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Über dieses Buch

In den Medien und der öffentlichen Diskussion scheinen wirtschaftsmoralische Themen zurzeit voll im Trend zu liegen. Immer häufiger wird über teils spektakuläre und prominente Fälle detailliert berichtet. Dabei handelt es sich bei der Wirtschaftsmoral absolut um kein Modethema. Vielmehr begleitet sie uns Menschen tagtäglich, ein Leben lang, über Jahrtausende hinweg, indem sie die Frage nach dem „guten Wirtschaften“ immer und immer wieder aufwirft. Doch wie geht eigentlich „gutes Wirtschaften“ und wie lässt sich „schlechtes Wirtschaften“ vermeiden? Aus der Tageszeitung erfahren wir, dass die steuerlichen Selbstanzeigen in die Höhe geschnellt sind, dass die globale Erwärmung als so bedrohlich wie nie zuvor empfunden wird. Warum vergeudet der Staat Milliarden Euro an Steuern pro Jahr, während in manchen Schulen der Putz von den Wänden rieselt? Warum muss nach UN-Angaben jeder Dritte global von weniger als zwei Dollar pro Tag leben? Zählen diese Probleme tatsächlich zum Gebiet der Wirtschaftsmoral und falls ja, wie lassen sie sich lösen?

Das Buch beantwortet Fragen wie diese und geht dabei als Grundlagenwerk nicht intuitiv, sondern wissenschaftlich vor, indem es die Schnittstelle zwischen Wirtschaft zum einen und Moral zum anderen sachorientiert und wertneutral unter die Lupe nimmt. Der Autor beleuchtet dabei verschiedene Perspektiven und gibt aus diesen heraus Antworten auf die Grundfrage der Wirtschaftsmoral: Wie können Wirtschaft und Moral sinnvoll und nachhaltig miteinander verknüpft werden?

Der Autor

Stefan Knischek ist Diplom-Volkswirt und Magister der Philosophie. Er arbeitet als Hochschullehrer für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsmoral.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Das Definitionsproblem

Frontmatter

Kapitel 1. Die inhaltliche Bestimmung des Wirtschaftsbegriffs

Das Erkenntnisobjekt „wirtschaften“ offenbart sich – sowohl auf den ersten Blick wie auch bei genauem Hinsehen wissenschaftlich – als ausgesprochen schillerndes Phänomen. Nähern wir uns ihm zuerst spontan. Obwohl wir alle täglich mit wirtschaftlichen Dingen konfrontiert sind, fällt es uns schwer, auf die Schnelle eine homogene, treffende Definition dieses großen, bedeutsamen Lebensbereichs zu finden. Versuchen Sie es selbst: Was ist wirtschaften? Fragen Sie Bekannte und Arbeitskollegen, was sie darunter verstehen! Sie werden verblüfft sein, wie unterschiedlich die Antworten, Facetten und Schattierungen ausfallen. Dass wir uns damit so schwer tun, hängt vielleicht damit zusammen, dass sich bei uns modernen Menschen Lebens- und Wissenswelt durch die zunehmende Rationalisierung über die Jahrtausende so weit auseinander entwickelt haben, dass ein Faden gerissen zu sein scheint, der nur durch intensives Nachdenken wieder geknüpft werden kann (Existenzphilosoph Heidegger hat das Phänomen ontologisch beschrieben [Ontologie: Lehre vom Sein], wonach das ontisch nahe Liegende [der konkrete wirtschaftliche Akt] ontologisch fremd ist [die konstitutiven Bedingungen der Möglichkeit von Sein und somit Wirtschaften]).
Stefan Knischek

Kapitel 2. Die inhaltliche Bestimmung des Moralbegriffs

Was für den Wirtschaftsbegriff gilt, gilt ebenso für den Moralbegriff: Er lässt sich weder ganz eindeutig noch einheitlich bestimmen. Deshalb müssen wir uns erneut auf die Suche machen, um zu einem möglichst grundlegenden und plausiblen Moralbegriff zu gelangen, der in der Lage ist, die Basis für alle Formen von Moral (deutsche Moral, amerikanische Moral, katholische Moral, hinduistische Moral, bürgerliche Moral, Arbeitermoral, öffentliche Moral, private Moral etc.) zu bilden. Dabei gehe ich erneut phänomenologisch (nicht im Sinn des Gründers der Phänomenologie Husserl) vor, d. h. ich versuche das Phänomen Moral so zu erklären, wie es sich in der Regel zeigt.
Stefan Knischek

Kapitel 3. Eine Definition von Wirtschaftsmoral

Nachdem wir einen langen Weg hinter uns bringen mussten, ist es endlich soweit, dass wir uns einen einigermaßen differenzierten Begriff von der Wirtschaftsmoral machen können. Er ist nicht der einzige, nicht der letzte, nicht allumfassend, aber sicherlich einer, der die wesentlichsten wirtschaftsmoralischen Kategorien beinhaltet.
Stefan Knischek

