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Über dieses Buch

Das Handbuch betrachtet – in einer umfassend überarbeiteten und ergänzten Auflage – die Lebensphase Alter aus der Perspektive der Sozialen Arbeit. Die Beiträge informieren über die historische und die aktuelle Entwicklung der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen einschließlich dazugehöriger Theoriedebatten, stellen konkrete Handlungsfelder vor und betten diese in die Entwicklungen von Sozialpolitik und Sozialrecht ein. Darüber hinaus werden die Lebenslagen älterer Menschen differenziert dargestellt. Weitere Beiträge gewähren einen Einblick in ausgewählte disziplinäre Diskurse des Alter(n)s als soziale Konstruktion und in die institutionalisierte Alter(n)sforschung.
Mit seinem umfassenden, systematischen und multidisziplinären Zuschnitt eignet sich das Handbuch für Studierende und Lehrende Sozialer Arbeit und zahlreicher anderer Disziplinen, in denen das Thema Alter zunehmend relevant wird. Darüber hinaus kann es Praktiker/-innen sozialer Einrichtungen und Dienste, Sozial- und Kommunalpolitiker/-innen wie auch Verantwortlichen in Vereinen, Verbänden und Initiativen als Nachschlagewerk dienen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung in die zweite Auflage

Die Einführung befasst sich mit den Prämissen des Handbuchs „Soziale Arbeit und Alter“ und erläutert dessen Konzept. Es wird skizziert, dass und aus welchen Gründen ‚Alter‘ ein Thema für die Soziale Arbeit ist. ‚Alter‘ und ‚Altern‘ werden dabei nicht deterministisch, sondern als Konstellationen aufgefasst, deren ‚Bewältigung‘ insbesondere unter Bedingungen benachteiligter Lebenslagen nicht selten der professionellen Begleitung und Unterstützung bedarf. Die Einführung begründet auf diese Weise das multiperspektivische Konzept des Handbuchs, das die Analyse der Felder der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen in die sozialpolitisch-sozialrechtlichen Rahmenbedingungen wie auch in gerontologische Wissensbestände einbettet.

Kirsten Aner, Ute Karl

Soziale Arbeit mit älteren und alten Menschen

Frontmatter

Soziale Altenhilfe als Teil kommunaler Sozial(hilfe-)politik

Der Beitrag unterscheidet zwischen einer professionsbezogenen und einer sozialpolitischen Perspektive auf Soziale Altenhilfe. Professionsbezogen ist Soziale Altenhilfe der Teil der Sozialen Arbeit, der alte Menschen adressiert; in sozialpolitischer Perspektive ist sie ein Sachbereich der kommunalen (Daseinsvorsorge. Gegenstand des Beitrags ist der Sachbereich, seine Entwicklung im Rahmen der Sozialgesetzgebung seit seiner Verankerung in §75 des BSHG, später in §71 SGB XII sowie der damit einhergehende Ausbau der Altenhilfestrukturen in Form besonderen von Einrichtungen und Diensten.

Peter Hammerschmidt, Eva Maria Löffler

Soziale Altenhilfe als Aufgabe Sozialer (Alten-)Arbeit

Der Beitrag betrachtet soziale Altenhilfe als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und als potenzielles Arbeitsfeld der Sozialen (Alten-)Arbeit. Er skizziert beginnend mit der Nachkriegszeit bis heute entlang von Zeitabschnitten die Entwicklung der Entwicklung der Altenpolitik, der sozialen Infrastruktur, der sozialen Dienste und Einrichtungen in der sog. offenen Altenarbeit wie auch in den Bereichen Gesundheit und Pflege. Erörtert werden auch die damit verbunden Handlungsoptionen und Fachdiskurse der Sozialen Arbeit.

Kirsten Aner

Kommunale Alten(hilfe-)planung

Gegenstand dieses Beitrages ist die kommunale Alten(hilfe-)planung mit ihren Aufgaben nach § 71 SGB XII und SGB XI. Betrachtet werden die kommunale Entwicklungsplanung als Teil der kommunale Daseinsvorsorge, die örtliche Bedarfsplanung auch pflegerischer Einrichtungen und Dienste sowie die Vernetzung der Angebote. Der Beitrag diskutiert die Interessen unterschiedlicher Akteure, darunter der mit Planungs- und Steuerungskompetenzen ausgestatteten Pflegekassen, und befasst sich mit dem Stellenwert von Beteiligung, Case Management und Pflegeberatung.

