Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Politikwissenschaft — eine normale Sozialwissenschaft

Frontmatter

1. Per Anhalter durch die Politikwissenschaft: Urteile und Vorurteile

Zusammenfassung
Für einen Wissenschaftler gibt es weltweit kein größeres Renommee, als den Nobelpreis zu erhalten (und einen prächtigen Batzen Geld dazu). Neben den besonders begehrten Preisen für Literatur und Frieden gibt es wissenschaftliche Nobelpreise für Medizin, Chemie, Physik, Biologie und seit einigen Jahren auch für Wirtschaftswissenschaften, aber keinen für Politikwissenschaft, Soziologie oder Psychologie. Warum? Sind dies keine anerkannten Wissenschaften? Dies ist die falsch gestellte Frage. Auch die Philosophen ehrt kein Nobelpreiskomitee. Dennoch zweifelt keiner an ihrer wissenschaftlichen Dignität. Die Frage ist falsch, aber typisch: Selbst Politologen benagt manchmal der Zweifel an ihrer eigenen Professionalität, außerdem schlägt ihnen Zweifel an ihrer Wissenschaft von außen entgegen. Trost bildet die Erkenntnis, daß Zweifel der Anfang aller Wissenschaft ist.
Ulrich von Alemann

2. Ein junges Fach mit alter Tradition

Zusammenfassung
Die Politikwissenschaft in Deutschland ist eine junge Universitätsdisziplin, ein Kind der Nachkriegszeit, gezeugt von amerikanischen Reeducation-Offizieren und deutschen Remigranten sowie Protagonisten einer neuen politischen Bildung. Zugleich ist die Politik als Wissenschaft alt, deshalb nennen viele sie eine „Königswissenschaft”, die ihre Wurzeln in der griechischen antiken Philosophie verorten kann. Aber die Politikwissenschaft hat sich nicht wie die Chemie oder die Technologie kontinuierlich und kumulativ — d.h. also stetig neues Wissen auf altes aufbauend und dieses damit ersetzend — entwickelt, sondern in Sprüngen und mit Rückschritten und keineswegs kumulativ, sondern oft zurückgreifend auf alte Erkenntnisse, die weiter gelten können.
Ulrich von Alemann

3. Politikwissenschaft als moderne Sozialwissenschaft

Zusammenfassung
Es ist nicht selbstverständlich, daß sich die Politikwissenschaft heute als Sozialwissenschaft versteht, früher wurde sie zu den Geisteswissenschaften gezählt. Inzwischen ist der alte Gegensatz zwischen Naturwissenschaften, die die toten, geschichtslosen, außermenschlichen Objekte logisch analysieren, und den Geisteswissenschaften, die die lebenden, geschichtlichen, menschlichen Zusammenhänge durch „Verstehen” durchdringen, überwunden. Dieser Gegensatz geht auf den deutschen Philosophen und Kulturhistoriker Wilhelm Dilthey zurück, der geradezu zwei Wissenschaftswelten in Theoriebildung, Methode und Forschungsgegenstand unterschied. In anderen Kulturkreisen ist die Zwei-Reiche-Theorie einer grundsätzlichen Unterscheidung von Naturwissenschaft einerseits und Geistes-, Human- oder Kulturwissenschaften andererseits nie so konsequent akzeptiert worden wie in Deutschland, so hieß doch beispielsweise in den USA unsere Disziplin ursprünglich „government”, und sie gehörte damit zu den „humanities”. Erst seit den zwanziger Jahren setzte sich die Bezeichnung „political science” durch. „Science” meint in den USA eigentlich Naturwissenschaft, also „harte” Wissenschaft, die an Fakten orientiert ist und Gesetzmäßigkeiten erforscht.
Ulrich von Alemann

Der Fächer des Faches

Frontmatter

4. Das inhaltliche Spektrum

Zusammenfassung
Mit der Politik geht es wie mit der Zeit: Man weiß, was das ist, aber je mehr man darüber nachdenkt, desto schwieriger wird eine klare Erklärung oder gar eine eindeutige Definition. So geht es mir nicht nur mit der Politik, sondern auch mit der Politikwissenschaft. Statt sie abstrakt zu definieren, will ich versuchen, ihre Kernbereiche zu porträtieren. Aber welche Bereiche gehören zu diesem Kern? Wie soll man sie übersichtlich und erschöpfend aufteilen? Wie war es früher doch noch so bequem. In den Anfängen der Politikwissenschaft nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Fach schlicht in drei Bereiche eingeteilt:
1.
Politische Theorie
 
