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Über dieses Buch

Das Handbuch bietet in zahlreichen Beiträgen einen Überblick über zentrale Themenfelder und Begriffe des medienanalytischen Ansatzes der Cultural Studies. Im Fokus stehen die Aspekte, die sich auf Medien, ihre Produktion, Diskurse und Aneignung beziehen. Der Band strukturiert sich in acht übergreifende Themenfelder; jedes wird von einem Überblicksartikel eröffnet, der das jeweilige Feld samt seiner Kernbegriffe absteckt und dabei grundlegende Positionen der klassischen Kommunikations- und Medienwissenschaft kritisch reflektiert. Weitere, kürzere Artikel stellen die Kernbegriffe im Hinblick auf den jeweiligen Bezug zum Themenfeld sowie zum medienanalytischen Ansatz der Cultural Studies vor.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

0. Einleitung: Cultural Studies und Medienanalyse

Waren die Cultural Studies in den 1990er Jahren noch ein »neuer« und durchaus umstrittener Ansatz in den Sozial- und Kulturwissenschaften, können sie mittlerweile als etabliert gelten. Hierfür steht, dass es seit 2002 eine

Association for Cultural Studies

gibt, die aus den zweijährlich stattfindenden Konferenzen

International Crossroads in Cultural Studies

hervorging. Hierfür stehen weiterhin verschiedene Studienprogramme, eine entsprechend ausgerichtete Forschung sowie Einführungen und Handbücher wie dieses.

Andreas Hepp, Friedrich Krotz, Swantje Lingenberg, Jeffrey Wimmer

Theoretische Basisorientierungen

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Theoretische Basisorientierungen

Die Cultural Studies entstanden vor einem gesellschaftstheoretischen und marxistischen Hintergrund als eine breit angelegte, zunächst mehr oder weniger kritische Literaturwissenschaft, und sie sind bis heute trotz aller Anstrengungen in erster Linie eine hybride Theorie geblieben. In literaturwissenschaftlicher Hinsicht knüpfen die Cultural Studies an die Bestrebungen im 19. Jahrhundert an, »Englishness« zu generieren, in denen Literaturkritik mit dem Ziel einer bürgerlich orientierten Arbeiterbildung zusammenflossen, so Christina Lutter und Markus Reisenleitner (1998) in ihrem historischen Überblick. Ausgehend von der Idee, Kultur sei »das Beste, was in der Welt gesagt und gedacht wurde«, so Matthew Arnold (zitiert nach Lutter und Reisenleiter 1998, S. 19), sollten Literaturkritik und Literaturunterricht als Beschäftigung mit dem Kern von Kultur die soziale Ordnung der Gesellschaft garantieren und die Anarchie abhalten.

Friedrich Krotz

2. Theoretisierung, Bricolage und Dekonstruktion

Im Folgenden gilt es eine Brücke zu schlagen, die – kulturgeografisch formuliert – nicht zwangsläufig so gebaut werden muss, wie sie von den Cultural Studies errichtet wird. Der Brückenbau ist, soll das Bauwerk längerfristig tragfähig sein, ein komplexes Unterfangen, das umfangreiche Denkarbeit erfordert. In den Cultural Studies hat sich dafür in der Abfolge von Theoretisierung, Bricolage und Dekonstruktion ein mögliches – und keineswegs unhinterfragtes – Schema ausgebildet, das sich als Ortsbestimmung, Abwägung der Alternativen und schließlich Zeichnen eines Bauplanes beschreiben lässt.

Johanna Dorer, Matthias Marschik

3. Materialität, Ökonomie und Markt

Die Entwicklung und Rolle der populären Kultur und der populären Medien wird im Rahmen verschiedener sozial- und kulturwissenschaftlicher Ansätze und Theorien in unterschiedlichem Ausmaß auch als Ausdruck und Ergebnis ökonomischer sowie marktwirtschaftlicher Prozesse betrachtet und analysiert. Zahlreiche der gestellten und verfolgten Fragen gründen in einer Reihe ökonomischer und soziologischer Theorien, deren Wurzeln u. a. – aber nicht ausschließlich – in der Marx’schen Theorie beheimatet und theoretisch an einer Kritik der Politischen Ökonomie ausgerichtet sind (vgl. Mosco 2009).

Udo Göttlich

4. Klasse

Die Auseinandersetzung mit dem Klassenbegriff ist für jedwede kritische Gesellschafts- und Kulturtheorie wichtig, markiert dieser doch eine zentrale Strukturkategorie kapitalistischer Gesellschaften. Weil sie mit der Herstellung von gesellschaftlicher wie kultureller Differenz und Ungleichheit aufs Engste verknüpft ist, ist die Klassenzugehörigkeit zugleich eines der wichtigsten Bestimmungsmerkmale kultureller Identität. Trotzdem sucht man einen Eintrag zu „class“ oder „Klasse“ in den bekanntesten Einführungen, Readern und Lexika der englisch- wie deutschsprachigen Cultural Studies vergebens. Das erscheint paradox, stand doch die Beschäftigung mit Artikulationen der Arbeiterklasse am Beginn der Entwicklung der britischen Cultural Studies. Der vernachlässigte Klassen- und Schichtenbegriff scheint in den letzten Jahren jedoch wieder stärker ins Zentrum der Cultural Studies Forschung zu rücken. Als Reaktion auf die gesellschaftlichen Entwicklungen und medialen Debatten finden auch in die Cultural Studies wieder Begriffe Eingang, die lange Zeit keine Resonanz erzeugten: Gerechtigkeit, Solidarität, Respekt, auch Scham, Hoffnung, Verzweiflung.

