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Über dieses Buch

Ist die Energiewende steckengeblieben oder gar gescheitert? Haben Regulierung und Politik den Wandel zum nachhaltigen Umgang mit Energie ausgebremst? Verschläft die Wirtschaft die Wende? Nein, ganz und gar nicht. Während vielen die Energiewende nicht schnell genug vorankommt, befinden wir uns bereits auf der Schwelle in eine neue Energiegesellschaft.

Die Energiewende ist Teil eines größeren Wandlungsprozesses. Ein Wandel im Umgang mit Energie, ihrer Gewinnung und ihres Wertes, Teil der laufenden vierten industriellen Revolution und viel mehr als nur der Umstieg auf regenerative Energien. Dieser Wandel vollzieht sich quer durch alle Bereiche der Wirtschaft und der Gesellschaft, baut die Energiewirtschaft um, verändert die Mobilität und initiiert dezentrale Lösungen in Unternehmen und Städten und Gemeinden.

Das Buch richtet sich an alle, die sich am Umbau des Energiesystems beteiligen wollen, Unternehmen und Organisationen sowie auch der Politik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die Energiewende bisher

Frontmatter

Kapitel 1. Energiewende 1.0

Zusammenfassung
Ist die Energiewende ins Stocken geraten? Ist sie wohlmöglich gescheitert? Nach mehr als 25 Jahren schien der Ausbau der Erneuerbaren gebremst, viele sahen in den vergangenen Jahren kaum Fortschritte bei der Energiewende. Gründe für den scheinbaren Stillstand sind ein falsches Verständnis für die Veränderungen der Energiewelt, unklare Ziele der Energiewende, die Vernachlässigung der Dezentralisierung, fehlende Sektorkopplung, eine erdrückende Regulierung und politische Blockaden. Der Blick zurück zeigt aber auch, dass sich die Nutzung der erneuerbaren Energien kontinuierlich vollzog und dass immer mehr Akteure die Energiewende annahmen und weiter annehmen. Eine hohe Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung, breites Engagement und ein Wiederaufleben der Klimadiskussionen deuten darauf hin, dass es mit der Energiewende weiter vorangehen wird.
Josef Gochermann

Kapitel 2. Am Ende der ersten Halbzeit

Zusammenfassung
Wir stehen am Ende der ersten Halbzeit. In der Pause, am Beginn der zweiten, der entscheidenden Halbzeit. Wer waren die Player in den ersten 25 Jahren, welche Strategie verfolgten sie, wie verlief das Spiel? Der Beginn der zweiten Halbzeit ist auch der Beginn einer neuen Ernsthaftigkeit. Immer mehr Akteure haben verstanden, dass der Weg unumkehrbar ist, dass die Energiewende schon allein aus Klimagründen umgesetzt werden muss. Zunehmend erkennt man, dass die regenerativen Energien und der Umbau des Energiesystems nicht mit den Spielregeln der ersten Halbzeit, der alten Energiewelt, organisiert werden können. Die wiederauflebende Klimadiskussion beweist sich als Treiber. Die Politik vollzieht erste Kurskorrekturen. Die Strategien und die Taktik für die zweite Halbzeit ändern sich – sie verspricht dynamisch zu werden.
Josef Gochermann

Kapitel 3. Energiewirtschaft und Industrie

Zusammenfassung
Die großen Energieunternehmen RWE und E.ON, Energietechnikkonzerne wie Siemens, die Stahlindustrie und die Chemieindustrie – jahrzehntelang galten sie als die Verhinderer einer Energiewende und waren das Feindbild Nummer eins vieler Umweltschützer. Es hat sich etwas geändert. Die großen Energiekonzerne bauen sich komplett um, geben alte Strukturen auf und konzentrieren sich auf eine neue Energiewelt. Die Stahlindustrie arbeitet intensiv an einer CO2-neutralen Produktion, am Ersatz von fossilen Energieträgern hin zu grünem Strom und zu Wasserstoff. Große Industriekonzerne werden scheinbar zum Treiber der Energiewende, der Transformation in eine neue Energiewelt. Sie haben verstanden, dass ein Festhalten an den alten Strukturen teurer wird als schnelle und massive Investitionen in die neuen Technologien.
Josef Gochermann

Der Wandel der Energiewelt

Frontmatter

Kapitel 4. Industrielle Revolutionen und die neue Energiewelt

Zusammenfassung
Industrielle Revolutionen vollziehen sich, dem Ökonomen Rifkin folgend, in drei Grundelementen: der Kommunikation, der Energie und der Logistik. Die zweite und dritte industrielle Revolution stützen sich bei der Energie auf die Dampfkraft, die Elektrizität und das Öl. Revolutionen sind stets durch disruptive Elemente gekennzeichnet. Die Analyse zeigt, wir befinden uns bereits in der 4. Industriellen Revolution. Die Elemente Kommunikation und Logistik zeigen schon disruptive Veränderungen, der Wandel in der Energie hängt dem noch hinterher. Dezentrale Kommunikationstechnologien treffen jetzt auf dezentrale Energiekomponenten und bilden eine neue Kommunikation-Energie-Matrix. Auch die Energiewelt wird sich in Teilen disruptiv verändern. Die neue Energiewelt wird wesentlich gekennzeichnet sein durch dezentrale Strukturen, regenerative Energien und intelligente Systeme. Die Energiewende beschreibt den Wandel hin zu diesem neuen Zustand.
Josef Gochermann

