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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen der Investor Relations

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Investor Relations — Begriff, Historie und Entwicklungsperspektiven

Das Konzept der Investor Relations blickt auf eine relativ junge Geschichte zurück, deren Ursprung in den USA liegt und auf das Jahr 1953 datiert wird. In diesem Jahr legte das Unternehmen General Electric ein Kommunikationsprogramm auf, das unter dem Titel „investor relations“ speziell auf private Investoren ausgerichtet war. Das „Copyright“ der Bezeichnung Investor Relations (als ein Synonym für Kapitalmarktkommunikation) wird deshalb General Electric zugeschrieben. In Deutschland datiert die erste belegte Fundstelle zu diesem Thema auf das Jahr 1967. Es handelt sich hierbei um eine Dissertation mit dem Titel „Die große Publikumsgesellschaft und ihre Investor Relations“, wobei diese Arbeit — entstanden im Rahmen eines Promotionsstipendiums in den USA — bezeichnender Weise nahezu ausschließlich die Verhältnisse auf dem US-Kapitalmarkt fokussiert.1

Olaf Streuer

Ziele der Investor Relations

Die Ziele der Investor Relations, die im Schrifttum und in der Praxis genannt werden, sind ausgesprochen vielfältig. Folgt man beispielsweise der empirischen Untersuchung „Investor Relations Monitor 2002“, so werden von den IR-Verantwortlichen Ziele wie „Zukunftspotenzial des Unternehmens deutlich machen“, „Langfriststrategie des Unternehmens vermitteln“, „Vertrauen schaffen/stärken“ als die wichtigsten IR-Ziele genannt.

Olaf Streuer

Aufgaben der Investor Relations

Die konkreten Aktivitäten von Investor Relations, die umzusetzen sind, um die vorangehend beschriebenen IR-Ziele zu erreichen, lassen sich in ihrer Gesamtheit als ein „Kommunikationskreislauf“ beschreiben (vgl. Abbildung 1). Entsprechend der Zielsetzungen von Investor Relations geht es vorrangig darum, die Akteure des Kapitalmarktes mit Informationen über das Unternehmen zu versorgen und neue Interessenten für die Aktie bzw. Bondemissionen zu gewinnen. Dies setzt jedoch voraus, dass sich der IR-Manager die relevanten Informationen im Unternehmen beschafft, um diese für die externe Kommunikation aufzubereiten.

Olaf Streuer

Organisation der Investor Relations

Die organisatorische Integration von Investor Relations in die Gesamtsstruktur des Unternehmens ist für die IR-Arbeit von sehr entscheidender Bedeutung. Wie bereits erläutert, stellt die Nähe der IR-Abteilung zum Vorstand eine wichtige Voraussetzung für ein effizientes IR-Management dar.1 Die hierarchische Einordnung von Investor Relations bestimmt die „Länge“ des Weges zum Vorstand. Dieser ist umso länger, je mehr Instanzen zwischen den IR-Manager und den Vorstand geschaltet sind. Zum anderen dokumentiert die Positionierung von Investor Relations im Unternehmensorganigramm aber auch die Bedeutung, die das Unternehmen der Kapitalmarktkommunikation einräumt. Wie auch immer die konkrete Einordnung aber aussehen mag, es ändert nichts an der Tatsache, dass Investor Relations im Kern „Chefsache“ ist. Letztendlich ist immer der Vorstand selbst in der Pflicht, die Kapitalmarkt-Story und die Geschäftsperformance des Unternehmens gegenüber dem Kapitalmarkt zu vertreten.

Olaf Streuer

Erfolgsmessung der Investor Relations

Investor-Relations-Arbeit muss sich — wie jede andere Unternehmensaktivität auch — an ihrem Erfolg messen lassen. Schon aus Gründen eines effizienten Ressourceneinsatzes ist dies ein zwingendes Gebot der Unternehmensführung in diesem Bereich. Die Schwierigkeit der Erfolgsmessung von Investor-Relations-Aktivitäten besteht darin, Maßstäbe zu entwickeln, die den angestrebten Erfolg zielgerecht und in hinreichend objektiv nachvollziehbarer Weise abbilden. Dies setzt zunächst einmal voraus, dass klar definierte Zielvorgaben und daraus abgeleitete konkrete Maßnahmen existieren. Dies ist die Grundlage für die Ableitung von Erfolgsmaßstäben einerseits und für die Prüfung der Effizienz von IR-Maßnahmen unter Kosten-/Nutzen-Gesichtspunkten andererseits.

