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Über dieses Buch

Dieser Band ist das erste Standardwerk zum Thema Health in All Policies (HiAP) in Deutschland. Das Buch beschreibt Idee und Grundanliegen sowie Kernmerkmale von HiAP und skizziert die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die aktuelle Umsetzung. Es schildert die Perspektive unterschiedlicher Politikfelder (z.B. Bildung, Umwelt, Verkehr) auf Gesundheit und gibt einen Einblick in Potentiale, Hindernisse und Chancen einer gesamtgesellschaftlichen Berücksichtigung. Der Sammelband enthält zahlreiche Praxisbeispiele der Umsetzung von HiAP und zeigt auf, wie Gesundheit zu einem wesentlichen Leitbild in allen Politikbereichen werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Gesundheit in gesellschaftlicher Verantwortung – so lautet die zentrale Forderung des Konzeptes „Health in All Policies“ (HiAP; deutsch „Gesundheit in allen Politikfeldern“), das auf der 7. Ottawa-Nachfolgekonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2013 in Helsinki verabschiedet wurde. HiAP gilt als zentrale Weiterentwicklung des Konzeptes der Gesundheitsförderung, weil es in einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive eine Antwort darauf gibt, wie die Gesundheit der Bevölkerung wirksam und nachhaltig verbessert werden kann.Erforderlich sind dafür Strategien der Gesundheitsförderung bei sozial benachteiligten Menschen, insbesondere in den unteren Einkommensgruppen, denn diese verfügen über die höchsten Bedarfe und die größten Präventionspotenziale.

Stefan Bräunling, Katharina Böhm, Heike Köckler, Raimund Geene

Grundlagen

Frontmatter

Gesundheit in allen Politikbereichen: Die Entwicklungsgeschichte eines Kernkonzepts der Gesundheitsförderung

Die WHO hat 1986 Gesundheitsförderung durch die Ottawa-Charta bekannt gemacht und verbreitet. Mit dem darin enthaltenen Konzept der „gesundheitsfördernden Gesamtpolitik“ hat sie den Anstoß gegeben für die Strategie der „Gesundheit in allen Politikbereichen“. Im Beitrag wird die Vorgeschichte und der Entwicklungsgang dieses Politikansatzes berichtet. Der Blick richtet sich sowohl auf Entwicklungsstränge in der WHO als auch in der EU. Angrenzende Begriffe werden in ihrem Verhältnis zueinander geklärt.

Alf Trojan

Health in All Policies – Internationale Entwicklungen, Umsetzungsbeispiele und Perspektiven für Deutschland

Health in All Policies (HiAP) ist ein von der WHO entwickeltes Konzept, Gesundheit als ein Leitbild in allen politischen und gesellschaftlichen Handlungsfeldern zu verankern. Es stellt die folgerichtige Weiterentwicklung des Ottawa-Konzepts der Gesundheitsförderung dar und ist inzwischen weltweit verbreitet. In staatlich gesteuerten Gesundheitssystemen können Ziele, Strukturen und Instrumente von HiAP vergleichsweise einfach angewendet und genutzt werden. Für das korporatistische Gesundheitssystem Deutschlands stellen sich hingegen besondere Herausforderungen; es bestehen aber auch Potenziale. Das Zukunftsforum Public Health stellt sich der Aufgabe, HiAP in Deutschland voranzubringen, und entwickelt aktuell Umsetzungsstrategien.

Raimund Geene

Politikfelder

Frontmatter

Die Perspektive der Kinder- und Jugendhilfe auf gesundes Aufwachsen

Die Kinder- und Jugendhilfe hat den gesetzlichen Auftrag, das Recht eines jeden jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gewährleisten. Dieser Auftrag umfasst die Gesundheitsförderung, die Bestandteil vieler Angebote ist, durch die Kinder, Jugendliche und ihre Familien entlang der Biografie des Aufwachsens unterstützt werden – auch in Kooperation mit Akteuren aus dem Gesundheitswesen. Eine zentrale Rolle kommt den Jugendämtern in ihrer Planungs- und Steuerungsverantwortung für kommunale Präventionsketten zu.

