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Über dieses Buch

Dieser Sammelband beantwortet folgende Fragen - formuliert von einem interdisziplinären Team aus Forscher*innen und Praktiker*innen: Welche Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt existieren aktuell – insbesondere in Ostdeutschland? Welche Lösungswege werden bereits in der politischen Praxis genutzt, und mit welchem Erfolg? Wie lässt sich gesellschaftlicher Zusammenhalt proaktiv gestalten – insbesondere unter den Bedingungen zunehmender Vielfalt? Welche Rolle spielen Bürgerdialoge im Erhalt des gesellschaftlichen Zusammenhalts?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Gesellschaftlichen Zusammenhalt gestalten – ein Problemaufriss

Zusammenfassung
Ein Thema hat Konjunktur: Sei es die Stabilisierung eines vereinten Europas, die Veränderungen des bundesdeutschen Parteiensystems, Verwerfungen des Finanzsystems, der Klimawandel, Folgeeffekte der Wiedervereinigung oder die Bewältigung von Migration – immer wieder stellt sich die Frage, was uns als Gesellschaft zusammenhält und wie sich dieser Zusammenhalt auch in Zukunft erhalten lässt.
Cathleen Bochmann, Helge Döring

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Frontmatter

Kapitel 2. Ressourcen gesellschaftlichen Zusammenhalts

Zusammenfassung
Ausgehend von der Feststellung eines tief greifenden gesellschaftlichen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland thematisiert der vorliegende Beitrag die sich daraus ergebenden Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die Möglichkeiten, diesen zu begegnen. In einem ersten Schritt wird das Konzept für empirische Forschung anschlussfähig analytisch ausdifferenziert. Darauf aufbauend, werden die hierfür notwendigen Ressourcen sowohl abstrakt als auch einem alltagsnahen Verständnis folgend benannt und erklärt. Es wird aufgezeigt, wie jene theoretischen Überlegungen in empirische Untersuchungen umgesetzt werden können, deren Ergebnisse für politisch-praktische Konsequenzen nutzbar sind. In einem letzten Schritt legt der Autor die notwendigen Maßnahmen und Bedingungen zur Stärkung und Wiederherstellung eines schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalts dar.
Werner J. Patzelt

Kapitel 3. Ein evolutionär-anthropologischer Blick auf soziale Kohäsion

Zusammenfassung
In diesem Aufsatz behandeln wir ausschnitthaft drei Zugriffe auf den Forschungsgegenstand der sozialen Kohäsion, wie sie typischerweise in der Evolutionären Anthropologie eine Rolle spielen. Mit ihrem Blick auf die Bedeutung der evolvierten Natur des Menschen für die soziale Praxis von Homo sapiens ist zunächst eine naturgeschichtliche Betrachtung lehrreich, denn sie führt uns vor Augen, dass viele soziale Kohäsionsmechanismen vormenschlichen Ursprungs sind. Die evolutionäre Spieltheorie liefert das theoretische Rüstzeug zur Vermessung des Möglichkeitsrahmens, in dem soziale Kohäsion gelingen kann. Damit wird die Frage beantwortbar, was aus evolutionstheoretischer Sicht an sozialer Kohäsion möglich ist und was nicht. In der evolutionären Kulturanthropologie schließlich geht es wesentlich um ein Verständnis dessen, wie einzelne Kulturen die menschliche Natur jeweils für ihren Zusammenhalt nutzen und was eine evolvierte Normenpsychologie damit zu tun hat.
Christoph Antweiler, Hannes Rusch, Eckart Voland

Kapitel 4. Resonanz(räume) erforschen, bilden und Wege aus der Entfremdung gestalten

Zusammenfassung
Kollektive Beschleunigungs- sowie individuelle Entfremdungsprozesse sind von gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Wirtschaftskrise und Digitalisierung stark beeinflusst. Die Resonanztheorie von Hartmut Rosa (2016) dient hierbei als Grundlage zur Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse und für praktische Maßnahmen, um Entfremdung entgegenzuwirken. Subjekte treten demnach in Resonanzbeziehungen zur gesellschaftlichen Welt. Das Wegfallen dieser Beziehungen bedingt individuelle und strukturelle Entfremdung von Teilen der Gesellschaft sowie die Einstellung gegenüber Demokratie, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen kann. Am Beispiel der Erwerbslosen werden Resonanzbeziehungen analysiert und bildungspraktische Handlungsvorschläge evaluiert.
Philipp Gies, Jakob Stephan, Maren Stephan, Andreas Klee