Elisabeth Klaus

5. Feminismus, Gender und Queer

Trotz ihres macht- und herrschaftskritischen Anspruchs waren die Cultural Studies anfänglich blind gegenüber feministischen Fragen, wie sie durch die »zweite Frauenbewegung« in den 1960er Jahren in viele akademische und gesellschaftliche Bereiche vorgedrungen waren. Erst Mitte der 1970er Jahre widersetzten sich feministische Wissenschaftlerinnen und auch Wissenschaftler der Ausblendung des Feminismus am

CCCS

und in den Kulturstudien der Cultural Studies und gründeten die sogenannte

Women’s Studies Group

(vgl. Women’s Studies Group 1978, insb. S. 11 ff.).

Tanja Maier

Diskurs und Repräsentation

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Diskurs und Repräsentation

Dass sich die Cultural Studies insbesondere mit Medien beschäftigen, liegt angesichts ihrer Entstehungsgeschichte nahe. Es war ein zentrales Thema schon des

CCCS

in Birmingham, und insbesondere durch die Beteiligungen an den Diskussionen und Entwicklungen der Filmtheorie sowie dann auch durch die empirische Wende der auf Medien und Kommunikation gerichteten Cultural Studies durch die Arbeiten von Charlotte Brunsdon und David Morley (1978) wurde diese Entwicklung verstärkt. Frühe Lehrbücher in dieser Hinsicht lagen vor mit John Hartleys (1982)

Understanding news

, das eine ganze Buchreihe unter dem Titel

Studies in culture and communication

mit dem Reiheneditor John Fiske bei Routledge eröffnete, und dann mit Fiskes

Introduction to communication studies

, das 1982 zum ersten Mal erschien.

Friedrich Krotz

2. Ideologie, Hegemonie und Diskurs

Die »wichtigste Frage«, die man aus Sicht von Stuart Hall (1989a) als einem der bekanntesten Protagonisten der britischen Cultural Studies an eine Ideologie stellen muss, der es »gelungen ist, bedeutende Teile der Massen einzubinden und sie für politische Aktionen zu mobilisieren, ist nicht, was

falsch

an ihr ist, sondern was

wahr

an ihr ist« (S. 189, Herv. i. O.). Präzisierend erläutert er: »Mit ›wahr‹ meine ich nicht allgemein gültig wie ein Gesetz des Universums, sondern ›einleuchtend‹, was – Wissenschaftlichkeit einmal beiseite gelassen – der Ideologie gewöhnlich durchaus genügt« (Hall 1989a, S. 189).

Tanja Thomas

3. Gedächtnis und Erinnerung

Wenngleich sich die Medienforschung und Cultural Studies erst vergleichsweise spät diesem Forschungsfeld angenommen haben, gehören die Konzepte

Gedächtnis

und

Erinnerung

seit mehr als 25 Jahren zu den zentralen Kategorien in den Kulturwissenschaften. Fast jede Einführung in das Thema betont den Erfolg dieser Konzepte, die bisweilen gar als Etablierung eines »neuen Paradigmas« beschrieben werden (für einen Überblick derartiger Diagnosen vgl. Zierold 2006a, S. 2).

Christoph Jacke, Martin Zierold

4. Visualität

Wie können wir die uns täglich umgebende Menge an Bildern, oft metaphorisch-apokalyptisch als „Bilderflut“ bezeichnet, am besten entschlüsseln und verstehen? Wie können wir routinisierte Sehgewohnheiten, die für unsere alltäglichen Erfahrungen leitend sind, offenlegen und kritisch hinterfragen? Dies sind heute höchst relevante Fragen, denn dem Visuellen kommt in zeitgenössischen Gesellschaften besondere Bedeutung zu. Das Sehen galt als „the master sense of the modern era“ (Jay 1988: 3) und die Bedeutung von Visualität ist auch in gegenwärtigen fragmentierten Kulturen (vgl. Mirzoeff 2007: 5) ungebrochen. Bilder spielen im sogenannten „visual age“ eine essentielle Rolle bei der kommunikativen Konstruktion sozialer Wirklichkeit. Zugleich ist die Gegenwart aber nicht bloß ein visuelles, sondern insbesondere auch ein Medienzeitalter, weshalb dem medienanalytischen Ansatz der Cultural Studies – bzw. der Visual Culture – besondere Relevanz zukommt. Dieser Beitrag skizziert den für die Visual Culture grundlegenden Kernbegriff der „Visualität“ in Abgrenzung zu verwandten Begriffen und beschreibt visuelle Medienrepräsentationen im für die Visual Studies charakteristischen Spannungsfeld von Sehen, Sichtbarkeit, Macht und Stereotypisierung.

