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Über dieses Buch

Das Handbuch stellt Grundlagen, Anwendungen und Perspektiven digitalisierten Lernens und Lehrens mit mobilen Endgeräten vor. Es behandelt theoretische Bezüge von Mobile Learning ebenso wie praktische Einsätze mobiler Endgeräte. Technologische Grundlagen, didaktische Designs mit Lernimplikationen und Einsatzmöglichkeiten von Mobile Learning in den verschiedenen Bildungskontexten – Schule, Hochschule, Aus- und Weiterbildung – werden erläutert genauso wie grundlegende Bestimmungen des Datenschutzes und des Copyrights. Das Handbuch spannt damit einen Bogen von der historischen Entwicklung bis hin zu zukünftigen Aussichten von Mobile Learning. Die Beiträge von 91 Autorinnen und Autoren fassen die zentralen wissenschaftlichen und für die Praxis relevanten Erkenntnisse über Mobile Learning zusammen, machen Potenziale und Veränderungen durch die zunehmende digitale Mobilität deutlich und geben Impulse für zukünftige Gestaltungsaufgaben hinsichtlich der Digitalisierung im Bildungsbereich.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Mobile Learning war bereits vor über zehn Jahren ein großes Trendthema im deutschsprachigen Raum und wird für die nächsten Jahre eines der spannendsten technologiebasierten Lernformate bleiben. Der mittlerweile etablierte Begriff steht für ein Lernen und Lehren mit mobilen Endgeräten, welches alle Bildungskontexte erreicht hat und aufgrund der ständigen technologischen Weiterentwicklungen kontinuierlich insbesondere didaktische Innovationen herausfordert.

Claudia de Witt, Christina Gloerfeld

Grundlagen/Stand

Frontmatter

Aus der Geschichte des mobilen Lernens: Strömungen, Trends und White Spaces

Das mobile Lernen befindet sich an einem Punkt, an dem es sich für die Zukunft zuverlässig vinstitutionalisieren und an Fragen der Entwicklung zeitgemäßer Lehr- und Lernmöglichkeiten beteiligen muss, um nicht den Anschluss an Überlegungen und Umsetzungen anderer und für Schule, Aus- und Weiterbildung relevanterer Disziplinen zu verlieren. Ein Blick auf die vergangenen knapp 20 Jahre zeigt auf, wie die Geschichte der Mobile Learning-Forschung bisher verlief, welche Schwerpunkte in der Forschung gesetzt wurden und noch gesetzt werden und welche Trends sich für die aktuelle und künftige Mobile Learning-Forschung abzeichnen.

Judith Seipold

Veränderungen in der Didaktik durch Mobile Learning

Über den Einsatz von mobilen Medien im Bildungskontext gibt es hitzige Diskussionen und viele Kontroversen. Das Spektrum der Meinungen, Unterrichtspraktiken und Forschungsschwerpunkte reicht von der Betrachtung von mobilen Medien als ein Stör- und Suchtfaktor bis hin zur Befürwortung von mobilen Medien als eine neue Kulturtechnik. Auch die Ergebnisse von Forschungsstudien zu mobilen Medien könnten kaum widersprüchlicher sein – während einige Studien negative Effekte in gesundheitlichen, gesellschaftlichen und kommunikativen Bereichen nachweisen, u. a. Kommunikationsstress, Burnout, abnehmende Empathie, Suchtverhalten und Cybermobbing, berichten andere Studien über positive Effekte der Nutzung von mobilen Medien, wie u. a. Pflege und Stärkung von sozialen Beziehungen, Zugang zu Informationen, Organisation des Alltags, erhöhte Aufmerksamkeit und Motivation. Ähnlich unterschiedlich sieht es mit dem praktischen Umgang mit mobilen Medien in der Bildung aus – in einigen Bildungskontexten werden Handys und Smartphones grundsätzlich verbannt, in manchen Fällen werden hauptsächlich Risiken präventiv thematisiert, in anderen Fällen wiederum findet eine systematische Integration in den Unterricht in Form von Mobile Learning statt. Der Einsatz von mobilen Medien zum Lernen und Lehren ist häufig mit veränderten didaktischen Ansätzen verbunden. Was verändert sich aber genau durch den Einsatz von mobilen Medien zum Lehren und Lernen? In diesem Beitrag werden Veränderungen in der Didaktik durch Mobile Learning auf drei verschiedenen Ebenen diskutiert, d. h. Ebene der Thematisierung des alltäglichen Umgangs, Ebene der didaktischen Integration von mobilen Medien in Lehr-Lernsituationen sowie Ebene der didaktischen Ansätze und Theorien mobilen Lernens. Dieser Beitrag baut auf ausgewählten Forschungsergebnissen und Praxisberichten zur Nutzung von mobilen Medien zum Lehren und Lernen auf und diskutiert diese mit Blick auf das neue Verständnis der Didaktik.

Ilona Buchem

Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit mobilen Endgeräten

In dem Beitrag werden die Rahmenbedingungen für die didaktische Auseinandersetzung mit Mobile Learning über alle Bildungsbereiche hinweg beschrieben und erörtert. Sie werden hier aus mediendidaktischer Perspektive als erweiterte Bedingungen des Bildungskontextes betrachtet, worunter in diesem Beitrag folgende Aspekte gefasst werden: Ausstattung und Nutzung sowie Digitalisierung von Lehren und Lernen mit Bezug auf Partizipation und Entgrenzung. Dabei wird hier der Sichtweise gefolgt, dass der Ansatz eines Mobile Learning als Konkretisierung eines allgemeinen Lehrens und Lernens mit Medien eine besondere Relevanz für die Auseinandersetzung mit den Bedingungen Kontext, Mobilität und Subjektorientierung im Sinne einer Mobilität der Lernenden für die Gestaltung von Lernumgebungen mit sich bringt.

Kerstin Mayrberger

Mobile Technik

Umgang und Aneignung anhand von vier Thesen

Wenn wir heute von Technik sprechen, dann denken wir nicht mehr an das Fließband, nicht mehr an die ‚Große Maschine‘. Heute ist die Rede von smarter Technik, von Industrie 4.0, von medialer Technik und auch davon, dass Medien uns bei der Vernetzung und bei der Bewältigung unseres vernetzten und mobilen Alltags nützlich sind. Der Stellenwert von Technik hat sich verändert. Technik ist näher am Menschen, und unser Handeln wird stärker durch Technik beeinflusst. In dem nachstehenden Beitrag geht es darum aufzuzeigen, welchen Stellenwert Technik heute hat. Weiter gilt es zu zeigen, wie Technik, die immer schon mit Rationalität, Potenzialität und Optionalität zu tun hat, sozialen Wandel in unserer Gesellschaft begünstigt. Die Eckpunkte dieses Wandels sind heute unter anderem die Entkopplung von fixen Zeiten und abgegrenzten Orten. Technik wird hier im Sinne der deutschen Techniksoziologie verwendet und mit Anwendung assoziiert. Eine Einheitlichkeit in der Definition von Technologie existiert im deutschen Sprachraum nicht (vgl. König 2009; Schäfers 1997; Lösch 2012; Ropohl 2009). Gelegentlich wird Technologie mit „Hervorbringen von Wissen“ verbunden; von Technologie ist auch die Rede, wenn Technikbereiche adressiert sind (Antriebstechnologie, Medientechnologie etc.). Insofern sind m. E. Technologie und Technik austauschbar; nachfolgend wird der Begriff Technik bevorzugt.

Claus Tully

Technologiekonzepte zur Unterstützung mobiler Lernszenarien durch Cloud Computing

„Cloud Computing“ hat die gesamte IT Landschaft in den letzten Jahren durch neue Architekturen und Servicemodelle nachhaltig verändert. Hieraus ergeben sich auch neue Möglichkeiten der technischen Unterstützung und Orchestrierung von Lernszenarien, insbesondere von mobil gestützten Lernanwendungen. In diesem Kapitel werden aus dieser Perspektive die Auswirkungen von Cloud Computing auf mobile Lernszenarien dargestellt. Hierzu wird zunächst eine Kategorisierung verschiedener Ausprägungen des Cloud Computing im Hinblick auf mobile Lernszenarien eingeführt. Im Folgenden werden spezifische Einsatzformen von Cloud Services in mobilen Lernszenarien herausgearbeitet. Diese werden durch Beispiele aus der Praxis illustriert und konkretisiert. Ein abschließendes Fazit stellt noch einmal die wesentlichen Zusammenhänge und Herausforderungen dar.