Kapitel 5. Ostdeutsche Besonderheiten? Über Unterschiede politischer Kultur in Ost- und Westdeutschland mit Fokus auf den Freistaat Sachsen

Zusammenfassung
Die Erforschung politischer Kultur ermöglicht es, Aussagen über den Fortbestand der Demokratie sowie den Zustand des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu treffen. Hier setzt der Beitrag an und stellt zentrale Befunde der politischen Kultur in Ost- und Westdeutschland vor. Er berücksichtigt dabei insbesondere Ergebnisse zum Freistaat Sachsen. Es wird gezeigt, dass weder ein allgemeiner Ost-West-Gegensatz nachweisbar noch eine einheitliche ostdeutsche politische Kultur auszumachen ist. Gleiches gilt auch für das Bundesland Sachsen: Die Auswertung für den Freistaat Sachsen unterstreicht, dass Unterschiede der politisch-kulturellen Ausrichtung vor allem auf lokaler Ebene zu finden sind.
Alexandra Neumann

Kapitel 6. Sozialkapital und Demokratie: der ambivalente Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher und politischer Partizipation in Deutschland und Sachsen

Zusammenfassung
Die Ergebnisse umfangreicher Forschung zu Sozialkapital legen einen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Engagement, der Stabilität repräsentativer Demokratien und einer hohen politischen Partizipation nahe. Die bisherigen Erkenntnisse sind jedoch kontextabhängig und bezüglich regionaler Unterschiede nicht eindeutig und lassen eine Ausweitung der Befunde auf andere Fälle nicht zu. Ausgehend von der Theorie Robert Putnams, liefert der vorliegende Beitrag einen differenzierten Blick auf den Zusammenhang von formeller Mitgliedschaft in gesellschaftlichen Organisationen und der Beteiligung an Wahlen sowie der Mitgliedschaft in politischen Parteien in Deutschland. Ebenfalls wird auf regionale Unterschiede jener Zusammenhänge im Bundesland Sachsen eingegangen. Die zutage geförderten Ergebnisse machen deutlich, dass bezüglich Parteimitgliedschaft zwischen verschiedenartigen gesellschaftlichen Organisationen unterschieden werden muss und regionale Disparitäten zwischen städtischem und ländlichem Raum in Sachsen festzustellen sind. Auch werden Anpassungsmöglichkeiten des politischen Systems sowie fruchtbare Ansatzpunkte für vertiefende Forschung benannt.
Astrid Lorenz, Hendrik Träger

Kapitel 7. Streit um demokratischen Konsens – Herausforderungen und Grenzen beim parlamentarischen Umgang mit der AfD

Zusammenfassung
Obwohl die Populismusforschung seit den 2000er-Jahren einen enormen Aufschwung erlebt hat, wird bislang erstaunlich wenig zum Umgang mit (rechts-)populistischen Herausforderern geforscht. Auch existiert noch kein überzeugendes Konzept, wie die etablierten Parteien auf der parlamentarischen Ebene auf jene neuen Akteure reagieren können oder sollen. Im vorliegenden Aufsatz wird zwischen verschiedenen formalen und inhaltlichen Handlungsoptionen unterschieden. Zudem wird – basierend auf einer umfassenden Medien- und Parlamentsdokumentenanalyse sowie leitfadengestützten Interviews – der Umgang der etablierten Fraktionen mit der AfD in vier Landtagen untersucht. Es zeigt sich, dass die parlamentarischen Verhaltensweisen der etablierten Parteien Lernprozessen unterworfen sind und an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Dahingegen können sie zielführend sein, um die demokratischen Prinzipien im Parlament – als einen zentralen Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – zu erhalten.
Anna-Sophie Heinze

