Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Gewässerausbau und Landnutzung haben die Bäche und Flüsse der Kulturlandschaft zu Abfluß- und Transportrinnen degradiert. Das Schlagwort der 90er Jahre heißt naturnahe Gewässerentwicklung, und der künftige Schwerpunkt liegt bei der Regeneration der Gewässerstrukturen. Doch nur, wer die Gesetze der natürlichen Gewässerentwicklung kennt, kann naturnahe Entwicklungen in Gang setzen. Der Autor dieses Buches stellt in verständlicher Weise die Grundlagen der morphologischen Entwicklung von Fließgewässern dar, analysiert die zeitlich-räumliche Veränderung von Gewässersystemen, untersucht die morphologischen Folgen anthropogener Eingriffe und leitet daraus Grundsätze zu einem modernen Management der Gewässer in der Kulturlandschaft ab. Zahlreiche Beispiele und tabellarische Darstellungen erleichtern das Verständnis.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Zusammenfassung
Bis zum Ende der 70er Jahre wurden Gewässer in Deutschland fast ausschließlich nach technischen Kriterien ausgebaut. Mit dem zu dieser Zeit beginnenden Wertewandel der Gesellschaft in Umweltfragen fanden die warnenden Stimmen der Naturschützer (Thienemann 1951, Engelhardt 1968, Bauer 1971, Schua 1974, Erz 1975, Dahl 1976, DER SPIEGEL 1981) allmählich Gehör bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung1. Anfang der 80er Jahre erschienen die ersten Richtlinien, Verordnungen und Merkblätter zum “naturnahen Gewässerausbau” oder zur “Gewässerpflege” (Binder 1979, MELUF 1980, LWA 1980 und 1989IV, DVWK 1984), zugleich wurde mit den ersten “Renaturierungen” begonnen (Londong & Stalmann 1985, Londong 1986, Kern & Nadolny 1986), die ab Mitte der 80er Jahre immer breiteren Raum einnahmen und schließlich zu einer auch in der Wassergesetzgebung verankerten Aufgabe der öffentlichen Hand wurden2.
Klaus Kern

1. Gewässerentwicklung im geomorphologischen Prozeßgefüge

Zusammenfassung
Bei der Gesteinsaufbereitung ist die physikalische von der chemischen Verwitterung zu unterscheiden. Beide Verwitterungsarten sind klima- und gesteinsabhängig. Bei der physikalischen Verwitterung sind vor allem mechanische Vorgänge für die Lockerung des Gesteinsgefüges verantwortlich. So werden durch die 9 % ige Volumenzunahme beim Gefrieren des oberflächennahen Kluftwassers ganze Felsstücke aus dem Gesteinsverband gelöst. Weniger wirksam ist nach (1979IV) die Hitzesprengung aufgrund unterschiedlicher Wärmedehnung der Minerale, die vor allem zu einem oberflächigen Abgrasen führt. Die Tätigkeit von Bodentieren (vor allem Termiten in den Tropen) und der Spaltendruck von Pflanzenwurzeln tragen ebenfalls zur Gefügelockerung bei. Bedeutender für die Gesteinsaufbereitung sind jedoch Ausscheidungs- und Verwesungsprodukte, vor allem Huminsäuren, die wesentlich zur Wirksamkeit chemischer Verwitterung beitragen.
Klaus Kern

2. Raum-Zeit-System der Gewässerentwicklung

Zusammenfassung
Schumm & Lichty (1965) unterscheiden für die geomorphologischen Veränderungen in einem Einzugsgebiet drei Zeitmaßstäbe: cyclic, graded und steady time spans (Tabelle 2.1, Abb. 2.1). Der erste Zeitbegriff lehnt sich an die Davissche Vorstellung eines Erosionszyklus an; d.h. es ist darunter die Zeitspanne von der Hebung eines Gebirgsstockes bis zum gedachten vollständigen Abtrag zu verstehen, ein Prozeß, der Jahrmillionen in Anspruch nimmt und von Hickin (1983) als geologischer Zeitmaßstab betrachtet wird.
Klaus Kern

