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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Die Unterscheidung zwischen System- und Handlungstheorie markiert eine der zentralen Spaltungslinien in der soziologischen Theoriediskussion. Dem Gravitationsfeld dieser Unterscheidung können sich auch Ansätze nicht entziehen, die sich nicht als Theorien begreifen, sondern eher dem Bereich der Methoden zuordnen. Wo immer Sinnverstehen als methodisch kontrollierte Operation bei der Untersuchung sozialer Zusammenhänge favorisiert wird, so die übliche Generalvermutung, geschieht dies explizit oder implizit unter Prämissen, die mit den Grundannahmen der handlungstheoretischen Theorietradition zur Deckung kommen. Die Hermeneutik und die ethnomethodologische Konversationsanalyse werden nach diesem Muster meist als handlungstheoretisch fundierte Methoden angesehen, deren Grundbegriffe mit den Annahmen der Systemtheorie unvereinbar sind.
Wolfgang Ludwig Schneider

1. Hermeneutische Interpretation und funktionale Analyse. Zur Kritik der Reduktion des Verstehens auf das Verstehen subjektiven Sinns

Zusammenfassung
Jedes Verstehen von Handlungen, sprachlichen Äußerungen oder Artefakten menschlicher Tätigkeit kann den Sinn, den die Handelnden mit der Erzeugung solcher Sinngebilde verknüpften, nicht unmittelbar erkennen, sondern nur erschließen. Der Grund dafür ist einfach. Die Gedanken des anderen, seine Überlegungen und Absichten, sind für uns verborgen. Kenntnis darüber erhalten wir nur, indem diese Gedanken in irgend einer Weise zum Ausdruck gebracht werden. Unsere Wahrnehmung identifiziert Schalleindrücke, Linien auf dem Papier oder die Farbspuren eines Pinsels auf einer Leinwand als Ausdrucksformen, hinter denen ein bestimmter gedanklicher Sinn steht, den der Urheber damit verband und uns mitteilen wollte. Um diesen Sinn zu erkennen, müssen wir die Ausdrucksformen deuten und dabei die gleichen Deutungsschemata verwenden, die der Urheber bei ihrer Erzeugung zugrunde legte, wenn wir den subjektiven Sinn verstehen wollen, den er mit der Erzeugung dieser Ausdrucksgestalten verbunden hat.
Wolfgang Ludwig Schneider

2. Hermeneutik und Systemtheorie

Zusammenfassung
Systemtheorie und Hermeneutik, so die lange übliche Überzeugung in der Soziologie, arbeiten mit inkompatiblen Grundbegriffen. Diese Annahme hat ihre unbefragte Plausibilität verloren, nachdem Luhmanns Systemtheorie Sinn als Grundbegriff für sich reklamiert, Kommunikation als basalen Operationsmodus sozialer Systeme bestimmt und Verstehen als konstitutivem Moment von Kommunikation eine hervorgehobene Bedeutung zugewiesen hat. Die Demarkationslinie zwischen Systemtheorie und Hermeneutik ist dadurch unscharf geworden.1 Die Frage, wie Hermeneutik und Systemtheorie voneinander zu unterscheiden sind, wird unter diesen Prämissen auf neue Weise akut. Zu klären ist, wie Hermeneutik und Systemtheorie Verstehen verstehen.
Wolfgang Ludwig Schneider

3. Intersubjektivität aus hermeneutischer, konversationsanalytischer und systemtheoretischer Perspektive

Zusammenfassung
Luhmanns Theorie sozialer Systeme hat den Menschen und seine semantischen Nachfolger, das Subjekt und die Intersubjektivität, exkommuniziert. Soziales erscheint als operativ geschlossenes System, als rekursives Netzwerk kommunikativer Ereignisse und Strukturen, das alles andere aus sich ausschließt und in die Umwelt des Systems verbannt. Nur die Kommunikation kommuniziert. Ganz ohne Subjekte kann und soll das freilich nicht gehen. Sie werden als externe Bedingungen der Möglichkeit, als Betreiber oder Prozessoren von Kommunikation benötigt. Intern kommen sie als Thema, als Referenten für die Anlagerung von Erwartungen und als Zurechnungspunkte ins Spiel, die als Quelle von Mitteilungsereignissen identifiziert und verantwortlich gemacht werden können.
Wolfgang Ludwig Schneider

4. Gesamtresümee

Zusammenfassung
Der vorliegende Band verfolgte das Ziel, die engen wahlverwandtschaftlichen Beziehungen, die m.E. zwischen Hermeneutik und funktionaler Analyse, Konversationsanalyse und Systemtheorie bestehen, nachzuweisen und an ausführlichen Interpretationsbeispielen zu demonstrieren, wie diese Beziehungen für die empirische Analyse fruchtbar gemacht werden können. Voraussetzung für dieses Unternehmen war die Auflösung des Junktims von Sinn und Intention, das weithin als selbstverständliche Prämisse von Hermeneutik und Handlungstheorie vorausgesetzt wird.
Wolfgang Ludwig Schneider

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