Yvonne Rubin

Ausbildung und Weiterbildung von Fachkräften Sozialer (Alten-)Arbeit

Der Beitrag geht von der Zunahme sozialer Ungleichheit im Alter und neuen kommunalen Herausforderungen sowie daraus folgend neuen Aufgaben und Handlungsfeldern der Sozialen (Alten-)Arbeit aus und fragt, was dies für das durch den vom sog. Bologna-Prozesses gekennzeichnete Studium der Sozialen Arbeit bedeuteten kann. Diskutiert wird, welche Bedarfe sich vor diesem Hintergrund für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften Sozialer Altenarbeit abzeichnen. Angesprochen werden dabei auch Fragen der Professionalisierung, der Qualifikation und der curricularen Gestaltung von Studiengängen.

Cornelia Kricheldorff

Soziale Arbeit für ältere Menschen in Österreich

Der Beitrag schildert den demografischen und Strukturwandel des Alters in Österreich. Er beschreibt, welche gesetzliche Grundlagen für die (finanzielle) Unterstützung, Betreuung- und Pflege von alten Menschen das österreichische Sozialsystem bereit stellt und welche, je nach Bundesland verschiedenen, Beratungs- und Dienstleistungsangebote zur Verfügung stehen, um die Risiken des Alters abzufedern. Er stellt die Angebote Sozialer Altenarbeit in Österreich und deren Aufgaben vor und berücksichtigt aktuelle Entwicklungen etwa bei präventiven Beratungsangeboten, in der Entwicklung alternativer Wohn- und Betreuungsformen und der 24-Stunden-Pflege sowie in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften.

Johannes Pflegerl, Angelika Neuer

Soziale Arbeit für ältere Menschen in der Schweiz

Die Schweiz gilt in mehrfacher Hinsicht als „Sonderfall“, was sich auch im Bereich Sozialer Altenarbeit – die hier gemeinhin als ‚Altersarbeit‘ bezeichnet wird – und in der Entwicklung der sozialen Gerontologie niederschlägt. Dieser Sonderfall zeigt sich u.a. darin, dass die Alternsforschung und die Professionalisierung der Altersarbeit im Vergleich mit anderen europäischen Ländern mit einer deutlichen zeitlichen Verzögerung einsetzten. Der Beitrag zeigt sowohl die historische Entwicklung der Schweizer Alterspolitik mit dem Drei-Säulenprinzip der Altersvorsorge, als auch den aktuellen Stand der Aus- und Weiterbildung mit dem Fokus Alter und Altern auf.

Klaus R. Schroeter, Carlo Knöpfel

Freizeitorientierte Soziale Arbeit mit älteren und alten Menschen

Ausgehend von soziologischen Konzepten zur Bestimmung von Freizeit (Freizeit als residuale Zeit, als Aktivität und als subjektives Erleben) werden deren Bedeutung wie auch die mit der jeweiligen Konzeptualisierung verbundenen Schwierigkeiten für Handlungsansätze einer freizeitorientierten Sozialen Arbeit aufgezeigt. In einem zweiten Schritt werden die Rahmenbedingungen einer freizeitorientierten Sozialen Arbeit für Menschen im Alter wie auch die Veränderungen ihrer Praxis nachgezeichnet. Des Weiteren werden mögliche Exklusionsmechanismen einer freizeitorientierten Sozialen Arbeit aus der Perspektive sozialer Ungleichheit (Bildungsniveau, Gesundheit, Mobilität) diskutiert. Dem stationären Kontext als stark reglementiertem und organisiertem institutionellen Feld gilt dabei hinsichtlich der Frage nach Partizipation und Selbstbestimmung in der Freizeitgestaltung ein besonderes Augenmerk. Als Perspektive für eine freizeitorientierte Soziale Arbeit werden das Lebensstilkonzept diskutiert und zusammenfassend Herausforderungen und Paradoxien einer freizeitorientierten Sozialen Arbeit ausgelotet.

