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13.01.2022 | Gewinn- und Verlustrechnung | Im Fokus | Onlineartikel

Clouds, ESG und Plattformen boostern Rendite bei Banken

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Die deutschen Banken sind trotz erhöhter Risikovorsorge bislang gut durch die Krise gekommen. Doch bei der Rendite muss die Branche deutlich aufholen, sagt eine aktuelle Studie. Mit der Cloud-Technologie, mehr Nachhaltigkeit und Plattformmodellen bleiben die Stellschrauben aber die alt bekannten.

"Die Banken sind in der Pandemie für viele Privat- und Geschäftskunden ein Partner in der Not und haben Vertrauen zurückgewonnen", erklärt Walter Sinn. Der Deutschlandchef von Bain ist Mitautor der Studie "Deutschlands Banken 2021". In dieser hat das Beratungshaus die Lage der Branche und aktuelle Entwicklungen untersucht. Hierzu gehört zum Beispiel die fortschreitende Straffung des Filialnetzes. So sank die Zahl der Filialen im Jahr 2020 um gut zehn Prozent auf insgesamt 20.300. Allerdings verhinderte eine höhere Risikovorsorge zugleich deutlichere operative Fortschritte, obwohl die Institute das Jahr 2020 mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite nach Steuern von 1,1 Prozent abschlossen. 

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Wohin der Wandel die deutschen Banken führt

Das durch die Digitalisierung veränderte Kundenverhalten und die Nutzung von Onlinekanälen sowie der damit zusammenhängende Filialabbau gehen in allen Geldhäusern hierzulande voran. Doch an den Geschäftsmodellen und Kostenstrukturen ändert sich überraschend wenig.

Die Geldhäuser müssen ein Bündel an "strukturellen Herausforderungen" bewältigen, um ihre Renditeschwäche zu bewältigen. Die Bankenlandschaft sei fragmentiert, das Kostenniveau häufig immer noch zu hoch und in zukunftsträchtigen Märkten etablierten sich Wettbewerber wie Fintechs oder Neo-Broker, heißt es in der Analyse weiter. Dennoch halten es die Studienautoren mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von acht bis zehn Prozent für realistisch. Zum Ultimo 2020 legten die Automobilbanken mit 7,5 Prozent die höchste Eigenkapitalrendite vor. Direktbanken weisen 7,2 Prozent aus und die genossenschaftliche Bankengruppe sowie die Sparkassen erwirtschafteten eine Rendite von immerhin 5,3 beziehungsweise 3,5 Prozent.

Pandemiebedingte Unsicherheit bleibt

Wie eine Auswertung der Halbjahresergebnisse von insgesamt 21 großen deutschen Banken, die unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen, aus dem Sommer ergab, lagen deren Risikokosten in der ersten Jahreshälfte 2021 knapp 50 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dennoch sorge die anhaltende Pandemie weiterhin für Unsicherheit im Hinblick auf den weiteren Konjunkturverlauf. "Damit erhöht sich auch das Ausfallrisiko von Krediten. Erst 2022 wird sich zeigen, ob die bisherige Kreditrisikovorsorge ausgereicht hat", so Bain-Partner Sebastian Thoben. 

Helfen werde der Branchen das Ende der lockeren Geld- und Zinspolitik der EZB, mit dem die Studienautoren aufgrund steigender Inflationstendenzen rechnen. Höhere Zinsen und damit eine verbesserte Zinsmarge könne die Rendite mittelfristig um 2 bis 3 Prozentpunkte steigern. Zudem müssen die Institute weitere strukturelle Einsparpotenziale heben sowie das Provisionsgeschäft ausbauen. 

Der Studie zufolge ermöglichen Nettoeinsparungen von weiteren zehn bis 15 Prozent eine branchenweite Cost-Income-Ratio von 60 bis 65 Prozent und damit eine um 1 bis 1,5 Prozentpunkte höhere Rendite. Als zentrale Stellschraube nennt die Analyse eine weitere Verschlankung der Organisation und eine Transformation der IT-Landschaft hin zu skalierbaren Cloud-Modellen. Orientierung böten internationale Branchenvorreiter, so Thoben. 

