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Über dieses Buch

Dieses Handbuch präsentiert unterschiedliche Perspektiven auf Landschaft und zeigt die Disziplinen mit ihren Landschaftsverständnissen auf. Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand der Landschaftsforschung zu geben und gleichzeitig die Zukunft der Landschaftsforschung zu beleuchten. Die Autor~innen sind Expert~innen auf ihren Gebieten und im deutschen Sprachraum einschlägig bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zur Einführung

Frontmatter

Landschaft – ein einleitender Überblick

‚Landschaft‘ hat Konjunktur – im Alltag, in Politik, Planung, Naturschutz, Forschung. Sie ist quasi omnipräsent, aber vielleicht gerade auch dadurch in Teilen vage und unbestimmt bzw. multidimensional und multikonzeptionell greifbar. Ziel des vorliegenden Handbuches Landschaft ist es, eine gewisse Systematik in das ‚Landschaftsdickicht‘ zu bringen, indem Theorien, disziplinbezogene Zugänge, Konzeptionen, Methoden und aktuelle Untersuchungsfelder dargestellt werden. Der einleitende Überblick konturiert zentrale Inhalte und Zugriffe.

Olaf Kühne, Florian Weber, Karsten Berr, Corinna Jenal

Begriffsgeschichte

Die ‚Begriffsgeschichte‘ von ‚Landschaft‘ untersucht den diachronen Bedeutungswandel dieses Begriffes innerhalb eines historischen Kontextes als sprachlichen Teil kultureller Semantik. Sie dient angesichts der konnotationsreichen ‚Vagheit‘ und Unklarheit dieses Begriffs insbesondere der semantischen Orientierung in einem kaum noch überschaubaren Bedeutungs- und Assoziationsfeld. Als entscheidende Stationen lassen sich historisch ‚Landschaft‘ als ‚regio‘, als ‚Bild‘ und als ‚Erdraum‘ rekonstruieren. Neuerdings werden insbesondere Begriffs- und Theorie- Typologien entwickelt, um dieser Orientierungsaufgabe gerecht zu werden.

Karsten Berr, Winfried Schenk

Klassiker der Landschaftsforschung und ihre gegenwärtige Wirkung

Landschaftsforschung zehrt wie andere Forschungsrichtungen auch von tradierten Wissensbeständen. Um solche Traditionen einer Reflexion zugänglich zu machen, müssen diese zuerst einmal bekannt sein und entsprechend vermittelt werden. Am Leitfaden der soziokulturellen und insbesondere ästhetisch fundierten Vermittlungsgeschichte des Begriffs ‚Landschaft‘ werden ausgewählte antike, mittelalterliche und neuzeitliche Klassiker der Literatur- und Kunstgeschichte, der Entdeckungs- und Begriffsgeschichte sowie der Thematisierung der Geschichtlichkeit der physischen Landschaft kontextualisiert und vorgestellt.

Karsten Berr

Theoretische Perspektiven auf die Landschaftsforschung

Frontmatter

Essentialistische Landschafts- und positivistische Raumforschung

‚Landschaft‘ bildete in der ‚traditionellen Geographie‘ des 19. und 20. Jahrhunderts einen zentralen Anker, gerade hinsichtlich der ‚Einheit von physischer und Humangeographie‘. Perspektiven, in denen ‚Landschaft‘ mit einer Wesenhaftigkeit verbunden und damit essentialistisch gedacht wurde, gerieten Ende der 1960er Jahre stark in die Kritik. Positivistisch ausgerichtete Raumforschung verdrängte ‚Landschaftszugänge‘ zugunsten von Mess- und Zählbarkeiten. Beide Ansätze werden im Beitrag kontrastierend beleuchtet und auf ihre Aktualität hin befragt.

Florian Weber, Olaf Kühne

Sozialkonstruktivistische Landschaftstheorie

Insbesondere in Rückgriff auf die phänomenologische Soziologie und den Sozialkonstruktivismus untersucht die sozialkonstruktivistische Landschaftstheorie, wie soziale Konstruktionsprozesse von ‚Landschaft‘ im Verhältnis Gesellschaft, Individuum und physischem Raum vonstattengehen. Zentral ist die Erkenntnis, dass sich dem Individuum die Welt allein in vorinterpretierter Weise erschließt. Landschaft entsteht also auf Grundlage gesellschaftlicher Deutungs- und Bewertungsmuster individuell auf Basis der Synthese materieller oder virtueller Objekte. Entsprechend dieser Grundhaltung befasst sich die sozialkonstruktivistische Landschaftstheorie mit ‚Wie-Fragen‘ (etwa ‚Wie ist das rekursive Verhältnis individueller und gesellschaftlicher Landschaftskonstrukte?‘) und nicht ‚Was-Fragen‘ (bspw. ‚Was ist Landschaft?‘).

Olaf Kühne

Landschaft als Text

Die Metapher „Landschaft als Text“ steht für interpretative Ansätze in der Humangeographie, die es ermöglichen, nichtsprachliche Bereiche wie Architektur, Landschaft, Design etc. als Texte/Zeichensysteme zu verstehen, die geschrieben und gelesen werden. Dies setzt neben einem konstruktivistischen Landschaftsverständnis auch ein geweitetes Kultur- und Textverständnis voraus, wie es in den cultural turns konzipiert wird. Frühe semiotische Ansätze fokussierten auf Landschaft als einem geschlossenen Repräsentationssystem, welches auf die übermittelten Botschaften dominanter Machtstrukturen und sozialer Wirklichkeiten hin decodiert wurde. Unter zunehmend poststrukturalistischem Einfluss wird die Mehrdeutigkeit und Flüchtigkeit zum Teil konkurrierender Bedeutungszuschreibungen vielfältiger Lesarten sowie Praktiken alltäglicher Sinnzuschreibungen (performative Aspekte) erforscht. Dieser zunehmenden Komplexität und Ausdifferenzierung des Ansatzes wird aktuell insbesondere durch eine nicht unumstrittene Weitung des Textverständnisses hin zu „Textualität von Landschaft“ begegnet.

Vera Denzer

Autopoietische Systemtheorie und Landschaft

Die autopoietische Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann befasst sich mit der Kommunikation innerhalb der Gesellschaft. Dabei wird von einer Differenzierung der Gesellschaft in Teilsysteme ausgegangen, die ihre Umwelt auf Grundlage spezifischer Codes beobachten. Entsprechend erfolgt die Konstruktion von Landschaft auf Grundlage dieser Codes. So konstruiert das Teilsystem Wirtschaft Landschaft hinsichtlich der Frage, ob damit Geld verdient werden kann, das der Politik, ob Macht gewonnen werden kann etc. Entsprechend dieser Codes schreiben sich die gesellschaftlichen Teilsysteme in die materielle Welt ein.

Olaf Kühne

Diskurstheoretische Landschaftsforschung

Mit einer poststrukturalistisch-diskurstheoretischen Perspektive auf ‚Landschaft‘ wird der Fokus einerseits auf machtvolle Verfestigungsprozesse – hegemoniale Diskurse –, andererseits auf Hinweise für mögliche Umbrüche und Veränderungen gerichtet. Der Beitrag führt in Anschluss an Ernesto Laclau und Chantal Mouffe in den Bereich einer diskurstheoretischen Landschaftsforschung ein und skizziert dabei neben den Potenzialen des Ansatzes empirische Operationalisierungen sowie Anschlussfähigkeiten an weitere konstruktivistische Zugänge.

