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2021 | Buch

Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit

herausgegeben von: Dr. Ulrich Deinet, Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker, Prof. Dr. Larissa von Schwanenflügel, Moritz Schwerthelm

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

Die fünfte Auflage des Handbuches folgt einem neuen Konzept und liefert aktuelle Beiträge zu Themen, die im Diskurs und in der Alltagsarbeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit unabdingbar sind. Als Schlüsselwerk zu einem der großen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit bietet das Buch mit über 160 Beiträgen relevantes Wissen zu aktuellen Debatten, Herausforderungen und Spannungsfeldern. So stärkt es die Reflexivität und Handlungsfähigkeit der Professionellen. Die maßgeblichen und ausgewiesenen Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis zeigen, dass Offene Kinder- und Jugendarbeit ein wichtiger Partizipations- und Bildungsort für Kinder und Jugendliche ist. Sie fordern in ihren Beiträgen die Fachkräfte dazu auf, in der pädagogischen Praxis die Selbst- und Mitbestimmung Kindern und Jugendlichen zu entfalten und ihnen Möglichkeiten gesellschaftlicher Mitverantwortung zu eröffnen. Und es wird gezeigt, wie das konkret gehen kann.

Der Inhalt

Was ist Offene Kinder- und Jugendarbeit? Einblicke • Wer macht Offene Kinder- und Jugendarbeit? Mitarbeitende und Professionalität • Wer/Wie sind die Adressat*innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Kinder und Jugendliche • Wo findet Offenen Kinder- und Jugendarbeit statt? Einrichtungstypen • Wozu Offene Kinder- und Jugendarbeit? Theoretische Ansätze und Perspektiven • Warum was wie in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tun? Handlungskonzepte • Wie macht man Offenen Kinder- und Jugendarbeit konkret? Methoden • Was läuft in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Themen und Praxen der Kinder und Jugendlichen • Wie Qualität herstellen und sichern in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Qualitätsverfahren, Konzeptentwicklung, Legitimation • Mit wem warum kooperieren in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Kooperationspartner • Was sind Rahmenbedingungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Recht, Träger, Politik • Wie macht man Offene Kinder- und Jugendarbeit in Europa? Ausblicke

Die Herausgebenden

Dr. Ulrich Deinet ist Professor für Didaktik und methodisches Handeln/Verwaltung und Organisation an der Hochschule Düsseldorf.

Dr. Benedikt Sturzenhecker ist Professor für Sozialpädagogik/Außerschulische Bildung an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg.

Dr. Larissa von Schwanenflügel ist Professorin für Kinder- und Jugendarbeit, Jugendbildung und Partizipation an der Frankfurt University of Applied Science Frankfurt am Main.

Moritz Schwerthelm M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Sozialpädagogik an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Was ist Offene Kinder- und Jugendarbeit? Einblicke

Frontmatter
So sehen Kinder und Jugendliche Offene Kinder- und Jugendarbeit
Fotoessays von Nutzer*innen

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit kann für Kinder und Jugendliche Orte von unterschiedlichen Handlungspraxen und Bildungsprozessen darstellen. Das zeigen im Folgenden Nutzer*innen aus neun Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit anhand selbst erstellter Fotoessays. Die Auswahl der vorliegenden Fotoessays gibt einen Einblick in den Alltag von Besucher*innen der OKJA. Das Vorhaben entstand im Rahmen eines Lehrforschungsseminars mit Studierenden des Masterstudiengangs Erziehungs- und Bildungswissenschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker. Die Fotoessays sollen die Sicht der Kinder und Jugendlichen auf den Gebrauchswert der Angebote der OKJA vermitteln. Der vorliegende Text stellt die Untersuchung, die Forschungsmethode und die im Seminar diskutierten Ergebnisse dar. Diese Ergebnisse geben Hinweise auf verschiedene Bildungs- und Handlungsorte von den an der Lehrforschung teilnehmenden Besucher*innen der Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Patrick Kirsch
Alltag von Fachkräften in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Berichte von Fachkräften in Diskussion mit den Herausgeber*innen

In dieser Einleitung zum Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) erzählen zwölf Fachkräfte aus dem Handlungsfeld vom Alltag in ihrer offenen Jugendeinrichtung. Die Herausgeber*innen kommentieren diese Praxisgeschichten aus fachlicher Sicht und stellen Verbindungen zu den Inhalten des Handbuchs her. In der Einleitung des Handbuchs wird damit ein sehr konkreter Einblick in die Praxis der OKJA gegeben. Die Komplexität fachlichen Handelns in diesem Feld und seine vielfältigen Bildungschancen für die Kinder und Jugendlichen werden deutlich.

Ulrich Deinet, Benedikt Sturzenhecker, Larissa von Schwanenflügel, Moritz Schwerthelm
Offene Kinder- und Jugendarbeit im Wandel

Der Beitrag zu den Entwicklungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit beinhaltet einen bezogen auf das Handlungsfeld nach innen und einen nach außen gerichteten Blick. In einem ersten Teil werden auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik empirische Entwicklungen für das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit im Allgemeinen dargestellt. Sofern die Datenlage und eine allerdings nur in Teilen gegebene Abgrenzbarkeit von anderen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit dies zulassen, erfolgt eine zumindest punktuelle Darstellung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Besonderen. Der zweite Teil des Beitrags widmet sich dem gesellschaftlichen Umfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, benennt einige damit verbundene Themen wie Bildung, Digitalisierung oder Inklusion und stellt Bezüge zum Handlungsfeld her. Der Beitrag schließt mit Hinweisen auf zukünftige Entwicklungen.

Jens Pothmann, Ulrich Deinet
Geschichte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit seit 1945

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit reicht in den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück und erfährt ihre Etablierung als eigenständiger Bereich der Jugendarbeit – wie wir sie heute kennen – in der Geschichte der Bundesrepublik. Die historische Entwicklung beginnt mit den German Youth Activities (GYA) der US-amerikanischen Besatzungsbehörden und ist dann in die Jugend- und Sozialgeschichte der Bundesrepublik eingebettet. Sie reicht von den „Heimen“ bzw. „Häusern der Offenen Tür“, über Modelljugendclubs, der Jugendzentrumsbewegung und selbstverwalteten Jugendzentren bis hin zu einer differenzierten und professionalisierten Struktur mit vielfältigen Arbeits- und Aneignungsformen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in öffentlicher oder freien Trägerschaft. Die Geschichte der pädagogischen Leitidee entwickelte sich von „Reeducation“, „sinnvoller Freizeitbeschäftigung“, dann „Mitbestimmung“ und „Selbstverwaltung“ hin zu „Aneignung“. Die durchgehende normative Orientierung des Feldes und der Angebote war und ist, für alle Kinder und Jugendlichen offen sowie ein bedeutsames non-formales und informelles Lern- und Bildungsfeld zu sein.

Benno Hafeneger

Wer macht Offene Kinder- und Jugendarbeit? Mitarbeitende und Professionalität

Frontmatter
Die Mitarbeiter*innen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

In dem Beitrag wird auf Basis der vorliegenden Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik die Situation der Beschäftigten und deren Veränderungen seit den 2000er Jahren referiert und diskutiert. Konstatiert wird bei weiter zu beobachtenden Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland ein Rückgang des Personals der Kinder- und Jugendarbeit, der aber keineswegs, wie zuweilen angenommen, eine Dramatik zeigt, die nahelegt, vom langsamen Ende der Kinder- und Jugendarbeit zu sprechen. Gleichwohl deutet sich über die Empirie an, dass konzeptionell-politische Grundlagen und Zukunftsstrategien im Zusammenhang mit der Kinder- und Jugendarbeit nicht mit einer entsprechenden Ressourcenausstattung für die Träger korrespondieren.

Jens Pothmann, Werner Thole
Fachlichkeit und Professionalität der Mitarbeiter*innen in der Offenen Kinderund Jugendarbeit

Die Kinder- und Jugendarbeit ist ungeachtet des gesellschaftlichen Wandels nach wie vor ein für Kinder und Jugendliche relevanter, non-formaler Bildungs-, Sozial- und Freizeitbereich. In dem sozialpädagogischen Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit sind Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichen Qualifikationen und in unterschiedlichen Anstellungsverhältnissen beruflich tätig. Der Beitrag nimmt Fragen der Fachlichkeit und Professionalität in der einrichtungsbezogenen Kinder- und Jugendarbeit in den Blick. Diskutiert werden Grundfragen sozialpädagogischer Professionalität und professionellen Handelns im Horizont der Kinder- und Jugendarbeit als Professionalisierungsprojekt. Damit stellen sich auch Fragen nach dem notwendigen Wissen und Können, über das die Mitarbeiter*innen in der Kinder- und Jugendarbeit verfügen sollten. Die Antworten sind eine notwendige Voraussetzung, um – fachlich abgesichert und begründet – Angebote und Projekte der Kinder- und Jugendarbeit planen, durchführen und organisieren zu können.

Werner Thole, Jens Pothmann
Anforderungen an Wissen und Können der Fachkräfte der Jugendarbeit und ihre Ausbildung

Kinder- und Jugendarbeit ist ein komplexes und anspruchsvolles Arbeitsfeld innerhalb der Sozialen Arbeit. Ihre Kennzeichen und Strukturmerkmale sind ein Hintergrund und Ermöglichungskontext für zentrale Prozesse der Subjektbildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Allerdings besteht auch der Verdacht, dass diese Prozesse oft hinter dem Rücken der Jugendarbeiter*innen stattfinden und diese häufig nichts davon mitbekommen. Was sollen pädagogische Fachkräfte wissen und können, wenn Jugendarbeit zum Beruf wird? Vorgestellt wird unter anderem das Qualifikationsprofil Jugendarbeit, das im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Hochschule Kempten auf der Basis einer breit angelegten Erhebung des professionellen Selbstverständnisses von pädagogischen Fachkräften der verschiedenen Arbeitsfelder der Jugendarbeit in Bayern entwickelt wurde.

Peter Nick
Siedler oder Trapper?
Professionelles Handeln im pädagogischen Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Text diskutiert und entwirft Konzepte von Professionalität, die sich für die Offene Kinder- und Jugendarbeit eignen. Müller beschreibt zwei Modelle professioneller Kompetenz in der OKJA: das Siedlermodell und das Trappermodell. Im Siedlermodell schlagen Experten Lichtungen des spezialisierten Wissens und Könnens in den hochkomplexen ‚Urwald‘ der Lebenswelten. ‚Trapper‘ hingegen glauben nicht an die völlige Kontrollierbarkeit ihres Handelns, sondern müssen immer wieder neue Wege zwischen den vielseitigen Anforderungen der OKJA hindurch finden und gestalten. Es geht darum, praktikable Verfahren in Bezug auf die Frage zu erfinden, wie das Unvorhersehbare, die unaufhebbare Ungewissheit über das, was im Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit passieren kann, vom unkalkulierbaren zum kalkulierbaren und bewältigbaren Risiko und vor allem zur Chance der Anregung von Bildungsprozessen wird. Vor dieser Grundorientierung diskutiert der Beitrag die für die OKJA typischen pädagogischen Fragen: Offenheit oder Beliebigkeit, Beziehungsarbeit oder Raumorientierung, Marktorientierung oder Qualitätskriterien, Erziehung und/oder Bildung?

Burkhard Müller
Was tun die Pädagog*innen?
Muster pädagogischen Handelns im Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag plädiert dafür, mit Hilfe eines ethnografischen Forschungszugangs das alltägliche Handeln im Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu verstehen und zu beschreiben. Dies wird getan vor dem Hintergrund der Annahme, dass Jugendarbeiter* innen es mit komplexen sozialen Alltagssituationen zu tun haben, in denen die Akteur*innen durch kulturelle Praxen gemeinsame Wirklichkeiten erzeugen. Der Alltag im Jugendhaus wird beschrieben als sozialpädagogische Arena, ein sozialer Ort also, der gemeinsam erhandelt wird, an dem das Geschehen diskontinuierlich sich wandelt und in dem Zugehörigkeit und Anerkennung performativ verhandelt werden. Anhand dreier zentraler Grundmuster des pädagogischen Handelns – Platzierungspraktiken, Modulationen von Alltagskommunikation und Gestaltung von Übergängen – wird sodann die spezifische Professionalität der Pädagog*innen in diesem Handlungsfeld entfaltet und werden schließlich konstitutive Handlungsregeln identifiziert, die sich in diesen Grundmustern aufzeigen lassen.

Peter Cloos, Stefan Köngeter
Kritiken an Professionellen und ihrem Handeln in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Text entwickelt trotz des Wissens um die politisch-fiskalischen Versuche, in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) einzusparen, sie in andere Organisationen zu überführen (Schule oder HzE) und mit Aufgaben zu überfrachten, absichtsvoll die kritische These, dass (auch) die Fachkräfte selbst zu einer Abwicklung der OKJA beitragen. Es wird argumentiert, dass die strukturellen Potenziale der OKJA (Unbestimmtheit der Inhalte und Zielgruppen, Freiwilligkeit der Teilnahme, Angewiesenheit auf die Berücksichtigung der Bedürfnisse, Interessen und Themen der Kinder und Jugendlichen etc.) zur Eröffnung emanzipatorischer Bildung in ihr Gegenteil verkehrt werden, weil Fachkräfte die damit verbundenen komplexen Anforderungen an sozialpädagogisches Handeln abwehren. Solche Abwehrformen werden im Einzelnen kritisch analysiert. Damit entsteht das Risiko, dass die Möglichkeiten emanzipatorischer Subjekt- und Demokratiebildung verloren gehen, die jedoch den konzeptionellen Kern und gesetzlichen Auftrag der OKJA ausmachen.

Albert Scherr, Benedikt Sturzenhecker
Personalmanagement und Personalentwicklung in der OKJA

Die Gewinnung, Qualifizierung und Entwicklung des Personals in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) stellt die Träger dieser Angebote zunehmend vor große Herausforderungen. Vielfältige Qualifikationen, älter werdende Fachkräfte und sehr unterschiedliche, teilweise prekäre Beschäftigungssituationen kennzeichnen das Arbeitsfeld, welches zunehmend von einem Fachkräftemangel betroffen ist. Eine frühzeitig und systematisch angelegte Strategie des Personalmanagements ist daher geboten. Träger der OKJA sind gefordert, bei ihren Aktivitäten zur Personalgewinnung die Schnittstelle zu Hochschulen und Ausbildungsstätten besser zu gestalten und sich dort zu engagieren. Um die Attraktivität der OKJA – auch im Vergleich zu anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit – zu stärken, muss sie sich mit einem fachlich fundierten Kompetenz- und Aufgabenprofil präsentieren. Die Einarbeitung neuer Mitarbeitender sollte systematisch geplant, durch aufgabenspezifische Qualifizierungsangebote unterstützt und durch Instrumente der Personalentwicklung ergänzt werden. Aufgrund der besonderen Merkmale des Arbeitsfeldes ist es sinnvoll, dass große Träger und Jugendämter sowie regionale, trägerübergreifende Zusammenschlüsse systematisch Konzepte des Personalmanagements erproben und überregional die fachpolitische Stärkung des Handlungsfeldes verfolgt wird.

Katja Müller
Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement findet auch in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit statt. Bislang fristet es dort aber ein Nischendasein – nicht, weil es kaum existiert, sondern, weil es öffentlich nicht als solches wahrgenommen wird. Für diese geringe Aufmerksamkeit gibt es Gründe, die in den Besonderheiten des Arbeitsfeldes zu finden sind. Empirisch zeigt sich, dass es in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit viele Formen des Engagements gibt und auch viele Jugendliche (mindestens 200.000) freiwillig engagiert sind. Genauso wie sie ein dauerhaftes, regelmäßiges, kontinuierliches Engagement ermöglicht, bietet die Offene Kinder- und Jugendarbeit gute Möglichkeiten für zeitweiliges, erst einmal unverbindliches Erproben der Verantwortungsübernahme, das Suchenkönnen nach der individuell passenden Form des Engagements.

Eric van Santen, Liane Pluto
Berufsarbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus gewerkschaftlicher Sicht

Der Text informiert über die für die Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) relevanten Gewerkschaften und Berufsverbände. Er zeigt, was besonders die Gewerkschaften leisten in Bezug auf Tarifverhandlungen, Rechtsschutz und Politik. Er informiert über Grundlagen tariflicher Regelungen und Rechte im Handlungsfeld der Sozialen Arbeit. Dazu werden auch Untersuchungen zu Arbeitsbedingungen und Einschätzungen der Fachkräfte vorgestellt. Aus diesen geht hervor, dass Beschäftigte in der Sozialen Arbeit oft unzufrieden mit Gehalt und Arbeitsbelastungen sind, Letztere aber hinnehmen. Daraus folgt die Aufforderung, sich (auch und gerade in Gewerkschaften) gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen und Entlohnung einzusetzen.

Björn Köhler
Belastungen, Unterstützung und Supervision in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Die Anforderungen an die sozialen Berufe haben sich verändert.Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind längst nicht mehr nur „hilflose Helfer“ (Schmidtbauer 1977), sondern auch Sozialmanagerinnen und -manager. Geblieben ist zum einen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Beziehungsarbeit allem voran ihr eigenes Werkzeug sind, und geblieben sind zum anderen die daraus resultierenden besonderen psychischen Belastungen. Der folgende Text lässt Betroffene zu Wort kommen und beschreibt und ergründet die veränderte Arbeitswelt, gibt Verstehensansätze für die beruflichen Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen und zeigt Möglichkeiten der Entlastung und der Selbstsorge auf, beispielsweise durch Supervision.

Matthias N. Schubert
Teamarbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Teamarbeit ist im psychosozialen Bereich allgegenwärtig. Ihre Notwendigkeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) leitet sich aus den Kooperationsanforderungen, der fachlich-funktionalen Differenzierung (multiprofessionelle Zusammenarbeit) und dem Professionsverständnis der Mitarbeitenden ab. Es gilt jedoch, vor einer romantischen Verklärung und Überhöhung von Teamarbeit zu warnen und stattdessen eine auf wissenschaftliche Erkenntnisse und professionelle Erfahrungen gestützte Praxis umzusetzen. Sich der methodischen Grundsätze, Erfolgsfaktoren und Spannungsfelder der Teamarbeit zu vergewissern erscheint insbesondere deshalb notwendig, weil in der OKJA häufig Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichen beruflichen Vorerfahrungen, Erwartungen und Arbeitsweisen zusammenwirken. Um Teamlernen in Projekten und Freizeitaktionen zu ermöglichen, gilt es einen konstruktiven Umgang mit der Vielfalt der Mitarbeitenden und eine Offenheit gegenüber den verschiedenen Arbeitsweisen zu entwickeln. Gleichzeitig muss es Reflexionsräume zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Angebote geben, um methodische Standards zu sichern, auf Bedürfnisse der Kinder- und Jugendlichen flexibel einzugehen und der Weiterentwicklung der Jugendkultur Rechnung zu tragen.

Hans-Jürgen Balz

Wer/Wie sind die Adressat*innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Kinder und Jugendliche

Frontmatter
Intersektionalität und Inklusion als Perspektiven auf die Adressat*innen der Offenen Kinder und Jugendarbeit

Da es Offene Kinder- und Jugendarbeit mit Adressat*innen zu tun hat, die unterschiedlich verschieden sind, sieht sich diese herausgefordert, der Heterogenität der Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden, Ausschlüsse zu mindern und Partizipation für gleichberechtigte Verschiedene zu ermöglichen. In dem Beitrag werden zwei bedeutsame Konzepte vorgestellt, durch die versucht wird, der Fixierung auf nur eine Differenzlinie (z. B. nur Gender oder nur Behinderung) zu entgehen, und mit denen darauf abgezielt wird, der Vielfalt und Verwobenheit von Differenzlinien gerecht zu werden. Dazu wird zunächst Intersektionalität als ein Konzept diskutiert, durch das die je lebensweltlich bedeutsamen Differenzkategorien der Kinder und Jugendlichen in ihren vielfältigen Verflechtungen wahrgenommen werden können. In einem weiteren Zugang werden mit Rückgriff auf den Ansatz „Inklusion“ Hinweise darauf gegeben, warum eine partizipative(re) und gerechte(re) Gestaltung der lebensweltlichen Zusammenhänge aller Kinder und Jugendlichen notwendig ist und wie diese ermöglicht werden kann.

Iris Beck, Melanie Plößer
Empirisches Wissen zu den Besucher*innen

In einem ersten Teil werden die Möglichkeiten der empirischen Datengewinnung in Bezug auf OKJA und deren Besucher*innen sowie die damit zusammenhängenden Vorund Nachteile dargestellt. Dabei zeigt sich, dass insbesondere qualitative Forschungsdesigns bei denen Besucher*innen die Proband*innen zur Datenproduktion darstellen am vorteilhaftesten und praktikabelsten sein können. In einem zweiten Teil warden die Erkenntnisse des vorliegenden Forschungsstands zu Aufkommen, Struktur und Partizipation der Besucher*innen, zur Besuchsfrequenz und Nutzung von Angeboten, zu Arbeitsbeziehungen zu Fachkräften und zu abweichendem Verhalten dargestellt. Die Ergebnisse führen zu dem Schluss, dass nur sehr wenig theoriegeleitete sozialpädagogische Forschung über die OKJA vorliegt.