Katharina Lobinger

5. Wissen

Wissen ist zu einem Schlüsselwort der Gegenwart und zu einem Schlüssel für die Zukunft geworden: Wissen ist nicht nur sprichwörtlich Macht, sondern Wissen entscheidet über Reichtum oder Armut, so dass es als wichtigster Rohstoff der

Wissensgesellschaft

gilt. Schließlich zählt Wissen auch zu demjenigen

Stoff

, der durch mediale Kommunikation vermittelt wird. Die Soziologie hat die Relevanz des Wissens schon seit langem bedacht und widmet ihm eine eigene Disziplin: die Wissenssoziologie, die vor allem im deutschsprachigen Raum eine große Anerkennung genießt.

Hubert Knoblauch

Aneignung und Alltagswelt

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Aneignung und Alltagswelt

Prozesse der Aneignung von Medien als Inhalte und Technologien durch die alltäglichen Praktiken der Menschen und die damit verbundene Konstruktion von Bedeutungen stellen innerhalb der Medienstudien der Cultural Studies das wohl am besten theoretisch und empirisch durchdrungene Feld dar. In den Cultural Studies ist mit den Begriffen der Aneignung und Alltagswelt dabei eine Abkehr von Vorstellungen verbunden, die auf bloße Reproduktion des Bestehenden verweisen, das heißt dominante Herrschaftsformen, Lesarten oder Sozialbeziehungen. Stattdessen werden Praktiken des Widerstands und des Eigensinns im Alltag in der Auseinandersetzung mit und in der Aneignung von Medien untersucht.

Swantje Lingenberg

2. Alltag und Alltagswelt

Alltag, Erlebnis und Eigensinn. Diese Trias steht nicht zufällig am Anfang einer Auseinandersetzung mit dem Alltagsbegriff und der Analyse der Alltagswelt in den Cultural Studies. An diesem Dreiklang der aufeinander bezogenen Begriffe zeigt sich zunächst sehr deutlich die Abkehr von einer Sichtweise, die den Alltag als bloßen Ort der Reproduktion des Bestehenden, das heißt als dominante Herrschaftsform oder routinisierte Sozialbeziehung thematisiert und gesehen hat, wie es u. a. in der Soziologie lange Zeit üblich war. Aber selbst wenn seit den 1960er Jahren – zunächst vor allem auf philosophischem Gebiet – ein beginnender Bruch mit dieser Auffassung beobachtet werden kann, wie z. B. anhand der die Diskussion prägenden Arbeiten von Henri Lefebvre (1972) oder Agnes Heller (1978) erkennbar wird, so bedeutet die Thematisierung von Praktiken des Widerstands, wie sie im für die Cultural Studies maßgeblichen Werk von Michel de Certeau (1988) mit dem Titel »Kunst des Handelns« anzutreffen sind, eine nochmalige Neupositionierung des Nachdenkens über den Alltag und die Alltagswelt.

Udo Göttlich

3. Rezeption, Aneignung und Domestizierung

Als eine Art Startpunkt der Rezeptionsforschung im Rahmen der Cultural Studies kann das »encoding-decoding«-Modell gesehen werden, das Stuart Hall Mitte der 1970er Jahre am

Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS)

in Birmingham entwickelte (vgl. Hall 1980). Zunächst als Konzeptpapier für ein Forschungsprojekt verfasst, avancierte der Text zu einer weltweit bekannten und in Variationen immer wieder veröffentlichten Publikation, in der Rezeption als Aneignung konzipiert wird (vgl. Krotz 2009). Eine weitere wichtige Entwicklung begann in den 1980er Jahren, indem Rezeption in Alltagskontexten mithilfe ethnografisch orientierter Methoden analysiert und dabei auch der Umgang mit Medientechnologien einbezogen wurde.

Jutta Röser

4. Publika und Interpretationsgemeinschaften

»There is no such thing as ›the television‹ audience« (Fiske 1989, S. 56). Diese provokant anmutende, auf das Fernsehen bezogene These bringt die Sicht der Cultural Studies auf das Phänomen des massenmedialen Publikums auf den Punkt. Dahinter steht die Annahme, dass

das

Medienpublikum als empirisch fass- oder beschreibbares Objekt nicht existiert. Stattdessen ist es stets ein Konstrukt, das von der Werbeindustrie, von politischen Machthabern oder aber von akademisch Forschenden mit einer ganz bestimmten Intention und zu einem ganz bestimmten Zweck geschaffen wird (vgl. Ang 1991, S. 2 f., 2006, S. 72; Fiske 1989, S. 56 f.; Hartley 1987, S. 125).

Swantje Lingenberg

5. Lokalität, Heimat, Zuhause und Mobilität

Im Rahmen seiner Überlegungen zum Bedeutungswandel von »Place, space and identity in a mediated world« (Morley 2001, Herv. i. O.) stellt David Morley fest: »Historisch gesehen sind Kulturen betrachtet worden als im Raum und in stabilen Interaktionsmustern von Menschen verankert, die an denselben Orten dieselben Dinge tun« (Morley 2001, S. 428). Gegenwärtig, so Morley weiter, sei eine erweiterte Perspektive auf diese Konzepte notwendig, die sich von einem ausschließlich territorial-geografischen Raumverständnis und damit verbundenen Kulturbegriff abgrenzt.

