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Über dieses Buch

Die Gleichstellungsarbeit an Hochschulen in Deutschland weist vor dem Hintergrund hochschulischer Reformprozesse Merkmale eines Professionalisierungsprozesses auf. Anhand eines Mixed Methods Ansatzes wird in dem vorliegenden Buch die Ausprägung der soziologischen Professionskriterien untersucht. Während die quantitative Untersuchung einen positiven Zusammenhang zwischen wissenschaftlichem Geschlechterwissen und dem Professionalisierungsgrad nachweist, zeigt die qualitative Interviewstudie die Heterogenität unterschiedlicher Akteurinnentypen und deren Bezug zu diesem Wissen. Für den (weiteren) Professionalisierungsprozess sind das wissenschaftliche Geschlechterwissen und der Transfer dieses Wissens in die Gleichstellungspraxis fundamental.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung und Problemstellung

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund hochschulischer Reformprozesse und dem Bedeutungsgewinn der Gleichstellungspolitik an Hochschulen befasst sich die vorliegende Untersuchung mit der Frage nach der Professionalisierung der hochschulischen Gleichstellungsarbeit. Die gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber der Gleichstellungspolitik wird zurückgeführt auf gleichstellungsrelevante Förderprogramme und Initiativen sowie die Implementierung neuer Gleichstellungsstrategien. Reformprozesse haben zudem die Integration gleichstellungspolitischer Elemente in die Hochschulsteuerung ermöglicht sowie zu einer zunehmenden Verlagerung der Gleichstellungspolitik in die Leitungsebenen geführt. Aufgrund der damit zusammenhängenden zunehmenden Nachfrage nach Genderkompetenz, sind Professionalisierungsprozesse in der Gleichstellungsarbeit zu beobachten. Die vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Frage nach der Professionalisierung der hochschulischen Gleichstellungsarbeit sowohl aus einer theoretischen als auch empirischen Perspektive zu beantworten.
Lina Vollmer

Theorie und Forschungsstand

Frontmatter

Kapitel 2. Professionssoziologische Theorie

Zusammenfassung
Traditionelle und moderne professionssoziologische Ansätze werden auf ihre Tauglichkeit zur Untersuchung der Gleichstellungsarbeit geprüft. Es wird deutlich, dass der klassische Professionsbegriff aufgrund seiner starren Kategorien und seiner Ausrichtung an traditionellen Professionsmerkmalen, die in der heutigen modernen Arbeitswelt an Bedeutung verloren haben, nicht geeignet ist, die Professionalisierung der Gleichstellungsarbeit zu untersuchen. Zudem haben die etablierten professionssoziologischen Schulen die Geschlechterperspektive konsequent ignoriert und somit die Rolle geschlechtsspezifischer Machtverhältnisse bei der Genese von Professionen unbeachtet gelassen. Neuere professionssoziologische Ansätze erlauben einen dynamischen Blick auf Professionalisierung und Professionalität und die Analyse von in bürokratischen Organisationen eingebundenen Tätigkeiten, z. B. der Hochschulprofessionellen.
Lina Vollmer

Kapitel 3. Hochschulmanagement im Reformprozess

Zusammenfassung
Seit Ende der 1990er Jahre ist im deutschen Hochschulsystem eine zunehmende Implementierung neuer Steuerungsmechanismen und Organisationskonzepte zu beobachten gewesen, die unter den Begriff New Public Management zusammengefasst und in der Literatur unter Verwendung der Governance-Perspektive untersucht werden. Die Reformprozesse haben sowohl einen Wandel der Hochschule zur vollwertigen Organisation als auch eine Professionalisierung des Hochschulmanagements angestoßen. Diese zeichnet sich durch gestiegene Qualifikationsanforderungen sowie eine Ausdifferenzierung bereits bestehender Bereiche oder der Institutionalisierung neuer Bereiche aus. Die Forschung zur Professionalisierung des Hochschulmanagements fokussiert die Ausprägung von Professionalität bei bestimmten Tätigkeiten der Hochschulprofessionellen unter Verwendung neuer Professionalitätskonzepte und dient daher als Vorbild für die vorliegende Untersuchung des hochschulischen Gleichstellungsbereichs.
Lina Vollmer