Holger Schmidt
Mädchen*

Der Artikel beschreibt die Kategorie Mädchen* als Adressat*innengruppe Sozialer Arbeit bzw. der offenen Kinder-/Jugendarbeit. Der Blick auf Mädchen* und die damit verbundenen Arbeitsfelder der feministischen Mädchen*arbeit werden als ein wesentlicher Baustein politischer Bildungsarbeit und kritischer Sozialer Arbeit vorgestellt. Ausgangspunkt des Beitrags sind Forderungen und Erfahrungen von Mädchen* und jungen Frauen* selbst. Orientiert an diesen entfaltet der Artikel verschiedene Anlässe, Spannungsfelder und Widersprüche feministischer Mädchen*arbeit. Inspiriert von einem politischen und konfliktorientierten Selbstverständnis lädt der Artikel dazu ein, den Blick auf Mädchen* als eine queer_feministische Intervention zu verstehen, der mit einem intersektionalen Blick auf Macht- und Herrschaftsverhältnisse verbunden sein sollte. Die Autorin zeigt auf, dass ein solches Verständnis im Kontext antifeministischer, rechtspopulistischer, neoliberaler und rassistischer Vereinnahmungen feministischer Diskursfelder und Themen mehr als angebracht zu sein scheint.

Linda Kagerbauer
Jungen*

Im Zentrum des Beitrags stehen Jungen* als Adressaten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie spezifische Angebote für diese Gruppe. Zunächst wird ein Definitionsvorschlag erarbeitet, um die Kategorie ‚Junge*‘ theoretisch zu fassen. Darauf aufbauend werden Adressierungen von Jungen* auf gesellschaftlicher, organisationaler und der Ebene der sozialpädagogischen Interaktion diskutiert.Im Beitrag wird Jungen*arbeit als ein Teilbereich geschlechterreflexiver Kinder- und Jugendhilfe verstanden, der mit Angeboten der Mädchen*arbeit und der queeren Bildungsarbeit zusammengedacht werden muss. Der Aufsatz skizziert Debatten um Jungenarbeit und schlägt ein alternatives Verständnis von Jungen*arbeit vor, in dem Bedarfe der Jungen* im Umgang mit Männlichkeitsanforderungen sowie die Vielfalt von Jungen* im Mittelpunkt stehen. Im abschließenden Ausblick wird deutlich, dass Jungen*arbeit weiterhin als ein notwendiger Bestandteil der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu erachten ist.

Gerd Stecklina, Jan Wienforth
LSBTTIQ als Zielgruppe der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

2003 hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter festgestellt, dass die Jugendhilfe auf der Grundlage von § 1 (3) SGB VIII dazu verpflichtet ist, junge homo- und bisexuelle Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und Benachteiligungen abzubauen. Heute würden hierzu auch trans*, inter* und genderqueere Jugendliche gezählt werden müssen. Da das Coming-out meist zwischen dem 11. Und 16. Lebensjahr stattfindet, ist eine Relevanz des Themas sexuelle und geschlechtliche Vielfalt für die Kinder- und Jugendarbeit offensichtlich. Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche unter der Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität leiden. Der damit verbundene Minderheitenstress kann zu psychischen Erkrankungen oder Suizid führen. Es gibt aber auch Beispiele, die zeigen, dass junge Menschen gestärkt aus der kritischen Phase des Coming-out hervorgehen. Offene Kinder- und Jugendarbeit kann einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung dieser Jugendlichen leisten. Dazu braucht es Regenbogenkompetenz, Schutz gegen Diskriminierung sowie spezielle Angebote für jugendliche LSBTTIQ.

Stefan Timmermanns, Peter Martin Thomas
Kinder (bis 10 Jahre)

Der Beitrag widmet sich Kindern bis zu zehn Jahren als Adressat*innen der Offenen Arbeit. Dies geschieht aus der Perspektive der Kindheitsforschung: Erstens ist davon auszugehen, dass sich Kinder nicht ohne ‚ihre‘ jeweilige Kindheit verstehen lassen, und zweitens befinden sich diese Kindheiten in einem permanenten Wandel. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die offene Arbeit mit Kindern – momentan etwa wenn es um die Ausweitung der Ganztagsschule geht. In diesem Beitrag werden also zunächst gegenwärtige Kindheiten in den Blick genommen und insbesondere die Bedeutung von Familie und Schule beleuchtet. Anschließend wird es unter dem Stichwort der Agency um Kinder und ihre Akteurschaft gehen. Hiervon ausgehend werden im dritten Abschnitt vier aktuelle Herausforderungen für die offene Arbeit mit Kindern identifiziert.

Florian Eßer
Kids – Die 10- bis 14-Jährigen

Als Kids oder ‚Lücke-Kinder‘ werden Heranwachsende im Alter von 10 bis 14 Jahren bezeichnet, die sich am Übergang zwischen Kindheit und Jugend befinden. ‚Lücke‘- Kinder verweist dabei auf ein Doppeltes: Zum einen befinden sich Kids in einer Phase soziokultureller Statusinkonsistenz, in der sie kindlichen Interessen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen zunehmend entwachsen und sich mehr und mehr jugendlichen zuwenden. Damit gehen nicht nur, häufig konflikthafte, Veränderungen im Verhältnis zwischen ihnen und ihrer sozialen Umwelt einher, bspw. aufgrund wachsender Autonomiebestrebungen oder ‚unpassender‘ Statuszuschreibungen. Gleichzeitig müssen sich Kids mit körperlichen und psychischen Veränderungen, mit gewandelten sozialen Erwartungen und Anforderungen, insbesondere von Gleichaltrigen, und nicht selten individuellen Verhaltensunsicherheiten auseinandersetzen. Zum anderen verweist der Terminus ‚Lücke‘ auf eine im Zuge der ‚Entdeckung‘ der Kids (Friedrich et al. 1989) konstatierte Angebotslücke in der Offenen Jugendarbeit. Von einer solchen Lücke kann heute keine Rede mehr sein. Dennoch stellt diese Altersgruppe, auch mit Blick auf differente soziale Hintergründe, spezifische Anforderungen an die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Denn das typisch Untypische von Kids bleibt trotz der Verflüssigung der Grenzen zwischen Kindheit und Jugend sozialpädagogisch bedeutsam.

Thomas Drößler
Jugendliche

Jugendliche Lebenswelten sind vielfältig und keineswegs homogen. Die Jugendphase ist durch Entstrukturierung, Entgrenzung, Verdichtung und Pluralisierung gekennzeichnet. Der Beitrag zeigt die gegenwärtigen Entwicklungen in ihrer Bedeutung für Jugendliche auf. Jugendliche sind bereits früh mit gesellschaftlichen Krisen und den Anforderungen eines durch Konkurrenz geprägten Arbeitsmarkts konfrontiert. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit hat das Potenzial, Frei- und Experimentierräume jenseits eines Optimierungsdrucks zu schaffen, Jugendlichen die Erfahrung von Handlungsfähigkeit zu ermöglichen und sie in ihren Krisenerfahrungen aufzufangen. Sie nimmt für Jugendliche neben den Sozialisationsinstanzen Familie und Schule sowie Beruf eine zentrale Rolle in einer komplexen und unübersichtlichen Welt ein.

Matthias D. Witte, Caroline Schmitt, Yvonne Niekrenz
Junge Erwachsene in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Herausforderung, die junge Erwachsene offensichtlich für die OKJA darstellen. Nach einem kurzen Blick auf den Forschungsstand zur Lebenslage junger Erwachsener, zu zentralen Bewältigungsanforderungen, aber auch zu ihren Bewältigungspraktiken wird gefragt, inwiefern junge Erwachsene die OKJA nutzen. Trotz der Erhebungsprobleme wird deutlich, dass junge Erwachsene inzwischen eine relevante Minderheit darstellen, die im Hinblick auf die Art und Weise, wie sie sich in die OKJA einbringen, nicht zu vernachlässigen ist. Dabei sind sie eben nicht nur als Nutzer*innen, sondern auch als Ehrenamtliche, Honorarkräfte und sogar als hauptamtliche Fachkräfte in der OKJA aktiv. Es ist aber nicht nur bezüglich unterschiedlicher ‚Nutzungs’weisen und Bedürfnisse junger Erwachsener in der OKJA zu differenzieren, sondern auch zu fragen, inwieweit sich in der Beteiligung junger Erwachsener an der OKJA Strukturen sozialer Ungleichheit zeigen und reproduzieren. Schließlich werden zentrale Aspekte eines offensichtlich schwierig gewordenen Verhältnisses und der Herausforderungen und Potenzale, die ältere Zielgruppen für die OKJA darstellen, herausgearbeitet.

Barbara Stauber, Andreas Walther
Kinder- und Jugendarmut – Wie taub ist eine Gesellschaft?

Kinder- und Jugendarmut bildet seit Jahren ein brennendes Problem in unserer Gesellschaft, ohne dass die Politik auch nur annähernd angemessen darauf reagiert. Dabei haben wir es mit abgestuften Formen von relativer Armut zu tun, mit Unterversorgung in allen wichtigen Lebensbereichen, mit Bildungsbenachteiligung und sozialer Ausgrenzung. Für Kinder bedeutet Aufwachsen in Armut eines der zentralen Entwicklungsrisiken, nicht zuletzt auch deshalb, weil Armut meist mit weiteren Problemlagen einhergeht. Für Jugendliche stellt sie eine große Hürde im Übergang von der Schule in Ausbildung und Arbeitswelt dar und zieht den Ausschluss von sozialer Teilhabe in wichtigen Lebensbereichen nach sich. Nicht übersehen werden darf, wie viel Leid, Verzicht und Kraft eine Kindheit oder Jugend in Armut den Betroffenen selbst abverlangt. Der Beitrag geht auf die kurz- und längerfristigen materiellen und immateriellen Folgen von Armut bei Kindern und Jugendlichen ein, auf die individuell verschiedenen Bewältigungsformen und formuliert die sich daraus abzuleitenden Anforderungen an die Kinder- und Jugendhilfe sowie an die Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Margherita Zander
Kindheit/Jugend und Behinderung

Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung sind in erster Linie Kinder und Jugendliche ‚wie alle anderen auch‘. Ihre Partizipation an Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit muss nicht eigens legitimiert werden. Auf der anderen Seite muss ihre Teilhabe und Teilnahme noch eigens thematisiert werden, weil sie aktuell noch nicht selbstverständliche Alltagspraxis ist. Der Beitrag zeigt vor dem Hintergrund des aktuellen internationalen Verständnisses von Behinderung die Diversität, Komplexität und Relationalität von Behinderung auf und geht aus einer menschenrechtlichen Perspektive auf die Anforderungen einer inklusiven und partizipativen Angebotsgestaltung der OKJA ein. Dabei werden Möglichkeiten und Chancen mit Blick auf die generelle Zugänglichkeit und die individuelle Bedarfsgerechtigkeit verdeutlicht.

Iris Beck
Kindheit und Jugend in der Migrationsgesellschaft

Der Ausgangspunkt dieses Beitrags ist, dass das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in gesellschaftlichen Verhältnissen stattfindet, die durch Migration grundlegend geprägt sind. Dies bedeutet für die Jugendforschung und Jugendarbeit, dass die Lebensrealitäten von allen Kindern und Jugendlichen – gleich welcher Herkunft – im Kontext migrationsgesellschaftlicher Verhältnisse und globaler Ungleichheiten zu betrachten sind. Vor diesem Hintergrund wird Kindheit und Jugend in migrationsgesellschaftlichen Verhältnissen diskutiert. Dazu wird zunächst die Vielfalt von Kindheiten und Jugenden in der Migrationsgesellschaft aufgezeigt und herausgearbeitet, dass und inwiefern ungleiche Möglichkeiten und Begrenzungen in der Lebensgestaltung für Kinder und Jugendliche, die im Kontext von globalen Ungleichheiten und migrationsgesellschaftlichen Verhältnissen unterschiedlich positioniert sind, bestehen. Mit Bezug auf empirische Studien wird der Frage nachgegangen, wie sich Kinder und Jugendliche im Kontext hegemonialer Differenzordnungen sowie vor dem Hintergrund von Rassismuserfahrungen positionieren und soziale Zugehörigkeiten aushandeln. Schließlich werden Überlegungen zu daraus resultierenden Konsequenzen und Ansprüchen für die Kinder- und Jugendarbeit formuliert.

Christine Riegel
Von Flucht betroffene Kinder und Jugendliche in der Offenen Jugendarbeit

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) kann in der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen grundsätzlich an bewährte Prinzipien anknüpfen, weshalb ihr auch ein guter Zugang zu ihnen gelungen ist. Zugleich gilt es Besonderheiten zu beachten. Die Folgen der Flucht, die oft problematische Lebenslage in Deutschland, die ausgrenzenden rechtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Abwehrreaktionen sowie das neue gesellschaftliche Umfeld mit zum Teil divergierenden Werten und Normen (etwa in Bezug auf familiäre Bindung, Erziehungs- und Genderfragen) sowie hohe Orientierungs- und Beratungsbedarfe u. Ä. m. sind spezifische Faktoren, die sich auch auf die OKJA auswirken. Die Akteure der OKJA sind stets gefordert, die jeweiligen Lebenslagen und Bedarfe ihrer Besucher*innen – in diesem Fall geflüchtete junge Menschen – wahrzunehmen und neue konzeptionelle Herausforderungen in der Arbeit zu berücksichtigen oder ggf. eine neue Fokussierung vorzunehmen (etwa aufsuchende Angebote, Beratungsaufgaben, Vernetzung im Sozialraum, Integrationshilfen, spezifische Angebote, gesellschaftspolitische Positionierung). Eine Überbetonung von Verschiedenheit und eine kollektive Konstruktion von Besonderheiten, die allen Geflüchteten zugeschrieben wird, ist jedoch unangemessen. Auch Flüchtlingskinder sind in erster Linie Kinder.

Reinhold Gravelmann
Jugenden in unterschiedlichen Lebenswelten und sozialen Milieus

Die jugendlichen Lebenswelten des SINUS-Instituts sind ein Modell, in dem junge Menschen entsprechend ihrer normativen Grundorientierung, ihrem Lebensstil, ihren Lebenszielen sowie ihrer formalen Bildung differenziert werden. In dem Modell, das sich am Konzept der sozialen Milieus orientiert, werden Vertreter*innen von sieben Lebenswelten beschrieben: Konservativ-Bürgerliche, Adaptiv-Pragmatische, Prekäre, Materialistische und Experimentalistische Hedonisten, Sozialökologische und Expeditive. In jeder dieser Lebenswelten gibt es ein spezifisches Alltagsbewusstsein, typische Freizeitinteressen, gemeinsame Haltungen zu Bildung, Beruf und andersen Themen. Junge Menschen aus einer Lebenswelt haben darüber hinaus Gemeinsamkeiten im Hinblick auf ihren Wohngegend und die Bewegung im sozialen Raum. Damit ist die Beschreibung der jugendlichen Lebenswelten für lebensweltorientierte und sozialräumliche Ansätze der Offenen Jugendarbeit ein hilfreiches Instrument zur Konzeptentwicklung.

Christine Uhlmann, Peter Martin Thomas

Wo findet Offenen Kinder-und Jugendarbeit statt? Einrichtungstypen

Empirisches Wissen zu Typen und Merkmalen von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Empirische Befunde aus bundesweiten Erhebungen bei Einrichtungen der OKJA zeigen auf, wie vielgestaltig die einrichtungsbezogene OKJA ist. DIE Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt es nicht. Sie können beispielsweise auf ein unterschiedlich langes Bestehen zurückblicken, sind ganz unterschiedlich groß, haben mehr oder weniger oder gar kein hauptamtliches Personal und werden von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Anspruch genommen. Bei aller Unterschiedlichkeit lassen sich jedoch auch Gemeinsamkeiten ausmachen. Der offene Treff ist nach wie vor konstitutiv für nahezu alle Einrichtungen, und sie zeichnen sich durch eine große Bandbreite an freizeitbezogenen, musisch-künstlerischen und unterstützenden Angeboten aus.

Christian Peucker, Liane Pluto, Eric van Santen
Architektur für die Offene Kinder- und Jugendarbeit

Die Planung eines Jugendhauses oder -zentrums erfordert von Architekt*innen eine aktive Auseinandersetzung mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Gleichermaßen erfordert es auch seitens der Jugendarbeiter*innen ein Interesse an architekturrelevanten Fragestellungen. In einem gemeinsamen Aushandlungsprozess müssen sie herausfinden, welche räumlich-atmosphärischen Qualitäten sie sich von dem neuen Haus für die Kinder und Jugendlichen erwarten und wie dies in eine bauliche Gestalt übersetzt werden kann. Der vorliegende Beitrag widmet sich diesem Aushandlungsprozess und zeigt auf, was ein Raumprogramm für ein Haus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ausmacht, welche architektonischen Überlegungen angestellt werden müssen, um diesem Raumprogramm heute und in Zukunft zu entsprechen, und wie Planungsprozesse gestaltet sind, die die Bedürfnisse der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aufnehmen.

Eva Lingg
Abenteuerspielplätze und Jugendfarmen

Abenteuerspielplätze und Jugendfarmen sind pädagogisch betreute Spielplätze, die Kinder und Jugendliche unmittelbar in ihrem städtischen Wohngebiet erreichen können, mit freien Flächen, Hügeln und Nischen sowie Bäumen und Buschwerk, wo sie toben, spielen, sich verstecken, klettern, rennen oder sich einfach nur treffen können. Auf dem Gelände finden sich neben Platz zum Bauen von Hütten und Buden eine Feuerstelle und ein Teich, der dazu geeignet ist, dass Kinder darin spielen können und so im spielerischen Umgang Vertrauen zu den Elementen gewinnen. Es gibt dort einen Garten, in dem Kinder Gemüse anbauen und Blumen pflanzen können. Auch Spiel- und Aufenthaltsgebäude stehen zur Verfügung. Sie beherbergen verschiedene Werkstätten für das Arbeiten mit Ton, Holz oder Metall sowie Unterstände und Stallungen für Tiere. Es gibt Esel, Ponys, Schafe und Ziegen, Kaninchen und Meerschweinchen, Hühner, Enten und Gänse. Die Tiere werden gemeinsam von den Kindern gepflegt, gefüttert, aber auch gestreichelt. Über die gemeinsame Pflege und Versorgung der Tiere wachsen Verantwortungsgefühl und Beziehungen zwischen den Kindern, zu den Tieren und zur Natur.

Hans-Jörg Lange, Klaus Schock, Marcus Schmidt, Angelika Bergmann, Jana Erler
Jugendeinrichtungen mit kulturellem Profil

Kulturelle Bildung findet in der Kinder- und Jugendarbeit an vielfältigen Orten und in vielfältigen Formen statt. Sie ist auch eine originäre Aufgabe Offener Kinder- und Jugendarbeit, so dass darin kulturelle Bildungsangebote schon immer eine bedeutende Rolle gespielt hat. Mit der Zeit haben sich deshalb Jugendeinrichtungen herausgebildet, die ein kulturelles Profil entwickelt haben. Sie bieten neben den üblichen freizeitpädagogischen Aktivitäten auch in unterschiedlicher Weise künstlerische-kulturelle Angebote an, haben sich auf ein künstlerisches Themengebiet spezialisiert oder sich als Freiraum für Jugendkulturen entwickelt. Dieser Artikel beschreibt daher die unterschiedlichen Ausprägungsformen von Einrichtungstypen mit einem kulturellen Profil in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Er zeigt dabei auf, inwiefern die Einrichtungen die Prinzipien der Offenen Jugendarbeit (Freiwilligkeit, Niedrigschwelligkeit, Partizipation, Offenheit, Lebensweltorientierung) mit Kultureller Bildung verknüpfen, und erläutert die notwendigen Kooperationen mit dem Kulturbereich für die Umsetzung der Konzepte. Abschließend wird auf die Bedeutung dieser Kooperationen und Vernetzungen für die Offene Kinder- und Jugendarbeit eingegangen.

Joanna Sinoplu
Sport in den Einrichtungen der Offenen Kinderund Jugendarbeit

Erfahrungsberichte und aktuelle statistische Erhebungen zur Angebotsstruktur der Einrichtungen der Offenen Kinder und Jugendarbeit (OKJA) deuten darauf hin, dass die beiden Themenschwerpunkte Spiel und Sport die dortigen sozialarbeiterischen Praxen stark prägen. Zudem zeigen sich verstärkt neue Ansätze einer aufsuchenden mobilen sozialräumlichen Kinder- und Jugendarbeit durch Sport. Ihre Entstehung verläuft kongruent zu den fachlichen Erkenntnissen, dass der räumlichen Nähe jugendarbeiterischer Angebote eine Schlüsselrolle für die Teilnahme zukommt und Kinder und Jugendliche Sport zunehmend nicht mehr vordergründig unter dem Blickwinkel des an Vereine gebundenen Wettkampfsports sehen. Im starken Kontrast zum hohen Umfang spiel- und sportbezogener Angebote in den Einrichtungen der OKJA stehen der Mangel an theoretischer Grundlegung für die Arbeit der hier beruflich tätigen Fachkräfte und an der erforderlichen konzeptionellen Aufbereitung von Sport als sozialarbeiterisches/-pädagogisches Mittel. Angesprochen sind damit zugleich die bislang stark vernachlässigte empirische Forschung und die theoretische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen des Einsatzes von Spiel und Sport in der OKJA und den diesbezüglich postulierten Wirkungen.

Olaf Zajonc, Sebastian Koerber
Mädchen*treff

Mädchen*treffs als geschlechtshomogene Einrichtungen bieten seit Ende der 70er Jahre Möglichkeitsräume für Mädchen* und als weiblich gelesene Jugendliche an und leisten mädchen*politisch einen Beitrag zur Dekonstruktion von machtvollen Geschlechterzuschreibungen. Seit ihrer Entstehung hat sich die Angebotsstruktur der Mädchen*arbeit stetig (weiter-)entwickelt. Rassismuskritische und queere Perspektiven verändern die Mädchen*räume und haben Einfluss auf die Entwicklung der Organisationen. Der folgende Beitrag zeigt auf, wie die Grundprinzipien der Mädchen*arbeit aus einer intersektionalen Perspektive in der Auseinandersetzung u. a. mit dem Konzept der Parteilichkeit, dem Betroffenheitsparadigma und dem geschlechtshomogenen Mädchen* raum weiterentwickelt werden können.

