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Der Artikel beleuchtet die faszinierende Geschichte der Glasherstellung, die ihren Ursprung in Ägypten um 3000 v. Chr. hat. Die Entwicklung der Glasmacherpfeife in Syrien um 100 v. Chr. revolutionierte die Produktion von Hohlglas und trug zur Verbreitung der Glasherstellung im Römischen Reich bei. In Mitteleuropa entstanden zwischen 50 und 300 n. Chr. die ersten Glashütten, die auch nach dem Ende der Römischen Kaiserzeit weitergeführt wurden. Die Glasproduktion in Europa durchlief mehrere Phasen, von der Nutzung von Soda bis zur Umstellung auf Pottasche, die aus Holzasche gewonnen wurde. Die Waldglashütten, die ab dem 8. Jahrhundert in waldreichen Gebieten wie Böhmen entstanden, spielten eine entscheidende Rolle in der vorindustriellen Glasproduktion. Der Artikel untersucht die Glasfunde der Glashütte Bernstein im Mönchgraben und die Glashandgranaten von der Burg Güssing, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Durch moderne Analysemethoden wie Röntgenfluoreszenzanalysen und Rasterelektronenmikroskopie werden die chemischen Zusammensetzungen der Glasfunde detailliert untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Natrium als auch Kalium in den Proben enthalten sind, was auf die Verwendung von Mischungen aus Soda und Pottasche hinweist. Die Glashandgranaten, die für militärische Zwecke eingesetzt wurden, bestehen aus weniger homogenisiertem Glas, was auf die geringeren Anforderungen an die Qualität hinweist. Die detaillierten Analysen und historischen Kontexte bieten ein tiefgehendes Verständnis der Glasherstellung und -verarbeitung im 17. Jahrhundert und heben die Bedeutung der archäologischen Funde für die historische Forschung hervor.
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Zusammenfassung
1633 wurde von der Herrschaft Bernstein eine Glashütte im Mönchgrabens bei Günsbach im Burgenland errichtet. Aufgrund von Holzmangel dürfte diese Hütte bereits 1694 wieder geschlossen worden sein. Die untersuchten Glasreste enthielten sowohl Natrium als auch Kalium, was darauf hindeutet, dass kein reines Waldglas aus Pottasche verarbeitet wurde. Die Proben enthielten auch Mn, das zum Entfärben zugesetzt wurde. Die Anwendung von As konnte in den Gläsern nicht nachgewiesen werden.
Von der Burg Güssing stammten die beiden untersuchten Glashandgranaten. Diese wurden vermutlich zwischen 1590 und 1600 hergestellt. Auch dieses Glas enthielt Mischungen von Natrium und Kalium. Auffällig war eine helle Korrosionsschicht an einer der Bruchflächen.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
1 Einleitung
Die Glasherstellung begann ca. 3000 v. Chr. in Ägypten und wurde zuerst in Form von Glasuren auf Keramiken eingesetzt. Etwa 1500 v. Chr. wurden ebenfalls in Ägypten Schmuck und kleinere Gefäße aus Glas hergestellt. Nachdem ca. 100 v. Chr. in Syrien die Glasmacherpfeife erfunden wurde, konnte Hohlglas sehr effizient gefertigt werden [1]. Die Technik der Glasherstellung gelangte in der Zeit des Römischen Reiches aus dem Vorderen Orient nach Mitteleuropa, denn die römischen Niederlassungen waren in der Versorgung der eigenen Truppen und Bevölkerung autark. So entstanden Handwerkerviertel mit Glashütten, Töpfereien und so weiter. Zwischen 50–300 n. Chr. wurden die ersten Glashütten in Deutschland gegründet [2].
Bereits während der Römischen Kaiserzeit wurde in germanischen Siedlungen versucht, Glas herzustellen. Nach deren Ende wurden einzelne römische Glashütten weitergeführt beziehungsweise im Umfeld neu aufgebaut. Es ist nicht eindeutig erwiesen, ob in allen Glashütten auch Rohglas hergestellt oder dieses nur verarbeitet wurde. In der Merowinger- aber auch Karolingerzeit wurden mehrere produktionsanzeigende Glashütten archäologisch untersucht. Zu dieser Zeit war die Produktion von Glas auf Basis von Soda noch möglich [2], denn durch die Verbreitung des Islams (ab ca. 630 n. Chr.) verschlechterte sich der Handel mit Soda zusehends [3].
