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Das Thema Intersektionalität wird zunehmend in unterschiedlichen Feldern und mit Blick auf verschiedene theoretische wie methodisch-methodologische Ansätze diskutiert. Das Handbuch bietet einen differenzierten Überblick über diese internationalen wie interdisziplinären Diskussionen und öffnet den Blick für weitere Forschungsperspektiven.
Astrid Biele Mefebue, Andrea Dorothea Bührmann, Sabine Grenz
Zusammenfassung
In der Einleitung werden Diskussionen und Kontroversen um das Konzept Intersektionalität sowie Intersektionalitätsforschung kontextualisiert und situiert; die einzelnen Beiträge des Handbuchs werden im Anschluss vorgestellt.
Intersektionalität und soziale Ungleichheit weisen große Überschneidungen auf. Der Beitrag arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und schlägt drei Ansätze für eine forschungsbezogene Zusammenführung beider Konzepte vor: den Fokus auf soziale Mechanismen und Kontexte (1), auf das Individuum und seine Verwirklichungschancen (2) sowie auf Ungleichheitsregime in Organisationen (3). Offene Fragen ergeben sich aus der Vielfalt ungleichheitsrelevanter Kategorien und einer nur in Ansätzen vorhandenen Methodologie zur Erforschung von intersektionalen Ungleichheiten.
Im Beitrag werden in einer genealogischen Perspektive positivistisch imprägnierte, konstruktivistisch orientierte und performativ informierte Diskursstränge in Bezug auf die Begriffe Diversität und Intersektionalität re-konstruiert. Inmitten dieser begrifflichen Unbestimmtheiten sollte geklärt werden, in welchem Verhältnis eigentlich Intersektionalitäts- und Diversitätsforschung stehen (könnten). Deshalb werden im Anschluss in archäologischer Perspektive die möglichen Verhältnisbestimmungen zwischen Diversitäts- und Intersektionalitätsforschung auf der Folie der zuvor re-konstruierten Diskurskursstränge diskutiert. Dabei zeigt sich, dass sich je nach begrifflich-konzeptionellem Bezug auch die erwünschten oder befürchteten Verhältnisbestimmungen verändern.
Trotz entstehungsgeschichtlicher und programmatischer Gemeinsamkeiten zwischen Intersektionalitätsforschung und Disability Studies zeichnen sich diese nicht durch eine gleichberechtigte Forschungsallianz aus. Der Beitrag problematisiert dies anhand eines Überblicks zur Etablierung der Disability Studies, gefolgt von einer Darstellung der gegenseitigen – asymmetrischen – Rezeption beider Forschungsrichtungen. Abschließend wird auf das Potenzial von Forschung an der Schnittstelle von Intersektionalitätsforschung und Disability Studies verwiesen, das sich vor allem hinsichtlich strukturorientierter Analysen entfalten könnte.
In politischer wie wissenschaftlicher Hinsicht bleibt der Austausch von postkolonial-feministischer Theorie und intersektionaler Debatte im deutschsprachigen Raum bislang eher verhalten. Dies ist zum einen in der unterschiedlichen wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklung beider Positionen begründet. Zum anderen akzentuieren beide Ansätze trotz einiger gemeinsamer Anliegen ihre jeweiligen Gesellschaftsanalyse theoretisch unterschiedlich. Daraus resultieren entsprechend divergierende transformative Impulse zur Überwindung geschlechtsbasierter bzw. allgemeiner, auf sozialer Positionierung beruhender gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse.
Intersektionalität dient der Analyse der Verschränkung sozialer Ungleichheiten und bietet sich als theoretischer Rahmen für das Diversity Management an. Historisch gesehen basieren beide Forschungsfelder auf den Themen Ungleichheit, Differenzsetzung und soziale Positionierung. Theoretisch und methodisch unterschiedlich verankert, tangieren sie sich, was dieser Beitrag zeigt. Ausgehend von differenten Zugängen innerhalb der Diversity Management Studies werden wesentliche Autor_innen und Entwicklungen vorgestellt, die die Verknüpfung beider Ansätze verdeutlichen. Zukünftige Forschungsfelder und aktuelle Fragestellungen schließen den Beitrag ab.
Dieser Beitrag widmet sich der Schwierigkeit, Antisemitismus innerhalb eines analytischen Konzepts von Intersektionalität zu verorten, das sich interkategorial auf die Trias race, class, gender bezieht. Als Hintergrund werden zunächst die Ähnlichkeiten und Unterschiede von Antisemitismus und Rassismus beleuchtet. Daraus wird die Frage entwickelt, ob Intersektionalität vom Antisemitismus her gedacht werden kann und welche Reformulierungen dafür notwendig sind. Um dies zu leisten, wird das Konzept der Intersektionalität von Ideologien vorgeschlagen, das in Anlehnung an die kritische Theorie der Frankfurter Schule Ideologien in Konstellationen beweglich zueinander stehend sieht und von einer Analyse des Antisemitismus seinen Ausgang nimmt. Dabei wird erläutert, inwiefern die spezifische Ideologie des Antisemitismus antikategorial verfährt und gerade darin als intersektionale Ideologie par excellence lesbar wird.
