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Handbuch Landschaft

  • 2019
  • Buch

Über dieses Buch

Dieses Handbuch präsentiert unterschiedliche Perspektiven auf Landschaft und zeigt die Disziplinen mit ihren Landschaftsverständnissen auf. Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand der Landschaftsforschung zu geben und gleichzeitig die Zukunft der Landschaftsforschung zu beleuchten. Die Autor~innen sind Expert~innen auf ihren Gebieten und im deutschen Sprachraum einschlägig bekannt.

Inhaltsverzeichnis

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  1. Frontmatter

  2. Zur Einführung

    1. Frontmatter

    2. Landschaft – ein einleitender Überblick

      Olaf Kühne, Florian Weber, Karsten Berr, Corinna Jenal
      Zusammenfassung
      ‚Landschaft‘ hat Konjunktur – im Alltag, in Politik, Planung, Naturschutz, Forschung. Sie ist quasi omnipräsent, aber vielleicht gerade auch dadurch in Teilen vage und unbestimmt bzw. multidimensional und multikonzeptionell greifbar. Ziel des vorliegenden Handbuches Landschaft ist es, eine gewisse Systematik in das ‚Landschaftsdickicht‘ zu bringen, indem Theorien, disziplinbezogene Zugänge, Konzeptionen, Methoden und aktuelle Untersuchungsfelder dargestellt werden. Der einleitende Überblick konturiert zentrale Inhalte und Zugriffe.
    3. Begriffsgeschichte

      Karsten Berr, Winfried Schenk
      Zusammenfassung
      Die ‚Begriffsgeschichte‘ von ‚Landschaft‘ untersucht den diachronen Bedeutungswandel dieses Begriffes innerhalb eines historischen Kontextes als sprachlichen Teil kultureller Semantik. Sie dient angesichts der konnotationsreichen ‚Vagheit‘ und Unklarheit dieses Begriffs insbesondere der semantischen Orientierung in einem kaum noch überschaubaren Bedeutungs- und Assoziationsfeld. Als entscheidende Stationen lassen sich historisch ‚Landschaft‘ als ‚regio‘, als ‚Bild‘ und als ‚Erdraum‘ rekonstruieren. Neuerdings werden insbesondere Begriffs- und Theorie- Typologien entwickelt, um dieser Orientierungsaufgabe gerecht zu werden.
    4. Klassiker der Landschaftsforschung und ihre gegenwärtige Wirkung

      Karsten Berr
      Zusammenfassung
      Landschaftsforschung zehrt wie andere Forschungsrichtungen auch von tradierten Wissensbeständen. Um solche Traditionen einer Reflexion zugänglich zu machen, müssen diese zuerst einmal bekannt sein und entsprechend vermittelt werden. Am Leitfaden der soziokulturellen und insbesondere ästhetisch fundierten Vermittlungsgeschichte des Begriffs ‚Landschaft‘ werden ausgewählte antike, mittelalterliche und neuzeitliche Klassiker der Literatur- und Kunstgeschichte, der Entdeckungs- und Begriffsgeschichte sowie der Thematisierung der Geschichtlichkeit der physischen Landschaft kontextualisiert und vorgestellt.
  3. Theoretische Perspektiven auf die Landschaftsforschung

    1. Frontmatter

    2. Essentialistische Landschafts- und positivistische Raumforschung

      Florian Weber, Olaf Kühne
      Zusammenfassung
      ‚Landschaft‘ bildete in der ‚traditionellen Geographie‘ des 19. und 20. Jahrhunderts einen zentralen Anker, gerade hinsichtlich der ‚Einheit von physischer und Humangeographie‘. Perspektiven, in denen ‚Landschaft‘ mit einer Wesenhaftigkeit verbunden und damit essentialistisch gedacht wurde, gerieten Ende der 1960er Jahre stark in die Kritik. Positivistisch ausgerichtete Raumforschung verdrängte ‚Landschaftszugänge‘ zugunsten von Mess- und Zählbarkeiten. Beide Ansätze werden im Beitrag kontrastierend beleuchtet und auf ihre Aktualität hin befragt.
    3. Sozialkonstruktivistische Landschaftstheorie