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Später gelang es, die Glasproduktion in Europa auf Pottasche (K2CO3), die aus Holzasche gewonnen wurde, umzustellen. Archäologische Werkstattnachweise aus dieser Zeit sind selten. Diese wären Reste von Glasöfen wie z. B. Teile der Ofenkuppel, Schmelzgefäße (Glashäfen) und Produktionsabfall. Erste Waldglashütten entstanden im waldreichen Böhmen ab ca. 800 n. Chr.
Bis ins ausgehende 13. Jahrhundert wurde Glas im Umfeld von Klöstern hergestellt, aber ab dem 14. Jahrhundert entwickelte sich eine vorindustrielle Art der Glasproduktion. War neben Quarz genügend Holz vorhanden, wurden einfache Öfen errichtet und daneben simple Behausungen. Kamen der Holzbestand oder die weiteren Rohstoffvorkommen zum Erliegen, zogen die Glasleute weiter, um neue Standorte zu errichten.
1.1 Die Glasproduktion
Die wichtigsten Rohstoffe für Natronglas sind Soda (Na2CO3), Quarz (SiO2) und Kalkstein (CaCO3). Da Quarz als Sand und Kalk aus Kalkstein leicht verfügbar sind, war und ist die entscheidende Ressource für die Glasherstellung Soda. Die mineralische Quelle für Soda war Trona (Na3H(CO3)2·2H2O), welches in Salzseen gesammelt wurde. Barilla (Salsola soda, Chenopodiaceae) [4] war neben Seetang die wichtigste Pflanze für die Sodagewinnung.
Nachdem der Sodahandel zum Erliegen kam, wurde die Glasherstellung auf Pottasche (K2CO3) umgestellt. Für die Pottaschegewinnung (Aschenbrand) wurde mehr als die dreifache Menge an Holz als für die Glasschmelze verbrannt [5]. Die Aschenbrenner nutzten vorzugsweise Holz in schwer erreichbaren Hochlagen, welches für die kommerzielle Nutzung nicht zugänglich war, oder es wurde Schadholz beziehungsweise Astwerk verwendet [6]. Die gewonnene Asche konnte leicht abtransportiert werden.
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Es wurden auch Haus- und Hüttenasche gesammelt, um daraus Pottasche zu gewinnen.
Bis etwa 1650 wurde die gewonnene oder gesammelte Rohasche nur gesiebt. Aus dieser verunreinigten Asche wurde grünes Waldglas hergestellt. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Asche in Wasser ausgelaugt und die entstandene Lauge durch Kochen bis zur pulverförmigen Pottasche eingedampft. Aus dieser gereinigten Pottasche konnte farbloses Kristallglas hergestellt werden [5].
Auch für die Befeuerung der Glasschmelzöfen wurde hochwertigeres Holz benötigt. Ein Schmelzofen mit sechs Häfen verbrauchte im Jahr zwischen 3000 und 6000 Raummeter Holz. Der Holztransport zur Glashütte musste auch berücksichtigt werden [5].
Die Rohstoffe Quarz oder Kies, Kalk und Soda wurden zerkleinert und gut vermischt, um ein schnelles Aufschmelzen des Gemischs zu gewährleisten. Die Mischung der Rohstoffe wird als „Glassatz“, der „Satz“ oder das „Gesätz“ bezeichnet. Die Glasschmelzer hielten die Rezepturen der Glassätze meist geheim, wodurch viele der Glasrezepte verloren gingen und erst wieder neu erfunden werden mussten. Durch den Zusatz von Pottasche kann die Schmelztemperatur der Glasmischung auf etwa 900 Grad gesenkt werden. Der Zusatz von Kalk verbessert die Beständigkeit von Glas, wodurch Gebrauchsglas entsteht. Um den Schmelzvorgang zu erleichtern, wurden dem Glassatz auch Glasscherben zugesetzt. Jede Hütte verfügte über mindestens zwei, aber besser drei Öfen. Im ersten Ofen wurden die Rohstoffe zur sogenannten Fritte verschmolzen, im zweiten Ofen wurde umgeschmolzen, um eine homogene Schmelze zu erhalten. Aus dem dritten Ofen wurde die Schmelze für die Verarbeitung entnommen [7].
Um farbloses Glas zu erhalten, konnte man Manganoxid (Braunstein, MnO2) als Entfärbungsmittel der Schmelze zusetzen [8]. Arsen konnte ebenfalls als Entfärbungsmittel eingesetzt werden, es diente aber auch als Läuterungsmittel, um Gasblasen zu entfernen [9, 10].
