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Über dieses Buch

Dieses Buch beschreibt den Umfang und das Ergebnis der Gletschermessungen seit der kleinen Eiszeit und verdeutlicht so den heutigen Stellenwert der in den Ostalpen gemessenen Daten für die Klimaforschung.
Die Autor/innen stellen frühe Forschungsleistungen des Alpenvereins, wie den Nachweis der Existenz der Eiszeiten oder die Entdeckung des Fließgesetzes für Gletschereis vor. Spannende Blicke ins Archiv zeigen exemplarisch die Mechanismen und Auswirkungen des Gletscherrückganges. Besonders detailliert ist Österreichs größter Gletscher, die Pasterze im Glocknergebiet, beschrieben.
So entsteht für interessierte Laien ein Bild der Beziehung zwischen Gletscher und Klima mit vielen geomorphologischen Details. Studierende und Absolvent/innen der Geowissenschaften finden wissenschaftshistorisch relevante Details und regionale Fakten zum Klimawandel und dessen Erforschung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Gletscher, gelassen, gleißend und erhaben, fast majestätisch in größten Höhen thronend, faszinieren Menschen seit langer Zeit. Das oft fälschlicherweise als „ewiges Eis“ bezeichnete prägende Element der Hochgebirgslandschaft ist in Wirklichkeit einer der veränderlichsten Bestandteile der festen Erde. Nach den Gesetzen der Physik sind die Gletscher täglichen, jährlichen und langfristigen Änderungen unterworfen, die durch die Änderungen der Sonneneinstrahlung, aber auch durch die Änderungen der Zusammensetzung der Atmosphäre verursacht werden. Die aus der Ferne betrachtet scheinbare Unvergänglichkeit und Unveränderbarkeit der Gletscher hängt auch mit der ihnen innewohnenden Bedächtigkeit zusammen, zumindest im Vergleich zur Kürze und Sprunghaftigkeit eines Menschenlebens. Jäger, Hirten, Landwirte, Reisende und Alpinisten kamen als Erste in die Nähe des Unnahbaren, und lernten die lebensfeindlichen Eisriesen aus der Nähe kennen. Heute wissen wir mehr denn je über die Gletscher, die eine der letzten weißen Flecken auf den Karten der Alpen dargestellt hatten – und vieles davon verdanken wir den frühen Forschern, die sich vor mehr als hundert Jahren den Gletschern zugewendet hatten.

Andrea Fischer

2. Die Längenmessungen des Alpenvereins an Ostalpengletschern

Die wissenschaftliche Erforschung der Alpen war von Anfang an ein wesentliches Anliegen des Alpenvereins. Sie ist in den Gründungsstatuten des Österreichischen Alpenvereins vom Jahre 1863 festgehalten: „Zweck des Vereines ist: die Kenntnisse von den Alpen … zu verbreiten und zu erweitern … “. Damit begann eine umfangreiche und alle Fachgebiete umfassende Forschungstätigkeit, von der ab den ersten Mitteilungen und Jahrbüchern ausführlich berichtet wurde. Von Anfang an hatte dabei die Gletscherforschung einen hohen Stellenwert. Diese wurde aber erst mit den Hütten- und Wegebauten in größerem Umfang möglich, als der ebenfalls im statutenmäßigen Vereinszweck geforderte Punkt „die Bereisung zu erleichtern“ in größerem Ausmaß gegeben war. Es folgten rasch zunehmend vom Alpenverein unterstützte und angeregte Gletscheruntersuchungen.

Gernot Patzelt

3. Der Gletschermessdienst und die wissenschaftliche Forschung als Ziel des Alpenvereins

Die Alpenvereine sind heute in erster Linie für die von ihnen gepflegte Infrastruktur – Wanderwege, Klettersteige, Schutzhütten und Kletterhallen – und das vielfältige Freizeitangebot bekannt. Sie zählen in Deutschland, Österreich und Südtirol zu den mitgliederstärksten Organisationen des jeweiligen Landes. In den Hintergrund getreten ist die literarische und wissenschaftliche Aufgabe der alpinen Vereine, die sie in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung sehr stark geprägt hat. Auf rund eineinhalb Jahrhunderte Geschichte blicken nämlich die alpinen Vereine in den Ostalpen heute bereits zurück. 1862 wurde der Österreichische Alpenverein in Wien gegründet, 1869 der Deutsche Alpenverein in München – sie schlossen sich 1874 zum „Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein“ zusammen und waren maßgeblich an der Erschließung der Ostalpen beteiligt. In den Statuten wurde 1862 als Zweck definiert: „die Kenntnisse von den Alpen mit besonderer Berücksichtigung der oesterreichischen, zu verbreiten und zu erweitern, die Liebe zu ihnen zu fördern, und ihre Bereisung zu erleichtern.“ Als Erstes wurden also die „Kenntnisse“ angestrebt. Und das erstaunt nicht, wenn man betrachtet, dass es vorwiegend Naturwissenschaftler waren, die den österreichischen Alpenverein 1862 begründeten, und dass wiederum viele Naturwissenschaftler in Sektionen des Alpenvereins führend tätig wurden (Soukup 2011, 2012a).