Marc Jansen, Lars Bollen, H. Ulrich Hoppe

Augmented und Virtual Reality: Stand der Technik, Nutzenpotenziale und Einsatzgebiete

Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Menschen mit tragbarer Hardware zur Darstellung von digitalen Inhalten bis hin zu virtuellen Welten, jedoch erst neueste Entwicklungen machen diese Technologien im praktischen Einsatz nutzbar. Der Einstieg von finanzstarken Global Playern in diesen Trend ist nur einer der Gründe, sich mit den Möglichkeiten mobiler Informationssysteme auch in Branchen jenseits der Spieleindustrie auseinanderzusetzen. Mit technologisch durch den privaten Konsumentenmarkt getriebenen Entwicklungen der Firmen Oculus VR und HTC existieren bereits erschwingliche Lösungen für Virtual Reality (VR). Diese großen VR-Hersteller sowie weitere Entwicklungen, beispielsweise im Open-Source-Bereich, werden in diesem Beitrag durch einen aktuellen Stand der Technik präsentiert und verglichen. Darauf folgend werden insbesondere Potenziale für die digitale Aus- und Weiterbildung in verschiedenen Bildungskontexten beleuchtet.Neben Virtual Reality bietet Augmented Reality (AR) ebenfalls eine lohnenswerte Technologie für viele Einsatzszenarien in der Aus- und Weiterbildung. Hardware wie die Google Glass oder das technisch ähnliche Pendant Vuzix M100 ermöglichen es, Informationen während einer Tätigkeit in das Blickfeld einzublenden. Weitere aktuell verfügbare oder angekündigte Hardware wird in diesem Beitrag analysiert, um so einen systematischen Überblick über die Möglichkeiten und potenziellen Anwendungsfälle aufzuzeigen. Um eine Einschätzung der Einsatzgebiete zu ermöglichen, werden Chancen und Grenzen von Augmented und Virtual Reality in der Bildung zusammengefasst. Diese wurden auf Basis der technischen Möglichkeiten erarbeitet und durch Interviews mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft sowie Aus- und Weiterbildung validiert. Einen der prägendsten Vorteile stellt die Erreichung höherer Lerneffekte durch virtuelles oder simuliertes „Learning by doing“ mit Hilfe der Visualisierungsmöglichkeiten von VR gegenüber herkömmlichen Lehrmethoden dar. Darüber hinaus können derartige Lösungen zu relativ geringen Kosten implementiert werden.

Benedikt Zobel, Sebastian Werning, Dirk Metzger, Oliver Thomas

Mobile Learning mit Wearables

Wearables halten mehr und mehr Einzug in unser Leben, privat und im Berufsleben. Um zu identifizieren, wie man mit Wearables lernen kann, wurden vier Arten des Lernens definiert und beschrieben: das aktive Lernen, als Computer-based Training auf Basis von Wearables, das Lernen über sich selbst, mit dem man Rückschlüsse auf eigene Verhaltensweisen ziehen kann, sowie das Lernen über Zusammenhänge als Aggregation von Informationen, die durch viele Wearables generiert wurden, und das Lernen über die Nutzung von Wearables, das sich damit befasst, wie eine Technologie eine Veränderung der realen Welt auslösen kann.

Christian Bürgy

Mobile Learning und Mobile Game-based Learning

Anwendungsgebiete und technische Umsetzungsmöglichkeiten

Im folgenden Beitrag werden technische Umsetzungsmöglichkeiten für mobiles Lernen auf Smartphones und Tablets vorgestellt. Nach einer kurzen Erläuterung des Kontextes wird der Begriff des Mobile Learnings erläutert und werden verschiedene technische Lösungen für diesen Ansatz betrachtet. Anschließend wird auf das Themengebiet des Mobile Game-based Learning eingegangen und drei Art und Weisen zur Umsetzung vorgestellt.

Ansgar Gerlicher, Tobias Jordine

Lernen und Arbeiten in mobilen persönlichen Lernumgebungen

Persönliches, soziales und organisationales Lernen am Arbeitsplatz im Projekt PRiME

Die Anforderungen an moderne Lernende haben sich in den letzten Jahren enorm geändert, sowohl im akademischen und privaten Bereich als auch in berufsbezogenen Szenarien. Zunehmend wird auf die Lernenden selbst fokussiert, anstatt auf traditionelle Lehrformen wie Frontalunterricht zu setzen. Durch mehr Kontrolle und Selbstverantwortung obliegt die Auswahl der richtigen Lernzeit, des Ortes, der Materialien etc. dem Lernenden selbst. Auf der einen Seite kann dies durch die freie Gestaltung der persönlichen Lernumgebung nach den eigenen Bedürfnissen unterstützt werden. Auf der anderen Seite bieten die mittlerweile allgegenwärtigen mobilen Endgeräte wie Smartphones oder Tablets enorme Potenziale, um den flexiblen Ansprüchen von allgegenwärtigem Lernen gerecht zu werden. Das Projekt Professional Reflective Mobile Personal Learning Environments (PRiME; gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung) vereint diese Ansätze und fokussiert dabei auf mobile Mitarbeitende im beruflichen Kontext. Es verankert individuelles Lernen in Arbeitsprozessen und macht dieses Wissen für einen globalen und organisationalen Lernprozess nutzbar. Mobile Anwendungen für das Wissensmanagement lassen dabei Reflexion auf drei Ebenen zu: der persönlichen Lernumgebung, im sozialen Netzwerk und im organisationalen Kontext. Eine flexible Anwendungsarchitektur ermöglicht dabei die individuelle Zusammenstellung der eigenen Arbeitswerkzeuge. Diese kann nach dem plug’n’play-Prinzip jederzeit erweitert oder verändert werden. Hierbei bieten Anwendungen ihre Funktionalitäten in dem Ökosystem für die Nutzung in anderen Anwendungen an, so dass einzelne Funktionen anwendungs- und damit kontextübergreifend genutzt und durch die Lernenden selbst eingebunden werden können. Gleichzeitig bleibt ein nahtloser, visueller Übergang zwischen Anwendungen gewährleistet, so dass den Nutzerinnen und Nutzern ein homogenes System gegenübersteht. Mit den mobilen Werkzeugen lässt sich vor allem Wissen im Arbeitsprozess festhalten, mit ausgewählten Lernenden teilen, diskutieren und überarbeiten. Die zu Grunde liegende komplexe Wissensstruktur erlaubt es, zielgenau Inhalte anzusprechen und zu erweitern. Mit diesen Rückmeldungen ist es schließlich mit Hilfe von Redakteurinnen und Redakteuren möglich, Lerninhalte aufzubereiten und iterativ zu verbessern sowie für die erneute Verwendung zur Verfügung zu stellen. Die automatisierte Verteilung dieser Neuerungen schließt den kontinuierlichen Qualitätssicherungs- und Wissensevolutionskreis, so dass die Organisation schnell auf Veränderungen reagieren kann. Der gesamte Prozess wird durch diverse weitere Werkzeuge unterstützt. Beispielsweise nutzen intelligente Suchen die vorhandenen Kontextinformationen der Lernenden, um Suchergebnisse einzuschränken und auf ihre aktuellen, situativen Bedürfnisse anzupassen. Bisherige Evaluationen zeigen eine stark ausgeprägte Akzeptanz und einen hohen Mehrwert in Lernintensität, Reflexion, Arbeitseffizienz und Kommunikation.

Christoph Greven, Hendrik Thüs, Ulrik Schroeder

Mobile Learning – vom Werkzeug zum Assistenten

Die Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche ist ein unaufhaltsamer Trend; was aber Anwendern und Anwenderinnen zugemutet wird, ist häufig schlecht. Das liegt unter anderem daran, dass die Notwendigkeit einer paradigmatischen Transformation von digitalen Werkzeugen zu digitalen Assistenzsystemen nicht verstanden, nicht gewollt und/oder nicht beherrscht wird. Digitale Assistenz schließt Künstliche Intelligenz ein, insbesondere die Lernfähigkeit von Computersystemen. Ein Assistenzsystem, das Besonderheiten seiner Benutzer und Benutzerinnen – seien es Bedürfnisse, Vorlieben, Absichten, Irrtümer, Ziele, Stärken, Schwächen oder andere Eigenheiten – erlernen kann, ist auf dieser Basis in der Lage, sich an seine Benutzenden zu adaptieren. Jeder gute Lehrer und jede gute Lehrerin verhält sich den Lernenden gegenüber adaptiv. Systeme, die das menschliche Lernen unterstützen, können das auch. Im Fokus steht die Fähigkeit des digitalen Systems, Modelle seiner Benutzenden – User Models im allgemeinen, Player Models, Learner Models – induktiv zu lernen. Wenn der Ansatz lernerzentriert ist, sind derartige Modelle deklarativ, so dass Lernende sie einsehen, verstehen, ggf. korrigieren und ihr Verhalten daran orientieren können.

Klaus P. Jantke

Datenschutz im Mobile Learning

Mit Blick auf die Bedürfnisse von Mobile Learning werden wichtige Grundbegriffe des Datenschutzrechts vorgestellt. Dabei werden auch die Grenzen der zulässigen Verarbeitung personenbezogener Daten thematisiert. Problematisiert wird zudem, dass mit einer zunehmenden Automatisierung von Lernprozessen Bildungsangebote in bloße Konditionierungen umschlagen können, die Lernende als Personen nicht mehr ernst nehmen. Insoweit kann die Beschäftigung mit Fragen des Datenschutzes auch als eine produktive Irritation und Anregung für die Gestaltung guter digitaler Lernumgebungen verstanden werden.