Alexander Mavroudis

Bildung

Die Zuständigkeit für das Schulwesen liegt in Deutschland aufgrund der Kulturhoheit bei den Bundesländern. Mit der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern wird in allen Bundesländern das Ziel verfolgt, die Entwicklung und den Lernerfolg aller Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu fördern. Durch den Ganztagsschulbetrieb sind Schulen zu einer zentralen Lebenswelt für Kinder und Jugendliche, deren Eltern und den dort arbeitenden Personen geworden. Im Unterricht wird sich von der Grundschule an mit Themen der Gesundheitsförderung beschäftigt, im Schulalltag wird gesundheitsförderliches Verhalten erprobt und weiterentwickelt. Dabei werden auch Strukturen und Rahmenbedingungen in den Blick genommen. Viele Schulen arbeiten mit außerschulischen Partnern zusammen und vernetzen sich im Stadtteil.

Beate Proll

Familienpolitik

Wie kommt Gesundheitsförderung in die Familien?

Die deutsche Familienpolitik ist ursprünglich aus gesundheitspolitischen Zielsetzungen heraus entstanden. Bedingt durch historische Erfahrungen, u. a. im Nationalsozialismus, sieht sich jedoch eine gesundheitsbezogene Familienpolitik immer dem Vorwurf unzulässiger Einmischung ausgesetzt. Dadurch werden die Chancen einer familienbezogenen Gesundheitsförderung in Deutschland bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Christiane Dienel

Soziales

Gesundheitsförderung durch Sozialpolitik

Die Themen des Politikfeldes Soziales sind breitgefächert. Bezüge zu Gesundheitsförderung und Prävention bestehen vor allem in den Bereichen Familie und Lebensgemeinschaften, Kinder, Jugendliche und Senioren, Menschen mit Behinderungen, Gleichstellung und Pflege. Die Stärkung des sozialen Lebensraums und der Teilhabe aller Menschen sind ein zentrales Ziel. Bei Förderprogrammen oder Förderaufrufen sollten im Sinne einer gemeinsamen Strategie die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung mitberücksichtigt werden.

Regine Merkt-Kube, Tobias Arthur Müller, Alexandra Schmider

Einwanderung

Einwanderungspolitik und Gesundheit

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Heute leben über 21 Mio. Menschen in Deutschland, die einen Migrationshintergrund haben. Menschen, die migrieren, haben oft gesundheitliche Vorteile. Über die Zeit verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand aber im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung des Zuzugslandes. Neben sozialen Determinanten tragen hierzu auch Disparitäten bei der Nutzung und Wirksamkeit von Gesundheitsangeboten bei. Geflüchtete und Asylsuchende sind dabei sowohl in Hinblick auf ihren Gesundheitszustand als auch in ihrem Zugang zur Gesundheitsversorgung besonders benachteiligt. Vor allem im Hinblick auf diese Bevölkerungsgruppe muss sich die Einwanderungspolitik stärker als bisher ihrer Verantwortung stellen, die sie für die Gesundheitsversorgung trägt.

Oliver Razum, Patrick Brzoska

Arbeitsmarkt

Gesundheit in der Arbeitsmarktpolitik und -förderung

Bereits in der Weimarer Republik sahen Sozialhygieniker die Arbeitslosigkeit als populationsbezogenes Gesundheitsproblem an. Heute ist Deutschland durch ein Beschäftigungshoch und gleichzeitig eine verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit gekennzeichnet. Sie sollen durch die Arbeitsförderung beeinflusst werden. Auch der Gesundheitszustand wirkt sich auf die Arbeitsmarktintegration aus. Angesichts erhöhter Krankheitsrisiken ist der Bedarf für Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen besonders hoch. Ein systematischer Review zeigt eine große Heterogenität in Art und Erfolg, aber auch beachtliche innovative Entwicklungen in der arbeitsmarktintegrativen Gesundheitsförderung auf.

Alfons Hollederer

Arbeitsschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung

Health in All Policies auf betrieblicher Ebene

Bemühungen zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit von Beschäftigten sind nur dann glaubwürdig, wenn sie an den Bedingungen ansetzen, unter denen Arbeit geleistet wird. Der vorliegende Text stellt das jeweilige Selbstverständnis der diesem Ziel verpflichteten Ansätze vor, erläutert die Aufgaben der beteiligten Akteure, verortet diese innerhalb eines Interventionsebenen-Konzeptes und gibt Aufschluss über den Implementierungsstatus in der Praxis. Eine abschließende Passage reflektiert kritisch die Möglichkeiten und Grenzen von HiAP im Betriebskontext.