      Olaf Kühne
      Zusammenfassung
      Insbesondere in Rückgriff auf die phänomenologische Soziologie und den Sozialkonstruktivismus untersucht die sozialkonstruktivistische Landschaftstheorie, wie soziale Konstruktionsprozesse von ‚Landschaft‘ im Verhältnis Gesellschaft, Individuum und physischem Raum vonstattengehen. Zentral ist die Erkenntnis, dass sich dem Individuum die Welt allein in vorinterpretierter Weise erschließt. Landschaft entsteht also auf Grundlage gesellschaftlicher Deutungs- und Bewertungsmuster individuell auf Basis der Synthese materieller oder virtueller Objekte. Entsprechend dieser Grundhaltung befasst sich die sozialkonstruktivistische Landschaftstheorie mit ‚Wie-Fragen‘ (etwa ‚Wie ist das rekursive Verhältnis individueller und gesellschaftlicher Landschaftskonstrukte?‘) und nicht ‚Was-Fragen‘ (bspw. ‚Was ist Landschaft?‘).
    4. Landschaft als Text

      Vera Denzer
      Zusammenfassung
      Die Metapher „Landschaft als Text“ steht für interpretative Ansätze in der Humangeographie, die es ermöglichen, nichtsprachliche Bereiche wie Architektur, Landschaft, Design etc. als Texte/Zeichensysteme zu verstehen, die geschrieben und gelesen werden. Dies setzt neben einem konstruktivistischen Landschaftsverständnis auch ein geweitetes Kultur- und Textverständnis voraus, wie es in den cultural turns konzipiert wird. Frühe semiotische Ansätze fokussierten auf Landschaft als einem geschlossenen Repräsentationssystem, welches auf die übermittelten Botschaften dominanter Machtstrukturen und sozialer Wirklichkeiten hin decodiert wurde. Unter zunehmend poststrukturalistischem Einfluss wird die Mehrdeutigkeit und Flüchtigkeit zum Teil konkurrierender Bedeutungszuschreibungen vielfältiger Lesarten sowie Praktiken alltäglicher Sinnzuschreibungen (performative Aspekte) erforscht. Dieser zunehmenden Komplexität und Ausdifferenzierung des Ansatzes wird aktuell insbesondere durch eine nicht unumstrittene Weitung des Textverständnisses hin zu „Textualität von Landschaft“ begegnet.
    5. Autopoietische Systemtheorie und Landschaft

      Olaf Kühne
      Zusammenfassung
      Die autopoietische Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann befasst sich mit der Kommunikation innerhalb der Gesellschaft. Dabei wird von einer Differenzierung der Gesellschaft in Teilsysteme ausgegangen, die ihre Umwelt auf Grundlage spezifischer Codes beobachten. Entsprechend erfolgt die Konstruktion von Landschaft auf Grundlage dieser Codes. So konstruiert das Teilsystem Wirtschaft Landschaft hinsichtlich der Frage, ob damit Geld verdient werden kann, das der Politik, ob Macht gewonnen werden kann etc. Entsprechend dieser Codes schreiben sich die gesellschaftlichen Teilsysteme in die materielle Welt ein.
    6. Diskurstheoretische Landschaftsforschung

      Florian Weber
      Zusammenfassung
      Mit einer poststrukturalistisch-diskurstheoretischen Perspektive auf ‚Landschaft‘ wird der Fokus einerseits auf machtvolle Verfestigungsprozesse – hegemoniale Diskurse –, andererseits auf Hinweise für mögliche Umbrüche und Veränderungen gerichtet. Der Beitrag führt in Anschluss an Ernesto Laclau und Chantal Mouffe in den Bereich einer diskurstheoretischen Landschaftsforschung ein und skizziert dabei neben den Potenzialen des Ansatzes empirische Operationalisierungen sowie Anschlussfähigkeiten an weitere konstruktivistische Zugänge.
    7. Neue Landschaftsgeographie