Olaf Streuer

Instrumente der Investor Relations

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Der Geschäftsbericht — Flaggschiff der Unternehmenskommunikation

Der Geschäftsbericht hat viele Facetten: Visitenkarte des Unternehmens, Buch der Bücher, Bilderbuch für Top-Manager. Mit dem Geschäftsbericht ist es wie mit den Unternehmen selbst: Manche sind interessant, manche langweilig. Die Aufmerksamkeit gilt den interessanten. In keiner anderen Unternehmenspublikation erfährt der Leser mehr über Unternehmensphilosophie, Geschäftsergebnisse, Strategien, Management, Mitarbeiter, Zukunftspläne und gesellschaftliche Verantwortung. Gute Geschäftsberichte bestechen durch Kontinuität und Effizienz in der Berichterstattung. Unternehmen nutzen dieses Instrument der Investor Relations immer mehr zur Imagebildung, zum Aufbau von Glaubwürdigkeit und Vertrauen sowie zur Steuerung der Unternehmensreputation. Der Geschäftsbericht wird damit zu einem wichtigen und herausgehobenen Instrument der Unternehmenskommunikation. Er muss authentisch sein, d. h. zum Unternehmen passen und unverwechselbar sein.

Petra Nix

Investor Relations im Internet

Das Internet ist ein ideales, aktuelles und kostengünstiges Medium für Investor Relations. Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Doch die effiziente Nutzung dieses weltumspannenden und jederzeit zugänglichen Kommunikationskanals fällt vielen Unternehmen trotz allgemeiner Begeisterung für das World Wide Web immer noch schwer. Unzureichende Informationen, technischer Schnickschnack, wirre Navigation und vernachlässigte Aktualität verprellen viele Investoren und Interessenten. Die technischen Möglichkeiten der Internets werden bei weitem noch nicht ausgereizt. So wird der Geschäftsbericht in den meisten Fällen weiter konventionell gedruckt und im Internet lediglich zusätzlich in elektronischer Form als PDF zum Download angeboten. Einladungen zur Hauptversammlung gehen weiter mit der gedruckten Post heraus statt über den direkten Online-Kontakt zum Anleger. Gerade die Interaktivität des Internets wird von der digitalen IR bislang zu wenig für den direkten Dialog mit den Anlegern genutzt.

Jürgen Gaulke

Roadshows und One-on-Ones

Eine Roadshow ist ein Zeitraum, in der die Führungsebene eines Unternehmens intensive Einzelgespräche (sog. One-on-Ones) mit Investoren und Analysten führt. Der Rahmen solcher Gespräche kann vom klassischen One-on-One über so genannte Roundtable-Meetings, Breakfast-Meetings oder auch Kamingespräche am Abend führen. In diesen Gesprächen gehen in der Regel der Vorstandsvorsitzende, der Finanzvorstand, die zweite Management-Ebene (insbesondere aus dem Finanzbereich) und/oder der Investor Relations Manager vertieft auf die Unternehmensstrategie, aktuelle Entwicklungen und die zukünftigen Perspektiven des Unternehmens ein und beantworten individuelle Fragen ihrer Gesprächspartner. Während einer Roadshow können innerhalb einer Woche durchaus bis zu 50 One-on-Ones wahrgenommen werden, die zumeist in den entscheidenden Finanzzentren wie z. B. Frankfurt, London, New York, Paris, Zürich, Mailand, Chicago aber auch Luxemburg, Edinburgh, Genf, Lyon, Madrid oder Boston stattfinden. In der Regel besucht das Management im Rahmen der Roadshow (potentielle) Investoren und Analysten in deren Räumlichkeiten. Ort des Geschehens kann jedoch ebenso ein Hotel oder Konferenzzentrum sein.

Henryk Deter, Ulrich Wiehle

Analysten- und Investorenkonferenzen

Empirische Studien im In- und Ausland belegen, dass der Kommunikation mit Analysten und institutionellen Investoren im Rahmen der Investor Relations eine herausragende Bedeutung beigemessen wird.1 Ziel dieses Beitrages ist es daher, sowohl die relative Bedeutung von Analysten- und Investorenkonferenzen im Rahmen der Investor Relations herauszustellen als auch einen groben Leitfaden für deren konkrete Ausgestaltung zu geben.

