Handbuch Sorgearbeit, Sorgebeziehungen und das Recht
Caring and the Law
- Open Access
- 2026
- Open Access
- Buch
- Herausgegeben von
- Michelle Cottier
- Kirsten Scheiwe
- Caroline Voithofer
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
Über dieses Buch
Dieses Open-Access-Handbuch umfasst rechtswissenschaftliche und interdisziplinäre Beiträge zu einem Recht der Sorgetätigkeiten und -beziehungen (caring and the law). Bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit, sei es Betreuung von Kindern, Pflege oder die Unterstützung von Menschen mit Care-Bedarfen, ist ein aktuelles und umstrittenes Thema auch der Rechts- und Sozialstaatsreform, im nationalen und globalen Kontext. Das Handbuch leistet einen wichtigen Beitrag zur Debatte durch theoretische Grundlegung und Bestandsaufnahme des Status quo der rechtlichen Regulierung von Sorgetätigkeiten und -beziehungen in ausgewählten Rechtsgebieten und Sozialpolitikfeldern. Es eröffnet ein neues rechtswissenschaftliches und interdisziplinäres Forschungsfeld ‚Sorgebeziehungen und Recht‘ mit Bezügen zu Sozialethik, Rechtsphilosophie, den Sozialwissenschaften, Gender Studies und Law in Context-Ansätzen. Ziel ist eine rechtsbereichsübergreifende und interdisziplinäre Analyse im Hinblick auf die Überwindung der fragmentierten Perspektiven auf Care in Teilgebieten des Rechts und der Sozialpolitik.
Inhaltsverzeichnis
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1. Recht, Sorgearbeit und Sorgebeziehungen – eine Einleitung
- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDieses Kapitel führt in das neue Forschungsfeld „Recht der Sorgearbeit und Sorgebeziehungen“ ein und legt den Grundstein für eine interdisziplinäre Debatte. Es beleuchtet zunächst die gesellschaftliche Bedeutung von Care-Tätigkeiten – sowohl bezahlter als auch unbezahlter Sorgearbeit – und zeigt auf, wie diese während der Corona-Pandemie als „systemrelevant“ sichtbar wurden, ohne dass dies zu nachhaltigen Verbesserungen in der Anerkennung oder rechtlichen Absicherung führte. Der Text analysiert die theoretischen und ethischen Grundlagen von Care, insbesondere die Care-Ethik und das Konzept der relationalen Autonomie, und diskutiert die Herausforderungen einer interdisziplinären Definition des Care-Begriffs. Ein zentraler Fokus liegt auf der rechtlichen Regulierung von Sorgebeziehungen in verschiedenen Rechtsbereichen, darunter Familienrecht, Sozialrecht, Arbeitsrecht und Verfassungsrecht. Dabei werden die aktuellen Regelungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verglichen, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Widersprüche herauszuarbeiten. Besonders kritisch wird die fragmentierte und oft widersprüchliche Ausgestaltung des Rechts analysiert, die Care-Arbeit entweder unsichtbar macht oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen belässt. Das Kapitel zeigt auf, wie rechtliche Prinzipien wie Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde neu gedacht werden müssen, um Care-Tätigkeiten angemessen anzuerkennen. Zudem werden empirische Daten zur Verteilung von Sorgearbeit – insbesondere der ungleichen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung – einbezogen, um die Diskrepanz zwischen rechtlichen Ansprüchen und gesellschaftlicher Realität zu verdeutlichen. Abschließend wird die Notwendigkeit einer Querschnittsmaterie „Recht der Sorgearbeit und Sorgebeziehungen“ betont, die Care als zentrale gesellschaftliche Aufgabe sichtbar macht und rechtlich neu organisiert. Das Kapitel bietet damit nicht nur eine fundierte Einführung in ein innovatives Forschungsfeld, sondern liefert auch zentrale Impulse für rechtspolitische Reformen, um Care-Arbeit nachhaltig aufzuwerten.KI-Generiert
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ZusammenfassungKlatschen allein genügt nicht. Das hat die Corona-Pandemie in aller Deutlichkeit gezeigt, da sie den Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung von bezahlter und unbezahlter Sorgearbeit in verschiedenen Bereichen gelenkt hat – von den Pflegeheimen, Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen über die familiale Pflege und hauswirtschaftliche Versorgung bis hin zur Betreuung von Kindern zu Hause und dem homeschooling, oft neben dem homeoffice von Eltern. Care war als ‚systemrelevante‘ Tätigkeit im Fokus, oder genauer: Pflegeberufe und Pflegeeinrichtungen rückten als ‚versorgungsrelevant‘ und ‚kritische Infrastrukturen‘ stärker in den Mittelpunkt, während andere Berufe und Tätigkeiten darum kämpften, als ‚systemrelevant‘ anerkannt zu werden. -
Multiple Perspektiven auf Sorgearbeit, caring and the law: Begriffe, Theorien, Sozialethik, Empirie, Recht und Gerechtigkeit
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2. Caring and Justice: Towards a Model of Careful Justice and Just Care
- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen sozialer Gerechtigkeit und Fürsorge und zeigt auf, warum beide Konzepte nur gemeinsam funktionieren können. Zunächst wird die historische Entwicklung der Verbindung zwischen Gerechtigkeit und Care nachgezeichnet, beginnend mit Carol Gilligans Unterscheidung zwischen einer Ethik der Gerechtigkeit und einer Ethik der Fürsorge. Dabei wird deutlich, dass diese Trennung heute weitgehend überwunden ist und Care zunehmend als zentraler Bestandteil sozialer Gerechtigkeit verstanden wird. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Gerechtigkeitskonzepten wie dem von John Rawls oder der Capabilities-Theorie von Martha Nussbaum, die um die Perspektive der Fürsorge erweitert werden müssen. Besonders relevant ist die Diskussion um universelle Verletzlichkeit, die zeigt, dass Care keine individuelle, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Das Kapitel geht auch auf die Herausforderungen ein, die sich aus der Integration von Care in Gerechtigkeitstheorien ergeben, insbesondere die Unmöglichkeit, Care vollständig zu kommodifizieren oder gleichmäßig zu verteilen. Abschließend wird betont, dass eine gerechte Gesellschaft nur dann entstehen kann, wenn Care als grundlegendes Prinzip anerkannt und strukturell unterstützt wird. Leser:innen erfahren, wie Care und Justice zusammenhängen, welche theoretischen Grundlagen es gibt und warum eine rein individualistische oder marktorientierte Perspektive auf Gerechtigkeit unzureichend ist. Das Kapitel bietet damit eine fundierte Grundlage für die Entwicklung gerechterer sozialer Systeme.KI-Generiert
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AbstractThis chapter explores the relationship between care and justice. It argues that the two are interwoven. Although historically the ethics of care literature has drawn a sharp distinction between an ethics of justice and an ethics of care, in the contemporary literature these are seen as interdependent concepts. It is not possible to have justice without care, nor care without justice. The chapter offers a brief introduction to the concepts of care and justice between making the case that each depend on each other. The chapter then explores the practical difficulties in producing just care and careful justice. This requires a complete reworking of the political, social and legal systems which privileges economic productivity, towards a society in which caring relationships are at its heart. -
3. Care: A Review of the Literature
- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel führt in die vielschichtige Geschichte des Care-Begriffs ein, der sowohl als moralische Haltung als auch als gesellschaftliche Praxis verstanden wird. Es zeigt, wie der Begriff seit den 1980er-Jahren aus feministischer und ethischer Perspektive geprägt wurde und sich von einer rein geschlechtsspezifischen Analyse hin zu einem umfassenden Konzept sozialer Verantwortung entwickelte. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Care in der europäischen Sozialpolitik, insbesondere in der Unterscheidung zwischen familialisierten und defamilialisierten Care-Strukturen. Das Kapitel analysiert, wie Care in verschiedenen Ländern institutionalisiert ist – von skandinavischen Wohlfahrtsstaaten mit starker staatlicher Fürsorge bis hin zu südeuropäischen Modellen, die auf familiäre Netzwerke setzen. Besonders kritisch wird dabei die Spannung zwischen Care als Ausdruck von Solidarität und Care als ökonomischer Belastung diskutiert, etwa im Kontext von „Cash-for-Care“-Modellen oder der Kommerzialisierung von Care-Dienstleistungen. Abschließend werden aktuelle Herausforderungen wie die Intersektionalität von Care-Unterversorgung oder die transnationalen Care-Ketten analysiert. Leser:innen erhalten so einen fundierten Überblick über die theoretischen Grundlagen, politischen Implikationen und zukünftigen Forschungsfragen rund um das Thema Care.KI-Generiert
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AbstractThis chapter introduces the concept of care and takes stock of current thinking and how care has been addressed by policy. The aim is to offer insights about the diverse origins and wide reach of care as a concept and to identify some strengths and weaknesses as well as fruitful lines of further work. The chapter is organised in three parts which consider in turn: care as a concept, identifying its origins in different literatures and lines of thought: how care has been applied in and by policy and what the analysis of care-related policy reveals about the welfare state and gender cleavages; a critical overview and identification of useful avenues for future research. The chapter demonstrates the popularity and depth of a care lens for understanding developments in a range of spheres, but it also reveals very different roots and tendencies in different approaches to care. It emphasises, therefore, the need to clarify terms and scope when one is using the concept of care and that it is imperative to take stock of how the concept is being used by others, especially as research and policy reform are proceeding rapidly. -