Ute Karl, Franz Kolland

Kulturelle Bildung und Kulturarbeit mit älteren Menschen

Angesichts kulturpädagogischer bzw. -politischer Praxis wird die Polyphonie von Kulturbegriffen deutlich (vgl. Fuchs 2018a, S. 887). Ganz allgemein gesprochen spannt sich das begriff liche Feld auf zwischen einem weiten Kulturverständnis, wie es die UNESCO (1982) vorgeschlagen und das Lebensweisen im Blick hat, und einem engen, das auf ‚Kunst und Kultur‘ fokussiert ist und letztlich als Teil des weiten Verständnisses betrachtet wird (Deutscher Bundestag 2007, S. 47; UNESCO 1982; Fuchs 2008a, S. 91 ff.). In Bezug auf das Alter(n) zeigt sich dieses Spannungsfeld, wenn für eine ‚neue Kultur des Alterns‘ geworben wird oder von Altenkultur die Rede ist (vgl. Haller und Küpper i. d. B.) und gleichzeitig Kulturgeragogik als Oberbegriff für unterschiedliche kunstbezogene Geragogiken etabliert wurde.

Ute Karl

Soziale Arbeit im Kontext von Bildung und Lernen im Alter

Lernen bezeichnet die grundlegende Fähigkeit des Menschen, in jedem Alter weitgehend selbst gesteuert Anpassungsleistungen an sich im Lebenslauf verändernde Lebensbedingungen zu vollziehen. Soziale Altenarbeit begleitet und unterstützt das individuelle lebenslange Lernen. Die konkreten Ansätze von Altersbildung bzw. Geragogik sind facettenreich und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Soziale Altenarbeit als neues Handlungsfeld. Der Beitrag skizziert mögliche Bereiche der Sozialen Altenarbeit, in denen jeweils eigene Bildungsanliegen verfolgt werden, die unter Rückgriff auf Methoden der Sozialen Arbeit beantwortet werden können.

Cornelia Kricheldorff

Krankheitsprävention und Soziale Gesundheitsarbeit im Alter

Das Morbiditätsspektrum in alternden Bevölkerungen verstärkt die Bedeutung lebenslaufbegleitender Krankheitsprävention. Altern ist epidemiologisch durch gesundheitliche Ambivalenz gekennzeichnet: zwischen verlängerter aktiver Lebenserwartung mit Gesundheitsgewinnen v.a. im sog. dritten Lebensalter und zunehmender (Multi-)Morbidität mit Mobilitäts- und Autonomieverlusten im sog. vierten Lebensalter. Krankheitsprävention i.e.S. ist jedoch biomedizinisch präformiert. Sie erfolgt mit differenzierten nosologischen und weitgehend individuumszentrierten Teilinterventionen auf Bevölkerungsebene, in der Versorgungsanpassung und mit Zielgruppenbezug. Die Gerontologie erweitert das Konzept einer Altersgesundheit über reine Krankheitsvermeidung und -verzögerung hinaus: als Autonomie in Lebensgestaltung und Lebensqualität, Erhalt und Stärkung von funktionaler Gesundheit, soziale Teilhabe und soziale Unterstützung. Soziale Gesundheitsarbeit mit Älteren ist gefordert, die verengt-nosologische Perspektive der Präventivmedizin zwar gut zu kennen, doch im Einklang mit der Sozialgerontologie offensiv zu überschreiten – hin zu einer lebenswelt- und ressourcenorientierten Gesundheitsförderung im Alter auf differenzsensibler Grundlage.

Peter Franzkowiak

Soziale (Alten-)Arbeit in der Rehabilitation

Der Beitrag geht von den rechtlichen Rahmenbedingungen, den Zielen, Formen und Finanzierungsmöglichkeiten von stationären und ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen aus und stellt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Rentenversicherung (RV) als Träger vor. Er nimmt außerdem aktuelle Entwicklungen in der Inanspruchnahme rehabilitativer Leistungen durch ältere Menschen, die integrierten Versorgungsstrukturen und die Situation der Mitarbeitenden im Reha-Team in den Blick. Im Anschluss werden die spezifischen Handlungskontexte und funktionsorientierten Prinzipien für die Soziale (Alten-)Arbeit in der Rehabilitation illustriert und ihr Stellenwert in der interdisziplinären Zusammenarbeit erläutert. Der Beitrag schleißt mit einem ein Ausblick auf die zukünftigen Chancen und Herausforderungen Sozialer Altenarbeit in der geriatrischen Rehabilitation.

