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Über dieses Buch

Wie begegnen die Menschen in Europa nichtchristlichen Religionen und Religionsgemeinschaften? Unter welchen Bedingungen werden religiöser Pluralismus sowie die Angehörigen religiöser Gruppen akzeptiert bzw. abgelehnt? Welche individuellen und kontextuellen Faktoren beeinflussen die Bereitschaft zu religiöser Toleranz und Wertschätzung? Dies sind einige der Fragestellungen, denen der vorliegende Band anhand von vergleichenden Analysen von fünf europäischen Ländern nachzugehen versucht.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Wahrnehmung und Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten Ländern Europas: Erste Beobachtungen

Die zunehmende Vielfalt des Religiösen fordert die Menschen in Deutschland und anderen europäischen Ländern in ihrer Lebenspraxis heraus. Die durch die Migrantenströme in die europäischen Länder gebrachten nichtchristlichen Religionen werfen Probleme der sozialen Integration der Zugewanderten sowie der rechtlichen Regelung des Zusammenlebens von Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften auf. Standen in früheren Debatten über die Integration der Zugewanderten Themen wie Kriminalität, Rassismus und wirtschaftlicher Status ganz oben auf der Agenda, so werden in letzter Zeit vermehrt Themen von Kultur, nationaler Identität und Religion in den Mittelpunkt gerückt. Aufgrund der Tatsache, dass die Mehrheit der Immigranten aus nichtwestlichen Ländern Muslime sind, werden die Integrationsprobleme vor allem am Beispiel des Islam diskutiert.
Detlef Pollack

2. Grenzen der Toleranz: Deutschlands Plädoyer für die Ungleichbehandlung von Religionsgemeinschaften

Die Mehrheit der Deutschen in Ost und West spricht sich für Respekt gegenüber den Religionen der Welt aus. 81 % in Westdeutschland und 75 % in Ostdeutschland sind der Meinung, man müsse allen Religionen mit Respekt begegnen. Ebenso erfreut sich der Wert der Religionsfreiheit hoher Zustimmung. Die Gewährleistung von Glaubensfreiheit halten 94 % der Westdeutschen und 87 % der Ostdeutschen für wichtig. Die Garantie von Rechtsgleichheit für alle Religions-gemeinschaften findet hingegen deutlich weniger Unterstützung. Auf die Frage, ob alle religiösen Gruppen gleiche Rechte haben sollten, antworten nur 49 % der Westdeutschen und 53 % der Ostdeutschen mit Ja. Zwar werden Glaubensfreiheit, Respekt gegenüber fremden Religionen und Fairness im Umgang mit ihnen als abstrakte Werte bejaht.
Detlef Pollack

3. Das Verhältnis zu den Muslimen

Wie das vorangegangene zweite Kapitel gezeigt hat, ist die Verweigerung gleicher Rechte für alle in Deutschland existierenden Religionsgemeinschaften in starkem Maße abhängig von der Haltung der Bevölkerung zu den Muslimen. Im ersten Kapitel hatten wir dargestellt, wie die Menschen in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Frankreich und Portugal die Angehörigen nichtchristlicher Religionsgemeinschaften wahrnehmen, welche Eigenschaften sie dem Christentum und dem Islam zuschreiben, inwieweit sie den Islam mit der westlichen Welt für kompatibel halten und wie sie den Umgang mit der zunehmenden Vielfalt der unterschiedlichen Religionen und religiösen Gemeinschaften geregelt wissen wollen. In den folgenden Analysen soll es darum gehen herauszufinden, welche Faktoren die Haltung der Menschen zur zunehmenden Präsenz nichtchristlicher Religionsgemeinschaften beeinflussen.
Detlef Pollack

4. Warum die Bevölkerung Ostdeutschlands gegenüber Muslimen ablehnender eingestellt ist als die Bevölkerung Westdeutschlands