Florian Weber

Neue Landschaftsgeographie

Der Landschaftsbegriff ist nicht nur ein vielfach fest verankerter Terminus der Alltagssprache, sondern bildete auch in der forschungsbezogenen Befassung als Landschaftsgeographie bis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den ‚Kern‘ des Faches Geographie. Mit der Kieler Wende gerieten der Begriff und der Zugang zu ‚Landschaft‘ in den 1960er Jahren nicht nur in den Hintergrund, sondern geradezu in Verruf und wurden sukzessive durch quantitativ ausgerichtete ‚Raum‘-Forschungsansätze ersetzt. Seit den 1980er Jahren in der englischsprachigen und seit den 2000 Jahren auch in der deutschsprachigen Forschung wird sich ‚Landschaft‘ vermehrt aus konstruktivistischen Perspektiven mit unterschiedlicher Ausrichtung neu angenähert. Im vorliegenden Beitrag werden zentrale Entwicklungslinien dieses Perspektivwechsels beleuchtet und zentrale aktuelle Ausrichtungen skizziert.

Olaf Kühne, Florian Weber, Corinna Jenal

Phänomenologische Landschaftsforschung

Die phänomenologische Perspektive auf Landschaft fokussiert deren individuelles Erleben. Diese Perspektive, im frühen 20. Jahrhundert wurzelnd, hat seit der Zeit um die Jahrtausendwende eigens in der angelsächsischen Landschaftsforschung eine Wiederentdeckung erfahren. Aktualität erhält sie nicht zuletzt durch die Individualisierung der Gesellschaft, kulturelle Hybridisierungsprozesse, aber auch der Sehnsucht nach emotionaler Anbindung an Räume.

Olaf Kühne

Kritisch-geographische Perspektiven auf Landschaft

Eine kritisch-geographische Perspektive auf Landschaft sollte sowohl sozialkonstruktivistische als auch materielle Zugänge verbinden. Dadurch kann sie mehr-als-menschliche und mehr-als-repräsentationale Geographien berücksichtigen und ihren Blick auf konfliktreiche Mensch-Umwelt-Beziehungen in spezifischen Landschaften schärfen.

Julia Poerting, Nadine Marquardt

Sich abzeichnende theoretische Perspektiven für die Landschaftsforschung: Neopragmatismus, Akteur-Netzwerk-Theorie und Assemblage-Theorie

Die ‚konstruktivistische Wende‘ der (sozialwissenschaftlichen) Landschaftsforschung hat dieser sozialkonstruktivistische, diskurstheoretische und radikalkonstruktivistische Perspektiven eröffnet. Zugleich zeichnen sich in der Sozial- und Raumforschung neue Tendenzen zur Re-Thematisierung des Materiellen ab. Diese lassen Potenziale für die Landschaftsforschung erkennen. Dabei handelt es sich um die Akteur-Netzwerk-Theorie und die Assemblage-Theorie. Der neopragmatische Ansatz hingegen formuliert keinen eigenständigen theoretischen Zugang zu Landschaft, vielmehr plädiert er für eine dem Forschungsgegenstand angemessene theoretische Rahmung und daraus abgeleiteter empirischer Methodik. Dies gilt auch für theoretische Ansätze, die in der ‚klassischen Forschung‘ als nicht kombinierbar gelten. Zudem weist er ein hohes Potenzial für die angewandte Landschaftsforschung auf.

Olaf Kühne

Landschaft im Kontext disziplinärer Bezüge

Frontmatter

Inter- und transdisziplinäre Landschaftsforschung

So wie das Konzept ‚Landschaft‘ hochkomplex ausfällt, gestaltet es sich auch mit unterschiedlichen Disziplinen und deren Zugangsweisen zu und Umgangsweisen mit ‚Landschaft‘. Es resultiert eine Pluralität disziplinärer Thematisierungen, die einerseits als Bereicherung, andererseits aber auch als forschungs- wie anwendungsbezogene Herausforderung gedeutet werden kann. Noch komplexer wird es, wenn Landschaftsforschung auch inter- sowie transdisziplinär gedacht und betrieben wird. Im Artikel erfolgt zur Einordnung ein Überblick über disziplinäre, inter- sowie transdisziplinäre Landschaftsforschung.

Karsten Berr, Corinna Jenal, Olaf Kühne, Florian Weber

Landschaftsökologie

Landschaftsökologie als Begriff entstand 1939, fokussiert auf die „geographische Landschaft“. Inzwischen gilt Landschaftsökologie als interdisziplinäres Forschungsfeld, mit vorrangig geographisch-ökologischer und/oder biologisch-ökologischer Perspektive. Gegenstand ist das Ökosystem („Landschaftsökosystem“), das holistisch betrachtet und von verschiedenen Fachwissenschaften untersucht wird. Zwischen „Ziel: Gesamtsystem“ einerseits und fachspezifischen System- und Subsystemforschungen andererseits bestehen methodologische und methodische Brüche. Sie bleiben Forschungsgegenstand. Im Hinblick auf Anwendung landschaftsökologischer Ergebnisse wird jedoch über diese hinweggesehen.

Hartmut Leser

Stadtökologie

Stadtökologie ist ein junges, sehr verschieden definiertes Fachgebiet. Wie die Landschaftsökologie untersucht es Mensch-Umwelt-Systeme. Es setzt sowohl geographisch-landschaftskundlich als auch bioökologisch-biogeographisch an. Gegenstand ist das „Stadtlandschaftsökosystem“ – ein vom Menschen (Wirtschaft, Politik, Technik, Sozialsystemen etc.) gesteuertes Wechselwirkungsgefüge, das verschiedene Fachwissenschaften vor allem separativ untersuchen. Hier steht der naturwissenschaftliche Ansatz im Vordergrund. Je nach Stadtmodell lassen sich – trotz methodischer Probleme – diverse Subsysteme des Mensch-Stadt-Umwelt- Systems miteinander koppeln. Die Anwendung stadtökologischer Ergebnisse geschieht pragmatisch, meist separativ – allenfalls mit Seitenblick auf das „Gesamtsystem Stadt“.

Hartmut Leser

Landespflege

Die Landespflege ist ein breit angelegtes Fachgebiet, das aus Natur- und Kulturwissenschaften,den Geographien, den Planungs- und Ingenieurwissenschaften sowie der Gartenarchitektur schöpft. Der Ursprung ist in der vom aufklärerischen Gedankengut getragenen Landesverschönerung um den Beginn des 19. Jahrhunderts anzusetzen. Das Nützliche sollte mit dem Schönen in optimaler Weise verknüpft werden. Robert Mielke schlug 1907/08 vor, statt Landesverschönerung den Begriff Landespflege zu verwenden, inhaltlich erweitert um Aspekte des Heimatschutzes. Doch war die Landespflege nie nur bewahrend. In der NS-Zeit erklärte man die Landespflege zur Staatsaufgabe (Erhard Mäding), mit deren Hilfe neuartige „deutsche“ Landschaften geschaffen werden sollten, dies insbesondere in den besetzten Gebieten im Osten. Nach dem Krieg und bis in die 1980er-Jahre wurde die Landespflege, nun zunehmend auch auf wissenschaftlicher Basis, zu einer Art Überdisziplin, die ein sehr breites Aufgabenfeld abzudecken hatte, getragen von Lehrstühlen an den Hochschulen, Referendariatsausbildungen, Fachleuten in den Verwaltungen und Planungsbüros. Der zu breite, kaum vermittelbare Anspruch an das Fachgebiet, aber auch ein Stück weit die Bürde aus der NS-Zeit führten zu einer Zerteilung und Umbenennung in Naturschutz und Landschaftspflege, Landschaftsplanung, Landschafts- und Gartenarchitektur, Umweltplanung oder Ingenieurökologie und -biologie.