Yasmina Gandouz-Touati, Marthe Heidbreder, Sanata Nacro
Jungen*treff

Der Text begründet, warum ein geschlechtshomogenes Setting im Rahmen einer geschlechtsreflexiven Sozialpädagogik Sinn machen kann, welche Ziele dieses Angebot der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) verfolgt und was seine grundsätzlichen Arbeitsprinzipien beinhalten. Er orientiert sich an Konzepten geschlechterreflexiver Sozialpädagogik und an ausgewählten Konzepten von Jungen*arbeit.

Marc Melcher
LSBT-Einrichtungen

Der vorliegende Handbuchartikel befasst sich mit den Charakteristika von sogenannten „LSBT*-Einrichtungen“ in Abgrenzung zu beispielsweise spezialisierten Jugendangeboten der Mädchen- und Jungenarbeit.Bei der Beschreibung des Einrichtungstyps „LSBT*-Einrichtung“ wird der Fokus auf die Verhältnisse im Flächenland NRW gerichtet, wo bisher anzahlmäßig die meisten LSBT*-Jugendangebote existieren und eine gute Beschreibung der Vor-Ort Verhältnisse über die Fachstelle Queere Jugend NRW geleistet werden kann. Ein klar definierter Einrichtungstyp lässt sich aktuell nicht beschreiben, vielmehr ist eine große Unterschiedlichkeit der Trägerkonstrukte festzustellen sowie ein bedeutsames ehrenamtliches Bemühen von Jugendlichen und jungen Menschen, kommunale Versorgungslücken für die besonders vulnerable Zielgruppe zu schließen. Es muss unterschieden werden zwischen den wenigen LSBT*-Jugendtreffs, in denen hauptberufliche pädagogische Fachkräfte arbeiten, und der Vielzahl ehrenamtlich organisierter LSBT*-Jugend(selbsthilfe) gruppen. Abschließend wird auch auf die Frage eingegangen, ob die Bezeichnung LSBT*-Jugendtreff (noch) passend ist, da sich insbesondere selbstorganisierte Jugendgruppen immer mehr unter dem Begriff „queer“ zusammenfinden.

Jan Gentsch, Kira Splitt
Spielmobile

Die ersten Spielmobile rollten Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre in Berlin, Köln und München durch die BRD. Der Höhepunkt der Spielmobilgründungen fiel in das Jahr 1979, das von der UNO deklarierte ,,Jahr des Kindes“. In der DDR entstand ab Ende der 70er Jahre die Spielwagen-Bewegung. Derzeit existieren in Deutschland etwa vierhundert Spielmobile. Erhebliche Fluktuationen lassen eine genauere Angabe nicht zu. Das Spielmobil erschließt vor allem aufgrund seiner Mobilität in besonderer Weise Kindern in der Stadt und auf dem Lande Auseinandersetzungs- und Aneignungschancen; damit kommt ihm eine erhebliche Funktion in Bezug auf den Bildungserwerb von Kindern zu. Des Weiteren erfahren die Nutzer*innen quasi ,,nebenher“ eine nicht zu unterschätzende Gesundheitsförderung, dies vor allem vor dem Hintergrund der Außenaktivitäten und der motorischen Angebote. Baacke et al. (1990) machten im Aktivwerden des Spielmobils den Versuch einer ,,Gegeninszenierung“ aus, eine ,,inszenierte Begegnung von Pädagogen und Kindern“, in der versucht wird, einen Zusammenhang ,,zwischen Gegenseitigkeit, Körperlichkeit, Ganzheitlichkeit (und) Rhythmus“ herzustellen und das ,,Gefühl für Freiheit und Bewegung […] wieder hereinzuholen“ (ebd.). Über dieses — möglicherweise grundsätzliche — Basisverständnis der Spielmobilarbeit hinaus existiert eine ausgesprochene Breite an Konzepten, Aktivitäten, Aktionsorten, Strukturen, Trägerschaften, Zielgruppen und Mitarbeiter*innen-Konstellationen.

Rainer Deimel, Stefan Melulis
Selbstverwaltete Jugendeinrichtungen

Der Beitrag stellt Strukturmerkmale selbstverwalteter Jugendräume und deren Typisierung vor. Es werden Kriterien für eine Definition angeboten. Einer Skizze zum historischen Hintergrund der Jugendzentrumsbewegung und Ausführungen zur quantitativen Verbreitung der Einrichtungen in Deutschland folgt eine Einschätzung der selbstverwalteten Jugendräume hinsichtlich ihrer Wirkung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Selbstverwaltete Einrichtungen werden ausgewiesen als Freiräume, in denen Bildungserfahrungen mit hoher biografischer Relevanz gemacht werden und die im Rahmen von Aushandlungsprozessen Orte demokratischer Bildung sind. Der Beitrag stellt den Status quo der pädagogischen Begleitung und Unterstützung der Einrichtungen durch Fachkräfte der OJA vor und formuliert normative Zielsetzungen hinsichtlich professioneller Haltung und Handlungsbereiche dieser Arbeit, bevor abschließend Perspektiven des Einrichtungstyps vor dem Hintergrund aktueller Fachdebatten skizziert werden.

Tobias Drumm, Alexandra Groß, Theo Koch
Offene Kinder- und Jugendarbeit in ländlichen Regionen

Professionelle Kinder- und Jugendarbeit entsteht durch einen reflexiven Umgang mit der eigenen Arbeitssituation, mit spezifischen Gegebenheiten der Zielgruppe und deren Lebenssituation sowie in Auseinandersetzung mit den räumlichen Bedingungen der pädagogischen Arbeit. Der folgende Beitrag richtet den Blick auf die Besonderheiten der Lebenswelten junger Menschen in ländlichen Regionen und skizziert spezifische strukturelle Bedingungen Offener Kinder- und Jugendarbeit auf dem Land.

Joachim Faulde
Offene Kinder- und Jugendarbeit in der Großstadt

Dieser Beitrag versucht einen Überblick über Rahmenbedingungen und Ausprägungen von Offener Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) in Großstädten zu geben. Er beleuchtet zunächst die Ausgangssituation von Kinder- und Jugendleben in Metropolen. Wenn auch nicht von den Großstadtkindern oder -jugendlichen gesprochen werden kann, so zeigt sich doch eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die das Aufwachsen betreffen. Im Anschluss werden daraus die Herausforderungen, vor denen die OKJA in Großstädten steht, und der Umgang mit diesen entwickelt. Wichtige Stichwörter sind dabei u. a. Kooperation mit Schule und Heranwachsenden Raum (gemeint als Ort und Zeit) geben. Der dritte Teil betrachtet spezielle Angebote der OKJA, die sich entweder besonderen Zielgruppen oder spezifischen Themen widmen und ggf. auf den ersten Blick dem Prinzip der Offenheit für alle Besucher*innen entgegenstehen. Der Schlussteil befasst sich mit den Trägern und Mitarbeiter*innen sowie mit der Frage, welchen positiven Einfluss diese auf die OKJA in der Großstadt nehmen bzw. welche positiven Auswirkungen der Großstadt sie in ihrer Arbeit spüren können.

Manuela Sauer
Neue Einrichtungsformen und Organisationsentwicklungen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

In der Offenen Kinder- und Jugendarbeit werden in den letzten Jahren konzeptionelle Veränderungen sichtbar, die das klassische Konzept der OKJA verlassen und Kooperationsbezüge mit anderen Bereichen der Jugendhilfe herstellen. In diesem Beitrag werden einige konzeptionelle (Weiter-)Entwicklungen der OKJA beschrieben, die nicht als grundlegend neu zu bezeichnen sind. Gleichwohl erweitern diese Entwicklungen die Konzepte der Einrichtungen insoweit, als sich daraus ‚neue Einrichtungstypen‘ ergeben können. Grundlage hierfür ist keine empirische Studie, sondern die langjährige Beobachtung des Feldes durch die Autor*innen.

Ulrich Deinet, Christina Muscutt
Fanarbeit

In diesem Beitrag wird Offene Kinder- und Jugendarbeit für eine spezielle Zielgruppe beschrieben: Fans professioneller Fußballvereine. Gefragt wird nach übergreifenden didaktischen und methodischen Vorgehensweisen angesichts einer nur scheinbar homogenen Zielgruppe, der Arbeitssituation der Mitarbeiter*innen sowie einer möglichen Vorbereitung auf Fanarbeit als professionelle Soziale Arbeit.

Jochem Kotthaus, Holger Schmidt, Daniela Templin

Wozu Offene Kinder- und Jugendarbeit? Theoretische Ansätze und Perspektiven

Frontmatter
Subjektorientierte Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag entwickelt Grundlagen und Implikationen der Theorie subjektorientierter Jugendarbeit. Subjektorientierung wird dabei als ein übergreifendes Grundprinzip verstanden, das für unterschiedliche konzeptionelle Ansätze der Jugendarbeit bedeutsam ist. Zentral ist die Annahme, dass Offene Jugendarbeit weder auf ein sozialarbeiterisches Mandat der Betreuung, Kontrolle und Disziplinierung benachteiligter Jugendlicher, noch auf die Funktion einer schulergänzenden Betreuung und Qualifizierung reduziert werden sollte. Demgegenüber wird dafür plädiert, Jugendarbeit als einen Bereich pädagogischer Praxis zu gestalten, der eigenständige Möglichkeiten der Förderung von Persönlichkeitsentwicklung durch Bildungsprozesse eröffnet. Grundlegend dafür ist ein Verständnis von Subjektivität als normativ-kritischer Grundbegriff, der dazu dient, sowohl Behinderungen, Beschädigungen und Begrenzungen als auch Ermöglichungsbedingungen von Selbstbewusstsein und Selbstbestimmungsfähigkeit zu analysieren.

Albert Scherr
Pädagogische Ortsgestaltung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

In der sozialpädagogischen Fachdiskussion um Sozialraumorientierung wird der Sozialraum vielfach mit dem Stadtteil gleichgesetzt, in dem z. B. ein Jugendtreff angesiedelt ist oder in dem Jugendliche agieren. Raum wird damit als gegenständliche Szenerie, vor der sich menschliches Handeln abspielt, aufgefasst. Eine reflexive Betrachtung der Genese der Offenen Kinder- und Jugendarbeit offenbart, dass in diesem Handlungsfeld pädagogisches Handeln seit jeher konzeptionell über den Raum aufgeschlossen wird. Aktuell wird jedoch deutlich, dass in der OKJA sozialräumliches Denken und Handeln vorwiegend mit einer Bewegung „nach draußen“, also hinaus aus Jugendhäusern, -treffs und -zentren verbunden ist, um Jugendliche in ihren Lebenswelten und den darin artikulierten Aneignungsbedürfnissen abholen und ggf. wieder zurück ins Haus, also an die Orte der OKJA, holen zu können und in bestehende Angebote zu integrieren. Kaum diskutiert wird hingegen, wie der pädagogische Ort der OKJA, an dem sich ein Großteil des Alltags in der OKJA abspielt, so gestaltet werden kann, dass den Aneignungsbedürfnissen Jugendlicher entsprochen werden kann. Ausgehend vom Ziel der Ermöglichung von Aneignungsprozessen geht der Beitrag der Frage der Gestaltung pädagogischer Orte in der OKJA nach – einerseits unter Rückgriff auf theoretischkonzeptionelle Überlegungen Michael Winklers, andererseits anhand empirischen Materials zur Veranschaulichung von Möglichkeiten und Grenzen der Ermöglichung von Aneignung durch die Gestaltung pädagogischer Orte.

Christian Reutlinger, Ulrike Hüllemann, Bettina Brüschweiler
Die sozialintegrative Funktion der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Das wohlfahrtsstaatliche Konzept der Sozialintegration, mit dem Devianz und Anomien reduziert bzw. vermieden werden sollen, wird hier prozesshaft aus der Sozialisations- und Bewältigungsperspektive verstanden. Der Wandel der Sozialintegrationsaufgabe der (Offenen) Jugendarbeit wird historisch seit Anfang des 20. Jahrhunderts nachgezeichnet bis zur Neudefinition unter sozialisatorischer und sozialräumlicher Perspektive.Angesichts der Herausforderungen gesellschaftlicher Individualisierung und Unverbindlichkeit und ihrer Risiken wie sozialer Vereinzelung und Desorientierung werden der OKJA Aufgaben der Milieubildung zugeschrieben, die sozial-emotionale Gegenseitigkeit, Selbstwert und soziale Orientierung ermöglichen sollen.

Lothar Böhnisch
Bildung und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Text erläutert den Bildungsauftrag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Dazu wird zunächst eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlich vorherrschenden, auf Humankapitalbildung und Schule zentrierten Bildungsverständnis geführt. Anknüpfend daran stellt sich unter Rückgriff auf das klassische Bildungsdenken die Frage nach einem für die Jugendarbeit angemessenen Bildungsbegriff und nach zentralen, jugendarbeitsspezifischen Zugängen zu Bildung. Es werden übergreifende bildungstheoretische Reflexionen für Konzeptionen der Jugendarbeit fruchtbar gemacht und die Bedeutung der jugendlichen Gesellungspraxis für die bildungsorientierte Jugendarbeit skizziert, um schließlich Konsequenzen für das professionelle Handeln in der bildungsorientierten Jugendarbeit abzuleiten.

Stephan Sting, Benedikt Sturzenhecker
Genderorientierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Theoretische und handlungspraktische Perspektiven auf Gender in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Geschlecht ist ein zentrales gesellschaftliches Ordnungskriterium, mittels dessen Geschlechterdifferenzen zur sozialen Tatsache gemacht werden, und es ist auf vielerlei Ebenen relevant in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. In der Umsetzung einer geschlechtsbezogenen und intersektionalen Qualitätsentwicklung die Kategorie Geschlecht zur professionellen Reflexion zu nutzen, heißt nicht nur, das Vorhandensein dieser Geschlechterordnung aufzuspüren, sondern sie auch zu verstehen und zu gestalten. Der vorliegende Beitrag stellt fünf theoretische Perspektiven aus der Geschlechterforschung sowie zentrale handlungspraktische Ansätze der geschlechtsbezogenen Pädagogik dar, um den Fachkräften der OKJA handlungsleitende Erkenntnisse und produktive Impulse zur fortwährenden Professionalisierung ihrer Arbeit anzubieten.

Mart Busche, Michael Cremers
Internationale Jugendarbeit in der Offenen Jugendarbeit

Internationale Jugendarbeit ist ein eigenständiges Arbeits- und Diskursfeld innerhalb der Jugendarbeit und zugleich ein Querschnittsbereich, der sich auch auf die Offene Jugendarbeit bezieht. Die strukturellen Grundlagen der Internationalen Jugendarbeit sowie das Konzept der „reflexiven Internationalität“ werden dargestellt und es wird ausgelotet, wie Struktur und Konzeption auf die Offene Jugendarbeit zu beziehen sind. Eine Einrichtung der Offenen Jugendarbeit, die sich auf Kinder-und Jugendreisen sowie internationale Jugendarbeit spezialisiert und ihren Adressat*innen den Zugang zum „Mobilitätspuzzle“ der Angebote eröffnet, ist ein seltenes Beispiel der gelungenen Bezugnahme. Auf Grundlage einer Studie zu Barrieren in der Internationalen Jugendarbeit werden abschließend Herausforderungen für internationale Dimensionen in der Offenen Jugendarbeit formuliert.

Andreas Thimmel
Interkulturelle und antirassistische Ansätze in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag zeigt auf, welche Anforderungen und Aufgaben der Jugendarbeit aus der unbestreitbaren Tatsache Einwanderungsgesellschaft resultieren. Konzepte der interkulturellen und multikulturellen Pädagogik werden dazu kritisch hinterfragt: Die Annahme, dass wir in geschlossenen Kulturen und mit stabilen kulturellen Identitäten leben, ist keine geeignete Grundlage für die Jugendarbeit. Vor diesem Hintergrund werden Perspektiven für eine Jugendarbeit dargestellt, die sich konsequent gegen Diskriminierung und Rassismus engagiert.

Albert Scherr
Differenzorientierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Die Orientierung an Differenzen und Differenzverhältnissen ist für die Offene Kinder- und Jugendarbeit bedeutsam, weil mit Differenzsetzungen Ungleichheiten, Ausschlüsse und Diskriminierungen einhergehen können. Die Relevanz einer Differenzorientierung in der Kinder- und Jugendarbeit wird in dem Beitrag zunächst mit Blick auf drei zentrale Argumentationslinien herausgearbeitet: Erstens werden Formen der strukturellen und symbolisch-diskursiven Diskriminierung entlang von Differenzkategorien dargestellt. Zweitens wird gezeigt, dass und wie Differenzen selber aktiv hergestellt werden und drittens wird deutlich gemacht, inwiefern auch die Selbstverständnisse, die Deutungs- und Handlungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen durch Differenzverhältnisse bestimmt sind. In einem weiteren Zugang werden mit den Perspektiven „Differenzanerkennung“, „Differenzkritik“ und „Dominanzsensibilität“ Hinweise auf mögliche Umgangsweisen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit Differenz gegeben.

Melanie Plößer
Inklusion und Partizipation in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Inklusion braucht Partizipation und Partizipation Inklusion, auch in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Der Text begründet diesen Zusammenhang vor dem Hintergrund einer demokratischen Gestaltung von Partizipation. Am Beispiel der Zielgruppe von Kindern und Jugendlichen, die von Behinderung betroffen sind, wird eine differenzgerechte und demokratische Offene Kinder- und Jugendarbeit entworfen. Es wird gezeigt, wie Inklusion als Teilhabe darin besteht, unterschiedlichsten Kindern und Jugendlichen auf unterschiedliche Weise Zugänge zur OKJA zu eröffnen, und ihnen dann eine Teilnahme an der demokratischen Mitentscheidung und Mitgestaltung der gemeinsamen Lebensführung in den Einrichtungen der OKJA zu ermöglichen.

Iris Beck, Benedikt Sturzenhecker
Ästhetisch-kulturelle Bildung und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Ästhetisch-kulturelle Bildung wird als grundlegend und unhintergehbar für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen begriffen. Offene Kinder- und Jugendarbeit bietet Gelegenheitsstrukturen zur Rezeption und Gestaltung sowohl von alltäglichen Wahrnehmungsformen als auch von künstlerisch geschaffenen Ausdrucksmöglichkeiten in der gesamten Spannbreite darstellender und bildender Kunst. Gleichwohl wird dieser Möglichkeitsraum zur Teilhabe von Kindern und Jugendlichen und zur Bewältigung lebensweltlicher Herausforderungen im Selbstverständnis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in eher nachgeordneter Weise aufgenommen. Der Beitrag bietet eine Reihe von Aspekten zur Begründung und Stärkung der Kulturellen Bildung sowohl in theoretischer und praktischer Hinsicht.

Rainer Treptow
Kommunale Sozialpädagogik und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Kinder- und Jugendarbeit wird in diesem Beitrag als spezifischer Ort der Kommunikation, demokratisch strukturierten Partizipation, Anerkennung sowie Selbst- und Gemeinwirksamkeit verstanden. Das sind die Annahmen einer kommunalen Sozialpädagogik, die raum- und gesellschaftstheoretische Bezüge vereint, um daraus sozialpädagogische Grundsätze, theoretische Kategorien sowie Handlungsprinzipien einer Unterstützung von Subjektbildung abzuleiten. Lebensweltliche und institutionelle Öffentlichkeiten der Verständigung sowie Teilnahmeerfahrungen sind Ziele einer solchen Pädagogik des Sozialen im Stadtteil. Im Ergebnis dieses Beitrags wird davon ausgehend eine konzeptionelle Entwicklungsmatrix für die Offene Kinder- und Jugendarbeit entworfen – als Theorie (in) ihrer Praxis.

Stephan Maykus
Der Capability Approach und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Artikel geht der Frage nach, ob und inwiefern der Capability Approach eine sinnvolle ethisch fundierte evaluative Perspektive für die Beurteilung der Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bietet. Es wird im Folgenden argumentativ geprüft, ob der Capability Approach mit den grundlegenden Prinzipien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kompatibel und somit in der Lage ist, die Qualität ihrer Organisationen zu bestimmen, ohne dabei über die Formulierung der evaluativen Endpunkte eine Verschiebung des Zweck-Mittel-Verhältnisses vorzunehmen. Um dieser Frage nachzugehen, werden zunächst in Kürze die Grundzüge des Capability Approach erläutert, um dann die damit verbundenen ethischen Perspektiven entlang der Prinzipien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Freiwilligkeit, Offenheit und Diskursivität – zu diskutieren.

Zoë Clark
Nachhaltigkeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein Konzept, das basierend auf dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung wurdet. Es zielt darauf ab, Menschen in die Lage zu versetzen, nachhaltig zu denken und zu handeln. Das ist auch ein Thema für die Offene Kinder- und Jugendarbeit, da Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag mit Nachhaltigkeitsfragen konfrontiert sind. Bisher stand das Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit weniger stark im Fokus der Fachdiskussionen zu Bildung für nachhaltige Entwicklung. Doch um handlungsfähig zu werden, brauchen Kinder und Jugendliche Orientierung und Erfahrungsräume, auch zu nachhaltiger Entwicklung und somit professionelle Fachkräfte. Doch was heißt BNE in der Praxis und welche Herausforderungen stellen sich? Dieser Beitrag bietet Hintergrundinformationen zum Konzept, skizziert Herausforderungen und beschreibt Ansatzpunkte.