Gudrun Faller

Verbraucherschutz

Perspektive Verbraucher*innen

Der Verbraucherschutz betrifft alle Lebensbereiche. Viele der alltäglichen Konsumentscheidungen der Verbraucher*innen haben einen Einfluss auf ihre Gesundheit. Im Gesundheitswesen sind Verbraucher*innen zunehmend mit wettbewerblich orientierten Strukturen konfrontiert. Aspekte der Gesundheitsförderung und Prävention betreffen daher viele Bereiche der Verbraucherpolitik. Grundlegende Zielsetzungen – Nutzerorientierung, Empowerment, Partizipation oder Selbstbestimmung – teilt der Verbraucherschutz mit Ansätzen der Gesundheitsförderung. Um das Zielbild Health in All Policies zu etablieren – auch in der Verbraucherpolitik – bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Strategie.

Petra Fuhrmann, Kai Helge Vogel

Umwelt

Vom gesundheitsbezogenen Umweltschutz zum integrierten Ansatz Umweltgerechtigkeit

Gesundheitsbezogener Umweltschutz ist ein zentrales Handlungsfeld der Umweltpolitik. Ziel ist, für die Gesundheit negative Umwelteinflüsse zu erkennen, zu reduzieren oder ihre Entstehung möglichst zu verhindern. Darüber hinaus schafft Umweltpolitik im Sinne der Salutogenese auch gesundheitsförderliche Umweltverhältnisse. Der integrierte Ansatz Umweltgerechtigkeit blickt auf soziale Ungleichheiten bei Umwelt und Gesundheit und verknüpft verschiedene Politik- und Interventionsfelder. Mit stärkerer Aufmerksamkeit für die soziale Dimension trägt Umweltpolitik dazu bei, den Health in All Policies-Ansatz zu einem Health Equity in All Policies-Ansatz zu erweitern.

Christiane Bunge

Klimapolitik

Der Klimawandel ist ein globales komplexes Phänomen, das nicht weniger als eine große Transformation erfordert und sich durch alle politischen Ebenen und Ressorts zieht. Ferner sind eine Vielzahl zivil-gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Akteure treibende Kräfte. Die Fridays for Future-Bewegung hat dem Thema und den erforderlichen Politiken seit 2019 eine neue Wertigkeit gegeben. Die Klimapolitik bietet einerseits Beispiele für einen „in All Policies“-Ansatz und Beispiele tiefgreifender Systemveränderungen. Andererseits stellt sie auch eine Möglichkeit dar, HiAP systematisch zu verfolgen, da sowohl Klimaschutz als auch Klimafolgen vielfältige Bezüge zu Gesundheit aufweisen.

Heike Köckler

Wasserwirtschaft

Die Verfügbarkeit von Wasser ist von herausragender Bedeutung für den Wohlstand, die soziale Sicherheit und die menschliche Gesundheit. Der Wasserwirtschaft fällt die Aufgabe zu, die Wasserressourcen zu schützen und ihre Nutzung zu organisieren. In Deutschland sind der vorsorgende Schutz der Gewässer und die Sicherstellung der Wasserver- und Abwasserentsorgung zentrale Aufgaben von Bund, Ländern und Kommunen, welche über das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes, die Wassergesetze der Länder sowie subsidiäre Rechtsverordnungen geregelt sind und die bindenden EU-Bestimmungen umsetzen.Für die WHO-Region Europa hat darüber hinaus das rechtsverbindliche Protokoll über Wasser und Gesundheit große Bedeutung erlangt. Sein Ziel ist es, im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung den Schutz der Gesundheit und des Wohlbefindens jedes Einzelnen sowie der gesamten menschlichen Gemeinschaft zu fördern. Aufgrund seines umfassenden, auf die WHO-Definition von Gesundheit zurückgehenden, Ansatzes, wonach Wasser einen sozialen, einen wirtschaftlichen und einen umweltbezogenen Wert hat, bietet dieses Protokoll einen sehr guten Ausgangspunkt, um im Sinne von Health in All Policies das Thema Gesundheit in der Wasserwirtschaft breiter einzubringen, indem neben dem gut etablierten Gesundheitsschutz auch die Potenziale der Gesundheitsförderung stärker beachtet werden.