Kapitel 5. Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel

Der Wandel der Energiewelt vollzieht sich in einer sich ändernden Umgebung. Der demografische Wandel, die Erstarkung von Nationalstaaten und die Bedingungen der Globalisierung verändern die Rahmenbedingungen, in denen sich die Energiewelt darstellt. Die Digitalisierung schafft neue, dezentrale Strukturen, verteilte intelligente Systeme und ermöglicht neue Prozesse. Sie verändert aber auch unsere Arbeitswelt und die Prozesse. Cyber-physische Systeme übernehmen Aufgaben, die bisher der Mensch verantwortete. Wertschöpfung in einer digitalen Welt findet in immer kürzeren Ketten statt, der Wert kann nicht mehr allein über die Arbeit definiert werden. Und wohin entwickeln sich unsere Märkte? Starker Staat oder mehr Marktwirtschaft? Die Rahmenbedingungen für die vierte industrielle Revolution werden erkennbar und mit ihnen der Raum für die neue Energiewelt.
Josef Gochermann

Kapitel 6. The Value of Energy – Der Wert der Energie

Zusammenfassung
Die Digitalisierung und der gesellschaftliche Wandel verändern unseren Wirkungsraum. Wertschöpfungsketten verändern sich, der Wert der Energie muss neu definiert werden. Er wird nicht mehr bestimmt durch die Anzahl der gelieferten Elektronen oder die Menge des Öls. In der neuen Energiewelt wird der Wert der Energie maßgeblich abhängen von Verfügbarkeit, Energiebereitstellung und Flexibilität. Die Grenzkosten der Stromerzeugung aus regenerativen Energien gehen gegen null; der Strom allein hat keinen Wert, wohl aber die bedarfsgerechte Verfügbarkeit. Das Verhältnis zur Energie wird neu einzuordnen sein. Wem gehört die Energie, insbesondere die aus regenerativen Quellen? Ist die Energie ein Gemeingut, ist sie kostenfrei, und sind lediglich deren Aufbereitung, Transport und Zurverfügungstellung mit einem Wert verbunden? Die neue Energiewelt wirft weit mehr als nur technische Fragen auf.
Josef Gochermann

Die neue Energiewelt

Frontmatter

Kapitel 7. Die Nutzensicht der Energiewende

Der Klimawandel und die Energienutzung stehen in einem ursächlichen negativen Zusammenhang. Ursache und negative Auswirkung treten dabei zeitlich und räumlich stark getrennt auf. Die Argumentation zur Veränderung des Umgangs mit Energie war bislang stets negativ geprägt: Wenn nicht, dann negativ! Wenn du das nicht tust, dann hat dein Nichtstun negative Auswirkungen, so die Argumentation von vielen Umweltschützern und Politikern. Forderungen nach Verboten und Geboten waren die logische Antwort. Die positive Nutzensicht geriet dabei vollends in den Hintergrund. Der Ansatz muss andersherum sein: Welchen direkten oder indirekten Nutzen kann ich aus der Veränderung des Energiesystems ziehen? Welchen Nutzen habe ich persönlich, welchen mein Unternehmen, was hat die Gesellschaft davon, was die Umwelt? Der positive Nutzen der Energiewende, verbunden mit den Mechanismen einer nutzenorientierten Marktwirtschaft, muss den Argumentationsrahmen der Energiewende bilden.
Josef Gochermann

Kapitel 8. Wasserstoff

Zusammenfassung
Wasserstoff scheint das Schlüsselelement der Energiewende zu sein. Man setzt Wasserstoff anstelle von Öl und Gas ein, löst damit die CO2-Problematik und kann auch noch wesentliche Teile der heutigen Infrastruktur weiter nutzen, so die Idee. Selbstverständlich wird nur grüner Wasserstoff aus regenerativen Energien gewonnen, und falls wir nicht genügend Sonne und Wind vor Ort haben, importieren wir den Wasserstoff aus sonnenreichen Ländern. Aber so einfach geht es nicht. Die Umstellung auf eine Wasserstoffwirtschaft – und der Gedanke ist schon Jahrzehnte alt – benötigt nicht nur riesige Mengen an Strom und wesentliche technische Weiterentwicklungen. Die enormen Mengen an regenerativem Strom können in Deutschland nicht erzeugt werden. Sollen wir den Entwicklungsländern das kostbare Gut Wasser entziehen, nur um es in exportierbaren Wasserstoff umzuwandeln? Für die zukünftige Wasserstoffwirtschaft braucht es ganz neue internationale Energiepartnerschaften.
Josef Gochermann