Matthias Berg, Cindy Roitsch

Politik und Partizipation

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Politik und Partizipation

Einem emanzipatorischen Bildungsideal verpflichtet, übten die ersten Vertreterinnen und Vertreter der Cultural Studies von Beginn an Kritik nicht nur am kulturellen, sondern auch am politischen Selbstverständnis der damaligen britischen Gesellschaft. Einen zentralen Stellenwert nimmt seitdem in den Medienstudien der Cultural Studies die kritische Analyse der medialen Artikulationen politischer Ordnungen und Ideologien (Polity), der Prozesse politischer Gestaltung und Auseinandersetzung (Politics) und politischer Regulierung (Policy) ein.

Jeffrey Wimmer

2. Öffentlich(keit) und Privat(heit)

Beschäftigt man sich mit den Konzepten Öffentlich(keit) und Privat(heit), so begibt man sich auf unübersichtliches Terrain. Der vorliegende Beitrag führt die Begriffe Öffentlichkeit und Privatheit zunächst ins Feld ein und verortet sie im Kontext der für die Cultural Studies-Perspektive zentralen partizipatorischen Demokratie- und Öffentlichkeitstheorien. Im Anschluss werden typische Verwendungsweisen, Fragestellungen und empirische Annäherungen an die Konzepte Öffentlich(keit) und Privat(heit) dargelegt.

Swantje Lingenberg

3. Citizenship und Partizipation

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit den Begriffen

Partizipation

und

Citizenship

. Dabei wird einleitend vor allem auf den Citizenship-Begriff aus historischer Sicht eingegangen, um dann Partizipation als grundlegendes, performatives Element von Citizenship aus Perspektive der Cultural Studies zu diskutieren. Der Beitrag setzt sich ebenfalls mit dem Konzept der Medienpartizipation als einem wichtigen Aspekt der Citizenship- Studien auseinander und greift Diskussionen zur Rolle sich wandelnder »Medienkulturen« (Hepp 2011) für Möglichkeiten und Begrenzungen von Citizenship auf. Abschließend werden gegenwärtige Tendenzen und Entwicklungslinien der Citizenship- und Partizipationsstudien aufgezeigt.

Anne Kaun

4. Alternative Medien, Soziale Bewegungen und Medienaktivismus

Die Begriffe

Alternative Medien, Soziale Bewegungen

und

Medienaktivismus

verweisen auf recht unterschiedliche, aber sich z. T. stark überlappende Artikulationen und Phänomene alternativer Kommunikationszusammenhänge und zivilgesellschaftlicher Netzwerke. Für Nick Couldry (2002) ist die Analyse alternativer Medienpraktiken von zentraler Bedeutung für die Cultural Studies, da dadurch wie mit einem Brennglas ein Blick auf mediale wie gesellschaftliche Macht- und Ungleichheitsprozesse insgesamt geworfen werden kann.

Jeffrey Wimmer

Populärkultur und Vergnügen

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Populärkultur und Vergnügen

Die ersten Vertreterinnen und Vertreter der Cultural Studies führten das Populäre als Kategorie in die Debatte um die Zusammenhänge von Kultur, Klasse und Macht ein. Sie fokussierten kulturelle Praktiken im Sinne des »whole way of life« (Raymond Williams) und damit insbesondere jene Kulturbereiche, die bislang in geistes- und sozialwissenschaftlichen Analysen eher ausgespart blieben: Unterhaltung, Freizeitgestaltung, Konsumverhalten etc. Obwohl die Cultural Studies als inter- und transdisziplinärer Forschungs- und Analyseansatz, dessen namhafte Vertreterinnen und Vertreter sich bis heute häufig gegen eine klare inhaltliche Bestimmung ihrer Forschungsperspektive zur Wehr setzen, eine Vielzahl von mehr oder weniger (in)konsistenten Erkenntnisobjekten aufweisen, können die Schlüsselbegriffe Populärkultur und Vergnügen zu jenem Kern gezählt werden, der diesen Ansatz gegenüber anderen theoretischen und methodischen Paradigmen durchaus abgrenzbar macht

(→ Überblicksartikel Theoretische Basisorientierungen)

.

Jeffrey Wimmer

2. Populärkultur

Die Anstrengungen seitens der Cultural Studies, den Popularitäts- wie auch den Kulturbegriff theoretisch zu fundieren (vgl. Hall 1981, S. 227; Williams 1981, 1985, S. 87–93, S. 192–197), charakterisieren Populärkultur als weites, übergreifendes Forschungsfeld, das zu einer beeindruckenden Vielfalt an Konzepten geführt hat, die mal die Trägerschaft von Populärkultur betonen (Massenkultur, Volkskultur)

(→ Jugend-, Sub- und Fankulturen)

, mal ökonomische Aspekte (Kulturindustrie, Kommerzkultur, Konsumkultur)

(→ Kommerzialisierung)

oder lebensweltliche Kontexte (Alltagskultur, Erlebniskultur, Spaßkultur)

(→ Alltag und Alltagswelt)

in den Blick nehmen oder aber konkret auf die für Populärkultur wesentlichen Vermittlungs- und Zirkulationsfunktionen von Medien abzielen

(→ Medienkultur)

. Bis heute wird die theoretische Erschließung populärkultureller Phänomene von einem vermeintlichen Gegensatz zwischen Hochund Populärkultur geprägt und hat neben der Kulturwissenschaft, der Soziologie und der Kommunikations- und Medienwissenschaft auch das Interesse zahlreicher weiterer Forschungsdisziplinen geweckt, unter anderem der Philosophie, Filmwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Literaturwissenschaft bis hin zu den Wirtschaftswissenschaften.

