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29.01.2020 | Gesundheitsprävention | Interview | Onlineartikel

"Eine achtsame Führungskraft übernimmt eine Vorbildrolle"

Autor:
Andrea Amerland
3 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Dr. Martina Dopfer

unterstützt Unternehmen darin, ihre digitalen und achtsamen Skillsets zu entwickeln.

Gestresste Beschäftigte sprechen eine deutliche Sprache. Organisationen brauchen einen Paradigmenwechsel: mehr Achtsamkeit. Was eine achtsame Führungskraft mit Innovation und Digitalisierung zu tun hat, erklärt Martina Dopfer im Gespräch.

springerprofessional.de: Was heißt Achtsamkeit in Unternehmen für Sie?

Martina Dopfer: Achtsamkeit ist ein Bewusstsein über das Hier und Jetzt, welches man wertungsfrei wahrnimmt. Aus dieser Definition haben sich über Jahrtausende verschiedenste Achtsamkeitspraktiken entwickelt, die heute im Organisationskontext an Bedeutung gewinnen. Wichtige Fragen der Achtsamkeit im Unternehmen sind: Wie präsent bin ich mit mir und meinen Kollegen? Wie klar sind wir uns über persönliche und gemeinsame Ziele, Sinn und Werte? In welchen Aspekten können wir bewusster die tägliche Arbeit, das Miteinander und die Gestaltung von Veränderung angehen?

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Achtsamkeit in Unternehmen zu etablieren, ist sicherlich ein wichtiges Thema. Sieht das auch das Management so? Wie begegnet man dort diesem Thema?

Studien zeigen, dass 50 bis 75 Prozent der Führungskräfte sich gestresst und unter Druck fühlen. Auch die Zahlen für Lohnkostenfortzahlungen im Krankheitsfall steigen und zunehmend mehr Krankheitstage sind auf die Psyche zurückzuführen. Das Management ist sich über die Bedeutung von Wohlbefinden am Arbeitsplatz bewusst. Gleichzeitig nimmt das Management den Druck wahr, der durch die digitale Transformation entsteht und sucht zunehmend mehr nach ganzheitlichen Ansätzen für die Mitarbeiter-, Führungskräfte- und Organisationsentwicklung. Achtsamkeit kann hier eine wertvolle Stütze für nachhaltige Lernprozesse aus dem Inneren heraus sein. 

Sie setzen Achtsamkeit und Innovation beziehungsweise Digitalisierung in Relation zueinander. Warum gehören diese Themen für Sie zusammen? 

Achtsamkeitsmethoden holen den Einzelnen dort ab, wo er beziehungsweise sie gerade ist. Sie sind eine wertvolle und wichtige Säule innerhalb technologisch orientierter Veränderungsprozesse, die ohne die Menschen im Unternehmen, nicht in die Realisierung kommen. Mehrere Studien bestätigen eine zunehmende Jobunsicherheit bei Mitarbeitern, die das Gefühl haben, dass ihre Unternehmen in der Digitalisierung zurückfallen. Mit Ängsten und Unsicherheiten ist es schwer, Veränderung mitzugestalten. Hier kann achtsame Kommunikation Offenheit und Austausch fördern und helfen, mit Emotionen im Unternehmen umzugehen. 

Welche Rolle spielen neurowissenschaftliche Erkenntnisse bei diesem Thema?

Die Neurowissenschaft untersucht seit den 1980er Jahren, welche Effekte Achtsamkeitspraktiken wie etwa Meditation auf das Gehirn haben. Sie hat festgestellt: Regelmäßige Meditation erhöht den Fokus, die Empathie und die Lernfähigkeit. Sie verringert die Fehlerquoten durch bessere Konzentration und fördert auch die Kreativität, zum Beispiel neue Gedanken, die Menschen vor allem in Ruhephasen denken. Wenn wir über die neue Arbeitswelt, Agilität und Innovation sprechen, lässt sich die Bedeutung von Achtsamkeit nicht von der Hand weisen. 

Wie können Führungskräfte mehr Achtsamkeit in Unternehmen etablieren und was sind die Vorteile?

Führung in der neuen Arbeitswelt heißt unter anderem, Mitarbeiter befähigen, Resilienz fördern und Wandel gemeinsam mit den Mitarbeitern gestalten. Achtsamkeit kann Führungskräfte in Hinblick auf ihre emotionale Intelligenz und Empathie unterstützen, das heißt, wie sie Mitarbeitergespräche führen und ihre Mitarbeiter entsprechend ihrer Ziele und Fähigkeiten fördern und fordern. Achtsamkeit unterstützt Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit. Eine achtsame Führungskraft übernimmt somit eine Vorbildrolle, die zugleich allen aufzeigt, wie man bewusst mit Stress und Druck umgehen kann. Hier können Achtsame Meeting-Check-Ins helfen. Letztlich können achtsame Pausen, Momente der Stille im Team und vieles mehr helfen, die Kreativität im Team und die Offenheit für Neues zu unterstützen. 

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