Eric W. Steinhauer

Datenschutz, Informationssicherheit und Copyright

Zugriffsrechte von Mobile Learning-Applikationen und Nutzerbedenken

Dieser Beitrag behandelt Zugriffsrechte von Mobile Learning-Applikationen (Apps) und die Frage, welche Folgen diese bewirken können. Der Zugriff auf persönliche Nutzerdaten kann dazu führen, dass Nutzer und Nutzerinnen mobiler Endgeräte eine Bedrohung ihrer Privatsphäre befürchten und diese davon abhalten, mobile Apps zu installieren oder sie dazu bewegen, mobile Apps zu deinstallieren. In der „Privacy“-Forschung wurden Nutzerbedenken bzgl. der Privatsphäre aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, so etwa aus organisationaler Sicht entweder mit Fokus auf Internetnutzer und -nutzerinnen oder auf Nutzer und Nutzerinnen mobiler Endgeräte. Dieser Beitrag wählt die Sicht von Nutzern und Nutzerinnen mobiler Endgeräte und erweitert diese Perspektive um vier Dimensionen hinsichtlich des Zugriffs auf persönliche Nutzerdaten: Zugriff auf persönliche Identität, Standort, Inhalte mobiler Endgeräte sowie System- und Netzwerkeinstellungen. Es werden Zugriffsrechte verschiedener Mobile Learning Apps betrachtet und eine Befragung mit 474 Nutzern und Nutzerinnen mobiler Endgeräte durchgeführt. Hierdurch wird der Einfluss der vier Dimensionen auf die Bedenken von Nutzern und Nutzerinnen mobiler Endgeräte mithilfe einer Strukturgleichungsmodellierung untersucht.

Kenan Degirmenci, Nadine Guhr, Michael H. Breitner

Theoretische Bezüge/Verortung von Mobile Learning

Frontmatter

Mobile Learning – was ist eigentlich der Kern?

Eine Quintessenz aus Theorien, Modellen und Konzepten

In diesem Beitrag wird der Kern von Mobile Learning herausgearbeitet und als Gegenstandsbereich medienpädagogischer und -didaktischer Überlegungen bestimmt. Aufbauend auf den verschiedenen Ansätzen, Definitionen und Kategorisierungen wird in einem ersten Schritt versucht, die spezifischen Elemente von Mobile Learning herauszuarbeiten. Im zweiten Schritt werden Modelle mobilen Lernens vorgestellt und diskutiert, um weitere bezeichnende Charakteristiken zu identifizieren. Daraus lässt sich schließlich eine Arbeitsdefinition mobilen Lernens ableiten: Mobiles Lernen wird als pädagogisch motivierter, von Lehrenden teilweise mitgestalteter und personalisierbarer Prozess verstanden, bei dem Lernende, vermittelt über eigene mobile Endgeräte, in Interaktionen mit Personen, Technologien und Kontexten treten und nachhaltig Wissen bzw. einen didaktischen Mehrwert für sich generieren. Dies bezeichnet aus der vorgestellten Position Mobile Learning im engeren Sinne. Im weiteren Sinne wird es als Lernen mit mobilen Endgeräten verstanden.

Christina Gloerfeld

Mobile Seamless Learning

Die nahtlose Integration mobiler Geräte beim Lernen und im Unterricht

Mobile Geräte möglichst nahtlos beim Lernen und im Unterricht zu integrieren, ist eine Zielsetzung des Mobile Seamless Learning. Genau genommen soll das Lernen in unterschiedlichen Räumen – inner- und außerhalb des Klassenzimmers, im physischen wie auch im virtuellen Raum, möglichst einfach gelingen. In diesem Beitrag wird die Entwicklung des Mobile Seamless Learning-Ansatzes sowie seine Bedeutung skizziert. Fünf konkrete Einsätze, die dem Mobile Seamless Learning-Ansatz zugeordnet werden, geben Einblick in die praktische Realisierung in unterschiedlichen Lernkontexten. Schließlich werden wichtige Erfahrungen zusammengefasst und Empfehlungen für eigene Umsetzungen gegeben.

Sandra Schön, Martin Ebner

Mobile Blended Learning

Mobiles Lernen ist in Bildungsorganisationen in komplexe Lernprozesse eingebettet. Jedoch greifen einfache Funktionsanpassungen von Online-Lernumgebungen für mobile Endgeräte für die didaktische Unterrichtsgestaltung von Mobile Blended Learning zu kurz. In diesem Beitrag wird das Blended Learning-Konzept um die mobile Dimension erweitert und der Einfluss von Kontexten auf Lehr- und Lernprozesse untersucht. Dabei werden Lernkontexte als eigenständige und dynamische Faktoren berücksichtigt.In Bezug auf „Kontext“ muss zwischen „Seamless Learning“ und „Mobile Blended Learning“ unterschieden werden. Seamless Learning stellt die aktive Gestaltung von Kontexten und deren Übergänge in das Zentrum der didaktischen Konzeption. Bei der didaktischen Gestaltung beeinflussen die Lernkontexte die Auswahl von Lehr- und Lernmitteln, Sozialformen und Aktivitätselementen. Im Gegensatz dazu werden beim Mobile Blended Learning die Lernkontexte durch die Auswahl von Lehr- und Lernmitteln bei der Gestaltung von Lernangeboten bestimmt. Dieses Kapitel stellt Seamless Learning und Mobile Blended Learning in einem integrativen Modell gegenüber. Auf der Basis dieser erweiterten Sicht auf Blended Learning wird anhand eines praktischen Beispiels der Einfluss von Kontexten auf mobile Lernerlebnisse in konventionellen Bildungsangeboten an der Hochschule erkundet.

Christian Glahn, Marion R. Gruber

Mikrolernen und mobiles Lernen

Mobiles Lernen ist zu einem Feld technologischer, didaktischer und psychologischer Forschung geworden, das besonders relevant ist in Bezug auf formelle und informelle Lernkontexte. Begriffe wie ‚Mikroinhalt‘ (microcontent), ‚Mikromedien‘ (micromedia) und ‚Mikrolernen‘ (microlearning) haben im letzten Jahrzehnt vor allem im englischen Sprachraum ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Einerseits wurden viele Aspekte von Lernen, Didaktik und Bildung avant la lettre auf Mikroniveaus untersucht, andererseits entstehen mit den aktuellen technologischen, geographischen, kognitiven und soziokulturellen Dynamiken von Mobilität neue Möglichkeiten der Erweiterung didaktischen Denkens im digitalen Zeitalter. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über geschichtliche und systematische Aspekte von mobilem Lernen und Mikrolernen, inklusive Überlegungen zu den Aussichten für zukünftige Forschungen auf diesem Gebiet.

Theo Hug

Didaktisches Design und Lernimplikationen

Frontmatter

Eine Analyse von Interaktionsmustern für mobiles forschendes Lernen

In den letzten zehn Jahren wurde mobile Technologie mehr und mehr zu einer Standardkomponente im Methodenkatalog des forschenden Lernens. Nichtsdestotrotz wurden oft der pädagogische Mehrwert und der sinnvolle Einsatz hinterfragt. In diesem Beitrag haben die Autoren 62 Systeme zur Unterstützung von mobilem forschendem Lernen sowie die Nutzung von mobiler Technologie im Lerndesign und deren potenziellen Mehrwert analysiert. Als besondere Alleinstellungsmerkmale, die den Einsatz von mobiler Technologie rechtfertigen, können Funktionen der individuellen und kollaborativen Datensammlung, der Einsatz von Echtzeitkommunikation sowie die Verbindung von simulierten oder echten Lernsituationen mittels erweiterter Realität hervorgehoben werden. Hierzu präsentieren die Autoren ein Klassifikationsschema für die Entwicklung von dozenteninitiierten, lernerinitiierten und kontextinitiierten Lernszenarien für mobiles forschendes Lernen.

Marcus Specht, Angel Suarez

Bring Your Own Device

Mobile Device Management in Bildungskontexten

Mobile Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks sind weit verbreitet, weil sie offensichtliche Vorteile gegenüber traditionellen Endgeräten wie stationären PCs mitbringen, ohne zugleich maßgebliche Leistungseinschränkungen für viele Einsatzzwecke aufzuweisen. Vor allem sind die Geräte leicht zu transportieren und zugleich über WLAN oder Mobilfunk an Datenübertragungsnetze anzuschließen. Damit unterstützen sie vielfältige Einsatzszenarien: „anywhere“ (überall), „anything“ (privat oder beruflich), „anytime“ (zu jeder Tageszeit, während Freizeit oder Arbeitszeit). Insbesondere in der jüngeren Generation sind die Geräte weit verbreitet und deren Nutzung tief in alltägliche Routinen eingedrungen. In Bildungskontexten kann daher davon ausgegangen werden, dass Lernende und Lehrende privat mobile Endgeräte besitzen, nahezu jederzeit im Zugriff haben, im Alltag häufig nutzen und (daher) routiniert bedienen können. Ein Einsatz dieser privaten Endgeräte (auch) für Lehr- und Lernkontexte ist damit naheliegend: Statt im Rahmen von E-Learning stationäre PCs in Schulungsräumen oder zuhause einzusetzen, nutzen Lernende und Lehrende mobile Endgeräte. Mit „Bring Your Own Device“ (BYOD) setzen die Beteiligten dabei ihre eigenen, selbst ausgewählten und gewohnten Geräte überall und jederzeit ein, statt vorgeschriebene Geräte an festen Plätzen zu verwenden.Dieser Einsatz privater Endgeräte in Lehr- und Lernkontexten birgt Chancen und Risiken, die im Rahmen eines „Mobile Device Management“ (MDM) mit technischen und organisatorischen Maßnahmen ausbalanciert werden können. Dabei wird in diesem Artikel primär das klassische Einsatzszenario im E-Learning und Mobile Learning betrachtet, in dem Lehrende und Lernende eine gemeinsame, elektronische Lernplattform (Lernmanagementsystem, LMS) nutzen. Der Beitrag schildert verschiedene Ansätze zur Anwendung von BYOD in diesem Szenario und bewertet diese spezifisch für den Einsatz in Bildungskontexten.