Jens-Eric von Düsterlho, Jan-Alexander Huber

Die Hauptversammlung — Kür, Pflicht oder Qual?

Machen wir uns nichts vor — die Hauptversammlung ist einer der Meilensteine der jährlichen IR-Arbeit, aber Herzblut klebt an dieser Veranstaltung nicht. Nüchternheit und Sachlichkeit stehen im Vordergrund; schließlich genießt man nicht die Freiheiten wie auf einer Bilanz-Pressekonferenz. Ein Dickicht an Paragrafen, Verfahrensvorschriften und Fristen bestimmen das Szenario und stecken damit einen sehr engen, formalen Rahmen.

Achim Biedermann

Der Kapitalmarkt — Funktionen und Instrumente

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Die Börse als Handelsplatz im Wandel der Zeit

Deutsche Börse bietet Kapitalmarktzugang zu günstigen Kapitalkosten

Börsen gehörten lange Zeit zu den konstantesten Unternehmen der Wirtschaftsgeschichte. Vom 16. Jahrhundert, in dem die ersten Börsen gegründet wurden, bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hat sich kaum etwas verändert an der Art und Weise, in der Börsengeschäfte gemacht, Preise festgestellt und Transaktionen abgewickelt werden. Ein exklusiver Kreis von Käufern und Verkäufern traf sich an einem bestimmten Ort — meist einem stattlichen Gebäude -, sie feilschten ein paar Stunden täglich um Preise, Liefermenge und Konditionen, dann gingen sie einträchtig wieder nach Hause: kein Handel ohne Händlerpräsenz auf dem so genannten „Börsenparkett“. Heute zählen Börsen zu den innovativsten Unternehmen der Finanzindustrie.

Rainer Riess, Martin Steinbach

Aktienakzeptanz in Deutschland: Auf dem Weg der Erholung

Ein früherer Beitrag zur Aktienkultur in Deutschland kam zu dem durchaus ermutigenden Ergebnis: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ 1 Das war vor der großen Übertreibung und den Exzessen am Neuen Markt, und vor allem war es vor der anschließenden über dreijährigen Baisse, die in der deutschen Wirtschaftsgeschichte als durchaus einmalig gelten darf. Nachdem diese Ausschläge in entgegengesetzte Richtungen nunmehr ausgestanden zu sein scheinen und die Kurswogen sich beruhigen (auf eine „härtere“ Aussage sollte man sich noch nicht einlassen), erscheint es sinnvoll, anhand der damals aufgestellten Kriterien für eine „entwickelte Aktienkultur“ zu prüfen, inwiefern immer noch Fortschritte erzielt wurden, wo wir auf den Ausgangsstand zurückgeworfen wurden und wo vielleicht sogar ein nachhaltiger Schaden eingetreten ist.

Franz-Josef Leven

Kommunikation mit Fremdkapitalgebern als integrierter Bestandteil der Investor Relations

Solide Kapitalmarktkommunikation gehört in deutschen Großunternehmen heute zum guten Ton. Zumindest was die Eigenkapitalseite angeht: Dem institutionellen Aktionär oder „Equity Investor“ widmen Vorstände mehrwöchige Zeitbudgets und ganze Investor Relations-Abteilungen. Auf der Fremdkapitalseite dagegen steckt der Dialog noch in den Kinderschuhen. Immer mehr Unternehmen entdecken zwar neue Finanzierungsinstrumente wie etwa Anleihen für sich. Sie unterschätzen oder missachten aber den dadurch ausgelösten Kommunikationsbedarf. So werden Anleger im Bereich festverzinslicher Wertpapiere, im Fachjargon „Fixed-Income-Investoren“, zu ihrem Verdruss oft nur dann hofiert, wenn es um den Erfolg der Platzierung im Primärmarkt geht. Dabei handelt es sich in vielen Fällen nur um kurzfristigen Aktionismus, in puncto Kontinuität nicht selten vergleichbar mit den Marketingprogrammen bei Börsengängen in den goldenen Zeiten des Neuen Marktes. Hinterher bleiben aber die meisten Wünsche offen — und Roadshows wie Analystenkonferenzen werden weiterhin vor allem an den Bedürfnissen der Equi-ty-Seite ausgerichtet. Dabei wird vergessen, dass auch Fixed-Income-Wertpapiere einen Sekundärmarkt haben können, wenn sie börsennotiert sind. Oder, dass unter Umständen auch in Zukunft der Fremdkapitalmarkt wieder „angezapft“ werden soll.