Susanne Schubert
Prävention und Offene Kinder- und Jugendarbeit – eine Diskussion

Die beiden Autor*innen diskutieren kontrovers Begründungslinien und Konzeptansätze einer Präventionsorientierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Icking sieht im Konzept der Lebensbewältigung nach Böhnisch Anknüpfungspunkte für eine jugendarbeiterische Prävention, die schon länger empirisch nachweisbar in Handlungsschwerpunkten der OKJA (wie schulbezogene Nachmittagsbetreuung, individuelle Krisen- und Lebensberatung sowie Bearbeitung von Armutsfolgen) realisiert wird. Icking verwendet einen Präventionsbegriff, der nicht kausal auf den Zweck des Verhinderns von Schaden und Gefährdungen zielt, sondern sich an unterstützenden und fördernden Bedingungen ausrichtet, die es den Individuen erlauben, eigene – auch eigensinnige – Lebensentwürfe umzusetzen. Sturzenhecker stimmt mit diesem Ziel von Jugendarbeit durchaus überein und sieht es als konzeptionellen Kernbestand der OKJA auch schon bevor das Präventionsparadigma dominant wurde. Für ihn sind die Risiken der Unterordnung der Jugendarbeitskonzepte unter den aus anderen Disziplinen bzw. Professionen importierten Präventionsdiskurs allerdings zu groß. Für ihn kann die OKJA sich sehr wohl mit einer um die Ausrichtung an Subjekt- und Demokratiebildung erweiterte Bewältigungsorientierung fachlich orientieren und legitimieren, ohne die fachliche Eigenständigkeit an das Präventionsdenken abzugeben.

Maria Icking, Benedikt Sturzenhecker
Offene Kinder- und Jugendarbeit in mediatisierten Alltags- und Lebenswelten

Die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen stellen sich heute mediatisiert dar. Ihre Bewältigung des Alltags findet somit in hybriden On-/Offline-Räumen statt, in denen sich die Heranwachsenden vielfältig vernetzen und verorten bzw. platzieren, in denen sie gleichzeitig aber auch mit neuen kommunikationskulturellen Problemlagen konfrontiert werden. Diese veränderte Ausgangslage fordert die Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vielfältig heraus. Notwendig ist die Entwicklung eines professionellen Umgangs, der gleichermaßen die Ermöglichungs- und die Disziplinierungsdimensionen der digital-vernetzten Infrastruktur im Blick hat. Hier liefert die Medienpädagogik eine hilfreiche Orientierung. Mit einem mediensozialisatorischen Zugang zur Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen sowie den Konzepten der Medienkompetenz, Medienbildung und Medienpädagogischen Kompetenz eröffnet sie wichtige und notwendige Perspektiven auf das sich wandelnde sozialarbeiterische Handlungsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, wobei Schnittstellen insbesondere auch zur Lebenswelt- und Sozialraumorientierung deutlich werden.

Angela Tillmann, André Weßel
Gesundheitsförderung und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Text begründet, warum Gesundheitsförderung ein wichtiges Thema der Offenen Kinder- und Jugendarbeit darstellt, und entwirft grundsätzliche Handlungsansätze dazu.Dabei steht die aktuelle gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund. Darauf aufbauend werden die wichtigsten Befunde und theoretischen Modelle in diesem Zusammenhang referiert. Vor dem Hintergrund der beiden Perspektiven richtet sich der Fokus dann auf die Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Welche rechtlichen Rahmen sind dort zu berücksichtigen? Welche konkreten Bedarfe und Herausforderungen gilt es in den Blick zu nehmen? Welche sinnvollen Ansätze gibt es bereits, um an dieser Stelle mit der Umsetzung in konzeptioneller, aber auch ganz praktischer Hinsicht zu beginnen? Und schließlich: Welche Rahmenbedingen müssen gegeben sein, um Gesundheitsprävention in der Praxis auch wirklich erfolgversprechend und gewinnbringend realisieren zu können?

Monika Chilla, Matthias Gensner, Joachim König
Queer in der Offenen Jugendarbeit

Jugendliche, die nicht der zweigeschlechtlichen heterosexuellen Norm entsprechen, haben besondere Bedarfe und Herausforderungen in der Jugendphase zu meistern. Aus queer-theoretischer Perspektive muss die systematische Einbeziehung des Leitprinzips Sichtbarkeit, Anerkennung und Akzeptanz genuiner Bestandteil einer Theorie und Praxis der Jugendarbeit sein und kann somit auch zu einer weiteren Demokratisierung von Differenz beitragen.

Melanie Groß
Offene Kinder- und Jugendarbeit als hybride Organisation – ein Modell zur Diskussion ihrer Funktionen

Dieser Beitrag beschreibt die OKJA als hybride Organisation. Das geschieht vor dem Hintergrund, dass OKJA einerseits durch ihre Strukturcharakteristika der Freiwilligkeit, Offenheit und Diskursivität als besonders geeignet für die Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen erscheint, sie andererseits aber auch spezifische Charakteristika aufweist, welche die Partizipation ihrer Adressat*innen einschränkt. Die folgenden Vorüberlegungen zu einer Theorie der Offenen Kinder- und Jugendarbeit versuchen darum aufzuzeigen, dass unterschiedliche Funktions- bzw. Aufgabenzuschreibungen theoretisch zwar in Spannung zueinander stehen, sich aber empirisch nicht ausschließen und von Fachkräften und Adressat*innen Übergänge zwischen ihren Rollen und Handlungsweisen von einer Funktion in die andere erfordern. Die Gleichzeitigkeit der Funktionen bedingt eine Hybridität, aus der ein besonderes organisationales Merkmal der Offenen Kinder- und Jugendarbeit abgeleitet werden kann, das das Handeln der an OKJA Beteiligten maßgeblich beeinflusst und eine spezifische Professionalität abverlangt, aber auch ihr partizipatives Grundmoment verdeutlicht.

Moritz Schwerthelm

Warum was wie in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tun? Handlungskonzepte

Frontmatter
Offene Kinder- und Jugendarbeit und Kommunalpolitik

Die Kommune bzw. die kommunale Ebene ist die ausschlaggebende Handlungsebene der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, denn hier werden die wesentlichen Rahmenbedingungen für das sozialpädagogische Handeln gesetzt. Eine angemessene und erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit ist deshalb auch auf die kommunalpolitische Kompetenz ihrer Fachkräfte angewiesen. Die hierzu erforderlichen Qualifikationen aber werden bislang kaum systematisch vermittelt; bis auf Weiteres können sie aber in ausgewählten Experimentierzonen erprobt werden.

Werner Lindner
Offene Kinder- und Jugendarbeit und Jugendamt

Das Jugendamt ist für die Offene Kinder- und Jugendarbeit als ‚öffentlicher Träger der Jugendhilfe‘ in unterschiedlichster Form eine sehr bedeutende Institution und Partner. Mit seinen vielschichtigen Aufgaben und der besonderen Verbindung zum Jugendhilfeausschuss ist das Jugendamt keine gewöhnliche Behörde. Das Jugendamt ist für die Umsetzung einer bedarfsgerechten (offenen) Kinder- und Jugendarbeit im Sinne des § 11 SGB VIII zuständig. Dies erfolgt durch eine Jugendhilfeplanung, die Vergabe von Beihilfen/Zuwendungen an die freien Träger der Jugendhilfe oder eigene operative Angebote kommunaler Jugendarbeit als ‚öffentlicher Träger‘. Dieses mit den dazugehörigen Rahmensetzungen des SGB VIII, ergänzt durch eigene Erfahrungen und Bewertungen, soll im vorliegenden Beitrag beschrieben werden.

Volker Rohde
Offene Kinder- und Jugendarbeit und Jugendhilfeplanung

Kinder- und Jugendarbeit ist angewiesen auf politische Entscheidungen darüber, was für wichtig und sozialpolitisch förderungsfähig erachtet wird und für welche Art der Leistungen welcher Umfang der Förderung aktiviert werden soll. Die Gestaltung dieses politischen, auch interessendivergenten Willensbildungsprozesses, als dessen Ergebnis der Bedarf an Leistungen politisch folgenreich festgelegt wird, ist Jugendhilfeplanung. Kinder- und Jugendarbeit benötigt eine aktive und kontinuierliche Jugendhilfeplanung, um eine einigermaßen stabile Basis im kommunalpolitischen Geflecht der Kinder- und Jugendhilfe zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Dabei sind nicht nur quantitative Aspekte, sondern insbesondere auch qualitative fachliche Kriterien zu entwickeln und in die Planungsdiskurse einzubeziehen, um eine tragfähige Profilentwicklung in Gang zu setzen, die regional und trägerübergreifend zu einer kommunalpolitischen Status-Stabilisierung beitragen kann. Jugendhilfeplanung muss als diskursives und beteiligungsorientiertes Prozessgeschehen organisiert werden, innerhalb dessen auch fachliche und fachpolitische Spannungsfelder der Offenen Kinder- und Jugendarbeit thematisiert werden.

Joachim Merchel
Offene Kinder- und Jugendarbeit und kommunale Bildungslandschaften

Kommunale Bildungslandschaften stehen aktuell für die Vernetzung von Bildungsakteuren in Städten oder Gemeinden, um durch eine bessere Abstimmung die Planung und Steuerung der Bildungsangebote für junge Menschen zu optimieren. Schlüsselthemen der Bildungslandschaften sind u. a. die unklare Problemorientierung und die fehlende Beachtung des öffentlichen Raums als gesellschaftsbildenden Teil der Kommune. Offene Kinder- und Jugendarbeit ist gefordert, eine Positionsbestimmung in diesem Netzwerkgeschehen vorzunehmen: Insbesondere eine steuerungs- sowie eine bildungstheoretische Perspektive dieser Verortung erweisen sich für sie dabei als relevant. Der Beitrag entwirft auf dieser Grundlage die Potenziale, aber auch klare Grenzen der Einbeziehung Offener Kinder- und Jugendarbeit in kommunale Bildungsnetzwerke.

Stephan Maykus
Öffentlichkeitsarbeit für die Offene Kinder- und Jugendarbeit
Methodische Anleitung

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein komplexes, pädagogisches Handlungsfeld. Dies gilt es zu kommunizieren und auch für Außenstehende nachvollziehbar darzustellen. In diesem Artikel werden sowohl die Bausteine der Öffentlichkeitsarbeit sowie ihr rechtlicher Rahmen als auch das eigene Besondere der OKJA betrachtet. Denn Öffentlichkeitsarbeit dient nicht allein der Darstellung von Angeboten der Jugendarbeit, sondern auch der Wertevermittlung sowie der Lobbyarbeit für die Belange junger Menschen. Abgerundet wird der Artikel durch Top Tipps, Best-Practice-Beispiele und eine Tool Box.

Marcus Fink, Carina Lange, Lena Schuster
Die Bedeutung Offener Kinder- und Jugendarbeit aus Sicht eines Oberbürgermeisters

Offene Kinder- und Jugendarbeit ist heute genauso gefragt wie vor vielen Jahren – wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen. Gut qualifizierte Beschäftigte, attraktive Räumlichkeiten, eine angemessene finanzielle Ausstattung, Wertschätzung beim Träger. Sie muss sich an den Lebenslagen der Kinder, Jugendlichen und Familien orientieren. Sie muss kooperationsbereit und -fähig sein, ohne ihr eigenes Profil zu verlieren. Die in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Beschäftigten müssen ausreichend Möglichkeiten zu Fortbildung haben.

Burkhard Mast-Weisz
Partizipation – ein Handlungskonzept für die Offene Kinder- und Jugendarbeit

Partizipation gilt als ein grundlegendes Handlungsprinzip Offener Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), welches zugleich strukturell in ihr angelegt und gesetzlich verankert ist. Es steht für ein fachliches Verständnis von OKJA als Ort einer emanzipatorischen Pädagogik und Demokratiebildung. Empirische Ergebnisse verweisen einerseits auf das damit verbundene Demokratie- und Subjektbildungspotenzial, zeigen aber auch, dass fachlicher Anspruch und praktische Wirklichkeit auseinanderklaffen. OKJA organisiert sich aktuell eher im Sinne einer Expert*innendemokratie, die junge Menschen anteilig, aber nicht konsequent beteiligt und sie nicht als Rechtssubjekte im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention adressiert. Dem steht gegenüber, dass Demokratie- und Subjektbildung nur durch real praktizierte Demokratie und Partizipation ermöglicht wird.

Larissa von Schwanenflügel, Moritz Schwerthelm
Förderung gesellschaftlich-demokratischen Engagements in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit hat den gesetzlichen und fachlichen Auftrag, gesellschaftliche Mitverantwortung und demokratisches Engagement von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Die hier vorgestellte Methode ist eigens für die Offene Kinderund Jugendarbeit (OKJA) entwickelt worden, um im Detail zu zeigen, wie Fachkräfte auf dieses Ziel hinarbeiten können. Es wird davon ausgegangen, dass auch die große Gruppe der benachteiligten Kinder und Jugendlichen gesellschaftlich handelt und bereit ist, sich gesellschaftlich demokratisch zu engagieren. Das allerdings nur, wenn es dabei tatsächlich um die sie betreffenden lebensweltlichen Themen und Anliegen geht. Die Methode zeigt, wie diese Anlässe im Alltag der OKJA erkannt, mit den Kindern und Jugendlichen dialogisch geklärt und zu Anlässen für Projekte von Demokratiebildung in der Einrichtung und in der Kommune werden können.

Benedikt Sturzenhecker
Empirisches Wissen zu Offener Kinder- und Jugendarbeit und Schule

Mit dem Ausbau der Ganztagsschulen nimmt in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit die Bedeutung der Kooperation mit Schule zu. Rund ein Drittel aller Angebote sind laut Jugendhilfestatistik solche, die in diesen Bereich fallen. Dabei spielt aber nicht nur die Ganztagsschule eine Rolle, sondern auch Angebote, die außerhalb des Ganztags stattfinden. Diese Entwicklung wird von den Einrichtungen überwiegend positiv bewertet. Erste empirische Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Jugendarbeit in der Kooperation oft in der Rolle der Dienstleisterin tätig ist und ihre Qualität als außerschulische Bildung nur unzureichend einbringen kann.

Maria Icking, Ulrich Deinet
Offene Kinder- und Jugendarbeit und (Ganztags-)Schule

Der Beitrag Offene Kinder- und Jugendarbeit und (Ganztags-)Schule zeigt anhand unterschiedlicher Diskurslinien der vergangenen Jahre, in welchen ambivalenten, komplexen Begründungszusammenhängen sich die Offene Kinder- und Jugendarbeit befindet, wenn sie ihre Position im Verhältnis zur Schule klärt. Die angeführten Argumente verweisen auf eine Figur der ‚Kooperation unter Vorbehalt‘ und zeigen das Ringen in der Bewältigung institutioneller Hürden und der unterschiedlichen Logiken von Offener Kinder- und Jugendarbeit sowie Schule. Es geht darum, in einem in fachlicher Hinsicht anspruchsvoll zu entwickelnden Kooperationsfeld einer schulbezogenen, Offenen Kinder- und Jugendarbeit eine kinder- und jugendpädagogische Perspektive zu realisieren.

Mirjana Zipperle
Inklusion in der Kooperation von Offener Kinder- und Jugendarbeit und Schule

Inklusion ist eine Aufgabe, der sich weder Offene Kinder- und Jugendarbeit noch Schule verwehren können. Die Notwendigkeit einer ergänzenden Kooperation der beiden Institutionen ist sowohl aus pragmatischer also auch aus bildungs- und sozialraumtheoretischer Sicht für eine inklusive und subjektorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen evident. Beide Institutionen zeigen bereits Ansätze inklusiver Strukturen und Praktiken in ihren Zielen und Handlungsprinzipien. Die Selektion einzelner Gruppen aus dem Schulsystem und die weitgehende Absenz von Kindern und Jugendlichen mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung in der OKJA zeigen jedoch, dass in beiden Institutionen wirkungsvolle Exklusionsprozesse und Teilhabebarrieren existieren. Für die inklusionsorientierte Kooperation von OKJA und Schule ist eine kritisch reflexive Auseinandersetzung mit den eigenen und den gemeinsamen Kulturen, Strukturen und Handlungspraxen unter der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen notwendig.

Levke Graf
Das sozialräumliche Konzept in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Vor dem Hintergrund einer in der Sozialwissenschaft breit diskutierten Sozialraumorientierung wird der Ansatz einer sozialräumlichen Jugendarbeit als konsequente Orientierung an den Handlungsräumen und Aneignungsformen von Kindern und Jugendlichen begriffen, aus deren Analyse sich Konsequenzen für die Gestaltung der Kinder- und Jugendarbeit ergeben. Der Ansatz einer sozialräumlichen Jugendarbeit ist immer verbunden mit einer qualitativen Sozialraumanalyse oder einer Methodik, die in Form von animativen, analytischen und partizipativen Methoden versucht, Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen mit diesen zusammen zu erkunden. Entsprechende Methoden werden in diesem Beitrag skizziert und an anderer Stelle weiter ausgeführt. Es geht im Weiteren um die Handlungsebenen einer sozialräumlichen Jugendarbeit und ihrer spezifischen Qualitäten, die sich unter anderem in ihren Bildungspotenzialen widerspiegeln. Die Bildungspotenziale sozialräumlicher Jugendarbeit werden im letzten Teil noch einmal konkretisiert und ergeben das Gesamtbild eines Ansatzes, der sich konsequent an den Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen orientiert.

Ulrich Deinet, Richard Krisch
Sport in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Bewegung, Spiel und Sport gehören zu den häufigsten und wichtigsten Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Neben einem großen Erlebnispotenzial bieten sie ein spezifisches Bildungspotenzial, das sich vor allem ihrer körperlich-leiblichen Gebundenheit verdankt. Trotz dieser hohen Bedeutung für das Aufwachsen junger Menschen wird die pädagogische Relevanz des Sports in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit oft nicht gesehen. Sport wird eher ‚informell‘ in die Alltagsvollzüge der Jugendarbeit integriert. Dabei lässt sich diese als non-formaler Lernort mit informellem Bildungspotenzial gut im Kanon sportbezogener Lernorte verorten. Die Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Sport ist sehr vielfältig. Neben klassischen Arbeitsprinzipien kommt bspw. der Erfahrungs- und Handlungsorientierung spezifische Bedeutung zu. Exemplarisch wird das am Skateboarding, Mitternachtssport sowie an der Integration durch Fußball verdeutlicht. Vor diesem Hintergrund wird eine stärkere Zusammenarbeit von Sport und Offener Kinder- und Jugendarbeit vorgeschlagen.

Nils Neuber
Offene Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von rechten Orientierungen

In der pädagogischen Auseinandersetzung mit Jugendlichen mit rechten Orientierungen zeichnen sich, neben differenten Begrifflichkeiten und wechselnden Konjunkturen, verschiedene Handlungsmuster ab. Der Beitrag setzt sich mit den unterschiedlichen, teilweise umstrittenen Begriffen auseinander und skizziert die wechselnden Konjunkturen seit Anfang der 1990er Jahre. Aktuelle empirische Befunde stellen sodann den Kern des Beitrags dar. Jenseits rezeptologischnormativer Handlungsempfehlungen wird dazu angeregt, pädagogisches Handeln vor dem Hintergrund einer empirisch basierten Vergleichsfolie zu reflektieren und zu diskutieren.

Anna Jachmann-Ciaglia, Kevin Stützel
Umgang mit religiös begründeter Radikalisierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Pädagogische Fachkräfte in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kommen auf unterschiedliche Weise mit religiös begründeten Radikalisierungsprozessen in Berührung. Religiös begründete Radikalisierung stellt laut Freise (2016, S. 456) eine „dunkle Seite“ von Religion dar. Nicht vernachlässigt werden darf die „helle Seite“ von Religion, die „emanzipatorisch wirken und in Menschen Resilienzkräfte freisetzen [kann]“, insofern sie sich „pluralitätskompatibel und respektvoll gegenüber andersdenkenden Menschen und Traditionen zeigt“ (ebd.). Radikalisierungsprozesse stehen mit Biografien und Sozialisationsbedingungen von Jugendlichen in Deutschland im Zusammenhang. Es ist Aufgabe pädagogischer Fachkräfte, unterschiedliche radikalisierungsfördernde Faktoren zu reflektieren und mögliche Radikalisierungsprozesse und -tendenzen zu erkennen, um situativ angemessen gruppen- und einzelfallorientiert sowie beratend zu agieren. Stadtteilarbeit und Sozialraumorientierung sowie eine konzeptionelle Vernetzung mit Beratungsstellen der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit gehören zu einer Jugendarbeit, die sich an Jugendliche in Radikalisierungsprozessen richtet. Es gilt auch hier, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Mitbestimmung von Jugendlichen gezielt zu fördern. Von besonderer Wichtigkeit ist ferner die Reflexion eigener Stereotype und Vorurteile.

David Yuzva Clement
Abenteuer- und erlebnispädagogische Ansätze in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag skizziert unterschiedliche theoretische Ansätze, die die Abenteuer- und Erlebnispädagogik mit Vorstellungen zur Lebensweltorientierung, mit Konzepten zur Salutogenese und Gesundheitsförderung, mit Überlegungen zur Aneignungs- und Sozialraumdiskussion und mit der Bildungsdiskussion in der Jugendhilfe verknüpfen. Herausforderungen, Perspektiven und Professionalisierungsbedarfe, die sich angesichts der gesellschaftlichen Digitalisierungs- und Entgrenzungsprozesse und eines zunehmenden Kontroll- und Sicherheitsdenkens auch im pädagogischen Alltag ergeben, werden herausgearbeitet.

Jochem Schirp
Urban Gardening in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Urban Gardening oder Commons-Projekte sind auf besondere Weise geeignet, um emanzipatorische Bildungsprozesse anzuregen und gesellschaftliche Teilhabe jenseits der Fokussierung auf Erwerbsarbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sozialräumlich erfahrbar zu machen.

