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Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch präsentiert in 14 Beiträgen einen komprimierten Überblick über den Themenkreis "Governance." Dazu ist der Band in drei Teile gegliedert: Der erste Teil widmet sich Akteuren und Steuerungsmodi sowie den einzelnen administrativen Ebenen von Governance. Der zweite Teil analysiert ausgewählte Politikfelder (Haushalt, Sicherheit, Umwelt/Nachhaltigkeit, Regionales, Integration, Kultur, Hochschule), während der abschließende Teil des Bandes einen internationalen und bewertend evaluierenden Blick auf den Themenkreis „Governance“ einnimmt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Governance: Begriff, Varianten, Steuerungsformen, Akteure und Rollen

Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden wesentliche Grundlagen der Governance aus der Perspektive der politikwissenschaftlich orientierten Verwaltungswissenschaft referiert. Eingegangen wird dazu auf den Begriff der Governance und dessen Wurzeln, bevor Anwendungsbereiche bzw. Arenen der Governance beschrieben sowie Akteure und deren typische Handlungslogiken und Rollen vorgestellt werden. Formen und Mechanismen bilden ein weiteres Kapitel dieses Beitrages. Abschließend wird die Relevanz des Governancekonzeptes in der politikwissenschaftlichen Theorie und der Verwaltungspraxis diskutiert. Neben der Vermittlung von Basiswissen zum Thema Governance soll der Beitrag es ermöglichen, die in diesem Sammelband zusammengeführten Beiträge in das Gesamtthema einzuordnen.
Katrin Möltgen-Sicking, Thorben Winter

Lokale und regionale Governance als Ansätze der Steuerung, Koordination und Organisation in Kommunen und Regionen

Zusammenfassung
Inhalt dieses Beitrages ist die Governance auf lokaler und regionaler Ebene, wobei die regionale Governance als eine Ausprägung der lokalen Governance definiert wird. Der Fokus wird dabei auf Governanceformen gelegt, an denen die lokale Politik und/oder Verwaltung im Sinne von „Governance with Government“ wesentlich mitwirken. Ausgehend von einem deskriptiv-analytischen Verständnis werden Governancearenen, -akteure und -arrangements aus theoretischer Perspektive beschrieben und anhand praktischer Beispiele erläutert. Zudem wird eine kritische Bilanz gezogen.
Katrin Möltgen-Sicking

Governance im Mehrebenensystem

Zusammenfassung
Im vorliegenden Beitrag zur Governance im Mehrebenensystem wird dem Leser ein Überblick über die politikwissenschaftliche Analyse von Entscheidungsprozessen in Mehrebenensystemen vermittelt. Dadurch werden die Grundlagen vermittelt, Definitionen erläutert und in die vertikale Mehrebenenpolitik von Kommune bis zur Europäischen Union eingeführt. Der Leser lernt mit politikwissenschaftlichen Begriffen und Theorien zu arbeiten und Anwendungsfelder zu identifizieren und zu bearbeiten. Am Beispiel der kommunalen Europäisierung werden verschiedene Strategien erläutert, wodurch Kommunen europafähig werden.
Thorsten Müller

Mit passgenauen Governance-Regimes komplexe lokale Probleme bewältigen. Das Beispiel des Pakts für Pirmasens

Zusammenfassung
Komplexe lokale Probleme, wie fehlende Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen, können Kommunen kaum allein bewältigen. Hier kann es hilfreich sein, ergänzend zur administrativen Regelstruktur Akteure aus der Zivilgesellschaft und Wirtschaft an der Entwicklung und Umsetzung von Lösungsansätzen zu beteiligen – und zwar im Rahmen von Governance-Regimes, die unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit kombinieren und über eigene Handlungs- und Entscheidungsstrukturen verfügen. Der Pakt für Pirmasens in Rheinland-Pfalz ist eine solche Konstruktion. Ziel des seit zehn Jahren bestehenden Netzwerks von Akteuren aus Verwaltung, lokaler Zivilgesellschaft und Wirtschaft ist es, die Situation der von Armut bedrohten Kindern und Jugendlichen vor Ort dauerhaft zu verbessern. Der Beitrag illustriert am Beispiel des Pakts, wie Governance-Regimes funktionieren, wie sie aus Legitimitäts-Perspektive zu bewerten sind und welche Chancen und Herausforderungen mit ihnen verknüpft sind.
Andrea Walter

Governance in der Haushaltspolitik – Kommunale Beispiele für Verhandlungen im Schatten der Hierarchie

