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Über dieses Buch

Die Erkenntnis, dass gehörlose Frauen von verschiedenen Formen von Gewalt und ihren Folgen genauso oder sogar weit häufiger betroffen sein können als andere Frauen, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Ein stark erhöhtes Risiko für Gewalterfahrungen ergibt sich bei gehörlosen Frauen vor allem aufgrund einer ausgeprägten gesellschaftlichen Isolation. Ein weiterer wesentlicher Risikofaktor für die im Vergleich zu Frauen mit und ohne Behinderungen überdurchschnittlich hohe Gewaltbetroffenheit gehörloser Frauen ist ihre häufig alternativlose Einbindung in die Gehörlosengemeinschaft. Dies verweist darauf, dass unsere Gesellschaft bislang daran gescheitert ist, gehörlose Menschen ausreichend zu integrieren, und diese so marginalisiert hat, dass sie von der Mehrheitsgesellschaft weitgehend unbemerkt zu Tätern und Opfern werden.

Nicht zuletzt hat Gewalt gegen gehörlose Frauen komplexe und weitreichende gesundheitliche Folgen. Das Gesundheitssystem nimmt deshalb eine Schlüsselrolle für die Prävention, Weitervermittlung und Intervention bei Gewalt gegen gehörlose Frauen und ihre Kinder ein.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Gewalt gegen Frauen – diesem Thema kommt in Deutschland eine immer größer werdende gesellschaftliche und gesundheitspolitische Bedeutung zu. Hiervon zeugen unter anderem die in den letzten Jahren veröffentlichten Studien, allen voran die erste bundesweit repräsentative Untersuchung Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Daran anknüpfend lässt sich im letzten Jahrzehnt eine wachsende Sensibilisierung zu diesem Thema feststellen, die sich in entsprechenden Gesetzen, dem Gewaltschutzgesetz von 2002 und dem Gesetz zur Verbesserung des Schutzes gegen Nachstellungen 2007; 2017, in Maßnahmen der Prävention und des Opferschutzes (u. a. seit 2012 Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen) und nicht zuletzt in weiteren vertiefenden Forschungsarbeiten niedergeschlagen hat.
Sabine Fries

Kapitel 2. Zur bilingualen und bikulturellen Lebenssituation gehörloser Frauen

Zusammenfassung
Die Lebensbedingungen gehörloser Frauen können nicht losgelöst von der allgemeinen Lebenssituation gehörloser Menschen und ihrer besonderen bilingualen und bikulturellen Ausprägung betrachtet werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zugehörigkeit der gehörlosen Frauen zur Gehörlosengemeinschaft. Letztere ist von eigenen kulturellen Normen und gemeinsam geteilten Erfahrungswerten in einer hörenden Mehrheitsgesellschaft geprägt.
Sabine Fries

Kapitel 3. Gewalterfahrung hörender und gehörloser Frauen

Zusammenfassung
Der vorliegenden Studie liegt eine Definition des Europarates zugrunde. Gewalt gegen Frauen wird hier als „eine Menschenrechtsverletzung und eine Form der Diskriminierung der Frau verstanden und bezeichnet alle Handlungen geschlechtsspezifischer Gewalt, die zu körperlichen, sexuellen, psychischen oder wirtschaftlichen Schäden oder Leiden bei Frauen führen oder führen können, einschließlich der Androhung solcher Handlungen, der Nötigung oder der willkürlichen Freiheitsentziehung, sei es im öffentlichen oder privaten Leben“. Damit wird die Bestimmung des Gewaltbegriffes der WHO erweitert und speziell für die Personengruppe der Frauen konkretisiert.
Sabine Fries

Kapitel 4. Empirische Umsetzung

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie fühlt sich dem Ansatz des sogenannten community-engaged research (CEnR) verpflichtet. Forschungsarbeiten dieser Art werden von Prinzipien geleitet, die insbesondere das Verhältnis zwischen den Forschenden und den zu Beforschenden festschreiben. CEnR erfordert eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der jeweiligen sozialen Gemeinschaft, die erforscht werden soll.
Sabine Fries

Kapitel 5. Ergebnisse der Befragung gewaltbetroffener gehörloser Frauen

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der qualitativen Interviews dargestellt. In die computergestützte qualitative Inhaltsanalyse sind alle ausgewerteten zwölf Interviews einbezogen. Den Ergebnissen vorangestellt ist eine zusammenfassende Beschreibung der Stichprobe.
Sabine Fries

Kapitel 6. Diskussion

Zusammenfassung
Der Diskussionsteil ist zweigeteilt. Im ersten Teil wird der besondere methodische Ansatz kritisch reflektiert (Abschn. 6.1). Im zweiten Teil werden die gewonnenen Ergebnisse der Untersuchung inhaltlich diskutiert und in die wissenschaftliche Literatur eingeordnet (Abschn. 6.2).
Sabine Fries

Kapitel 7. Handlungsempfehlungen

Zusammenfassung
Geeignete Unterstützungsmaßnahmen für gehörlose Frauen, sei es in medizinischen Arbeitskontexten, aber auch in Beratungs- und Therapiezusammenhängen, sind bis heute nur vereinzelt und in Ansätzen vorhanden. Trotz der hohen Gewaltbetroffenheit ist diese Zielgruppe im Unterstützungssystem immer noch deutlich unterrepräsentiert. Das wurde auch durch die Daphne-Studie Zugang von Frauen mit Behinderungen zu Opferschutz- und Unterstützungseinrichtungen bei Gewalterfahrungen bestätigt. Hier wurde aufgezeigt, dass Frauen mit Sinnesbeeinträchtigungen das Unterstützungssystem im Vergleich zu anderen eher selten aufsuchen, da für sie nach wie vor kaum Barrierefreiheit gegeben ist.
Sabine Fries

Kapitel 8. Fazit: Gesundheitspolitische Perspektiven für gewaltbetroffene gehörlose Frauen

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit gehört zu einer Reihe von Untersuchungen, die Aufschluss über die aktuelle Lebenssituation gehörloser Frauen und vor allem die darin verborgen liegende Gewaltproblematik geben. Die Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland“ hat erheblich dazu beigetragen, auf die hohe Gewaltprävalenz gehörloser Frauen aufmerksam zu machen. In der sich daran anschließenden Sekundärauswertung sowie der vorliegenden Arbeit steht die Gewaltproblematik dieser Frauen im Mittelpunkt.
Sabine Fries

Backmatter

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