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Über dieses Buch

Warum wird über das Aussehen unserer gebauten Umwelt, über die Ästhetik der Architektur heute so viel gestritten? Warum divergieren die Meinungen über die ästhetische Qualität von Bauten oft auch bei Fachleuten extrem? Warum sind wir uns gerade bei der Architektur nicht einig, was schön ist und was nicht?

Die meisten Bereiche des Bauens, wie zum Beispiel Statik und Bauphysik, sind messbar und deshalb auch mit objektiven Argumenten belegbar. Dies gilt nicht für die Ästhetik der Architektur; sie ist nicht quantifizierbar. Ein Urteil über sie ist immer subjektbezogen, stark vom Betrachter abhängig.

Trotzdem ist die Ästhetik der Architektur nicht nur eine Frage des Geschmacks. Viele Zusammenhänge zwischen Gebäude als Objekt und Betrachter als Subjekt sind mit Hilfe von Wahrnehmungspsychologie und Informationstheorie objektiv bestimmbar.

Das vorliegende Buch macht den äusserst komplexen Prozess der Architektur-Wahrnehmung auf eine einfache Art transparenter und trägt damit zu einem besseren Verständnis unserer gebauten Umwelt bei.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Grundlagen der Wahrnehmung

Zusammenfassung
Der Mensch braucht Kommunikation, Informationsaustausch mit seiner Umgebung. Ohne diese ist er nicht lebensfähig. Wie funktioniert dieser Informationsaustausch? Welche Informationen nimmt der Mensch auf und wie verarbeitet er sie? Was für verschiedene Arten an Informationen gibt es? Die Wahl der Informationen, die wir bewusst aufnehmen, ist kulturell geprägt, sie hängt auch stark von der jeweiligen Situation, von unserem momentanen psychischen Zustand und unserer Lebensgeschichte ab. Welche Rolle spielen bei der Informationsaufnahme die verschiedenen Sinnesorgane? Welchen Einfluss haben die aufgenommenen Informationen auf unser Verhalten? Wieviel Neues, Originelles brauchen wir? Was für Störungen und Täuschungen gibt es bei der Informationsaufnahme, und wie reagieren wir auf sie?
Jörg Kurt Grütter

2. Teil und Ganzes

Zusammenfassung
Unsere gebaute Umwelt besteht aus Teilen, die nach bestimmten Regeln zusammengesetzt sind: Bauteile im kleinen Bereich, Gebäudeteile im mittleren Bereich und ganze Häuser oder Stadtteile im grossen Bereich. Drei Faktoren dieser Teile haben einen Einfluss auf das Erscheinungsbild eines Gebäudes: die Anzahl der sichtbaren Teile, die Art dieser Teile und die Beziehung dieser Teile untereinander, das sogenannte Ordnungssystem. Was für Zusammenhänge bestehen zwischen diesen drei Faktoren? Wie beeinflussen sie das Erscheinungsbild der gebauten Umwelt?
Jörg Kurt Grütter

3. Kultur und Stil

Zusammenfassung
Die übergeordnete Aufgabe einer Kultur besteht darin, die Ideale und Wertsysteme einer Gesellschaft mit konkreten Formen darzustellen. In diesem Prozess spielt die Architektur eine zentrale Rolle. Mit dem Verändern des Wertsystems veränderte sich auch der gültige architektonische Stil. Seine wahrnehmungsmässige Komplexität und damit auch das jeweils gültige Ordnungssystem der Teile des Baus, verändern sich nach bestimmten Regeln. Auch die Persönlichkeitsstruktur des Betrachters spielt bei der Akzeptanz der Stile eine Rolle.
Jörg Kurt Grütter

4. Ort und Umgebung

Zusammenfassung
Jedes Gebäude steht an einem Ort, an seinem Standort. Bauen heisst den bestehenden Ort verändern, einen neuen, künstlichen Ort schaffen. Alles Bauen ist ein Eingriff in die bestehende Umgebung. Bei der Planung eines Neuen muss die Umgebung einbezogen werden, mit ihr muss ein neues Ganzes geschaffen werden. Der Mensch ist sowohl auf den gebauten Innen- wie auf den Aussenraum angewiesen. Er muss sich zwischen ihnen hin und her bewegen können. Deshalb muss zwischen Innen und Aussen eine mehr oder weniger intensive Beziehung bestehen. Die Art dieser Beziehung ist immer auch kulturabhängig.
Jörg Kurt Grütter