Zusammenfassung
Ausgehend von einem weiten Governance-Begriff wird an Beispielen aus der kommunalen Haushaltspolitik gezeigt, wie vielfältig die Kombination von Governancemechanismen sein kann. Im Vordergrund stehen dabei Verhandlungen im Schatten der Hierarchie, wobei der Anteil hierarchischer Steuerung tendenziell eher zunimmt. Von einem Ende der Hierarchie kann somit keine Rede sein, auch weil hierarchische Steuerung sich in Phasen der Haushaltskonsolidierung als effektiv erweist. Dem stehen allerdings erhebliche Probleme der demokratischen Legitimation gegenüber, die bis zum Ende der kommunalen Selbstverwaltung durch Staatskommissare führen kann.
Lars Holtkamp

Local Security Governance

Zusammenfassung
Fragen der lokalen Sicherheit und Ordnung lassen sich häufig nicht hinreichend aus den jeweiligen Verantwortungsbereichen der Polizei und der Kommune bearbeiten. Gefordert sind vielmehr Formen kooperativer Steuerung, die neben den Sicherheits- und Ordnungsbehörden auch andere kommunale Ämter und weitere Behörden, Wohlfahrtsvereinigungen, Akteure der Privatwirtschaft, das Sicherheitsgewerbe und andere Partner einbinden. Neben Kriminalpräventiven Räten und Ordnungspartnerschaften bestehen weitere Kooperationsformen, die hier hinsichtlich ihrer Organisation, Effektivität und Legitimität betrachtet werden.
Bernhard Frevel, Verena Schulze

Umweltgovernance und Governance für eine nachhaltige Gesellschaftstransformation

Zusammenfassung
Die Bewältigung der im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte diskutierten Umweltprobleme, wie der Klimawandel und der Verbrauch natürlicher Ressourcen, erfordert das Überdenken des Selbstverständnisses von Umweltpolitik. In dem Beitrag wird daher das Konzept der Umweltgovernance im Sinne einer Governance für eine nachhaltige Gesellschaftstransformation erweitert. Zunächst werden Merkmale der Nachhaltigkeitsgovernance beschrieben, nämlich ihre territoriale Reichweite, die zeitliche Langfristigkeit sowie die Deutungsdimension der Umweltprobleme. Nach einem kurzen Überblick über Formen der Governance werden Kernelemente einer Governance-Strategie für einen nachhaltigen Transformationsprozess benannt. Dazu gehören unter anderen die Entwicklung von Visionen und Leitbildern, die Förderung von neuen Handlungsweisen in Form von Realexperimenten sowie die Förderung der begleitenden Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung. Für diese Strategieelemente werden Fallbeispiele mit kommunalem Bezug erläutert, nämlich Modellprojekte zur Lokalisierung der 2030-Agenda, Ökodörfer, sowie die Entwicklung des „Monitor Nachhaltige Kommune“. Die besondere Bedeutung des partizipativen und integrativen Ansatzes für die Nachhaltigkeitsgovernance wird abschließend resümiert.
Malte Schophaus

Governance im Politikfeld Wirtschaftspolitik

Zusammenfassung
Der Beitrag gibt einen Überblick über den Themenkomplex „wirtschaftspolitische Governance“. Dieser Begriff dient in Volkswirtschaftslehre und benachbarten Sozialwissenschaften als Ober-/Sammelbegriff unter dem üblicherweise alle Aktivitäten subsumiert werden, die wirtschaftspolitische Akteure entfalten, um das Wirtschaftssystem, einzelne Märkte darin oder bestimmte Wirtschaftsakteure (z. B. Unternehmen, Konsumenten) zu steuern. Neben einer genaueren Klärung des Governance-Begriffs und der Vorstellung von wirtschaftspolitischen Governance-Instrumenten und -Akteuren wird diskutiert, warum bzw. in welchen Situationen wirtschaftspolitische Governance notwendig ist. Diese Fragestellung ist Gegenstand einer anhaltenden, in Politik, Öffentlichkeit und den Sozialwissenschaften geführten Debatte.
Karsten Mause

Regional Governance im Bildungssystem oder: Was leisten Bildungslandschaften?

