dieser Anspielung auf den ersten Satz der „Negativen Dialektik“ Adornos könnte man umschreiben, warum Natur für die Soziologie ebenso wenig erledigt wie als Problem klar umrissen ist. Erledigt: das wäre, glaubt man einer stilisierten Betrachtung der Urgeschichte der Disziplin, der Wunschzustand der frühen Soziologen gewesen.

Fritz Reusswig

Zwischen kommuniziertem und routiniertem Sinn – Alternative Perspektiven auf die Rolle von Umwelt- und Naturbewusstsein für umweltrelevante soziale Praktiken

Seit Mitte der 1970er Jahre wird Umwelt- oder auch Naturbewusstsein als wichtige, personenspezifische Einflussvariable auf umweltrelevantes Handeln wissenschaftlich thematisiert. Dies steht oftmals im Zusammenhang mit der Hoffnung, umweltschonendes Verhalten über die Beeinflussung eher „weicher“ kognitiver Aspekte beeinflussen zu können, ohne umfassende strukturelle Maßnahmen vornehmen zu müssen. Trotz Kritik an diesem Ansatz und breiter empirischer Evidenz für die geringe Erklärungs- oder Vorhersagekraft von Umwelt- und Naturbewusstsein für Umweltverhalten haben das wissenschaftliche und vor allem das politische Interesse daran kaum nachgelassen.

Melanie Jaeger-Erben

Das Naturbewusstsein der Naturwissenschaften

Der Naturbegriff der Naturwissenschaften wurde von den Sozialwissenschaften, nicht nur von den seit den 1980er Jahren sich entwickelnden umweltsoziologischen Ansätzen, sondern auch von wissenschaftskritischen Ansätzen, kritisiert. Natur sei nicht passiv und unwandelbar, sie sei vielmehr durch den Menschen geprägt und besitze dadurch eine Geschichte. Gesellschaft könne nicht losgelöst von Natur betrachtet werden.

Birgit Peuker

Naturbewusstsein und Naturbilder. Der Ansatz der Alltagsfantasien

Die Naturbewusstseinstudien 2009 und 2011 haben danach gefragt, was und wie die Deutschen über „Natur“ denken (BMU 2010, 2012). Ein bemerkenswertes kleines Randergebnis – neben den auffälligen empirischen Befunden beispielsweise zum Naturschutz, zur Biodiversität oder Landschaftsveränderung – soll hier in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden, denn es hat sich gezeigt, dass „Natur“ neben der wichtigen Funktion als Erfahrungsraum (zum Beispiel Erlebnisse in Natur und Landschaft zur Erholung, Freude und Gesundheit) als eine Art „Sinninstanz“ fungiert. Nach den empirischen Befunden der Naturbewusstseinstudien ist „Natur“ im Bewusstsein der Menschen auch als eine Metapher für ein „gutes Leben“, Gerechtigkeit und Glück zu verstehen.

Ulrich Gebhard

Nachhaltigkeit kommunizieren: Gestaltungsimpulse für die Naturbewusstseinsforschung aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht

Der auf der Naturbewusstseinsstudie 2011 basierende Abschlussbericht zum Naturbewusstsein in den Sinus-Milieus (Christ/Borgstedt/Klinger 2013) erlaubt uns differenzierte Einblicke, wie die unterschiedlichen sozialen Milieus in Deutschland Natur wahrnehmen, welche Einstellungen sie zum Naturschutz haben und wie es jeweils um das eigene Engagement bestellt ist. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in diesen Bereichen in den jeweiligen Milieus lassen sich mithilfe der Studie einfach nachvollziehen und sollen hier nicht im Einzelnen reproduziert werden. Ein in allen Milieus gültiges Ergebnis sei allerdings noch mal hervorgehoben: Das Bewusstsein über die Relevanz von Naturund Umweltschutz ist im Durchschnitt der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland relativ hoch, in einigen Milieus auch weit überdurchschnittlich.

Julia Lück

Naturbewusstsein psychologisch: Was ist Naturbewusstsein, wie misst man es und wie wirkt es auf Umweltschutzverhalten?

In der Naturbewusstseinsstudie 2011 „werden unter Naturbewusstsein subjektive Auffassungen von Natur und Einstellungen zur Natur gefasst“ (Kleinhückelkotten/Neitzke 2012: 6). Diese von der Person ausgehende individuelle Perspektive entspricht dem Einstellungskonzept der Psychologie. Doch was sind Einstellungen genau? Wie kann man sie messen? Und warum sind sie interessant für den Natur- und Umweltschutz?

Adrian Brügger, Siegmar Otto

Wahrnehmung und Wertschätzung von Natur und Naturschutz – Beispiele aus deutschen Großschutzgebieten im Vergleich mit der Studie „Naturbewusstsein in Deutschland“

Bemühungen zum Erhalt von Natur und Landschaft müssen von der lokalen Bevölkerung mindestens passiv unterstützt werden, damit gesetzte Erhaltungsund Entwicklungsziele dauerhaft erreicht werden können. Für Schutzgebiete ist diese Anforderung vielfach belegt (McNeely 1995; Stoll-Kleemann 2001; Mose/Weixlbaumer 2007). Entsprechend ist es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Großschutzgebieten wichtig zu wissen, wie die lokale Bevölkerung ihre natürliche Umgebung sowie das eigene Großschutzgebiet wahrnimmt und bewertet (Wallner et al. 2007).

Jana Rückert-John

Backmatter

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