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12.09.2018 | Gewässerschutz | Kommentar | Onlineartikel

Plastikmüll – das eine tun, das andere aber nicht vergessen

Autor:
Prof. Dr.-Ing. Stephan Heimerl

Plastikmüll ist mittlerweile ein globales Problem geworden. Es erfordert sowohl bei uns ein Umdenken als auch Maßnahmen in Afrika und Asien. In der WasserWirtschaft gibt Stephan Heimerl Denkanstöße.

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Wenn man immer wieder im etwas ferneren Ausland, wie z. B. Afrika oder Asien, unterwegs ist, ist man häufig erschüttert, welche Plastikabfallberge überall in Gräben und auf Grundstücken "entsorgt" werden. Insbesondere in den küstennahen Großstädten, wie Dakar, Conakry oder auch Dhaka, ist dies fatal, werden doch alle Hanggrundstücke, Gräben und Wasserläufe mit Beginn der Regenzeit von der Natur "gereinigt" – und der ganze Müll landet sofort im Meer. Nachdem dies bei weitem nicht nur einzelne Tüten oder Plastikflaschen sind, muss man sich nicht wundern, wenn dann im Atlantik oder Pazifik große Plastikmüllteppiche treiben.

Empfehlung der Redaktion

01.09.2018 | Editorial | Ausgabe 9/2018

Plastikmüll — das eine tun, das andere aber nicht vergessen


Aber auch bei uns ist es manchmal erschreckend, was in unseren Gewässern an Plastiktüten, Plastikflaschen und anderem Kunststoffmüll herumliegt, sich an Wehren sowie Wasserkraftwerken ansammelt und dort vielfach mühsam herausgefischt sowie entsorgt werden muss.

Dass es auch anders geht, zeigt das kleine zentralafrikanische Land Ruanda, in dem nun seit über zehn Jahren Plastiktüten komplett verboten sind und deren Besitz mit drakonischen Strafen geahndet wird – mit durchschlagendem Erfolg. Und weitere Staaten, wie z. B. Marokko, Mauretanien, Tansania und einzelne australische Bundesstaaten folgten bereits, in anderen steht die Umsetzung kurz bevor.

Was tun wir in Deutschland und Europa?

Wir diskutieren trefflich über Verbote von u. a. Trinkhalmen und Plastikgeschirr, die nun wahrlich nicht jeder täglich nutzt. Gleichzeitig sind wir in anderen Staaten lehrmeisterhaft unterwegs, anstelle auch einmal mit effektiven Hilfe-zur-Selbsthilfe-Maßnahmen in den Ländern, in denen der Müll in großen Mengen sprichwörtlich vor der Türe liegt, ein Vielfaches von Plastikmüll dauerhaft aus dem Kreislauf zu entziehen. Bereits mit wenig Anreiz beispielsweise hin zu einem funktionierenden Entsorgungssystem, das bei weitem nicht so hoch technologisiert sein sollte wie in Mitteleuropa, kann ein Vielfaches in globaler Hinsicht erreicht werden.

Aber auch bei uns sollte ein Umdenken passieren. Warum muss denn der Bio-Salatkopf im Gegensatz zum anderen Salatkopf im Supermarkt in einer Plastikfolie eingepackt sein und dann in einer weiteren Plastiktüte nach Hause transportiert werden? Wäre hier nicht beispielsweise der Gang auf den Wochenmarkt zum lokalen Erzeuger mit einem Einkaufskorb alleine aufgrund der vermiedenen Verpackung und dem reduzierten Transport mehr „bio“ und nachhaltiger?

Oder ist es gar richtig, dass hierzulande gesammelter Plastikmüll als sogenannter Rohstoff exportiert wird und dann irgendwo wild entsorgt wird, wie das offensichtlich auch immer wieder passiert?

Wenn jeder wirklich über sein persönliches Handeln nachdenkt, werden auch wir in unseren Gewässern vor der Haustüre weniger Plastiktüten und Plastikflaschen etc. finden. Und das gesparte Geld für aufwendige Reinigungsaktionen könnte dann u. a. auch in eine zielgerichtete Hilfe für die Länder wandern, in denen man ein Vielfaches mit dem gleichen Geld erreichen kann, denn die Plastikmüllproblematik ist mittlerweile durchaus eine globale!

Dieser Kommentar ist in Ausgabe 09/2018  der Fachzeitschrift WasserWirtschaft erschienen.

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