Es gibt aktuell zwei Gründe für den Eindruck, die Ablehnung von Fremden sei insbesondere ein ostdeutsches Problem. Zum einen sind die Wahlerfolge rechtsextremer Parteien in den neuen Bundesländern zu nennen. In den Landesparlamenten Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns sind aktuell Neonazis vertreten; in einigen Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns erreichte die NPD bei der Wahl im September 2011 sogar mehr als ein Viertel der Stimmen. Zum anderen ist die Häufung von Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund wie zuletzt durch die sogenannte „Terrorzelle“ aus Zwickau auffällig, deren Mordopfer vor allem türkische Einwanderer waren.
Alexander Yendell

5. „Objektive“ Lage und soziale Ablehnung: Das soziostrukturelle Profil der Muslime in Deutschland und Europa im Vergleich

Dass die Bevölkerung in den hier untersuchten Ländern, und die Deutschen in besonderem Maße, dem Islam bzw. den Muslimen skeptischer und ablehnender gegenüber stehen als anderen religiösen Minderheiten, ist eines der zentralen Ergebnisse unserer Studie. Was mögliche Erklärungsfaktoren für dieses Muster anbelangt, so wird in den meisten anderen Beiträgen in diesem Band vorrangig auf Einstellungen, Werte, Persönlichkeitsdispositionen oder bestimmte soziodemographische Merkmale der Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft selbst Bezug genommen. Sind derartige Haltungen nun aber nichts weiter als aus der eigenen sozialen Lage oder psychischen Verfasstheit hergeleitete Konstrukte, oder ist es nicht naheliegend davon auszugehen, dass die Wahrnehmungen und Bewertungen unterschiedlicher sozialer Gruppen zumindest mittelbar auch durch deren eigene „objektive“ Charakteristika mitgeprägt sind?
Entsprechende Annahmen finden sich schon implizit in einigen der in den anderen Beiträgen dieses Buches verwendeten Konzepte. So dürfte sich eine relative soziale Deprivation (insbesondere, wenn sie hinsichtlich der Orientierung gegenüber einer bestimmten sozialen Gruppe wirksam werden soll) kaum gänzlich isoliert von der „objektiven“ Lage nicht nur der depravierten Person bzw.
Olaf Müller

6. Der Zusammenhang zwischen Regelungen der Staatsbürgerschaft, nationaler Identität und der Ablehnung von Muslimen

In den Kapiteln 3 und 4 wurden bereits Ergebnisse von Regressionsanalysen diskutiert, die versuchen, die Akzeptanz von Muslimen aus mikrosoziologischer Perspektive zu erklären. Dabei wurde deutlich, dass es mehrere Individualfaktoren gibt, die die individuelle Haltung gegenüber Muslimen beeinflussen. So üben u.a. religiös dogmatische Einstellungen einen negativen Einfluss aus, eine positive Haltung gegenüber Christen sowie Kontakte zu Muslimen wirken hingegen positiv auf die Einstellung gegenüber Muslimen. Differenzen zwischen den Ländern lassen sich so zum Teil auf die unterschiedlichen Verteilungsstrukturen der Modellvariablen zurückführen. Beispielsweise hat die besonders negativ eingestellte Bevölkerung Deutschlands deutlich weniger (vorurteilsabbauende) Kontakte zu Muslimen als die Bevölkerung Frankreichs, der Niederlande und Dänemarks.
Alexander Yendell

7. Zwischen Akzeptanz und Ablehnung: Überlegungen zu einem Modell religiöser Toleranz

Es ist bereits in den ersten Kapiteln dieses Buches deutlich geworden, dass sich die Wahrnehmung und Bewertung von religiöser Pluralität ebenso wie von Muslimen und dem Islam schwerlich auf eine einzige Formel bringen lassen. Vielmehr zeigen die Häufigkeiten der einzelnen Fragen, dass die konkrete Zustimmungs- oder Ablehnungsbereitschaft je nachdem, welcher Aspekt dieses komplexen Themenfeldes beleuchtet wird, variiert (vgl. Kapitel 1 in diesem Buch). Dies gilt besonders in Deutschland und gerade für Fragen, welche die Toleranz sowohl religiöser Vielfalt als auch den Muslimen gegenüber betreffen. Dabei fällt vor allem auf, dass die Bereitschaft, andere als gleichberechtigt anzuerkennen, abnimmt, je konkreter und damit auch verbindlicher die Toleranzforderungen werden.
Nils Friedrichs