Zusammenfassung
Unter einer Bildungslandschaft wird heute, anders als früher, eher ein Programm oder ein Projekt verstanden als ein Zustand. Im ersten Teil des Beitrags wird gezeigt, welche Programmatik der Bildungslandschaft zugrunde liegt und mit welchen Konzepten sie verbunden wird. Im zweiten Teil wird mit den Regionalen Bildungsnetzwerken in Nordrhein-Westfalen die Strukturierung einer Bildungslandschaft vorgestellt, die als Beispiel für Regional Governance im Bildungssystem dient. Der dritte Teil befasst sich mit der Governance-Begrifflichkeit und liefert eine systematische Anleitung zur Analyse der Governance-Strukturen regionaler Bildungslandschaften. Im vierte Teil werden die Aussagen zweier Gutachten zu Bildungsregionen und kritische Stimmen aus der Forschung zu Bildungslandschaften ausgewertet, um, fünftens, eine Einschätzung der Bedeutung regionaler Bildungslandschaften zu geben.
Henrique Ricardo Otten

Cultural Governance

Zusammenfassung
Die kommunale Kulturpolitik ist einer der letzten Freiräume gestalterischer Tätigkeit in der kommunalen Selbstverwaltung. Insbesondere hier kommt es wesentlich auf die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen, teils zivilgesellschaftlichen, teil staatlichen Akteuren der örtlichen Daseinsvorsorge an. Der Governance-Ansatz bietet hier einen modernen Ansatz zur Integration einer aktivierten Bürgerschaft in einer sich verändernden Gesellschaft.
Thorben Winter

Hochschulgovernance

Zusammenfassung
Hochschulen sind für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung Deutschlands von entscheidender Bedeutung. Aber die Anforderungen und Erwartungen an Hochschulen haben sich gewandelt. Bei steigenden Studierendenzahlen stehen sie heute mehr denn je in nationalem und internationalem Wettbewerb um knappe Ressourcen. Gleichzeitig hat sich die Wirksamkeit staatlicher Steuerungsmöglichkeiten als begrenzt erwiesen. Von den Institutionen wird unter diesen Bedingungen erwartet, ihre Strukturen autonom zu entwickeln, um gesellschaftsrelevante Leistungen weiterhin zu erbringen und auszubauen. Dazu benötigen sie organisationale Mittel, die ihnen eine effektive und effiziente Selbststeuerung ermöglichen. Daneben sind Hochschulen als öffentlich finanzierte Einrichtungen zahlreichen Mechanismen der Fremdsteuerung unterworfen – ob nun aus der politischen, wirtschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Sphäre. Wie Hochschulen unter diesen Bedingungen gesteuert werden und im Zusammenspiel mit anderen Akteuren des Wissenschaftssystems ihre Handlungen koordinieren, ist Gegenstand dieses Beitrags.
Lars Heilsberger

Digitale Governance

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag thematisiert die Digitale Governance und deren mögliche Umsetzung in der öffentlichen Verwaltung.
Torsten Fischer

Internationaler Governance-Vergleich

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird erläutert, welchen Stellenwert und welchen Nutzen die Governance-Perspektive für die Vergleichende Verwaltungswissenschaft hat. Dabei wird auch diskutiert, wie im Rahmen eines wissenschaftlichen Vergleichs vorgegangen werden kann und welche Herausforderungen sich dem Forschenden stellen. Dies wird anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht.
Nadin Fromm, Sylvia Veit

Governance in der Kritik

Zusammenfassung
Der Governance-Begriff hat in den letzten 20 Jahren zu etlichen Kontroversen innerhalb der Politik- und Verwaltungswissenschaft geführt. Ziel des Beitrags ist es, kritische Betrachtungsweisen und Argumente zum Governance-Diskurs zusammenzufassen. Dabei handelt es sich um die Unklarheit des Begriffs, wo die Grenzen zu ziehen sind: Was also ist Governance und was nicht. Ebenso stellt sich die Frage nach der Überlappung von präskriptiv-normativen und empirisch-analytischen Aspekten. Etliche der Debatten drehen sich um Fragen der Steuerungsmöglichkeiten und deren Bewertung, die u. a. in der politikwissenschaftlichen Verwaltungswissenschaft eine jahrzehntelange Tradition haben, weshalb hier, zumindest rudimentär, auf theoriegeschichtliche Entwicklungen des Begriffs eingegangen wird. Schließlich stellt sich die Frage, welche praktische Relevanz Governance-Arrangements haben. Manche empirische Studien legen den Verdacht nahe, dass die tatsächliche Bedeutung überschätzt wurde. Und schließlich muss die Governance-Perspektive hinsichtlich ihrer Blindheit für gesellschaftliche Machtstrukturen und Verteilungskonflikte sowie soziale Ungleichheit hinterfragt werden.
Markus Hilz
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