2.
Innenpolitik
 
3.
Außenpolitik
 
Ulrich von Alemann

5. Theoriedebatte: Grundkonflikte über Weg und Ziel

Zusammenfassung
In diesem Text zu den Grundlagen der Politikwissenschaft habe ich schon oft auf die verschiedenen „Theorieansätze”, auf die „Meta-Theorien” oder auf die unterschiedlichen „Paradigmen” verwiesen — mit dem Versprechen, dies später zu klären. Voilà, packen wir es an. Sowohl in den Abschnitten über Methoden als auch über politische Theorie wurden Grundfragen der Wissenschaft und der Theoriebildung bereits angerissen. So wissen wir, daß Wissenschaft eine systematische Tätigkeit ist, die sich auf die Erfahrungswelt der Wirklichkeit richtet und diese mit Grundannahmen, Fragestellungen und Hypothesen ordnet, um darüber zu verallgemeinerbaren Aussagen (Theorien) zu gelangen.
Ulrich von Alemann

6. Zum Schluß: Politikbegriffe — Politik begriffen?

Zusammenfassung
Im ersten Teil dieser „Grundlagen der Politikwissenschaft” habe ich versprochen, den Text nicht ohne eine Klärung dessen, was unter Politik und was unter Politikwissenschaft nun verstanden werden soll zu beschließen. Ich will dies bewußt erst zum Ende des Textes versuchen, weil ich davon überzeugt bin, daß die Leserinnen diesen Überlegungen jetzt, wo sie durch das Labyrinth der Fachgeschichte, Studienmöglichkeiten, Fachinhalte, Berufsperspektiven und Theoriedebatten sich bis hierher durchgefunden haben, besser folgen können. Diese Überlegungen zum Politikbegriff folgen einigen früheren Darstellungen von mir (v. Alemann/Forndran 1990, S. 34ff., v. Alemann 1991, S. 490ff.) und führen sie weiter zu neuen Schlußfolgerungen.
Ulrich von Alemann

7. Epilog

Zusammenfassung
Carl Böhret (1985) hat mit seinem Bericht für das 1. Wissenschaftliche Symposion der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (November 1984) in Hannover eine beeindruckende Bilanz zum Stand und zur Orientierung der Politikwissenschaft in Deutschland gezogen. Diese Bilanz ist vollgepackt mit Zahlen, Daten und Tabellen über die Orientierung der deutschen Politologen zwischen der traditionellen Institutionenkunde, der modernen Politikfeldanalyse, der soziologischen Politikforschung und der politischen Theorie. Ich habe in diesem Text mehrfach daraus zitiert. Mit einem sehr persönlichen Fazit schließt er „als Angehöriger der allmählich alternden ‚Zwischengeneration‘“ seine Untersuchung ab. Sein Epilog ist ein so farbig-persönliches Bekenntnis zur Vielfalt der Denk- und Forschungsansätze, daß ich ihn hier als Ausklang meiner Grundlagen der Politikwissenschaft dokumentieren möchte:
  • „Einstmals habe ich gelernt, daß Politik ein gar komplexes und zugleich höchst einfaches Phänomen sei. Daß sie an Institutionen und Werte gebunden sei und in konfliktreichen Prozessen verlaufe.
  • Einstmals habe ich gelernt, daß Politik nur richtig zu erforschen sei, wenn sie in ihren historischen Wurzeln erfaßt, empirisch erkannt und ‚theoretisch‘ erklärt werden; Theoriebildung sei nötig, aber doch recht kompliziert.
  • Einstmals hat uns Ernst Fraenkel gelehrt, daß Politikwissenschaft dies alles beachten, aber zugleich auch Moralwissenschaft sein müsse.
Ulrich von Alemann

Backmatter

Weitere Informationen