5. Raum

Zusammenfassung
Die Auffassung, was Raum sein soll, wie Raum geformt und gestaltet werden soll, veränderte sich im Laufe der Geschichte ständig. Nebst dem gebauten Innenraum existieren auch andere Arten von Räumen. Wir bewegen uns täglich in privaten und öffentlichen Räumen, in Umräumen oder in Zwischenräumen. Je nach Situation erleben wir, und reagieren wir auf Raum ganz verschiedenen. Der Raum wird nicht nur durch seine Proportionen und Grösse bestimmt. Eine ganz entscheidende Rolle spielen auch die Art der Verbindung zwischen innen und aussen, aber auch die verbauten Materialien. Raum wird auch je nach Kultur verschieden wahrgenommen und dementsprechend auch verschieden gestalte.
Jörg Kurt Grütter

6. Form

Zusammenfassung
Ähnlich wie die gesprochene Sprache gibt es auch eine Formensprache. Die Formensprache setzt sich aus verschiedenen Grundmustern oder elementaren Formen zusammen. Jeder Stil macht einen geistigen Inhalt mit formalen Mitteln sichtbar, wobei er solche Formen bevorzugt, deren Struktur am ehesten diesem geistigen Inhalt entspricht. Die Formensprache visualisiert die geistige Grundhaltung einer Kultur. Die Form als solches steht nicht im Vordergrund, sonst würden wir von Formalismus sprechen, sie ist nur das Medium für eine geistige Aussage. Jede Form hat für den Betrachter eine wahrnehmungsmässige, teilweise auch eine symbolische Bedeutung. Wie können die verschiedenen Formen interpretiert werden? Was sind ihre aussagen? Die Wahl der Formen war in den verschiedenen Zeitepochen und Kulturen auch abhängig von den zur Verfügung stehenden Baumaterialien und der jeweiligen technischen Möglichkeiten. So galt zum Beispiel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in Anbetracht der Industrialisierung, der Slogan „Form folgt der Funktion“.
Jörg Kurt Grütter

7. Harmonie

Zusammenfassung
Harmonie bezeichnet eine Ordnung und Übereinstimmung aller Teile einer Erscheinung. In der optischen Wahrnehmung verlangt Harmonie visuelle Ausgewogenheit. Jede Wahrnehmung ist auch ein Wechselspiel zwischen gerichteten Spannungen. Spannung entsteht meistens dort, wo vom Gewöhnlichen abgewichen wird. Eine niedrige Spannung bedeutet meist eine strenge Ordnung und umgekehrt. Proportion ist ein wichtiger Faktor der Harmonie. Es wird unterschieden zwischen arithmetischer und geometrischer Proportionen. Auch Symmetrie und Rhythmus sind Eigenschaften, welche die Wahrnehmung der Architektur stark beeinflussen. In der Architektur werden zwei verschiedene Arten von Symmetrie unterscheiden: die bilaterale und die translative Symmetrie. Rhythmus entsteht auch bei der Repetition gleicher Teile oder Elementgruppen.
Jörg Kurt Grütter

8. Ästhetik und Schönheit

Zusammenfassung
Das Wort Ästhetik stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wahrnehmung. Es können drei verschiedene Ebenen der ästhetischen Werte unterschieden werden: Die ästhetischen Grundwerte, Stile und Moden. Was ist Schönheit? Was sind die Gründe beim Suchen nach Schönheit? Schönheit wird nicht direkt sinnlich wahrgenommen, wie etwa Kälte oder Lärm. Das Erleben von Schönheit hängt einerseits vom gesehenen Objekt ab, andererseits auch vom Betrachter, von seinen sozio-psychologischen Aspekten. Neben der Persönlichkeitsstruktur hat der Geschmack einen wesentlichen Einfluss auf das Schönheitsempfinden. Der ästhetische Ausdruck eines Ganzen wird geprägt von der Art der Anordnung der wahrgenommenen Elemente dieses Ganzen und der Komplexität dieser Elemente.
Jörg Kurt Grütter

