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09.08.2018 | Gewässer | Im Fokus | Onlineartikel

Vom offenen Abwasserlauf zur kommunalen Klimaanlage

Autor:
Julia Ehl

​​​​​​​Der Heerener Mühlbach war früher ein offener Abwasserlauf. Nach der Renaturierung des Kamener Bachs ist das Ökosystem wieder intakt und der naturnahe Wasserlauf dient als kommunale Klimaanlage.

Schon in früheren Jahrhunderten haben Anrainer in den Verlauf von Flüssen und Bächen eingegriffen. "Im 19. Jahrhundert schritt die Wasserbautechnik voran. … Was am Oberrhein in großem Maße geschehen ist, wiederholte sich an unzähligen Standorten im Kleinen: Bäche wurden begradigt, zur Verhinderung weiterer Erosion in Röhren verlegt, im gemeindenahen Bereich auch völlig verdolt.", beschreibt Klaus-Dieter Hupke die massiven Eingriffe in die Natur im Buchkapitel Flussbegradigung vs. Flussrenaturierung.

Empfehlung der Redaktion

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Flussbegradigung vs. Flussrenaturierung

Ein natürlicher Bach- oder Flusslauf weist in seinem Bett sehr unterschiedliche Lebensräume und Lebensbedingungen auf: Flach- und Tiefwasserzonen, höhere und geringere Fließgeschwindigkeiten, unterschiedliche Dichte der Ufer- und Unterwasservegetation, unterschiedliche Struktur des Bodensubstrats.


Auch der Heerener Mühlbach wurde begradigt und sowohl teilweise in geschlossenen Abwasserkanälen als auch in einem offenen Betonbett geführt. Nach der Wasserrahmenrichtlinie, WRRL, musste er als erheblich verändertes Gewässer eingestuft werden und war in einem qualitativ minderwertigen Zustand. Der direkte Zugang musste aus Sicherheitsgründen durch Zäune verhindert werden und das natürliche Gewässerökosystem war kaum noch vorhanden. Gemeinsam haben der Lippeverband und die nordrhein-westfälische Stadt Kamen den Heerener Mühlbach bereits 2013 renaturiert und ziehen mittlerweile eine positive Bilanz.

Ausgezeichnete Renaturierung

Im Rahmen der ökologischen Umgestaltung wurde auf mehr als zwei Kilometer entlang des Bachs das Betonbett entfernt und das Ufer naturnah angelegt. Hierdurch verlangsamte sich der Wasserabfluss, die dezentrale Retention von Niederschlag wurde gestärkt und die Versickerung erhöht. Durch die Abkopplung von der Kanalisation und direkte Einleitung in den Bach von insgesamt 11.000 Quadratmeter Dach- und gepflasterten Flächen von rund 80 privaten Anwesen wurde die Überschwemmungsgefahr bei Starkregenereignissen vermindert sowie eine gleichmäßigere Wasserführung erzielt.

Der veränderte Bewuchs des Bachlaufs speichert mehr Kohlendioxid und beugt einer Entstehung von Hitzeinseln in der Stadt vor. Insgesamt wird das Ökosystem mittlerweile als wieder intakt bezeichnet. Zusätzlich erhöht der neben dem Bachlauf verlaufende neue Fuß- und Radweg die Lebensqualität für die Anwohner. Das Projekt wurde in die Leistungsschau der KlimaExpo.NRW aufgenommen, die Vorreiter in Sachen Klimaschutz auszeichnet. Dazu müssen die Projekte einem hohen Innovationsgrad unterliegen, nachhaltig sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht sowie auf unterschiedliche Bereiche und Branchen übertragbar sein.
Die Kosten für die Umgestaltung des Heerener Mühlbachs beliefen sich auf insgesamt 4,3 Millionen Euro. Gefördert wurde die Renaturierung im Rahmen des Projekts Future Cities aus dem EU-Programm Interreg IVB Nordwest Europa mit 729.600 Euro.

Über ein weiteres erfolgreiches Renaturierungsprojekt, das ebenfalls in die Leistungsschau der NRW-Landesinitative KlimaExpo.NRW aufgenommen wurde, berichtet Dieter Hammerschmidt in seinem Beitrag Renaturierung der Ruhr: Arnsberg holt sich seinen Fluss zurück in der WasserWirtschaft, Ausgabe 07-08/2018

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