Thomas Kistemann

Energieversorgung

Gesundheitsaspekte des Braunkohle-Ausstiegs

Befeuert von Massenprotesten und spektakulären Aktionen zivilgesellschaftlicher Gruppen beherrscht der politische Streit um den notwendigen Braunkohleausstieg seit einigen Jahren verstärkt die öffentliche Debatte. Im Fokus der Auseinandersetzung stehen dabei vor allem der Klimaschutz oder aber – wie der Streit um den Hambacher Wald zeigt – ökologische Fragen. Gleichwohl sind insbesondere auch die Gewinnung und Nutzung von Braunkohle mit einer Vielzahl von Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit verbunden, ohne dass diesem Umstand in der Vergangenheit in Politik und Verwaltung ausreichend Rechnung getragen worden wäre. Erst durch die Arbeit zivilgesellschaftlicher Akteure und Verbände fand das Thema verstärkt Eingang in die Debatten und in das Handeln von Verwaltungen. Das Umwelt- und Beteiligungsrecht eröffnet dabei neue Möglichkeiten. Der folgende Beitrag beleuchtet das Thema aus der Sicht eines anerkannten Naturschutzvereines.

Dirk Jansen

Mobilität und Verkehr

Die Integration von Gesundheitsaspekten in die Verkehrsplanung – Status Quo und ein Ausblick
Thilo Becker, Julia Gerlach

Stadtentwicklung

Eine kommunalpolitische Querschnittsaufgabe

Stadtentwicklung berührt als Querschnittsaufgabe alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auf lokaler Ebene und ist rahmensetzend für andere kommunale Planungen. Sie ist ein politisch-administrativer Prozess zur Erstellung von Plänen und Programmen. Dazu gehören Gesundheit und Gesundheitsförderung, für die es viele Anknüpfungspunkte anderer Sektoren gibt. Es gilt Synergien zu identifizieren und Argumentationslinien aufzubauen, um sie in politisch-administrative Abwägungsprozesse einzubringen.

Sabine Baumgart

Wohnen

Gesundheit im Politikfeld Wohnen

Da das Wohnen ein wesentlicher Bestandteil der Lebensführung ist, sind Bezüge zur Gesundheit nahliegend. Historisch wurden schlechte Wohnverhältnisse als eine Ursache von Krankheiten angesehen. Mit der Durchsetzung moderner Wohnverhältnisse und von wohlfahrtsstaatlichen Momenten in der Wohnversorgung verblasste der unmittelbare Zusammenhang zur Gesundheit und verlagerte sich auf mittelbare Beziehungen wie die Ausstattung mit Wohnfolgeeinrichtungen oder die von den Wohnverhältnissen ausgehenden Stressmomente.

Andrej Holm

Innere Sicherheit

Ein zentraler Auftrag der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) liegt in der Gefahrenabwehr. Die nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr befasst sich mit gesundheitsrelevanten Aspekten wie Vorsorge-, Schutz- und Rettungsmaßnahmen im Kontext von Unfällen oder Katastrophen, während die zum Bereich der Inneren Sicherheit gehörende polizeiliche Gefahrenabwehr zudem Fragen von Kriminalität, Extremismus und Terrorismus aufgreift und hierbei auch Aufgaben der Kriminalprävention und zur Stärkung des Sicherheitsempfindens umfasst. Die Polizei als wesentlicher, wenn auch nicht alleiniger, Akteur im Bereich der Inneren Sicherheit hat auch die Aufgabe der Strafverfolgung und gibt in diesem Kontext vielfältige Informationen zu gesundheitlichen Fragen der Opferwerdung durch Kriminalität. Der Beitrag skizziert das Politikfeld und betrachtet in zwei Abschnitten die individuellen gesundheitlichen Einschränkungen durch Kriminalität sowie psychisch bedingte Einschränkungen im Kontext von Viktimisierungserfahrung und Kriminalitätsfurcht.

Bernhard Frevel, Hermann Groß

Engagementpolitik: Engagement und Gesundheit in einer solidarischen Bürgergesellschaft

Der Beitrag skizziert das Politikfeld des bürgerschaftlichen Engagements und formuliert Anforderungen an eine partizipative Ausgestaltung des Gesundheitssystems vor dem Hintergrund der Idee einer solidarischen Bürgergesellschaft. Zugleich warnen die Autoren vor einer Instrumentalisierung des Engagements als Ausfallbürge für einen sich aus seiner Verantwortung für die öffentliche Daseinsvorsorge zurückziehenden Sozialstaat. Ohne bürgerschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung kann – so die These – ein auf Prävention ausgerichtetes Gesundheitssystem letztlich nicht funktionieren.