Werner Konold

Freiraumplanung

Der Begriff Freiraumplanung wurde in den 1970er Jahren als sozialwissenschaftliche Gegenposition zu naturwissenschaftlichen und gestalterischen Schwerpunkten der akademischen Ausbildung und Berufspraxis geprägt. Das Selbstverständnis der Freiraumplanung leitet sich von in der Weimarer Zeit etablierten Ansätzen einer systematischen Versorgung der Stadtbevölkerung mit zur Erholung und im Alltagsleben nutzbaren Freiflächen ab. Der Begriff wird heute im institutionellen Kontext für Planungen im Quartiers- oder gesamtstädtischen Maßstab oder für eine sozialwissenschaftliche Orientierung verwendet.

Stefanie Hennecke

Landschaftsarchitektur

‚Landschaftsarchitektur‘ als spezifischer Berufsstand und berufsspezifische Disziplin begegnet in Praxis und Theorie in Gestalt der drei Subdisziplinen Landschaftsplanung, Freiraumplanung und Landschaftsarchitektur im engeren Sinne einer Entwurfsdisziplin. Obwohl ‚Landschaft‘ in der Disziplinbezeichnung enthalten ist, bleibt unklar, wie die drei Disziplinen ungeachtet eines differenzierten Aufgabenspektrums zusammengehören. Ein Blick auf die Geschichte des Faches mit ihren Ursprüngen in literarischen Topoi, Landschaftsbildern, in der Gartenkunst, der Landesverschönerung und der Landespflege skizziert die historischen und systematischen Hintergründe der Dreiteilung und gibt Hinweise auf eine mögliche Integration.

Karsten Berr

Landschaftsplanung

Landschaftsplanung ist das zentrale Instrument zur räumlichen Konkretisierung und Verwirklichung der Ziele und Grundsätze von Natur, Landschaft und landschaftsgebundener Erholung. Sie hat eine ganzheitliche Betrachtung der Mensch-Umwelt-Beziehungen im Fokus. Handlungsgegenstände der Landschaftsplanung sind die Naturgüter Luft und Klima, Wasser, Gestein und Boden, die wild lebenden Tiere und Pflanzen, Lebensgemeinschaften und Biotope sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft und ihr Erholungswert. Die Landschaftsplanung ist im Bundesnaturschutzgesetz und ergänzend bzw. abweichend in den Landesnaturschutzgesetzen der Länder rechtlich verankert. Landschaftspläne stellen die Fachpläne für den Naturschutz dar und liefern naturschutzplanerische Beiträge für alle Ebenen der räumlichen Gesamtplanung (Landesentwicklungs-, Regional- und Flächennutzungsplanung) sowie wichtige Informationen für andere Planungsinstrumente, wie bspw. Umweltverträglichkeitsprüfungen. Aktuelle Herausforderungen stellen eine verstärkt prozessorientierte Teilhabe der Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung dar. Mit einer modular aufgebauten Herangehensweise kann die Landschaftsplanung aktuellen und zukünftigen Herausforderungen, wie bspw. innerörtlichen Aspekten, Klimawandel, Kulturlandschaftswandel und demographischer Wandel, bedarfsgerecht begegnen.

Gottfried Hage, Christiane Bäumer

Landschaft als Belang der Regionalplanung

In Regionalplänen fallen die Begriffe Landschaft(schutz), Landschaftswandel und Landschaftsentwicklung in erster Linie im Kontext von Natur- und Freiraumschutz. Wird Landschaft direkt adressiert, liegt der Schwerpunkt auf der Sicherung (historisch) bedeutsamer Landschaften. Eine offensive Landschaftspolitik, die den Grundsätzen des ROG und den MKRO-Leitbildern Rechnung trägt, findet bislang erst in Ansätzen Niederschlag in der Regionalplanung. Im Beitrag werden Wege aufgezeigt, Landschaft als Schutzgut und Belang in der Regionalplanung zu stärken.

Andrea Maria Hartz

Landschaft und Regionalentwicklung

Die Bedeutungen von Landschaft für die Regionalentwicklung sind vielfältiger Natur. So bilden Landschaften eine mögliche Grundlage für Prozesse der Regionalisierung, weil in ihnen Homogenitätsmerkmale gesehen werden, die der Zusammengehörigkeit bzw. Identität der Bevölkerung dienen können. Weiterhin wird in Landschaften ein Potential gesehen, das sich für die Entwicklung von Regionen in Wert setzen lässt. Im Vordergrund stehen dabei die Qualitäten von Landschaften als weiche Standortfaktoren, denen gleichermaßen im Blick auf Wirtschaft und Bevölkerung Bedeutung beigemessen wird. Im Zuge des Nachhaltigkeitsdiskurses werden Landschaften schließlich zur Projektionsfläche und zum Handlungsraum nachhaltiger Entwicklungsstrategien, über die Einfluss auf die räumliche Entwicklung zu nehmen versucht wird.

Ingo Mose

Landeskunde und Landschaft – eine kritische Betrachtung

Die in der Vergangenheit enge Verbindung von geographischer Landeskunde und Landschaft hat sich infolge der Paradigmenwechsel in der Geographie seit den 1970er Jahren weitgehend aufgelöst. Sowohl Landeskunde als auch Landschaft traten in den Hintergrund des konzeptionellen Interesses. Erst seit den 2000er Jahren erfolgt eine gewisse Neubesinnung auf einzelne Aspekte von Landschaft, nunmehr verstanden als Ergebnis gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse wie auch auf Landes-/Länderkunde mit Fokus auf eine relationale Perspektive und in Netzwerken stattfindende Austauschprozesse.

Hans Gebhardt

Metaperspektivische Zugänge zu Landschaft

Frontmatter

Die Sozialisation von Landschaft

Der Terminus der Sozialisierung beschreibt die Einführung des Individuums in die Welt der Deutungen, Wertungen, Normen, Werte und Rollenerwartungen der Gesellschaft. Wird Landschaft nicht als ‚objektiv vorhandener‘ physischer Gegenstand verstanden, sondern als individuelle Konstruktion, die auf Grundlage gesellschaftlicher Konventionen in physische Räume ‚hineingeschaut‘ wird, rückt die Frage nach der Vermittlung und Internalisierung gesellschaftlicher Deutungs- und Bewertungsmuster in das Zentrum wissenschaftlichen Interesses. Die landschaftliche Sozialisation lässt sich dabei nicht als kontinuierlicher Prozess verstehen, sondern sie vollzieht sich in Phasen, in denen unterschiedliche emotionale, funktionale, ästhetische und kognitive Bezüge hergestellt werden.