Carsten Kleiner, Georg Disterer

Mobile Learning für alle

Ein Entwicklungsrahmen für zielgruppengerechte mobile Lernangebote

Mobile Learning ist heutzutage eine feste Größe in der Bildungslandschaft geworden. Umsetzungen bedürfen dabei jedoch in der Regel eines klaren Zielgruppenbezugs, der aktuell deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt wird, als es in den ersten Zeiten des Mobile Learning der Fall war, in denen oftmals die technischen Möglichkeiten und nicht so sehr die didaktischen Schwerpunkte die Ausgestaltung beeinflussten. Daher ist es von Bedeutung, einen Konzeptionsrahmen für die Gestaltung zielgruppengerechter Lernangebote im mobilen Bereich auszugestalten. Im Folgenden wird ein solcher Ansatz aufgezeigt und am Beispiel einer Umsetzung für Senioren und Seniorinnen illustriert.

Marc Beutner, Matthias Teine

Mobiles Lernen in praktischen Trainings

Lernzielerreichung vor dem Hintergrund von Motivation und Akzeptanz der Zielgruppe

Lehr-Lernkontexte werden zunehmend durch den allgegenwärtigen Einsatz mobiler Endgeräte geprägt. Durch mobiles Lernen besteht die Möglichkeit, auch bei einer hohen Anzahl an Lernenden, die Wissensaneignung in praktischen Trainings zu unterstützen. Für die Gestaltung von mobilen Lehr-Lernszenarien ist die explizite Berücksichtigung des Lehr-Lernkontextes, den entsprechenden Lernzielen sowie des Lernenden selbst von grundlegender Bedeutung. Lernziele können unter Zuhilfenahme der Lernzieltaxonomie hinsichtlich Komplexität und Schwierigkeit eingeordnet und in Bezug zum Lehr-Lernkontext gesetzt werden. Darüber hinaus ist der Lernende selbst eine wichtige Determinante, welche es bei der Ausgestaltung mobiler Lernanwendungen zu berücksichtigen gilt. In diesem Zusammenhang sind sowohl Faktoren der Technologieakzeptanz als auch die Motivation zur Nutzung einer mobilen Lernanwendung zu nennen, welche den Erfolg von mobilen Lernanwendungen maßgeblich beeinflussen können.Aufbauend auf einem theoretischen Grundgerüst wird im Beitrag die Umsetzung von Lernzielen im mobilen Lernen aufgezeigt sowie Akzeptanz und Motivationskomponenten von mobilem Lernen vor dem Hintergrund bestehender Literatur erläutert. Anhand eines Praxisbeispiels wird aufgezeigt, wie mobile Lehr-Lernszenarien und entsprechende mobile Lernanwendungen vor dem Hintergrund des Lehr-Lernkontextes, der Motivation und der Akzeptanz gestaltet werden können. Speziell wird darauf eingegangen, wie durch eine zielgruppen- und kontextspezifische Entwicklung die Akzeptanz des mobilen Lernens gesteigert wird.

Sissy-Josefina Ernst, Andreas Janson, Matthias Söllner, Jan Marco Leimeister

Einsatz von Videos für mobiles Lernen

Innovative Lehr-Lernformate erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie werden eingesetzt, um Studierende für Wissensinhalte zu begeistern und Lernprozesse anzuregen. Lehrvideos sind ein solches Format. Um sicherzustellen, dass sie den Lernprozess positiv unterstützen, müssen bei der Planung, Umsetzung und dem Einsatz verschiedene Fallstricke beachtet werden.In diesem Beitrag wird die Entwicklung dieser Formate beschrieben. Außerdem wird die Bedeutung von Lehrvideos für innovative Lehr-Lernprozesse dargestellt und auf die Schwierigkeiten und Potenziale von Lehrvideos eingegangen. In einer Checkliste für den positiven Einsatz von Lehrvideos werden Indikatoren dargestellt, mit denen der sinnvolle Einsatz eines Videos überprüft werden kann. Es wird zudem erläutert, welche Anforderungen bei diesem Prozess an Lehrende und Lernende gestellt werden. Genauer wird auf den Erstellungsprozess von Lehrvideos eingegangen; dafür wird der Prozess mit einer Checkliste mit Ablaufplan und beispielhaften Präzisierungen unterstützt. Des Weiteren wird die Integration von Lehrvideos in eine mobile Applikation anhand von Beispielen dargestellt. Abschließend wird auf den Einsatz von Videoelementen im Einzelnen eingegangen.

Eva Poxleitner

Einbindung von mobilen Geräten in kollaborative Lernprozesse

Um kollaboratives Lernen zu unterstützen, halten mobile Geräte wie Smartphones und Tablets noch viele bisher nicht ausgeschöpfte Potenziale bereit. Obwohl solche Geräte häufig zu den persönlichen Geräten der Lernenden zählen, werden sie bisher selten aktiv für den Lernprozess eingesetzt. Neben fehlenden Applikationen ist dieser Umstand auch auf eingeschränkte Interaktionsmöglichkeiten zurückzuführen. Dieser Beitrag adressiert, ausgehend von verschiedenen Geräteunterstützungen, den Einsatz mobiler Geräte für kollaboratives Lernen. Dazu werden die Anforderungen bei der Kollaboration beschrieben und Potenziale mobiler Geräte vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der intuitiven Interaktion mit diesen Geräten im Nutzungskontext. Darüber hinaus werden verschiedene Applikationen vorgestellt, die erste dieser Ansätze beschreiben. Mobile Lernpfade stellen eine weitere Option zur Einbindung mobiler Geräte in kollaborative Lernprozesse dar. Zusammen ergeben diese Ansätze relevante Einsatzmöglichkeiten für mobile Geräte im kollaborativen Lernen.

Romina Kühn

Forschendes Lernen mit digitalen Medien im Kontext von Mobile Learning

Forschendes Lernen stellt einen Lernansatz dar, der im hochschuldidaktischen Kontext immer wieder rezipiert wird. Im Zuge der verstärkten Digitalisierung des Hochschulraums, des hochschulischen Forschens, Lehrens und Lernens, wird forschendes Lernen zu einem forschenden Lernen mit digitalen Medien. Durch das Mobilitätspotenzial digitaler Medien und die Mobilität, die forschendem Lernen als einem forschungspraktisch hochschulischen Lernprozess zu eigen ist, wird ein forschendes Lernen mit digitalen Medien zu einer hochschulspezifischen Form von Mobile Learning.

David Kergel, Birte Heidkamp

Kreativitätsförderliche Didaktik für das Lernen mit mobilen Endgeräten

Kreativitätsförderung in Ausbildung, Lehre und Lernen ist unbestritten ein relevantes Thema. Jedoch sind sich Forschende und Didaktikerinnen wie Didaktiker uneins, wie Kreativität gefördert werden kann. Es gibt eine Vielfalt von Ansätzen. In diesem Beitrag wird sich dem Thema aus der Perspektive ‚Didaktik-Technologie-Kreativität‘ am Beispiel der Hochschule genähert. Der Einsatz mobiler Endgeräte hat das Potenzial, Kreativität zu fördern (Liebscher und Jahnke 2012). Dies hängt jedoch vom digitalen didaktischen Design ab, also davon, wie Technik (mobile Endgeräte) und Didaktik verbunden werden. Hierzu haben die Autorinnen Lehr-Lerndesigns an deutschen Hochschulen betrachtet. Es wird dargestellt, wie mobile Endgeräte den Lehr- und Lernprozess unterstützen können und inwiefern studentische Kreativität gefördert werden kann. Es wird deutlich, dass die Entwicklung eines didaktischen Designs für mobiles Lernen drei Faktoren erfordert: (a) das Aufeinanderabstimmen von mobilem Lernen mit der Lehrveranstaltung, (b) das Ausmachen des Mehrwertes, den mobiles Lernen für Lehren und Lernen bietet und den es ohne mobile Endgeräte in dieser Form und Qualität nicht gegeben hätte, sowie (c) das Berücksichtigen von acht Elementen in das mobile didaktische Design: Ziele, Lehr-/Lernaktivitäten, Technologien, Feedback/Feedforward und Betreuung, soziale Beziehungen, Prüfung und Kreativität. Aus den Erkenntnissen werden Eckpfeiler einer kreativitätsförderlichen Didaktik mobilen Lernens skizziert. Diese lassen sich in drei Designtypen zusammenfassen, die je nach Typ andere Facetten der Kreativitätsförderung durch mobile Endgeräte aufweisen: vernetztes Design mit Fokus auf Kommunikation, verzahntes Design mit Fokus auf Lernorte, gestaltendes Design mit Fokus auf Prozessorientierung.