Serge Embacher, Ansgar Klein

Praxisbeispiele

Frontmatter

Nationale Präventionsstrategie

Mit Inkrafttreten des Präventionsgesetzes wurden die Sozialversicherungsträger beauftragt, eine nationale Präventionsstrategie zu entwickeln und fortzuschreiben. Der Beitrag veranschaulicht, dass die Präventionsstrategie auf allen föderalen Ebenen Potenzial enthält, um die lebensweltbezogene Gesundheitsförderung und Prävention gesamtgesellschaftlich und politikfeldübergreifend zu gestalten.

Stefanie Liedtke, Guy Oscar Kamga Wambo, Sieglinde Ludwig, Mathias Finis

Ressortübergreifende Strategie Soziale Stadt

Seit 1999 fördert der Bund mit dem Städtebauförderprogramm Soziale Stadt die Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter Quartiere. Unter dem Dach der Sozialen Stadt hat die Bundesregierung im August 2016 die ressortübergreifende Strategie „Soziale Stadt – Nachbarschaften stärken, miteinander im Quartier“ beschlossen. Ziel ist, mit anderen Fachressorts neue Kooperationsstrukturen bei der Förderung von benachteiligten Quartieren zu erproben. Zur Umsetzung sind für die Jahre 2017-2020 vom BMI jährlich 10 Mio. EUR vorgesehen.

Nicole Graf

Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg!

Gesundheit ist das Ergebnis einer gelungenen Ko-Produktion verschiedener Akteure. Dafür braucht es geeignete Strukturen. In Hamburg wurde dafür 2010 der Pakt für Prävention gegründet. Der Pakt für Prävention ist bis heute konzeptionell orientiert und entwickelt die Verbreitung und Qualität der Gesundheitsförderung in Hamburg ständig weiter (Stender 2018).

Klaus-Peter Stender

Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Rheinland-Pfalz

In allen Bundesländern wurden zur Stärkung gesundheitlicher Chancengleichheit Koordinierungsstellen gebildet. Diese Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) agieren insbesondere auf kommunaler Ebene, sind mit verschiedenen Akteur*innen vor Ort in Kontakt und unterstützen sie bei der Implementierung von Gesundheitsförderung. Die KGC haben auf Bundes-, Landes- und Regionalebene Erfahrungen mit dem Health in All Policies-Ansatz, hier konkret aufgezeigt am Beispiel der Koordinierungsstelle in Rheinland-Pfalz.

Sabine Köpke, Silke Wiedemuth

Die Strategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“ in Baden-Württemberg

Der vorliegende Beitrag stellt die Landesstrategie zur alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung in Baden-Württemberg dar, um daran beispielhaft das Zusammenwirken von Politik und Gesundheitsförderung aufzuzeigen. Zunächst wird die Landesstrategie in ihrer Zielsetzung sowie Konzeption dargestellt. Daraufhin werden konkrete Bezüge zur Gesundheitsförderung hergestellt. Abschließend werden Erfahrung aus dem Umsetzungsprozess berichtet.

Tobias Arthur Müller, Alexandra Schmider

Die Präventionsnetzwerke „Gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“ in Baden-Württemberg

Zur Förderung der Chancengerechtigkeit und Teilhabemöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen im Gesundheitsbereich trotz Armutsgefährdung fördert das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg im Rahmen der Ausschreibung „Gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“ an verschiedenen Standorten Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Die Arbeit dieser Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut, ihre Erfahrungen und Empfehlungen werden in dem Artikel dargestellt.

Christine Weber-Schmalzl, Saskia Exner

Das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO): Eine kommunal verankerte Strategie der Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen und Schulen

Anknüpfend an die guten Erfahrungen der Frühen Hilfen hat der Ortenaukreis das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO) zur Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit und der sozialen Teilhabe von Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren und ihren Familien entwickelt und damit eine durchgängige Präventionskette von der Schwangerschaft bis zum zehnten Lebensjahr aufgebaut. Das PNO verbindet eine kommunale Umsetzungsstrategie mit der Gesundheitsförderung in den Settings Kindertageseinrichtung und Schule. Aufgrund des großen Erfolgs während der Projektlaufzeit und den im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation nachgewiesenen positiven Ergebnissen wurde das PNO in einem innovativen Finanzierungsmodell des Ortenaukreises mit Sozialversicherungsträgern dauerhaft verstetigt. Im weiteren Verlauf wird verstärkt das Thema Kinderarmut und Kindergesundheit aufgegriffen.