4. Care-Ethik
- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel führt in die Care-Ethik als sozialethischen Ansatz ein und strukturiert das Thema entlang dreier zentraler Diskursebenen: Sorgepraxen, normative Erwartungen an diese Praxen sowie das zugrundeliegende Ethik-Verständnis. Zunächst wird das semantische Feld um die Begriffe Fürsorge, Sorge und Care skizziert, wobei die historische und ideologische Belastung des Fürsorgebegriffs sowie die sprachliche Funktion des Care-Begriffs als „Bypass“ diskutiert werden. Anschließend analysiert der Text Sorgearbeit als gesellschaftlich unterbewertete, oft prekäre Tätigkeit, die traditionell Frauen zugewiesen wird und in unterschiedlichen institutionellen Kontexten – von der familiären Pflege bis zu professionellen Settings – geleistet wird. Dabei werden intersektionale Ungleichheiten und strukturelle Benachteiligungen, etwa durch migrantische Live-In-Betreuungskräfte, besonders in den Blick genommen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Care-Ethik als relationaler, erfahrungsbasierter und kontextgebundener Praxis, die individuelle Akteur*innen, soziale Interaktionszusammenhänge und institutionelle Rahmenbedingungen gleichermaßen reflektiert. Das Kapitel erläutert zentrale Konzepte wie das Phasen-Modell von Tronto und Fisher, das Care als kooperative Praxis zwischen Gebenden und Empfangenden beschreibt, und diskutiert die Spannung zwischen Asymmetrie und Reziprozität in Sorgebeziehungen. Abschließend werden Impulse für eine Care-sensible Rechtspolitik entwickelt, die auf die Anerkennung von Sorgeverantwortung, die Stärkung von Sorgekooperationen und die Überwindung struktureller Ungerechtigkeiten abzielt. Besonders relevant ist die Forderung nach einer „sorgenden Gesellschaft“, die Care als zentrale Dimension sozialer und ökonomischer Entwicklung begreift und durch politische Steuerung gerechter gestaltet.KI-Generiert
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ZusammenfassungAuf drei Diskursebenen, nämlich Praxen, darauf gerichtete normative Erwartungen sowie Ethik-Verständnis, entfaltet der Beitrag ein sozialethisches Verständnis von Care-Ethik. Nach einer Orientierung zu Begriffsfeld und Diskurslandschaft wird dargelegt, wie im sorgenden Umgang mit menschlichen Bedürfnissen zwischen relationalen, sozialen und politischen Praxen zu unterscheiden ist, wenngleich alle diese Praxen u. a. durch (Macht-)Asymmetrien zwischen Sorge-Leistenden und Sorge-Empfangenden charakterisiert sind. Sorgepraxen unterliegen jeweils normativen Erwartungen in gegebenen sozio-kulturellen Kontexten; Care-Ethik nimmt u. a. Erwartungen des Familialismus, Traditionen der geschlechterasymmetrischen Sorgearbeitsteilung und deren intersektionale – ethnizistische wie klassistische – Verschärfung unter dem Vorzeichen der (Geschlechter-)Gerechtigkeit kritisch in den Blick. Schließlich wird Care-Ethik in divergierenden Wissenschaftszusammenhängen unterschiedlich profiliert. Der sozialethische Ansatz, den der vorliegende Beitrag vorstellt, wird mit Blick auf das Verhältnis von Care und Gerechtigkeit, die grundlegenden anthropologischen Annahmen, die Spezifik der Anerkennung in asymmetrischen Beziehungen und das politisch-ethische Leitbild einer sorgenden Gesellschaft genauer profiliert. Abschließend werden Impulse für das Gespräch zwischen Care-Ethik und Recht gewonnen. -
5. Care Gap und Care Krise: empirische Daten und Vergleich Deutschland, Österreich und die Schweiz
- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die Care Gap und Care Krise in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus einer empirischen Perspektive und vergleicht die Situation mit ausgewählten europäischen Ländern. Im Fokus stehen dabei vier zentrale Themenbereiche: Zunächst wird die unbezahlte Care-Arbeit in Haushalten analysiert, insbesondere die geschlechtsspezifischen Unterschiede, die sich im sogenannten Gender Care Gap widerspiegeln. Anschließend wird untersucht, wie staatliche Unterstützungssysteme – wie Elternzeitmodelle und Kinderbetreuungsangebote – die familiäre Sorgearbeit entlasten und welche Rolle informelle Betreuungsnetzwerke spielen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Care-Arbeitsmarkt: Hier wird der Frage nachgegangen, ob die Auslagerung unbezahlter Care-Arbeit in bezahlte Beschäftigungsverhältnisse zu prekären Arbeitsbedingungen führt, insbesondere für Frauen und Migrant:innen. Abschließend werden die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Care Gap diskutiert, darunter der Gender Pay Gap und die langfristigen Einkommensnachteile von Müttern. Das Kapitel zeigt auf, dass trotz Fortschritten in der Gleichstellung die Care-Arbeit weiterhin ungleich verteilt ist und die Care Krise durch die Pandemie weiter verschärft wurde. Es wird deutlich, dass eine nachhaltige Lösung nur durch eine Kombination aus besserer Datengrundlage, politischen Reformen und gesellschaftlichem Wandel möglich ist.KI-Generiert
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ZusammenfassungDeutschland, Österreich und die Schweiz weisen viele Gemeinsamkeiten auf, wenn es um die Ausgangslage und Entwicklungen rund um die Care-Arbeit geht. Solche Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede werden in diesem Beitrag basierend auf Daten aus offiziellen Statistiken aufgezeigt. In den drei Ländern besteht eine deutliche, geschlechtsspezifische Ungleichheit bei der Verrichtung unbezahlter Care Arbeit und bei den Einkommen aus der Erwerbstätigkeit. Der Gender Care Gap ist zwar weiterhin am Sinken, in Deutschland wenden die Frauen im Jahr 2020–2022 aber immer noch rund 44 % mehr Zeit für unbezahlte Care Arbeit auf als die Männer, in der Schweiz sind es 50 % mehr und in Österreich gar 85 % mehr. Anders als in Deutschland und Österreich haben die Männer in der Schweiz dabei kein Anrecht auf Elternzeit, stärker als in den beiden anderen deutschsprachigen Ländern ist hier aber eine Zunahme von Paaren festzustellen, wo beide in Teilzeitstellen tätig sind. Wenig vergleichbare Statistiken bestehen im Bereich des Care-Arbeitsmarktes. Somit bleiben Ausmaß und Verteilungswirkungen der teilweisen Verlagerung der unbezahlten Care Arbeit an Beschäftigte in Institutionen oder in privaten Haushalten unterbeleuchtet. -
6. Verschränkte Freiheit: Sorgebeziehungen und Autonomie als Herausforderungen für Recht und Gerechtigkeit
- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Autonomie, Gerechtigkeit und Sorgebeziehungen und zeigt, warum diese Trias für eine liberale Demokratie unverzichtbar ist. Zunächst wird der Begriff des Sorgens als zentraler Gegenstand der Care-Ethik eingeführt und von traditionellen Fürsorgekonzepten abgegrenzt. Anschließend analysiert der Text, wie individuelle Autonomie stets an soziale Ermöglichungsbedingungen gebunden ist – insbesondere an Sorgeleistungen, die entweder selbst erbracht oder von anderen empfangen werden. Dabei wird deutlich, dass Autonomie ohne Care nicht denkbar ist, gleichzeitig aber auch die Position der Sorgenden selbst autonomiegewährleistend gestaltet sein muss, um dem Anspruch gleicher Freiheit gerecht zu werden. Ein zentraler Fokus liegt auf den Machtverhältnissen in Sorgebeziehungen, die durch intersektionale Achsen wie Geschlecht, Klasse, Ethnizität und Migration geprägt sind. Der Text zeigt, wie Care-Arbeit historisch und strukturell abgewertet wird, insbesondere wenn sie von Frauen oder marginalisierten Gruppen erbracht wird, und wie dies zu prekären Arbeitsbedingungen und sozialer Ungleichheit führt. Anhand von Beispielen wie der COVID-19-Pandemie oder globalen Sorgeketten wird illustriert, wie Care-Krisen systematisch externalisiert und an schwächere Gruppen weitergegeben werden. Im zweiten Teil des Kapitels wird das Konzept der Care-Ethik vorgestellt, das traditionelle Gerechtigkeitstheorien herausfordert, indem es die Qualität von Sorgebeziehungen und die damit verbundenen Tugenden wie Empathie und Verantwortung in den Mittelpunkt stellt. Dabei wird kritisch diskutiert, inwiefern Care-Ethik selbst in Gefahr steht, Geschlechterstereotype zu reproduzieren, und wie eine queere oder intersektionale Perspektive diese Blindstellen überwinden kann. Abschließend wird ein Modell des 'dem Sorgen zugewandten Rechts' entwickelt, das rechtliche Rahmenbedingungen schafft, um Autonomie in Sorgebeziehungen zu stärken – sei es in intimen Nahbeziehungen, der Eltern-Kind-Beziehung oder entgeltlichen Care-Verhältnissen. Das Kapitel endet mit der These, dass Autonomie und Gerechtigkeit in Sorgebeziehungen untrennbar miteinander verwoben sind und dass eine gerechte Gesellschaft nur dann möglich ist, wenn Care-Leistungen sichtbar gemacht, anerkannt und gleichberechtigt verteilt werden.KI-Generiert
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ZusammenfassungIn Sorgebeziehungen sind individuelle Freiheitsräume entlang rechtlich und sozial geprägter Achsen der Macht miteinander verschränkt. Der Beitrag veranschaulicht dies exemplarisch anhand dreier Arten von Sorgebeziehungen und widmet sich dabei Herausforderungen, denen sich ein dem Sorgen zugewandtes Recht stellen muss. Als Leitlinie der Analyse dienen zwei Kernbegriffe der politischen Philosophie: Autonomie – im Sinne der selbstbestimmten Lebensgestaltung – und Gerechtigkeit – in ihren Dimensionen der Verteilung und Anerkennung. Sie werden ausbuchstabiert und in ihrem Bezug zu Sorgebeziehungen zur Anwendung gebracht.