1.2 Die Glasproduktion in Ostösterreich
In Ostösterreich ist eine lokale Glasherstellung erst ab dem 14. Jahrhundert historisch belegt [11].
Aufgrund des Waldreichtums gehören das Mühlviertel (im nördlichen Oberösterreich) sowie das angrenzende Waldviertel (im nordwestlichen Niederösterreich) seit dem Mittelalter zu den bedeutenden Glashüttenregionen Mitteleuropas. Schriftliche und bildliche Quellen bezüglich der Glaserzeugung stehen leider nicht für alle Zeitepochen zur Verfügung. Die vorhandenen Quellen zeigen auch nicht das tatsächliche Erscheinungsbild der Hütten oder deren Produkte.
Die Lokalisierung von Glaswerkstätten kann durch oberflächliche Funde erfolgen. Beispielhaft wären dies Glasofenreste, Schmelzgefäße, Glasmacherwerkzeug, Rohglas und Produktionsabfall.
Befunde von vollständig ergrabenen Glashütten sind sehr selten. Es ist lediglich der Grundriss eines Glasofens aus dem Minichwald bei Wilhelmsburg (16./17. Jh.?) dokumentiert [12].
In der Steiermark liegt eine Glashütte, die zum Augustiner Chorherrenstift Stainz gehörte [13]. Der vorgelegte Befund zeigt neben den ergrabenen Glasöfen auch das Umfeld mit der Rohstoffaufbereitung und den Abfallhalden.
1.3 Die Bernsteiner Glashütte im Mönchgraben bei Günsbach
1633 wurde die älteste Glashütte der Herrschaft Bernstein von Christoph Ehrenreich von Königsberg errichtet. Bereits damals wurde festgestellt, dass der große Holzverbrauch der Glashütte in Konkurrenz zu den nahegelegenen Bergwerken stand. 1644 kaufte Adam Batthyany die Glashütte, die bis zur Stilllegung etwa 1694 in Familienbesitz blieb. Vermutlich war das Ende der Hütte dem selbst verschuldeten Holzmangel geschuldet. Laut den vorhandenen Produktionsdaten wurden sogenannte „Butzenscheiben“ unterschiedlicher Qualität, aber auch Apothekergläser, Apothekerfläschchen, Zuckerschalen, Trinkgläser und Flaschen erzeugt [14, 15].
Der Standort der Glashütte wurde in einer Beschreibung von 1694 im Oberen Minnichgraben (Mönchgraben) im Bereich des Günsbachs angegeben. Der genaue Standort der Hütte wurde im Zuge von Geländebegehungen im Raum Günseck festgestellt (Abb. 1a; [16]).
Anzumerken wäre noch, dass nördlich des Mönchgrabens ein Areal mit dem Riednamen „Braunsteinwiesen“ liegt. Dies legt nahe, dass lokal vorkommendes Manganoxid in der Bernsteiner Glashütte genutzt wurde [17].
1.4 Glashandgranaten von der Burg Güssing
Auf dem Berg Kiszeny wurde um 1150 eine Holzburg errichtet, die als Vorläufer der Burg Güssing angesehen wird. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel bemächtigt sich 1457 Nikolaus Ujlaky der Burg. Dass er der Habsburger-Partei in Ungarn angehörte, könnte der Grund dafür gewesen sein, dass auf Burg Güssing Kaiser Friedrich III. zum König von Ungarn gewählt wurde.
Mangels Nachkommenschaft fällt die Burg 1524 zurück an die ungarische Krone.
Danach wurde die Burg an die Familie Batthyany übertragen, in deren Besitz sie sich seither befindet.
Im 16. und 17. Jh. wurde die Burg zu einer Festung ausgebaut, um gegen die Gefahren aus dem Osten gewappnet zu sein.
Im 18. Jh. verfiel die Burg, da sie keine strategische Bedeutung mehr besaß und da aufgrund einer Dachsteuer nicht mehr erhalten werden konnte. Ab 1870 wurde über eine Stiftung der Familie Batthyany die Erhaltung der Burg finanziert (Abb. 1b; [18, 19]).
Die während archäologischer Ausgrabungen gefundenen Glashandgranaten stammen vermutlich aus den Jahren 1590–1600.