Annette Franke

Soziale (Alten-)Arbeit im Krankenhaus

Soziale Arbeit im Krankenhaus adressiert zwar alle Patient/-innen, gleichwohl spielen alte Menschen aufgrund ihrer erhöhten Anfälligkeit für chronische und multiple Erkrankungen im Rahmen der sozialarbeiterischen Unterstützung im Krankenhaus eine besondere Rolle. Die Soziale (Alten-)Arbeit ergänzt durch ihre Ausrichtung auf die Lebenswelt der Patient/-innen die medizinisch-pflegerische Behandlung. Der vorliegende Beitrag zeigt die lange Tradition der Verbindung von Sozialer Arbeit und Krankheit auf, verdeutlicht das Selbstverständnis in Bezug auf Krankheit und Unterstützung und erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Sozialen (Alten-)Arbeit im Krankenhaus (SGB V), die das fallbezogene methodische Handeln u.a. durch Beratung, Betreuung und Entlassmanagement rahmen.

Harald Ansen

Soziale Arbeit in der Geriatrie

Gesundheit gilt als hohes Gut, die Sorge um ihre Erhaltung bzw. Wiederherstellung im Fall einer Krankheit hat einen hohen Stellenwert und ist altersunabhängig. Im Zuge des demographischen Wandels wächst die Bedeutung der Geriatrie als Fachgebiet, das sich speziell mit der Prävention, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation akuter und chronischer Erkrankungen sowie geriatrischer Syndrome bei älteren Menschen befasst. Methodisch geht die Geriatrie dabei über die Organmedizin hinaus. Im multidisziplinären Team wird ein geriatrisches Assessment durchgeführt, das krankheits-, aber auch funktionell und psychosozial relevante Daten zur Situation des/der geriatrischen Patient/-in umfasst. Geriatrische Syndrome sollen durch geeignete, wiederum multidisziplinäre Interventionen gezielt verbessert werden. Im Fokus des vorliegenden Beitrags stehen neben häufigen Krankheiten im Alter die Arbeit im geriatrischen Team und die Rolle der Sozialen Arbeit in der (Alters-)Medizin, speziell im Entlassmanagement.

Werner Vogel

Soziale (Alten-)Arbeit in der Gerontopsychiatrie

Gerontopsychiatrie ist eine interdisziplinäre, im multiprofessionellen Team zu erbringende Aufgabe. Erst diese Mehrperspektivität erweitert die soziokulturellen Optionen, einen sachhaltig qualifizierten, humanen, d.h. würdigen Umgang mit psychisch erkrankten alten Menschen zu (er)finden und zu institutionalisieren. Dabei umfasst die gerontopsychiatrische Kompetenz mehr als Diagnoseerstellung und medizinische Behandlung und ist ausgerichtet auf soziale Integration und Lebensbewältigung. Der vorliegende Beitrag beschreibt zunächst die Adressat/-innen der Gerontopsychiatrie sowie die Funktion der Sozialen Arbeit im interdisziplinären gerontopsychiatrischen Zusammenwirken und die hierfür zentralen rechtlichen Regelungen. Abschließend wird ein Blick auf die reichhaltigen Handlungsmethoden, u.a. Case Management und Biografiearbeit, der Sozialen (Alten-)Arbeit geworfen, die in der Arbeit mit psychisch kranken alten Menschen Anwendung finden können.

Margret Dörr

Soziale Arbeit in Hospiz und Palliativversorgung

Für Soziale Arbeit mit Menschen am Lebensende stehen Würde und Achtung, Teilhabe und Selbstbestimmung der Sterbenden im Mittelpunkt. Konzeptionell schließen die entsprechenden Konzepte an die der Hospizarbeit und Palliativversorgung an, deren Ziel die Förderung und Erhaltung bestmöglicher Lebensqualität von schwerstkranken und sterbenden Menschen mit einer sehr begrenzten Lebenszeit ist. Aktuelle Entwicklungen in der Hospizarbeit und Palliativversorgung von 2007 bis 2016 zeigen die zunehmende Bedeutung dieser Sorgekultur am Ende des Lebens, die an verschiedenen Orten und in Institutionen der Sterbebegleitung gelebt und in vorhandenen Versorgungsstrukturen umgesetzt wird. Der Beitrag stellt Kernaufgaben und Handlungsmethoden der Sozialen Arbeit im interdisziplinären Team dar: psychosoziale Begleitung, ethische Entscheidungsfindung und die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen.