Julia Liebscher, Isa Jahnke

Mobile Gamification

Waren Mobiltelefone noch vor einigen Jahren sperrige, pragmatische, nur auf einen Zweck ausgelegte Endgeräte, so haben sie sich heute zum ‚Schweizer Taschenmesser‘ der digitalen Generation entwickelt. Für viele junge Menschen ist das Smartphone zum unentbehrlichen Begleiter geworden und aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Durch weitreichende Netzabdeckung, optimierte Benutzeroberflächen, schnelle Übertragungsraten und vor allem sinkende Kosten ist eine nahezu hundertprozentige Verbreitung von Smartphones in der Gesellschaft feststellbar. Zu der geografischen und kommunikativen Mobilität, die das Handy mit sich bringt, gesellt sich durch das Smartphone noch die virtuelle Beweglichkeit, die unser Leben neu formt und bestimmt, und die allesamt neue Möglichkeiten des mobilen Medienhandelns zulassen. In diesem Zusammenhang werden auch Potenziale des Smartphones in Bezug auf mobiles Lernen diskutiert. Eine Form, in der mobil gelernt werden kann, stellt die Mobile Gamification dar. Im Fokus dieses Beitrags steht das spielerische Lernen, konkret die Übertragung von Spielelementen in nicht-spielerische Kontexte (Gamification), um darauf aufbauend den Stand der Dinge zu Mobile Gamification zu diskutieren.

René Barth, Sonja Ganguin

MOOCs und Mobile Learning

Potenziale und Herausforderungen

Der Horizon Report als wichtiger Gradmesser für den Einsatz digitaler Technologien in Unterricht und Lehre streicht seit Jahren die Bedeutung von Mobile Learning bzw. Bring Your Own Device (BYOD) heraus. Gleichzeitig werden die damit verbundenen Herausforderungen, die sich aus der Verschmelzung von formellen und informellen sowie digitalen und physischen Lernwelten ergeben, thematisiert. Massive Open Online Courses (MOOCs) können bei der Zusammenführung unterschiedlicher Lernwelten helfen. Sie sind in ihrer klassischen Definition für alle Interessierten online verfügbar und frei zugänglich und damit prädestiniert für das zeit- und ortsunabhängige Lernen. Ihre Nutzung auf mobilen Endgeräten liegt auf der Hand. Allerdings sind die gängigen Funktionalitäten eines MOOC wie das Abspielen von Videos, die Beantwortung von Selbsttestfragen oder die Beteiligung an Diskussionsforen sehr häufig nicht auf die Darstellung kleiner Displays ausgelegt. Ausgehend von einer kurzen allgemeinen Einführung zu MOOCs beschäftigt sich der Beitrag mit ihrem Einsatzpotenzial auf mobilen Endgeräten. Gleichzeitig werden damit verbundene Herausforderungen thematisiert und Handlungsempfehlungen für die für mobile Endgeräte optimierte Konzeption von MOOCs gegeben.

Elke Hofler, Michael Kopp

Mobiles Assessment

Überblick und Möglichkeiten

Lernen und Assessment werden als komplementäre Vorgänge beiderseits von neuen Perspektiven der zunehmenden Mobilisierung digitaler Endgeräte begünstigt. Daher sind zahlreiche Möglichkeiten des mobilen Lernens direkt auf Assessmentsituationen übertragbar. Die Besonderheiten des Assessments erlauben jedoch eine unterschiedliche Schwerpunktsetzung bzw. einen anderen Blickwinkel. Mobile Technologien können eingesetzt werden, um sowohl die Reliabilität als auch, und insbesondere die Validität eines Assessments zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Dies wird praktisch vor allem dadurch erreicht, dass das Assessment losgelöst von festgelegten Orten und Zeitpunkten stattfinden kann. Auch der umgekehrte Fall ist denkbar: Probandinnen oder Probanden bewegen sich in Raum und Zeit, und erst beim Erreichen festgelegter Bereiche findet das Assessment statt. Komplementiert werden diese Möglichkeiten durch die umfangreiche Sensorik, die mobile Technologie üblicherweise mit sich bringt.Die größten Chancen ergeben sich dabei aus der Alltagsintegration des Assessments, dem sogenannten „ubiquitous Assessment“. Eine Probandin oder ein Proband wird nur in geringem Maße in eine Prüfungssituation versetzt, wenn das Assessment auf Alltagsgeräten wie einem Smartphone ausgeführt und die eigentliche Prüfungsdurchführung angepasst wird an den normalen Alltagsablauf. Dies kann stark dazu beitragen, die Validität eines Assessments zu erhöhen und ermöglicht erst die Erhebung alltagsbezogener Konstrukte. Als Steigerungsform der Alltagsintegration stellt sich ein latentes Assessment dar, bei dem das Assessment ohne direkte Prüfungsinteraktion erfolgt. Beispiele dafür sind Fitness-Armbänder, Laufstrecken-Transponder bei größeren Laufveranstaltungen oder Kraftfahrzeug-Überwachungssysteme zur Erkennung riskanten Fahrverhaltens. Diese Beispiele illustrieren die Einbindung von „Big Data“-Verfahren für Assessmentzwecke, also die Nutzung großer Datenmengen zur Ableitung von Kennwerten und zur Klassifikation. Die Alltagsintegration der Assessmenttechnologie und die zunehmende Verfügbarkeit von Datenauswertungsverfahren bringen neben den angedeuteten Chancen aber auch Risiken mit sich. Dies betrifft insbesondere den Datenschutz, wenn eine Probandin oder ein Proband nicht mehr selbst entscheiden kann, ob und wann er oder sie sich einer „Prüfungssituation“ stellt – oder nicht. Big Data-Verfahren gepaart mit Mobiltechnologie und Sensorik können zu einer Entmündigung führen, die offen diskutiert werden muss.

Heiko Rölke

Mobile Learning Analytics: Potenziale für Lernen und Lehren am Beispiel Hochschule

Digitale Technologien haben einen ubiquitären Einzug in das private und berufliche Leben erlangt. Gerade bei der jüngeren Generation sind digitale Medien bestimmend in allen Lebensbereichen. Durch rasant voranschreitende technische Innovationen, optimierte Konnektivität, umfangreiche Software und verbesserte Handhabbarkeit, vor allem von Smartphones und Tablets, ist diese Entwicklung allgegenwärtig. Das am häufigsten genutzte mobile Gerät ist hierbei das Smartphone. In diesem Beitrag werden die Potenziale der Digitalisierung für Hochschulen diskutiert und die Möglichkeiten von Mobile Learning Analytics – also der gezielten Nutzung von mobilen Lerndaten der Studierenden und Dozierenden zur Verbesserung der Lehr- und Lernprozesse – detailliert erörtert. Neben zentralen Grundlagen werden die Chancen und Risiken dieses neuen Feldes beschrieben und anhand eines Fallbeispiels die konkreten Verwendungsmöglichkeiten an (dualen) Hochschulen aufgezeigt. Schließlich werden ein Fazit sowie ein Ausblick für zukünftige Forschungsfelder gegeben.

Luisa Seiler, Matthias Kuhnel, Andrea Honal, Dirk Ifenthaler

Mobile Learning in Bildungskontexten

Frontmatter

Mobile Learning in der Schule

Der Beitrag gibt einen Überblick über die derzeitigen Erfahrungen bei der Einführung des mobilen Lernens mit Smartphones und Tablets in der Schule. Er beginnt mit einer Vorüberlegung, warum mobiles Lernen überhaupt Element des schulischen Lernens sein kann und ob Schule nicht eher ein Schutzraum vor der überbordenden Mediennutzung sein sollte. Es wird dagegen argumentiert, dass die Geräte nur Träger und Symbol einer real stattfindenden gesellschaftlichen Transformation sind: dem Wandel zu einer mobilen, hochgradig vernetzten Kommunikationsgesellschaft mit flachen Hierarchien und einem Verschwinden bekannter Führungs- und Orientierungsmuster, die alle gesellschaftlichen Akteure vor ungewohnte Herausforderungen stellt und auf die Schule vorbereiten kann und vorbereiten sollte.Im Anschluss werden die Modelle SAMR (Puentedura) zur Beschreibung des Einführungsprozesses neuer Bildungstechnologien und eine Beschreibung unterrichtlicher Lehr-Lernprozesse aus konstruktivistischer Sicht vorgestellt, die zur Planung entsprechender Interventionen dienen können. Aus der wissenschaftlichen Begleitforschung sowohl zur Einführung von mobilem Lernen in Schulen als auch zur Wirksamkeitsforschung von mobilem Lernen werden einige Erkenntnisse berichtet, die sich entlang eines Forschungsprozesses mit Erfolgen, Fehlschlägen und überraschenden Erkenntnissen ergeben haben.