Kommunikation und Dialog

Frontmatter

Kapitel 8. Versammlungen in Krisenzeiten – Eine Typologie anhand des Konfliktverlaufs

Zusammenfassung
Widerstreitende Interessen gelten in einer pluralistischen Demokratie als Selbstverständlichkeit. Nicht selten werden solche Gegensätze für das Veranstalten einer Bürgerinnenversammlung zum Anlass genommen. Dass dabei jedoch das erreicht wird, was von den Veranstaltenden erhofft wird und ob die Bürgerinnen und Bürger ihrerseits mit den Ergebnissen zufrieden sind, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichsten Beteiligungsformaten gibt, die mit den verschiedenen Interessen und Erwartungshaltungen der Teilnehmenden und Veranstaltenden aufeinandertreffen. Der vorliegende Beitrag typologisiert solche im Feld vorhandenen Versammlungskonzeptionen. Anders als bei bisherigen Typologien wird hierbei jedoch über die Unterscheidung nach Beteiligungsgrad und Versammlungszweck hinausgegangen, und die Motivation der Teilnehmenden in den Mittelpunkt gerückt. Es wird aufgezeigt, wovon die Motivation für die Teilnahme abhängt und wie gesellschaftliche Krisen und Konflikte je nach Ausprägungsgrad und betroffenen Gegenstand dies maßgeblich beeinflussen. Ausgehend vom Modell der Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl wird für einzelne Stufen von Konflikten ausgeführt, welche Formate und situative Rahmungen zielführend angewandt werden können.
Willi Hetze

Kapitel 9. Erfolgsfaktoren für kommunale Dialogformate

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht Erfolgsfaktoren kommunaler Dialogformate am Beispiel von Bürgerversammlungen, die von 2014–2017 anlässlich der Konflikte um die Unterbringung von Geflüchteten und Migranten in zahlreichen sächsischen Städten durchgeführt wurden. Zum Gelingen der Veranstaltungen trugen eine professionelle Prozessgestaltung, wie eine Akteursanalyse im Vorfeld und die Stimmigkeit von Einladung, Veranstaltungstitel und erwartbarem Ablauf, bei. Wesentliche Erfolgsfaktoren waren die Auswahl kompetenter Sachverständiger, die klare Vermittlung von Diskussionsregeln, eine damit einhergehende, konsequente und gleichzeitig flexible Gesprächsführung sowie ein Grundvertrauen in die Selbstregulationskräfte des Publikums. Förderlich wirkte darüber hinaus die verständliche Vermittlung komplexer politischer Zusammenhänge und die daraus folgende Erklärung gegebener lokaler Handlungsspielräume im Bereich Asyl und Integration. Zum Gelingen trug ebenfalls bei, wenn die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger – oftmals Sorgen bezüglich des unmittelbaren Lebensraums – ernst genommen und in der Diskussion berücksichtigt wurden. Diese Auseinandersetzungen konkretisierten nicht zuletzt das staatswissenschaftliche Konzept des Gemeinwohls, indem sie die Vielfalt unterschiedlicher Gemeinwohlbelange vor Augen führten.
Ulrike Schumacher

Kapitel 10. Dialog in der Dauerkrise. Einblicke in die Alltagsbewältigung armutsgeprägter Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien in die Dortmunder Nordstadt

Zusammenfassung
Der Beitrag zielt darauf, zu erfassen, wie länger anhaltende krisenhafte Zustände im Kontext von Migration in einem permanenten herausgeforderten Quartier moderiert werden können. Dafür wurde die armutsgeprägte Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien in der Dortmunder Nordstadt beobachtet und analysiert. Der Fokus lag auf den Beziehungen zwischen Bewohnergruppen, die sich besonders durch ihre Wohndauer voneinander differenzieren. Der Ausgangpunkt dabei war, dass in solchen Ankunftsgebieten der dauerhaft vorliegende Krisenzustand durch alltägliche Begegnung und moderierte Dialogforen abgeschwächt werden kann. Ein idealtypisches Modell eines Krisenverlaufs stellt den theoretischen Referenzpunkt dieser Arbeit da. Experteninterviews dienen als empirisches Material. Allerdings zeigen die Ergebnisse Paradoxien auf: Durch den Dialog können krisenhafte Zustände zwar stabilisiert werden, indem Eskalation vorgebeugt wird, jedoch kann der Dialog krisenhafte Zustände nicht lösen. Besonders im Kontext Migration ist das Verhältnis zwischen Krise und Dialog komplex und der Bedarf nach Forschung zu differenten Krisenverlaufstypen bleibt hoch.
Helge Döring, Sebastian Kurtenbach