9. Bewegung und Weg

Zusammenfassung
Gebäude sind statisch, unbeweglich. Um Raum umfassend erleben zu können muss sich der Betrachter in ihm bewegen können, Architektur verlangt nach Bewegung. Bewegung bedingt Raum, aber auch Zeit und Weg. Weg ist, zusammen mit dem Ort, eines der beiden Grundelemente jeder räumlichen Organisation. Jede Wahrnehmung enthält eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Dynamik, diese ist die Grundlage aller Seherlebnisse. Der Rhythmus bezeichnet eine Wiederholung nach bestimmten Gesetzen. Rhythmus ist eine grundlegende Lebenseigenschaft. Im Verlauf der Zeit erfolgen bauliche Veränderungen. In welchen Zeitabständen solche Veränderungen erfolgreich erfolgen sollen, hängt auch von den bestehenden kulturellen und sozialen Strukturen ab.
Jörg Kurt Grütter

10. Licht und Farbe

Zusammenfassung
Licht ist die Voraussetzung für jede optische Wahrnehmung. Licht hat über seinen praktischen Nutzen hinaus oft auch symbolischeBedeutung. Schon in den alten Hochkulturen wurden gültige Wertsysteme mit Hilfe spezieller Lichtführungen verdeutlicht.Zwischen natürlichem Licht und künstlichem Licht bestehen fundamentale Unterschiede. Nicht nur das Licht, auch der Schatten ist für die optische Wahrnehmung unentbehrlich. Das wahrgenommene Licht kommt einerseits von der Sonne und den künstlichen Lichtquellen wie Feuer und elektrische Lampen, andererseits wird es aber auch von den beleuchteten Gegenständen reflektiert. Zusammen mit der Lichtintensität ist das Farbsehen für die optische Wahrnehmung von erstrangiger Bedeutung. Die verschiedenen Farben haben eine spezifische psychologische Wirkung auf den Betrachter. Dementsprechend haben sie auch einen Einfluss auf unser Raumempfinden. Farben haben wahrnehmungsmässig auch ein „Gewicht“ und eine „Temperatur“.
Jörg Kurt Grütter

11. Zeichen

Zusammenfassung
Jede Nachricht, auch die optische, wird mit Hilfe von Zeichen übermittelt. Semiotik ist die Lehre der Zeichen. Es werden zwei verschiedene Gruppen von Zeichen unterschieden: syntaktische und semantische Zeichen. Die syntaktische Dimension eines Zeichens sagt etwas aus über das Zeichen als solches; seine Form, Grösse, Farbe und Materialeigenschaften. Die Semantik bezeichnet die Beziehung eines Zeichens zu seiner Bedeutung, zu seinem Inhalt. Piktogramme, Metaphern und Symbole sind semantische Zeichen. Schmuck an der Architektur kann ganz verschieden sein: Ornament, Verzierung, Dekoration, Skulptur, Bild, Fresken, Stuck, Materialoberfläche usw. Das Symbol ist die höchste semantische Bedeutungsebene des Zeichens. Die emotionale Ebene des Symbols ist wichtiger als seine ästhetische. Sowohl Farben, Materialien wie auch bestimmte Lichtführungen können semantische Aussagen bewirken. In vielen alten Kulturen hatte der Schmuck an Gebäuden nicht primär eine schmückende Aufgabe, sondern diente als symbolisches Zeichen. Bauwerke waren bis zum Zeitalter des Barock Gesamtkunstwerke. Jede vertretene Kunstgattung war wichtig und unentbehrlich. Zu Beginn der Neuzeit verlor der Schmuck seine symbolische oder metaphorische Bedeutung und wurde deshalb in der Moderne abgelehnt.
Jörg Kurt Grütter

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