Glashandgranaten waren mit Schießpulver gefüllte Gefäße, die durch die Zersplitterung des Glases entsprechende Schäden beziehungsweise Verletzungen verursachen konnten [20‐22].
2 Untersuchungsmethoden
Einige der zur Verfügung gestellten Fundstücke wurden mittels einer Diamanttrennmaschine in für die Analysen handhabbare Stücke geschnitten.
Es wurden Aufnahmen mit einem 3D-Digitalmikroskop (3D-DM) und einem Rasterelektronenmikroskop (REM) angefertigt. Durch eine am REM angeschlossene energiedispersive Röntgenanalyse (EDX) wurden lokale Elementzusammensetzungen bestimmt. Für die Bestimmung der gesamten chemischen Zusammensetzung der Proben wurden Messungen mittels Röntgenfluoreszenzanalysen (RFA) durchgeführt.
3 Untersuchungsergebnisse und Diskussion
Die vorliegenden Fundstücke wurden durch Herrn Josef Polatschek, im Zuge einer Begehung 1967, von der Bodenoberfläche und aus dem Bachbett geborgen.
Es handelt sich um diverse Glasfragmente (Abb. 2) und Hafen- beziehungsweise Tiegelbruchstücke (Abb. 3 und 4).
Abb. 2
Glasfragmente unterschiedlicher Qualität von der Glashütte Bernstein im Mönchgraben. a, d, g, j, m Übersichtsfoto, b, c, e, f, h, i, k, l, n, o Oberflächen im REM
3.1 Die Glasfunde aus dem Mönchgraben bei Günsbach/Bernstein
Die Ergebnisse von RFA Messungen der Glasfunde sind in Tab. 1 zusammengefasst. Aus den Analysenergebnissen ist ersichtlich, dass sowohl Natrium als auch Kalium in den Proben enthalten sind. Um die unterschiedlichen Konzentrationsverhältnisse von Na, K, Mg und Ca zu visualisieren wurden die Werte in ein Doppeldreiecksdiagramm eingetragen (Abb. 5).
TABELLE 1
RFA-Analysen von Fundstücken der Glashütte Bernstein im Mönchgraben (Gew.%)
Glasfragmente unterschiedlicher Qualität
Bruchstücke von Glashafen
Nr. 1
Nr. 2
Nr. 3
Nr. 4
Nr. 5
Nr. 6, Of.
Nr. 6, Sf.
Nr. 7 Of.
Nr. 7 Sf.
SiO2
48,38
47,49
50,33
53,72
53,24
39,41
46,55
34,22
32,51
CaO
8,46
9,36
10,17
7,53
7,8
3,34
0,3
0,34
0,06
Al2O3
17,34
17,26
18,37
15,78
14,68
29,71
42,28
46,37
59,9
MgO
2,41
3,11
3,59
2,36
2,82
2,73
0,73
1,78
0,08
Na2O
11,50
5,45
4,91
9,21
6,58
4,43
1,07
5,64
0,72
K2O
9,97
13,64
9,6
9,92
12,41
9,33
4,3
7,19
3,37
Fe3O4
0,42
1,08
1,59
0,38
0,81
9,1
4,16
3,16
2,75
MnO
0,14
0,13
0,14
0,09
0,20
0,11
n.n.
n.n.
n.n.
SO2
n.n.
0,15
n.n.
n.n.
n.n.
0,25
n.n.
0,12
n.n.
P2O5
1,24
2,14
1,04
0,83
1,24
0,98
n.n.
0,33
n.n.
TiO2
0,08
0,12
0,17
0,1
0,08
0,58
0,61
0,87
0,61
PbO
n.n.
n.n.
n.n.
n.n.
0,06
n.n.
n.n.
n.n.
n.n.
SrO
0,07
0,07
0,08
0,06
0,08
0,05
n.n.
n.n.
n.n.
n.n. nicht nachweisbar, Of. Oberfläche, Sf. Schnittfläche
Abb. 5
Chemische Zusammensetzungen der Glasfunde aus Bernstein auf Basis der RFA Messergebnisse. Doppel-Dreiecksdiagramm zum Vergleich der Konzentrationsverhältnisse der Alkali- und Erdalkalielemente
Die Gläser Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 4 (Abb. 2a, d, j) sind durchsichtig und grünlich gefärbt. Diese Farbe kann durch die geringen Mengen an Fe im Glas erklärt werden. Die Gläser Nr. 1 und Nr. 4 besitzen sehr ähnliche Zusammensetzung. Gläser Nr. 2 enthält etwas mehr K, Ca und Mg, in Relation zu den Gläser Nr. 1 und Nr. 2. Die Oberflächen im REM betrachtet (Abb. 2b, c, e, f, k, l) sind gleichförmig glatt.