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Multiple Perspektiven auf Sorgearbeit, caring and the law: menschenrechtlich, interdisziplinär
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Frontmatter
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7. Care und Menschenrechtsübereinkommen
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PDF-Version jetzt herunterladenDieser Fachbeitrag bietet einen umfassenden Überblick über die menschenrechtliche Absicherung von Care-Arbeit – verstanden als bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit, von der Pflege über Haushaltsführung bis hin zur Betreuung von Angehörigen. Im Zentrum steht die Analyse, wie zentrale Menschenrechtsübereinkommen wie der UN-Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR), die Kinderrechtskonvention (KRK) oder die Behindertenrechtskonvention (BRK) die Rechte von Sorgeleistenden und Sorgeempfangenden schützen. Dabei wird deutlich, dass Care nicht nur eine Frage der sozialen Absicherung ist, sondern tief in die Menschenrechtsarchitektur eingebettet ist – von Freiheitsrechten wie dem Schutz des Privat- und Familienlebens bis zu sozialen Rechten wie dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialer Sicherheit. Ein besonderer Fokus liegt auf der Genderdimension: Der Beitrag zeigt auf, wie die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern zu struktureller Diskriminierung führt und welche menschenrechtlichen Verpflichtungen Staaten haben, um diese Benachteiligungen zu überwinden. Zudem werden aktuelle Entwicklungen wie die Anerkennung eines eigenständigen Rechts auf Care durch den Inter-Amerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte oder die Diskussion um ein right not to care diskutiert. Der Text beleuchtet auch die Herausforderungen im Umgang mit Care-Migration und die Rolle internationaler Organisationen wie der ILO bei der Regulierung von Sorgearbeit. Abschließend wird ein Ausblick auf die Notwendigkeit einer grundlegenden Transformation von Sorgesystemen gegeben, um Gleichstellung und Nachhaltigkeit zu fördern – ein Thema, das aktuell auf der politischen Agenda der Vereinten Nationen steht. Wer sich für die Schnittstellen zwischen Menschenrechten, Sozialpolitik und Care-Arbeit interessiert, findet hier eine fundierte Analyse mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Praxis.KI-Generiert
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ZusammenfassungDieses Kapitel befasst sich mit der menschenrechtlichen Dimension von Care-Arbeit. Es legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Gender- und Gleichstellungsthematik. Mehrere Menschenrechtsübereinkommen enthalten Bestimmungen, die für Sorgeverhältnisse relevant sind, wobei die Rechte jener Menschen, die Sorgeleistungen erbringen, eng verwoben sind mit den Rechten jener Personen, die umsorgt werden. Ein sorgeethisches Menschenrechtsverständnis begreift den Menschen als Individuum mit autonomen Rechten, das aber zugleich verletzlich und abhängig ist und das in vielen Lebenssituationen unterschiedliche Formen von Zuwendung benötigt, die von anderen Menschen geleistet wird bzw. geleistet werden muss. In einzelnen Übereinkommen, insb. in der Kinderrechtskonvention und der Behindertenrechtskonvention, finden sich auch explizite Rechte mit Bezug auf Sorgeverhältnisse. Ferner erlaubt es die dynamische Interpretation der Übereinkommen durch die Überwachungsorgane, Bedürfnisse und Benachteiligungen im Zusammenhang mit Sorgearbeit zu erfassen und entsprechende Ansprüche der Berechtigten bzw. Verpflichtungen der Vertragsstaaten zu konkretisieren. Sorgeleistungen sind im Vergleich zu anderen Tätigkeiten oftmals wirtschaftlich und rechtlich benachteiligt, was von den Überwachungsorganen verschiedentlich kritisiert worden ist. Zudem ist Sorgearbeit nach wie vor überwiegend weiblich* stereotypisiert und auch real und quantifizierbar ungleich gesellschaftlich zugeordnet. Dies wiederum hat schwerwiegende Folgen für den gleichberechtigten Genuss verschiedener Menschenrechte von Mädchen* und Frauen*. Die ungleiche Sorgebelastung benachteiligt sie in ihrer freiheitsbezogenen, sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Entfaltung. Weil Carearbeit diese ausgeprägte Geschlechterdimension aufweist, kommt dem UNO-Frauenrechtsübereinkommen (CEDAW) weitreichende Bedeutung zu. Der Abbau von Benachteiligungen durch die Sorgearbeit und Umverteilungen im Bereich des Careloads sind Schlüsselthemen bei der Verwirklichung rechtlicher und tatsächlicher Gleichstellung. Über CEDAW hinaus müsste die Sorgethematik im gesamten Menschenrechtssystem systematischer und breiter einbezogen werden. Der Inter-Amerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hat im Sommer 2025 ein wegweisendes Gutachten veröffentlicht, in welchem er ein eigenständiges right to care anerkennt. -
8. Selbstbestimmung, Inklusion und Care: Perspektiven der Disability Studies auf ein sorgsames Recht
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PDF-Version jetzt herunterladenDer Fachbeitrag untersucht, wie die Behindertenrechtskonvention (BRK) und die Disability Studies ein sorgsames Recht prägen, das Selbstbestimmung, Inklusion und Care-Arbeit neu definiert. Im Zentrum steht die Frage, wie strukturelle Barrieren abgebaut und Sorgebeziehungen gleichberechtigt gestaltet werden können, um die volle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen. Der Text beleuchtet zunächst die unterschiedlichen Perspektiven von Care und Disability Studies: Während Care traditionell als Tätigkeit des sich Sorgens um nicht selbstversorgungsfähige Menschen verstanden wird, betonen die Disability Studies, dass Behinderung nicht als individuelles Defizit, sondern als Folge gesellschaftlicher Barrieren zu begreifen ist. Die BRK übernimmt dieses soziale Modell von Behinderung und übersetzt es in geltendes Recht, indem sie Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigte Rechtssubjekte anerkennt. Ein zentraler Fokus liegt auf dem Recht auf unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft gemäß Art. 19 BRK. Der Beitrag analysiert, wie dieses Recht Autonomie und Selbstbestimmung stärkt, ohne die Notwendigkeit von Sorge und Unterstützung zu negieren. Er zeigt auf, dass Unterstützungsleistungen wie persönliche Assistenz diskriminierungsfrei ausgestaltet sein müssen und die Kontrolle über die Lebensgestaltung bei der betroffenen Person liegen sollte. Zudem wird das Spannungsfeld zwischen De-Institutionalisierung und der Gewährleistung ausreichender Sorgeleistungen diskutiert. Der Text argumentiert, dass ein sorgsames Recht nur gelingen kann, wenn es auf einem menschenrechtsbasierten und intersektionalen Ansatz beruht, der die Universalität von Sorgebedürfnissen und -tätigkeiten anerkennt. Abschließend wird betont, dass die BRK nicht nur Rechte für Menschen mit Behinderungen schafft, sondern auch sorgeleistende Personen schützt und deren gesellschaftliche Anerkennung fördert.KI-Generiert
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ZusammenfassungDie Disability Studies zeigen auf, dass Sorgebedürfnisse wie auch (dis)abilities universell sind. Vor diesem Hintergrund beleuchtet der Beitrag aus Perspektive der Disability Studies die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) für ein Recht der Sorgetätigkeiten auf. Die Behindertenrechtskonvention mit ihrem menschenrechtlichen Verständnis von Behinderung und ihrem Recht auf eine unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft (Art. 19 BRK) schafft ein Modell für eine gleichberechtigte Ausgestaltung von Sorgebeziehungen. Der Blick auf die Praxis des UN-Behindertenrechtsausschusses macht jedoch auch deutlich, welche Lücken und Herausforderungen für eine vollständige Inklusion von Menschen mit Behinderungen unabhängig von ihren Sorgebedürfnissen bestehen. Obwohl die BRK zentrale Forderungen der Disability Studies für eine gleichberechtigte Gestaltung von Care-Beziehungen aufgegriffen hat, bleibt die praktische Umsetzung auf nationaler Ebene schwierig. Der Beitrag zeigt auf, dass ein sorgsames Recht notwendigerweise intersektional sein und die Universalität und Gleichzeitigkeit von Sorgebedürfnissen und Sorgetätigkeiten anerkennen muss. -
9. Reproduktion – mit Fokus auf Schwangerschaft und Geburt. Eine Perspektive der Sorge auf das Schweizer Recht
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel untersucht die rechtliche und ethische Dimension reproduktiver Autonomie in der Schweiz, insbesondere im Kontext von Schwangerschaft und Geburt. Es beginnt mit einer kritischen Analyse des traditionellen Autonomiebegriffs, der individuelle Entscheidungsfreiheit betont, und zeigt auf, warum dieser Ansatz für reproduktive Entscheidungen – insbesondere während der Schwangerschaft – unzureichend ist. Stattdessen wird die relationale Autonomie in den Vordergrund gestellt, die soziale Bezüge, Vulnerabilität und Verantwortung berücksichtigt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Gegenüberstellung einer Konfliktperspektive, die Rechte der Mutter und des Ungeborenen als gegensätzlich betrachtet, und einer Sorge-Perspektive, die die Verbundenheit beider betont. Die Autorin argumentiert, dass medizinische Entscheidungen während Schwangerschaft und Geburt nicht als Abwägung konfligierender Interessen, sondern als Ausdruck sorgender Verantwortung verstanden werden sollten. Besonders relevant ist die Diskussion um die informierte Einwilligung, die körperliche Integrität der schwangeren Person und die Rolle des Staates als ‚responsive state‘, der die Resilienz vulnerabler Personen stärkt. Abschließend wird ein sorgsames Recht gefordert, das die relationale Sorgetätigkeit anerkennt und Rahmenbedingungen für eine gerechte Ausgestaltung reproduktiver Entscheidungen schafft. Das Kapitel verbindet juristische Analysen mit ethischen und sozialwissenschaftlichen Perspektiven und bietet damit eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung reproduktiver Rechte im Schweizer Kontext.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Schweizer Regulierung von Schwangerschaft und Geburt und prüft diese im Hinblick auf ein sorgsames Recht. Dabei geht es insbesondere um das Potenzial einer Perspektive der Sorge, die Schwangere und das Ungeborene nicht als einzelne Subjekte mit konfligierenden Interessen zu konzeptionieren, sondern in Beziehung zueinander. Einleitend wird auf die Besonderheit der menschlichen Reproduktion und den Zustand der Schwangerschaft eingegangen. Anschließend wird Sorge in Anlehnung an Finemans ‚vulnerables Subjekt‘ theorisiert. Sorge ist dabei ein essenzieller Aspekt menschlichen Seins und alle Menschen, auch schwangere und gebärende, sind Teil von Sorgebeziehungen, da alle Menschen vulnerabel sind. Mit dieser Perspektive werden im Hauptteil die Regulierungen von Entscheiden während Schwangerschaft und Geburt analysiert und wenn möglich sorgsam ausgelegt. Das heißt reproduktive Entscheide werden als Entscheide aus einer Sorgebeziehung heraus verstanden und somit als Verantwortungsübernahme. Diese Analyse legt offen, welche Regulierungen des geltenden Rechts einer Auslegung im Sinne eines sorgsamen Rechts offenstehen und welchen Regulierungen die Idee konfligierender Interessen zugrunde liegt und sich somit einer Sorgeperspektive verschließen. -