Leif Kramp

3. Vergnügen

Der Begriff des Vergnügens wurde Ende der 1980er Jahre von John Fiske (1987) in seinem Werk »Television culture« in den Diskurs der Cultural Studies eingebracht. Unter Rückgriff auf die Arbeiten von Roland Barthes (2010) und Michel de Certeau (1988) widmete er dem Vergnügen in der Rezeption populärer Texte ein eigenes Kapitel (vgl. Fiske 1987, S. 224 ff.). Das Kapitel beginnt mit den Worten: »Whatever the controversy about television’s role in our culture, there is no doubt that people enjoy it, and that watching it is a major source of pleasure in our lives« (Fiske 1987, S. 224). Das trifft jedoch nicht nur auf das Fernsehen zu, sondern generell auf die Rezeption und Aneignung populärer Texte.

Lothar Mikos

4. Jugend-, Sub- und Fankulturen

Jugend-, Sub- und Fankulturen repräsentieren ein weites Feld von sozialen Vergemeinschaftungsformen und kulturellen Praktiken. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Genese, Ausformung und Veränderung gilt es im Folgenden schlaglichtartig zu beleuchten. Die analytische Perspektive, terminologische Klärung und gegendstandsbezogene Veranschaulichung orientiert sich dabei an Leitbegriffen (Kontextualität, Artikulation, Stil, Identifikation, Distinktion), wie sie in den britischen Cultural Studies bereits in den 1960er Jahren programmatisch konzeptualisiert wurden

(→ Theoretisierung, Bricolage und Dekonstruktion)

, wobei Einflüsse der amerikanischen Subkulturforschung der Chicago School mit ihrer lebensweltlich-ethnographischen Ausrichtung auf deviante Sonderwelten unübersehbar sind.

Midia Majouno, Waldemar Vogelgesang

5. Berühmtheit und Celebrity

Im folgenden Beitrag geht es um die Frage von Berühmtheit vor dem Hintergrund einer (begrifflichen) Entwicklung vom (Film-)Star zur Celebrity. Mit den technologischen Entwicklungen wie dem Internet und den digitalen Medien scheint sich auch der Star zu wandeln. Er ist nicht mehr allein an ein ihn erschaffendes System wie bspw. die Filmoder Musikindustrie gekoppelt, sondern er ist zu einer gesellschaftlich und kulturell verhandelbaren Celebrity geworden, auf die ebenso Fans sowie Publikum großen Einfluss ausüben. Celebrities sind an ein System von Kommentierungen, Inszenierungen und Präsentierungen mittels der unterschiedlichen medialen Möglichkeiten gebunden.

Martina Schuegraf

6. Spiel und Spielen

Das Phänomen

Spiel

kann als eine wesentliche Quelle menschlicher Selbsterfahrung verstanden werden und als elementarer Bestandteil der menschlichen Kultur, der psychologische, sozialisierende und zivilisierende Qualitäten besitzt. Da das Spiel als Kulturtechnik die Macht besitzt, kulturelle Prozesse anzustoßen und darauf einzuwirken, kann es zu den Kernbegriffen der Cultural Studies gezählt werden. Gesamtgesellschaftlich wirkmächtig institutionalisierte und organisierte Spielformen (wie z. B. Lotterie, Fußball, Poker), Spielsachen (wie z. B. Puppen, Eisenbahn) für Kinder (und Erwachsene), nicht zu vergessen das kindliche ›freie Spiel‹ oder die digitalen Formen von Spiel in Gestalt der Computerspiele besitzen in der mediengeprägten Gegenwart einen nicht zu unterschätzenden Einfluss sowohl auf die individuelle Persönlichkeitsentwicklung als auch auf soziale und gesellschaftliche Zusammenhänge (vgl. grundlegend Silverstone 1999; Krotz 2009).

Markus Wiemker, Jeffrey Wimmer

Identität und Subjekt

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Identität und Subjekt

Der Begriff der Identität kann bis zumindest ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden (vgl. Robins 2005, S. 172). Dominierend war dabei das, was sich als »Subjekt der Aufklärung« bezeichnen lässt, d. h. eine »Auffassung der menschlichen Person als vollkommen zentriertem und vereinheitlichtem Individuum« (Hall 1994, S. 181). Folgt man an dieser Stelle Stuart Hall, so lassen sich von diesem ersten, frühen Konzept der

Identität als »Subjekt der Aufklärung«

zwei weitere abgrenzen. Dies ist zweitens das Konzept der Identität als

»soziologisches Subjekt«

und drittens das Konzept der

Identität als »postmodernes Subjekt«

(Hall 1994, S. 182).

Andreas Hepp

2. Identität und Identifikation

Das Verständnis von Identität als prozesshafte Identifikation weist in den Cultural Studies zurück auf Stuart Hall, einer Schlüsselfigur in der Entstehungsgeschichte der British Cultural Studies. Er ist bis heute einer der wichtigsten Impulsgeber für eine Analyse des Spannungsverhältnisses von Medien, Macht und kultureller Identität. Seit den frühen 1990er Jahren befasste sich Hall in einer Reihe von Aufsätzen und Vorträgen wiederholt mit Fragen kultureller Identität – einem Thema von, wie er selbst immer wieder betont, wissenschaftlicher ebenso wie politischer Relevanz.