André Bresges

Mobile Learning und Schulentwicklung

Tablets, Handys und Smartphones sind immer häufiger im Besitz von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Lehrerinnen und Lehrern. Schaut man sich die Geräteformen genauer an, so sind zwei Merkmale dieser für den folgenden Text relevant: Zum einen sind diese Geräte so klein und handlich, dass sie mobil und damit überall genutzt werden können, zum anderen ermöglichen sie Zugang und Vernetzung, wie dies bisher kaum möglich war. Medienhandeln findet damit per se immer und überall statt, immer mehr Orte werden zu Medienorten, so auch die Schule. Und immer mehr Orte werden dadurch mit der Schule damit verbunden. Ausgehend von Unterrichts(-entwicklungs-)projekten nimmt der vorliegende Beitrag dezidiert eine Perspektive von Schulentwicklung ein und fragt nach Implikationen von mobilem Lernen für die Institution und Organisation Schule. Adressiert werden dabei vor allem Fragen nach der Rolle von Kontexten und deren Verbindung durch Medien innerhalb und außerhalb von Bildungsinstitutionen sowie Fragen nach Lehrer-, Lehrerinnen- und Schulleitungshandeln, vor allem unter dem Aspekt von Professionalisierung. Nicht aufgenommen werden können aus Platzgründen Aspekte um die mit der mobilen Medienpraxis einhergehende Veränderungen einer Pädagogisierung der Alltagswelt.

Mandy Schiefner-Rohs

Stellenwert des Smartphones bei Kindern und Jugendlichen

Die Ergebnisse der JIM-Studie 2016 dokumentieren den Medienalltag junger Menschen in Schule und Freizeit und zeigen, wie und in welchem Umfang Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland (digitale) Medien verwenden. Jugendliche nutzen in ihrer Freizeit unterschiedlichste Medienangebote und Kanäle – und dies dank Smartphone zunehmend zeitlich und räumlich flexibel. In ihrem „beruflichen“ Alltag in der Schule erleben Zwölf- bis 19-Jährige jedoch aktuell noch eine andere Medienrealität. Das Smartphone beispielsweise darf die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler zwar mit in die Schule nehmen, der Gebrauch unterliegt jedoch meist Restriktionen – entweder darf das Gerät nicht in der Schule oder nur in den Pausen genutzt werden. Nur etwa jedem Fünften ist es erlaubt, das Handy aktiv für Unterrichtsbelange zu nutzen.

Sabine Feierabend, Theresa Plankenhorn, Thomas Rathgeb

Kulturökologie als Bezugsrahmen für mobiles Lernen in unserer disparaten Kultur

Kulturökologie ist ein ganzheitlich aufgebauter theoretischer Bezugsrahmen zur Beschreibung kultureller Veränderungen und ihrer Dynamik in unserer disparaten Kultur. Dabei steht die heuristische Erklärung der interdependenten Einflussnahmen kultureller Felder mit deren kulturellen Praktiken, Akteuren und gesellschaftlichen Strukturen im Vordergrund. Dieser Beitrag knüpft an ethnologische und frühe medienbezogene kulturökologische Konzepte an. Medien werden definiert als multimodale Repräsentationen in einer auf Individualisierung angelegten Massenkommunikation und Lernen als Bedeutungskonstitution.Der Schwerpunkt dieses Beitrages liegt auf mobilen, individualisierten Endgeräten als alltägliche Kulturressourcen in schulischen Lernpraktiken. Kulturell bedeutsam ist deren Einbindung in einen Mobilitätskomplex, den zum einen spezifische gesellschaftliche Strukturen prägen. Zum anderen gehen in den Mobilitätskomplex die typischen, aber auch die ungewöhnlichen kulturellen Praktiken des Lernens ein. Zudem beeinflussen die Handlungs- und Kompetenz-Optionen der Menschen als Akteure („Agency“) die aktuelle kulturelle Dynamik des Mobilitätskomplexes. Anhand dreier aktueller Schulbeispiele wird diskutiert, wie sich diese Dynamik in Schule konkretisiert. Didaktisches Ziel dabei ist es, mobiles Lernen als Bedeutungskonstitution in multimodalen, auch digital und individuell generierten Kontexten in Verbindung mit mobilen digitalen, individualisierten Endgeräten zu bestimmen. Dabei stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit des Lernens, die nicht der Logik der globalen Wissensgesellschaft in Schule folgen will. Damit sind drei wichtige Punkte einer kulturökologischen Didaktik und Pädagogik angesprochen: Kontexte, welche die Definition mobilen Lernens festlegen, in denen mobile digitale Endgeräte in der ubiquitären Verfügung ihrer Nutzer und Nutzerinnen als Kulturressourcen fungieren. Hierbei geht es auch um die für Ressourcen wichtige Frage sozialer Gerechtigkeit. Weiterhin stellt sich für unsere disparate Kultur die Aufgabe, Nachhaltigkeit zu ermöglichen und die Frage, was das für mobiles Lernen heißt.

Ben Bachmair

Mobiles Lernen an Deutschschweizer Volksschulen aus der Sicht von Lehrpersonen

Der Beitrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse der dreiteiligen Studie „Mobiles Lernen aus Sicht der Lehrpersonen“, die zwischen den Jahren 2013 bis 2015 an der Pädagogischen Hochschule Zürich durchgeführt wurde. Zentrale Frage und Ziel der Studie war es, die Sichtweise von Lehrpersonen auf mobiles Lernen zu erfassen bzw. zu rekonstruieren, ohne ihnen eine Definition von mobilem Lernen vorzugeben. In der Studienreihe ging es um die ergebnisoffene und erkenntnisgewinnende Frage, was „mobiles Lernen“ aus der Sicht von Lehrpersonen als Expertinnen und Experten bedeutet. Eines der wesentlichen Ergebnisse ist, dass mobiles Lernen kaum mehr von den allgemeinen schulischen ICT-Konzepten zu unterscheiden ist. Teil eins der Reihe bestand aus einem Kick-off-Meeting mit interessierten Lehrpersonen, die eingeladen waren, ihre Erfahrungen mit mobilem Lernen untereinander und mit Unterstützung der Forschungsgruppe auszutauschen. Die Ergebnisse dieses Kick-offs bildeten die Grundlage für den zweiten Teil der Studie, in dem die Aktivitäten zweier schweizerischer Facebook-Gruppen zu diesem Thema systematisch untersucht wurden. Die daraus entstandenen Ergebnisse bildeten die Grundlage zum dritten Teil der Studienreihe, in der Lehrpersonen (ICT-Supporter) als Expertinnen und Experten an ihren jeweiligen Schulen zur Situation des mobilen Lernens befragt wurden.Der Schwerpunkt des Beitrags liegt in der Darstellung zentraler ausgewählter Dimensionen und Ergebnisse des dritten Teils der Studie. Die Ergebnisbereiche erstecken sich von Rahmenbedingungen für den Einsatz mobiler Geräte, über Mehrwerte wie Lehr-Lernverständnis und Effizienz sowie Herausforderungen an der Grenze zwischen analog und digital, die Lehrpersonen in den Befragungen äußerten. Der Beitrag beinhaltet ausgewählte Anwendungsbeispiele und Apps, die Lehrpersonen und vor allem pädagogische ICT-Supporter diskutierten. Neben konkreten Bezügen zu Schulstufen und -fächern scheint hier bedeutsam, welche Auswahlkriterien Lehrpersonen haben und was ihnen an Soft- und Hardware wichtig und relevant ist.

Klaus Rummler, Björn Maurer

Mobiles Fremdsprachenlernen

Vergleich von Apps unter lernpsychologischen Aspekten

Im vorliegenden Beitrag werden die lernförderlichen Aspekte des Fremdsprachenerwerbs anhand beispielhafter mobiler Lernanwendungen aufgezeigt. Dabei kann zwischen verschiedenen Lernanwendungen hinsichtlich ihrer Funktionen und Merkmale unterschieden werden. So finden sich beispielsweise Merkmale, die bereits aus Drill & Practice-Programmen bekannt sind, auch in diversen Lernapplikationen wieder. Diverse Apps ermöglichen es Lernenden, ohne Vorkenntnisse eine neue Sprache zu lernen, indem grundlegende Vokabeln eingeübt werden. Hinzu kommen Belohnungen, welche aus der behavioristischen Lernperspektive her betrachtet das Lernverhalten verstärken.Abwechslungsreiches, interaktives Lernen unterstützt die Aufmerksamkeit und die Motivation. Lernanwendungen, die vermehrt auf das Interesse und die Vorkenntnisse der Lernenden eingehen, berücksichtigen kognitionspsychologische Erkenntnisse. Mittels verschiedener Lernangebote, wie z. B. tutorieller Lernanwendungen, wird das individualisierte, selbstgesteuerte Lernen mehr unterstützt. Konstruktivistisch orientierte Lernanwendungen inkludieren den Kommunikations- und Kollaborationsaspekt und fördern das situierte und anwendungsbezogene Lernen. Weiter gibt es für fortgeschrittene Lernende unterschiedliche Angebote wie Podcast, Videos oder Nachschlagewerke, um die Grammatikkenntnisse zu vertiefen. In der Kombination eröffnen die diversen Lernanwendungen ein flexibles Lernarrangement, um eine neue Sprache zu erlernen, Grundkenntnisse zu erweitern oder um laufend die eigenen Sprachfertigkeiten zu trainieren.