3. Abriß der kulturhistorischen Gewässer- und Landschaftsentwicklung

Zusammenfassung
Lange bevor Mitteleuropa dichter besiedelt war, entwickelten sich in China, am Indus und im Mittelmeerraum Hochkulturen, deren Aufstieg eng mit der Beherrschung der bedrohlichen Naturgewalten und der Nutzung des segensreichen Wasserdargebots großer Flüsse verbunden war (Garbrecht 1987a). Der Klimaumschwung im Altholozän führte zu einer Austrocknung ehemaliger Savannengebiete in Nordafrika und im Nahen Osten und zwang die Nomaden im 5. und 6. Jahrtausend v.Chr. zur allmählichen Besiedelung der großen Flußniederungen. Voraussetzung für die dauerhafte Ansiedlung einer stark anwachsenden Bevölkerung in den Stromgebieten von Euphrat und Tigris sowie des Nils war die Entwicklung von Hochwasserschutzanlagen und ausgeklügelten Be- und Entwässerungssystemen. Im Zweistromland Mesopotamien hatten die Sumerer 3000–2000 v.Chr. schon 30 000 km2 kultiviert. Große Bewässerungskanäle und Wasserhebeanlagen erlaubten schließlich noch in vorchristlicher Zeit eine Ausdehnung der bewirtschafteten Fläche auf 40 000 km2, die schließlich die Ernährung von 25 Millionen Menschen ermöglichte. Die umfangreichen Schiffahrtskanäle, Be- und Entwässerungsanlagen, Hochwasserschutzdeiche und Flußumleitungen wurden im Laufe der wechselvollen Eroberungsgeschichte durch Perser, Parther, Römer und Araber weiter ausgebaut oder zumindest erhalten, bis schließlich im Jahre 1265 n.Chr. die einfallenden Mongolen nahezu alle wasserbaulichen Anlagen und somit die Lebensgrundlage für die Bevölkerung zerstörten, die daraufhin auf 1,5 Millionen zurückfiel. Der Wiederaufbau der Bewässerungsanlagen unterblieb bis ins 20. Jahrhundert.
Klaus Kern

4. Geomorphologische Auswirkungen anthropogener Eingriffe im Raum-Zeit-Bezug

Zusammenfassung
Nach der kurzen Darstellung menschlicher Eingriffe in die Naturlandschaft seit Siedlungsbeginn (Kap. 3) sollen nun die Auswirkungen auf die Gewässer- und Auenmorphologie beschrieben und, anknüpfend an Kap. 2, in einen räumlichzeitlichen Kontext gestellt werden. Die Eingriffe und Nutzungen werden hierfür in fünf Hauptgruppen unterteilt:
  • Rodungen und Flächenutzungen;
  • Flößerei und Treidelschiffahrt;
  • Laufwasserkraftnutzung;
  • Gewässerregulierung;
  • Speicherbau.
Klaus Kern

5. Gewässergestaltung und -entwicklung

Zusammenfassung
Die Strukturen und Funktionen von Ökosystemen in der Natur sind wertfrei44. Erst der Nutzungsanspruch des Menschen unterwirft die Vorgänge und Objekte der Natur einem bestimmten Werturteil. Der Natur wird erst gegenüber der Naturzerstörung ein Wert zugeordnet. Bewertungskriterien sind nach Bauer (1990) und Bostelmann (in Kern, Bostelmann & Hinsenkamp 1992) z.B.
Klaus Kern

6. Beispiel: Donau in Baden-Württemberg

Zusammenfassung
Eine vom Landesnaturschutzverband62 angeregte Sanierung der Donau im Abschnitt Sigmaringen-Riedlingen führte schließlich zum Integrierten Donauprogramm des Landes Baden-Württemberg, in das der ganze baden-württembergische Donauabschnitt aufgenommen wurde. Das ursprüngliche Ziel war es, den landschaftlichen, ökologischen und wasserwirtschaftlichen Folgeschäden der Ausbaumaßnahmen seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch geeignete Pflege- und Umgestaltungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Durch ein “Jahrhunderhochwasser” im Februar 1990 wurden früher aufgegebene Pläne zur Verbesserung des Hochwasserschutzes wiederbelebt. Zugleich wurden mehrere Anträge zur Wasserkraftnutzung auf noch ungenutzten Fließstrecken gestellt, die bei Verwirklichung den ursprünglichen Zielsetzungen entgegenstehen.
Klaus Kern

7. Zusammenfassung, Anforderungen an Forschung und Lehre

Zusammenfassung
Die Erscheinungsformen von Bächen und Flüssen spiegeln die geologischen, morphologischen und klimatischen Eigenschaften ihrer Einzugsgebiete wider. Die gelösten und festen Verwitterungsprodukte der anstehenden Gesteine werden in den Tiefenlinien des Reliefs vom oberirdisch abfließenden Niederschlagswasser transportiert. Schwebstoffe lagern sich in den Talniederungen ab und bilden insbesondere in Löß- und Keupergebieten mächtige Auenlehmdecken, die durch Rodungen und Landnutzungen noch verstärkt wurden. Gerölle werden je nach Festigkeit unterschiedlich schnell zerrieben und bestimmen die Sedimentzusammensetzung in den Gewässern. Zugleich korradieren sie beim Transport die Sohle und tragen so über den reinen Wasserangriff hinaus zur Einschneidung bei. Relativ erosionsstabile Auenlehmsohlen werden vor allem durch den Abrieb beim Geschiebetransport abgetragen, wie verschiedene Beobachtungen belegen.
Klaus Kern

Backmatter

Weitere Informationen