Ullrich Böttinger

Das Gesunde Städte-Netzwerk

Mit der Ottawa-Charta der WHO hat die Gesundheitsförderung an Bedeutung gewonnen. Im Sinne von „Gesundheit findet auch in Rathäusern statt“ wirbt das Gesunde Städte-Netzwerk, ein bundesweiter Zusammenschluss von Städten, Kreisen und Regionen dafür, Gesundheitsförderung stärker in das kommunale Handeln einzubeziehen. Dies geschieht durch ein vernetztes Zusammenwirken aller Akteure vor Ort im Sinne von Health in All Policies. Durch Fachaustausch und im Schulterschluss mit Institutionen auf Bundes- und Länderebene macht das Gesunde Städte-Netzwerk auf besondere gesundheitliche Situationen, Belange und Bedürfnisse von Menschen im kommunalen Raum aufmerksam. Dabei stehen insbesondere benachteiligte Menschen im Fokus.

Claus Weth

Von der Vision zur Wirklichkeit: Etablierung einer Koordinierungsstelle kommunale Gesundheit in Leipzig

In Leipzig ist es gelungen, über ein Modellprojekt eine „Koordinierungsstelle kommunale Gesundheit“ innerhalb der Stadtverwaltung fest zu verankern, durch die Gesundheitsförderung als kommunale Querschnittsaufgabe sowie ein von Krankenkassen poolfinanzierter Fonds zur Förderung von Stadtteilprojekten etabliert wurde.

Ulrike Leistner, Karoline Schubert, Astrid Sonntag

Ämterübergreifende Zusammenarbeit in Kassel

Zur Vertiefung der dezernatsübergreifenden Zusammenarbeit zur „Gesunden Stadt“ und zur Operationalisierung des Lebenswelt-Ansatzes in seiner räumlich-planerischen Dimension wurde in der Stadtverwaltung von Kassel das Konzept der Umweltgerechtigkeit eingeführt. Mit der Teilnahme an einem Pilotprojekt des Deutschen Instituts für Urbanistik sollten die essenziellen Grundlagen für eine Verstetigung der Aufgabenwahrnehmung im Verwaltungsquerschnitt gelegt werden. Der Artikel stellt die bisherigen Aktivitäten dar und reflektiert die dabei gemachten Erfahrungen über das Gelingen.

Anja Starick, Katja Schöne, Sabine Schaub

Der „Aktionsplan für ein Gesundes Aufwachsen in Berlin-Mitte“ als Umsetzungsstrategie für die bezirklichen Ziele zur Kindergesundheit

Der Berliner Bezirk Mitte hat den Themenschwerpunkt für das Arbeitsgebiet Gesundheitsförderung auf die Lebensphase „Gesund aufwachsen“ gelegt. Nach einer längeren Phase breitgefächerter und eher unzusammenhängender Einzelaktivitäten wurden zur Integration dieser Aktivitäten und zur stärkeren Einbindung aller relevanten Ressorts zunächst ein Strukturkonzept und auf dessen Basis 2010 bezirkliche Gesundheitsziele zur Kindergesundheit verabschiedet. Die Revision des Gesundheitszielprozesses und der damit umgesetzten Maßnahmen machte jedoch deutlich, dass die Frage der nachhaltigen Absicherung der Ergebnisse unbefriedigend blieb. Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurde der „Aktionsplan für ein Gesundes Aufwachsen in Berlin-Mitte“ als Umsetzungsstrategie zu den bezirklichen Gesundheitszielen entwickelt und 2018 vom Bezirksamt einstimmig verabschiedet. Mit dem Aktionsplan ist erstmalig eine Konkretisierung der durch die unterschiedlichen Ressorts vorzunehmenden politischen Schwerpunktsetzungen zur Annäherung an die Gesundheitsziele beschrieben worden und damit eine strategische Basis für ein Verständnis von „Health in All Policies“ festgehalten worden, die über ein allgemein gehaltenes Einfordern ressortübergreifender Anstrengungen hinausgeht. Diese Basis ermöglicht es, den abstrakten Anspruch „gesundheitsfördernder Gesamtpolitik“ beschreibbar und erfahrbar zu machen und ihn dadurch in der politischen Kultur im Bezirk etablieren und als Gestaltungsangebot immer wieder unterbreiten zu können.