Melanie Groß

Wie macht man Offenen Kinder- und Jugendarbeit konkret?

Frontmatter
Kinder und Jugendliche und ihre Themen wahrnehmen

Die individuelle Beobachtung von Kindern und Jugendlichen, das Nachvollziehenkönnen ‚ihrer‘ Themen, Bedürfnisse und Anliegen gehört zum Kern pädagogisch-professionellen Handelns. Diese explizit wissenschaftlich basierte Wahrnehmung bezieht sowohl standardisiertes, an lebensphasentypischen Entwicklungsaufgaben orientiertes Wissen als auch differenzierendes Wissen, welches Jugendliche als soziale Akteur*innen ihrer Lebensgestaltung anerkennt, mit ein. Dabei übersieht der fachwissenschaftliche Diskurs oftmals, dass die Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit selbst nicht nur Bearbeitungsfeld, sondern Erzeugungsfeld dieser Themen ist. Der Beitrag stellt abschließend einen Zugang vor, der sich dieser Praxis der gemeinsamen Erzeugung annähert.

Marc Schulz
Talk about …
Narrative Gesprächstechnik und Dialog in der Offenen Jugendarbeit

Im Beitrag werden methodische Zugänge zu einer narrativen Gesprächsführung und dialogischen Verständigung mit einem partizipativen Anspruch vorgestellt. Es wird verdeutlicht wie diese im Rahmen einer alltagsbegleitenden und gestaltenden Praxis in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden können. Diese Form der Gesprächsführung und Verständigung ist dafür geeignet, dass sich Kinder und Jugendliche als Akteur*innen verstehen lernen, ihre Interessen äußern sowie Angebote mitbestimmen und mitgestalten, aber auch einen konkreten Unterstützungsbedarf artikulieren können. Sie bilden die Grundlage dafür, Selbstwirksamkeit zu erfahren, sich als Teil der Gesellschaft zu begreifen und diese aktiv mitgestalten zu können. Im Kern geht es um die Gestaltung von Settings, in denen erzählt und zugehört, Sprechfähigkeit hergestellt und erworben wird und, darauf basierend, eine gemeinsame Handlungs- und Gestaltungspraxis entsteht.

Michaela Köttig, Regina Rätz
Mobile, aufsuchende, herausreichende Ansätze in der Offenen Jugendarbeit

In Erweiterung des eigenständigen Ansatzes mobiler Jugendarbeit und Streetwork (vgl. Bollig in diesem Band) hat sich im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Ansatz einer aufsuchenden, herausreichenden Kinder- und Jugendarbeit entwickelt, der die Arbeit in den Einrichtungen ergänzt. Vor dem Hintergrund der Veränderung öffentlicher Räume für Kinder und Jugendliche erscheint ein allein einrichtungsbezogener Ansatz der Offenen Kinder- und Jugendarbeit heute Jugendliche in ihren Lebenswelten nicht mehr umfassend zu erreichen. Auch Jugendeinrichtungen müssen heute im öffentlichen Raum agieren, Jugendliche ansprechen und für ihre Angebote interessieren. Der Begriff der herausreichenden Arbeit hat sich entwickelt, um die besondere Qualität einer von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ausgehenden Arbeit im öffentlichen Raum zu beschreiben. Bei einer aufsuchenden und herausreichenden Arbeit geht es auch um die Prinzipien etwa einer kontinuierlichen Präsenz im Stadtteil oder des Aufsuchens von wichtigen jugendrelevanten Orten. Ein Schwerpunkt der herausreichenden Arbeit ist die Unterstützung des Auftretens, der Präsenz und Sichtbarkeit Jugendlicher im öffentlichen Raum und der jugendpolitischen Vertretung.

Ulrich Deinet, Richard Krisch
Beziehungsarbeit

Der Text begreift Beziehungsarbeit als alle Aktivitäten und Bemühungen, die zur Herstellung und Aufrechterhaltung eines personalen Kontakts zwischen Fachkräften und Kindern und Jugendlichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit stattfinden. Zur Analyse dieser Querschnittsaufgabe bestimmt der Text zentrale konzeptionelle Begriffe, um die Charakteristik einer professionellen Beziehung zu klären. Gerade die Offenheit des Arbeitsfeldes verlangt auch einen Halt in Beziehung, die Kindern und Jugendlichen Verlässlichkeit und Schutz in den Beziehungen zu den Fachkräften gewährleistet. Mit dem psychoanalytischen Begriff des „Containment“ wird diese Aufgabe der Fachkräfte präzisiert. Kindern und Jugendlichen solche Beziehungsqualität anzubieten, verlangt von den Fachkräften eine beständige Reflexion der Beziehungsmuster und Beziehungsgestaltung in der alltäglichen Praxis.

Achim Schröder
Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit als Orte der Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit sind nicht nur Orte der Freizeitgestaltung und der Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen, sondern übernehmen auch Aufgaben der individuellen Unterstützung und Begleitung für Kinder und Jugendliche in mitunter schwierigen Lebenslagen, obwohl sie keine spezialisierten Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen sind. Das besondere Potenzial für Beratung, Unterstützung, Krisenprävention und -bewältigung entsteht in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch ihre alltagsnahe und jugendorientierte Ausrichtung. Im Alltag der Einrichtungen bedeutet dies, immer wieder für die Mitarbeiter*innen zu entscheiden, ob sie selbst diesem Unterstützungsbedarf nachkommen können oder an andere Stellen weitervermitteln müssen, und auch zwischen der Verantwortung für das ganze Haus und den individuellen Unterstützungsbedarfen abzuwägen.

Liane Pluto, Mike Seckinger
Soziale Gruppenarbeit

Soziale Gruppenarbeit (SGA) stellt in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) die klassische Arbeitsform dar, denn Gruppensettings sind ein zentrales Gestaltungselement in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zum einen wegen der Bedeutung, die die Peergroup als Sozialisationsinstanz für Adressat*innen hat, zum andern, weil die Ziele der Offenen Arbeit am besten in Gruppen vermittelt werden können. SGA wird in dem folgenden Beitrag als Überbegriff unterschiedlicher Formen pädagogischen Arbeitens mit Gruppen gefasst und näher definiert. Sie bedarf professioneller Leitung, der in der OKJA – vor dem Hintergrund des Anspruchs der Freiwilligkeit und Partizipation – zugleich ein spezifisches Verständnis zugrunde liegt. Es geht darum, Gruppenprozesse mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam zu gestalten. Daher bedarf es eines Wissens um theoretische Zugänge sowie Anforderungen an die Moderation und Leitung von Gruppen, die im Beitrag ausgeführt werden. Sowohl im fachlichen Diskurs als auch in der Praxis wird SGA marginalisiert, ihre Potenziale sind eine Neuthematisierung wert.

Gudrun Maierhof
Beratung

Beratung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) wird in einem Modell als kontextsensible kommunikative Kompetenz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entworfen. Der Autor versucht einerseits unterscheidbare Formen von Beratung in das Handlungsfeld der OKJA zu übersetzen und andererseits die vielfältigen Verschränkungen der Beratung mit anderen Tätigkeiten und Tätigkeitsfeldern im Praxisfeld zu fassen. Es werden Anstöße für die Qualitätsentwicklung von Beratung in diesem Praxisfeld gegeben, die den Prinzipen von Empowerment und Partizipation verpflichtet sind.

Olaf Neumann
Projektarbeit

Unter dem Begriff Projektarbeit wird hier die Planung, Umsetzung und Auswertung einer befristeten Unternehmung zusammengefasst. In der Kinder- und Jugendarbeit bedeutet dies vor allem pädagogisch ausgerichtete Aktivitäten mit und von Kindern und Jugendlichen in einem festgelegten Zeitrahmen und damit einem definierten Anfang und Ende. Neben der historischen Entwicklung des Projektbegriffs wird die gegenwärtige Bedeutung der Projektarbeit sowohl für den pädagogischen Alltag als auch in der Förderpolitik sozialer Arbeit erläutert. Dabei wird die Ambivalenz von Projektorientierung einerseits und projektorientierter Finanzierung andererseits deutlich herausgestellt und gegeneinander abgewogen. Es folgt eine Phaseneinteilung von Projektarbeit in vier Sequenzen, die für die Reflexion und konkrete Steuerung von Projektarbeiten empfohlen wird. Der Beitrag endet mit einem Plädoyer für die Projektarbeit, da sie vor allem bereichernde Highlights für ein Jugendleben ermöglichen kann. Gleichwohl darf und kann sie kein Ersatz für eine gesicherte Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sein.

Rainer Kascha
Rituale gestalten

Rituale können in der Offenen Jugendarbeit dazu beitragen, den Alltag zu strukturieren sowie besondere Ereignisse zu markieren und zu verdichten. Sie sind hilfreich, um individuelle oder gemeinsame Situationen und Übergänge zu gestalten. Angesichts eines tendenziell eher informellen, strukturarmen Alltags kann es sinnvoll sein, Alltagsrituale zu pflegen oder zu entwickeln und zu praktizieren. Der Beitrag plädiert dabei für „kleine“, eher alltagsorientierte Rituale, die sich in ihrer Reichweite auf das zeitlich und sozial Naheliegende beziehen und sich für das Feld der Offenen Jugendarbeit besser eignen als große Elementarrituale. Sich auf kleine Rituale zu beschränken heißt jedoch nicht, vor der Gestaltung von Übergängen oder Statuspassagen zurückschrecken zu müssen. Einige Standard- oder Alltagssituationen der Offenen Jugendarbeit, die sich für Realisierung Ritualen eignen, werden zum Abschluss des Beitrags skizziert.

Gunter Neubauer, Reinhard Winter
Umgang mit Konflikten im Alltag Offener Kinder- und Jugendarbeit

Konflikte gehören zum Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Statt sie als Störung oder gar als destruktiv zu sehen, wird vorgeschlagen, ihr Potenzial für Bildungs- und Demokratieprozesse aufzugreifen. Konflikte sind das Thema demokratischer Partizipation in der OKJA und damit zentraler Ausgangspunkt der Arbeit an den Zielen von Jugendarbeit. Der Text bestimmt einen Konfliktbegriff, beschreibt die Chancen von Konfliktführung für die Aufgaben der OKJA und benennt Grundregeln eines konstruktiv-demokratischen Umgangs damit für die OKJA.

Benedikt Sturzenhecker, Michael Trödel
Essen und Kochen in Jugendzentren

Das Kochen und das Essen gehören zum festen Bestandteil der Alltagspraxis in Jugendzentren. Trotzdem werden sie in wissenschaftlichen Reflexionen und in Praxiskonzepten bislang nur marginal berücksichtigt. Aus diesem Grund werden in diesem Beitrag drei Möglichkeiten der Theoretisierung des Themas vorgestellt. Zunächst wird ausgeführt, wie das Essen bzw. die Ernährung zur sozialen Distanzierung genutzt werden, etwa über bestimmte, teilweise auch jugendkulturell geprägte Ernährungsstile. Anschließend wird thematisiert, wie durch staatliche Regulierungen der Ernährung die Denkweisen der professionell Tätigen beeinflusst werden können. Als dritte Perspektive wird es um die Tischmahlzeit als Erziehungssituation gehen, die oftmals nahe am familialen Tischritual organisiert wird, inklusive zahlreicher Erziehungspraktiken. Dabei kann empirisch auf eine widersprüchliche Konstellation im Hinblick auf den normativen Fachdiskurs hingewiesen werden.

Katharina Gosse
Humor und Ironie

Humor und Ironie sind Teil des pädagogischen Alltags, aber zugleich befasst sich die pädagogische Diskussion sowohl empirisch als auch theoretisch kaum systematisch mit diesem Phänomen. Bei der Sichtung der einschlägigen pädagogischen Literatur fällt auf, dass die Begriffsdefinitionen teils erheblich variieren bzw. schwer analytisch abgrenzbar sind. Zugleich wird Humor bzw. Ironie im Rahmen der sozialpädagogischen Arbeit eine zentrale Funktion zugewiesen, indem Humor u. a. für ein positives Arbeitsklima etwa in Beratungssituationen sorgen kann, jedoch gleichzeitig unauthentische und unernste Mehrdeutigkeit erzeugt. Dies kann Ambivalenzen hervorrufen, die das Gegenüber irritieren können. Der Beitrag befragt diesen interaktionistischen Dualismus, indem er auf die feldspezifischen Konstitutionsbedingungen Offener Kinder- und Jugendarbeit eingeht und klärt, welcher Ordnungslogik Humor bzw. Ironie hierbei innewohnt und wie diese konkret Arbeitsbeziehungen und Arbeitsbündnisse strukturiert.

Marc Schulz
Ferienfreizeiten und Reisen

Freizeiten gehören zu den ältesten und besonders weit verbreiteten Arbeitsformen der Kinder- und Jugendarbeit. Charakteristisch ist die Intensität der gemeinsam verbrachten Zeit in einer Gruppengemeinschaft über mehrere Tage und Nächte hinweg. Empirische Studien verdeutlichen die hohe Attraktivität von Freizeiten und die zentrale Bedeutung der Mitarbeitenden. Ein intensiver Betreuungsschlüssel, der sich positiv auf die Wahrnehmung einer Freizeit auswirkt, kann nur durch Ehrenamtliche erreicht werden. Die Einbindung von Ehrenamtlichen stellt zugleich einen Vorteil von Freizeiten als Teil der Jugendarbeit gegenüber kommerziell angebotenen Jugendreisen dar. Bestrebungen zur Qualitätssicherung betreffen insbesondere die Prävention des sexuellen Missbrauchs sowie ein professionelles Krisenmanagement, zudem liegt ein aktueller Fokus auf der Erreichung weiterer Zielgruppen.

Wolfgang Ilg
Bei Bildung assistieren in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Jugendarbeit deklariert seit den 1960er Jahren ihren Bildungsanspruch. Bildung wird dabei als die selbsttätige Aneignung von Welt und Subjekt in ihrem Zusammenhang erstanden. Professionelles Handeln besteht dann in der Assistenz solcher Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Wie solche Assistenz von Bildung im Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) gestaltet werden kann, beschreibt dieser Text. Er geht davon aus, dass zunächst Voraussetzungen und Anlässe für Bildungsprozesse in der OKJA (zu den Grundfragen von Raum, Zeit, Essen und Beziehung) zum Inhalt einer gegenseitig dialogischen Bildung werden sollten. Methodisch werden ‚Sehen‘, ‚Hören‘, ‚Antworten‘ und ‚Dialoge führen‘ als Grundelemente von Bildungsassistenz verstanden. Zusätzlich gehört auch die bildungsanregende Eröffnung von „Mannigfaltigkeit“ (Humboldt) zu den Aufgaben von Bildungsassistenz. Solches Handeln von Fachkräften in der Offenen Jugendarbeit antwortet auf die Bildungsthemen von Kindern und Jugendlichen in ihren sozialen bzw. gesellschaftlichen Lebenszusammenhängen und kann sich zur Demokratiebildung entwickeln.

Benedikt Sturzenhecker
Didaktik der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Situationen arrangieren

Arrangieren ist eine methodische Praxis, die ihre zentrale Bedeutung insbesondere für die Kinder- und Jugendarbeit aufweist, weil sie eine hohe Homologie zu deren Strukturmaximen (Freiwilligkeit, Bildungs- und Subjektorientierung, Partizipation, Koproduktion) begründet. Arrangieren bezeichnet das sozialpädagogisch-methodische Vermögen, in der Kinder- und Jugendarbeit offene Bildungsthemen aufzubereiten. Dabei werden die Basiselemente von Ziel, Zeit, Raum und Sozialform mit Grundsätzen der Offenheit bis Abwesenheit eindeutiger Lernaufforderungen zueinander in Beziehung gesetzt.

Werner Lindner
Theke machen

Ausgehend von der Frage nach der Bedeutung des Thekemachens in der Offenen Kinderund Jugendarbeit wird im Beitrag zunächst aufgezeigt, welche sozialen Funktionen die Theke im gesellschaftlichen Kontext aufweist. Überträgt man diese im Anschluss auf den Kontext des Jugendtreffalltags, zeigt sich, dass Merkmale wie niederschwellige und scheinbar unverbindliche Kontaktaufnahme und Kommunikation mit den Zielen einer offenen Treffarbeit in Einklang stehen. Darüber hinaus erfüllt die pädagogisch inszenierte Form der Theke im Jugendtreff jedoch weitere Zwecke. Wenn Jugendarbeitende Theke machen, tun sie dies immer als Teil einer pädagogischen Ortsgestaltung, indem sie bspw. über Platzierungspraktiken Möglichkeiten der Theke für ihre pädagogischen Ziele nutzen. Damit rücken weniger die methodischen Aspekte des Thekemachens selbst in den Fokus, sondern vielmehr die Frage, nach dem Sinn solcher Praktiken für Jugendarbeitende, Jugendliche und den Jugendtreff als einem spezifischen pädagogischen Ort. Denn das Thekemachen ist aus pädagogischer Sicht nur dann zielführend, wenn es auf übergreifende pädagogische Überlegungen, Haltungen und Ziele bezogen ist.

Bettina Brüschweiler, Ulrike Hüllemann, Christian Reutlinger
Mit digitalen Medien arbeiten

Digitale Medien sind aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung und ihrer zahlreichen Funktionen gerade für die Alltags- und Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen von besonderer Bedeutung und bieten vielfältige neue Herausforderungen. Deshalb sind Medienbildung und die Förderung von Medienkompetenz auch für die Offene Kinderund Jugendarbeit wichtige Aufgaben und sollten ein selbstverständlicher Bestandteil im Angebotsrepertoire ihrer Einrichtungen sein. Zu einigen ausgewählten digitalen Medien skizziert der vorliegende Beitrag Anknüpfungspunkte für die pädagogische Praxis.

Jürgen Sleegers, André Weßel
Jugendkulturelle Aktivitäten

Jugendkulturen und -szenen werden für die Jugend(kultur)arbeit greifbar durch ein dynamisches und offenes Verständnis von Kultur. Jugendkulturelle Aktivitäten beinhalten vielfältige kreative, ästhetisch-künstlerische und medienbezogene, aber auch peer- und gruppenbezogene Aktivitäten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Pädagogisches Handeln folgt hier den Prinzipien und Zielen der Jugend(kultur)arbeit. Es gibt unterschiedliche, flexible Formate und Kernaktivitäten, angefangen von Anregungen zu ästhetisch-kultureller Gestaltung über jugendkulturelle Projekte bis hin zu szeneorientierter Jugendkulturarbeit. Die Rolle der pädagogischen und künstlerischen Mitarbeiter*innen unterscheidet sich je nach den spezifischen offenen Settings von Jugendkulturarbeit. Von zentraler Bedeutung für Jugendkulturarbeit ist es jedoch, offen für gesellschaftlichen Wandel und sensibel für jugendkulturelle Ausdrucksformen und ihren Eigensinn zu bleiben – genau darin liegt ihr besonderes Potenzial.

Elke Josties, Stefanie Kiwi Menrath
Kinderschutz in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Umsetzung der §§ 8a und 72a SGB VIII

Die Wahrnehmung des Schutzauftrags beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ist zwar grundsätzlich und umfassend rechtlich geregelt, doch bringt es die oft eher unverbindliche Grundstruktur der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit sich, dass in ihren unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Auftrag für die Fachkräfte und die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen weniger klar institutionalisiert ist. Der Text stellt systematisch und tätigkeitsfeldbezogen dar, dass und wie durch die Anbieter Offener Kinder- und Jugendarbeit die Wahrnehmung des Schutzauftrags in den zentralen Verfahrensschritten zu gestalten ist, um als Qualifizierungsmerkmal verankert werden zu können. Wo verbindliche Vereinbarungen zwischen öffentlicher Jugendhilfe und den Trägern der freien Jugendhilfe fehlen, sollte seitens der Freien Träger der Schutzauftrag gleichwohl als allgemeingültiger Bestandteil der fachlichen pädagogischen Pflicht sowie – gerade auch im Bereich ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen – durch deren Einbindung in die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen zur Prävention berücksichtigt werden.

Gila Schindler

Was läuft in der Offenen Kinder-und Jugendarbeit?

Frontmatter
Was machen Jugendliche in und mit der Jugendarbeit?
Jugendliche und ihre Performances

Der Beitrag stellt die Frage ins Zentrum, wie Jugendliche an der Herstellung des jugendarbeiterischen Alltags beteiligt sind – und zwar nicht aus einem primär evaluatorischinstitutionellen Interesse von Jugendarbeit, welche letztendlich immer sich selbst vergewissern will, wie sie das macht, was sie machen möchte, sprich: sich ausschließlich für die spezifische Wirkung ihrer eigenen Angebote auf ihre Nutzer*innen interessiert. Die hier vorgestellte alternative Blickrichtung schlägt eine ethnografisch-praxistheoretisch informierte Forschungslinie innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor, die sich zwar analytisch für die institutionellen Arrangements einer Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit interessiert, empirisch aber auf den jugendarbeiterischen Alltagsvollzug ausgerichtet ist. Diese Forschungsperspektive orientiert sich an Fragen wie: Wie erleben Jugendliche diesen Alltag, welche Leistungen erbringen sie hierfür und wie stellen sie diesen Alltag konkret mit her? Hierüber lässt sich analysieren, wie Jugendliche als Akteur*innen an der Produktion und Reproduktion jugendarbeiterischer Ordnungen beteiligt sind und wie sie sich selbst darin positionieren. Bildungstheoretisch stehen dabei insbesondere die körperlichen Vollzüge, die Performances, als Form verdichteter Erfahrungen, im Vordergrund.