Olaf Kühne

Interkulturelle Konstruktion

Landschaft wird als Ergebnis soziokultureller Konstituierung verstanden. In Bezug auf vielfältige Mosaikgesellschaften sind Landschaftswissenschaft und -praxis gehalten, Empfindungsweisen, Denkformen, Vorstellungen, Deutungen von Landschaft mittels interkultureller Zugänge kennenzulernen. Die Zunahme von gesellschaftlicher Diversität, also das Verhältnis von individuellen, sozialen und strukturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden in Bezug auf Menschen und sozialen Gruppen ist ein prägendes Phänomen für das 21. Jahrhundert. Begleitet von dem Verlust der Aussagekraft zu nationaler Vergangenheit, Religion, Weltanschauung, Verhaltens- und Wahrnehmungsmustern und abzielend auf die Erklärung der Pluralität gesellschaftlicher Strukturen wird der Begriff Mosaikgesellschaften herangezogen. Respektvoll ist jeder Kultur zu begegnen, die sich differenzierend auswirkt; finden sich darin doch oft mehrere tausend Jahre alte Entwicklungen von großer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung. Grundlegende kulturelle Eigenschaften werden mehr oder weniger überlagert durch Einstellungen und Wertvorstellungen ändernde Ereignisse wie Migration, Flucht und Katastrophen (Bruns und Münderlein 2016). Zur kulturell sensiblen wissenschaftlichen und praktischen Befassung mit Landschaft gehört auch ein sorgsamer Umgang mit Landschaftsbegriffen. Gesellschaftlich speziell von Interesse sind Bedarfe, Anforderungen und Werte, die Menschen an verschiedene Teile ihrer räumlichen Umgebung und deren Beschaffenheit knüpfen. Beim Umgang mit Landschaft ist Sorge dafür zu tragen, dass Landschaftswahrnehmung und -ansprüche aller Teile pluralistischer Bevölkerungen in raumrelevante Gemeinwohl-Entscheidungen einfließen.

Diedrich Bruns, Daniel Münderlein

Macht und Landschaft

Macht ist auf den unterschiedlichen Ebenen – und eigens zwischen – den unterschiedlichen Ebenen von ‚Landschaft‘ relevant: Dies gilt einerseits für die Frage, wie – unter der Nutzung von Machtkommunikation – gesellschaftliche Deutungs- und Bewertungsmuster von Landschaft entstehen, wie diese im Zuge der Sozialisation an das Individuum vermittelt werden und wie dieses sich mit diesen arrangiert (oder nicht). Darüber hinaus aber auch der Frage nachgegangen, aufgrund welcher gesellschaftlicher Machtverteilung materielle Manifestationen erfolgen und wie diese wiederum gesellschaftlich differenziert gedeutet und bewertet werden, auch aus unterschiedlichen weltanschaulichen und wissenschaftstheoretischen Perspektiven.

Olaf Kühne

Heimat und Landschaft – zu einem eng relationierten Verhältnis

‚Heimat‘ hatte bereits im Laufe der Geschichte mehrfach Konjunktur – so auch wieder zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Entpolitisiert und repolitisiert verbinden sich mit dem sozialen Konstrukt vielfältige Kontroversen. Gleichzeitig ist der Terminus im Alltag stark verankert, gerade durch eine enge Verbindung zu ‚Landschaft‘. In Zeiten von Globalisierung und Postmoderne geben ‚heimatliche Normallandschaften‘ Halt, womit gegen Veränderungen teilweise umso massiver Widerstand geleistet wird. Im vorliegenden Artikel wird entsprechend das Verhältnis von Landschaft und Heimat beleuchtet und diskutiert.

Florian Weber, Olaf Kühne, Corinna Jenal

Moral und Ethik von Landschaft

Während ‚Moral‘ ein System von das Handeln des Menschen bestimmenden Regeln und Werten beschreibt, wird unter ‚Ethik‘ die Reflexion der Moral verstanden. Auch Landschaft steht im Fokus moralischer Urteile. Insbesondere die Veränderung der materiellen Grundlagen von Landschaft unterliegt negativen moralischen Wertungen. Die Problematik solcher Wertungen liegt eigens darin, dass eine sachliche Diskussion über solche Veränderungen erschwert wird. Ethische Reflexion auf solche Wertungen kann die spezifische Logik und den Wirkmechanismus des Wertens und moralisierender Urteile aufklären, kaschierte oder verborgene normative Voraussetzungen solcher Urteile kenntlich machen und die Frage nach deren Verallgemeinerungsfähigkeit stellen. Insgesamt kann Ethik in diesem Sinne auch zu einer Versachlichung in moralisch aufgeladenen Diskussionen um Landschaftsveränderungen beitragen.

Karsten Berr, Olaf Kühne

Landschaftskonflikte

Die Konflikte um diejenigen Räume, die gesellschaftlich als ‚Landschaft‘ gedeutet werden, sind so zahlreich und vieldeutig, wie der Terminus ‚Landschaft‘ selbst: Häufig manifestieren sich in solchen Konflikten unterschiedliche Ansprüche, Einschreibungen und Deutungen zu dem, was als ‚Landschaft‘ zusammengeschaut werden kann bzw. darf. Schon in der Vergangenheit gab es entsprechende Landschaftskonflikte, gegenwärtig entzünden sie sich meistens an der Divergenz zwischen neuartigen Nutzungen oder Nutzungsansprüchen und vertrauten landschaftlichen Seherwartungen. Charakteristisch sind eine Ästhetisierung und Moralisierung entsprechender Diskurse oder Konflikte, die eine mögliche Konfliktregelung erschweren.

Karsten Berr, Corinna Jenal, Hannah Kindler

Politische Weltanschauungen und Landschaft

Politische Weltanschauungen bestimmen nicht nur, wie Landschaften genutzt und gestaltet werden, sondern auch, was unter einer Landschaft verstanden wird und wie Landschaften wahrgenommen und bewertet werden. Der Beitrag rekonstruiert diese Zusammenhänge für in Europa historisch und/oder aktuell einflussreiche politische Weltanschauungen: für die liberalistische und demokratistische Aufklärung, für den Konservativismus sowie den Sozialismus und Nationalsozialismus. Dabei liegt der Schwerpunkt auf ästhetisch-symbolischen Landschaftswahrnehmungen.

Thomas Kirchhoff

Politische Geographie und Landschaft

Im vorliegenden Beitrag wird zunächst der Raumbegriff der Politischen Geographie entwickelt und in die politischen Aushandlungsprozesse um Landschaft eingeordnet. Wird Landschaft nicht einfach als physischer Raum betrachtet, sondern als räumliche Repräsentation im Spannungsverhältnis zwischen Gesellschaft, Macht und Raum, so wird deutlich, dass sie längst Teil hegemonialer politischer Ordnung geworden ist. Die Politische Geographie widmet sich in diesem Kontext der Analyse und Dekonstruktion räumlicher Repräsentationen um Landschaft und zeigt, wie diese gesellschaftlichen Strukturen von Hegemonie und Herrschaft reproduzieren. Im Fokus stehen drei zentrale Konzepte der Politischen Geographie: Macht, Wissen und Identität.

Lisa Ellmers

Gouvernementalität

Die Gouvernementalitätsperspektive ermöglicht es, Landschaften, Identitäten, Problembeschreibungen, politische Zielvorstellungen, institutionalisierte Handlungsweisen sowie die vielfältigen Ansätze der Handlungsbeeinflussung und Persönlichkeitsentwicklung in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und historischen Bedingtheit zu analysieren. Gouvernementalitätsforschung kann zum Ausgangspunkt von Gesellschaftskritik werden und die Selbstreflexion von Planer~innen, Politiker~innen, zivilgesellschaftlichen Akteur~innen und anderen landschaftsrelevanten Personen unterstützen.

Markus Leibenath

Landschaft und Governance

Governance bedeutet Steuern und Koordinieren mit dem Ziel des Managements von Interdependenzen zwischen kollektiven Akteur~innen. Governance-Prozesse überschreiten die Grenzen von Staat und Gesellschaft, die in der politischen Praxis fließend geworden sind. Für die Landschaftsforschung bietet der Governance-Ansatz einen Mehrwert, weil er erstens eine Mehrebenen-Perspektive auf die Rolle des kollektiven Handelns bei der Konstruktion von Landschaften erlaubt und weil er zweitens ermöglicht, spezifische Governance-Formen in den Blick zu nehmen, die hierbei wirksam sind.