Kapitel 11. Demokratische Diskussionskultur – eine Bilanz des Projektes „Dilemma-Diskussion in Sachsen“ (DDiS)

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag stellt das Format der Dilemma-Diskussion anhand der „Konstanzer Methode der Dilemma-Diskussion“ und der sächsischen Adaption dieser als „Dilemma-Diskussion in Sachsen“ aus Sicht einer Praktikerin vor. Grundlagen sowie der Aufbau dieses Ansatzes werden erläutert und dessen Ziele aufgezeigt, welche vor allem in einer Sensibilisierung für schwierige Themen und der Stärkung der moralischen und diskursiven Fähigkeiten schon vor dem Auftreten tatsächlicher Konflikte liegen. Im darauffolgenden Schritt wird dargelegt, in welche Formate und für welchen Personenkreis sich dieses präventive Konzept einbinden lässt, wobei insbesondere die vielfältige Anwendbarkeit hervorgehoben wird. Der Beitrag legt dar, wie das Konzept in der Praxis realisiert wurde und ermöglicht durch die Einbeziehung umfangreichen Evaluationsmaterials Einblicke in Erfolge und Schwierigkeiten bei dieser Methode der Dilemma-Diskussion, die sich für die Beteiligten ergaben.
Sieglinde Eichert

Kapitel 12. „Bitte bleiben Sie sachlich!“ – Politische Kommunikation im Netz unter besonderer Berücksichtigung des Debattenportals www.lasst-uns-streiten.de

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag erläutert, wie Kommunikation im Netz als Transportmittel von Emotionen in Erscheinung tritt und im Angesicht von Hate Speech und Filterblasen funktionieren kann. Die Zusammenhänge der Online-Kommunikation und der realen Kommunikation werden in Verbindung mit Erkenntnissen aus der Medienwirkungsforschung dargestellt. Am Beispiel der Dialogplattform „Lasst uns streiten“ der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung berichtet die Autorin über Einsichten in die Diskussionskultur, die zu Handlungsanweisungen an die verschiedenen Ebenen, die Plattformbetreiber, die Anbieter von digital zugänglichen Inhalten, Politiker und die Zivilgesellschaft als solche führen.
Annette Rehfeld-Staudt

Gestaltungsideen

Frontmatter

Kapitel 13. Bedarfe an neuen Beteiligungsformaten aus Sicht kommunaler Verantwortlicher in Sachsen

Zusammenfassung
Die politische Situation in Sachsen gilt bundesweit als besonders brisant. Die gesellschaftliche Polarisierung zeigte sich in den letzten 5 Jahren in eskalierenden und in gewalttätige Ausschreitungen gipfelnden Konflikten um die politische und gesellschaftliche Bewältigung der gestiegenen Zuwanderung von Geflüchteten und Migranten in den Freistaat. Einem schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt und emotional aufgeladenen Konflikten müssen die Kommunen aber nicht hilflos gegenüberstehen. Kommunale Krisendialoge und bürgernahe Kommunikation können diese Probleme effektiv bearbeiten. Eine bürgerorientierte Verwaltungspraxis, welche die betroffenen Akteurinnen frühzeitig einbindet und mit Dialogbereitschaft Verwaltung mit Bürgerinnen und Bürger lösungsorientiert rückkoppelt, ist jedoch voraussetzungsreich. Im vorliegenden Beitrag werden hierfür die Ergebnisse der „Sächsischen Bürgerdialogstudie“, einer Befragung der sächsischen Gemeinden zu Prioritäten, Bewertungen und Meinungen zu Dialogformaten, dargestellt. Zuvor werden die hierfür bedeutsamen Besonderheiten in Ostdeutschland dargelegt sowie Ansätze zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements angeregt und anhand von Erfahrungen aus der praktischen Verwaltungsarbeit auf Kreisebene flankiert.
David Gäbel, Cathleen Bochmann