Ingo Alphéus

Zielgruppen der Investor Relations

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Investor Relations und institutionelle Investoren

Die dreijährige Börsenbaisse ist an allen Beteiligten des Kapitalmarkts nicht spurlos vorübergegangen.

Peter Staab

Privatanleger: die wahren Helden des Kapitalmarkts

Sind nicht die Privatanleger die wahren Helden des Kapitalmarkts? Schließlich sind sie die einzigen Akteure, die eigenes Geld investieren. (Es sei denn, die Aktien sind auf Kredit gekauft — aber auch den Kredit muss der Privatanleger letztlich mit eigenen Mitteln bedienen, unabhängig vom Erfolg seines Investments.) Alle anderen Marktteilnehmer legen anderer Leute Geld an oder verdienen an Dienstleistungen rund um das Investieren und Handeln. Zudem kann kaum eine Investorengruppe so souverän und unabhängig agieren wie die Privatanleger — jenseits des Herdentriebs der Financial Community, ohne einem Anlageausschuss Rechenschaft ablegen zu müssen, frei von Quartalsfristen und Publikationspflichten.

Oliver Vollbrecht

Zielgruppen der Investor Relations — Finanzanalysten: Wie denkt der Analyst?

Der Bereich Investor Relations (IR) befindet sich inmitten eines gravierenden Paradigmenwechsels: IR emanzipiert sich zu einer Aufgabe, deren Ziel zunehmend in der Vermarktung der Produkte der Passivseite besteht. Eine der wichtigsten Zielgruppen der IR-Manager sind Finanzanalysten. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Funktionsweise von Finanzanalyse und der Bedeutung von Finanzanalysten.1 Ziel ist es, Erkenntnisse für die praktische IR-Arbeit zu gewinnen.

Ralf Frank

Ratingagenturen

Gibt man das Stichwort „Rating“ in eine Suchmaschine wie Google ein, erhält man mehr als 80 Millionen Suchergebnisse. Das war vor wenigen Jahren nicht nur deshalb anders, weil das Internet noch nicht so verbreitet war. 1998 fanden sich „nur“ 1,3 Millionen Seiten im Internet, auf denen das gesuchte Stichwort zu finden war. Schon ein Jahr später waren es 4,5 Millionen Seiten. Verglichen mit anderen Stichworten erlebt der Begriff „Rating“ einen Boom nicht nur im angelsächsischen Sprachraum, sondern er findet Verbreitung auch in zahlreichen anderen Sprachen.

Oliver Everling

Finanzpresse: „One-Voice-Policy“

In Anlehnung an die Kommunikationsexpertin Elisabeth Noelle-Neumann haben Aktionäre, vor allem, wenn es sich um Kleinaktionäre handelt, nur zwei Quellen der Information: das persönliche Gespräch und die Medien. Sicherlich verfügen professionelle Investoren über zusätzliche und weitergehende Informationsquellen, aber auch sie sind Leser von Zeitungen und Zeitschriften und damit Konsumenten von Medien.

Frank Weber

Finanzanalyse

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Fundamentale Aktienanalyse

Hinter dem neudeutschen Begriff Asset Allocation verbirgt sich nichts anderes als eine ganz bestimmte Abfolge von Entscheidungen zur Auswahl einzelner Anlageobjekte bei der Geldanlage. Der Anleger steht vor der Entscheidung, aus über 600 deutschen Aktien, mehreren tausend ausländischen Aktien und zehntausenden festverzinslichen Wertpapieren einige wenige auszuwählen. Er könnte sie natürlich alle einzeln analysieren und das Depot quasi von unten aus den gewählten Papieren zusammensetzen, die ihm als die besten erscheinen. Der hierzu notwendige Zeitaufwand wäre allerdings immens, und es bestünde die Gefahr, den Überblick zu verlieren.