Die Gläser Nr. 3 und Nr. 5 (Abb. 2g, m) sind trüb und undurchsichtig. Es könnten Stücke von Fritte sein, die aus einem früheren Produktionsschritt stammen, als die Glasschmelze noch nicht vollständig aufgeschmolzen war. Die Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung könnte auf den geringeren Homogenisierungsgrad zurückgeführt werden (Abb. 5). Die Oberflächen von Glaser Nr. 3 erscheinen im REM rissig (Abb. 2h, i), und bei Glaser Nr. 5 sind längliche Strukturen erkennbar, welche jedoch nicht analytisch erfasst werden konnten (Abb. 2n, o).
Aus den Analysen ist ersichtlich, dass es sich um kein reines Waldglas handelt, welches überwiegend Kalium im Vergleich zu Natrium enthalten sollte. Für die relativ hohen Na-Gehalte in den Gläsern gibt es mehrere Erklärungen. Die einfachste Variante wäre, dass altes Soda-Glas, unter Zusatz von Waldglas, recycelt wurde. Es kann auch angenommen werden, dass im 17. Jh. der Sodahandel mit Ägypten, zumindest teilweise, wiederaufgenommen wurde. Eine weitere Sodaquelle war auch damals die Gewinnung aus Pflanzen, wie beispielsweise Barilla [4]. Die industrielle Herstellung von Soda auf rein chemischem Weg, nach dem Leblanc-Verfahren, begann erst nach 1787 [23].
Da in allen Proben Mangan nachgewiesen wurde, könnte dieses zur Entfärbung der Glasschmelze beigefügt worden sein [8]. Arsen, welches ebenfalls bei der Glasherstellung verwendet wurde, konnte nicht nachgewiesen werden [9, 10].
3.2 Die Hafenbruchstücke aus dem Mönchgraben bei Günsbach
Die Oberflächen dieser Stücke unterschieden sich bereits visuell von den für die Zerkleinerung erhaltenen Schnittflächen. Dies könnte durch den Kontakt mit der Glasschmelze entstanden sein oder erst später während der Lagerung im Erdreich. Um allfällige Unterschiede zu erfassen, wurde einmal die Oberfläche (Of.) und einmal die Schnittfläche (Sf.) mittels RFA analysiert. Die Ergebnisse sind in Tab. 1 zusammengefasst. Generell kann gesagt werden, dass diese Stücke viel Al2O3 neben SiO2 enthalten, was einem keramischen Tiegelmaterial entspricht. Die Ca und Mg Gehalte sind hingegen niedrig.
Bruchstück Nr. 6 (Abb. 3a, b) ist sehr grobkörnig und leicht rötlich gefärbt. Die Oberfläche erscheint im 3D-DM eher verschmiert (Abb. 3c) und im REM feinkörnig und rissig (Abb. 3d–f).
Lokale REM-EDX Messungen sind sehr unterschiedlich, da sowohl Glasreste als Hafenmaterial vorliegen. Die RFA Messungen zeigen, dass an der Oberfläche mehr Na, K, Mg und Ca vorliegen, was auf die Anwesenheit von Glasresten schließen lässt (Tab. 1).
Bruchstück Nr. 7 (Abb. 4a, b) ist deutlich größer, und es sind auch hellgrüne Glasreste an der Oberfläche erkennbar. Im 3D-DM betrachtet erscheint die Oberfläche leicht rötlich aber gleichförmig (Abb. 4c). Im REM sind einige mm große Patzen von anhaftendem Glas zu erkennen (Abb. 4d–f). Die RFA Messungen zeigen wiederum, dass an der Oberfläche Na, K, Mg und Ca deutlich erhöht sind (Tab. 1). Dieses Bruchstück erscheint heller, da es weniger Eisen enthält.
3.3 Die Glashandgranaten von der Burg Güssing
Zwei Bruchstücke von Glashandgranaten (HG‑1, HG-2) wurden für Untersuchungen zur Verfügung gestellt (Abb. 6 und 7). Die RFA Ergebnisse von Oberflächen (Of.) und Schnittflächen (Sf.) sind in Tab. 2 zusammengefasst.