Kapitel 4. Gleichstellungsarbeit an Hochschulen

Zusammenfassung
Die hochschulische Gleichstellungsarbeit ist ein sehr heterogenes Feld. Zum einen unterliegt sie unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben und zum anderen haben die Reformprozesse die Gleichstellungsstrukturen an Hochschulen in den letzten Jahren enorm verändert. Im Zuge der Reformprozesse haben sich die personellen Strukturen der Gleichstellungsarbeit ausgeweitet, vor allem um Stellen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Gleichstellungsbeauftragten. Gleichstellung ist zum integralen Bestandteil von Wettbewerbssteuerung und Anreizsystemen geworden. Damit einher ging eine Verknüpfung von Gleichstellung mit einer ökonomischen Argumentationslogik, was in der geschlechtertheoretischen Literatur kontrovers diskutiert wird. Die Umdeutung der Argumente für Gleichstellung in eine wettbewerbsorientierte Logik berge die Gefahr, dass die hochschulische Gleichstellungspolitik ihren gesellschaftskritischen Charakter und die Orientierung an der Gerechtigkeitsargumentation verliere. Zudem wird die gleichstellungsfördernde Wirkung neuer Steuerungsinstrumente häufig angezweifelt.
Lina Vollmer

Kapitel 5. Hochschulische Gleichstellung aus professionssoziologischer Sicht

Zusammenfassung
Die Anwendung traditioneller professionssoziologischer Konzepte mit den drei professionskonstituierenden Hauptkriterien ExpertInnenwissen, Autonomie und KlientInnenorientierung führt unweigerlich zur Einstufung der Gleichstellungsarbeit als Semi-Profession. Bei Zuhilfenahme moderner Konzepte lassen sich Professionalisierungsprozesse in der Gleichstellungsarbeit identifizieren, wie z. B. die Gründung berufsständischer Organisationen und fachlicher Netzwerke. Zentral für den Professionalisierungsprozess der Gleichstellungsarbeit ist die Herausbildung von geschlechtertheoretisch fundiertem ExpertInnenwissens. Die dafür notwendige Übersetzung von wissenschaftlichem Geschlechterwissen in die Gleichstellungspraxis gilt jedoch als problematisch aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit von theoretischem und anwendungsbezogenem Wissen.
Lina Vollmer

Forschungsdesign

Frontmatter

Kapitel 6. Methodisches Vorgehen und Operationalisierung

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit baut auf einer empirischen Untersuchung auf, die mithilfe eines Mixed Methods Designs durchgeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine quantitative Online-Befragung mit Amts- und StelleninhaberInnen der hochschulischen Gleichstellungsarbeit und eine darauf aufbauende qualitative Interviewstudie mit Gleichstellungsakteurinnen an fünf unterschiedlichen Hochschulen. Bei der quantitativen Studie handelt es sich um eine Vollerhebung aller an deutschen Hochschulen tätigen GleichstellungsakteurInnen im Jahr 2012. Sie dient der Ermittlung des Professionalisierungsgrads der Gleichstellungsarbeit. Die qualitative Studie vertieft anhand von telefonischen Expertinneninterviews den Aspekt Geschlechterwissen in der Praxis und beinhaltet eine Typologie der unterschiedlichen Akteurinnen.
Lina Vollmer

Ergebnisse

Frontmatter

Kapitel 7. Ergebnisse der quantitativen Untersuchung

Zusammenfassung
Die Ergebnisse der quantitativen Untersuchung zeigen, dass innerhalb des Gesamtsamples bestimmte Gruppen zu finden sind, die die Professionalisierungsmerkmale erfüllen und die vor dem Hintergrund der angewandten Kriterien als professionalisiert bezeichnet werden können. Würde man nur die hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten mit einem geschlechtertheoretischen Hintergrund betrachten oder nur diejenigen AkteurInnen, die angeben, einen geschlechtertheoretischen Hintergrund im großen Umfang zu haben, hätte man eine Gruppe von GleichstellungsakteurInnen, die alle Merkmale eines Berufs in einem weit fortgeschrittenen Professionalisierungsprozess aufweisen würde. Zieht man hingegen das Gesamtsample heran, wird eine große Heterogenität in Bezug auf die Professionalisierungsmerkmale deutlich, was gegen einen einheitlichen Professionalisierungsprozess der hochschulischen Gleichstellungsarbeit spricht.
Lina Vollmer

