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21.03.2022 | Globalisierung | Schwerpunkt | Online-Artikel

Deutsche Unternehmen brauchen neue Wachstumsstrategien

verfasst von: Annette Speck

4 Min. Lesedauer

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Handelskonflikte, Nachhaltigkeitsforderungen und Covid-19 haben die Globalisierung ausgebremst. Das könnte so bleiben. Die Frage ist, wie die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft sich für die Zukunft aufstellt.

Die Entwicklungen der letzten Jahre haben weltweit manche altbewährten Gepflogenheiten der Wirtschaftswelt ins Wanken gebracht. Ob Brexit, der Handelsstreit zwischen den USA und China, der dramatische Klimawandel und schließlich noch die Corona-Pandemie mit unterbrochenen Lieferketten – Wirtschaftsmanager wie Politiker sind alarmiert, denn viele Geschäfte laufen nicht mehr rund. Zudem hat sich die Globalisierung deutlich abgeschwächt und wird in Teilen kritisch betrachtet.

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Unterbrochene Lieferketten, Schwierigkeiten im Nachschub einfachster medizinischer Schutzkleidung (z. B. Mundschutz) im Rahmen der Corona-Krise bieten Anlass die Globalisierung zu hinterfragen. Den gegenwärtigen Spielregeln der Globalisierung sind die Perspektiven einer digitalisierten Wirtschaftsordnung mit entsprechenden Geschäftsmodellen für die Zukunft gegenübergestellt.

Schließlich haben nicht alle Menschen gleichermaßen von den Vorteilen der Globalisierung profitiert. Nicht nur der Abstand zwischen Armen und Reichen sei eher größer als kleiner geworden, schreibt Thomas Straubhaar in dem Beitrag “Nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Globalisierung“. Auch seien die Vorteile von Billigproduktionsstandorten so gut wie ausgereizt und weitere Kostensenkungen zögen größere Risiken nach sich. (Seite 841/842)

Deutschland ist Profiteur der Globalisierung

All dies zwingt gerade auch deutsche Unternehmen, ihre Auslandsstrategien zu überdenken. Einfach wird das nicht. Immerhin haben Wirtschaft und Gesellschaft hierzulande über Jahrzehnte enorm von der Internationalisierung des Handels profitiert. Laut der von Prognos im Auftrag der KfW durchgeführten Studie “Globalisierung in der Krise“ hingen im Jahr 2019 rund 28 Prozent aller Arbeitsplätze (rund 12,6 Millionen Erwerbstätige) hierzulande und 31 Prozent der Bruttowertschöpfung (knapp 1.000 Milliarden Euro) direkt oder indirekt vom Export ab. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe werden weit mehr als die Hälfte der Gesamtumsätze im Ausland erzielt.

In Folge der Covid19-Pandemie brachen die deutschen Exporte im Jahr 2020 jedoch deutlich ein. Und die Auswirkungen der Corona-Krise werden wohl noch länger das Auslandsgeschäft drücken. Davon wären der KfW-Analyse zufolge in erster Linie die direkt exportierenden Unternehmen betroffen, aber auch viele der zuliefernden KMU.

Studie rechnet mit stagnierender Globalisierung

"Es spricht einiges dafür, dass die Globalisierung nach Überwindung der Corona-Krise in langsamem Tempo voranschreitet. Die Unternehmen sind gut beraten, sich mit einer solchen möglichen Entwicklung auseinanderzusetzen - und über alternative Wachstumsstrategien nachzudenken", erklärt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW mit Blick auf die Studie. Diese skizziert drei mögliche Entwicklungsszenarien der Globalisierung bis 2030:

  1. Im Szenario Globalisierungsschub nimmt die Globalisierung in den nächsten Jahren wieder Fahrt auf. 
  2. Im Referenzszenario wird angenommen, dass die Globalisierung sich verlangsamt  –  wie schon in den letzten zehn Jahren. 
  3. Im Szenario Deglobalisierung wird die in den frühen 2000er Jahren erfolgte Globalisierung teilweise rückabgewickelt.

 

In verschiedene Richtungen denken

Ausgehend von diesen Szenarien besteht in jedem Fall Handlungsbedarf bei den deutschen Unternehmen. Die Analyse zeigt drei Wege auf, um Exportstrategien anzupassen und neue Absatzpotenziale zu erschließen:

  • Stärkere Fokussierung auf die Binnennachfrage in Deutschland. Wachstumschancen ergeben sich hier vor allem aus den Megatrends demografischer Wandel, Digitalisierung sowie Klima- und Umweltschutz.
  • Entwicklung neuer, innovativer Exportprodukte oder -dienstleistungen. Die fortschreitende Digitalisierung und die zunehmende Bedeutung von Klima- und Umweltschutz dürften international wichtige Impulse setzen, von denen Deutschland als zweitgrößter Exporteur von Klima- und Umweltschutztechnologien profitieren kann. 
  • Erschließung neuer, vielversprechender Exportmärkte. Jenseits der bisherigen Absatzmärkte in Europa, Nordamerika und Ostasien bieten einige Schwellen- und Entwicklungsländer Chancen.

Gravierender Wandel durch Digitalisierung

Auf die Bedeutung der Digitalisierung weist auch Springer-Autor Thomas Straubhaar hin: „Die Digitalisierung wird in vielen Bereichen zur genuinen Nachfolgerin der Globalisierung.“ Anstatt Waren über große Distanzen zu den Menschen zu bringen, gelange die Produktion dank neuer Technologien zum Menschen. So komme es zu einem Stabwechsel vom globalen Handel mit Gütern zu mehr Handel mit Dienstleistungen, Wissen und Daten. In diesen Bereichen stehe die Globalisierung erst am Anfang, glaubt Straubhaar. (Seite 844)

Suche nach neuen Zielmärkten systematisch angehen

Für Unternehmen, die sich entscheiden, neue Exportmärkte zu erschließen, ist ein systematisches Vorgehen bei der “Beurteilung und Auswahl von Zielmärkten“ unerlässlich. Wie Dietmar Sternad schreibt, sollten dabei folgende Aspekte berücksichtigt werden (Seite 59):

  • Unternehmensstrategie 
  • mögliche unüberwindliche Barrieren für die Geschäftstätigkeit in einem Land 
  • Marktpotenzial 
  • Marktrisiken 
  • eigene Wettbewerbsstärke 
  • Verfügbarkeit von Ressourcen
  • erfolgversprechendste Segmente für den Markteinstieg

Sternad betont, dass außerdem für eine erfolgversprechende Zielmarktauswahl die Datenbasis, auf der die Analysen aufbauen, von herausragender Bedeutung ist.

Politik muss Weichen stellen

Angesichts vieler Hürden für das Exportgeschäft mahnt die KfW-/Prognos-Studie Unterstützung durch Politik und Verbände an. Diese müssten für verlässliche außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen sorgen und Handelsabkommen weiterentwickeln, gerade auch mit Ländern und Märkten, die bisher nicht im Fokus deutscher Exporteure stehen. Handlungsbedarf besteht demnach außerdem darin, einen möglichst barrierefreien digitalen Binnenmarkt auf EU-Ebene zu schaffen. Ferner sollten die politischen Weichen für ehrgeizige internationale Klimaschutzziele gestellt werden, wobei gleichzeitig Innovations- und Investitionsanreize für die hiesigen Firmen gesetzt werden müssten, damit sie die zu erwartende weltweite Nachfrage nach entsprechenden Technologien und Produkten bedienen können.

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