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01.04.2020 | Rechnungswesen | Ausgabe 4/2020

Bankfachklasse 4/2020

Grundlagen der Kosten- und Erlösrechnung

Zeitschrift:
Bankfachklasse > Ausgabe 4/2020
Autor:
Meinrad Lippach
Externes und internes Rechnungswesen
■ Die Kosten- und Erlösrechnung (KER) ist neben der Finanz- beziehungsweise Geschäftsbuchführung eine Hauptsäule des betrieblichen Rechnungswesens.
■ Die Finanzbuchführung wird aufgrund ihrer nach außen gerichteten Rechenschaftslegungs- und Dokumentationsfunktion auch als externes Rechnungswesen bezeichnet. Sie informiert unternehmensexterne Personen und Institutionen wie Kapitalgeber, Anteilseigner und Finanzbehörden über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Kreditinstituten.
■ Dagegen gehört die KER zum internen Rechnungswesen, da sie ausschließlich innerbetrieblichen Zwecken dient. Sie liefert der Unternehmensführung und den Mitarbeitern Informationen und Daten für die Steuerung und Kontrolle des Bankbetriebs.
■ Anders als für die externe Rechnungslegung gibt es für das interne Rechnungswesen keine gesetzlichen Vorgaben. Aufgaben und Verfahren der KER können daher individuell den betrieblichen Erfordernissen angepasst werden.
■ In Abgrenzung zur Finanzbuchführung wird die KER auch als Betriebsbuchführung bezeichnet.
Aufgaben von Finanzbuchführung und KER im Vergleich
■ Die KER erfüllt wichtige Aufgaben, die die Finanzbuchführung infolge ihrer externen Ausrichtung nicht leisten kann.
■ Die Zahlen der Buchführung geben zum Beispiel keine Informationen über die Kosten, die die einzelnen Produkte, Kunden, Geschäftsbereiche und Zweigstellen verursachen, und über die Erlöse, die von ihnen erwirtschaftet werden.
Finanzbuchführung
■ Lückenlose Aufzeichnung der Geschäftsvorfälle
■ Aufstellung des Jahresabschlusses (Bilanz, Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Anhang) und des Lageberichts
■ Feststellung des Gesamtergebnisses
KER
■ Ermittlung der Kosten und Erlöse
■ Kontrolle der Wirtschaftlichkeit der Leistungserstellung
■ Kalkulation der Preise und Entgelte der verschiedenen Bankleistungen
■ Ermittlung des Betriebsergebnisses
Rechengrößen der KER
Gegenstand der Betriebsbuchführung sind Kosten und Erlöse. Beide Größen sind mit Aufwendungen und Erträgen, den Erfolgsbegriffen der Finanzbuchführung, verwandt, müssen aber deutlich von ihnen abgegrenzt werden.
Kosten
■ sind Aufwendungen, also in Geld bewerteter Güter- und Dienstleistungsverzehr, der in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erstellung und der Verwertung von Bankleistungen entsteht.
■ Beispiele: Personal- und Sachkosten, Abschreibungen auf die Betriebs- und Geschäftsausstattung, Zinskosten für Einlagen, Provisionsaufwendungen
Erlöse
■ sind Erträge, also Wertzuwächse, die das Kreditinstitut als Entgelt für die erbrachten Leistungen erwirtschaftet.
■ Beispiele: Zinserträge aus dem Kreditgeschäft, Gebühren- und Provisionserträge, Dividendenerträge aus bankeigenen Wertpapieren
Leistungen
■ sind das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit eines Kreditinstituts.
■ Werden sie Kunden angeboten, spricht man von Marktleistungen. Sie verursachen Kosten und erzielen Erlöse. Beispiele: Kontoführung, Kreditgewährung, Geldanlage auf Konten
■ Innerbetriebliche Leistungen sind Voraussetzung für die Erstellung der Marktleistungen. Sie verursachen zwar Kosten, bringen aber keine Erlöse. Beispiele: Tätigkeiten der Personalabteilung, der Buchhaltung, der Revision
■ Fazit: Die Erfolgsgrößen des internen Rechnungswesens sind enger gefasst als die des externen Rechnungswesens.
■ Während Aufwendungen und Erträge den gesamten Wertverzehr und Wertzuwachs einer Rechnungsperiode umfassen, unabhängig davon, wodurch sie verursacht wurden, handelt es sich bei Kosten und Erlösen ausschließlich um den Teil, der im Zusammenhang mit bankbetrieblichen Tätigkeiten steht.
