Skip to main content
main-content

30.05.2018 | Gewässer | Im Fokus | Onlineartikel

Fünf Bundesländer fischen nach Mikroplastik

Autor:
Matthias Schwincke

Mikroplastik betrifft nicht nur die Meere. Auch in süd- und westdeutschen Flüssen sind die winzigen Plastikteilchen bereits allgegenwärtig. Das zeigt eine erste Untersuchung in fünf Bundesländern.

Flüsse werden als Eintragspfade von Mikroplastikmüll in die Weltmeere schon seit einiger Zeit diskutiert. Systematische Untersuchungen zur Belastung von Fließgewässern durch winzige Plastikteilchen sind dagegen vergleichsweise neu. Folglich gibt es auch noch keine standardisierten Monitoring-Verfahren, und unterschiedliche Probenahme- und Nachweismethoden befinden sich parallel in der Entwicklung.

Empfehlung der Redaktion

01.03.2017 | Wasser | Ausgabe 3/2017

Mikroplastik

Das Problem Mikroplastik hat mehrere Ursachen, dazu zählen Kunststoffmüll, der in die Umwelt gelangt, Kunststoffpartikel, die durch Kosmetik- oder Reinigungsartikel ins Wasser gespült werden, Verluste an Ausgangssubstanzen für die kunststoffverarbeitende Industrie und auch Bekleidung aus synthetischer Mikrofaser. 


Ein umfassender Bericht mit dem Titel "Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands" vermittelt nun einen ersten Eindruck über das Vorkommen von Mikroplastikpartikeln in unterschiedlichen deutschen Regionen und Flüssen: vom Alpenvorland bis zum Niederrhein, vom kleinen Bach bis zum größten Strom Deutschlands.

Studie zeigt Mikroplastik als "zivilisatorische Grundlast"

Die über 80 Seiten starke Veröffentlichung ist das erste Resultat von abgestimmten länderübergreifenden Untersuchungen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In diesem Rahmen wurden von 2014 bis 2017 qualitative und quantitative Analysen von Mikroplastikpartikeln durchgeführt. Der vorliegende erste Teilbericht präsentiert die Ergebnisse von oberflächennahen Wasserproben, die an insgesamt 52 Messstellen in 22 unterschiedlichen Fließgewässern im Einzugsgebiet von Rhein und Donau erhoben wurden. Zusammenfassend ergeben sich daraus folgende Aussagen:

  • Von mehr als 19.000 analysierten Objekten wurden 4.335 als Kunststoffpartikel identifiziert. Rund 99 Prozent davon waren kleiner als 5 Millimeter und damit der Mikroplastik zuzuordnen.
  • Mikroplastik wurde an allen Probestellen gefunden. Es kann somit, mit Ausnahme der Quellregionen, von einer zivilisatorischen Grundlast von kleinen Kunststoffteilchen in den Gewässern ausgegangen werden.
  • Die Konzentrationen der Plastikteilchen zwischen fünf Millimeter und 20 Mikrometer liegen im Bereich von 2,9 Partikeln pro Kubimeter im Rhein bis 214 Partikeln pro Kubikmeter im Mündungsbereich der Emscher.
  • Generell treten größere Ansammlungen von Mikroplastik in kleineren und mittleren Nebengewässern auf. Im Rhein wurden dagegen eher niedrige bis mittlere Konzentrationen gemessen.
  • Die Partikelkonzentrationen innerhalb eines Gewässers bewegen sich häufig in einer vergleichbaren Größenordnung.
  • Konzentrationsanstiege in der Nähe von städtischen und industriellen Ballungsgebieten oder eine Zunahme entlang des Flussverlaufes wurden nur in Einzelfällen beobachtet.
  • Der größte Anteil (88,5 Prozent) aller gesammelten Partikel gehört zur Größenklasse „kleines bzw. sehr kleines Mikroplastik“ (ein Millimeter bis 20 Mikrometer).
  • Mit insgesamt 88 Prozent waren die Kunststoffe Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) am häufigsten vertreten.
  • Die dominierende Partikelform an nahezu allen Messstellen waren Fragmente. Fasern, Folien, Beads und Pellets wurden in geringerem Umfang bzw. an einzelnen Messstellen gefunden.

Mikroplastik als Handlungsfeld staatlicher Vorsorge

Die vorliegenden Analyseergebnisse zählen angesichts des aktuellen Forschungsstands und im internationalen Vergleich zu den umfangreichsten und detailliertesten Datensätzen zum Vorkommen von (Mikro-)Plastikpartikeln in Binnengewässern. Die in süd- und westdeutschen Flüssen gemessenen Konzentrationen liegen dabei in der gleichen Größenordnung wie Befunde aus vergleichbaren europäischen und nordamerikanischen Gewässern. Angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Mikroplastik empfiehlt die Studie im Sinne des staatlichen Vorsorgeprinzips frühzeitige Maßnahmen zur Reduktion weiterer Einträge. Diese könnten überall dort effizient ansetzen, wo die Entstehung von Mikroplastik und dessen Eintragspfade in die Umwelt hinreichend bekannt sind. Eine Einführung in die Quellen von Mikroplastik und die Belastung an der Wasseroberfläche ausgewählter internationaler Gewässer bietet der WASSER UND ABFALL-Autor Kryss Waldschläger im Aufsatz "Mikroplastik in der aquatischen Umwelt".

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.02.2018 | Umwelt | Ausgabe 1-2/2018

Mikroplastik in der aquatischen Umwelt

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Mikroplastikmüll im Meer

Quelle:
Faszination Meeresforschung

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Kunststoffe

Quelle:
Praxishandbuch der Kreislauf- und Rohstoffwirtschaft

Das könnte Sie auch interessieren

23.08.2017 | Schadstoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Kleider machen Mikroplastik

29.09.2015 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Große Forschung zu kleinen Kunststoffteilen

29.06.2017 | Gewässerschutz | Im Fokus | Onlineartikel

Schönheitspflege bedroht unsere Gewässer

13.10.2015 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Erster Orientierungsrahmen zu Mikroplastik

    Bildnachweise