Kapitel 14. Systemtheorie der Integration – Auf dem Weg zu einer Synthese der Integrationstheorien in praktischer Verwertungsabsicht

Zusammenfassung
Verschiedene Konzeptionen von Integration bringen einen Überfluss an Definitionen mit sich und bilden letztlich eine Theoriefülle inner- und außerhalb der Sozialwissenschaften. Der vorliegende Beitrag entwickelt eine systemtheoretische Betrachtung zur Systematisierung und Synthese ebenjener Vorstellungsinhalte von Integration. Letztere wird dabei betrachtet als Verbindungsgrad bzw. Zustand zwischen Elementen und Akteuren innerhalb eines abgegrenzten Systems, welcher als Zielsetzung dessen Fortbestand sichert. Die Element- bzw. Sozialintegration von Ankommenden steht damit im Mittelpunkt der Betrachtung. Integrationsprozesse umfassen folglich das Ausbilden von Verbindungen mit unterschiedlicher Relevanz. Abschließend werden von den Autoren Bezugspunkte zu bestehenden sozialwissenschaftlichen Theorien aufgezeigt und evaluiert.
Anselm Vogler, Erik Fritzsche

Kapitel 15. Politische Bildung als Einbürgerungsangebot?

Zusammenfassung
Lange Zeit vernachlässigt, richtet sich die politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland seit der Jahrtausendwende auch an Zugewanderte. Im Rahmen dieses Artikels werden Grundzüge von Zielvorstellungen und Angeboten der politischen Bildung hinsichtlich der politischen Integration von Zugewanderten dargestellt. Reflektiert und problematisiert werden dabei vor allem Angebote, die Zugewanderte als gesonderte Zielgruppe ausmachen. Vorurteile und Abgrenzungen zur deutschen Bevölkerung jenseits des Anspruchs zu vermittelnder Wissensbestände und Kompetenzen werden erläutert, um einen Umriss zur Evaluation und zukünftigen Orientierung von inklusiver politischer Bildung einzubringen.
Laura Rind-Menzel

Kapitel 16. Demokratie braucht Konflikt – wie sich gesellschaftlicher Zusammenhalt fördern lässt – Praktische Handlungsempfehlungen für Dialoge basierend auf der Thérapie Sociale

Zusammenfassung
Der Erfolg von Bürgerdialogen hängt neben dem Faktor der Moderation auch maßgeblich von den Teilnehmenden einer solchen Veranstaltung ab. Dies stellt Dialogpraxen in Zeiten konfliktreicher gesellschaftlichen Situationen vor große Herausforderungen. Diesem Umstand Rechnung tragend, setzt sich der vorliegende Beitrag zum Ziel, ausgehend vom Konzept der Thérapie Sociale des französischen Psychotherapeuten Charles Rojzman, Möglichkeiten aufzuzeigen, um Menschen unterschiedlichster und gegensätzlicher Überzeugungen miteinander ins Gespräch zu bringen und somit soziale Kohäsion und ein demokratisches Gemeinwesen zu stärken. Aufbauend auf Vertrauen und Akzeptanz sollen bestehende Ängste erkannt, abgebaut und somit gewaltvolles Handeln verhindert und die Beteiligten im demokratischen Sinne konfliktfähig gemacht werden. Der Beitrag stellt in einem ersten Schritt die im deutschsprachigen Raum bisher kaum rezipierten theoretischen Grundannahmen der Thérapie Sociale dar und formuliert darauf aufbauend konkrete Handlungsvorschläge, welche seitens der Methodik und der formulierten Zielsetzung weit über ein Alltagsverständnis von Dialog hinausgehen.
Anne Wiebelitz
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