Martin Achrainer

4. Die Pasterze, Österreichs größter Gletscher, und seine lange Messreihe in einer Ära massiven Gletscherschwundes

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Pasterze, die als größter Gletscher Österreichs seit mehr als 150 Jahren eine hohe öffentliche Wertschätzung genießt. Die wissenschaftliche Erforschung reicht bis ins 19. Jh. zurück und brachte die Einrichtung eines jährlichen Gletscher-Monitorings bereits 1879. Die Messreihe der Längenänderungen ist daher die längste der Alpen. Das gegenwärtige Gletscher-Monitoring umfasst neben der Messung der Längenänderung auch die Messung der Höhe und Bewegung der Gletscheroberfläche an Profilen. Die graphisch veranschaulichten Messergebnisse werden interpretiert und diskutiert. Ergänzend werden ausgewählte Folgeprozesse des Gletscherschwundes, inklusive einiger Erkenntnisse zur holozänen Klimageschichte, dargelegt. Der starke Gletscherschwund wird auch in absehbarer Zukunft weitergehen, was u. a. zur Abtrennung der Gletscherzunge führen wird.

Gerhard Karl Lieb, Andreas Kellerer-Pirklbauer

5. Die Geschichte der Gletscherbeobachtung und -messung in den Österreichischen Alpen

Vor 170 Jahren, genau am 11. Oktober 1846, wurden am Karlseisfeld, dem heutigen Hallstätter Gletscher der Dachsteingruppe, die ersten bekannten Markierungen vor einer österreichischen Gletscherzunge durchgeführt. Friedrich Simony (1895, S. 129) berichtet von „zwei in den Felsboden eingehauenen Kreuzzeichen im Abstande von je 7,6m vom untersten Eisrande“. Ende der 1870er-Jahre wurden Eduard Richter und seit Mitte der 1880er-Jahre Sebastian Finsterwalder zu Mentoren der Gletscherbeobachtung und -kartierung und fanden einen Partner für die Gletscherforschung: Vor 125 Jahren begann der Alpenverein mit seinen Sektionen, die Gletschermessungen umfassend zu unterstützen und durch den Wissenschaftlichen Beirat des Zentralausschusses zu organisieren. Seither gibt es Gletschermessungen, die Gletscherbeobachtungen reichen weiter zurück.

Günther Groß

6. Die Bedeutung historischer und aktueller Gletscherforschungen des Alpenvereins für die Geowissenschaften

Zum Zeitpunkt von Eduards Richter Aufruf zur Beobachtung der Gletscher war kaum vorhersehbar, wie wichtig die damals begonnenen Messungen des Vorstoßes und Rückgangs im 21. Jahrhundert werden würden. Heute sind die zurückschmelzenden Gletscher zum Symbol des Klimawandels geworden. Das breite wissenschaftliche, aber auch gesellschaftliche Interesse an den an Gletschern erhobenen harten Fakten begründet sich aus der öffentlichen Diskussion zum Ausmaß und zur Ursache des Klimawandels und daraus erwachsenden Handlungsbedarf. Auf der Klimakonferenz von Paris wurde im Jahr 2015 ein weltweites politisches Übereinkommen zur Reduktion der Treibhausgase getroffen, mit dem Ziel, die globale Temperaturänderung bis zum Jahr 2100 auf 2 °C zu begrenzen. Die politische Umsetzung der Ziele ist wiederum nur möglich, wenn es entsprechendes Umweltbewusstsein und Akzeptanz für Maßnahmen in der Bevölkerung gibt, wobei die Kommunikation des Klimawandels und daher auch die Gletschermessungen eine wichtige Rolle spielen.

Andrea Fischer

7. Bilder des Klimawandels: Ein Blick ins Archiv

Das Archiv des Gletschermessdienstes des Österreichischen Alpenvereins enthält neben Unterlagen zu früheren Forschungen auch die Originalberichte der Beobachter der Längenänderungen. In diesen finden sich nicht nur die Art und Lage der Messmarke sowie die Entfernung der Gletscherzunge von den Messmarken, sondern auch allgemeine Beobachtungen über den Zustand der Gletscher. Diese Zustandsberichte werden teils mit Fotos oder Skizzen ergänzt. Berichtet wurde über spezielle Ereignisse, etwa Muren oder die Bildung von Seen, aber auch über den Witterungsverlauf des Beobachtungsjahres oder diverse Forschungstätigkeiten.

Gebhard Bendler, Andrea Fischer

Backmatter

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