Veronika Krönert, Andreas Hepp

3. Subjekt und Begehren

In den Cultural Studies nimmt das Subjektive von Anfang an eine zentrale Rolle ein. So beschäftigen sich die Cultural Studies nach Richard Johnson mit »den historischen Formen des Bewusstseins oder der Subjektivität, oder mit den subjektiven Formen, in denen und durch die wir leben« (Johnson 1999, S. 143). Dabei kommt auch der Subjektivität der Forscherinnen und Forscher große Bedeutung zu

(→ Theoretisierung, Bricolage und Dekonstruktion)

. Das hat mit der spezifischen Situation zu tun, in der die Cultural Studies in Großbritannien entstanden sind. So gehörten die Gründungsväter der britischen Cultural Studies der ersten Generation aus der Arbeiterklasse an, der über Stipendien der Zugang zu akademischer Bildung ermöglicht wurde.

Brigitte Hipfl

4. Körper

»Schönheitskult« und »Körperwahn« sind seit einigen Jahren Schlagworte, um diejenigen einer scharfen Kritik auszusetzen, die in der »Konsum- und Mediengesellschaft« viel Zeit, Geld und Arbeit in ihre Körper investieren (vgl. Belwe 2007, S. 2). Doch schon seit zu Beginn der Renaissance ein Prozess der Individualisierung einsetzte und Gesundheit nicht mehr (allein) als göttliche Gabe, sondern als ein durch individuelle Lebensführung erreichbares Gut angesehen wurde, erfuhr die Sorge um den Körper eine Aufwertung. Es wurde lohnenswert, in ihn zu investieren (vgl. Schroer 2005, S. 17).

Tanja Thomas, Tanja Maier

Ethnizität und Transkulturalität

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Ethnizität und Transkulturalität

Das Aufkommen einer Beschäftigung mit Ethnizität (»ethnicity«) ist in den Cultural Studies eng mit dem Namen von Stuart Hall verbunden. Als selbst in Jamaika geborener Brite war ihm aus eigener Erfahrung die (kommunikative) Konstruktion von Ethnizität gegenwärtig, und er machte sie zunehmend zum Gegenstand seiner eigenen Forschung. Exemplarisch dafür steht die Untersuchung »Policing the crisis« (Hall et al. 1978). Gegenstand der Studie sind durch die Medien hervorgebrachte Moralpaniken gegenüber Straßendieben (»mugging«). Bereits in dieser Untersuchung zeichnen Hall et al. nach, inwieweit in solchen Prozessen der Konstruktion von Moralpaniken die Zuschreibung einer bestimmten »Rasse« eine Rolle spielt.

Andreas Hepp

2. Rasse

Mit Prozessen der Identitätsbildung ist neben Gender

(→ Feminismus, Gender und Queer)

und Klasse

(→ Klasse)

hauptsächlich die Kategorie »Rasse« verbunden. Die Bedeutung dieser Kategorie ist nicht fixiert, sondern wird in Aushandlungsprozessen, die durch Machtverhältnisse geprägt sind, ständig (re-)produziert

(→ Identität und Identifikation)

. In den Bedeutungszuweisungen an »Rasse« zeigen sich häufig essentialisierende Tendenzen, die auf bestimmte Äußerlichkeiten verweisen. Ungleichheiten können durch die Konstruktion von Differenzen zwischen verschiedenen »Rassen« oder Ethnien entstehen. Eine Reflexion der damit verbundenen medialen Produktionsprozesse sowie der Repräsentationen und ihrer Aneignung zeigt das kritische Potenzial der Cultural Studies und ihrer Medienstudien auf. »Rasse« ist vor allem im angloamerikanischen Raum in den meisten Readern und Lexika der Cultural Studies an zentraler Stelle vertreten.

Ricarda Drüeke

3. Orientalismus und das Andere

Die Analyse und Dekonstruktion von Repräsentationen gesellschaftlicher Gruppen ist ein wesentliches Feld der Cultural Studies. Für Repräsentationen spielt die kommunikative und mediale Produktion von Images, Stereotypen und Werturteilen eine große Rolle. Die zugrunde liegenden Produktionsprozesse sind immer von Machtbeziehungen geprägt und weisen einer Gruppe beispielsweise aufgrund ihres besseren Zugangs zu Produktionsmitteln, ihres höheren Bildungsstatus oder ihrer finanziellen Ausstattung einen aktiveren Part zu. Dies führt nicht selten dazu, dass die mächtigere Gruppe eine vermeintlich

andere

repräsentiert, indem sie über sie oder für sie spricht.

Carola Richter

4. Postkolonialismus

Eine der Annahmen der Cultural Studies besagt, dass Medien soziales Wissen hervorbringen, wie sie auch »ein Inventarium an Werten, Bildern, Klassifikationen und Lebensstilen« (Marchart 2008, S. 135) schaffen. Eine kritische Analyse, die eine postkoloniale Perspektive integriert, ist besonders dann sinnvoll, wenn es um Fragen eurozentrischer Repräsentationen etwa in der Werbung oder in Dokumentarfilmen geht, aber auch bei der Analyse einer eingebetteten Kriegsberichterstattung. Und so ist es kaum zufällig, dass die postkoloniale Medienforschung, die lange Zeit nur ein Schattendasein innerhalb der deutschsprachigen Medienforschung führte, heutzutage durchaus ernst genommen wird.