10. Frauenbewegung in Sorge um Arbeit, Zeit und Recht: Debatten im Kontext des entstehenden schweizerischen Sozialstaates um 1900
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel analysiert die Debatten der Schweizer Frauenbewegung um 1900 zur gesellschaftlichen Organisation von Arbeit und Sorge im Zuge der Industrialisierung. Im Zentrum stehen drei zentrale Themenbereiche: Erstens die Auseinandersetzung mit dem Fabrikgesetz und der Unfallversicherung, die zeigt, wie unterschiedliche Frauenorganisationen – der Schweizerische Arbeiterinnenverband (SAV), der Bund Schweizerischer Frauenvereine (BSF) und der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein (SGF) – die Arbeitsbedingungen von Frauen in Fabriken und die Frage nach Gleichbehandlung versus spezifischem Schutz diskutierten. Zweitens wird das Dienstbotinnenwesen thematisiert, das als besonders prekärer Arbeitsbereich galt und zu kontroversen Lösungsansätzen führte – von der Abschaffung bis zur Reformierung durch „Mutterhäuser“. Drittens wird die Ressource Zeit als zentraler Konfliktpunkt herausgearbeitet: Arbeiterinnen litten unter extrem langen Arbeitszeiten, die sowohl bezahlte Erwerbsarbeit als auch unbezahlte Sorgearbeit umfassten, und forderten gesetzliche Regelungen zur Entlastung. Das Kapitel schließt mit einem Fazit, das die historischen Debatten mit heutigen Fragen zur Care-Krise verknüpft und betont, dass die ungelösten Spannungen zwischen Gleichheit und Schutz, zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie zwischen Autonomie und Abhängigkeit bis heute relevant sind. Leser erfahren, wie die frühen feministischen Diskurse aktuelle Überlegungen zur Organisation von Sorgearbeit bereichern können und warum ein Perspektivwechsel notwendig ist, um Care-Arbeit nicht nur als Problem, sondern als zentrales gesellschaftliches Gestaltungsfeld zu begreifen.KI-Generiert
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ZusammenfassungAnhand verschiedener Debatten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeigt der Beitrag, wie die organisierte Frauenbewegung in der Schweiz über Arbeit dachte und welche Rolle die Sorgearbeit von Frauen dabei spielte. Die Zeit um 1900 ist dabei besonders interessant, weil mit dem entstehenden Sozialstaat gesellschaftliche Organisationsformen von Arbeit allmählich verrechtlicht wurden, gleichzeitig aber noch Vieles offen und zu gestalten war. Frauenorganisationen machten Vorschläge und nahmen Stellung als es um das Fabrikgesetz, das Unfall- und Krankenversicherungsgesetz und um die Neuorganisation und Regulierung von Dienstbotenverhältnissen ging. Die untersuchten Debatten zeigen, dass es sich bei Fragen nach rechtlicher Regulierung, gesellschaftlicher Organisation und Finanzierung von Sorgearbeit um grundlegende Herausforderungen handelt, die die Frauenbewegung und andere Akteur:innen seit mindestens 130 Jahren beschäftigen. -
11. Zeit, Sorgearbeit und Recht – Zeit für ein sorgeorientiertes Recht
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PDF-Version jetzt herunterladenDer Fachbeitrag untersucht, wie Recht und Sozialpolitik die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern prägen und welche Reformen notwendig sind, um Care-Arbeit gesellschaftlich gerechter zu gestalten. Im ersten Schwerpunkt analysiert er die empirischen Grundlagen von Zeitarmut und Care-Ungleichheiten, darunter der Gender Time Gap und der Gender Care Gap. Anhand internationaler und nationaler Daten wird deutlich, dass Frauen trotz geringerer Erwerbsarbeitszeiten mehr Gesamtarbeitszeit leisten und weniger Freizeit haben. Der zweite Schwerpunkt widmet sich der rechtlichen Regulierung von Sorgearbeit, insbesondere im Arbeits- und Sozialrecht. Hier zeigt sich, dass traditionelle Leitbilder wie das ‚Normalarbeitsverhältnis‘ oder das Ehegattensplitting Care-Arbeit als Privatsache abwerten und Frauen in Teilzeit oder prekäre Beschäftigung drängen. Der dritte Schwerpunkt beleuchtet historische Entwicklungen, die zu dieser Ungleichheit geführt haben, etwa die Industrialisierung und die damit verbundene Abwertung unbezahlter Care-Zeiten. Der vierte Schwerpunkt diskutiert konkrete Reformvorschläge, darunter die Einführung eines ‚care-sensiblen Normalarbeitsverhältnisses‘ mit verkürzten Wochenarbeitszeiten, verbesserte Freistellungsansprüche für Sorgearbeit und eine stärkere Anerkennung unbezahlter Care-Zeiten im Sozialrecht. Abschließend wird betont, dass eine geschlechtergerechte Zeitpolitik nur durch eine Kombination aus rechtlichen Reformen, sozialen Dienstleistungen und einer Umverteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern gelingen kann.KI-Generiert
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ZusammenfassungZeit ist eine begrenzte Ressource, und die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit ist eine wesentliche Ursache für Geschlechterungleichheiten und den Gender Time Gap sowie den Gender Care Gap. Internationale Daten zur Zeitverwendung werden dargestellt. Recht spielt eine wichtige Rolle bei der gesellschaftlichen Organisation von Zeitmustern und -modellen, etwa durch Arbeits- und Sozialrecht und das Familienrecht. Recht beeinflusst auch Hierarchien – etwa zwischen Vollzeit- und Teilzeitarbeit, bezahlter und unbezahlter Arbeit, Beschäftigung und unbezahlter Pflege. Zeitregulierung durch Recht wird historisch und an Hand einzelner Rechtsbereiche des deutschen Rechts analysiert. Trotz gewisser Fortschritte im Arbeits- und Sozialrecht bleibt die gesellschaftliche Anerkennung von Care-Arbeit unzureichend, ambivalent und fragmentiert. Unterschiedliche Zeitmodelle und deren Einfluss auf die Verteilung von Sorgearbeit sowie die Rolle von Recht und Sozialpolitik bei der Unterstützung oder Abwertung von Care werden analysiert. Am Ende stehen rechts- und sozialpolitische Reformvorschläge und ein Plädoyer für eine grundlegende Reform des ‚Normalarbeitsverhältnisses‘ sowie eine koordinierte geschlechtergerechte Zeitpolitik.
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Teil III: Sorgetätigkeiten und Sorgebeziehungen im Familien- und Erbrecht
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12. Ambivalenzen der Absicherung von Care-Arbeit durch das Unterhaltsrecht am Beispiel der Schweiz
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die Entwicklung des Schweizer Unterhaltsrechts seit 1988 und dessen ambivalente Rolle bei der Absicherung von Care-Arbeit. Zunächst wird dargestellt, wie die Eherechtsreform von 1988 Care-Arbeit als gleichwertigen Beitrag zum Familienunterhalt anerkannte, sich diese Anerkennung jedoch in der Gerichtspraxis nicht durchsetzte. Stattdessen führte ein formal-egalitäres Verständnis der Gleichstellung zu einer Reduktion von Unterhaltszahlungen nach Trennungen. Die Scheidungsrechtsreform von 2000 betonte zwar die nacheheliche Solidarität, setzte diese aber nicht konsequent um, was zu einem Bedeutungsverlust des nachehelichen Unterhalts führte. Mit der Reform von 2017 wurde der Betreuungsunterhalt als neuer Bestandteil des Kindesunterhalts eingeführt, um Einkommenseinbußen durch Care-Arbeit auszugleichen. Allerdings zeigt die Rechtsprechung, dass dieser Ansatz in der Praxis oft nur unzureichend wirkt, da das Bundesgericht eine Berechnungsmethode wählt, die den betreuenden Elternteil benachteiligt. Zudem wird analysiert, wie die aktuelle Rechtsprechung seit 2022 den nachehelichen Unterhalt weiter einschränkt, indem sie Lebensprägung und Betreuungsunterhalt neu definiert. Das Fazit des Kapitels verdeutlicht, dass das Unterhaltsrecht trotz gesetzlicher Reformen seine Funktion, wirtschaftliche Nachteile von Care-Arbeit auszugleichen, nicht erfüllt. Besonders kritisch wird hervorgehoben, dass Frauen nach Trennungen deutlichere finanzielle Einbußen erfahren als Männer und diese Ungleichheiten langfristig bestehen bleiben.KI-Generiert
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ZusammenfassungEine Funktion des Unterhaltsrechts als Teilbereich des Familienrechts ist potenziell der Ausgleich für Einkommenseinbußen aufgrund unbezahlter Kinderbetreuungs- und Haushaltsarbeit. Der Beitrag fragt danach, wie das Schweizer Unterhaltsrecht diese Funktion erfüllt, und zeichnet die Rechtsentwicklung seit der Eherechtsreform von 1988 nach. In dieser wie in nachfolgenden Reformen (Scheidungsrecht 2000, Kindesunterhaltsrecht 2017) wurden gesetzliche Instrumente geschaffen, die an sich geeignet wären, die negativen wirtschaftlichen Folgen der in Familien geleisteten unbezahlten Care-Arbeit auszugleichen, die aber in der Rechtsprechung nicht in diesem Sinn ausgelegt wurden. Stattdessen konnten sich bei der konkreten Festlegung von Unterhaltsbeiträgen formal-egalitäre Argumente durchsetzen, die die wirtschaftliche Eigenverantwortung trotz Kinderbetreuungspflichten betonen. Der Beitrag kommt zum Schluss, dass das Schweizer Unterhaltsrecht seine Ausgleichsfunktion nicht genügend erfüllt. -
13. Wie würde ein sorgeorientiertes Familienrecht aussehen?
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel untersucht die Grundlagen eines Familienrechts, das sich an den tatsächlichen Sorgebedürfnissen von Kindern und Eltern ausrichtet. Zunächst wird der Sorgebegriff präzise eingegrenzt und seine zentrale Bedeutung für das Familienrecht herausgearbeitet. Dabei wird deutlich, dass das gegenwärtige Recht oft an den realen Bedürfnissen vorbeigeht, da es sich zu stark an abstrakten Kriterien wie genetischer Verwandtschaft oder Ehe orientiert. Der Autor entwickelt daraus ein alternatives Modell, das die tatsächliche Sorgearbeit und die Bedürfnisse der Beteiligten in den Vordergrund stellt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Elternschaft und Partnerschaftsbeziehungen rechtlich so gestaltet werden können, dass sie den Anforderungen der Kindersorge gerecht werden. Dabei werden insbesondere die Möglichkeiten diskutiert, mehr als zwei Personen als rechtliche Eltern anzuerkennen, um die Stabilität der Sorgebeziehungen zu erhöhen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse der Partnerschaftsbeziehungen und ihrer Bedeutung für die Organisation der Sorgearbeit. Hier wird aufgezeigt, wie das geltende Recht diejenigen benachteiligt, die durch Sorgearbeit ihre Erwerbschancen opfern, und welche Reformen notwendig wären, um diese Ungerechtigkeiten zu beheben. Abschließend werden konkrete Vorschläge unterbreitet, wie das deutsche Familienrecht sorgeorientierter gestaltet werden könnte, etwa durch die Stärkung des Schutzes der Familienwohnung oder die Einführung eines lebenslangen Wohnrechts für überlebende Partner:innen. Das Kapitel liefert damit nicht nur eine fundierte Analyse, sondern auch praxisnahe Impulse für eine Reform des Familienrechts.KI-Generiert
