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22.07.2020 | Gesundheitsprävention | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Führungskräfte dem Burnout entkommen

Autor:
Annette Speck
4:30 Min. Lesedauer

Jede vierte bis fünfte Führungskraft arbeitet an ihrer Leistungsgrenze. Die große Mehrheit von ihnen findet das belastend. Um einem Burnout vorzubeugen, gibt es verschiedene Ansätze.

Stress im Arbeitsleben scheint heute selbstverständlich zu sein. Die Gründe sind vielfältig: Aufgabenfülle und zunehmende Komplexität, ständige Erreichbarkeit und Termindruck, Personalnot sowie technische und inhaltliche Herausforderungen der Digitalisierung. Allerdings ist Stress nicht per se negativ. Wer etwa eine schwierige Situation als positive Herausforderung sieht und dies sogar genießen kann, erlebt positiven Stress. Der wirkt motivierend und ist die Triebkraft zum Erfolg, wie Peter Buchenau in seiner "Kleinen Stresskunde" erklärt. Negativer Stress entsteht hingegen in schwierigen Situationen, in denen sich Menschen ausgeliefert, hilflos, überfordert und handlungsunfähig fühlen Dieser Stress mache langfristig krank und ende oft im Burnout, heißt es auf Seite 9.

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Der Zusammenbruch schleicht sich leise an

Das Alarmierende: "Der fließende Übergang von der normalen Erschöpfung über den Stress zu den ersten Stadien des Burnouts wird oft nicht erkannt, sondern als 'normale' Entwicklung akzeptiert", warnt Buchenau (Seite 9) Vorwiegend betroffen seien einsatzbereite und engagierte Mitarbeiter, Führungskräfte und Selbstständige, die nicht "Nein“ sagen und deren Aufgaben so stetig wüchsen. Dem Springer-Autor zufolge gibt es ohne fremde Hilfe kein Entkommen aus der Burnout-Spirale. Darüber hinaus sei die Wiedereingliederung eines Burnout-Klienten in die Arbeitswelt langwierig und gelinge nicht immer.

Je mehr Untergebene, umso mehr Stress

Vor diesem Hintergrund geben die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Kompendium "Arbeitswelt im Wandel: Zahlen - Daten - Fakten (2020)" zusammengetragenen Erkenntnisse zur Arbeitsintensität in deutschen Firmen zu denken. Sie basieren auf dem Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2018" (Suga). Demnach würden Männer wie Frauen mit überlangen (über 48 Wochenstunden) und normalen Vollzeitstellen (35 bis 47 Wochenstunden) gern kürzer arbeiten.

Während sich nur etwa jede vierte Führungskraft durch Multitasking oder schnelles Arbeiten belastet fühlt, finden 42 Prozent der Vorgesetzten mit mehr als zehn Untergebenen die häufigen Störungen und Unterbrechungen ihrer Arbeit als anstrengend. Dabei arbeiten je nach Teamgröße 18 bis 23 Prozent der Führungskräfte an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit – was sie mehrheitlich ebenfalls belastet. Zwar haben Führungskräfte größeren Handlungsspielraum hinsichtlich Arbeitsplanung und -einteilung als "einfache" Beschäftigte, doch rund jede zweite Führungskraft mit mindestens fünf Mitarbeitenden berichtet von mehr Stress und Arbeitsdruck in den letzten zwei Jahren.

Nach der Arbeit nur noch platt?

Auch der DGB-Index Gute Arbeit 2019, der auf der Befragung von mehr als 6.500 abhängig Beschäftigten in Deutschland im Frühjahr 2019 basiert, stellt fest, dass eine hohe Arbeitsbelastung weit verbreitet ist. Demnach fühlen sich 53 Prozent der Beschäftigten bei der Arbeit oft/sehr häufig gehetzt. Jede vierte befragte Person sagt, dass sie ihre Arbeit nicht im vorgesehenen Zeitrahmen bewältigt. Und auch Arbeitnehmer, die ihr Pensum wie geplant schaffen, fühlen sich nach der Arbeit oft leer und ausgebrannt.

Reichlich Ausfälle durch psychische Störungen

Währenddessen gehen dem BAuA-Bericht zufolge fast 13 Prozent der Krankheitstage auf psychische und Verhaltensstörungen zurück. Diese verursachten 2018 einen Ausfall von 22,8 Milliarden Euro an der Bruttowertschöpfung. Grund genug also für Unternehmen, Arbeitsstress und Burnout im eigenen Haus entgegen zu wirken. Doch ohne Zutun der Beschäftigten selbst geht es nicht. Das Zauberwort dabei heißt Achtsamkeit.

Der Osteopath und Heilpraktiker Andreas Lux gibt im "Interview" mit Springer-Autor Markus Euler passende Anti-Stresstipps. Dazu gehören vorbeugende Maßnahmen, von regelmäßigem Sport über ausreichend Schlaf bis zur Pflege sozialer Kontakte. Für die schnelle Entspannung empfiehlt er Atemtechniken. Hilfreich beim Stressabbau seien auch regelmäßige Meditation, Autogenes Training und Resilienzcoaching. (Seite 120)

Zu hohe Erwartungen an Unternehmen erzeugen Stress

Einen anderen Denkansatz in punkto Burnout verfolgt Klaus Eidenschink, Coach und Leiter eines psychotherapeutischen Instituts. Er geht von der These aus, dass Beschäftigte zu hohe, stresserzeugende Erwartungen an ihre Unternehmen haben. Etwa hinsichtlich Humanität, Wertschätzung, Sicherheit, Gerechtigkeit und Sinnstiftung. Um auch mit schwierigen Situationen im Job gut zurechtzukommen, gehe es um zwei Dinge, erklärt der Springer-Autor in dem Buchkapitel "Burnout – Warum häufige seelische Muster von Managern und Managerinnen für Organisationen dysfunktional geworden sind". Einerseits darum, sich von unglücklich machenden Erwartungen zu verabschieden. Andererseits darum, das eigene Wohlbefinden nicht von spezifischen Bedingungen abhängig zu machen, sondern sich seelische Autonomie zu erarbeiten.

Darauf zu setzen, dass Organisationen sich so verändern, dass sie weniger Stress aufbauen und neurotischem Verhalten, das ihnen nicht dient, mehr Spielraum geben, wird nicht von Erfolg gekrönt sein. Darauf zu setzen, dass Organisationen weniger das ausbeuten, was Mitarbeiter aus unbewusst selbstschädlichen Motiven ihnen anbieten, noch viel weniger.  Klaus Eidenschink, Seite 322

Problematische psychische Strategien erkennen

Nun braucht es grundsätzlich eine funktionierende psychische Selbstregulation, um im Leben gut zurechtzukommen. Jedoch behelfen sich Menschen nicht selten mit ungünstigen seelischen Überlebensstrategien wie die "Rettung in Leistung" oder "Rettung in den Schein". Diese passen Eidenschink zufolge allerdings immer weniger zu heutigen Organisationen, und die Nischen, in denen sich beeinträchtigte psychische Muster leben ließen, würden weniger. Symptomatische Krisen wie Burnout seien die Folge. Problematisch ist insbesondere, dass es oft erst spät zu Symptomen kommt. Daher hält der Autor die Aufklärung über dysfunktionale Formen der Selbststeuerung und die Ermutigung, ungünstige seelische Zustände zu bearbeiten, für essenziell.

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