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29.06.2017 | Gewässerschutz | Im Fokus | Onlineartikel

Schönheitspflege bedroht unsere Gewässer

Autor:
Matthias Schwincke

Nach der ersten UN-Ozeankonferenz und einem G20-Aktionsplan steht Plastikmüll im Meer mal wieder auf der globalen Agenda. Ein wachsender und zunehmend wichtiger Teil davon ist allerdings unsichtbar.

Ein bislang wenig beachteter, aber immer brisanterer Aspekt der Meeresverschmutzung ist Mikroplastik, also winzige Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter fünf Millimeter. Diese entstehen entweder durch die Zersetzung von größeren, bereits im Meer schwimmenden Plastikteilen (sekundäres Mikroplastik). Oder sie gelangen schon als weitgehend unsichtbare Partikel zumeist vom Land aus über Fließgewässer in die Ozeane.

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Mikroplastikmüll im Meer

Mikroplastik stellt eine ernst zu nehmende Belastung für die Meeresumwelt dar. Neben Quellen und Eigenschaften von Mikroplastikpartikeln werden ihre Auswirkungen auf Meeresorganismen sowie die Herausforderungen bei der Erforschung dieser Form der Umweltverschmutzung besprochen. 

Dieses sogenannte primäre Mikroplastik entsteht unter anderem beim Autofahren als Reifenabrieb, beim Waschen von Textilien mit synthetischen Kunstfasern oder beim Einsatz von Kosmetika, Körperpflege-, Reinigungs- und Waschmitteln. Wie eine aktuelle Studie der Weltnaturschutzorganisation IUCN zeigt, könnten bereits zwischen 15 und 31 Prozent aller Plastikabfälle in den Weltmeeren aus primärer Mikroplastik bestehen.

Neuer Betrachtungswinkel: Synthetische Polymere

Ein vermeidbarer, weil absichtlich produzierter Teil von primärer Mikroplastik entstammt konventionellen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. Unter der Leitung der niederländischen Plastic Soup Foundation macht ein internationales Bündnis von 90 NGOs aus 38 Staaten schon seit einigen Jahren auf diesen Problembereich aufmerksam. Denn er beschränkt sich längst nicht nur auf die winzigen Polyethylen-Kügelchen, wie sie unter anderem in Peelings oder Duschgels eingesetzt werden. Dies bestätigt ein aktueller Bericht der Umweltorganisation Greenpeace mit dem Titel "Vom Waschbecken ins Meer". Die wichtigsten Aussagen der rund 30-seitigen Publikation:

  • Die bisherigen gesetzlichen oder freiwilligen Maßnahmen zur Vermeidung von Mikroplastik in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten greifen zu kurz. Denn sie gelten nur für feste Plastikpartikel in sogenannten "Rinse-off"-Produkten wie Peeling, Shampoo oder Duschgel. Andere betroffene Produkte wie Creme, Make-Up, Nagellack, Lippenstift oder Haarspray sind bislang ausgenommen.
  • Feste Plastikpartikel sind allerdings nicht die einzigen, von konventionellen Kosmetikherstellern eingesetzte Mikrokunststoffe. Synthetische Polymere finden sich auch in flüssiger, wachs- oder gelartiger Form in den meisten Produkten.
  • Die in unterschiedlicher Form und Kombination vorkommenden Mikrokunststoffe übernehmen eine Vielzahl von Produktfunktionen. Die genaue Anzahl der synthetischen Inhaltsstoffe sowie die verwendeten Mengen sind unbekannt.
  • Die negativen Eigenschaften von einigen der eingesetzten synthetischen Polymere sind wissenschaftlich bekannt. Sie sind biologisch nicht oder nur schwer abbaubar, toxisch und teilweise bioakkumulierend.
  • Hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die Süßwasser- und Meeresumwelt sowie die menschliche Gesundheit geben vor allem folgende in konventionellen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten eingesetzten Mikrokunststoffe einen begründeten Anlass zur Sorge: Polyethylen, Nylon, Polyalkylenglykole, Polytetraflourethylen (Teflon), Polyquaternium-Verbindungen und Cyclotetrasiloxan. 

Ungeklärte Frage: Umweltrisiko von Mikrokunststoffen

Ein großes Problem zur abschließenden Beurteilung synthetischer Polymere in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten ist der Mangel an öffentlich verfügbaren Daten. Die meisten Inhaltsstoffe wurden bislang noch nicht näher auf ihre Umweltverträglichkeit hin untersucht oder bewertet. Somit existieren noch keine oder nur sehr lückenhafte Kenntnisse über ihre persistenten, toxischen oder bioakkumulierenden Eigenschaften. Noch weniger ist über ihren Verbleib in der Umwelt und dessen langfristige Folgen bekannt. Angesichts der weltweit nach wie vor wachsenden Nachfrage nach Kosmetik- und Körperpflegeprodukten bedeutet dieser Informationsmangel auch eine immer dringlichere Forschungsaufgabe. Einen einführenden Gesamtüberblick über diese komplexe Herausforderung bietet der Springer-Autor Babu Rajendran Ramaswamy im Buchkapitel Environmental Risk Assessment of Personal Care Products.

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