Ludger Gailing

Sprache und Landschaft

In der Linguistik und auch außerwissenschaftlich ist der Terminus der „Sprachlandschaft“ geläufig. Zwei verschiedene Verwendungen müssen jedoch unterschieden werden: Zum einen diejenige, welche auf der auditiven Rezeption gesprochener Sprache in der untersuchten bzw. eigenen Sprachumgebung basiert; zum anderen diejenige, welche auf der visuellen Rezeption von Schriftsprache im öffentlichen Raum beruht. Beide Arten der Sprachlandschaft enthalten unterschiedliche Implikationen für die Sprecher~innen, aber auch für die Methodik und Fragestellungen der Linguist~innen, die sich damit beschäftigen.

Hans-Jörg Döhla

Landschaftsästhetik

Landschaftsästhetik aus konstruktivistischer Perspektive untersucht ästhetische Zuschreibungen von Landschaftskonstrukten, die in Zeiten flächenintensiver räumlicher Wandlungsprozesse eine große gesellschaftliche Rolle spielen. Dabei wird das Ästhetische nicht als Eigenschaft eines Raumes verstanden, sondern als soziale Konstruktion. Diese ästhetische Konstruktion von Landschaften unterliegt einem individuellen Interpretationsprozess und handelt von der Erfassung und der Bewertung verschiedener ästhetischer Empfindungen. Die ästhetische Zuschreibung ist darüber hinaus nicht statisch, sondern wandel- und auch beinflussbar.

Simone Linke

Atmosphären und Landschaft

Der Beitrag zeichnet Forschungsperspektiven einer am Erleben von Landschaften interessierten Landschaftsforschung auf, die auf dem Atmosphärenbegriff aufbaut. Er geht dabei nicht in erster Linie von einem Verständnis von Atmosphären als Entitäten aus, sondern von der dem Atmosphärenbegriff zugrundeliegenden Konzeption der menschlichen Sinnlichkeit und Leiblichkeit. Nach einer Skizze dieser Konzeption werden vier Forschungsperspektiven aufgezeichnet, die das Erleben von Landschaften als Teil einer lebendigen Begegnung mit ihnen untersucht.

Rainer Kazig

Iconoscape – Bestimmungen eines neuen Forschungsbegriffs für neue Formationen von Landschaftsbildlichkeit

Der Begriff Iconoscape will Landschaftszugänge v. a. dahingehend bestimmen, dass im Zuge von Medienentwicklungen und -nutzungen ein, ästhetisch wie technologisch geprägtes, Bild-Raum-Kontinuum entsteht und dass Raumverbildlichung komplex, teils paradox mit physischer Raumgestaltung zusammenwirkt.

Lutz Hengst

Natur und Landschaft

Die Begriffe Natur und Landschaft sind sowohl alltagsweltlich als auch fachlich eng miteinander verbunden. Dabei stellt ‚Landschaft‘ einen spezifischen, insbesondere räumlich und ästhetisch kodierten Zugang zu ‚Natur‘ dar. In diesem Beitrag wird ein Verständnis von Landschaft als gesellschaftliche Naturverhältnisse im Raum entfaltet, das naturalistische und soziozentrische Reduktionismen kritisch reflektiert und nach der materiellen, symbolischen und normativen Vergesellschaftung von ‚Natur‘ als Landschaft fragt.

Tanja Mölders, Sabine Hofmeister

Naturschutz

Naturschutz wird in dem Artikel als ein Konstrukt gesehen, das sich aus einem gesellschaftlichen Diskurs seit dem 19. Jahrhundert herleiten lässt. Es ergibt sich daraus eine Verbindung durchaus verschiedener, z. T. entgegengesetzter Ansprüche und Zielvorstellungen, wie am Vergleich des Schutzes traditioneller Agrarlandschaften mit dem Prozessschutz erläutert wird. Schließlich ist Naturschutz in Mitteleuropa neben diversen Verschlechterungen aber auch durchaus eine Erfolgsgeschichte, wie an der Zunahme der Bestände zahlreicher ursprünglich bedrohter größerer Säuger- und Vogelarten dargelegt wird. – Über seine unmittelbare Wirksamkeit hinaus ist Naturschutz aber auch ein maßgeblicher Faktor in der Landschaftsgestaltung.

Klaus-Dieter Hupke

Landschaft und Gesundheit

Ideen von Landschaft als Quelle von Gesundheit reichen weit in die Vergangenheit zurück und sind in Forschung und Praxis aktuell wie je zuvor, meist eng verbunden mit Wohlbefinden und Glück. Auf Konzeptualisierungen der Begriffe Landschaft, Gesundheit, Wohlbefinden und Glück aufbauend werden nachfolgend Grundzüge der Wechselbezüge zwischen diesen Konzepten in Forschung und Praxis umrissen, mit besonderem Schwerpunkt auf der räumlichen Planung. Zwischen wissenschaftlichen und angewandten Zugängen existieren Parallelen, aber auch Diskrepanzen, welche es genauer zu betrachten und in größere Zusammenhänge einzuordnen gilt.

Daniel Münderlein, Diedrich Bruns

Methoden der Landschaftsforschung und -praxis

Frontmatter

Landschaft im amtlichen Geoinformationswesen

Der Begriff Landschaft ist im amtlichen Geoinformationswesen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) durch Standards definiert, die aus den praktischen Erfordernissen der Landesvermessung abgeleitet werden. Um den gesetzlichen Auftrag der Landesvermessung umzusetzen, enthält das Digitale Landschaftsmodell (Basis-DLM) eine Auswahl kategorisierter Objekte der Topographie, die als topographische Merkmale behördlich verwaltet und fortgeführt werden. Weitere einschlägige Ausprägungen von Landschaften werden durch Digitale Höhenbzw. Geländemodelle wiedergegeben. Zudem dienen 3D-Stadtmodelle mit unterschiedlichen Detailgraden zur Darstellung urbaner Landschaften. Dieser Beitrag stellt diese amtlich geführten Beispiele zur Repräsentation von Landschaften vor.

Dennis Edler, Frank Dickmann

Mobile Methoden und fotobasierte Forschung zur Rekonstruktion von Landschaft(sbiographien)

Aus der Konzeptualisierung von Landschaft als eine Art, die Welt zu betrachten, und der damit einhergehenden Zusammenschau gemäß individuell erlernter sozialer Konventionen ergeben sich zahlreiche methodische Herausforderungen zur Rekonstruktion individueller Weltanschauungen und landschaftlicher Sehgewohnheiten. Fotografie-basierte Forschungsmethoden und mobile Methoden wie Go-Along Interviews eignen sich für diese Aufgabenbereiche in besonderem Maße. Vorliegender Artikel verschafft einen Überblick zu diesen Methoden und ordnet sie im Zusammenhang mit wahrnehmungsbasierter Forschung ein.

Daniel Münderlein, Olaf Kühne, Florian Weber

Landschaft und Partizipation: Landschaft fokussiert zur Sprache bringen – effektives Verfahrensdesign

Der Beitrag macht deutlich, wie neue Formen der Steuerung und Koordination (Governance) von der lokalen bis zur regionalen Ebene dazu beitragen können, zentrale planerische Herausforderungen der langfristigen Landschafts- und Freiraumentwicklung in Metropolregionen zu bewältigen. Für die verschiedenen Beteiligungsstufen werden überblicksartig Verfahrensformate sowie ein Vorgehen zur fokussierten Gestaltung von Beteiligungsprozessen vorgestellt. Es wird insbesondere darauf eingegangen, welche Zielklärungen zu Beginn eines partizipativen Verfahrens stehen müssen, um ein effektives und effizientes Verfahrensformat zu entwickeln, das qualitätsvolle Ergebnisse generiert.