8. Das Verhältnis von Christen zu Muslimen und Atheisten: Zur Bedeutung von sozialer Kategorisierung und Identifikation im interreligiösen Vergleich

Die Unterschiede in den Bewertungen verschiedener Religionsgemeinschaften, wie sie sich gerade in den Haltungen zu Christen und Muslimen oder in den sich konträr gegenüberstehenden Bildern vom Islam und vom Christentum zeigten (vgl. Kapitel 1 von Detlef Pollack in diesem Buch) werfen die Frage nach interreligiösem Konfliktpotential auf. Dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Weltdeutungsmustern aufeinander treffen, entsteht potentiell ein Spannungsfeld; dies dürfte insbesondere dann gelten, wenn die einzelnen religiösen Gruppen sich widersprechende letztgültige Erklärungsmuster vertreten, und somit im Bereich der Weltdeutung in Konkurrenz zueinander treten. Gleichzeitig existieren jedoch zahlreiche empirische Hinweise, die nahelegen, dass Konkurrenz zwischen Gruppen um materielle wie immaterielle Ressourcen intergruppale Spannungen zwar deutlich verstärken, aber keinesfalls als notwendige Voraussetzungen für Konflikte zwischen Gruppen angesehen werden können.
Nils Friedrichs

9. Eine neue religiös-kulturelle Spannungslinie in Deutschland?

Deutschland ist weltoffener und multikultureller geworden. Ein Satz wie der des ehemaligen Bundespräsidenten, dass der Islam ebenso wie das Christentum und das Judentum zu Deutschland gehöre, wäre vor 10 oder gar vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Heute stößt er zwar durchaus nicht auf ungeteilte Zustimmung. Aber er ist sagbar und akzeptabel geworden. Als Wolfgang Schäuble zur Eröffnung der Islamkonferenz im Herbst 2006 den Islam mit einer ganz ähnlichen Formulierung als einen Teil Deutschlands bezeichnete, kam dies noch einer Revolution im deutschen Selbstbild gleich. Diesen anstößigen Charakter hat der Satz inzwischen eingebüßt.
Gergely Rosta, Detlef Pollack

10. Links-Rechts und religiöse Vielfalt

In vielen westeuropäischen Ländern wurden die politischen Debatten über die gesellschaftliche Position von Minderheiten mit „fremdem“ kulturellen Hintergrund im Laufe der letzten Jahre lauter. Die Thematisierung religiös geprägter Unterschiede stellt insbesondere seit den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 ein wichtiges Element der politischen Agenda dar. Vor allem rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien setzen diesbezüglich immer häufiger eine anti-islamische Rhetorik ein.
Gergely Rosta

11. Möglichkeitsbedingungen und Grenzen der Toleranz: Einige abschließende Bemerkungen

Das religiöse Feld hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und in anderen westeuropäischen Gesellschaften stark verändert. In Westdeutschland zum Beispiel gehörten 1950 noch etwa 96 % der Bevölkerung einer der christlichen Großkirchen an. Nicht einmal 4 % waren entweder konfessionslos oder Mitglieder anderer, teils freikirchlicher, teils nicht-christlicher Religionsgemeinschaften.Heute sind in Westdeutschland nur noch knapp drei Viertel konfessionell gebunden, wobei etwa 37 % der katholischen Kirche und etwa 32 % der evangelischen Kirche angehören.
Detlef Pollack, Nils Friedrichs, Olaf Müller, Gergely Rosta, Alexander Yendell

Backmatter

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