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23.11.2016 | Gewässer | Im Fokus | Onlineartikel

Der lange Weg zum guten Gewässerzustand

Autor:
Matthias Schwincke

Wo steht Deutschland bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie? Welche Herausforderungen sind zukünftig wichtig? Ein Bericht des Umweltbundesamtes liefert Antworten auf diese Fragen.

Laut der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sollen Flüsse, Seen, Übergangsgewässer, Küstengewässer und Grundwasser spätestens bis zum Jahr 2027 in einem „guten Zustand“ sein. Für das dazu erforderliche Flussgebietsmanagement hat die Europäische Union den Mitgliedstaaten einen klaren Zeitplan und drei sechsjährige Bewirtschaftungszyklen vorgegeben.

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Flussgebietsmanagement, Fließgewässerentwicklung

In den letzten Jahren haben zahlreiche neue europäische Richtlinien das wasserwirtschaftliche Handeln geprägt. Dazu zählen u. a. die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) und die Europäische Hochwasserschutz-Richtlinie.


In Deutschland wurden dabei in den letzten sechs Jahren unter anderem an fast 20.000 Messstellen Untersuchungen in Oberflächengewässern und im Grundwasser durchgeführt. Seit Frühjahr 2016 liegen die Ergebnisse aus der Umsetzung der ersten Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme vor. Einen entsprechenden Überblick liefert eine vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt (UBA) herausgegebene Broschüre mit dem Titel "Die Wasserrahmenrichtlinie - Deutschlands Gewässer 2015" 

Ernüchternde Bilanz der Wasserrahmenrichtlinie

Die fast 150 Seiten starke UBA-Publikation zeigt die Ergebnisse des ersten Bewirtschaftungszeitraumes sowie die Entwicklung seit dem Jahr 2009 und gibt einen Ausblick auf den beginnenden zweiten Bewirtschaftungszeitraum. Die wichtigsten Fakten und Erkenntnisse zum aktuellen Gewässerzustand und den erreichten Fortschritten:

  • Nur 8,2 Prozent der insgesamt 9.800 in Deutschland bewirtschafteten Oberflächengewässer erreichen das Ziel der WRRL und befinden sich in einem sehr guten oder guten ökologischen Zustand.
  • Der chemische Zustand der Oberflächengewässer wird in ganz Deutschland als "nicht gut" eingestuft. Ohne die Bewertung von flächendeckend auftretenden Schadstoffen, z.B. Quecksilber oder polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK), befinden sich allerdings 84 Prozent in einem guten Zustand.
  • Von den knapp 1.180 bewerteten Grundwasserkörpern erreichen 95,7 Prozent einen "guten mengenmäßigen Zustand". 63,7 Prozent erreichen einen "guten chemischen Zustand". Die restlichen Grundwasserkörper werden als "schlecht" eingestuft, wobei 74 Prozent dieser Gewässer das Bewirtschaftungsziel wegen einer zu hohen Nitratkonzentration verfehlen.
  • Viele Gewässerabschnitte sind wieder durchgängig. Lachse sind in die Gewässer zurückgekehrt und pflanzen sich dort wieder fort. Fortschritte gibt es auch beim Fischschutz an den Turbinen der Wasserkraftanlagen.
  • Insgesamt gesehen reagiert die Natur nur langsam auf die umgesetzten Maßnahmen. In Seen und im Grundwasser wirken Belastungen der Vergangenheit noch immer nach. Auch Bäche und Flüsse benötigen noch viele Jahre auf dem Weg zu sauberen, struktur- und artenreichen Lebensräumen.

Wasserwirtschaft vor Herausforderungen

Das Abschlusskapitel des UBA-Berichts macht deutlich: Neben der Umsetzung der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme für den zweiten WRRL-Bewirtschaftungszeitraum steht die Wasserwirtschaft künftig auch noch vor weiteren großen Herausforderungen. Dazu zählen u.a. eine umweltfreundlichere Gestaltung der Landwirtschaft zur Senkung der Nährstoffeinträge, eine weitere Reduktion von Mikroverunreinigungen wie Pestizide, Quecksilber und PAK, die Vermeidung von Plastikeinträgen in Binnen- und Meeresgewässern sowie die Anpassung von Gewässern an den Klimawandel. Wie die Akteure der Flussgebietsgemeinschaft (FFG) Elbe diese zusätzlichen Herausforderungen in ihren aktualisierten WRRL-Bewirtschaftungsplan integriert haben, zeigt die "Wasser und Abfall"-Autorin Ulrike Hursie in ihrem Artikel "Aktualisierung des Bewirtschaftungsplans und des Maßnahmenprogramms für das deutsche Einzugsgebiet der Elbe".

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