Kerstin Langer

Online-Partizipation und Landschaft

Kommunikation gilt als Schlüssel, sich der Wahrnehmung von Landschaften zu nähern. In der räumlichen Planung wird Beteiligung, als Mittel angesehen, um mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen, zu lösen oder vorzubeugen. Online-Partizipation bietet in Bezug auf das Thema Landschaft besondere Chancen und Grenzen. Dementsprechend empfiehlt sich auch bei landschaftlichen Themen ein Methoden- und Medienmix, der abgestimmt ist auf den vorhandenen Kontext, das Ziel der Beteiligung und die Planungsphase.

Franziska Bernstein, Lucas Kaußen, Boris Stemmer

3D-Visualisierung von Landschaft – Ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen

3D-Visualisierungen von Landschaften gibt es seit der Erstellung der ersten Blockbilder. In der Vergangenheit vor allem analog (Schaubilder, Reliefkarten, Globen etc.). Die Zukunft der 3D-Visualisierung von Landschaften ist digital. Daher beschäftigt sich dieser Beitrag mit den gegenwärtigen Begriff lichkeiten, den Möglichkeiten, bzw. Methoden. Dies wird exemplarisch an einem Workflow zur Erstellung einer 3D-Landschaft mit frei verfügbarer Software gezeigt. – Es erfolgt eine Darlegung von etwaigen An- und Herausforderungen (1) für die Zwecke der 3D-Visualisierung von Landschaften. Des Weiteren soll ausgeführt werden, welche Software-Tools hierfür zur Verfügung stehen (2), welche (Geo-)Daten (3) benötigt werden und welche Workflows (4) zum Erfolg führen könnten.

Mark Vetter

Untersuchungsfelder der Landschaftsforschung

Frontmatter

Landschaftsmalerei

Seit der Antike gibt es gemalte Abbildungen oder bildlich fixierte Imaginationen der den Menschen umgebenden Natur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. In Landschaftsbildern ist festgehalten, was zu ihrem Entstehungszeitpunkt als schön oder interessant erachtet wurde. Die Landschaftsmalerei ist deshalb eine wichtige Quelle für die Wahrnehmung und Formung der Natur durch den Menschen. Landschaftsbilder sind nicht nur Ausdruck ästhetischer Empfindungen, sie prägen diese auch. Als Bezeichnung einer spezifischen Bildform hat sich der Terminus „Landschaft“ erst spät durchgesetzt. Als Gattungsbegriff war er spätestens 1604 etabliert, als Karel van Mander in dem, seinem Schilder-Boeck vorangestellten, Lehrgedicht für die malende Jugend der Landschaftsmalerei ein eigenes Kapitel widmet.

Nils Büttner

Landschaftsgarten

Der Landschaftsgarten bildet einen gartenkünstlerischen Stil, der sich ab ca. 1720 von England ausgehend verbreitet und bis ca. 1890 das vorherrschende Prinzip der Gartenkunst in Europa und Übersee darstellt. Seine Stilprinzipien beruhen auf einer bildhaft gedachten Verschönerung der Natur mit gärtnerischen und raumkünstlerischen Mitteln. Von Beginn an wohnten dem Modell philosophische Ideen von Freiheit und Utopie inne, die über Bauwerke politisch aufgeladen werden. Mit dem Aufzug der Moderne erweist sich der Landschaftsgarten als dysfunktional, doch bleiben naturnahe Gestaltungsweisen aktuell.

Stefan Schweizer, Henrike von Werder-Zyprian

Nicht-visuelle Landschaften

Eindrücke von Landschaften umfassen nicht nur visuelle Phänomene, sondern werden ebenfalls von nicht-visuellen Sinnesreizen mitgestaltet. Insbesondere akustische und olfaktorische Empfindungen werden seit den 1960er Jahren verstärkt in die Landschaftsforschung eingebunden. Dieser Beitrag fasst Entwicklungen zur akustischen und olfaktorischen Raumdimension zusammen und stellt einschlägige Ansätze ihrer methodischen Erfassung und kartographischen Wiedergabe vor.

Dennis Edler, Olaf Kühne

Landschaft in der Literatur

Landschaft als vom Menschen subjektiv wahrgenommener Naturausschnitt wird im Lauf des späten 18. Jahrhunderts zu einem zentralen Motiv der Literatur und erfährt in der Folge zahlreiche Ausformungen. Hintergrund ist zum einen der neue ästhetische Reiz, den das Landschaftserlebnis – nicht zuletzt dank des Einflusses der Landschaftsmalerei – erzeugen kann. Zum anderen aber die Möglichkeit, das Verhältnis zwischen Individuum und Welt, das für die Landschaft konstitutiv ist, im Medium des Textes zu reflektieren und zu hinterfragen.

Carina Jung

Filmlandschaft

Der vorliegende Beitrag verweist auf eine besondere Form landschaftlicher Betrachtung: den sog. Filmlandschaften und sucht einen speziellen Aspekt wahrnehmungsgeographischer Betrachtung aufzuzeigen. Die Frage nach der Funktion bzw. Rolle von Landschaft für das Kino, bzw. den Film und in der Folge auch für die Rezipient~innen steht dabei im Mittelpunkt.

Stefan Zimmermann

Tourismus und Landschaft

Landschaft – materiell oder als Konstruktion verstanden – ist Grundlage für den Tourismus. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit Landschaft kann für die Tourismusforschung daher gewinnbringend sein. Dieser Beitrag verbindet sozialwissenschaftliche Analysen des Tourismus mit landschaftstheoretischen Überlegungen und macht einen Vorschlag, wie sich Zusammenhänge zwischen Landschaft und Tourismus systematisch untersuchen lassen.

Erik Aschenbrand

Landschaft in Schulbüchern

Das Thema ‚Landschaft‘ befasst die Kulturgeographie aus essentialistischer Perspektive seit jeher. Gegenwärtig rückt die Landschaftsthematik insbesondere in den Fokus des Sozialkonstruktivismus. Da Landschaften den Rahmen für sämtliche Lebensbereiche bilden, sehen sich die Bildungseinrichtungen in der Pflicht, das Konstrukt ‚Landschaft‘ mit all ihren Facetten näher auseinanderzusetzen. Auch in den saarländischen Lehrplänen und Gymnasiallehrwerken sind Landschaftsbetrachtungen Bestandteil des Geographiekonzepts, wobei die aktuelle Schwerpunktsetzung stärker dem physisch-geographischen als dem kulturgeographischen Ansatz zuzuordnen ist.

Dominique Fontaine

Kulturlandschaft

Der Beitrag gibt zunächst einen Überblick über verschiedene Kulturlandschaftsverständnisse, die sich in der aktuellen Literatur finden und dort diskutiert werden. Über diesen einführenden Teil hinaus wird gezeigt, dass Kulturlandschaften im 21. Jahrhundert überwiegend als globalisierte Kulturlandschaften zu begreifen sind. Abschließend plädiert der Autor dafür, Kulturlandschaften verstärkt als Reflexionsobjekte gesellschaftlicher Lebens- und Wirtschaftsweisen zu nutzen, um diese nachhaltiger zu gestalten.