Tobias Prey

Das Stadtteilmanagement als Koordinierungsinstanz für einen gesundheitsförderlichen Stadtteil

Seit 1999 ist der Stadtteil Stadtsee der Hansestadt Stendal ein Fördergebiet des Bundesprogrammes „Soziale Stadt“. Mithilfe einer integrierten und ressortübergreifenden Strategie sollen bauliche Maßnahmen mit der Stärkung des sozialen Zusammenhaltes im Stadtteil verknüpft werden. Das Stadtteilmanagement Stendal-Stadtsee übernimmt hierbei die bedeutende Rolle der Koordinierungsinstanz zwischen Politik, Verwaltung, den Akteuren sowie Bewohner*innen des Stadtteils. Mithilfe des ganzheitlichen gesundheitsförderlichen Ansatzes sollen gleichermaßen das Gesundheitsverhalten und die Gesundheitsverhältnisse Berücksichtigung finden. Durch eine verstärkte ressortübergreifende Vernetzung, die Beteiligung der Bewohnerschaft und den Einsatz von Multiplikator*innen soll gemeinsam ein gesundheitsförderlicher Stadtteil gestaltet und somit Wohlbefinden und Gesundheit aller verbessert werden. Die Herangehensweise und verwendeten Methoden des Stadtteilmanagements Stendal-Stadtsee werden u. a. anhand von Beispielen in diesem Beitrag dargelegt.

Carolin Genz, Susanne Borkowski, Benjamin Ollendorf

Gesundheitsförderliche Effekte des Emscher-Umbaus

Die Renaturierung der Emscher bietet zahlreiche positive Effekte für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Neben ökonomischen, ökologischen oder touristischen Mehrwerten hat die Umwandlung des ehemals Abwasser führenden Flusses zahlreiche Potenziale für die Gesundheit der Bürger*innen. Ziel des vorliegenden Praxisbeispiels ist es, diese näher zu beleuchten.

Uli Paetzel, Alexander Knickmeier

Kommunale Bildungslandschaften

Der Beitrag beschreibt das Konzept der Kommunalen Bildungslandschaften, das auf eine bessere Unterstützung junger Menschen durch die Vernetzung von Bildung auf kommunaler Ebene abzielt. Die empirische Studie untersucht die Entwicklung von Handlungsspielräumen am Beispiel des Campus Rütli in Berlin-Neukölln. Dabei wird deutlich, warum sie unter Bedingungen des interkommunalen Wettbewerbs unbeabsichtigt ökonomisch in Wert gesetzt werden und wie die beabsichtigte Erweiterung von Handlungsspielräumen gelingen kann.

Anika Duveneck, Gerhard de Haan

Die GemüseAckerdemie – ein wirkungsvolles Bildungsprogramm

Die Entfremdung von Lebensmitteln und ihrer Produktion ist ein weitreichendes gesellschaftliches Problem, das negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat. Eine Strategie dieser Entfremdung und ihren Folgen entgegenzuwirken, stellt das Bildungsprogramm GemüseAckerdemie des Ackerdemia e. V. dar. Ackerdemia unterstützt Kitas und Schulen bei der Implementierung eines Ackers als Lernort in der Bildungseinrichtung und begleitet Pädagog*innen und Kinder mit Fach- und Methodenwissen durch die Ackersaison. Mittels Wirkungsforschung konnten positive Effekte des Programms auf die körperliche und mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nachgewiesen werden. Die Umsetzung des Programms erfolgt in Unterstützung von diversen Kooperationspartner*innen. Der Artikel thematisiert die partnerschaftliche Zusammenarbeit, fördernde und hemmende Faktoren für eine gelingende, ressortübergreifende Kooperation sowie Effekte des Programms bei den Teilnehmer*innen.