María do Mar Castro Varela

5. Transkulturalität, Migration und Diaspora

Den Begriffen Transkulturalität, Migration und Diaspora ist gemeinsam, dass sie Prozesse der kommunikativen Begrenzung, Entgrenzung und wechselseitigen Durchdringung kultureller Kommunikationsflüsse thematisieren. Damit stehen sie im weiteren Kontext der Diskussion um Globalisierung, verstanden als »rapidly developing process of complex interconnections between societies, cultures, institutions and individuals world-wide« (Tomlinson 1997, S. 170). Sie zeigt, dass Kommunikationsprozesse zunehmend entgrenzen und dabei solcherart an Komplexität gewinnen, dass sie sich den bisher verwendeten Begrifflichkeiten entziehen (vgl. Hannerz 1996).

Cigdem Bozdag, Johanna Möller

Technologie und Kultur

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Technologie und Kultur

Betrachtet man die als klassisch angesehenen Medienstudien der Cultural Studies aus den 1970er Jahren, so sind diese typischerweise auf traditionelle Massenmedien fokussiert. Die Beziehung von Technologie und Kultur ist entsprechend nur sehr selten ein Thema. Eine der wenigen, aber wichtigen Ausnahmen davon ist Raymond Williams’ Untersuchung »Television: Technology and cultural form« (Williams 1990). Wie der Titel bereits anklingen lässt, geht es Williams darum, das Medium Fernsehen

gleichzeitig

als Technologie und Kultur zu begreifen. Ein solcher Zugang versucht, sowohl einen

Technikdeterminismus

als auch einen

Techniksymptomismus

zu vermeiden.

Andreas Hepp

2. Technologie

Dieser Beitrag widmet sich dem Thema

Technologie

. Während Technik sich eher auf Fähigkeit bzw. Handwerk bezieht und die Vorgehensweise impliziert, umfasst Technologie die Lehre von bzw. das Wissen zur Technik. Darauf bezieht sich auch Raymond Williams (1988) in seinen »Keywords«, wenn er beschreibt, wie sich ab dem neunzehnten Jahrhundert eine Unterscheidung zwischen Wissen (Wissenschaft) und dessen praktischer Anwendung (Technologie) etablierte (vgl. Williams 1988, S. 315). Technologie bezieht sich dabei auf das System von Anwendungen bzw. deren Betrachtungsweise (vgl. Williams 1988). Derart umfassend ist Technologie in diesem kurzen Beitrag allerdings zunächst nicht gemeint: Den meisten Anwendungen des Begriffes folgend wird er eher in einem alltagsweltlichen Sinn verwandt, welcher hauptsächlich technische Geräte und deren Nutzung umfasst, nicht aber eine größere Reflexion.

Maren Hartmann

3. Netzwerk und Konnektivität

Schaut man in gängige Einführungen und Überblickswerke der Cultural Studies und ihrer Medienforschung, tauchen die Begriffe

Netzwerk

und

Konnektivität

nur selten im Inhaltsverzeichnis oder Index auf. Ausnahmen wie beispielsweise den Band »New keywords« (Bennett et al. 2005) mit einem entsprechendem Eintrag findet man kaum. Wir haben es hier also – wie bei

Technologie

im Allgemeinen

(→ Technologie)

– nicht mit Begriffen der originären »Werkzeugkiste der Cultural Studies« (Göttlich et al. 2001) zu tun. Betrachtet man aber aktuelle empirischen Medienstudien, die den Cultural Studies nahestehen, sind in diesen die Begriffe des Netzwerks und der Konnektivität alles andere als selten: Es geht hier um die Vernetzung von Menschen und Gruppen von Menschen, die kommunikativen Konnektivitäten, in denen wir heute stehen, und deren Bezug zum Kultur- und Gesellschaftswandel (überblickend siehe die Beiträge in Hepp et al. 2006a). Entsprechend können wir folgern:

Netzwerk

und

Konnektivität

werden zunehmend Teil des Begriffsbestands der Cultural Studies und ihrer Medienanalysen – wie sie sich generell zu einem Grundbegriff heutiger Sozial- und Kulturforschung entwickelt haben (vgl. Holzer 2006; Stegbauer und Häußling 2010).

Andreas Hepp

4. Konvergenzkultur

Die von digitale Netzwerkmedien ermöglichte Konvergenz der Medien wird in den Cultural Studies primär als Kulturwandel der Produktions- und Rezeptions-Rollen verstanden – zumeist in kritischer Auseinandersetzung mit dem von Henry Jenkins entwickelten Begriff der Konvergenzkultur: Dieser beschreibt die Entkopplung von Inhalten von spezifischen Techniken, Kanälen, Formen und Akteuren, was technisch zur Proliferation multifunktionaler Geräte, inhaltlich zu transmedia storytelling, ökonomische zu crossmedia franchising, und sozial zur Blüte partizipativer Kultur führe. Wo Jenkins das demokratische Potenzial partizipativer Kultur herausstreicht, zeigen alternative Theoretiker auf die technische Bedingtheit (und Einhegung) der Rezipientenmacht, die stille Ausbeutung und politische Entmündigung von Rezipientinnen und Rezipienten, sowie die vielfältigen Formen und Folgen der Konvergenz jenseits der von Jenkins fokussierten US-amerikanischen Popkultur.