Christoph Schlienkamp

Bilanzanalyse und Unternehmensbewertung

Im Rahmen der fundamentalen Finanzmarktanalyse versucht der Anleger, sich aus den vorliegenden bzw. zugänglichen Informationen ein Urteil über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu bilden, um damit die Chancen bzw. Risiken seines Investment abwägen zu können. Im Mittelpunkt dieser Analyse stehen neben der Unternehmensbewertung vor allem die Aussagen, die sich aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Kapitalflussrechnung ableiten lassen.

Roland Könen

Technische Analyse

Wer sich zur Technischen Analyse bekennt und gar noch zugibt, dass er das reinrassig, ohne irgendeine Beachtung irgendwelcher fundamentaler Daten oder Entwicklungen tut, der darf sich noch immer ein wenig ins Abseits gestellt, auf jeden Fall aber mit jeder Menge Fragen und Vorurteile konfrontiert sehen. Es ist an dieser Stelle nun nicht meine Aufgabe, alle und alles zu widerlegen. Gestatten Sie mir aber dazu dennoch ein paar Anmerkungen.

Wieland Staud

Credit-Rating

Auf den internationalen Finanz- und Wertpapiermärkten werden Ratings zur Beurteilung der Bonität eines (börsennotierten) Unternehmens bereits seit Jahrzehnten von anerkannten Agenturen (Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch) erteilt. Das Wort Rating kommt vom Englischen „to rate“, was soviel heißt wie „bewerten“bzw. „abschätzen“. Prinzipiell kann alles gerated werden, wobei die wichtigsten Ratingobjekte Länder, Unternehmen und Fonds sind.

Jens-Eric von Düsterlho, Mike Pöhlsen

Beurteilung von Unternehmen aus Sicht eines Portfolio-Managers/Analysten am Beispiel ausgewählter Industrie-Werte

Ziel dieses Autorenbeitrags ist es, gezielt Einblicke in die Denkwelt von Investoren zu vermitteln, um Unternehmensvorständen und IR-Mitarbeitern die Kommunikation mit dem Finanzmarkt zu erleichtern.

Heiko Bienek

Einfluss der Ratingveränderung auf die fundamentale Unternehmensbewertung

In jüngster Vergangenheit häuften sich Meldungen, dass sich Unternehmen gegen eine Rating-Herabstufung durch die bekannten Rating-Agenturen wehren. Ob diese Herabstufung zu Recht war oder nicht, können wir an dieser Stelle nicht klären. Vielmehr soll der folgende Beitrag zeigen, welche Konsequenzen mit einer Ratingveränderung einhergehen und es werden die Hintergründe aufgedeckt, warum dieser Vorgang Empörung unter den betroffenen Unternehmen auslöst.

Michael Dieselmann, Peter Noel Schämig

Rechtliche Rahmenbedingungen der Investor Relations

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Wertpapierzulassung

Bei der Kapitalbeschaffung deutscher Unternehmen wird das über Jahrzehnte dominierende Modell des Kredits der „Hausbank“ zunehmend durch die Kapitalmarktfinanzierung verdrängt. Hierbei erfolgt die Kapitalbeschaffung vom bzw. über den Kapitalmarkt als Gesamtheit aller potentiell in Frage kommenden Investoren. Sei es in Form der Eigen- oder der Fremdkapitalbeschaffung oder in einer Kombination beider Maßnahmen. Während bei der Eigenkapitalbeschaffung Aktien ausgegeben und platziert werden, über die die Investoren körperschaftliche Mitgliedsrechte an der Gesellschaft erhalten (so genannte Beteiligungsfinanzierung), erfolgt die Fremdkapitalbeschaffung grundsätzlich in Form der Ausgabe und Platzierung von Schuldverschreibungen, durch die die Investoren verbriefte Forderungsrechte gegen die Gesellschaft ohne darüber hinausgehende Mitwirkungsrechte erhalten (so genannte Kreditfinanzierung).