Marc Schulz
Adoleszenz

Adoleszenz bezeichnet die Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsensein. In dieser Entwicklungsphase werden, angestoßen auch durch die Wandlungen der Pubertät, die Welt- und Selbstverhältnisse und die Bezüge zu den bedeutsamen Anderen der Kindheit auf weichenstellende Weise transformiert. Insofern die Bedingungen und Chancen für adoleszente Neuschöpfung des Selbst in dieser Entwicklungsphase ungleich verteilt sind, spielen die Qualitäten des „adoleszenten Möglichkeitsraums“ (King 2013) für die Gestaltungen des Übergangs vom Kind zum Erwachsenen eine zentrale Rolle. Offene Kinder- und Jugendarbeit bewegt sich folglich im Spannungsfeld verschiedener Einflussfaktoren auf adoleszente Entwicklung, wie etwa Geschlecht, Schicht, Klasse, Ethnie und Migration und stellt einen außerfamilialen Möglichkeitsraum adoleszenter Individuierung dar.

Magdalena Kuhn, Vera King
Identitäten entwerfen

Der Beitrag beschäftigt sich mit Identität und Identitätsentwicklung. Dafür wird das psycho-soziale Konzept der Identitätsentwicklung nach Erikson dargestellt und auf die im Zusammenhang mit Identität zentralen Begriffe Kontinuität und Kohärenz eingegangen. Als zeitgemäße Weiterentwicklung wird das Konzept der narrativen Identität vorgestellt, welches die Prozesshaftigkeit von Identität betont und Identitätsarbeit in alltäglichen Interaktionen und Erzählungen verortet. Zentral für das in diesem Beitrag nachvollzogene Identitätsverständnis ist, dass Identität nicht als etwas Feststehendes, im Innern der Person Schlummerndes, sondern als wechselseitiger Prozess verstanden wird. Identität ergibt sich in der sozialen Interaktion, aus dem Zusammenspiel von sozialen Erwartungen, zugewiesenen Positionen und dem individuellen Umgang damit. Jede Interaktion, jedes Sprechen miteinander, kann so als Verhandlung von Identität begriffen werden, da mit jedem Sprechakt eigene Positionen beansprucht und dem Gegenüber zugewiesen werden. Sprachliche Kommunikation ist alltägliche Identitätsarbeit. Dies gilt auch für den Umgang miteinander in pädagogischen Settings, wodurch die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen zur Herausforderung wird, die sich sowohl für die jungen Menschen als auch für die mit ihnen interagierenden Erwachsenen stellt.

Kathrin Böker
Gesellschaftlich und politisch sein

Der Blick in unterschiedliche Lebenswelten zeigt, dass sich Jugendliche für ein breites Spektrum gesellschaftlicher und politischer Themen interessieren. Diese werden von den Jugendlichen jedoch meist nicht als ‚Politik‘ identifiziert. Ebenso wenig beteiligen sich viele Jugendliche an formalisierten Partizipationsmöglichkeiten, sondern entwickeln ihre eigenen Formen der Beteiligung – ‚unsichtbare Politikprogramme‘, die für die Außenwelt unerkannt bleiben. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit kann Jugendliche dabei unterstützen, die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen ihrer Themen zu erkennen, zu reflektieren und aktiv zu werden.

Regina Schlindwein, Peter Martin Thomas
Migrieren und Ankommen

Die Bedingungen und Herausforderungen einer Migration im Kindes- oder Jugendalter unterscheiden sich deutlich von denen bei Erwachsenen. Vor allem das Zusammentreffen von Adoleszenz und Migration stellt eine besondere Situation dar: Durch eine Ausreise im Jugendalter sind die Heranwachsenden zugleich Migrant*innen der ersten Generation – verbunden mit vielfältigen migrationsspezifischen Herausforderungen – und durch ihr Alter zugleich auch in der intergenerationalen Position des Kindes – verknüpft mit den Anforderungen der Adoleszenz. Die individuelle Ausgestaltung hängt vor allem davon ab, wie der Möglichkeitsraum in Deutschland im Vergleich zum Herkunftsland beschaffen ist. Darauf nehmen die gesellschaftlichen Bedingungen, die familialen Beziehungen und das zur Verfügung stehende soziale Netzwerk entscheidend Einfluss.

Janina Zölch
Anerkennung als ambivalente Notwendigkeit in der Adoleszenz

In dem Beitrag geht es um adoleszenzspezfische Anerkennung, die immer ambivalent ist, aber auch notwendiges Moment adoleszenter Entwicklungs- und Bildungsprozesse. Notwendig ist sie, weil ein Subjekt als Subjekt anerkannt werden muss, um ein Subjekt zu sein; ambivalent ist sie, weil ein Subjekt immer als jemand anerkannt wird, der oder die nicht unbedingt mit der Selbstwahrnehmung übereinstimmen muss. Es geht also immer um Zuschreibungsprozesse. Ausgehend von Honneth wird Anerkennung als grundlegendes Moment der Subjektbildung verstanden, um dann im Anschluss an Butler die ambivalente Struktur derselben herauszustellen. Es wird argumentiert, dass die Gleichzeitigkeit von Notwendigkeit und Ambivalenz zentral ist für pädagogische Arbeit mit Jugendlichen.

Anke Wischmann
Konsum und Kommerz von jungen Menschen

Junge Menschen verfügen über eigenes Geld und geben es selbstbestimmt aus. Dies ist kein historisch neues Phänomen der modernen Konsumgesellschaft, sondern gehörte auch für frühere Kindergenerationen zum Alltag. Im (fach-)öffentlichen Diskurs zu Konsum und Kommerz im Leben junger Menschen dominieren kritische Bedenken. Getragen sind sie von der Idee kindlicher Schutzbedürftigkeit, die durch die kommerziellen Profitinteressen bedroht scheint. Dem steht die These von der kindlichen Autonomie gegenüber, die sich in Marktteilhabe realisiert.

Lotte Rose
Religiös sein in Kindheit und Jugend

Um sich der Frage nach dem „Religiös sein in Kindheit und Jugend“ zu nähern, ist es unerlässlich, das Phänomen der Religion(en) differenziert zu betrachten. Anhand des dreidimensionalen Religionsbegriffs (Lechner und Gabriel 2009), der zwischen dem Lebensglauben, dem Gottesglauben und dem Gemeinschaftsglauben unterschiedet, wird im folgenden Beitrag die Religiosität von Kindern und Jugendlichen in den Blick genommen. Diese besteht aus Fragmenten, die situations- und biografiespezifisch zu betrachten sind, setzt sich aus Glaubenskonzepten unterschiedlichen Ursprungs zusammen, entwickelt sich permanent weiter und ist eng verknüpft mit der Sozialisation, der persönlichen Lebenssituation sowie der Entwicklung der eigenen Identität. Im Sinne der Subjektorientierung und einer ganzheitlichen Pädagogik darf deshalb in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nicht auf die Dimension der Religion verzichtet werden.

Angelika Gabriel
Sich optimieren (müssen) in der Adoleszenz

Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Anforderung an eine flexible und gleichsam ‚optimierte‘ Lebensführung, die in modernen Gesellschaften von immer größerer Bedeutung geworden ist, um sich im Wettbewerb zu behaupten und soziale Anerkennung zu erlangen. Es wird dargestellt, welche Anforderungen für adoleszente Heranwachsende damit verbunden sind und auf welche Weise Optimierungsansprüche die Lebenswelt der Adoleszenten prägen. Im Besonderen wird in diesem Zusammenhang ein Blick auf das Bildungssystem, die Eltern-Kind-Beziehung und die Peergroup geworfen sowie auf den Umgang mit dem eigenen Körper.

Katarina Busch, Julia Schreiber
Ästhetik und ‚Kultur machen‘ in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Abhängig von den Lebensumständen und Interessen der Adressaten, den Schwerpunkten und dem pädagogischen Konzept der Einrichtung sowie dem pädagogischen Handeln der Mitarbeiter*innen können kulturelle und ästhetische Prozesse sehr unterschiedlich aussehen. Anhand von Beispielen greift die Autorin verschiedene Themen zu kultureller und ästhetischer Praxis in der OKJA auf. Von den Adressaten initiierte Prozesse warden in diesem Beitrag von pädagogisch angeleiteten unterschieden. Der Beitrag schließt mit Hinweisen für pädagogisches Handeln in der Praxis.

Judith Müller
Chillen, abhängen, sitzen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Chillen, chillig, gechillt und chill dich mal! – diese und andere jugendkulturelle Aussprüche haben sich im alltäglichen Sprachgebrauch junger Menschen als Beschreibung von Praktiken etabliert und stehen im Zentrum des vorliegenden Beitrags. Chillen lässt sich (1) als eine Form der Vergemeinschaftung junger Menschen und (2) als Entzug der Erwartungen unterschiedlicher Erwachsener betrachten. Wie kann nun das Handlungsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit das Potenzial der Vergemeinschaftungspraktiken von Peers nutzen, die sich der Kontrolle Erwachsener zu entziehen suchen? Pädagog*innen können jungen Menschen den (Frei-)Raum bieten, Vergemeinschaftungsprozesse zu leben und das Potenzial dieser Zusammenschlüsse für die weitere pädagogische Arbeit in ihren Einrichtungen einbringen. Das scheinbar lose Setting des „Etwas-Tun-Könnens“ und „Nichts-Tun-Müssens“ eröffnet einen informellen Austausch und die Teilhabe an der Lebenswelt der Besucher*innen sowie die Nutzung alltäglicher Kommunikationsmöglichkeiten als ein Medium pädagogischer Arbeit.

Yağmur Mengilli
Gruppen, Cliquen, Freundschaft

Dieser Beitrag beschreibt den hohen Stellenwert von Cliquen, Freundschaften und Gleichaltrigengruppen im Kindes- und Jugendalter und damit ihre Bedeutung für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. In diesen können sie zentrale Erfahrungen der Anerkennung, Liebe und Sexualität abseits der familiären Beziehungen machen, sich so von der Familie lösen und verselbstständigen. Gerade die Offene Kinder- und Jugendarbeit bietet mit ihren offenen Räumen einen Rahmen für jugendliche Vergesellschaftung.

Achim Schröder
Sexualität und Geschlecht inszenieren

Sexuelles Begehren und die Gestaltung der eigenen Geschlechtlichkeit gehören zu den zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Der Beitrag enthält einen empirischen Situationsüberblick zur Jugendsexualität, informiert über die wichtigsten Informationsquellen (offline und online) zur Aneignung sexueller Identität und thematisiert die Herausforderungen der Inszenierung von Sexualität und Geschlecht angesichts interkultureller Sexualisation. Er schließt mit Hinweisen auf die Essentials sexueller Bildung in der offenen Jugendarbeit.

Uwe Sielert
Pornos gucken und teilen

Die erziehungs- und sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Pornografie beziehungsweise mit der Bewertung der Nutzung von Pornografie durch Jugendliche verläuft im Gegensatz zur medialen Debatte äußerst heterogen und kontrovers. Um mediendeterministische Verkürzungen in der Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu vermeiden, lohnt sich die reflexive Auseinandersetzung mit den heterogenen Lebensrealitäten und Lebensentwürfen ihrer Adressat*innen und darüber hinaus mit den eigenen Vorstellungen ‚richtiger‘ Sexualität und der eigenen Pornografie-Kompetenz.

Alexandra Klein, Jann Schweitzer
Comic, Manga, Graphic Novel lesen und schauen

Comics haben seit ihrer Entstehung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Vielzahl an Spielarten und Gattungen entwickelt, die unterschiedlichen künstlerischen, medialen und kulturellen Zusammenhängen entstammen und unterschiedliche Leserkreise ansprechen. Im Zuge dieser Entwicklung ist darüber hinaus eine weitgehende kulturelle, respektive pädagogische Akzeptanz eingetreten. In der Gegenwart ist neben der Herausbildung eines bedeutsamen Angebots an erwachsene Leserinnen und Leser eine starke Differenzierung der Angebote für Kinder und Jugendliche zu verzeichnen. Darin nehmen die aus Japan stammenden Manga und die nach deren Vorbild angelegten Geschichten einheimischer Autorinnen und Autoren mittlerweile eine führende Stellung gegenüber den klassischen Serien aus Nordamerika und dem frankophonen Raum ein. Die Popularität der Comics bei Kindern und Jugendlichen und ihre im Zusammenspiel von Schrift und Bild begründete Anschaulichkeit und Attraktivität macht sie auch für den Einsatz in der Offenen Jugendarbeit in besonderer Weise geeignet.

Bernd Dolle-Weinkauff
Mode, Anziehen, Klamotten

Mode ist ein Allerweltsphänomen, das den Alltag von Jugendlichen unmittelbar beeinflusst. Sich-Kleiden ist scheinbar oft notwendig konformistisch und gezwungenermaßen konsumorientiert sowie kreativ gestaltend, Grenzen überschreitend und immer sofort sichtbar, da auch medial omnipräsent. Über Kleidung erfahren insbesondere junge Menschen Selbstbildung, Fremdbestimmung, Zugehörigkeit und Ablehnung. Aber nur selten haben sie Gelegenheit, sich kritisch konstruktiv und spielerisch kreativ mit ihrem vestimentären Selbstbild zu beschäftigen. Es geht nun darum, dass, wie und warum Mode, Anziehen und Klamotten im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit eine für alle Beteiligten wirksame Rolle spielen kann und sollte.

Tine-Marie Kaphengst, Nadja Rogalski, Dagmar Venohr
Body and Beauty

Kinder und Jugendliche haben einen Körper. Schon vor der Geburt greifen engmaschige Kontroll- und Normalisierungsprozeduren auf ihn zu, die sich lebenslang, aber besonders intensiv in den frühen Lebensjahren fortsetzen. Vor diesem Hintergrund sprechen die Sozialwissenschaften von Bodyismus als einer relevanten sozialen Diskriminierungskategorie, über die soziale Anerkennung verliehen oder aber auch verweigert wird. Dies ist besonders relevant bei jenen sozialen Gruppen, deren Kapitalbesitz im Bourdieu’schen Sinne eher spärlich ist. Dazu gehören Kinder und Jugendliche.

Lotte Rose
Sich selbst verletzen

Selbstverletzungen im 21. Jahrhundert sind nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung angelangt, sondern erscheinen inzwischen auch im Bereich der Risikoverhaltensweisen und haben seit dem Aufkommen von Präsentationen der Wunden und Narben im Internet veränderte Formen angenommen. In diesem Beitrag werden selbstverletzende Handlungen und die Entwicklungsanforderungen sowie Krisenpotenziale in der Adoleszenz zusammenhängend betrachtet. Insbesondere dem Körper kommt sowohl bei Selbstverletzungen als auch in der Übergangsphase der Adoleszenz durch die puberalen Veränderungen eine besondere Rolle zu. Über den Körper können Jugendliche adoleszente und gesellschaftliche Themen sowie biografisch Unbewältigtes in riskanter Weise ausdrücken, vermitteln und zu bewältigen versuchen. Daraus folgernd werden Implikationen für die Offene Jugendarbeit abgeleitet.

Susanne Benzel
Sport zur Ermöglichung von Partizipation in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Jugendsportszenen erobern sich abseits des organisierten Sports und der Jugendarbeit urbane Räume und nutzen die Stadt als Lebens- und Bewegungsraum. Diese Szenen sind multikulturell, altersübergreifend und sozial gemischt. Angesichts wachsender Individualisierung und Ausgrenzung kann Offene Jugendarbeit Sport als Medium in mehreren Arbeitsfeldern zur Förderung pädagogischer Intervention (soziale Inklusion, Bekämpfung von Armutsfolgen, Bewegungsförderung, …) und Unterstützung nutzen und Jugendliche dabei unterstützen, sich zu beteiligen, ihre Lebensumwelt zu gestalten sowie Selbstwirksamkeit, Bildungsprozesse und -erfolge zu fördern.

Hanns-Ulrich Barde
Drogenkonsum: ein Bildungsanlass

Den Drogenkonsum Jugendlicher sehen Fachkräfte in Schule und Jugendhilfe im ersten Zugriff als psychosoziales Problem, das nicht selten Anlass gibt für einen Ausschluss dieser Jugendlichen von Angeboten der Jugendhilfe allgemein, der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Besonderen. Hier ist ein Umdenken seit langem erforderlich. Denn Drogenkonsum ist nicht nur eine wichtige Kulturtechnik, sondern ein zentraler Bestandteil gerade von Jugendkulturen. Als solcher kann er in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit als Bildungsanlass genommen werden. Ein solches Herangehen liefert brauchbare Ansätze auch zur Vermittlung risikoarmer Konsumgewohnheiten im Jugendalter und darüber hinaus.

Norbert Wieland
Digitale Medien in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Digitale Medien spielen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit eine Rolle – als Teil der Lebenswelt von jungen Menschen wie von Fachkräften. In diesem Zusammenhang ist die Frage, wie ihre alltägliche Bedeutung sowie der Umgang damit, aber auch der bewusste Medieneinsatz reflektiert und begleitet werden. Besondere fachliche Anforderungen stellen sich hinsichtlich des Umgangs mit Daten im Zusammenhang mit der Nutzung sozialer und mobiler Medien und den Folgen von Metadatenauswertung für die Adressat*innen sowie der Ermöglichung von Teilhabe angesichts der Reproduktion digitaler Ungleichheit.

Nadia Kutscher
Nutzung von Handys und Smartphones durch junge Menschen

Digitale Medien sind ein zentraler Bestandteil der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, sie werden intensiv und auf unterschiedlichste Art und Weise genutzt. Drei Hauptthemen zeigen sich in der Nutzung digitaler Medien durch Jugendliche: Kommunikation, Unterhaltung und Information. Bei vielen Aktivitäten auf dem Smartphone fließen Information, Unterhaltung und Kommunikation ineinander: ‚Spaß‘ und ‚Ernsthaftes‘ sind nicht klar getrennt. Dies macht es herausfordernd, ‚Notwendiges‘ von ‚Unnützem‘ zu unterscheiden. Jugendliche sehen mehr Chancen als Risiken in der Smartphonenutzung. Bezogen auf die Risiken beschäftigen Jugendliche alltägliche Herausforderungen wie Zeitverschwendung, Ablenkung und sozialer Druck. Diese Risiken sind nicht durch einfache Maßnahmen vermeidbar, da sie in der Folge der sozial notwendigen Nutzung entstehen. Im pädagogischen Umgang mit Smartphones gibt es durch die Verwobenheit von Chancen und Risiken keine ‚einfachen‘ Tipps oder Regeln für einen sinnvollen Umgang. Wichtig ist, Jugendlichen Reflexionsgelegenheiten zum eigenen Mediengebrauch zu ermöglichen.

Rahel Heeg, Olivier Steiner
Leben im Kontext von Eltern und Geschwistern
Familienorientierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Als Ergebnis des Forschungsprojekts Familien beraten, fördern, bilden – Familienorientierung in der OKJA – Wege zu einer intensiveren Elternarbeit der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft OKJA NRW wurde eine Familienorientierung entwickelt. Hintergrund war der sich vollziehende Perspektivwechsel in der Kinder- und Jugendarbeit hin zur Orientierung an den Lebenslagen junger Menschen. Was es dazu seitens der Fachkräfte der OKJA braucht, ist der mehrdimensionale Blick auf ihre Adressat*innen sowie die systemische Einbindung der Eltern und ihrer Geschwister.

Katja Birkner, Barbara Pabst
Übergänge in die Arbeitswelt bewältigen

Mit der Diversifizierung und Verlängerung von Übergängen in Beruf und Arbeit sind vielfältige Bewältigungsherausforderungen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter entstanden, die darauf bezogene Unterstützungsangebote notwendig machen. Übergangsbegleitung gehört dabei zwar nicht zu den zentralen Aufgaben der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, empirische Studien zeigen jedoch, dass die Offene Kinder- und Jugendarbeit eine wichtige Funktion im Übergangsgeschehen einnehmen und mit ihren niedrigschwelligen und beteiligungsorientierten Zugängen die jugendlichen Bewältigungsformen unterstützen und rahmen kann.

Thomas Kreher, Theresa Lempp
Schule bewältigen: Mädchen und Jungen als Schülerinnen und Schüler
Funktionslogiken und Adressierungen in den Systemen Kinder- und Jugendhilfe und Schule

Der Artikel befasst sich mit der Frage, wie Offene Kinder- und Jugendarbeit Mädchen und Jungen darin unterstützen kann, die Anforderungen von Schule konstruktiv zu bewältigen. Eine solche Unterstützung muss die unterschiedlichen Funktionslogiken von Schule und Kinder- und Jugendhilfe berücksichtigen. Am Beispiel der Hausaufgabenhilfe wird dabei deutlich, dass OKJA als bedeutsamer dritter Ort neben Elternhaus und Schule einen zentralen Beitrag zur Bewältigung des Schüler*innen-Seins leistet.

Markus Emanuel, Marc Weinhardt
Regeln brechen, provozieren, Gewalt probieren, kriminell sein

Abweichendes Handeln kann in der Jugendphase als normal angesehen werden. Dementsprechend hat abweichendes Handeln der Adressat*innen der OKJA eine hohe Relevanz für die Fachkräfte. Dabei ist es erstaunlich, dass dieses Thema erst seit 2010 dezidiert empirisch bearbeitet wird. Die empirischen Studien zeigen, dass innerhalb der OKJA die Kinder und Jugendlichen seltener abweichend handeln als in der Schule oder in der Öffentlichkeit. Um soziale Normen in der OKJA zu reproduzieren, ist es für die Fachkräfte notwendig, in Verhandlung mit den Adressat*innen und in eine spezifische Arbeitsbeziehung zu ihnen zu treten, in der sie als „andere Erwachsene“ wahrgenommen werden.

