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22.09.2020 | Gesundheitsmanagement | Gastbeitrag | Onlineartikel

Unternehmen setzen in der Corona-Krise auf Wellbeing

Autor:
Raymond M. Catudal
4:30 Min. Lesedauer

Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen rechnet mit einem schlechten Geschäftsergebnis durch die Covid-Krise. Zudem befürchtet ein Drittel, dass das Mitarbeiter-Wellbeing leidet. Warum es langfristig nützt, solche Programme auszubauen.

Aktuell bestimmt die Corona-Pandemie die Wirtschaft. Doch deuten Daten der WHO auf weitere, weit verbreitete krankheitsbezogene Risiken hin, etwa auf Krankschreibungen und Erwerbsunfähigkeit durch Stress und Burnout. Bereits nach der Finanzkrise 2008 stieg die Anzahl der Krankschreibungen auf Grund von psychischen Erkrankungen erheblich. Tumorerkrankungen und Erkrankungen von Skelett, Muskel und Bindegewebe sind die häufigsten Ursachen von Erwerbsunfähigkeit. 

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Es ist also durchaus sinnvoll, wenn Unternehmen nicht nur angesichts der Corona-Pandemie das Thema Mitarbeiter-Wellbeing zur Chefsache erklären und Lösungsansätze zur Bewältigung von Krisen implementieren, zeigt die Covid-19-Benefits-Studie von Willis Towers Watson, an der in Westeuropa rund 350 Unternehmen mit mehr als 900.000 Mitarbeitern teilgenommen haben. Demnach sollten bei den Wellbeing-Maßnahmen die vier Dimensionen – finanziell, emotional, physisch und sozial – berücksichtigt werden.

Gesundheitsmanagement war ein erster Schritt

Bevor das Thema Wellbeing umfassender betrachtet wurde, setzen Unternehmen auf betriebliches Gesundheitsmanagement und Wiedereingliederungsmanagement – beides gesetzlich verankert. Zählt man noch die in den USA die weit verbreiteten Employee Assistance Programme (EAP) hinzu, steht Arbeitgebern bereits einiges an Werkzeugen zur Verfügung, um ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen und für das Wohlbefinden des Arbeitnehmers zu sorgen. In der Tat war hierzulande das Präventionsgesetz ein wichtiger Schritt. Untersuchungen deuten auf einen "Return on Prevention", welches sich beispielsweise aus der Verringerung krankheitsbedingter Produktionsausfälle und Fehlzeiten ergibt.

Ganzheitlicher Wellbeing-Ansatz effektiver als Einzelmaßnahmen

Dass so viele Unternehmen neue Wellbeing-Programme planen, ist wesentlich durch die Covid-19-Krise getriggert. Jetzt ist nicht mehr zu übersehen, dass viele Gesundheitsthemen höchstens als loses Sammelsurium an Benefits existierten, die unsortiert in der Firma oder im Intranet schwebten, ohne dass Mitarbeiter über ihre Existenz Bescheid wussten. Wellbeing-Programme hingegen bündeln alle Maßnahmen und verfolgen in erster Linie einen ganzheitlichen Ansatz. Anders als Arbeitsschutz oder Gesundheitsmanagement geht der Wellbeing-Ansatz über den unmittelbaren Schutz vor Gefahren, Unfällen oder Krankheiten hinaus. Er umfasst weitere Faktoren, die zum vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden beitragen:

  • Physische Leistungsfähigkeit: Verständnis für den eigenen Gesundheitszustand, Verbesserung der Gesundheit und des Lebensstils, Erkennen von und Umgang mit Krankheiten und Unfällen
  • Emotionale Balance: Eigenverständnis der psychischen Gesundheit und Beibehaltung der mentalen Gesundheit, Bewältigung von beziehungsweise Umgang mit Lebenskrisen
  • Soziales Netzwerk: Definition und Ausbau eines Beziehungsnetzwerks, in dem zum Beispiel Konflikte besprochen und Alternativen diskutiert werden können. Dieser Faktor ist gerade in Zeiten des Social Distancing nicht zu unterschätzen.
  • Finanzielle Absicherung: Planung und Durchführung der kurzfristigen sowie langfristigen finanziellen Absicherung: im Rentenalter, bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Entfall der Lohnfortzahlung, Unterstützung bei der Schuldenbewältigung