Abb. 6
Bruchstück einer Glashandgranate von der Burg Güssing (HG-1). a–c Übersichtsbilder, d–f REM Bilder
RFA-Analysen der Glashandgranaten von der Burg Güssing (Gew.%)
HG‑1, Of.
HG‑1, Sf.
HG‑2, Of.
HG‑2, Sf.
SiO2
42,69
48,92
53,87
52,32
CaO
12,55
10,69
4,9
8,39
Al2O3
18,08
14,24
30,68
19,35
MgO
10,84
3,27
3,25
3,54
Na2O
3,39
10,15
0,8
3,42
K2O
9,9
10,62
3,5
9,72
Fe3O4
0,79
0,56
1,66
0,82
MnO
0,22
0,17
0,38
0,2
SO2
0,49
0,1
0,36
0,3
P2O5
0,85
1,2
0,29
1,76
TiO2
0,09
n.n.
0,24
0,12
SrO
0,09
0,08
0,08
0,08
n.n. nicht nachweisbar, Of. Oberfläche, Sf. Schnittfläche
Das Glas von HG‑1 ist blass-grünlich und undurchsichtig matt (Abb. 6a–c). Farbänderungen der Oberflächliche können auf die Lagerung im Erdreich zurückgeführt werden. Die Zusammensetzung des Glases zeigt, dass sowohl Na, K, als auch Mg, Ca enthalten sind. Es handelt sich somit um ein Glas, das aus Soda und Pottasche hergestellt wurde. Im REM erscheint die Oberfläche ungleichmäßig (Abb. 6d–f).
Bei HG‑2 ist die äußere Oberfläche matt, dunkelgrün mit rötlichen Anlagerungen (Abb. 7a, b). Auffallend ist die alte Bruchfläche, welche mit einer hellen Schichte überzogen ist (Abb. 7c). Der Glaskörper der Handgranate ist dunkelgrün (Abb. 7d) und die helle Bruchfläche weist bunt schillernde Schlieren auf (Abb. 7e, f). Die RFA Messungen zeigen, dass diese helle Schicht auf die Auslaugung des Glases zurückzuführen ist, was auch als Glaskorrosion bezeichnet wird [24, 25]. Na, K und Ca werden aus dem Glas herausgelöst, wodurch die Konzentrationen der anderen Elemente ansteigen (Tab. 2). Aus den REM-Bildern wird ersichtlich, dass die Schlieren sich im Glaskörper befinden. Dies bedeutet, dass das Glas nicht gut homogenisiert wurde (Abb. 7i–l). Es werden auch verschiedene Einschlüsse im Glas beobachtet. Zur Veranschaulichung wurde eine REM-EDX Elementverteilung angefertigt (Abb. 8).
Abb. 8
EDX – Elementverteilung der Glashandgranate HG‑2, von der Burg Güssing
Es kann wohl angenommen werden, dass für die Anwendung von Glas für Handgranaten eine mindere, aber billigere Qualität ausreichend war.
4 Schlussfolgerungen
Sowohl die Glasfunde von der Glashütte Bernstein im Mönchgraben als auch die Glashandgranaten stammen aus dem Ende des 16. Jhs. beziehungsweise dem 17. Jh.
Aufgrund des eingeschränkten Sodahandels mit Ägypten wurde Pottasche (K2CO3) aus Holzasche für die Glasproduktion verwendet. Das mit Pottasche hergestellte Glas wurde als Waldglas bezeichnet.
Alle untersuchten Glasproben enthielten sowohl Na als auch K, woraus geschlossen werden kann, dass Mischungen aus Soda und Pottasche verwendet wurde, beziehungsweise auch Altglas recycelt wurde. Die Gläser enthielten auch geringe Mengen an Eisen, wodurch die grünliche Farbe erklärt werden kann. Das nachgewiesene Mangan könnte absichtlich zur Entfärbung des Glases zugesetzt worden sein. Arsen, welches oft zum Läutern der Glasschmelze eingesetzt wurde, konnte nicht nachgewiesen werden.
Für die Glashandgranaten wurde wenig homogenisiertes Glas mit vielen Schlieren eingesetzt, denn für diese Anwendung war kein qualitativ hochwertiges Glas notwendig. Aufgrund von Glaskorrosion wurden Veränderungen an Glasoberflächen festgestellt. Aus dem Glas werden Na, K und Ca herausgelöst, wodurch sich die Konzentrationen der anderen Elemente erhöhen.
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