Holger Schmidt
Spielen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit eröffnet ‚Spiel’räume, in denen vor allem Brett- und Kartenspiele, Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele, aber auch digitale Spiele Anwendung finden. Längst stehen traditionelle und digitale Spielmöglichkeiten nicht mehr unverbunden nebeneinander, sondern erweitern in den verschiedensten Verschränkungen das Spielrepertoire und ermöglichen vielfältige Erlebnisse und Lernprozesse. Dabei begünstigt Spielen in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen Selbstwirksamkeitserlebnisse und häufig auch soziale Interaktion. Der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kommt dabei die Aufgabe zu, Spielanlässe zu schaffen, zu begleiten und zu reflektieren.

Tanja Witting
Jugendliche in Shopping Malls

Dieser Beitrag geht der Frage nach, was Jugendliche tun, wenn sie sich in Shopping Malls aufhalten, warum sie dies tun und warum sie dafür den Raum Shopping Mall wählen. Dazu wird auf Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum „Chillen in der Shopping Mall“ zurückgegriffen, in dem zwischen 2014 und 2016 eine mehrdimensional angelegte empirische Analyse von Raum(um)nutzung durch Jugendliche in Einkaufszentren in mehreren Kommunen durchgeführt wurde (Deinet 2017). Am Ende des Beitrags wird die Frage gestellt, ob und wie OKJA auf die kommerzialisierten Räume der Jugendlichen reagieren soll.

Ulrich Deinet

Wie Qualität herstellen und sichern in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Qualitätsverfahren, Konzeptentwicklung, Legitimation

Frontmatter
Konzeptionen entwickeln in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Text bietet eine methodische Anleitung zur Entwicklung von Konzeptionen (einzelner Einrichtungen) der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Dieses Modell wurde in Projekten zusammen mit der Praxis entwickelt, erprobt und ständig verbessert. Es antwortet auf die Anforderung an Einrichtungen der OKJA, Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung und Selbstevaluation zu betreiben, und stellt dafür handhabbare Arbeitsweisen zur Verfügung. Eine Konzeption wird verstanden als ein Entwurf eines ‚institutionellen‘ Wirkungszusammenhangs für die gesamte Arbeit innerhalb einer Einrichtung oder einer Organisationseinheit. Sie ist im Verständnis des Textes mehr als eine Kombination verschiedener Wissensbestände und integriert zusätzlich institutionelles Wissen, (kommunal-)politisches Wissen, Wissen über Zielgruppen und persönliches Erfahrungswissen der Fachkräfte vor Ort. Eine solche Konzeption enthält Aussagen darüber, welchen Zielgruppen welche Leistungen mit welchen Zielen und Leitlinien (Arbeitsprinzipien) sowie welchen Arbeits- und Angebotsformen angeboten werden und wie und mit welchen Aufgaben welche Mitarbeiter*innen zusammenarbeiten. Sie ist ein gedankliches Grundgerüst, mit dem die strukturellen Elemente, die für methodische Arbeit unabdingbar sind, nachvollziehbar zusammengebracht werden. Sie beschreibt somit die Arbeit der Einrichtung und beantwortet die Fragen auch von Außenstehendenden nach dem Sinn der OKJA und den zugrunde liegenden Wissensbeständen. So erzeugte Konzepte dienen der Selbstreflexion und Verbesserung der Fachlichkeit nach innen (Selbstevaluation) und ihrer Legitimation nach außen.

Hiltrud von Spiegel
Qualitätsentwicklung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit am Beispiel des Handbuchs Qualitätsmanagement der Berliner Jugendfreizeiteinrichtungen

Das Handbuch Qualitätsmanagement der Berliner Jugendfreizeiteinrichtungen (QM-Handbuch) ist ein für alle öffentlich geförderten Einrichtungen der OKJA in Berlin verbindlich anzuwendendes Instrument der Selbstevaluation. Es beinhaltet Ziele, Handlungsorientierungen und Beschreibungen typischer Angebotsschwerpunkte der OKJA. Seine Inhalte entstanden in einem dialogischen Prozess zwischen pädagogischen Fachkräften, den Trägern, den Jugendämtern und der für Jugend zuständigen Senatsverwaltung (Landesjugendamt) und werden regelmäßig aktualisiert. Das QM-Handbuch dokumentiert das fachliche Selbstverständnis der OKJA und gilt für die Jugendpolitik als Beleg seiner fachlichen Qualität. Der Beitrag enthält grundlegende Ausführungen zum methodischen Ansatz und zum Entstehungshintergrund sowie Beispiele für die Anwendung im Rahmen von Selbstevaluation.

Wolfgang Witte
Kommunale Wirksamkeits- und Qualitätsdialoge

Kommunale Qualitäts- und Wirksamkeitsdialoge als Verfahren der Qualitätsentwicklung für die Offene Kinder- und Jugendarbeit gehen über den Blick auf einzelne Jugendhäuser hinaus und verbinden alle Einrichtungen und Projekte in öffentlicher und freier Trägerschaft auf Jugendamtsebene. Die dialogorientierte trägerübergreifende Kommunikation klärt, was unter guter Kinder- und Jugendarbeit verstanden wird. Kommunale Qualitäts- und Wirksamkeitsdialoge beinhalten eine abgestimmte Struktur über regelmäßig stattfindende Prozesse und Elemente der Qualitätsentwicklung, deren (Weiter-)Entwicklung im engen Dialog mit Trägern und Fachkräften organisiert ist, die für alle Träger und Einrichtungen nach dem gleichen Muster stattfinden und bei der Jugendämter eine steuernde und moderierende Funktion einnehmen. Sie bestehen aus Bausteinen der Qualitätsentwicklung mit einzelnen Einrichtungen und übergreifenden Aktivitäten. Sie ermöglichen, kommunale Berichte über die Qualitätsentwicklung des Arbeitsfelds zu generieren, die im kommunalpolitischen Rahmen diskutiert werden und bei denen eine Transparenz über den Zusammenhang zur Förderung besteht.

Katja Müller, Michael Trödel
Praxisbeispiel: Besucher*innenerhebung und Besucher*innenbefragung Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft

Die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft führt seit 2007 regelmäßig Besucher*innenzählungen und -befragungen in den Kinder- und Jugendeinrichtungen durch. Diese Besucher*innenbefragung und -erhebung wird von einem externen Unternehmen in den 41 Kinder- und Jugendhäusern sowie im Geschäftsbereich Ganztagesbildung und Betreuung an Schulen durchgeführt. Neben den Befragungen in den Einrichtungen finden auch Online-Befragungen statt.Diese Erhebung prüft, ob die Angebote, die Programme und die angewandten Mittel, mit denen den Bedürfnissen junger Menschen in Stuttgart begegnet wird, angenommen werden und noch ‚stimmen‘. Seit 2009 sind zudem Umfragen zu jugendrelevanten aktuellen Themenschwerpunkten in die Untersuchung eingebunden. Somit ergibt sich nicht nur ein Bild der Nutzer*innen und Besucher*innen der Einrichtungen (z. B. nach Geschlecht, Herkunft, Wohnort, Sozialraum, Schulart), sondern auch zu jugendrelevanten Themen, die im Sinne der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden können.Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Arbeit für Kinder und Jugendliche regelmäßig durch ein unabhängiges Unternehmen überprüft wird. Die Besucher*innenbefragung soll nicht die kontinuierliche und alltägliche partizipatorische Arbeit mit jungen Menschen ersetzen, stellt jedoch eine weitere Übersicht, auch für Kooperationspartner*innen sowie für die kommunale Politik, darüber dar, wer mit den Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wie erreicht wird sowie welche Angebote von der Nutzer*innengruppe noch gewünscht und benötigt werden.

Ingo-Felix Meier
Wirkungsorientierung in der Offenen Jugendarbeit

Wirkungsorientierung ist in den letzten Jahren zu einem Schlagwort in der Sozialen Arbeit geworden und wird teils heftig diskutiert. Das Image von Wirkungsorientierung ist mannigfaltig und reicht vom Allheilmittel, welches Erfolge endlich darstellbar macht, bis hin zur neoliberalen, einzig auf Zahlen basierten Kassandra, welche die eigentlich Qualität gar nicht zu erfassen vermag. Der Verein Wiener Jugendzentren hat diesen Ansatz der Planung und Evaluierung aufgenommen und versucht ihn von der breiten Grundkonzeption bis zur tagtäglichen Arbeit konsequent zu verfolgen. Dem Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Parameter wir dabei besondere Beachtung geschenkt. In diesem Text werden der grundsätzliche Zugang und die Systematik wirkungsorientierter Planung und Evaluierung im Sinne des Vereins Wiener Jugendzentren vorgestellt. Am Beispiel des Formulars für Planung und Evaluierung einzelner Aktivitäten wird veranschaulicht, wie das Konzept in der Praxis umgesetzt wird.

Werner Prinzjakowitsch
Empirische Perspektiven auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit

Die Forschung zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, mit welchen Perspektiven Forschung im Handlungsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gemacht wird und welche verschiedenen empirischen Zugänge sich dabei anbieten bzw. hierfür erforderlich sind: Entlang der Dimensionen Forschungsperspektiven, Forschungszugänge, Forschungsmethoden und verfügbare Daten wird der Versuch einer multidimensionalen Typisierung von Forschung im Handlungsfeld Offene Kinder- und Jugendarbeit unternommen. Diese soll weniger einer Taxonomie der vorhandenen Forschung dienen als vielmehr für die Vielfalt von Forschung im Kontext der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sensibilisieren. Dabei ist es entscheidend, den Entstehungs- und ursprünglichen Verwendungskontext der Forschung zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu berücksichtigen und die Frage zu stellen, welche Aussagekraft die Informationen warum für wen und wofür wann haben.

Eric van Santen, Mike Seckinger
Berichtswesen und Statistik

Die Träger der Einrichtungen und Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) erheben regelmäßig Daten über ihre Arbeit. Für unterschiedliche Zwecke, wie die amtliche Statistik, andere überregionale Erhebungen sowie für das kommunale Berichtswesen werden vielfach ähnliche Daten benötigt. Vor diesem Hintergrund informiert der Beitrag über die diversen Datenerhebungen zu Einrichtungen und Angeboten der OKJA, die der Statistik oder dem Berichtswesen dienen. Danach wird darauf eingegangen, wie Kommunen, Träger oder Verbände das Wissen darüber für die systematische Weiterentwicklung eigener Datenerhebungen nutzen und dazu einsetzen können, den Erhebungs- und Ausfüllaufwand so gering wie möglich zu halten.

Thomas Mühlmann
Qualitative Methoden der Konzeptentwicklung

In der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nimmt die Konzeptentwicklung eine zentrale Rolle zur Weiterentwicklung von Einrichtungen und Projekten ein. Um Konzepte an den Interessen und Bedürfnissen der Beteiligten zu orientieren, ist es nötig, Sozialraum- und Lebensweltanalysen durchzuführen, mit denen die jeweiligen sozialräumlichen Zusammenhänge intensiver und umfassender erkundet werden können.Dabei spielen qualitative Methoden eine besondere Rolle, um lebensweltliche und sozialräumliche Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in ihrer Komplexität zu verstehen. Durch ihre dialogische Ausrichtung sind qualitative Erhebungsmethoden nicht nur Analysemethoden, sondern beteiligen Kinder und Jugendliche als Expert*innen ihrer Lebenswelten und schaffen direkte Anschlüsse für Interventionen, die für und mit den Adressat*innen gemeinsam entwickelt werden können.

Ulrich Deinet, Christian Spatscheck
Wirkungsreflexion in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Fragen nach der Wirksamkeit Sozialer Arbeit haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Auch das Arbeitsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bzw. die dort tätigen öffentlichen und freien Träger sind mittlerweile aufgefordert, überzeugende Antworten in diesem Kontext zu geben. Unter Berücksichtigung der Strukturbesonderheiten des OKJA-Arbeitsfelds wird allerdings deutlich, dass hier sehr spezifische Wege der Qualitätssicherung, Steuerung und Wirkungsreflexion entwickelt werden müssen. Nach einführenden Bemerkungen zum Wirkungsdiskurs skizziert der Beitrag Facetten einiger Ansätze der kommunalen Ebene in verdichteter Form, die eine solche Wirkungsreflexion bzw. einen ‚forschungsbasierten Dialog‘ zur Offene Kinder- und Jugendarbeit zum Ziel haben oder realisieren.

Reinhard Liebig
Zwischen Konformität und Handlungsmacht
Ein Blick auf die Verarbeitungspraxis von Qualitätsvorgaben in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Eine gewinnbringende Einführung formal-bürokratischer Qualitätsverfahren in die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kann dann gelingen, wenn deren Inhalte und Regeln aktiv von den Fachkräften aufgegriffen und auf die Anforderungen der Einrichtungen hin übersetzt werden. Diese ‚Handlungsmächtigkeit‘ gegenüber den häufig von außen definierten und an ökonomischen Prämissen orientierten Vorgaben gilt als eine Voraussetzung dafür, dass auch fachlich-pädagogische Qualitätsstandards nach außen transparent gemacht werden (können). Wie eine empirische Studie in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Luxemburg zeigt, ist die einrichtungsinterne Verarbeitung und Transformation solcher Vorgaben jedoch auch zwei Jahrzehnte nach dem erstmaligen Aufkommen der Qualitätsdebatte (noch) nicht überall die gängige Praxis.

Sandra Biewers Grimm
Veränderte Rahmen- und Strukturprinzipien der Jugendarbeit durch Ganztagsschule?

Ganztagsschulen haben die Kinder und Jugendarbeit verändert. Im Beitrag wird dieser Wandel diskutiert, vor allem entlang des Prinzips der ‚Freiwilligkeit‘. Diese ist in Ganztagsangeboten, auch bei einer selbstbestimmten Anmeldung anders gerahmt als in der Jugendarbeit, da die Exit-Option aufgrund der ‚Aufsichtspflicht‘ nicht mehr besteht. Studien zeigen jedoch, dass Ganztagsangebote die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen positiv beeinflussen können, wenn diese freiwillig am Ganztag partizipieren. Entsprechend sollten Jugendarbeiter*innen in Ganztagsschulen nicht als ‚Hilfslehrkraft‘ fungieren, sondern als Begleiter der Heranwachsenden. Die Chance der Jugendarbeit könnte es sein, ihre Stärke einzubringen, indem gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Angebote konzipiert werden, die deren Interessen und Bedürfnissen entspringen. Idealiter würden dann Kinder und Jugendliche an Angeboten teilnehmen, weil es ihren Bedürfnissen entspricht und die Angebote könnten tatsächlich Bildungsprozesse anregen, so die Argumentation des Beitrags.

Markus N. Sauerwein, Gunther Graßhoff

Mit wem warum kooperieren in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Kooperation und Kooperationspartner

Frontmatter
Kooperation im Sozialraum – Sozialräume durch Kooperation

Kooperation – vor allem bezogen auf Sozialraum – ist nach wie vor in aller Munde. Doch schaut man auf den Kooperationsdiskurs und darauf, wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat, bleiben mehr Fragen offen, als dass Klarheit darüber zu erkennen wäre, was die Akteur*innen in Kommunen unter Kooperation verstehen und welche Herausforderungen sich in der Realisierung dieser Idee der Zusammenarbeit zeigen. Daher begibt sich der Beitrag ins Kooperationsdickicht hinein und folgt wesentlichen Schlüsseldiskursen, wie sie vor allem auch in Bezug auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit relevant sind. Der Beitrag streift dabei den Präventions-, Sozialraumteams- und Bildungslandschaftsdiskurs, nimmt eine sozialtheoretische Verortung vor und landet schließlich bei einer (vorläufigen) Beantwortung der Frage, wie sich die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Feld der Kooperation im Sozialraum bewegen und positionieren soll/kann.

Mandy Falkenreck, Christian Reutlinger
Kooperation entlang der Themen und Interessen der Adressat*innen

Der vorliegende Beitrag beschreibt, wie die Offene Kinder- und Jugendarbeit ihre Kooperationen entlang der Themen und Interessen der Adressat*innen entwickeln kann. Das Arbeitsfeld bietet auf der Basis von Partizipation, als seine zentrale Qualität, einen Paradigmenwechsel für die Zusammenarbeit institutioneller Netzwerkpartner*innen an. Die Kooperationen orientieren sich konsequent an den Themen der Adressat*innengruppe, gehen von diesen aus und ermöglichen den Kindern und Jugendlichen selbstverantwortliches und demokratisch-gesellschaftliches Engagement. Durch das aktive Einbringen mit entsprechenden Konzepten und Arbeitsweisen entsteht eine Inspiration und eine Attraktivität zur Zusammenarbeit für unterschiedlichste Institutionen und Gemeinschaften, wodurch die Offene Kinder- und Jugendarbeit zu einer wertvollen (Bildungs-)Partnerin wird und sogar zum Motor sozialräumlicher Vernetzung werden kann. Der vorliegende Text leitet zum einen theoretische Argumentationen her und entwickelt zum anderen auch Anregungen zu einer strukturierten Umsetzung.

Thomas Glaw
Die Rolle der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bei der Mitgestaltung von Präventionsketten und Präventionsnetzwerken

In vielen Kommunen in Nordrhein-Westfalen findet seit Jahren ein Ausbau von Präventionsketten statt. Die Präventionskette bildet eine institutionelle Infrastruktur für Kinder, Jugendliche und ihre Familien entlang verschiedener Lebens- und Entwicklungsphasen – beginnend mit den Frühen Hilfen über die frühkindliche Bildung und die Jugendbildung bis hin zu Angeboten für einen gelingenden Übergang in Ausbildung, Beruf und ein selbstbestimmtes Leben. Zentrale Ziele sind, die Rahmenbedingungen für gelingendes Aufwachsen und die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Familien in unterschiedlichen Lebenslagen zu verbessern und den Folgen von materieller, sozialer, gesundheitlicher und kultureller Benachteiligung entgegenzuwirken (Holz 2016, S. 12). Die systematische Zusammenarbeit der verantwortlichen Akteur*innen erfolgt in Präventionsnetzwerken. Die Angebote und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sind ‚natürlicher‘ Bestandteil von Präventionsketten. Die Akteur*innen aus dem Feld sind deshalb gut beraten, sich in die kommunalen Planungs- und Gestaltungsprozesse einzumischen und mit den Partner*innen in den Präventionsnetzwerken offensiv zu kooperieren.

Christina Muscutt, Alexander Mavroudis
Jugendverbandsarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit – Bündnis für Demokratiebildung

Der Bildungsauftrag der Jugendarbeit lautet, Bildung zur Demokratie mit Hilfe demokratischer Partizipation umzusetzen. Vor diesem Hintergrund wird im Artikel – neben einer Klärung der rechtlichen Situation – der Begriff der demokratischen Partizipation definiert und auf dieser Basis der Bildungsauftrag zur Demokratie operationalisiert, d. h. beschrieben, was es heißt, demokratische Bildung in der Jugendarbeit umzusetzen. Aufgezeigt wird dabei zum einen, dass das in den Strukturen der Jugendverbandsarbeit angelegte Potenzial zur demokratischen Bildung empirisch nicht konsequent ausgeschöpft wird. Gefragt wird zum anderen, ob die Offene Kinder- und Jugendarbeit bereit ist, Strukturen zu entwickeln, die die Realisierung des Bildungsauftrags gewährleisten können. Die Chance, die Entwicklung demokratischer Partizipation in der Jugendarbeit aufzugreifen, liegt darin, offensiv gegenüber Politik und Verwaltung auftreten und eine gesellschafts- und bildungstheoretisch fundierte Antwort auf die kritische Nachfrage bereithalten zu können, wofür die Jugendarbeit als dritte Bildungsinstitution neben Familie und Schule eigentlich (noch) gebraucht wird.

Elisabeth Richter, Wibke Riekmann
Lokale Vereine und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag umreißt die Organisationsform des Vereins als freiwillige Vereinigung im lokalen Umfeld. Einerseits werden idealtypische Strukturmerkmale des Vereins und idealtypische Interaktionsformen im Verein skizziert, um Spezifika der Organisation Verein in der modernen Gesellschaft zusammenfassend herauszustellen. Andererseits werden ausgewählte Debatten über Veränderungsdynamiken im Vereinswesen umrissen, um Herausforderungen von Vereinen im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse exemplarisch sichtbar zu machen. Vor diesem Hintergrund werden potenzielle Dilemmata von Vereinen als Kooperationspartner im lokalen Raum wie z. B. im Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit beispielhaft skizziert. Abschließend werden Ergebnisse des Beitrags knapp bilanziert.

Sebastian Braun
Kooperationen zwischen Jugendkunstschulen und Offener Kinder- und Jugendarbeit

Warum nicht? Kooperationen zwischen Jugendkunstschulen und Offener Kinder- und Jugendarbeit erscheinen auf den ersten Blick naheliegend – nicht nur, weil beide Arbeitsfelder im Bereich der kulturellen Bildung mitwirken und sich an Prinzipien der Jugendarbeit orientieren. Doch ein Einblick in Untersuchungsergebnisse aus NRW und Berlin wirft Fragen auf und markiert weiteren Forschungsbedarf. Inwiefern sind Kooperationen erwünscht? Und was könnte ihre Umsetzung erschweren? Zur Beantwortung dieser Fragen fehlen bislang vertiefende Untersuchungen. Um möglichen Potenzialen und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Jugendkunstschulen und Offener Kinder- und Jugendarbeit nachzugehen, erfolgt eine Annäherung über ein Interview mit einem Berliner Experten für Jugendkunstschulen. Dabei werden z. B. regionale Besonderheiten und spezifische Formate der Kooperation deutlich, aber auch die Notwendigkeit von Standortbestimmungen und weiteren Gesprächen. Der Artikel versteht sich als Einladung und Diskussionsanlass für einen Dialog über Kooperationen zwischen Jugendkunstschulen und Offener Kinder- und Jugendarbeit ebenso wie zwischen Forschung und Praxis.