■ Kosten und Erlöse werden daher auch als betriebsbedingte oder betrieblich ordentliche Aufwendungen beziehungsweise Erträge bezeichnet.
Neutrale Aufwendungen und Erträge
■ Aufwendungen und Erträge, die keine Kosten und Erlöse sind, dürfen in der KER nicht erfasst werden.
■ Da sie in Bezug auf das interne Rechnungswesen neutral sind, werden sie unter dem Oberbegriff neutrale Aufwendungen und Erträge zusammengefasst.
Drei Arten neutraler Aufwendungen werden unterschieden:
Betriebsfremde Aufwendungen
■ stehen in keinem Zusammenhang mit der betrieblichen Leistungserstellung.
■ Beispiel: Spenden für gemeinnützige Zwecke
Periodenfremde Aufwendungen
■ stehen zwar im Zusammenhang mit dem Betriebszweck, wurden aber nicht in der laufenden, sondern in einer vorherigen Rechnungsperiode verursacht.
■ Beispiel: Nachzahlung betrieblicher Steuern für frühere Geschäftsjahre
Außerordentliche Aufwendungen
■ stehen im Zusammenhang mit der betrieblichen Leistungserstellung, fallen jedoch nur einmalig oder sehr unregelmäßig an.
■ Beispiel: Kassenfehlbeträge, Veräußerungsverluste bei Anlageverkäufen
Analog werden die Erträge differenziert.
Betriebsfremde Erträge
■ resultieren nicht aus bankbetrieblichen Zwecken.
■ Beispiel: Erträge aus der Vermietung nicht benötigter Geschäftsräume
Periodenfremde Erträge
■ sind zwar betriebsbedingt, jedoch einem früheren Geschäftsjahr zuzuordnen.
■ Beispiel: Rückerstattung betrieblicher Steuern für Vorjahre
Außerordentliche Erträge
■ fallen nicht in den regelmäßigen planmäßigen Geschäftsablauf.
■ Beispiel: Kassenüberschüsse, Veräußerungsgewinne aus Anlageverkäufen
Sachliche Abgrenzung zwischen Kosten und Aufwendungen, Erlösen und Erträgen
■ Damit die KER ihre Aufgaben erfüllen kann, müssen zunächst die Kosten und Erlöse festgestellt werden.
■ Ausgangspunkt hierfür bilden die Werte, wie sie auf den Erfolgskonten in der Finanzbuchführung gebucht wurden.
■ Bei der so genannten Abgrenzungsrechnung werden in einem ersten Schritt aus der Gesamtheit der erfassten Erfolgsgrößen die neutralen Aufwendungen und Erträge herausgefiltert. Die auf diese Weise ermittelten betriebsbedingten Aufwendungen und Erträge fließen als so genannte Grundkosten und Grunderlöse in die KER ein.
■ Der zweite Schritt der Abgrenzungsrechnung besteht in der Berücksichtigung so genannter kalkulatorischer Kosten. Sie werden auch als Zusatzkosten bezeichnet, weil ihnen in der Finanzbuchführung keine Aufwendungen gegenüberstehen.
■ Grundkosten und Zusatzkosten ergeben die Gesamtkosten einer Rechnungsperiode.
■ Zusatzerlöse sind eher theoretischer Natur und werden in der Praxis kaum berücksichtigt.
Differenzierte Erfolgsbetrachtung
■ Die Geschäftsbuchführung ermittelt ein Gesamtergebnis. Die KER liefert ein Betriebsergebnis. Die Ergebnisse unterscheiden sich durch den Umfang der einbezogenen positiven und negativen Erfolgselemente.
■ Im Gegensatz zum Betriebsergebnis wird das Gesamtergebnis versteuert und auch veröffentlicht.
Gesamtergebnis
■ Es wird am Ende des Geschäftsjahres im Rahmen des Jahresabschlusses ermittelt.
■ In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung werden alle Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres gegenübergestellt und als Saldo ein Gewinn als Jahresüberschuss beziehungsweise ein Verlust als Jahresfehlbetrag ausgewiesen.
Betriebsergebnis
■ Es wird ermittelt durch Gegenüberstellung der Kosten und Erlöse der Rechnungsperiode.
■ Ist das Ergebnis positiv, liegt ein Betriebsgewinn vor, ist das Ergebnis negativ, ein Betriebsverlust.
■ Neutrale Aufwendungen und Erträge werden nicht berücksichtigt.
■ Es zeigt, was das Kreditinstitut in Verfolgung des Betriebszwecks erwirtschaftet hat.
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