Weniger Fehlzeiten und Kundenverlust durch Wellbeing-Ansätze

Wellbeing-Ansätze zielen darauf ab, dass Mitarbeiter ohne finanzielle Sorgen und ohne Gesundheitsprobleme stärker motiviert sind, weniger unter Stress leiden und weniger Fehlzeiten verursachen. Denn je wohler sich Mitarbeiter insgesamt am Arbeitsplatz fühlen, desto besser können sie auch ihrer Arbeit nachgehen. In der Folge sinken indirekte Kosten für Überbrückung durch Überstunden oder Aushilfen, Einarbeitung und Anleitung von Aushilfen, Suche nach adäquatem dauerhaftem Ersatz, Vorstellungsgespräche, Entscheidungsfindung, Ausbildung und Einarbeitung der neuen Kraft, zusätzliche Personalverwaltung. 

Zudem können Auftrags- und Kundenverluste vermieden werden. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern zudem Zweck und Ziel ihrer Arbeit nahebringen, steigen im Endeffekt in einen "positiven Erfolgszyklus" ein, der dafür sorgt, dass Mitarbeiter auch bessere Ergebnisse erzielen können. Der Unternehmer Richard Branson hat dies wie folgt auf den Punkt gebracht: "Take care of your employees and they will take care of your business."

Gerade in Krisen brauchen Mitarbeiter Unterstützung

Damit ist Wellbeing nicht nur ein weiteres Benefit, sondern essentiell für eine erfolgreiche und kooperative Zusammenarbeit im Unternehmen, die Mitarbeiter nicht nur als Mitarbeiter sieht, sondern den gesamten Menschen unterstützt – auch und gerade in Krisenzeiten. Eine solche Einstellung sollte im gesamten Unternehmen verankert und von der Unternehmensleitung vorgelebt werden.

Auf der operativen Ebene beginnen als Reaktion auf die Corona-Krise viele Unternehmen nun, Programme und Richtlinien zu überarbeiten, um Mitarbeiter und ihre Familienmitglieder dabei zu unterstützen, Gesundheits- und Verletzungsrisiken zu verringern, ihre Fähigkeiten als Gesundheitskonsumenten zu verbessern und ihre individuelle Produktivität und ihr Wohlbefinden zu steigern. 

Auf diese Benefits setzen Unternehmen

Laut der Covid-19-Benefits-Studie plant oder prüft mehr als ein Viertel der Unternehmen über den Ausbau einzelner Benefits (siehe Abbilung) hinaus die Einführung einer flexiblen digitalen Benefits-Plattform (zum Beispiel "Benefits Marketplace"), die Mitarbeitern einen unkomplizierten Zugang nicht nur zu Wellbeing-Benefits ermöglichen. Die damit verbundenen Data Analytics Tools helfen HR-Verantwortlichen, den Erfolg zu messen und die Programme ggf. anzupassen.

Insgesamt ist Wellbeing sowohl aus der Perspektive der Beschäftigten als auch aus der Perspektive der Unternehmen ein Schlüsselfaktor, um sich den betrieblichen Herausforderungen zu stellen - nicht zuletzt auch jenen Herausforderungen, die sich aus dem demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel sowie aus den veränderten Arbeitsbedingungen wie zunehmende Arbeitsdichte und ständige Erreichbarkeit ergeben. HR-Verantwortliche, die jetzt die durch die Pandemie gegebene Dringlichkeit nutzen, um zu tun, was schon lange sinnvoll und richtig war, nämlich Wellbeing fest in der HR-Strategie zu verankern, handeln daher im besten Sinne ihres Unternehmens und seiner Mitarbeiter.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

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