Julia Günther, Franziska Lutz

Naturerfahrungsräume in Großstädten – Eine Möglichkeit für Gesundheitsförderung in der Nachbarschaft

Naturerfahrungsräume sind ungestaltete, naturbelassene Flächen, die sich dem Kinderspiel genauso verschreiben wie der ökologischen Entwicklung. Es zeigt sich, dass Kinder im Vergleich zu Spielplätzen komplexer, kreativer und konzentrierter spielen, dieses Verhalten ist ein Indikator für eine gesunde kindliche Entwicklung. In Berlin wurden 2016 und 2017 drei neue Naturerfahrungsräume in einem interdisziplinären Zusammenhang partizipativ mit Kindern entwickelt und eingerichtet und wissenschaftlich begleitet. Die Bedeutung des/der Kümmerer*in ist dabei entscheidend für Öffentlichkeitsarbeit wie auch Sicherheitsaspekte auf der Fläche. Die wissenschaftliche Begleitung zeigt, dass Naturerfahrungsräume einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung von Kindern leisten können.

Claudia Friede, Dörte Martens, Jutta Heimann, Maren Pretzsch, Heike Molitor, Bettina Bloem-Trei, Jürgen Peters

Gesundheitsfolgenabschätzung

Eine Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA) prüft die Gesundheitsauswirkungen von geplanten Vorhaben in unterschiedlichen Politikfeldern und erarbeitet Empfehlungen, wie diese optimiert werden können. GFA können auf geplanten Vorhaben innerhalb und außerhalb des Gesundheitssektors angewandt werden. GFA ist eine Chance, Health in all Policies zum Leben zu erwecken, und verdient auch in Deutschland mehr Beachtung.

Odile Mekel

Good Practice-Kriterien: ein Werkzeug für die politikfeldübergreifende Zusammenarbeit

Die Good Practice-Kriterien zur soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung unterstützen mit ihrem sektorübergreifenden Ansatz die Strategie „Health in All Policies“. Die im bundesweiten Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit entwickelten zwölf Kriterien sollen die Konzeption und die Zielgruppenorientierung der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung stärken sowie deren Qualitätsentwicklung und -sicherung voranbringen. Der Beitrag gibt einen Überblick in die Entwicklung, Merkmale, Anwendungsmöglichkeiten und die Vermittlung der Good Practice-Kriterien.

Holger Kilian, Jennifer Hartl, Susanne Jordan

Fachplan Gesundheit und Leitfaden Gesunde Stadt – Instrumente für eine gesundheitsorientierte kommunale Planung in Nordrhein-Westfalen

Durch die Einführung des Präventionsgesetzes und im Zuge eines veränderten Umgangs mit Gesundheit in kommunalen Planungen bietet sich für den Öffentlichen Gesundheitsdienst die Chance, sich als Partner einer strategischen, gesundheitsorientierten Planung zu etablieren und im Hinblick auf Health in All Policies einen großen Schritt weiter zu kommen. In Nordrhein-Westfalen wurden Instrumente und Vorgehensweisen entwickelt und erprobt, die diesen Prozess unterstützen können.

Thomas Claßen, Odile Mekel

Abschluss

Frontmatter

Wie kommt Gesundheit auf die Agenda der Politikfelder? Das Beispiel der Stadtentwicklung

Gesundheit ist vielfältig mit anderen Politikfeldern verknüpft. Die Bemühungen, das Thema „Gesundheit“ in allen Sektoren und insbesondere im Politikfeld „Stadtplanung und -entwicklung“ besser sichtbar zu machen, sind zahlreich. Das vorliegende, an die Arbeitsbiographie des Autors angelehnte Kapitel schildert vor allem Projekt- und Strukturarbeit sowie Kooperation und Kommunikation, im Zeitraum von den 1970er Jahren bis heute.

Rainer Fehr

Health in All Policies: Wo stehen wir und was braucht es für die weitere Entwicklung?

Health in All Policies ist eine Strategie, die vielfältige Herangehensweisen zur Berücksichtigung von gesundheitlichen Aspekten umfasst. Diese unterscheiden sich erheblich zwischen den Politikfeldern und -ebenen. Trotz der Vielfalt der Perspektiven und der zwangsläufig unvollständigen Inhalte dieses Sammelbandes lassen die Beiträge einige Gemeinsamkeiten erkennen, die auf Politikfelder und -ebenen übergreifende Charakteristika, hinderliche und förderliche Faktoren der Umsetzung von HiAP sowie deren Chancen und Risiken hindeuten.

Katharina Böhm, Janina Lahn, Heike Köckler, Raimund Geene, Stefan Bräunling
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