Kapitel 9. Ziele und Merkmale der neuen Energiewelt

Zusammenfassung
Das bisherige Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit reicht nicht aus, um die neue Energiewelt zu definieren. Es muss um die Dimensionen Effizienz und Transparenz erweitert werden. Die vielfältigen Merkmale der neuen Energiewelt, wie Dezentralität, Wert und Eigentum der Energie, verteilte und intelligente Systeme, Wasserstoff und Energiespeicher, bilden sich in einer neuen Energie-Zielraumkarte ab. Die fünf Dimensionen Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Effizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz bilden das neue Energiezielsystem. Das Zusammenwirken in Netzwerken und das Arbeiten mit verteilten Systemen unterscheiden sich diametral von den bisherigen Energiestrukturen. Besonderes Augenmerk wird auf die Frage gelegt, wer denn letztendlich für die Verfügbarkeit von Energie verantwortlich ist. In der neuen Energiewelt werden wir unterscheiden zwischen der Einzelverantwortung und der Systemverantwortung.
Josef Gochermann

Auf dem Weg in eine neue Energiegesellschaft

Frontmatter

Kapitel 10. Strategien für die zweite Halbzeit

Zusammenfassung
Bislang fehlte ein umfassendes und in sich konsistentes Bild der neuen Energiewelt. Mit den in diesem Buch entwickelten Zielen und Merkmalen lässt sich solch ein Bild zeichnen. Passt dieses Bild zu den Vorstellungen von Wissenschaft und Politik? Ein Gesamtbild lässt sich nirgends finden, zumindest werden aber Teile des Bildes von wissenschaftlichen Studien abgebildet und bestätigt. In der Bundespolitik und bei den politischen Parteien findet man über deren kurzfristige Wahlkampfaussagen hinaus kein Gesamtbild der neuen Energiewelt. Auch die Stiftungen der politischen Parteien beschäftigen sich mit der Energiewelt nur bedingt. Gleichwohl werden erkennbare Ansätze, wie etwa die Sektorenkopplung, die Wärmewende oder das neue Strommarkt- und Wasserstoffmarktdesign analysiert und mit der Beschreibung der neuen Energiewelt verglichen. Die Mobilitätswende ist nur teilweise durch den Energiewandel bedingt und wird nur angerissen.
Josef Gochermann

Kapitel 11. Energiewandel in der Wirtschaft

Zusammenfassung
Haben Industrie und Wirtschaft die Transformation des Energiesystems wirklich angenommen? Wie sehen deren Zukunftsbilder aus? Baut man wirklich auf die Regenerativen, oder erlebt die Kernenergie eine Renaissance? Welche Konzepte hat die Industrie? Die Beschreibungen von E.ON, RWE, Siemens Energy und anderen scheinen zu dem zu passen, was wir bislang über die neue Energiewelt herausgefunden haben. Sie scheinen auf dem richtigen Kurs. Die Szenarien der Großindustrie und deren Aktivitäten reichen schon weiter als die der Politik. Die Stahlindustrie arbeitet an der Umsetzung des Konzepts „Grüner Stahl“ und die Chemiebranche an der Roadmap Chemie 2050. Auch der Mittelstand bewegt sich in die richtige Richtung, wenn auch noch zögerlicher. Und von den Start-ups in Deutschland befasst sich ein Großteil mit Themen aus der neuen Energiewelt.
Josef Gochermann

Kapitel 12. Kommunale neue Energiewelt

Zusammenfassung
Wesentliche Teile der Energiewende finden auf der regionalen und der kommunalen Ebene statt. Sektorkopplung, Wärmewende und Quartiersentwicklung sind Herausforderungen, die von den Kommunen und Gebietskörperschaften gelöst werden müssen. Auch große Teile der Mobilitätswende finden hier statt. Den Stadtwerken kommt eine ganz neue Rolle zu, nicht nur als Moderator der regionalen Netzwerke, sondern als lokaler Infrastrukturdienstleister. Viele Kommunen gehen voraus, wie einige Beispiel zeigen. Es entstehen neue Mobilitätskonzepte in den Städten und neue Energienetzwerke in den ländlichen Regionen. Auf der kommunalen und regionalen Ebene zeigt sich das Bild der neuen Energiewelt schon heute deutlich.
Josef Gochermann

Kapitel 13. Wegmarken zu einer neuen Energiegesellschaft

Zusammenfassung
Die neue Energiewelt lässt sich nicht mit den Kriterien der alten Energiewelt beschreiben. In diesem Kapitel wird daher versucht, die wesentlichen Determinanten, welche die neue Energiewelt charakterisieren, zu beschreiben: das neue Verständnis von Energie und deren Wertdimensionen, das auf fünf Dimensionen erweiterte Energiezielsystem und die Kennzeichen der neuen Strukturen, dezentral, regenerativ und intelligent. Elektrischer Strom und Wasserstoff bilden das Rückgrat des neuen Energiesystems, welches viel stärker auf Transparenz und Akzeptanz bauen wird. Die Wege der Wirtschaft und Regionen passen sich mit ein, und es bedarf neuer internationaler Energiekooperationen. Vor allem aber muss die Politik die Energiewende vom Ziel her denken. Die Ziele gilt es gemeinsam zu entwickeln und deren Erreichung in vernetzten Strukturen einer neuen Energiegesellschaft zu organisieren.
Josef Gochermann
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