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ZusammenfassungWie würde ein Familienrecht aussehen, das sich an Sorgebedürfnissen orientiert? Inwieweit orientiert sich das geltende deutsche Familienrecht bereits an diesen Bedürfnissen? Aus pragmatischen Gründen wird der Beitrag auf das Verhältnis zwischen Familienrecht und Kindersorge beschränkt. Dieses Verhältnis wird für das Kindschafts- sowie für das Partnerschaftsrecht durchleuchtet; in beiden Fällen werden sowohl die Grundbedingungen für die Anwendung familienrechtlicher Regeln als auch der Inhalt dieser Regeln erläutert. Am Ende der Analyse steht die Feststellung, dass das geltende deutsche Familienrecht nur eingeschränkt sorgekompatibel ist. Die Beschränkung der Elternzahl auf zwei Personen und der ausschließende Charakter der Eltern/Nicht-Eltern-Dualität werden der Komplexität der Sorgebeziehungen nicht gerecht. Die Fixierung des Partnerschaftsrechts auf die Ehe schließt viele Sorgeleistende vom familienrechtlichen Schutz aus. Innerhalb des Eherechts sind die Regeln einerseits überinklusiv, da sie Personen schützen, die den Schutz nicht brauchen; andererseits ist der Schutz sorgeleistender Eheleute, z.B. im Erbrecht oder bei der Gewährleistung der Wohnsicherheit, nicht ausreichend. -
14. Zivilrechtliches Kindschaftsrecht im Kontext eines sorgeorientierten Rechts am Beispiel des österreichischen Rechts
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die Entwicklung des österreichischen Kindschaftsrechts und dessen Anpassungsbedarf an ein sorgeorientiertes Rechtsverständnis. Im Fokus stehen dabei vier zentrale Themenbereiche: Zunächst wird die historische und rechtspolitische Entwicklung des Kindschaftsrechts dargestellt, insbesondere die Reformen der 1970er und 1980er Jahre sowie die Einflüsse der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR). Anschließend analysiert der Beitrag die rechtlichen Grundlagen der Obsorge, insbesondere die Unterschiede zwischen der gemeinsamen und alleinigen Obsorge sowie die aktuelle Praxis der Doppelresidenz. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der rechtlichen Elternschaft, die primär an Abstammung und Ehe/eingetragene Partnerschaft anknüpft, und der Frage, inwiefern tatsächliche Sorgebeziehungen stärker berücksichtigt werden könnten. Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen der Adoption und Pflegeelternschaft als Alternativen zur klassischen Elternschaft diskutiert. Das Kapitel kommt zu dem Ergebnis, dass das österreichische Kindschaftsrecht zwar bereits Ansätze eines sorgeorientierten Rechtsverständnisses erkennen lässt, jedoch noch weiterer Reformbedarf besteht, um tatsächliche Sorgebeziehungen rechtlich stärker abzubilden und die Gleichwertigkeit von Elternrechten und -pflichten zu gewährleisten. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie das Recht die gelebte Realität von Familienbeziehungen besser widerspiegeln kann, ohne dabei die Rechtssicherheit zu gefährden.KI-Generiert
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ZusammenfassungIn dem Beitrag „Zivilrechtliches Kindschaftsrecht im Kontext eines sorgeorientierten Rechts am Beispiel des österreichischen Rechts“ wird das österreichische Kindschaftsrecht auf seine (Un)Verträglichkeiten mit einem sorgeorientierten Recht hin analysiert. Zunächst werden Eckpfeiler eines sorgeorientierten Kindschaftsrechts skizziert, die in der Folge für die Analyse des materiellen Rechts herangezogen werden. Der dem österreichischen Recht zugrunde liegende Familienbegriff, die rechtlichen Möglichkeiten der Begründung von Elternschaft sowie die Regelungen zur Obsorge bilden den Kern der Analyse. Zudem werden jene Regelungen beleuchtet, die Sorgeleistungen von Personen anerkennen, die in keinem rechtlichen Eltern-Kind-Verhältnis mit dem Kind stehen. Der Beitrag schließt mit rechtspolitischen Bemerkungen. -
15. Care entlang eines Spektrums: Vaterschaft in der Rechtsprechung des EGMR
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PDF-Version jetzt herunterladenZusammenfassungDas vorliegende Kapitel befasst sich mit dem Verhältnis zwischen rechtlicher Vaterschaft und Care in der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR). Hiermit wird ein breites Spektrum von Interpretationen von väterlicher Care aufgezeigt. Zunächst wird der sich wandelnde Charakter der Vaterschaft sowohl im gesellschaftlichen als auch im rechtlichen Kontext vorgestellt. Anschließend wird die einschlägige Rechtsprechung des EGMR präsentiert. Konzeptualisierungen von Care, die an einem Ende des Spektrums stehen, werden untersucht: Care als relevant. Insbesondere werden die drei folgenden Arten von Care präsentiert: Care als Sorgearbeit, Care als Sorgeabsicht und Care als Sorgepotenzial. Der Schwerpunkt wird dann auf die andere Seite des Spektrums verlagert: Fälle werden vorgestellt, in denen Care in traditioneller Weise definiert wird, nämlich als weiblich, in denen väterliche Care als irrelevant angesehen wird, oder in denen väterliche Care unsichtbar gemacht wird – zum Nachteil der beschwerdeführenden Väter. Abschließend wird auf die Schwierigkeit bei der Einbeziehung von Männern, insbesondere von Vätern, in den Care-Rahmen hingewiesen. -
16. Care in queeren Familien
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel untersucht, wie rechtliche Rahmenbedingungen Care-Arbeit in queeren Familien gestalten und welche Hürden sowie Fortschritte es bei der Anerkennung vielfältiger Familienformen gibt. Im Fokus stehen dabei die historischen und normativen Grundlagen des Familienrechts, die sich am heteronormativen und bürgerlichen Familienideal orientieren, sowie die damit verbundenen rechtlichen und sozialen Ungleichheiten für queere Familien. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf den Wegen in die Elternschaft, den Alltagspraktiken und der Sorgearbeit in verschiedenen queeren Familienkonstellationen – von lesbischen Cis-Mütterfamilien über schwule Cis-Väterfamilien bis hin zu Mehrelternschaften und polyamoren Arrangements. Dabei werden empirische Studien aus dem angloamerikanischen und europäischen Raum herangezogen, um die Vielfalt der Familienformen und die damit verbundenen Herausforderungen zu verdeutlichen. Theoretisch fundiert wird die Analyse durch queertheoretische Konzepte wie Heteronormativität und Paarnormativität sowie durch den praxistheoretischen Ansatz des Doing Family. Diese Perspektiven zeigen, wie rechtliche und gesellschaftliche Normen familiale Praktiken prägen und welche Ambivalenzen mit der rechtlichen Anerkennung queerer Familien einhergehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kritischen Auseinandersetzung mit der rechtlichen Regulierung von Elternschaft, insbesondere in Bezug auf die Eltern-Kind-Zuordnung und die damit verbundenen sozialen Ungleichheiten. Das Kapitel diskutiert zudem die globalisierten Reproduktionsmärkte und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen, die queere Familien vor besondere Herausforderungen stellen. Abschließend werden Herausforderungen und Implikationen für ein sorgsames Recht formuliert, das die Anerkennung und Förderung von Sorgebeziehungen in den Mittelpunkt stellt. Dabei wird ein Paradigmenwechsel hin zu einem Familienrecht gefordert, das von den tatsächlichen Sorgebedürfnissen und familialen Praktiken ausgeht und die Vielfalt von Familienformen angemessen berücksichtigt.KI-Generiert
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ZusammenfassungWege in die Elternschaft, Familienformen und Alltagspraktiken in Familien sind vielfältig und in Gesellschaft und Wissenschaft sichtbarer geworden. Entlang der Frage, wie Recht Care in queeren Familien (mit-)gestaltet, werden Forschungsergebnisse aus dem angloamerikanischen und europäischen Raum zu Familiengründungen und Alltagspraktiken in vielfältigen Familienformen sowie Verwobenheiten mit sozialer Ungleichheit und Recht skizziert. Aus einer queer- und praxistheoretischen Perspektive werden empirische Ergebnisse zur ambivalenten Anerkennung queerer Familien diskutiert. Mit der Perspektive des ‚Doing Family‘ wird Elternschaft und Familie als fluides soziales Arrangement konzeptualisiert: Deutlich wird, dass im familialen Lebensverlauf Menschen (k)eine Paar- oder andere Liebesbeziehungen eingehen, monogam, polyamor und/oder freundschaftszentriert leben, sich Menschen trennen, sorgende und sorgebedürftige Familienmitglieder hinzukommen und/oder wegfallen. So gilt es wissenschaftliche, gesellschaftliche und rechtliche Definitionen und Konzepte von ‚Elternschaft‘ und ‚Familie‘ in der Gestaltung eines sorgsamen Rechts kritisch zu prüfen. -
17. Familiäre Alterspflege und Erbrecht: Paradoxien und Ambivalenzen
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die ambivalente Rolle von familiärer Alterspflege im Erbrecht und zeigt, wie diese Leistungen sowohl implizit als auch explizit anerkannt werden. Zunächst wird ein Überblick über die bestehenden erbrechtlichen Abgeltungsregelungen gegeben, darunter das deutsche Modell der Miterbenausgleichung nach § 2057a BGB, das österreichische Pflegevermächtnis (§§ 677, 678 ABGB) und das schweizerische Lidlohn-Modell (Art. 334 ZGB). Dabei werden die Unterschiede in den Anspruchsvoraussetzungen, der Anspruchsberechtigung und der Bemessung der Abgeltung detailliert dargestellt. Ein zentraler Fokus liegt auf der Frage, warum diese Regelungen in der Praxis nur selten zur Anwendung kommen und welche rechtspolitischen Diskussionen sich daraus ergeben. Im zweiten Teil des Kapitels wird der Blick erweitert: Es wird analysiert, wie Sorgearbeit generell die Legitimation erbrechtlicher Institutionen prägt – etwa beim Pflichtteilsrecht der Eltern, der gesetzlichen Erbfolge oder der Testierfreiheit. Hier zeigt sich ein Paradox: Während Sorgearbeit als Grund für die Existenz erbrechtlicher Ansprüche dient, bleibt ihre explizite Abgeltung in der Praxis oft unzureichend. Abschließend werden die Gründe für diese Diskrepanz diskutiert, darunter die historische „longue durée“ des Erbrechts, die Präferenz für formale Gleichheit und die Sorge vor Streitigkeiten. Das Kapitel endet mit einer kritischen Reflexion über die Grenzen erbrechtlicher Abgeltung und plädiert dafür, familiäre Pflegeleistungen nicht nur im Erbrecht, sondern bereits zu Lebzeiten sichtbarer und entgeltlicher zu gestalten. Für Professionals, die mit Erbrecht, Sozialrecht oder Altenpflege befasst sind, bietet der Text eine fundierte Analyse der rechtlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit der Honorierung von Pflegeleistungen verbunden sind.KI-Generiert
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ZusammenfassungDie gegenwärtige Diskussion in Deutschland, Österreich und der Schweiz über die Anerkennung von familiärer Sorgearbeit im Erbrecht fokussiert zumeist die Alterspflege und deren Abgeltung durch besondere erbrechtliche Vorschriften. Dabei wird die implizite Bedeutung familiärer Alterspflege zur Legitimation des erbrechtlichen Erwerbs übersehen (unten Abschn. 1). Diese Rolle als Hintergrundlegitimation ist zugleich ein Grund dafür, warum die bisherigen Reformdebatten mit dem Anliegen, familiäre Alterspflege in unseren Rechtsordnungen stärker erbrechtlich zu honorieren, im Wesentlichen gescheitert sind (unten Abschn. 2). In dem allgemeinen Wunsch nach stärkerer erbrechtlicher Abgeltung von familiärer Alterspflege ist überdies verloren gegangen, dass eine erbrechtliche Anerkennung keinen Beitrag zur größeren Sichtbarkeit familiärer Alterspflege leistet und eher weiter dazu beiträgt, dass familiäre Alterspflege als unentgeltlich bewertet wird. Der Beitrag plädiert daher für eine Ent-Idealisierung der erbrechtlichen Abgeltung familiärer Alterspflege (unten Abschn. 3).