      Olaf Kühne, Florian Weber, Corinna Jenal
      Zusammenfassung
      Der Landschaftsbegriff ist nicht nur ein vielfach fest verankerter Terminus der Alltagssprache, sondern bildete auch in der forschungsbezogenen Befassung als Landschaftsgeographie bis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den ‚Kern‘ des Faches Geographie. Mit der Kieler Wende gerieten der Begriff und der Zugang zu ‚Landschaft‘ in den 1960er Jahren nicht nur in den Hintergrund, sondern geradezu in Verruf und wurden sukzessive durch quantitativ ausgerichtete ‚Raum‘-Forschungsansätze ersetzt. Seit den 1980er Jahren in der englischsprachigen und seit den 2000 Jahren auch in der deutschsprachigen Forschung wird sich ‚Landschaft‘ vermehrt aus konstruktivistischen Perspektiven mit unterschiedlicher Ausrichtung neu angenähert. Im vorliegenden Beitrag werden zentrale Entwicklungslinien dieses Perspektivwechsels beleuchtet und zentrale aktuelle Ausrichtungen skizziert.
    8. Phänomenologische Landschaftsforschung

      Olaf Kühne
      Zusammenfassung
      Die phänomenologische Perspektive auf Landschaft fokussiert deren individuelles Erleben. Diese Perspektive, im frühen 20. Jahrhundert wurzelnd, hat seit der Zeit um die Jahrtausendwende eigens in der angelsächsischen Landschaftsforschung eine Wiederentdeckung erfahren. Aktualität erhält sie nicht zuletzt durch die Individualisierung der Gesellschaft, kulturelle Hybridisierungsprozesse, aber auch der Sehnsucht nach emotionaler Anbindung an Räume.
    9. Kritisch-geographische Perspektiven auf Landschaft

      Julia Poerting, Nadine Marquardt
      Zusammenfassung
      Eine kritisch-geographische Perspektive auf Landschaft sollte sowohl sozialkonstruktivistische als auch materielle Zugänge verbinden. Dadurch kann sie mehr-als-menschliche und mehr-als-repräsentationale Geographien berücksichtigen und ihren Blick auf konfliktreiche Mensch-Umwelt-Beziehungen in spezifischen Landschaften schärfen.
    10. Sich abzeichnende theoretische Perspektiven für die Landschaftsforschung: Neopragmatismus, Akteur-Netzwerk-Theorie und Assemblage-Theorie

      Olaf Kühne
      Zusammenfassung
      Die ‚konstruktivistische Wende‘ der (sozialwissenschaftlichen) Landschaftsforschung hat dieser sozialkonstruktivistische, diskurstheoretische und radikalkonstruktivistische Perspektiven eröffnet. Zugleich zeichnen sich in der Sozial- und Raumforschung neue Tendenzen zur Re-Thematisierung des Materiellen ab. Diese lassen Potenziale für die Landschaftsforschung erkennen. Dabei handelt es sich um die Akteur-Netzwerk-Theorie und die Assemblage-Theorie. Der neopragmatische Ansatz hingegen formuliert keinen eigenständigen theoretischen Zugang zu Landschaft, vielmehr plädiert er für eine dem Forschungsgegenstand angemessene theoretische Rahmung und daraus abgeleiteter empirischer Methodik. Dies gilt auch für theoretische Ansätze, die in der ‚klassischen Forschung‘ als nicht kombinierbar gelten. Zudem weist er ein hohes Potenzial für die angewandte Landschaftsforschung auf.
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Titel
Handbuch Landschaft
Herausgegeben von
Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne
Dr. Florian Weber
Dr. Karsten Berr
Dr. Corinna Jenal
Copyright-Jahr
2019
Electronic ISBN
978-3-658-25746-0
Print ISBN
978-3-658-25745-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-25746-0

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