Dieser Beitrag diskutiert „Seinsweisen“ (im Englischen „modes of being“) als eine Alternative zu Kategorien für ein intersektionales Verständnis von Identität. Damit erprobt er zugleich das Potential eines „Queering“ verbreiteter Ansätze zu politischer Handlungsmacht und Situiertheit. Unter Bezug auf die Arbeiten des Queer-Theoretikers José Muñoz beschreiben diese „Seinsweisen“ Formen des Zusammenseins, die statt auf einer identitären Logik auf Vorstellungen einer politischen Gemeinsamkeit basieren.
Aufbauend auf einem poststrukturalistischen Wissenschaftsverständnis und einem kulturanthropologischen Verständnis empirischer Forschung plädiert der Artikel dafür, Prozesse (der Kategorisierung und Identifikation) in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses zu stellen, das Forschungsdesign offen zu gestalten und fortlaufend an den Forschungskontext anzupassen sowie dabei selbst-reflexiv vorzugehen. Intersektionalität, verstanden als die Analyse verflochtener Machtverhältnisse, wird hierbei als eine Haltung gedacht, die den Forschungsprozess prägt und permanent weiterentwickelt werden muss.
In diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, anhand des Konzepts der Diffraktion die (neomaterialistischen) Arbeiten Donna Haraways und Karen Barads mit bestimmten Ansätzen der Black Studies in Kontakt zu bringen. Im Mittelpunkt stehen hier Texte von Saidiya Hartman und Christina Sharpe, die auf dem afterlife of slavery und der Grundlegung modernen Wissens und moderner Politik als antiblackness insistieren. Angestrebt ist ein nicht-integratives, wechselseitiges Beachten divergenter (Theorie-)Praktiken, um partielle Kollaborationen zu ermöglichen.
Der Beitrag arbeitet die zentralen Grundideen des kollektiven Buchprojekts Gender als interdependente Kategorie (Walgenbach et al. 2007) heraus. Es wird sowohl der Entstehungskontext rekonstruiert, in dem der Ansatz der ‚interdependenten Kategorien/Dominanzverhältnisse‘ entstanden ist als auch dessen Rezeption skizziert. Schließlich werden einige zentrale Kritikpunkte an dem Ansatz referiert.
Die intersektionale Perspektive auf die Lehre des Grundlagenfachs Physik in den Ingenieurwissenschaften untersucht das Zusammenwirken von Geschlecht und weiteren strukturierenden Differenzordnungen, die in der Lehrpraxis auf individueller, struktureller und symbolischer Ebene materiell-diskursive Wirkungen entfalten. Sie verdeutlicht, wie die Wechselwirkungen dieser Kategorien zu unterschiedlichen privilegierten bzw. marginalisierten Positionierungen in der Physikvorlesung beitragen und eröffnet Handlungsmöglichkeiten, Lehr-Lern-Situationen „intersektionalitäts-informiert“ zu gestalten.
Der Begriff Intersektionalität spielt in der feministischen Fachkulturforschung in den Ingenieurwissenschaften bisher eine marginale Rolle. Jedoch weist die Genese des Forschungsfeldes Ähnlichkeiten mit der Genese der Intersektionalitätsforschung auf. Dies aufgreifend, entwickle ich entlang meiner heteronormativitätskritischen Forschung eine Definition von Intersektionalität in der feministischen Fachkulturforschung als partiales, situiertes, immer im Prozess befindliches Wissen, das in Anschluss an Patricia Hill Collins (2019) als „critical social theory in the making“ gefasst werden kann.
Der Beitrag spürt der intersektionalen Herstellung von Ungleichheit in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) nach. Hierbei wird ein Fokus auf die Lehre und Lehrenden gelegt und deren verinnerlichten Vorstellungen. Im Zuge der Analyse wird das Verständnis von Intersektionalität als relationale, soziale Praxis dargelegt. Auf unterschiedlichen Ebenen – Habitus, Kapital und soziales Feld – werden Beispiele für intersektionale Dynamiken angeführt, welche letztendlich zu einer Reproduktion von exkludierenden Normen führen.
In diesem Beitrag werden aus der Sicht der Medienwissenschaft einige Bezüge zwischen Medien und Intersektionalität vorgestellt. Aufgezeigt wird, in welcher Weise mediale Prozesse intersektionale Verflechtungen mitbestimmen, sei es durch Repräsentationen und ihre spezifischen Ästhetiken, durch die Ermöglichung, Unterstützung oder Verunmöglichung von Wahrnehmungsweisen, durch mediale Differenzproduktionen oder durch den Zusammenhang von Sichtbarkeit und Macht. Dabei werden die Schwerpunkte auf das Verhältnis zwischen Wissen, Vorstellung und Repräsentation, Theorien medialer Subjektkonstitution sowie eine Kritik an Big-Data-Analysen gelegt.
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