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Sorgetätigkeiten im Sozialrecht, Kinder- und Jugendhilferecht und in der Praxis gelebter Sorgebeziehungen
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Frontmatter
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18. Care in der sozialrechtlichen Existenzsicherung und in existenziellen (Wohnungs)Notlagen
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PDF-Version jetzt herunterladenDer Fachbeitrag beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Care-Verantwortung und Existenzsicherung im deutschen Sozialrecht. Im Zentrum steht die Frage, wie das System der Bedarfsgemeinschaft im SGB II (Bürgergeld) Care-Arbeit strukturell benachteiligt – etwa durch die Anrechnung von Partner:inneneinkommen oder die unzureichende Berücksichtigung geteilter Sorgemodelle. Ein zentraler Fokus liegt auf den Schnittstellenproblemen zwischen verschiedenen Sozialleistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss, die für Alleinerziehende und Trennungsfamilien besonders relevant sind. Der Text analysiert zudem die unzureichende Abbildung von Care-Bedarfen in existenziellen Notlagen, etwa bei drohender Wohnungslosigkeit, und zeigt auf, wie kommunale Hilfesysteme oft nicht auf die Bedürfnisse von Familien mit Care-Verantwortung ausgerichtet sind. Abschließend werden konkrete Reformvorschläge diskutiert, darunter die Individualisierung von Sozialleistungen und die Anerkennung geteilter Sorgemodelle, um Care-Arbeit gerechter abzusichern. Der Beitrag verbindet historische Entwicklungen mit aktuellen Debatten und bietet damit eine fundierte Grundlage für die kritische Auseinandersetzung mit der Sozialpolitik.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer Beitrag analysiert, ob und wie Care (hier verstanden als Sorge- und Betreuungsverantwortung für Kinder) im deutschen Existenzsicherungsrecht bereits berücksichtigt wird und wo gesetzgeberischer Gestaltungsbedarf besteht. Hierzu widmet sich der Beitrag insbesondere der Ausgestaltung des SGB II (Zweites Sozialgesetzbuch, bisher ‚Grundsicherung für Arbeitssuchende' und nunmehr ‚Bürgergeld‘). Dabei wird besonders die Gestaltung der Leistungen im Hinblick auf Erwerbsintegration, Lebensunterhalt und Unterkunft betrachtet. Es werden Einflüsse familienrechtlicher Leitbilder auf die sozialrechtliche Ausgestaltung untersucht, zum Beispiel durch veränderte Erwerbsobliegenheiten sorgender Elternteile oder neue Sorgemodelle mit paritätischer(er) Verantwortungsübernahme. Im ersten Schritt analysiert der Beitrag dazu das Konstrukt der Bedarfsgemeinschaft (BG) und dessen Auswirkungen auf den Leistungszugang zu Lebensunterhalt und Erwerbsintegration von Sorgenden, einschließlich des Zugangs zu Betreuungs- und Pflegeleistungen. Im zweiten Schritt wird der Leistungskatalog untersucht, etwa inwieweit die alltägliche Lebensunterhaltssicherung im Kontext von Nachtrennungsfamilien gewährleistet ist. Dabei wird auf den Alleinerziehendenmehrbedarf, die sog. temporäre Bedarfsgemeinschaft, die Umgangskosten und Mehrbedarfe sowie auf Care im Wohnungsnotfall eingegangen. Im letzten Abschnitt wird Care als Auslöser für Schwierigkeiten an den Schnittstellen zwischen Bürgergeld und weiteren Sozialleistungen kritisiert, die insbesondere Alleinerziehende mit begrenzten Ressourcen treffen. Der Beitrag schließt mit Ausblicken auf mögliche Reformansätze in der Gesetzesgestaltung. -
19. Sozialrechtliche Absicherung und Gesundheitsschutz der Pflege von Angehörigen
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Pflege von Angehörigen in der Schweiz und analysiert, wie diese sozial abgesichert werden kann. Zunächst werden die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen der Angehörigenpflege für die Pflegepersonen dargestellt, darunter Verdienstausfälle, Vorsorgelücken und psychische Belastungen. Anschließend werden die relevanten Sozialversicherungsleistungen wie die Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung, Betreuungsgutschriften der AHV und Betreuungsurlaub im Arbeitsrecht detailliert erläutert. Ein besonderer Fokus liegt auf der Anstellung von Angehörigen bei Spitex-Organisationen als pragmatische Lösung zur Aufrechterhaltung der sozialen Absicherung. Zudem werden die Herausforderungen bei der Abgrenzung von Pflege und Betreuung sowie die unklaren Definitionen von Angehörigen und Pflegebedürftigkeit diskutiert. Abschließend werden Verbesserungspotenziale aufgezeigt, etwa die Einführung einer eigenständigen Pflegeversicherung oder die Ausweitung des Leistungsspektrums der Krankenversicherung für häusliche Pflege. Das Kapitel bietet damit einen umfassenden Überblick über die aktuellen Regelungen und zeigt auf, wo noch Handlungsbedarf besteht, um die Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit zu verbessern.KI-Generiert
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ZusammenfassungPflege und Betreuung von Angehörigen haben in der Schweiz eine gewichtige soziale, emotionale und nicht zuletzt auch wirtschaftliche Dimension. Die Vereinbarkeit von Betreuungs- und Erwerbstätigkeiten kann aber insbesondere bei hohem Pflegebedarf anspruchsvoll bis unmöglich sein. Wird die Erwerbstätigkeit aufgrund der Pflege von Angehörigen reduziert, bedeutet das für die pflegende Person ein erhebliches finanzielles Risiko. Sie erleidet einen Verdienstausfall und die unentgeltlichen Pflegeleistungen sind weitestgehend nicht von den Sozialversicherungen erfasst. Pflegebedürftigkeit ist im System der Schweizerischen Sozialversicherung bislang nicht als soziales Risiko anerkannt, weder für die pflegende noch für die pflegebedürftige Person. Unterschiedliche Versicherungszweige kennen einzelne Bestimmungen, die Pflegende unterstützen können, aber keine umfassende Abdeckung garantieren. Bestimmte Leistungen kommen sodann lediglich der unterstützungsbedürftigen Person zugute. Der Beitrag bespricht die bei der Pflege von Angehörigen entstehenden indirekten Krankheitskosten und drohenden Versicherungslücken vor dem Hintergrund der bestehenden Regelungen an der Schnittstelle von Arbeits- und Sozialversicherungsrecht. Er weist auf Probleme und Herausforderungen hin, die bereits bei begrifflichen Unklarheiten beginnen und zeigt den entsprechenden Handlungsbedarf. Nicht zuletzt diskutiert er mögliche Lösungsoptionen, sowohl de lege ferenda wie praktisch im Alltag. -
20. Zum Verhältnis von Care, Familie und Kinder- und Jugendhilfe
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PDF-Version jetzt herunterladenDer Fachbeitrag beginnt mit einer begrifflichen Einordnung von Care als lebensnotwendiges Fundament jeder Gesellschaft, das jedoch systematisch marginalisiert, entwertet und prekarisiert wird. Anschließend wird analysiert, wie Care-Verhältnisse in der Kinder- und Jugendhilfe zwischen Unterstützung, Normierung und Kontrolle oszillieren und welche Folgen dies für Professionelle, Familien und Kinder hat. Dabei werden rechtliche Reformprozesse im deutschsprachigen Raum beleuchtet, insbesondere die Auslegung des Kindeswohlbegriffs in familien- und kindesschutzrechtlichen Entscheidungen. Der Fokus liegt auf der Frage, wie professionelle Fachkräfte Care in ihren Bewertungspraktiken berücksichtigen – oder gerade nicht. Besonders relevant sind die Ausführungen zu drei exemplarischen Vertiefungen: Erstens wird der Zusammenhang zwischen Professionalität, Care und Kindesschutz analysiert, wobei deutlich wird, wie hegemoniale Familienbilder und feminisierte Normalitätsvorstellungen von Care die Praxis prägen. Zweitens wird Care im stationären Kontext und im Prozess des Leaving Care betrachtet, wobei die Spannung zwischen familialen Idealen und öffentlicher Verantwortung sichtbar wird. Hier zeigt sich, wie normative Vorstellungen von Familie und Care die Biografien von Care Leavern prägen. Drittens wird die oft übergangene Situation von Young Carers thematisiert, die Care-Verhältnisse umkehren und damit neue Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe schaffen. Der Fachbeitrag endet mit einem Zwischenfazit, das die Potenziale des Care-Begriffs für die Theoriebildung und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe herausstellt. Dabei wird betont, wie wichtig eine kritische Reflexion der Verantwortungsdelegation an Familien und Professionelle ist, um Care-Arbeit sichtbar zu machen und gerecht zu verteilen. Besonders hervorzuheben ist die interdisziplinäre Verknüpfung von Care-Diskursen mit rechtlichen, sozialpädagogischen und empirischen Perspektiven, die dem Text eine einzigartige Tiefe verleiht.KI-Generiert
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ZusammenfassungObschon der Begriff Care in den Sozialwissenschaften seit den 1990er Jahren in international geführten Diskussionen Verwendung findet und zugleich ein wesentlicher Bestandteil verschiedener Handlungsfelder der Sozialen Arbeit ist, wird er in der Kinder- und Jugendhilfe bislang kaum für eine analytische Verhältnisbestimmung von Care, Familie und Kinder- und Jugendhilfe genutzt. Im Beitrag wird Care hingegen zum expliziten Thema für die Kinder- und Jugendhilfe gemacht. Neben einer begrifflichen Einordnung von Care werden einige Schlaglichter auf Entwicklungen im Feld der Kinder- und Jugendhilfe geworfen: Angesprochen werden hier rechtliche Reformprozesse der Kinder- und Jugendhilfe im deutschsprachigen Raum, die Auslegung des Kindeswohlbegriffs in rechtlichen Entscheidungen sowie die Normierung von Care in Familien. Anhand von drei exemplarischen Vertiefungen zu Professionalität, Care und Kindesschutz, zu Care im stationären Kontext und Leaving Care sowie zur – weithin übergangenen und übersehenen – Situation von Young Carers werden unterschiedliche Care-Verhältnisse in der Kinder- und Jugendhilfe aufgezeigt. Dabei werden immer wieder spezifische Regelungen der deutschsprachigen Länder hervorgehoben, ohne diese systematisch im Vergleich untereinander diskutieren zu können. -