Das Zwei-Welten-Problem

Frontmatter

Kapitel 4. Das Legitimationsproblem

In der wirtschaftsmoralischen Interaktion kommt es immer wieder zu divergierenden Auffassungen und Konflikten. Dies erfordert, über die jeweilige Meinung hinaus, eine einheitliche, verlässliche Basis, die in der Lage ist, intersubjektive Ansprüche und Gegensätze auf einer allgemeingültigen Ebene zu begründen und zu behandeln. Es stellt sich somit die Frage nach der Legitimation von Wirtschaftsmoral.
Stefan Knischek

Kapitel 5. Das Zielproblem

Das Zielproblem entspringt der gleichen Quelle wie das Legitimationsproblem auch, nämlich der prinzipiellen Andersartigkeit bzw. Dualität von Wirtschaft und Moral.
Stefan Knischek

Kapitel 6. Das Motivationsproblem

Hinter jedem Ziel steht immer auch eine Kraft, dieses Ziel erreichen zu wollen. Diesen Antrieb, der ein bestimmtes Handeln in Gang setzt, umschreiben wir mit den Begriffen Motiv bzw. Motivation. Stammt das Motiv von außen, das ist z. B. der Fall, wenn Falschparken mit einer Geldbuße belegt wird, spricht man von extrinsischer Motivation.
Stefan Knischek

Kapitel 7. Das Bewertungsproblem

Die Dinge und Phänomene, die den Menschen umgeben, die sein Selbstverständnis prägen und die seine Entwicklung maßgeblich mit beeinflussen, tragen ihren Wert nicht apriori in sich, sondern sie erhalten ihn durch menschliche Bewertungsvorgänge. Ein Fahrrad z. B. als wirtschaftliches Gut weist keinen Eigenwert auf, d. h. es ist ohne menschliches Dazutun im Prinzip ohne Wert.
Stefan Knischek

Kapitel 8. Das Wertmaßstabsproblem

Werte können mit geeigneten Mitteln bzw. Methoden messbar gemacht werden. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Sphäre übernehmen diese Aufgabe die in Geldeinheiten ausgedrückten Preise. Der Preis eines Wirtschaftsguts schwankt in einer Marktwirtschaft um seinen Wert, welcher als Gravitationszentrum im Sinn eines natürlichen Preises fungiert.
Stefan Knischek

Kapitel 9. Wirtschaftliches Verhalten als moralischer Eigenwert?

In den Kapiteln 4 bis 8 haben wir bisher gesehen, dass das Verhältnis zwischen Wirtschaften und Moral ausschließlich von Unterschiedlichkeit bzw. Gegensätzlichkeit geprägt ist. Nunmehr ist zu fragen, ob es dabei auch Parallelen oder sogar eine Identität zwischen den beiden Bereichen gibt.
Stefan Knischek

Das Integrationsproblem

Frontmatter

Kapitel 10. Formale Voraussetzungen

Damit sich Wirtschaftsmoral überhaupt als solche konstituieren kann, ist sie notwendigerweise auf das simultane Vorhandensein sowohl der wirtschaftlichen wie der moralischen Ebene angewiesen. Fehlt eine der beiden Dimensionen, kann nicht mehr von Wirtschaftsmoral gesprochen werden, da sie dann schlicht wieder in ihre einzelnen Bestandteile, also Wirtschaft und Moral, zerfällt. Damit Wirtschaft und Moral eine Verbindung eingehen können, sind mindestens vier Dinge nötig: Es muss erstens ein Integrationsträger vorhanden sein, der zweitens in einer Entscheidungssituation auf das drittens simultane und strukturelle Vorhandensein von wirtschaftlichen und moralischen Ansprüchen trifft, welches sich jedoch viertens auf verschiedenen Ebenen vollzieht.
Stefan Knischek

Kapitel 11. Monozentriertes, wirtschaftsbasiertes Integrationssystem: Funktionalisierungsmodell

Das Zwei-Welten-Problem, welches die Frage nach der prinzipiellen Integrationsfähigkeit der divergierenden Verhaltenssysteme von Wirtschaft und Moral aufgeworfen hat, hat indirekt angedeutet, dass wir im Prinzip auf drei fundamentale Integrationsarten zurückgreifen können. Entweder dominiert das moralische System das wirtschaftliche, hier findet eine Moralisierung der Wirtschaft statt, die im Folgenden unter dem Begriff Normierungsmodell verdeutlicht wird. Oder das wirtschaftliche System dominiert das moralische System, dann findet eine Ökonomisierung der Moral statt, die im Folgenden unter dem Begriff des Funktionalisierungsmodells erscheinen wird. Bei der dritten Möglichkeit dominiert kein System das jeweils andere.
Stefan Knischek

