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Über dieses Buch

Kärnten wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur als „Sonderfall“ der österreichischen Zeitgeschichte beschrieben; der Volksgruppenkonflikt zwischen der slowenischsprachigen Minderheit und der deutschsprachigen Mehrheit, der politische Erfolg des „Dritten Lagers“ und eine politische Kultur, die mit Korruptionsskandalen, Ausgrenzung von Fremden und Diffamierung in Zusammenhang gebracht wird, ist kennzeichnend. Christian Dorner-Hörig untersucht, auf welche Weise diese Besonderheiten mit der Soziogenese und Psychogenese Kärntens zusammenhängen. Es kann gezeigt werden, dass die Etablierung eines ständischen Patrimonialismus zum Beginn der Neuzeit den Zugriff der Zentralgewalt auf die regionale Integrationsebene Kärnten behinderte. Die damit verbundene Fragmentierung des Landes in kleinere Herrschafts- und Verwaltungseinheiten begünstigte den Erhalt segmentär gefasster Figurationen ebenso wie die Herausbildung zweier in sich geschlossener Wir-Gruppen, die sich zunehmend in einer emotional aufgeladenen Konfliktspirale gegenüberstanden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung

Das eingangs zitierte Gedicht „An Kärnten“ von Josef Friedrich Perkonig (1890- 1959) ist eine Liebeserklärung eines umstrittenen Heimatdichters an sein Land, das neben der beschriebenen Schönheit und Wärme, der Geborgenheit und Zuversicht auch leicht melancholische Töne anklingen lässt. Das Gedicht gibt einen ersten Eindruck von jener bekannten Kärntner Stimmung, die Alexander Sattmann (2009) auch als den „Kärntner-Blues“ bezeichnet und der sich in den zahlreichen Kärntner Liedern und Gesängen stetig wiederfindet.
Christian Dorner-Hörig

2. Zur Theorie der Prozesssoziologie: Figurationen und Habitus

Die theoretischen Annahmen der Figurations- oder Prozesssoziologie berufen sich im Wesentlichen auf die Vorleistungen und Arbeiten von Norbert Elias. Dieser hat seine Werke in der großen Zeitspanne zwischen 1920 bis zu seinem Tode 1990 publiziert. „Ich bin ein deutscher Jude, der dreißig Jahre in England gelebt hat. Alles das ist in mein Gepräge eingegangen, und alles das bin ich“, sagte der am 22. Juni 1897 in Breslau geborene Norbert Elias einmal in einem Interview über sich selbst (van Voss/von Stolk 2005: 277) und ließ damit seine Sichtweise auf den Zusammenhang zwischen Menschen und ihren Gesellschaften am Beispiel seines eigenen Lebens deutlich werden. Für Elias ist das Schicksal eines einzelnen, individuellen Menschen auf das Engste mit dem Schicksal seiner sozialen Situation im Wandel seiner Gesellschaft verbunden.
Christian Dorner-Hörig

3. Der „Sonderfall“ Kärnten

Kärnten ist für die figurative Prozesssoziologie ein höchst interessantes Forschungsfeld. So wird dem Land immer wieder eine besondere Stellung innerhalb Österreichs zugeschrieben, sowohl in politischer wie emotionaler Hinsicht. Bereits Erwin Ringel (1988) gelangt zu dem schönen Vergleich, dass die Kärntner die Sizilianer Österreichs seien und sich damit vom Rest der Alpenrepublik auszeichnen würden. „Der Kärntner ist einer, der seine Gefühle nicht unterdrückt, sondern der sie ausspricht und der sie oft aussingt, und das ist von ungeheurem Wert“ (Ringel 1988: 10). Diese Feststellung impliziert eine politische Komponente: „Kärnten tickt anders, Kärnten wählt anders. ‚Kärnten is a Wahnsinn‘“ wie Alexander Sattmann (2009: 7) die Besonderheiten Kärntens konkretisiert. Und tatsächlich scheint das südlichste Bundesland Österreichs gerade in seinem politischen Verhalten etwas Besonderes zu sein. Für diese Vermutung sprechen einige Indizien.
Christian Dorner-Hörig

4. Kärntens Soziogenese und Psychogenese im historischen Vergleich

Der Klagenfurter Sprachwissenschaftler Heinz-Dieter Pohl ist sich sicher: „Kärnten passt nicht in das von Wien aus geprägte Österreichbild. Weder mentalitätsmäßig noch politisch […]“ (zitiert nach Sattmann 2006: 86), er vertritt damit wohl eine Meinung, die man an vielen Stammtischen und im privaten Gesprächen über und zu Kärnten in Österreich vernehmen kann. Vieles von dem, was man den Kärntnerinnen und Kärntnern in solchen Gesprächen unterstellt, sind Stereotype und als eher willkürlich zu bezeichnende Zuschreibungen zu qualifizieren.
Christian Dorner-Hörig

5. Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Volksgruppenfrage ist als „durchgängiges Thema“ der Kärntner Politik (Valentin 2009: 341) bezeichnet worden, weshalb sich auch die gängige wissenschaftliche Forschung bislang „[…] fast ausschließlich […] [mit dem] Umgang der deutschsprachigen Mehrheit mit der slowenischsprachigen Minderheit“ (Schaller 1992: 83) befasst hat. Thematisiert wurden hierbei meist die Geschehnisse ab 1848, über den Abwehrkampf und die Volksabstimmung, die Konflikte der Ersten Republik sowie deren Zuspitzung in der NS-Zeit und während des 2. Weltkrieges, bis hinein in die Auseinandersetzungen der Zweiten Republik. Wie nach Karner und Moritsch (2005 b) dargelegt wurde, kreiste die Forschung zu Kärnten bislang um vorwiegend zwei Eckpfeiler.
Christian Dorner-Hörig

Backmatter

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