Tanja Jadin

Mobiles Lernen an Hochschulen

Rahmungen, Szenarien, Potenziale und Herausforderungen

Die starke Verbreitung mobiler Endgeräte unter Studierenden und die weitreichenden technischen Möglichkeiten, die diese Geräte aufweisen, begünstigen die Nutzung mobiler Lernszenarien an den Hochschulen. Anknüpfend an frühere Ansätze der Systematisierung mobilen Lernens werden in diesem Beitrag unterschiedliche Szenarien für mobiles Lernen in formalisierten sowie informellen Lernkontexten im tertiären Bildungsbereich vorgestellt. Die jeweiligen Szenarien werden im Hinblick auf Stärken – wie relativ günstige technische Voraussetzungen für mobiles Lernen an Hochschulen –, Schwächen – wie Akzeptanzdefizite bei Studierenden, die neue Elemente zurückhaltend in die persönliche Lernumgebung integrieren –, Chancen – darunter das Nutzen von Umgebungsinformationen – sowie Risiken – darunter Lerndefizite aufgrund der begrenzten Eignung mobilen Lernens für das Erfassen komplexer Zusammenhänge – untersucht.Unter Berücksichtigung verschiedener Erhebungen zur Praxis mobilen Lernens wird abschließend erörtert, welche Relevanz Faktoren wie institutionellen Nutzungsstrategien, der gezielten Einbindung mobiler Lernszenarien in Lehrveranstaltungen und dem Bereitstellen technischer Infrastrukturen sowie pädagogischen und technischen Supports für die erfolgreiche Etablierung mobiler Lernszenarien zukommt.

Klaus Wannemacher

Mobile Unterstützung im Studienalltag zwischen Generalität und Individualität

Mobile Endgeräte und Applikationen (Apps) sind dank vielfältiger Kommunikations-, Informations- und Assistenzfunktionen zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Inzwischen hat sich insbesondere im Hochschulumfeld eine bunte Vielfalt an mobilen Unterstützungsangeboten etabliert, beginnend bei zentral angebotenen Uni-Apps bis hin zu unterschiedlichen Apps zur Ausgestaltung einzelner Lehrveranstaltungen oder individueller Lehr- und Lernszenarien. Angesichts der großen Aufwände zur Entwicklung, Distribution und Pflege mobiler Anwendungen ist ein Einsatz für eine möglichst große Zielgruppe wünschenswert. Dies kann jedoch mit dem Charakter mobiler Endgeräte als persönliche, individualisierte Assistenten kollidieren.In diesem Beitrag werden entlang dieses Spektrums zwischen (fach-)spezifischen Einzellösungen und breiten Allroundern verschiedene mobile Unterstützungsangebote aus dem Hochschulbereich vorgestellt, hinsichtlich ihres Einsatzes kontextuell eingeordnet und systematisiert. Dies umfasst mobile Anwendungen, die allgemeine organisatorische Aspekte des Studiums, bestimmte Felder wie die Studieneingangsphase oder die konkrete Begleitung hybrider Lernszenarien fokussieren. Es schließt sich eine App-Auswahl an, die fachspezifischen Aspekten Rechnung trägt und in denen Inhalte in Form von Serious Games, Simulationen und Inhaltsmodulen aufbereitet sind. Neben Lehre und Studium wird auch die Forschung in den Fokus gerückt, wo Apps gleichermaßen als Forschungsgegenstand und Datenerhebungsinstrument wirken. Aus der Fülle dieser Entwicklungen resultiert eine App-Vielfalt, die verschiedene Herausforderungen aufwirft. Der Beitrag stellt die spezifischen Herausforderungen zusammen und spricht Empfehlungen aus. Dabei werden sowohl organisatorische, inhaltliche und technische Fragestellungen thematisiert als auch rechtliche Gesichtspunkte bezüglich Datenschutz und Copyright tangiert.

Alexander Kiy, Ulrike Lucke

Lehren und Lernen mit Audience Response Systemen

Die Lernförderlichkeit des Fragenstellens mit mobilen Befragungstools, in der Didaktik Clicker oder Audience Response Systeme genannt, kurz ARS, wurde in den letzten zwanzig Jahren in zahlreichen Einzel- und Metastudien erforscht. Didaktisch eingesetzt, fördern Audience Response Systeme die Aufmerksamkeit, Interaktion und das aktive Mitdenken im Unterricht. Webbasierte Audience Response Systeme, die im Browser auf eigenen mobilen Endgeräten aufgerufen werden, erlauben neben dem Fragenstellen seitens der Lehrkraft auch das anonyme Fragenstellen seitens der Studierenden. Selbst ein Live-Feedback zum Tempo und zur Verständlichkeit des Vortrags ist technisch möglich, ohne Kosten und mit geringem Aufwand. Der Beitrag fasst die Ergebnisse der evidenzbasierten Lehr- und Lernforschung zu Audience Response Systemen zusammen, beschreibt die ARS-Technik und erläutert die Einsatzoptionen in traditionellen und Blended Learning-Szenarien. Schließlich werden Empfehlungen gegeben für den Umgang mit der ARS-Technik, deren didaktische Nutzung und die inhaltliche Gestaltung der Fragen, zusammengetragen aus der Literatur und der Entwicklungs- und Lehrpraxis des Autors. Sie sollen als Handreichung den Einstieg in den ARS-gestützten fragengeleiteten Unterricht erleichtern.

Klaus Quibeldey-Cirkel

Peer Instruction mit mobilen Endgeräten in der Lehre

Mit mobilen Endgeräten lässt sich die Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden in Vorlesungen verbessern. Dadurch können Lehrmethoden wie Peer Instruction, die Meinungsabfragen beinhalten, leichter bei größeren Gruppen angewandt werden. In diesem Beitrag werden verschiedene Voting-Systeme sowie die Methode Peer Instruction vorgestellt.

Michael Brunnhuber, Gisela Prey

Entwicklung und Implementation mobiler Lernorte an der Universität Hohenheim

Im Rahmen der mobilen Lehre Hohenheim wurde das Konzept der Lernorte entwickelt. Das klassische Hörsaalsetting soll für Lehrende und Lerner attraktiver, zeitgemäß und lernförderlich gestaltet werden. Die ILIAS-Lernplattform, moderne Smartphones und deren GPS-Sensoren werden als Lernassistenten eingesetzt. Im Projekt wurden die entsprechenden Softwarekomponenten entwickelt, die Bereitschaft zur Nutzung der neuen Technik sowie die didaktische Integrierbarkeit der Lernorte erkundet. Die Ergebnisse fließen in ein umfangreiches Schulungskonzept für Lehrende der Universität Hohenheim ein, um für realitätsnahe Lehre zu sensibilisieren, klassische Lernräume zu ergänzen sowie Lehre flexibler und nachhaltiger zu gestalten.

Ulrich Forster, Fabian Schmid

Empowerment-orientierte Kompetenzentwicklung auf der Grundlage von Mobile Assisted Seamless Learning

Mobile Learning wird in den letzten Jahren von Experten und Expertinnen immer wieder als Trend bezeichnet, die tatsächliche Nutzung und Verbreitung in der betrieblichen Bildung ist bislang jedoch eher ernüchternd. Neuere Ansätze im Bildungsmanagement sehen die Potenziale von Mobile Learning nicht nur in zeit- und ortsunabhängigem (Mikro-) Lernen, in der Verbindung von informellem und formellem Lernen, sondern auch bei der Unterstützung von Lernen entlang einer Bildungsbiographie über verschiedene Bildungsstufen hinweg. Hier ist eine Empowerment-orientierte Organisations- und Personalentwicklung erforderlich. Um diesem Entwicklungssprung von Mobile Learning Rechnung zu tragen, etabliert sich zunehmend der Begriff Seamless Learning bzw. Mobile Assisted Seamless Learning. Dieser Beitrag möchte daher einen umfassenden konzeptionellen Rahmen zur Einordnung und zum Verständnis von Mobile Learning im betrieblichen Bildungsmanagement liefern. Ziel ist es, Ausgangslage, Perspektiven sowie künftige Entwicklungslinien für den Einsatz von Mobile Learning in der betrieblichen Bildung aufzuzeigen.