21. Young Carers in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld zwischen care-giving und care-receiving- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDer Fachbeitrag liefert eine umfassende Einführung in die Situation von Kindern und Jugendlichen, die als pflegende Angehörige – sogenannte Young Carers – in Deutschland, Österreich und der Schweiz Verantwortung für kranke, beeinträchtigte oder suchtkranke Familienmitglieder übernehmen. Zunächst wird der Begriff präzise definiert und von anderen Pflegekonzepten abgegrenzt, wobei der Fokus auf der besonderen Bedeutung der familialen Fürsorgebeziehungen liegt. Im Zentrum stehen die Dimensionen der Care-Arbeit: Die Autor:innen beschreiben, wie Young Carers durch ihre Unterstützung Alltagsstrukturen aufrechterhalten, von einfachen Haushaltsaufgaben bis hin zur Übernahme medizinischer Grundversorgung. Dabei wird deutlich, dass diese Aufgaben oft unsichtbar bleiben und von den Betroffenen selbst selten als „Pflege“ wahrgenommen werden. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf den möglichen Folgen dieser Verantwortung: Neben physischen Belastungen wie Erschöpfung oder Schlafstörungen werden psychische Auswirkungen wie soziale Isolation, Schulprobleme oder langfristige Entwicklungsrisiken analysiert. Besonders kritisch wird die Frage diskutiert, ob sich aus care-ethischer Perspektive eine Pflicht zur Pflege ableiten lässt – ein Aspekt, der bisher wenig Beachtung fand. Abschließend werden die rechtlichen Unterstützungsstrukturen in den drei Ländern gegenübergestellt und ihre Anwendbarkeit auf Young Carers hinterfragt. Der Beitrag zeigt auf, dass bestehende Hilfsangebote wie Pflegekurse oder Entlastungsmaßnahmen oft nicht auf die Bedürfnisse junger Pflegender zugeschnitten sind und in ländlichen Regionen kaum verfügbar sind. Wer sich mit den Herausforderungen und Chancen von Young Carers auseinandersetzt, erhält hier eine fundierte Grundlage, um die komplexen Dynamiken familialer Pflegearrangements zu verstehen und Handlungsoptionen für Praxis und Politik abzuleiten.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer demographische Wandel führt kontinuierlich zu einer Erhöhung der Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Diese werden überwiegend durch Angehörige in ihrem häuslichen Umfeld gepflegt. Ein solcher Pflege- oder erhöhter Unterstützungsbedarf eines nahen Familienangehörigen hat dabei Auswirkungen auf das gesamte familiale (Sorge-)Gefüge. Deshalb übernehmen häufig auch Kinder und Jugendliche Pflegeverantwortung. Dieser Beitrag widmet sich der Personengruppe der Kinder und Jugendlichen als pflegenden Angehörigen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es wird untersucht, ob sich die Pflegeübernahme der Kinder und Jugendlichen care-ethisch begründen lässt und inwieweit rechtliche Unterstützungskonzepte für pflegende Angehörige auf Young Carers anwendbar sind. -
22. Sorgearbeit in Zeiten einer Pandemie: Ergebnisse einer Interviewstudie zu ethischen Herausforderungen in der stationären Langzeitpflege
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PDF-Version jetzt herunterladenDie Covid-19-Pandemie veränderte die professionelle Sorgearbeit in der stationären Langzeitpflege grundlegend und verschärfte bestehende ethische Herausforderungen. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie mit 18 Pflegekräften aus österreichischen Pflegeheimen, die während der Pandemie erhoben wurden. Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Themenbereiche: Erstens die dramatischen Auswirkungen behördlicher Schutzmaßnahmen wie Zimmerquarantäne und Besuchsverbote auf den Lebensalltag der Bewohner:innen, die das Heim als Lebensort und Zuhause infrage stellten. Zweitens die tiefgreifenden Veränderungen in den Pflegebeziehungen, die durch Maskenpflicht, Testzwang und die Rolle der Pflegekräfte als Kontrollinstanzen geprägt waren. Drittens die spürbaren Einbußen in der Pflege- und Betreuungsqualität, die durch Personalmangel, zusätzliche Aufgaben und Zeitdruck entstanden und zu einer Reduktion auf rein körperliche Grundversorgung führten. Viertens das relationale Erleben der Pflegekräfte, die unter hohem Arbeitsdruck, Ansteckungsängsten und gesellschaftlicher Stigmatisierung litten, während sie gleichzeitig moralische Entscheidungen in einem rechtlich und institutionell unklaren Rahmen treffen mussten. Die Studie zeigt, wie Pflegekräfte in einem Spannungsfeld zwischen behördlichen Vorgaben, individueller Fürsorge und ihrem Berufsethos handelten – oftmals durch kreative Lösungen, die im Widerspruch zu offiziellen Richtlinien standen. Abschließend werden Empfehlungen für die Einrichtung von Ethikkomitees in Pflegeheimen diskutiert, um Pflegekräfte in ihrer Rolle als moralische Akteur:innen zu stärken und zukünftige Krisen besser zu bewältigen. Der Beitrag bietet damit nicht nur eine fundierte Analyse der pandemiebedingten ethischen Konflikte, sondern auch konkrete Ansätze für eine menschenwürdige Pflege in Krisenzeiten.KI-Generiert
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ZusammenfassungDie Covid-19 Pandemie hatte bedeutende Auswirkungen auf die professionelle Sorgearbeit, insbesondere in Langzeitpflegeeinrichtungen. Das Pflegepersonal übernahm eine zentrale Rolle in der Pandemiebekämpfung und stand gleichzeitig vor moralischen Herausforderungen und Unsicherheiten in der Betreuung von Pflegebedürftigen. Die vorliegende Interviewstudie fokussiert sich genau auf diese wahrgenommenen ethischen Herausforderungen in der professionellen Beziehung zwischen Pflegepersonal und Pflegebedürftigen in Langzeitpflegeeinrichtungen und zielt darauf ab, die Perspektive der Pflegenden zu erfassen, indem sie deren Erfahrungen und ethische Unsicherheiten in der Beziehung zu den Bewohner:innen untersucht. Besonderes Augenmerk wird auf die relationalen Komponenten gelegt, um eine kritische Diskussion im Rahmen der Care-Ethik zu ermöglichen.
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Erwerbsarbeit im Care-Sektor – Perspektiven auf Arbeits-, Sozial- und Berufsrecht und die Kämpfe um Rechte
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23. Care als Erwerbsarbeit – arbeitsrechtliche Aspekte
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel analysiert Care-Arbeit nicht als unbezahlte Sorgearbeit, sondern als bezahlte Erwerbsarbeit in zentralen gesellschaftlichen Berufsfeldern wie Gesundheit, Pflege, Betreuung, Erziehung und haushaltsnahen Dienstleistungen. Zunächst werden die strukturellen Rahmenbedingungen dieser sogenannten SAHGE-Berufe (Soziale Arbeit, Haushaltsnahe Dienstleistungen, Gesundheit/Pflege, Erziehung) dargestellt, die durch eine starke Vergeschlechtlichung und prekäre Arbeitsbedingungen geprägt sind. Besonders im Fokus steht die transnationale Dimension der Care-Arbeit, etwa durch die Rekrutierung von Pflegekräften aus dem Ausland, die mit spezifischen Herausforderungen wie kulturellen Unterschieden, hierarchischen Strukturen und Arbeitszeitkonflikten verbunden ist. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf den arbeitsrechtlichen Besonderheiten dieser Berufsfelder: Dazu gehören die fragmentierte Tariflandschaft, die oft unzureichende Reichweite von Tarifverträgen – insbesondere in kirchlichen Trägern – sowie die systematische Unterbewertung von Care-Tätigkeiten im Vergleich zu technischen oder produktionsorientierten Berufen. Das Kapitel geht auch auf die Rolle von Sozialversicherungsrecht und Finanzierungsmodellen ein, die häufig zu einer Abwälzung von Kosten und Risiken auf die Beschäftigten führen. Abschließend werden mögliche arbeitsrechtliche Instrumente diskutiert, die eine Aufwertung der Care-Arbeit bewirken könnten, etwa durch Mindeststandards, bessere Personalbemessung oder die Bekämpfung mittelbarer Diskriminierung. Leser:innen erhalten somit einen fundierten Überblick über die komplexen rechtlichen und strukturellen Herausforderungen, die mit der Professionalisierung und gesellschaftlichen Anerkennung von Care-Berufen verbunden sind.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer Begriff ‚Care‘ verweist auf eine gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, die eng mit der Konstruktion einer Trennung ‚öffentlich/privat‘ verbunden ist. Bezahlte Sorgearbeit, die in der ‚öffentlichen‘ Sphäre von Erwerbsarbeit, Arbeitsmarkt und Wirtschaft stattfindet, ist deshalb in spezifischer Weise gesellschaftlich konstruiert, ökonomisch marginalisiert und rechtlich stereotypisiert. Besonders deutlich wird dies bei der Erwerbsarbeit in Privathaushalten. Um diese Dynamiken herauszuarbeiten, werden im Folgenden zunächst die vergeschlechtlichten strukturellen Rahmenbedingungen auf den Arbeitsmärkten der Care-Ökonomie skizziert, bevor analysiert wird, wie sich die vergeschlechtlichte Konstruktion von Care und stereotype Annahmen über Sorgearbeit im Arbeitsrecht widerspiegeln. -
24. Professionalisierung durch Berufsrecht
Vorbehaltsbereiche, Kompetenzen und Selbstverwaltung im Pflegeberufsrecht Österreichs und Deutschlands- Open Access
PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die Professionalisierung der Pflege durch Berufsrecht, Vorbehaltsbereiche und Selbstverwaltung in Österreich und Deutschland. Es analysiert, wie rechtliche Rahmenbedingungen die Eigenverantwortung der Pflege stärken und die Schnittstelle zur ärztlichen Tätigkeit neu definieren. Dabei werden zentrale Themen wie der Pflegevorbehalt, die Akademisierung der Pflege, die Erweiterung von Verordnungskompetenzen sowie die Substitution ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegefachpersonen detailliert betrachtet. Der Fokus liegt auf der Frage, wie diese Entwicklungen die Professionalisierung der Pflege vorantreiben und gleichzeitig die Qualität der Patientenversorgung sichern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern, etwa in der Ausgestaltung der Assistenzberufe oder der Einführung von Pflegekammern. Zudem wird die Bedeutung der Akademisierung für die wissenschaftliche Fundierung des Berufsstands und die interprofessionelle Zusammenarbeit herausgestellt. Das Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Entwicklungen und zeigt auf, welche Impulse Österreich und Deutschland voneinander übernehmen können, um die Professionalisierung der Pflege weiter voranzutreiben.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer Beitrag analysiert das österreichische und deutsche Pflegeberufsrecht unter dem Leitbild eines „sorgsamen Rechts“ (Caring and the Law) sowie anhand eines funktionalen Rechtsvergleichs. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gesetzlich definierte Vorbehaltsbereiche, Kompetenzregelungen, Delegations- und Substitutionsmöglichkeiten sowie Verordnungskompetenzen zur rechtlichen Fundierung und Professionalisierung des Pflegeberufs beitragen. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass Pflege als bezahlte Sorgetätigkeit nur dann nachhaltig professionalisiert werden kann, wenn ihr rechtlich exklusive Zuständigkeitsbereiche mit eigenständiger Verantwortung zugewiesen werden.Die Untersuchung zeigt, dass Österreich und Deutschland ähnliche Grundstrukturen aufweisen, insbesondere in der Differenzierung zwischen Pflegefachpersonen und Assistenzberufen. Unterschiede bestehen jedoch hinsichtlich der Regelungstiefe, der institutionellen Verankerung beruflicher Selbstverwaltung und der Dynamik bei der Umsetzung neuer Kompetenzmodelle. Während Österreich mit der flächendeckenden Akademisierung, der frühzeitigen gesetzlichen Verankerung des Pflegevorbehalts sowie der Einführung eigenständiger Verordnungskompetenzen als strukturell weiter fortgeschritten gelten kann, verfügt Deutschland mit Pflegekammern und einem strukturell abgesicherten Substitutionskonzept über richtungsweisende Instrumente, die auch für Österreich von Interesse sind.Die rechtliche Konstitution professioneller Pflege erscheint dabei nicht als bloß administratives Regelungssystem, sondern als Ausdruck und Voraussetzung für die verantwortliche Organisation interprofessioneller Sorgearbeit. Das Pflegeberufsrecht wird so als zentrales Element einer normativ strukturierten Sorgeordnung lesbar, das durch präzise Kompetenzzuschreibungen und abgestufte Verantwortungsbereiche zum ethisch und rechtsstaatlich fundierten Gelingen von Pflegebeziehungen beiträgt. -