Sebastian Deterding

5. Technokultur, Posthumanität und neue Lebensformen

»Technoscience is culture!« So lässt sich das Motto der »Cultural Studies of Technoscience« umschreiben. Sie analysieren die Diskurse und Praxen unserer Technowissenschaftskultur – eine Kultur, in der Mensch und Natur auf neue Weise definiert werden. In dieser Kultur ändern sich nicht zuletzt durch die Technowissenschaften Bedeutungen und Machtstrukturen genauso wie unsere Lebensform, d. h. unser Zugang zur Welt, unser Umgang mit den Dingen und uns selbst. So wurden in den letzten Jahrzehnten durch die Genetik, Biomedizin oder Robotik bisher unbekannte Weisen der Rekombination von Mensch, Tier und Maschine möglich, die alte humanistische Gewissheiten auf den Kopf stellten und klassische hierarchische Ordnungen des Organischen wie die der Geschlechter dekonstruierten.

Jutta Weber

Wandlungsprozesse

Frontmatter

1. Überblicksartikel: Wandlungsprozesse

Wandlungsprozesse, insbesondere Prozesse des Wandels von Kultur und ihre Verwobenheit mit anderen gesellschaftlichen Prozessen – wie z. B. der Globalisierung, Individualisierung, Kommerzialisierung oder Mediatisierung – sowie mit gegebenen Machtverhältnissen standen schon immer im Forschungsinteresse der Cultural Studies. Im Kern geht es den Vertreterinnen und Vertretern der Cultural Studies darum zu untersuchen, wie sich Kultur und Gesellschaft verändern, welche Rolle Macht und Hegemonie dabei spielen und inwiefern Möglichkeiten demokratischer Transformation bestehen. Im Fokus steht dabei das Verhältnis zwischen kulturellen Texten, alltagsweltlichen Praktiken und verschiedenen, vordergründig nicht kulturellen Bereichen, wie z. B. der Ökonomie, den Sozialstrukturen oder Institutionen.

Swantje Lingenberg

2. Individualisierung

Eine Betrachtung der jüngeren Geschichte des Individualisierungsbegriffes beginnt meist mit dem vielbeachteten Werk »Risikogesellschaft« von Ulrich Beck (1986). Der Begriff selbst, als auch die zugehörige Debatte, verweisen jedoch auf eine viel ältere, und letztlich für die Sozial- und Kulturwissenschaft insgesamt zentrale Bedeutung des Konzeptes. Denn im Kern verhandelt der, der von Individualisierung spricht, Grundfragen der Theoretisierung von Sozialität an sich, bildet doch das Individuum das Gegenstück zum Begriff der Gesellschaft. Damit ist immer auch die Frage angesprochen, wie sich Individuelles und Gesellschaftliches, Individuierung und Vergesellschaftung zueinander verhalten. Es herrscht keineswegs Einigkeit darüber, was die kleinste Einheit des Sozialen und sodann der sozialwissenschaftlichen Forschung ist, und wie sich diese zu den diversen Vorstellungen der Entstehung und Entwicklung sozialer Gefüge verhält.

Marian Adolf

3. Globalisierung

Globalisierung ist im wissenschaftlichen Diskurs weder eindeutig definiert noch wird der Begriff einheitlich verwendet. Auch in der Kommunikations- und Medienwissenschaft sind unterschiedliche Positionen zu finden: Manche beobachten eine kulturelle Homogenisierung, andere eine Heterogenisierung und wieder andere eine Hybridisierung durch die Globalisierung der Medienkommunikation. Auch der Gegenstand der Betrachtung variiert: Während einige Ansätze den Fokus auf die ökonomische Globalisierungsdimension legen und globale Medienunternehmen ins Zentrum des Interesses stellen, betrachten andere die Medieninhalte, welche sich durch die fortschreitende Globalisierung verändern, oder aber die Rezeptionsebene, welche durch Globalisierungsprozesse ebenfalls einem Wandel unterliegt.

Sigrid Kannengießer

4. Kommerzialisierung

Der erste Teil des Artikels erläutert das Themenfeld

Kommerzialisierung

, bevor er den Begriff historisch herleitet und in seiner aktuellen Verwendung als Prozesskategorie definiert. Der zweite Teil verortet

Kommerzialisierung

im Kontext der Gesamtentwicklung der Medienanalyse der Cultural Studies, bevor die Kategorie abschließend mit Bezug auf aktuelle Herausforderungen in den Kommunikations- und Medienwissenschaften diskutiert wird.

Carsten Winter

5. Mediatisierung

Der Mediatisierungsansatz befasst sich mit dem Wandel von Alltag und sozialen Beziehungen, Gesellschaft und Kultur im Kontext des Wandels der Medien. Dabei ist mit Mediatisierung nicht nur ein allgemeines Panorama, sondern auch ein konkreter Prozess gemeint, der aktuell, historisch und kritisch untersucht und theoretisch gefasst werden muss.

Friedrich Krotz

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