Stefan Heiland

Landschaft Drei

Die Landschaft Drei ist ein 1984 vom amerikanischen Landschaftsforscher John Brinckerhoff Jackson vorgeschlagenes Konzept, das Landschaft als dynamisches System menschengemachter Räume versteht. Es kann damit den zeitgenössischen Alltagslandschaften gerecht werden, was die klassische westliche Konzeption der Landschaft Zwei (Landschaft als Szenerie) laut Jackson nicht mehr vermag. Die Landschaft Drei hat enge Bezüge zur Landschaftsdefinition der Europäischen Landschaftskonvention und kann mit ihrem synthetischen Charakter produktive Impulse für die Landschaftsgestaltung im Anthropozän geben.

Martin Prominski

Wildnis und Landschaft

Landschaft als soziales Konstrukt wird gesellschaftlich und individuell mit spezifischen Bedeutungen aufgeladen. Wildnis wird in diesem Kontext als eine symbolische Gegenwelt zur kulturellen Ordnung gesehen. Im Gegensatz zu alltagsweltlichen und individuellen Konstruktionen sind im wissenschaftlichen Kontext zwei deutlich differierende Wildnisbegriffe zu unterscheiden: einerseits das Wildniskonzept des Naturschutzes; andererseits der sozialkonstruktivistisch geprägte Ansatz.

Heidi Elisabeth Megerle

Wald

Wald entwickelte sich unter dem Einfluss von Natur und Kultur in unterschiedlicher Weise, war aber stets von Dynamik geprägt. Dem steht die Idee eines stabilen Waldes gegenüber. Oft wird er mit Natur gleichgesetzt, doch ist er in Wahrheit seit Jahrtausenden von unterschiedlichen menschlichen Einflüssen immer wieder auf andere Weise verändert worden.

Hansjörg Küster

Küstenlandschaften

Küstenlandschaften sind durch ihre Lage zwischen Land und Meer definiert und werden von Küsten bestimmt, die – sofern sie nicht durch anthropogene Eingriffe fixiert wurden – hoch dynamisch und einem ständigen Wandel unterworfen sind. Küsten bilden keine eindeutige Linie „zwischen Land und Meer“ und in Küstenlandschaften treffen zwei unterschiedliche Dynamiken aufeinander: die sich stets verändernde Umwelt und die Suche des Menschen nach Konstanz. Die Wattenmeerküste liefert ein anschauliches Beispiel für eine derartige dynamische Küstenlandschaft, die sowohl von materiellen Veränderungen als auch sich wandelnden Bedeutungszuschreibungen geprägt ist. Die Herausforderung liegt darin, mit den Dynamiken der Landschaft umgehen zu lernen.

Beate Ratter, Cormac Walsh

Landschaft und Gebirge

Die physischen Grundlagen der Alpenlandschaft zeichnen diverse Nutzungsinteressen aus. Einerseits hat der Tourismus vielen Alpentälern Wohlstand gebracht, andererseits verdrängt er teilweise die traditionelle landwirtschaftliche Nutzung. Mit der Etablierung von erneuerbaren Energien bekommen einzelne Gebiete neue Bedeutungen zugeschrieben. Diese verschiedenen Nutzungen spiegeln sich in den physischen Objekten wider und werden auf verschiedene Weise in die Landschaftskonstruktionen eingebettet.

Rike Stotten

Stadtnatur

Städte wurden lange im Gegensatz zur Landschaft gesehen, „Landschaft“ dient bis heute als Synonym für „Natur“. Der Begriff „Stadtnatur“ bedarf deshalb einer genaueren Definition. Der Text gibt einen Überblick darüber, was unter „Stadtnatur“ verstanden wird, wie sich die Forschung darüber entwickelt hat und welche Elemente dies heute umfasst. Die Funktionen der Stadtnatur und ihre Rolle in der Stadtentwicklung werden vorgestellt. Abschließend geht es um die symbolische Bedeutung der Stadtnatur und deren Veränderungen im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung.

Jörg Dettmar

StadtLandschaft

Der Begriff StadtLandschaft ist vieldeutig. Er beschreibt erstens die Verbindung von ‚Stadt‘ und ‚Land‘ auf der Ebene von Raum- und Siedlungsstrukturen sowie zweitens Hybridisierungen von Urbanität und Ruralität als städtisch und ländlich gedeutete Lebensweisen. Schließlich verweist der Begriff Landschaft darauf, dass neue Verbindungen und alte Trennungen zwischen Stadt und Land immer auch mit spezifischen kulturhistorischen Deutungen von ‚Natur‘ einhergehen. StadtLandschaften lassen sich deshalb als verräumlichtes Ergebnis sozial- ökologischer Transformationsprozesse lesen.

Sabine Hofmeister, Tanja Mölders

Die Landschaft der Zwischenstadt

Der Beitrag gibt einen einleitenden Überblick über Thomas Sieverts Buch Zwischenstadt und skizziert kurz dessen Wirkungsgeschichte und Kritik. Leitend ist dabei die These, dass für Sieverts die ‚Landschaft‘ der Schlüssel zur Wahrnehmung und Gestaltung der Zwischenstadt ist. Der ‚Landschaft‘ traut Sieverts die Aufgabe zu, Identitätsträger und Bindeglied der anästhetisiert wahrgenommenen und fragmentierten Agglomerationsräume zu sein.

Vera Vicenzotti

Postmoderne Zugriffe und Differenzierungen von Stadt und Land(schaft): Stadtlandhybride, räumliche Pastiches und URFSURBS

Postmoderne Siedlungsentwicklungen werden seit rund drei Jahrzehnten debattiert. Im Vordergrund dieser Diskussionen steht eine ‚Netzwerkstruktur‘ postmoderner Siedlungsräume. Der vorliegende Beitrag setzt sich mit gegenwärtig eher graduellen Entwicklungen von Siedlungen auseinander. Im Fokus stehen stadtlandhybride Entwicklungen, mit denen unterschiedliche Mischungen von städtischen und ländlichen wie auch natürlichen und kultürlichen Entwicklungen gefasst werden. Diese lassen sich – räumlich differenziert – als unterschiedliche Kompartimente von Raumpastiches auffassen. Ein Beispiel dieser stadtlandhybriden Kompartimente im Raumpastiche stellen urbanizing former suburbs – ehemals suburbane Räume, die unterschiedlich funktional, sozial und strukturell urbanisiert werden – dar.

Olaf Kühne, Florian Weber

Landschaft und Wohnen

Wenn es um die Gestaltung von Wohnungen und Häusern geht, sind sowohl Lagen als auch Einrichtungskonzepte, die eine Vorstellung von Landschaft haben, sehr populär. Insbesondere die gedankliche Konstruktion eines Wohnen am Fluss und in den Bergen können als gesellschaftliche Prototypen gelten, die das Topoi der Landschaft in der Wohnwelt repräsentieren. Gesellschaftlich lässt sich das Wohnens in der rekonstruierten Landschaft auf Veränderungen in der räumlichen Organisation der Gesellschaft zurückführen. Für die erhöhten Ansprüche an die Mobilität des Einzelnen werden somit räumliche Refugien angeboten, um authentische Erfahrungen machen zu können und individuell eine eigene Erzählung von biographischer Kontinuität zu ermöglichen. Dies spiegelt sich in den Entwurfsprinzipien vor allem bei der Auswahl von Sicht-Perspektiven und Materialien wieder. Wohnräume werden mit der imaginierten Landschaft so verbunden, dass sie ein Blickregime etablieren, dass den Bewohner/innen erlaubt, selbstbestimmt und spielerisch mit dem Innen und Außen zu kommunizieren. Damit erhält das Individuum einen Raum und individuelle Kontrolle in einer fremdbestimmten Gesellschaft.