Sabine Seufert, Christoph Meier

Glassroom: Aus- und Weiterbildung mit Smart Glasses und Virtual Reality-Brillen im technischen Kundendienst

Die Aus-und Weiterbildung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen. Durch die stetig wachsende Komplexität betrieblicher Arbeitsprozesse, hervorgerufen durch neue Technologien und innovative Geschäftsmodelle, ist ein unternehmensinterner Wissenstransfer unabdingbar. Insbesondere in der wissensintensiven Dienstleistungsbranche spielt die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden eine zentrale Rolle. So müssen Servicetechniker und -technikerinnen des technischen Kundendienstes heutzutage in der Lage sein, mit dem Fortschritt der Technik in modernen Maschinen Schritt zu halten, um die Erbringung ihrer Dienstleistungstätigkeiten (z. B. Wartung oder Reparatur) zu gewährleisten. Bisherige Ansätze der Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich stellen das praktische Erlernen von Fähigkeiten an der Maschine selbst in den Vordergrund. Diese Ansätze werden in vielen Fällen jedoch als zu teuer und aufwendig kritisiert. Mobile Informationssysteme wie Virtual Reality-Brillen und Smart Glasses können helfen, diese Kritikpunkte zu adressieren und auf die steigenden Anforderungen an das Personal im technischen Kundendienst zu reagieren. Zu diesem Zweck soll in dem vorliegenden Beitrag eine Integration mobiler Technologien in die Aus- und Weiterbildung von Servicetechnikern und -technikerinnen vorgestellt werden, die im Rahmen des Projekts „Glassroom“ erarbeitet wurde. Dazu werden zunächst die Problemstellung und die Anwendungsdomäne detailliert. Der Beitrag thematisiert insbesondere die technische Konzeption des Gesamtsystems mit Fokus auf die zielführende Einbettung mobiler Informationssysteme in die Serviceprozesse des technischen Kundendienstes und wird dabi durch ein exemplarisches Fallbeispiel aus dem Maschinen- und Anlagenbau ergänzt.

Dirk Metzger, Sven Jannaber, Lisa Berkemeier, Oliver Thomas

Mobile Learning Backpacks

Lernsystem zur Qualifizierung von Fach- und Führungskräften im Technologiefeld Smart Home

Ein mobiles Lernsystem soll Lernenden ermöglichen, unabhängig von räumlichen und zeitlichen Beschränkungen selbstgesteuert zu lernen. Neuere Ansätze nutzen diese Flexibilität und erweitern darüber hinaus die Einsatzmöglichkeiten, indem sie arbeitsprozessorientiert oder sogar arbeitsprozessintegriert erforderliches Handlungswissen vermitteln. Diese ambitionierte Zielsetzung verfolgt auch das Lernsystem Mobile Learning Backpacks.Im Vorfeld wurden hierfür insbesondere die Anforderungen der Zielgruppe untersucht, indem eine Befragung durchgeführt wurde. Darauf folgte die Ableitung der unternehmensspezifischen, organisatorischen Anforderungen. Die direkte Einbindung in die organisatorischen Abläufe bzw. Arbeitskontexte der jeweiligen Betriebe und die Ermöglichung von arbeitsprozessintegriertem Lernen wurden im Verlauf der Entwicklung der mobilen Lernumgebung besonders berücksichtigt, ebenso wurde ein Schwerpunkt auf die nutzergerechte und möglichst intuitive Ausgestaltung der technischen Lösung gelegt. Das Lernkonzept der Mobile Learning Backpacks besteht aus mobil nutzbaren Lerneinheiten, die sich aus über mobile Endgeräte nutzbaren digitalen Lernmaterialien und korrespondierenden mobil nutzbaren interaktiven Webinaren und Testmodellen zusammensetzen. Die Lernumgebung umfasst eine WebApp mit integrierter Lernplattform für mobil nutzbares Blended Learning sowie ein „Lernbuffet“ mit weiteren mobil nutzbaren Inhalten, die nach relevanten Arbeitsprozessen strukturiert sind und bei Bedarf abgerufen werden können.Als Herausforderung haben sich hierbei zeitliche Rahmenbedingungen, die Aufmerksamkeitsspanne der Lernenden und die technische Verfügbarkeit der Lösungen herauskristallisiert. Ein Fokus bei der Entwicklung der Lerninhalte liegt deshalb auf der Granularisierung – der Einteilung der Lernangebote in kleine abgeschlossene Einheiten. Durch die Verzahnung bewährter Blended Learning-Elemente in mobiler Form mit Lernprozessbegleitung und Nutzung neuer mobiler Kommunikationskanäle wird so ein innovatives mobiles Lernsystem für eine anspruchsvolle Zielgruppe in einem wachsenden Technologiefeld – dem Smart Home – bereitgestellt.

Jürgen Jarosch, Josephine Hofmann, Alexander Piele, Colja Tobias Müller

Mobiles Lernen im Handwerk

Der Beitrag stellt fünf Ansätze vor, die mit unterschiedlichen Intentionen das mobile Lernen im Handwerk und für das Handwerk fördern, nutzen und ihm einen konzeptionellen Rahmen geben. Einige dieser Ansätze befinden sich noch im Erprobungsstatus laufender Projekte, andere sind regional und/oder branchenspezifisch bereits etabliert und bereit zur Übertragung auf andere Bereiche. Die beiden ersten vorgestellten Beispiele beziehen sich auf ein mobiles System zum Nachweis non-formal erworbener beruflicher Kompetenzen und auf ein virtuelles 3D-Digitalgebäude zum ganzheitlichen Lernen auf der Baustelle. Beide Vorhaben werden im Programm „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Daran schließt sich eine Darstellung zur Erstellung von Erklärvideos in Hochschule und Berufsschule an, die auf Multiplikatoren für das Handwerk als Zielgruppe ausgerichtet ist, und ein Konzept zum Einsatz von Virtual Reality in der Berufsausbildung wird vorgestellt. Abschließend wird eine medientechnisch und mediendidaktisch besonders gelungene App zum mobilen Lernen im Baubereich präsentiert, die tutorielle Elemente und Hilfen zur Prüfungsvorbereitung enthält.

Bernd Mahrin, Jan Pfetsch, Christian Stoll

Mobile Learning in der Pflegebildung

Entwicklungsstand und Herausforderungen am Beispiel des Projektes „Game Based Learning in Nursing“

Mobile Learning gewinnt auch im Kontext der personenbezogenen Dienstleistung Pflege an Bedeutung. International finden sich unterschiedliche Formate von Mobile Learning für verschiedene Zielgruppen in der Pflege. Der Beitrag fragt nach dem aktuellen Entwicklungsstand sowie den Herausforderungen von Mobile Learning im Kontext der beruflichen Pflege und weiteren Gesundheitsfachberufen, ordnet diese in den aktuellen Stand der Diskussion im Bereich der Pflegewissenschaft ein und stellt am Beispiel des BMBF-Projekts „Game Based Learning in Nursing“ (GaBa_LEARN) mögliche Entwicklungslinien von Mobile Learning in der Pflege vor. Die Fragestellung wurde im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche in den Datenbanken Cinahl, Pubmed und ScieneDirect sowie einer erweiterten Handsuche bearbeitet. Die Literaturanalyse folgte dem Ansatz des integrativen Reviews. Anhand der gewählten Ein- und Ausschlusskriterien wurden 41 einschlägige Publikationen identifiziert und analysiert. Der einschlägige Diskurs verhandelt demnach vorzugsweise Fragen der Rahmenbedingungen, der Anwendungsbereiche, der Evaluationsergebnisse sowie der Möglichkeiten und Begrenzungen von Mobile Learning in der Pflegebildung. International fokussiert Mobile Learning in Pflege und Gesundheit vorzugsweise auf die situative Bereitstellung von funktionalem Fachwissen. Verbesserungen ergeben sich damit in Bezug auf die fachliche Begründung des beruflichen Handelns sowie in Bezug auf das Selbstbewusstsein der Akteure. Die bisherige Entwicklung vernachlässigt dabei allerdings die Befähigung der beruflichen Akteure, explizites Begründungswissen situationsgerecht und einzelfallorientiert zur Anwendung zu bringen. Ansätze aus dem Bereich Serious Games stellen hier erweiterte Möglichkeiten zur Ausbildung eines professionellen Handelns bereit.

Miriam Peters, Manfred Hülsken-Giesler, Nadin Dütthorn, Bernward Hoffmann, Cornelia Jeremias, Cornelius Knab, Rasmus Pechuel

Zukunft von Mobile Learning

Frontmatter

Mobile Learning – Smart Learning – Next Learning

Prämissen für die Zukunft von Bildung

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Definitionen, Konzepten und didaktischen Szenarien zu Mobile Learning. In diesem Beitrag wird ein kurzes Resümé über bisherige Strukturierungen von Mobile Learning gezogen und die Entwicklung zum Smart Learning, zur nächsten Generation personalisierten mobilen Lernens erläutert. Es wird eine Perspektive auf die Veränderungen des Lernens durch mobile und intelligente Technologien eingenommen, aus der sich bildungstheoretische Prämissen für das Mitgestalten einer mobilen digitalisierten Gesellschaft ableiten lassen. Insbesondere wird hier der pragmatistische Standpunkt herangezogen, um am Beispiel der Veränderungen der Lernkulturen durch Personalisierung und Smart Learning Voraussetzungen für die Zukunft der Bildung anzunehmen.

Claudia de Witt

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