Cord Gebhardt

Übernahmerecht

Das gesellschafts- bzw. kapitalmarktrechtliche Gesetzgebungsvorhaben eines Übernahmegesetzes beschäftigte viele Jahre den Bundesgesetzgeber und den EU-Gesetzgeber. Bemühungen auf EU-Ebene begannen bereits mit dem so genannten Pennington-Report von 1974, der auf dem britischen City Code beruhte und mündeten nach vier Vorlagen der Kommission für eine 13. Richtlinie von 1989, 1990, 1996 und 1997 in einem gemeinsamen Standpunkt von EU-Kommission und EU-Rat, der am 04.07.2001 im Plenum des europäischen Parlaments spektakulär mit Stimmengleichheit abgelehnt wurde. Darauf aufbauend wurde im Jahre 2002 der Entwurf einer neuen EU-Übernahmerichtlinie aufgesetzt, die nach längeren Streitigkeiten auf der Basis eines Kompromissvorschlages am 16. Dezember 2003 vom Parlament verabschiedet wurde. Ratszustimmung und Veröffentlichung im Amtsblatt erfolgten am 20. April 2004. Diese EU-rechtliche Vorgabe ist durch den deutschen Gesetzgeber noch nicht in das deutsche Recht umgesetzt worden. Da die Richtlinie aber bindend bis April 2006 im nationalen Gesetz implementiert sein muss, wird im jeweiligen Kontext auf etwaige Abweichungen zum deutschen Gesetz hingewiesen.

Timo Holzborn

Compliance — Instrument der Selbstkontrolle im Unternehmen

Compliance ist ein Begriff der anglo-amerikanischen Rechtssprache, der ohne Übersetzung Eingang in die deutsche Sprache gefunden hat. Der Begriff ist das korrespondierende Substantiv zur Wendung „to comply with the law“ — Handeln in Übereinstimmung mit dem Gesetz.1 In einem weiten Verständnis beschreibt Compliance deshalb die Aufgabe, Zielsetzung und gegebenenfalls Verpflichtung der Unternehmensleitung, dafür Sorge zu tragen, dass alle anwendbaren Gebote und Verbote durch sie selbst und die Mitarbeiter beachtet werden und Schaden von der Gesellschaft abgewehrt wird.2 Die Beachtung der Gesetze und die Schadensabwehr sind zwei zusammengehörige Sachverhalte; jedem Gesetzesverstoß wohnt ein Schadenspotential inne, sei es in Form unmittelbaren finanziellen (etwa durch Bußgeld- oder Schadensersatzzahlungen) oder in Form von Reputationsschäden.3 Mit Recht wird darauf hingewiesen, dass die Gefahr von Rechtsverletzungen für die Unternehmen zum operationellen Risiko werden,4 und sogar zur Gefährdung des Bestands des Unternehmens führen kann. Bußgelder, Vergleichszahlungen und Schadenersatzklagen im Millionen- oder gar im Milliardenbereich sind durchaus keine Seltenheit; Beispiele hierfür sind hinlänglich bekannt.5 Vielfach handelt es sich dabei nicht einmal um bewusste Gesetzesverstöße, sondern um fehlende Rechtskenntnis bzw. falsche Rechtsanwendung durch die handelnden Personen.6

Stefan Gebauer

Praktische Relevanz der Umsetzung der Marktmissbrauchsrichtlinie in nationales Recht

Investor Relations als direkt geknüpfte Informationskontakte zwischen Emittent und Anleger sind ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit börsennotierter Emittenten. Innerhalb des Kommunikationsprozesses auf den Wertpapiermärkten steht der Investor-Relations-Manager als „Sender“ auf der Seite des Unternehmens. Die mit Investor Relations verbundenen Ziele können einerseits Informationsvermittlung, andererseits auch Werbemaßnahmen sein.

Thomas Eufinger, Leoni Grimme

Investor Relations in der Praxis

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Investor Relations und der Vorteil guter Corporate Governance

Corporate Governance als „Kunst der guten Haushaltsführung“ setzt mit ihren Kernelementen Transparenz und Unabhängigkeit den Rahmen für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Die wesentlichen Bestandteile guter Governance sind ein ausgewogenes Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat, die Achtung der Aktionärsrechte, angemessene Vergütungsstrukturen, ausreichende Unabhängigkeit von Aufsichtsräten und Wirtschaftsprüfern sowie ein aussagefähiges Berichtswesen.

Christian Strenger, Roland Rott

Investor Relations beim Börsengang

2003 hat es in Deutschland kein IPO gegeben. 2004 wurden die Börsengänge von X-Fab, Siltronic, ATU und Hapag-Lloyd abgesagt, das IPO der Postbank konnte nur durch eine Verschiebung, eine deutliche Absenkung der Preisspanne und eine Reduktion der Größe platziert werden.