Frank Eckardt

Grüne Infrastruktur – ein innovativer Ansatz für die Landschaftsplanung

Grüne Infrastruktur ist ein neuartiger Ansatz für die Landschaftsplanung. Seine Innovationspotenziale bestehen in der umfassenden Sicht auf Natur und Landschaft, die ökologische, sozio-kulturelle, ästhetische und ökonomische Aspekte beinhaltet und vielfältige gesellschaftspolitische Ziele wie den Klimawandel oder sozialen Zusammenhalt aufgreift. Das breit aufgestellte und in Teilen vage Konzept bietet gerade aufgrund der Interpretationsmöglichkeiten Chancen, um die Entwicklung von Landschaften aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren und zu integrieren. Die Planung und Umsetzung von grüner Infrastruktur erfordert daher partizipative Ansätze, die sowohl verschiedene Disziplinen und Interessensgruppen einbeziehen, als auch zivilgesellschaftliches Engagement berücksichtigen und fördern.

Stephan Pauleit, Rieke Hansen, Martina van Lierop, Emily L. Rall, Werner Rolf

Landschaft aus ökonomischer Perspektive

Im aktuellen Diskurs werden ‚Landschaft‘ und ‚Wirtschaft‘ oft als Gegensätze gesehen. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass die menschlichen Einflüsse auf die Prägung der Landschaft in hohem Maße mit der ökonomischen Dynamik verknüpft sind. Landschaft ist dabei zugleich Ergebnis von bestimmten Schritten der Wertschöpfungskette wie auch Teil und Voraussetzung spezifischer Wertschöpfung. Des Weiteren stellt der Beitrag verschiedene Wege zur Monetarisierung der Funktionen von Landschaft vor.

Manuela Burkert, Tobias Chilla

Ökosystemdienstleistungen

Der Ökosystemdienstleistungs-Ansatz zielt auf eine umfassende ökonomische Bewertung aller Vorteile, die Naturprozesse und -produkte für Menschen haben. Diese Ökonomisierung kann politische Abwägungsprozesse unterstützen und den Naturschutz stärken, insbesondere, wo Natur ein öffentliches Gut darstellt. Sie birgt aber auch Risiken, vor allem, dass Wertschätzungen von Natur unberücksichtigt bleiben, die nicht in subjektiven Präferenzen gründen. Zudem ist die Konzeptualisierung von Natur als Ökosystem unangemessen, wenn es um ihre ästhetischen Qualitäten und symbolischen Bedeutungen geht.

Thomas Kirchhoff

Landschaft und Landwirtschaft

Die Landwirtschaft prägt über die bewirtschafteten Flächen die physischen Grundlagen der Landschaft Die Landschaftswahrnehmung der bäuerlichen Gemeinschaft ist geprägt vom Habitus, welcher sich im täglichen Handeln ausdrückt. Darüber hinaus sind bäuerliche Kulturlandschaften Konstrukte die eng verknüpft sind mit symbolischen Werten der bäuerlichen Gemeinschaft. Landschaft wird damit zum Spiegelbild der persönlichen Wertvorstellungen und beruflichen Fähigkeiten der landwirtschaftlichen Bevölkerung.

Rike Stotten

(Alt-)Industrielandschaften

Die Zusammenschau von physischen Objekten industrieller Provenienz zu ‚Landschaft‘ beziehungsweise ‚(Alt-)Industrielandschaft‘ kann als das Ergebnis eines reziproken sozialen Prozesses gewandelter gesellschaftlicher Kontexte einerseits, und den implizierten Transformationen im physischen Raum andererseits gedeutet werden. Wurden ‚Industrie‘ und ‚Landschaft‘ unter Rückgriff eines romantisch geprägten Landschaftsverständnisses zunächst als gegensätzliche Antipoden aufgefasst, unterliegen altindustrielle Objekte in postindustriellen Gesellschaften modifizierten Seh- und Interpretationsmustern, auf deren Grundlage gegenwärtig von ‚(Alt-)Industrielandschaften‘ gesprochen werden kann, ohne den Verlust sozialer Anerkennung fürchten zu müssen. Der vorliegende Beitrag fokussiert entsprechend zentrale Entwicklungslinien der Transformation veränderter Seh- und Deutungsmuster und fragt nach gegenwärtigen Entwicklungen und forschungsbezogenen Ausblicken.

Corinna Jenal

Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe und Landschaft

Kies, Sand, Quarz und Naturstein sind als mineralische Rohstoffe Bestandteil vielfältiger alltäglicher Lebensbereiche. Gegen deren Gewinnung richtet sich aber in Deutschland (zunehmend) Widerstand, insbesondere mit dem Verweis auf die ‚Verschandelung‘ und ‚Zerstörung der schönen Landschaft‘. Der Artikel beleuchtet entsprechende Argumentationszusammenhänge und arbeitet heraus, wie der ‚doppelte Landschaftswandel‘ physischer Grundlagen und divergierender Wahrnehmungen problematisiert wird.

Florian Weber, Olaf Kühne

Landschaft und der Ausbau der Windenergie

In den letzten drei Jahrzehnten wuchs die Zahl der Windenergieanlagen in Deutschland enorm, was Landschaften und deren Wahrnehmungen vielerorts verändert hat und kontrovers diskutiert wird. Die Einbindung landschaftsästhetischer Aspekte in die Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen wird als wichtig anerkannt, stellt die Planenden jedoch vor Herausforderungen. In Protesten um Windenergieprojekte spielt die Ablehnung der Landschaftsveränderung eine zentrale Rolle. Allerdings zeigen sich auch akzeptierende und klar befürwortende Einschätzungen windenergiegeprägter Landschaften.

Antje Otto

Stromnetzausbau und Landschaft

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und einer wachsenden Europäisierung der Strommärkte wird politisch-planungsbezogen in Deutschland die Notwendigkeit gesehen, die bestehenden Stromübertragungsnetze auszubauen. Auf diese Weise verändern sich mit dem primär avisierten Bau von Freileitungen bestehende Vorstellungen ‚heimatlicher Normallandschaften‘. In Verbindung mit weiteren Argumenten regt(e) sich massiver Widerstand. Der Artikel fokussiert vor diesem Hintergrund auf entsprechende Aushandlungsprozesse mit einem Schwerpunkt auf sich verändernde ‚Stromlandschaften‘.

Florian Weber

Großschutzgebiete und Landschaft

Großschutzgebiete in Deutschland (Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke) erfüllen vielfältige und komplexe Aufgaben mit spezifischen Schwerpunkten auf ‚Schützen‘ und ‚Nutzen‘ von ‚Natur und Landschaft‘. Welche ‚Landschaften‘ hierbei ‚bewahrt‘ bzw. ‚entwickelt‘ werden sollen, weist eine gewisse Bandbreite auf und kollidiert durchaus mit Vorstellungen von Besucher~innen, ob nun Einheimische oder Tourist~innen. ‚Natur Natur sein lassen‘ folgt bei Nationalparken dem Wildnisideal zugunsten unberührter ‚Naturlandschaften‘. ‚Kulturlandschaftsentwicklung‘ bei Biosphärenreservaten und Naturparken bringt wiederum die Frage mit sich, was Teil von ‚Landschaft‘ sein darf und was nicht, beispielsweise Windkraftanlagen – Aspekte, die im vorliegenden Beitrag beleuchtet werden.

Friedericke Weber
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