Clouds beschleunigen Innovationen in Banken

Cloud Services können die Innovationsgeschwindigkeit von Geldhäusern beschleunigen und ihnen effiziente Zugänge zu modernen Technologien wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz (KI) ermöglichen. In einem dynamischen Marktumfeld bilden diese Technologien zunehmend den Kern der Wertschöpfung und der erfolgreichen Differenzierung gegenüber Wettbewerbern in der Bankenbranche sowie darüber hinaus", schreibt Christian Kemper im Bankmagazin-Beitrag "Wie der Weg in die Cloud führt" (Ausgabe 4 | 2021).

"Wir haben beobachtet, dass viele Banken zunächst einzelne Services aus ihren Kernsystemen herauslösen und sukzessive in einer modernen, cloudfähigen Umgebung neu implementieren", zitiert der Bankmagazin-Chefredakteur Andreas Wodtke, Vice President Banking & Financial Markets bei IBM DACH. Sobald klar ist, welche Services benötigt werden und welche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Prozessen bestehen, lassen sich die notwendigen Funktionalitäten in der Cloud bereitstellen. 

"Die so entstehenden Module können flexibel sowohl miteinander als auch mit Legacy-Anwendungen und den Services Dritter interagieren", erklärt Wodtke weiter. "So können Geldhäuser Cloud-Lösungen nicht nur schnell, sicher und einfach realisieren, sondern sich mit einem schrittweisen Vorgehen allmählich von monolithischen Systemen lösen." Zudem erhielten die Institute dadurch einen einfachen Zugang zu Innovationen, ergänzt Eli Rosner, Chief Product and Technology Officer von Finastra, im gleichen Beitrag. "Die Cloud verhilft zu relevanteren Kundenerlebnissen und reduziert die Gesamtbetriebskosten, ohne den Aufwand für die Verwaltung von Sicherheit und Infrastruktur."

Zehn Hebel für mehr Nachhaltigkeit

Als weiteren Renditeturbo betrachten die Bain-Studienautoren unter anderem eine verstärkte Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Hierzu bedürfe es einer konsequenten Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle und einer Verankerung von ESG-Aspekten (Environment, Social, Governance) in der Strategie. "Richtig aufgestellt, können Banken zusätzliche Erträge im Kreditgeschäft, in der Beratung und rund um die Kapitalanlage erzielen sowie ihre Finanzierungs-, Risiko- und Betriebskosten senken", heißt es im Report. Der nennt insgesamt zehn zentrale Stellhebel für mehr Nachhaltigkeit: 

  1. Ambitionen und messbare Ziele definieren 
  2. Umfassende Diagnose stellen
  3. Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie verschmelzen
  4. Gesamten Transformationspfad vordenken
  5. Schlagkräftige Governance aufsetzen
  6. Die richtigen Talente und Fertigkeiten zusammenbringen und fördern
  7. Nützliche Partnerschaften aufbauen
  8. Kommunikation transparent gestalten
  9. Nachhaltigkeit vorleben
  10. Organisation mobilisieren

Mehr Ertrag dank digitaler Ökosysteme

Daneben sorgen laut Studie auch digitale Ökosysteme für neue Ertragsströme. Als Beispiel dient den Analysten die belgische KBC. Die Bank bietet ihrer Privatkundschaft über eine App verschiedene Mehrwertdienste an. Das schaffe zahlreiche Anlässe für tägliche Interaktionen. Die Plattform bietet neben bankeigene Produkte wie Cashback-Lösungen auch Partner-Services. Zu denen gehören unter anderem Tickets für den öffentlichen Nahverkehr oder die Verwaltung von Essensgutscheinen. Ähnliche Plattformen seien auch im Firmenkundensegment denkbar – etwa mit Dienstleistungen für Buchhaltung, Verkaufsplanung, Gehaltsabrechnung und weitere banknahe Dienste.

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