25. Die rechtliche Regulierung der live-in Betreuung: Österreich, Schweiz und Deutschland im Rechtsvergleich
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PDF-Version jetzt herunterladenDer Fachbeitrag untersucht die rechtliche Regulierung der Live-in-Betreuung in Österreich, der Schweiz und Deutschland und zeigt auf, wie unterschiedliche Rechtsmodelle die Arbeitsbedingungen migrantischer Pflegekräfte prägen. Im Fokus stehen dabei die drei zentralen Themenbereiche: erstens die nationalen Regulierungsansätze und ihre jeweiligen Spezifika, zweitens die Arbeitsbedingungen der Betreuer*innen sowie die damit verbundenen rechtlichen Herausforderungen und drittens die gemeinsamen Problemfelder, insbesondere die mangelhafte Umsetzung und Kontrolle von Arbeitsrechten in Privathaushalten. Ein vierter Schwerpunkt liegt auf den übergreifenden Herausforderungen, die sich aus der prekären Situation der Betreuer*innen ergeben, die meist aus Osteuropa stammen und in einem System der zirkulären Migration arbeiten. Der Beitrag analysiert kritisch, wie die verschiedenen Rechtsordnungen die Care-Krise kurzfristig stabilisieren, ohne die strukturellen Probleme zu lösen. Abschließend wird diskutiert, ob das Live-in-Modell überhaupt ein nachhaltiges Konzept für die Organisation von Sorgearbeit darstellt oder ob alternative Betreuungsformen notwendig sind. Die Darstellung ist besonders wertvoll für alle, die sich mit den Schnittstellen von Sozialrecht, Arbeitsrecht und Migrationspolitik beschäftigen und nach Lösungsansätzen für eine faire Regulierung der Live-in-Betreuung suchen.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer vorliegende Text beschäftigt sich mit der Regulierung der live-in Betreuung älterer Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch Migrant*innen aus Osteuropa. Einleitend wird die Betreuung älterer Menschen als Herausforderung für die gesellschaftliche Organisation von Sorgearbeit und für das Recht diskutiert. Im Hauptteil des Texts werden die rechtlichen Grundlagen der live-in Betreuung in Österreich, Deutschland und der Schweiz dargestellt. Während in Österreich ein Selbstständigen-Modell vorherrscht und die Rolle von Agenturen sowie Scheinselbstständigkeit als zentrale Probleme diskutiert werden, rücken beim Schweizer Anstellungsmodell Fragen der Anwendung des Arbeitsrechts auf Arbeitsverhältnisse in Privathaushalten in den Fokus. In Deutschland dominiert ein Entsendemodell, dessen Anwendung im Kontext transnationaler Beschäftigungsverhältnisse zu Rechtsunsicherheit führt. Anschließend an die jeweils spezifischen Herausforderungen wird die Frage der Rechtsdurchsetzung und Kontrolle als übergreifendes Problem bezahlter Sorgearbeit in Privathaushalten diskutiert. -
26. Das ILO-Übereinkommen ‚Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte‘
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet das ILO-Übereinkommen Nr. 189 als Meilenstein für die Anerkennung und Aufwertung von Hausarbeit als professionelle Tätigkeit. Zunächst wird die historische und gesellschaftliche Abwertung von Care-Arbeit analysiert, die traditionell als reproduktive, unsichtbare und oft unbezahlt geleistete Arbeit gilt. Besonders im Fokus stehen dabei die geschlechtsspezifische Zuweisung dieser Tätigkeiten sowie die damit verbundenen Migrationsströme, die Hausangestellte – überwiegend Frauen – in prekäre Arbeitsverhältnisse drängen. Der Text untersucht detailliert die zentralen Bestimmungen des Übereinkommens, das 2011 verabschiedet wurde, um Hausangestellten menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu garantieren. Dazu gehören die Formalisierung von Arbeitsverhältnissen, die Regelung von Mindestlöhnen, Arbeitszeiten und Ruhezeiten sowie der Schutz vor Ausbeutung und Gewalt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Umsetzung in der Schweiz, wo private Haushalte traditionell vom Anwendungsbereich des Arbeitsgesetzes ausgenommen sind. Hier wird aufgezeigt, wie der Normalarbeitsvertrag für die Hauswirtschaft (NAV) Mindestlöhne festlegt und welche Herausforderungen bei der Kontrolle der Einhaltung bestehen. Zudem werden die Besonderheiten bei der Beschäftigung über Vermittlungsagenturen oder digitale Plattformen diskutiert, die die Verwundbarkeit der Angestellten weiter erhöhen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz der psychischen und physischen Gesundheit von Hausangestellten, die durch Isolation, Überlastung und fehlenden Zugang zu Gesundheitsversorgung besonders gefährdet sind. Das Kapitel schließt mit einer kritischen Bewertung der Umsetzung des Übereinkommens und zeigt Wege auf, wie die Anerkennung von Care-Arbeit weiter gestärkt werden kann – etwa durch präzisere Definitionen der Tätigkeiten, bessere Arbeitszeiterfassung und wirksamere Kontrollmechanismen. Leser:innen erfahren nicht nur, welche rechtlichen Fortschritte das Übereinkommen gebracht hat, sondern auch, wo noch Handlungsbedarf besteht, um die Arbeitsbedingungen von Hausangestellten nachhaltig zu verbessern.KI-Generiert
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ZusammenfassungDieses Kapitel beleuchtet, wie das Übereinkommen 189 dazu beiträgt, die von Hausangestellte€n geleistete Care-Tätigkeiten auf globaler Ebene sichtbar zu machen, und zeigt gleichzeitig auf, in welcher Hinsicht dieses Instrument bei der Anerkennung und Aufwertung der hauswirtschaftlichen Arbeit noch weiter hätte gehen können. Als Kernbestimmung verankert Art. 6 Übereinkommen 189 das Recht auf menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Bezeichnung menschenwürdig deutet darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen den grundlegenden Menschenrechten zu entsprechen haben, insbesondere dem Recht auf Würde und Gleichheit. In dieser Hinsicht hebt das Übereinkommen hervor, dass die hauswirtschaftliche Arbeit eine Arbeit ist, die sowohl wie jede andere als auch anders als jede andere ist. Das Übereinkommen beruht somit auf einem Konzept der materiellen Gleichheit, das einen besonderen Schutz mit sich bringen kann, sofern die Besonderheiten der hauswirtschaftlichen Arbeit dies rechtfertigen. Es muss jedoch festgestellt werden, dass der Verweis auf die ‚besonderen Merkmale‘ der hauswirtschaftlichen Arbeit in mehreren Bestimmungen des Übereinkommens (insbesondere jene über die Arbeitszeit) vor allem als eine Möglichkeit für die Staaten verstanden wird, Hausangestellte aus dem Anwendungsbereich der allgemeinen Schutzbestimmungen auszuschließen, und nicht als Anreiz, Sonderregelungen zu ihrer Ergänzung zu erlassen. -
27. Eine Arbeit wie jede andere? Rechtliche Aushandlungen von live-in Betreuungsverhältnissen in der Schweiz
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PDF-Version jetzt herunterladenDas Kapitel beleuchtet die komplexen rechtlichen und sozialen Dynamiken von Live-in-Betreuungsverhältnissen in der Schweiz, die durch transnationale Migration und den demografischen Wandel geprägt sind. Im Zentrum stehen die prekären Arbeitsbedingungen der meist migrantischen Betreuer:innen, die oft rund um die Uhr verfügbar sein müssen, während sie gleichzeitig mit rechtlicher Unsicherheit, sozialer Isolation und mangelnder Anerkennung kämpfen. Der Text analysiert zunächst die historische Entwicklung und die aktuellen Regulierungslücken, die dieses Arbeitsmodell begünstigen – etwa die Ausklammerung von Privathaushalten aus dem Arbeitsgesetz und die unklare Abgrenzung von Arbeits- und Freizeit. Anschließend werden zwei konkrete Fallbeispiele vorgestellt, in denen Betreuer:innen vor Gericht für ihre Rechte kämpften: Edyta Wierczok, die gegen einen Privathaushalt Lohnnachzahlungen für unbezahlte Überstunden und ständige Rufbereitschaft erstritt, und Romana Wroclawska, die gegen eine Betreuungsagentur eine Entschädigung für geleistete Bereitschaftsdienste durchsetzte. Beide Fälle verdeutlichen, wie Gerichte mit widersprüchlichen Argumentationen der Arbeitgeber konfrontiert sind, die Care-Arbeit als „familiäre Fürsorge“ oder „gesellschaftliches Engagement“ umdeuten, um unbezahlte Mehrarbeit zu legitimieren. Besonders aufschlussreich ist die Analyse der strukturellen Machtungleichheiten, die durch rassistische und geschlechtsspezifische Zuschreibungen verstärkt werden und Betreuer:innen in eine Position der Abhängigkeit drängen. Abschließend wird diskutiert, wie die gerichtlichen Auseinandersetzungen zwar wichtige Präzedenzfälle schaffen, aber gleichzeitig die grundsätzlichen Probleme des Systems – wie die fehlende Regulierung von Präsenzzeiten oder die Ausbeutung durch Agenturen – nicht lösen. Der Text regt dazu an, die hegemoniale Logik der „Dienstbarkeit“ zu hinterfragen und fordert eine radikale Transformation der Care-Arbeit ein, die Selbstsorge und Arbeitsrechte gleichermaßen berücksichtigt. Wer sich für die Schnittmenge von Arbeitsrecht, Migration und Care-Arbeit interessiert, findet hier eine fundierte Analyse, die sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Handlungsoptionen aufzeigt.KI-Generiert
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ZusammenfassungDer Beitrag untersucht rechtliche Aushandlungen von live-in Betreuungsverhältnissen in Schweizer Privathaushalten. Im Zentrum steht die Frage, wie sich in den letzten zehn Jahren der öffentliche Diskurs und die rechtliche Praxis zur live-in Betreuung verändert haben, seit migrantische Care-Arbeiter*innen aus dem Schatten getreten und für mehr Respekt und Rechte eingetreten sind. Die Autorinnen beziehen sich dabei auf zwei jüngere Gerichtsurteile und nehmen sowohl die Aushandlung der geleisteten Arbeit als auch den strukturellen Kontext der Gerichtsverfahren und die Handlungsmacht (Agency) der Betreuer*innen in den Blick. Die Abgrenzung zwischen Arbeitszeit und Freizeit sowie die Entlohnung von Bereitschaftsdiensten sind im Zentrum der rechtlichen Aushandlungen. In den analysierten Gerichtsverfahren zeigt sich, dass Arbeitgeber*innen versuchen, Care-Arbeit als häusliche oder familiäre Tätigkeit umzudefinieren und damit vertragliche Aspekte zu verschleiern. Diese Vorstellung von ‚Dienstbarkeit‘, die in den Aussagen der Arbeitgeber zum Ausdruck gebracht wird, wird von den Gerichten zumindest teilweise hinterfragt, die in beiden Fällen eine Entschädigung des Bereitschaftsdienstes zusprechen. Gleichzeitig bleibt in den gerichtlichen Begründungen der strukturelle, von intersektionalen Machtverhältnissen durchzogene Kontext des Arbeitsplatzes Privathaushalt sowie die Prekarität im transnationalen Lebenszusammenhang weitgehend unberücksichtigt.
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- Titel
- Handbuch Sorgearbeit, Sorgebeziehungen und das Recht
- Herausgegeben von
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Michelle Cottier
Kirsten Scheiwe
Caroline Voithofer
- Copyright-Jahr
- 2026
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
- Electronic ISBN
- 978-3-662-72879-6
- Print ISBN
- 978-3-662-72878-9
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-662-72879-6
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