Wolfgang Kniese

Investor Relations bei öffentlichen Unternehmensübernahmen

Das Tätigkeitsfeld für Investor Relations ist aufgrund der Aufgabenvielfalt schon im Tagesgeschäft breit gefächert. Zu den komplexesten, außerordentlichen Herausforderungen gehören neben dem Börsengang Übernahmetransaktionen, sei es auf Seiten des Bieterunternehmens oder auch auf Seiten des Zielunternehmens. Dabei bedarf es nicht immer medienwirksamer Megadeals, um das IR-Team durch die qualitative und quantitative Mehrbelastung an den Rand des Machbaren zu führen. Schon kleinere Transaktionen binden bestehende Ressourcen aufgrund der anspruchsvollen Aufgabenstellung enorm. Da im Zuge der globalen Industriekonsolidierung die Anzahl der Transaktionen stark zugenommen hat, ist die Wahrscheinlichkeit für ein IR-Team, mit einer oder mehreren Unternehmensübernahmen konfrontiert zu werden, recht groß. Das folgende Kapitel soll darum die Trends und Rahmenbedingungen bei Mergers & Acquisitions kurz beleuchten, bevor auf die praktischen und rechtlichen Anforderungen für Investor Relations eingegangen wird. Im dritten Teil des Kapitels wird anhand einer fiktiven Fallstudie eine feindliche Übernahme in der Pharmaindustrie nachgestellt und die anfallenden Aufgaben für Investor Relations beschrieben.

Nikolai Juchem, Lucia Mathée

A Technique that links Investor Loyalty to Customer Loyalty

The Emerging Reality for Financial Markets

This paper focuses upon the development of a reliable and valid yet practical technique to identify the factors that link investor loyalty to customer loyalty Whilst there has been considerable focus on the subject, a number of researchers have commented that in order for more empirical work to be carried out, practical techniques are required to test those factors or constructs that link investor and customer loyalty; and more importantly, to use them in the field. This article gives an overview on the importance of identifying the factors that motivate investor loyalty and customer loyalty The role of motivation and behavior in the prediction of an investor’s loyalty to an individual „stock or equity or share“ was investigated. Investor loyalty was defined as a customer’s level of attachment to and exclusive holding of a „stock or equity or share“. The paper then concludes with some reflections on what such a technique should cover in order to assess and manage investor loyalty.

Alexander Cassar, Michael Diegelmann

Investor Relations in Krisensituationen

Unternehmenskrisen sind kein alltägliches, aber ein hilfreiches und häufig letztes Signal zur Umkehr („krisis“ aus dem griechischen = Umschwung eines bisher gleichmäßigen Ablaufs). Sie kommen nicht aus heiterem Himmel, sondern ziehen meist wie ein Gewitter am Horizont auf und nehmen dann direkten Kurs auf einen zu. Noch hat das Unternehmen die Chance, Vorbereitungen zu treffen und sich auf die Sturmfahrt vorzubereiten. In dieser Gefahrensituation ist der Teamgeist „all hands on deck“ und ein gemeinsames Ziehen an einem Strang unerlässlich, um schwere Schäden von Unternehmen und Mannschaft abzuwenden. Die Krise als Chance zu begreifen, die Mannschaft zusammen zu schweißen und die Motivation und den Elan in dieser außergewöhnlichen Situation zu nutzen, um das Ruder herum zu reißen, erfordert viel Erfahrung, Geschick und Besonnenheit. Insbesondere der Umgang mit den ohnehin hochsensiblen, hochvolatilen und psychologisch extrem anfälligen Kapitalmärkten bedingt einen taktisch und operativ klar durchdachten Kommunikationsplan der Investor Relations, um nicht das Manöver des letzten Augenblicks einleiten zu müssen.