Kapitel 8. Ergebnisse der qualitativen Untersuchung

Zusammenfassung
Anhand der Ergebnisse der qualitativen Untersuchung wird deutlich, dass es sich bei den untersuchten Gleichstellungsakteurinnen hinsichtlich Geschlechterwissen, gleichstellungspolitischem Engagement und Skepsis gegenüber frauenpolitischen Anliegen um eine sehr heterogene Gruppe handelt. Trotz dieser Heterogenität kann insgesamt eine positive Einschätzung des Nutzens der Geschlechterforschung für die Gleichstellungspraxis festgestellt werden. Die Geschlechterforschung dient einerseits als Rechtfertigungsgrundlage für gleichstellungspolitisches Handeln, gleichzeitig offenbaren die Interviews aber auch eine Überforderung und Skepsis gegenüber der Anwendbarkeit geschlechtertheoretischer Forschung. Die Bewertung von wissenschaftlichem Geschlechterwissen hängt dabei eng mit dem eigenen Bezug und Verständnis der Befragten von Geschlechterforschung ab.
Lina Vollmer

Kapitel 9. Zusammenführung der empirischen Befunde

Zusammenfassung
Die Zusammenführung der Ergebnisse der quantitativen und der qualitativen Untersuchung verdeutlicht noch einmal die Heterogenität der untersuchten Gruppe sowohl anhand der quantitativen Merkmale als auch der qualitativen Typologie. Zu dem quantitativen Befund, wonach sich bei geschlechtertheoretisch bewanderten AkteurInnen ein höheres Bemühen zur Integration von Geschlechtertheorie in die Praxis zeigt, findet sich auf der qualitativen Ebene eine erklärende sich selbstverstärkende Dynamik. So distanzieren sich manche Akteurinnen aufgrund von genereller Skepsis gegenüber der Genderthematik von den Verwertungsmöglichkeiten wissenschaftlichen Geschlechterwissens für die Gleichstellungspraxis. Gleichzeitig wird jedoch die Rolle von Geschlechterforschung als Referenzwissenschaft der Gleichstellungspraxis deutlich, womit wissenschaftlichem Geschlechterwissen die aus professionssoziologischer Perspektive zentrale Funktion der wissenschaftlichen Fundierung einer professionellen Leistung zugesprochen werden kann. Insgesamt kann vor dem Hintergrund der empirischen Ergebnisse festgehalten werden, dass sich das ExpertInnenwissen der hochschulischen Gleichstellungsarbeit aus wissenschaftlichem Wissen, Erfahrungs- bzw. Praxiswissen und bereichsspezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten zusammensetzt.
Lina Vollmer

Ausblick

Frontmatter

Kapitel 10. Vereinheitlichung, Verwissenschaftlichung und Vernetzung

Zusammenfassung
Aufgrund ihrer Heterogenität bleiben viele Potenziale der hochschulischen Gleichstellungsarbeit ungenutzt und eine Weiterentwicklung wird ausgebremst. Eine weitere Professionalisierung dieses Felds bedarf vor allem drei Komponenten: Eine Vereinheitlichung im Sinne einer Definition eines Kompetenz- und Anforderungsprofils der hochschulischen Gleichstellungsarbeit, eine Verwissenschaftlichung, d.h. die Orientierung an den Ergebnissen und Konzepten der Geschlechterforschung sowie anderen relevanten wissenschaftlichen Bereichen und schließlich eine institutionalisierte Vernetzung zur Förderung eines systematischen Austauschs zwischen GleichstellungsakteurInnen untereinander sowie von GleichstellungsakteurInnen und GeschlechterforscherInnen miteinander.
Lina Vollmer

Backmatter

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