Evelyn May
Schulsozialarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit

In diesem Beitrag wird die Schulsozialarbeit als Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe vorgestellt und erläutert, wie und warum Fachpersonal aus Schulsozialarbeit und Offener Kinder- und Jugendarbeit kooperieren kann. Dafür wird zunächst die Praxis der Schulsozialarbeit beschrieben, indem ihre Arbeitsweisen und ihre Besonderheiten dargestellt werden. Darauf aufbauend werden Kooperationsanlässe und Kooperationsformen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit skizziert.

Florian Baier
Jugendsozialarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Zielgruppe der Jugendsozialarbeit sind benachteiligte Jugendliche und damit unterscheidet sie sich von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, die sich an alle Kinder und Jugendlichen richtet. Im Fokus der Jugendsozialarbeit steht der Übergang von der Schule in Ausbildung und Arbeit, der für benachteiligte Jugendliche eine besondere Herausforderung darstellt. In der Praxis stehen die Angebote der Jugendsozialarbeit häufig in Konkurrenz zu den vorrangigen Leistungen des SGB II, die weniger auf umfassende individuelle Unterstützung ausgerichtet sind. Vergleichsweise neue Zielgruppen der Jugendsozialarbeit sind sogenannte entkoppelte Jugendliche, die aus sämtlichen institutionellen Hilfekontexten herausgefallen sind, und junge Geflüchtete.

Maria Icking
Allgemeiner Sozialer Dienst und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag beleuchtet den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) im Hinblick auf Schnittstellen, Differenzen und Kooperationsmöglichkeiten mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Angesichts der sichtlich unterentwickelten Kooperationen geht es insbesondere um Herausforderungen und Konflikte – sowohl für den ASD als auch für die OKJA. Diese sind nicht nur strukturell und konzeptionell angelegt, sondern werden von den aktuellen (jugendhilfe-)politischen Entwicklungen und Diskursen verschärft. Gleichwohl werden Anknüpfungspunkte unter Wahrung der Differenzen markiert sowie förderliche Bedingungen und Voraussetzungen für Kooperationen skizziert, die im Rahmen dialogischer Aushandlungsprozesse und unter der Prämisse des gemeinsamen, gesetzlich verankerten Leitziels sinnvoll und notwendig erscheinen.

Tilman Lutz
Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz (§ 14 SGB VIII) in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag stellt die rechtlichen Rahmenbedingungen Offener Kinder- und Jugendarbeit dar und erörtert insbesondere, in welcher Form die großen Freiheiten hinsichtlich der Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit Rücksicht auf den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz gestaltet werden sollen. Dabei spielt die gesetzgeberische Absicht, junge Menschen als Subjekte in den Blick zu nehmen, die zentrale Rolle.

Christian Bernzen
Mobile Jugendarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der vorliegende Beitrag stellt das niedrigschwellige Angebot der Mobilen Jugendarbeit als eigenständiges Handlungsfeld im Leistungsspektrum der Jugendhilfe vor. Neben dem historischen Abriss zur Entstehung und Entwicklung des aufsuchenden Arbeitsansatzes wird eine inhaltliche und gesetzliche Verortung des „hybriden“ Feldes vorgenommen. Mobile Jugendarbeit basiert auf einem sozialpädagogischen Konzept, welches sich durch die Umsetzung und die Kombination der vier Methodenbausteine – Aufsuchende Arbeit, individuelle Hilfe und Unterstützung, gruppen- und szenebezogene Angebote, gemeinwesenbezogene und sozialraumorientierte Angebote kennzeichnet. Im Kern richtet sich das Angebot gezielt an junge Menschen, die von sozialer Benachteiligung und Ausgrenzung bedroht oder betroffen sind und von anderen Hilfeformen nicht ausreichend erreicht werden (wollen).

Christiane Bollig
Offene Jugendarbeit und Polizei: eine Fernbeziehung auf engem Raum

Der Beitrag entfaltet das Verhältnis zwischen Jugendarbeit und Polizei in einem Dreischritt. Er behandelt zunächst zentrale Aspekte von Distanz und Differenz zwischen Offener Jugendarbeit und Polizei und beleuchtet damit einen in der Diskussion meist nur am Rande berücksichtigten Ausschnitt des Gesamtzusammenhangs. In einem zweiten Schritt werden diese Aspekte gegenüber einer von (zunehmenden) Überschneidungen und Berührungen geprägten Realität abgeglichen. Der Beitrag schließt mit einigen Anmerkungen zur aktuellen und möglichen weiteren Gestaltung des Verhältnisses.

Nils Schuhmacher
Kooperation zwischen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Drogenhilfe

Die Kooperation zwischen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Drogenhilfe zeichnet sich durch die gemeinsame Zielgruppe der Jugendlichen aus. Substanzkonsum als ein entwicklungspsychologisches Merkmal der Jugend sowie die ressourcenorientierte und gesundheitspräventive Ausrichtung der Arbeit verbinden Institutionen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Drogenhilfe. Eine intensive Vernetzung und Kooperation kann den Zugang zu Hilfesystemen erleichtern und Schwellen der Inanspruchnahme minimieren. Präventionsangebote seitens der Drogenhilfe können im Vorfeld einer Verfestigung von Konsummustern ansetzen und im Rahmen der Offenen Kinder- und Jugendhilfe platziert werden.

Saskia van Oosterum

Was sind Rahmenbedingungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit? Recht, Träger, Politik

Frontmatter
Rechtliche Grundlagen der Offenen Kinder-und Jugendarbeit im Bundes- und Landesrecht

Der Beitrag skizziert die rechtlichen Grundlagen Offener Kinder- und Jugendarbeit, zu denen – neben vielen allgemeingültigen rechtlichen Regelungen – das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 GG), sowie insbesondere das Sozialgesetzbuch VIII, § 11 und die jeweils geltenden landesrechtlichen Regelungen gezählt werden können. Das SGB VIII konzipiert Jugendarbeit als ein Angebot für alle Kinder- und Jugendlichen und formuliert als grundlegende Prinzipien Selbstorganisation, Ganzheitlichkeit und Partizipation. Zugleich fehlt der Vorschrift des § 11 SGB VIII etwas für die Existenz einer Rechtsnorm elementares, nämlich die Rechtsfolge, welche in unterschiedlichen landesbezogenen Ausführungsbestimmungen Ausdruck findet, die hier ebenfalls skizziert werden.

Christian Bernzen
Freie Träger, Initiativen, Fach- und Dachverbände der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag befasst sich mit dem Thema freie Träger, die in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, zu denen auch die Fach- und Dachverbände gehören, eine wichtige Rolle spielen. Initiativen sind eine Vorform von freien Trägern, die ab einer gewissen Etablierung häufig einen eingetragenen Verein gründen. Im Groben werden freie gemeinnützige Träger von öffentlichen und privat-gewerblichen Trägern unterschieden, die im Wechselspiel zueinander stehen. Die freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit werden als Idealtypus dargestellt und ihre Möglichkeiten und Grenzen in der Arbeit skizziert. Daran schließen die Darstellung der statistischen Entwicklung der Jugendarbeit, Ausführungen zum Verhältnis zwischen öffentlichen und freien Trägern sowie die Wertegebundenheit der freien Träger an. Für die Kinder- und Jugendarbeit sind drei Grundformen freier Trägerschaft von Bedeutung: Wohlfahrtsverbände, Jugendverbände sowie Selbsthilfe- und Initiativgruppen. Ergänzend werden die Fachverbände genannt, die Lobbyisten, aber nicht selbst Träger sozialer (Jugend-)Arbeit sind. Die Trägertypen stehen dem öffentlichen Träger gegenüber, der auf der Bundes-, Landes- und kommunalen Ebene agiert. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz gibt dabei auf Bundesebene die Rahmengesetzgebung vor, landesrechtliche Gestaltungsvorgaben ergänzen diese, die Aufgabe der konkreten Ausgestaltung liegt auf der kommunalen Ebene.

Ulrike Werthmanns-Reppekus
Öffentliche Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Als öffentliche Träger der Jugendhilfe sind in der Bundesrepublik Deutschland die obersten Bundes- und Landesjugendbehörden, die Landesjugendämter und die örtlichen Jugendämter bestimmt. Für die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) übernehmen die örtlichen Jugendämter eine zentrale Funktion: In ihrer Verantwortung liegt es, das Leistungsspektrum für das gesamte Arbeitsfeld zu planen und die Finanzierung für alle freien und öffentlichen Träger abzusichern. Zudem übernehmen sie die fachliche Steuerung und gestalten die Qualitätsentwicklung. Gleichzeitig sind die öffentlichen Träger – inklusive der kreisangehörigen Gemeinden – mit einem Anteil von ca. 50 % auch selbst Träger von Einrichtungen und Angeboten der OKJA. Die Ausgestaltung dieser unterschiedlichen Rollen bedeutet für die örtlichen Träger einen herausfordernden Balanceakt, der nur durch Transparenz, Dialogorientierung und ausreichend Fachpersonal bewältigt werden kann. Landesjugendämter diskutieren und koordinieren zusammen mit den Trägern den fachlichen Rahmen für die OKJA. Die öffentlichen Träger sollten gemäß ihrer Bedeutung in den Strukturen der Interessensvertretung für das Handlungsfeld angemessen berücksichtigt sein.

Mareile Kalscheuer, Katja Müller
Empirisches Wissen zur Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Finanzielle Mittel sind eine zentrale Ressource zur Realisierung sozialer Zwecke und damit verknüpft auch ein Instrument der Steuerung. Diese Aussage gilt für nahezu alle Bereiche des Lebens in modernen kapitalistischen Gesellschaften, so auch für das Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Vor diesem Hintergrund werden nachfolgend empirische Befunde zur Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vorgestellt. Dabei wird sowohl die Perspektive (öffentlicher) Fördermittelgeber – repräsentiert durch Daten amtlicher Statistiken – als auch die Perspektive der Einrichtungen – auf der Grundlage der DJI-Jugendzentrumsbefragungen 2011 und 2018 – in den Blick genommen.

Andreas Mairhofer
Finanzierung freier Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Der Beitrag stellt die unterschiedlichen Wege der Finanzierung von Angeboten freier Träger im Bereich der Offenen Kinder und Jugendarbeit vor. Traditionelle Wege der Förderungsfinanzierung werden ausführlich dargestellt. Verfahren der Kostenerstattung und der Entgeltfinanzierung werden als Modelle zur Weiterentwicklung der Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit erörtert. Neben Verfahrensfragen werden Aspekte der Wirkungsorientierung in die Reflexion einbezogen.

Christian Bernzen, Tobias Gros
Jugendpolitik und Offene Kinder- und Jugendarbeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit und Kinder- und Jugendpolitik sind eng miteinander verbunden. Denn durch ihre Nähe zu den Lebenswelten junger Menschen und angesichts ihres im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) normierten pädagogischen, gesellschaftlichen und politischen Auftrags nehmen beide Felder eine Sachwalterfunktion für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen wahr. So bedeutsam ihre Rolle für junge Menschen auch ist, in der Gesamtheit der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe bedarf es immer wieder einer grundsätzlichen Behauptung ihrer Funktion und ihrer Kompetenzen. Ein Indiz dafür sind die Schwankungen in der öffentlichen Förderung und auch die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern und Kommunen. Kinder- und Jugendpolitik ist dabei eine wichtige Begleitung, die die Rahmenbedingungen für die Kinder- und Jugendarbeit und für ein gelingendes Aufwachsen verbessern helfen kann.

Klaus Schäfer

Wie macht man Offene Kinder- und Jugendarbeit in Europa? Ausblicke

Frontmatter
Youth Work in Europa

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den Strukturen, Netzwerken und Instrumenten, die sich in den letzten Jahren auf europäischer Ebene im Kontext von Youth Work entwickelt haben und aus Sicht des Autors bisher ungenügend im bundesdeutschen Diskurs rezipiert wurden. Dabei bildet Youth Work in Europa für die Offene Kinder- und Jugendarbeit einen Rahmen, der sich längst bereits auch auf Policy-Ebene autonom etabliert hat und der für den deutschen Fachdiskurs von großer Bedeutung sein kann. Um die nationalen und internationalen Diskurszusammenhänge genauer zu analysieren, bedarf es einer entsprechenden international vergleichenden Youth-Work-Forschung bzw. europäischen non-formalen Bildungsforschung. Die Bedingungen hierfür sind jedoch noch nicht vorhanden. Insofern richtet sich der Aufsatz an Akteure aus dem politisch-administrativen System, der Wissenschaft sowie der Trägerlandschaft gleichermaßen und soll einen ersten Impuls dazu geben, wie die bisher wenig aufgeklärte Repräsentation Europas und des Internationalen in den Praxen von Jugendarbeit, Jugendpolitik und Jugendforschung in Deutschland reflektiert werden könnte. Aus Sicht der Jugendarbeit in Deutschland ist es nach Meinung des Autors längst an der Zeit, sich mit Youth Work in Europa in vergleichender und transnationaler Perspektive wissenschaftlich zu beschäftigen und aus Sicht der Praxis verstärkt europäische Projekte anzustoßen bzw. daran zu partizipieren. Die als Bonn-Prozess der European Youth Work Agenda bezeichnete jugendpolitische Entwicklung, die während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 ihren Anfang nimmt, ist ein zentraler Schritt in diese Richtung.

Andreas Thimmel
Offene Kinder- und Jugendarbeit in der Schweiz

In der Schweiz hat sich die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) vor allem aus der Praxis des kommunalen Raums heraus entwickelt. Mehrsprachigkeit und ein Föderalismus der kleinen Räume bilden zusammen einen Kontext, der die Pflege lokaler Besonderheiten und Diversität begünstigt. Eine wachsende Zahl an Einrichtungen der OKJA sowie die Ausdifferenzierung der Angebotsformen und der Altersgruppen zeugen von der wachsenden Bedeutung der OKJA in Schweizer Gemeinden, vor allem in Städten und Agglomerationsgemeinden. Das revisionierte Kinder- und Jugendförderungsgesetz (KJFG, 2013) hat die OKJA als Form außerschulischer Bildung anerkannt und neue Instrumente zur Förderung von Modellprojekten geschaffen. Nationale und kantonale Dach- und Fachverbände übernehmen vermehrt Aufgaben der Entwicklung und Verbreitung von Fachkonzepten und setzen sich für die Professionalisierung ein. Themen der OKJA sind ebenso an Hochschulen der Sozialen Arbeit stärker präsent und auch die Forschungs- und Publikationstätigkeit hat zugenommen. Zu den bevorzugten Themen der Fachdiskussion gehören Fragen zur Finanzierung, Planung, Steuerung und Qualitätsentwicklung von Angeboten, Diskurse zu theoretischen Leitkonzepten wie z. B. Soziokulturelle Animation, Partizipation, Sozialraumorientierung, Lebensweltorientie rung und geschlechterreflektierte Arbeit. Aktuell steht die OKJA in der Schweiz vor der Herausforderung, die Ausdifferenzierung ihrer Angebote konzeptionell zu reflektieren und sich dabei auch fachlich-reflexiv über die Sprachgrenzen hinweg zu verständigen, um ihre Profilbildung voranzutreiben, sich gegenüber fachfremden Logiken abzugrenzen und neue Formen der Vernetzung und Kooperation zu entwickeln.

Julia Gerodetti, Manuel Fuchs, Stefan Schnurr
Offene Jugendarbeit in Österreich

Offene Jugendarbeit hat im letzten Jahrzehnt in Österreich stark an Bedeutung gewonnen. Offene Jugendarbeit stellt sich als heterogenes, komplexes Handlungsfeld mit unterschiedlichen Ausprägungen im Gesamtkomplex der Sozialen Arbeit dar. Dabei geht es um eine zugleich diversitäts- wie zielgruppenorientierte Jugendarbeit, die möglichst viele unterschiedliche Jugendliche bzw. Gruppen von Jugendlichen mit heterogenen Angeboten und Settings anzusprechen vermag, ohne dabei die Forderung nach einer grundsätzlichen Zugänglichkeit für alle interessierten Jugendlichen aus den Augen zu verlieren. Im Sinne einer Menschenrechtsprofession ist Offene Jugendarbeit kompetente Partnerin in Sachen Armutsbekämpfung sowie Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit, Beteiligung und politische Bildung, Arbeitsmarkt und Zusammenleben in den Kommunen. 2011 entwickelte bOJA, das bundesweite Netzwerk Offene Jugendarbeit, österreichweite Qualitätsstandards, die dem sehr diversen Handlungsfeld erstmalig einen Orientierungsrahmen boten. Es folgten weitere Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung, wie die Implementierung einer bundesweiten Dokumentationsdatenbank oder die Entwicklung des Instruments des Qualitätsdialogs für die Offene Jugendarbeit. Aktuell beschäftigt sich die Offene Jugendarbeit in Österreich mit Themen der Qualifizierung ihres Fachpersonals, mit Digitaler Jugendarbeit, der Kooperation mit Schule sowie dem breiten Thema der politischen Bildung und Beteiligung in Zeiten wachsenden (Rechts-)Extremismus in Europa.

Daniela Kern-Stoiber
Die Jugendarbeit in Südtirol

Der Text gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Jugendarbeit Südtirol mit besonderem Fokus auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit mit ihren rund 70 Jugendzentren. Die Offene Jugendarbeit zeigt sich hier als eng vernetzt mit den Jugendverbänden, den regionalen Jugenddiensten und den Einrichtungen der Fortbildung. Fachliche Schwerpunkte der Entwicklung in den letzten Jahren waren die interkulturelle Bildung, die Stärkung von Partizipation und die Entwicklung eines Berufsbildes von Professionellen in der Jugendarbeit. Der Ausblick orientiert sich auch an konzeptionellen Leitlinien der EU-Jugendstrategie bis 2027.

Klaus Nothdurfter
Offene Kinder-und Jugendarbeit in Luxemburg

Im Beitrag wird zuerst die Entwicklung der Offenen Jugendarbeit in Luxemburg kurz dargestellt. Nachdem die lokalen und nationalen Strukturen erläutert wurden, geht der Beitrag auf die Konzeptarbeit in der Offenen Jugendarbeit näher ein. Mit einem nationalen Rahmenplan zur non-formalen Bildung im Kindes- und Jugendalter wurden in Luxemburg mehrere Prinzipien und Methoden der non-formalen Bildung als grundlegender Rahmen sowohl für die Jugendarbeit als auch für die Kindertagesbetreuung verbindlich eingeführt. Ein externes Monitoring überprüft mehrere Qualitätssicherungsmaβnahmen, welche sich vor allem auf die Prozessqualität konzentrieren.

Claude Bodeving
Youth Work in the United Kingdom

This article explores the history and development of Youth Work in the UK from it’s early beginnings in the 1800’s through to the current day. The text outlines the key principles underpinning Youth Work with a particular focus on participation and active citizenship and its impact on young people and democracy. Included in the text is a case study from one of the UK’s Beacon Authorities for youth participation – Norfolk County Council. The article concludes with an overview of where youth work is heading in the future.

Ariane Hoppler, Robin Konieczny
Open Youth Work in Flandern

Open youth work in Flanders is often seen as originating in the social transformations of the 1960s and 1970s, partly as an answer to the decreasing popularity of the uniformed youth organisations amongst revolting young people, partly as an answer to the arrival of new groups of immigrants that were not attracted by the existing youth organisations. We would argue that the history of open youth work goes back to the social transformations of the mid-19th century. In this way we could identify youth work as ‘a modern project’, which means that youth work was given a central role in the shaping of a modern society through education of its citizens. It is important to see that youth work today still is instrumental to both community development and citizenship training and that these pedagogical and social aspects of our youth work practices go inseparably together in a tensioned and layered identity.

Filip Coussée
Vernetzung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Europa

Der Beitrag beschreibt die Entstehung eines europäischen Netzwerks der Professionellen Offenen Jugendarbeit in Europa und argumentiert für die Notwendigkeit eines klaren Profils und einer eindeutigen Positionierung des Arbeitsfelds der Offenen Jugendarbeit. Exemplarisch werden anhand des Dachverbands POYWE (Professional Open Youth Work in Europe) die Vorteile der Vernetzung hinsichtlich Lobbying für die Offene Jugendarbeit, Qualitätssicherung und Innovation ebenso dargestellt wie die Herausforderungen und Hindernisse auf dem Weg zu mehr Austausch, gemeinsamen Zielen und Anerkennung in den Strukturen der europäischen Jugendpolitik.

Alexandra Beweis

Wie entwickelt sich Offene Kinder- und Jugendarbeit in der Corona-Pandemie?

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Offene Kinder- und Jugendarbeit angesichts der Corona-Krise

Dieser Text wurde Ende Juli 2020 geschrieben, nach dem Corona-Lockdown und in einer Phase, in der nicht nur die Offene Kinder- und Jugendarbeit, sondern das gesamte öffentliche Leben einen Neuanfang probierte. Wir haben uns entschieden – als aktuellsten Text in diesem Handbuch – einige fachliche Reflexionen zur (Offenen) Kinder- und Jugendarbeit in Krisen- und Katastrophenzeiten einzubringen, weil wir die weltweite Corona-Pandemie nicht für eine vorübergehende und singuläre Erscheinung halten.

Benedikt Sturzenhecker, Ulrich Deinet, Larissa von Schwanenflügel, Moritz Schwerthelm
Metadaten
Titel
Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit
herausgegeben von
Dr. Ulrich Deinet
Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker
Prof. Dr. Larissa von Schwanenflügel
Moritz Schwerthelm
Copyright-Jahr
2021
Electronic ISBN
978-3-658-22563-6
Print ISBN
978-3-658-22562-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-22563-6

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