Jörg G. H. Peters

Die Verantwortung des Managements für Investor Relations

Ausgangspunkt der folgenden Betrachtungen ist die Definition Süchtings, wonach Investor Relations den „an den Bedürfnissen der Kapitalgeber orientierten zielgerichteten Einsatz finanzpolitischer Maßnahmen zur Überwindung der zwischen Kapitalnachfrage und Kapitalangebot bestehenden Marktwiderstände“ kennzeichnen.1 Investor Relations sollen die Anleger in die Lage versetzen, eine — gemessen an anderen Anlagealternativen — vernünftige Anlageentscheidung zu treffen und gleichzeitig ein zukünftiges Vertrauensverhältnis zu dem Unternehmen aufzubauen. Dabei sollten sie sich an dem Leitsatz orientieren „information reduces risk“. Aus der wissenschaftlichen Perspektive schlussfolgert Weidekind aus diesem Sachverhalt, dass im „Rahmen der Erstellung einer Theorie des Finanzierungsmarketings... das Informationsrisiko des Geldgebers im Vordergrund (steht).2 „Die Nutzung der Information als Mittel der Risikoeinschätzung ist auch der Leitgedanke der „Statements of Financial Accounting Concepts (SFAC)“, wonach das financial reporting zu einer Allokation knapper Ressourcen beitragen soll.“ („... GAAP were developed primarily to serve the needs of the public securities markets“).3

Walter Paul

Investor Relations in kleineren Technologie-Unternehmen

In kaum einem Segment hat die Investor-Relations-Arbeit derart dramatische Veränderungen erfahren wie bei kleineren Unternehmen der Technologie-Branche. Was im Jahr 1997 mit der Gründung des Neuen Marktes begann, fand seine Fortsetzung zunächst in einem atemberaubenden Aufstieg mit dreihundert Börsengängen in den Jahren 1999 und 2000 und einem Anstieg des Nemax All Share auf über 8.500 Punkte. In den darauf folgenden drei Jahren kannte der Markt ebenfalls nur eine Richtung: nach unten. Der Index fiel zeitweise auf unter 400 Punkte — nur noch fünf Prozent der Höchststände vom März 2000. Der Neue Markt als Börsensegment wurde gut fünf Jahre nach seiner Gründung wieder eingestellt. Mittlerweile hat sich eine Konsolidierung der Situation ergeben.

Jörg Chittka

Predictive IR — Früherkennung des Investorenverhaltens durch Nutzung von Aktenregisterdaten

Eine zielgerichtete und effiziente Kommunikation mit Investoren stellt eine stetige Herausforderung an Investor-Relations-Verantwortliche dar. Das IR-Management sollte für diese Kommunikation in der Lage sein, das Verhalten der Investoren kontinuierlich zu verstehen und frühzeitig zukünftiges Verhalten ableiten zu können.

Bernhard Gehra, Oliver Niedermaier, Thomas Hess

Equity Story des Emittenten — Struktur, Inhalt, praktische Umsetzung

Das Erzählen von Geschichten gehört zum Kulturgut aller Völker der Erde. Es ist eine Kunst, älter als das Schreiben. Filmregisseure, Choreographen, Autoren, Mütter und Väter — alle wollen Geschichten erzählen. Auch Unternehmen. Ihre Erzählung für die Kapitalmärkte heißt neudeutsch „Equity Story“.

Stephan Holzinger

Die Ausbildung zum Certified Investor Relations Officer (CIRO)

Die 90er Jahre sahen in Deutschland einen beispiellosen Aufschwung der Aktienkultur. Zahlreiche Börsengänge, der Aufschwung des Neuen Markts, Spekulation und Gewinne auch bei Kleinaktionären machten die Börse und das Börsengeschehen sehr populär. Das allgemeine Interesse an Investments in Aktien nahm explosionsartig zu. In diesem Zuge wurde in den Unternehmen der Bereich der Aktionärsbetreuung immer wichtiger. Die Versorgung von privaten und institutionellen Investoren sowie Analysten mit umfassenden Informationen über das Unternehmen, die Darstellung der eigenen Aktie als lohnendes Investment im Wettbewerb zu anderen Kapitalanlagen wurde zu einem wichtigen und zunehmend anerkannten Berufszweig. Gleichzeitig war das Interesse in den Unternehmen an Informationen aus dem Kapitalmarkt — Anregungen bis hin zu Forderungen — stark gewachsen. Als Übersetzer und Mittler zwischen dem Untenehmen und seiner Kapitalmarkt-Umwelt bildete sich im Zuge dessen der Beruf des Investor-Relations-Managers (Officers)1 heraus.

Kay Rathke, Kay Bommer

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