Kapitel 12. Monozentriertes, moralbasiertes Integrationssystem: Normierungsmodell

Die zweite grundsätzliche Möglichkeit, Wirtschaft und Moral zu integrieren, ist die „Moralisierung der Wirtschaft“. Darunter versteht man die systematische Anpassung der Wirtschaft an die Bedingungen und Vorgaben der Moral. Es gilt der uneingeschränkte Primat des Normativen über das Faktische der Wirtschaft.
Stefan Knischek

Kapitel 13. Bizentrierte, synthetische Integrationssysteme

Die dritte grundsätzliche Möglichkeit, Wirtschaft und Moral zu integrieren, ist die Synthetisierung von beiden. Synthetisierung bedeutet, dass die prinzipielle Zwei-Welten-Problematik überwunden und durch eine kreative Weise auf eine andere Ebene gebracht werden kann. Im Vordergrund stehen somit nicht mehr die Wirtschaft als solche bzw.
Stefan Knischek

Implementierungsproblem

Frontmatter

Kapitel 14. Funktionalisierungsmodell

Wir fragen im Kapitel 14 danach, welche Voraussetzungen nötig sind, damit Wirtschaftssubjekte in ihrem Handeln moralische Standards im Rahmen eines Primats der Wirtschaft einhalten können (Funktionalisierungsmodell).
Stefan Knischek

Kapitel 15. Normierungsmodell

Im Gegensatz zum Funktionalisierungsmodell geht das Normierungsmodell vom Primat der Moral bzw. des Normativen aus. Das Wirtschaften des Menschen wird zwar ohne Einschränkung als ein wesentlicher Bestandteil gesehen, der zum menschlichen Sein sowie zum Gelingen menschlicher Lebensbewältigung gehört. Der Vorrang wird allerdings einem normativen Überbau eingeräumt, der im Zentrum der menschlichen Seins-, Sinn- und Wertfrage steht.
Stefan Knischek

Evaluationsproblem

Frontmatter

Kapitel 16. Grundlegende Modellkriterien

Die Frage, die sich nun im letzten Teil 5 dieses Buches stellt ist, welches Modell weist welche Stärken und welche Schwächen auf? Wie sind diese beiden Modelle zu vergleichen und wie zu bewerten? Unter welchen Bedingungen und Prämissen ist welches Modell dem anderen vorzuziehen etc.? Um eine solche Evaluierung durchzuführen, müssen wir anhand geeigneter Evaluationskriterien die Güte eines wirtschaftsmoralischen Modells darstellen. Im Kapitel 16 geht es um Kriterien, die sich mit der modelltheoretischen Ebene befassen: Welche Reichweite weisen die beiden Modelle je auf, wie sind wirtschaftlicher und moralischer Anspruch miteinander verzahnt, woher stammen die Normen in den Modellen?
Stefan Knischek

Kapitel 17. Funktionale Modellkriterien

Die funktionalen Modellkriterien beschäftigen sich mit den spezifischen (theoretisch/praktischen) Ansprüchen, die an ein System der Wirtschaftsmoral gestellt werden können. Welche Aufgaben soll ein solches System erfolgreich übernehmen und erfüllen können? Erneut stoßen wir hier auf einen umfangreichen Kriterienkatalog, aus dem wir die wesentlichen und wichtigsten Kriterien extrahieren. Und erneut müssen wir systemtheoretische und -praktische Kriterien voneinander unterscheiden. Im Folgenden sollen folgende Kriterien näher beleuchtet werden: Zielbalance des jeweiligen Modells, Modellhomogenität, Handlungsstruktur, Normträgertransparenz, Grad der Normabweichung.
Stefan Knischek

Kapitel 18. Kriterien der Modellpraktikabilität

Jeden Tag befindet sich jeder Wirtschaftsakteur in einer Vielzahl von Entscheidungssituationen, wo seine wirtschaftsmoralische Präsenz und Kompetenz gefragt sind. Man kauft des Öfteren ein, man verkauft etwas, man arbeitet, man geht mit Geld um, man plant, man informiert sich, man leiht sich etwas aus etc. Sowohl bezogen auf den einzelnen Wirtschaftsakt als solchen sowie die Anzahl der täglich vorzunehmenden Wirtschaftsaktionen steht der Akteur somit einer nicht unerheblichen Normkomplexität gegenüber.
Stefan Knischek

Kapitel 19. Grundproblem: Optimaler Modellmix

Es lässt sich somit am Ende dieses Buches eindeutig festhalten, dass es kein einziges Modell gibt, das in der Lage wäre, allen möglichen Ansprüchen gerecht zu werden. Damit ist zugleich auch die Grundaufgabe einer wissenschaftlich orientierten Wirtschaftsmoral formuliert und vorgezeichnet: Es gilt, den optimalen Modellmix herauszufinden. Dabei stoßen wir auf mindestens zwei Probleme.
Stefan Knischek

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