Verena Begemann, Mareike Fuchs

Soziale Arbeit in der pflegerischen Versorgung

Pflegebedürftigkeit ist alterskorreliert, die Zahl der Betroffenen steigt und die Infrastruktur wird ausgebaut. Soziale Arbeit ist in der Pflege keineswegs überall präsent. Gleichwohl steht zu vermuten, dass die jüngsten Pflegereformen bewirken können, dass Soziale Arbeit für Leistungserbringer in der Pflege attraktiver wird: im Sinne eines breiter aufgestellten Personalmix´. Beratung in der Pflege sowie Herstellung von Versorgungskontinuität und -integration sind zentrale Erfordernisse an die Weiterentwicklung ambulanter Dienste. Stationäre Einrichtungen wiederum stehen vor der Aufgabe, die Begleitung und Pflege unterschiedlicher Bedarfsgruppen differenziert zu realisieren. Soziale Arbeit kann dazu beitragen, durch Care- und Case-Management individuelle Versorgungssettings zu realisieren.

Roland Schmidt

Generationenbeziehungen in der Sozialen Beratung älterer Menschen

Beratung ist als zentrale Handlungsmethode integraler Bestandteil Sozialer Arbeit. Soziale Beratung wird auch in der Sozialen Altenarbeit in eigenen Arbeitssettings wie auch in nicht derart formalisierten Arbeitssituationen praktiziert. Dies geschieht mit unterschiedlichen Zielen und in vielfältigen Formen. Im Beitrag wird Beratung mit dem Blick auf mögliche Generationendifferenzen betrachtet und herausgearbeitet, dass die Beratungsbeziehung durch Unbestimmtheit, Ambivalenzen und Fremdheit, durch Altersbilder und Altersstereotype gekennzeichnet sein kann. Für verschiedene Konstellationen des Zusammentreffens von Generationen in der Beratung wird herausgearbeitet, wie das Alter der Beteiligten und die damit einhergehende Generationenzugehörigkeit als Bezugspunkt der Interaktion berücksichtigt und einer offenen Strukturierung zugänglich gemacht werden können.

Kirsten Aner

Alter und Bildung aus bildungsphilosophischer Perspektive

Bildungsphilosophisches Nachdenken über Bildung im Alter bleibt nicht bei den erfreulichen Befunden über die Verlängerung selbstständiger und sozial partizipativer Lebensführung durch lebensbegleitendes Lernen stehen. Wenn es Grundzug des neuhumanistischen Bildungsverständnisses ist, dass Bildung ein individuell begründetes Selbst- und Weltverhältnis ermöglichen sollte, dann ist das nur in Abgrenzung gegenüber funktionalen Integrationsvorstellungen möglich. Dem Menschen wird reflexive Distanz zu sozial akzeptierten Wissensbeständen aber auch zu subjektiven Selbstverständnissen zugetraut und zugemutet. Der Beitrag erörtert affirmative und problematisierende Bildungstheorien vor dem Hintergrund der Erfahrung der Endlichkeit, Vulnerabilität und Nichtsouveränität des Menschen im Alter.

Ines M. Breinbauer

Freiwilliges Engagement älterer Menschen und freiwilliges Engagement für ältere Menschen

Mit dem Begriff des Engagements werden freiwillige, nicht auf materiellen Gewinn gerichtete, gemeinwohlorientierte gemeinschaftliche und kooperative Aktivitäten im öffentlichen Raum bezeichnet. Freiwilliges Engagement ist damit der Dachbegriff für unterschiedliche Ausdrucksformen der Selbstorganisation und Übernahme von Verantwortung für die Gestaltung von Zivilgesellschaft. Zum bürgerschaftlichen Engagement von älteren Menschen werden vor allem deren Engagementbereitschaft, -verbreitung und -motive in Abgrenzung zu anderen Altersgruppen erfasst. Dabei stehen die Zugänge zu Engagement und Teilhabe in Wechselwirkung zu Dimensionen sozialer Ungleichheit: Sozioökonomischer Status, Bildung und Gesundheitsstatus begründen ungleiches Engagement. Geschlecht, Migrationsgeschichte und sozialräumliche Ungleichheiten beeinflussen deutlich das Engagement älterer Menschen. Es sind vor allem Ältere selbst, die für andere ältere Menschen Verantwortung übernehmen und Solidarität zeigen. Solidarische Formen des Engagements wie z.B. Seniorengenossenschaften sind Ausdruck von Engagement von und für ältere Menschen.

Monika Alisch

Diversität im stationären Pflegealltag

Diversität ist in der Fachliteratur gegenwärtig das zentrale Konzept, um die Verschiedenheit von Lebensumständen und Lebenswelten von Menschen zu erfassen, mit denen Fachpersonen bei der Erbringung wohlfahrtstaatlicher Leistungen interagieren. Dieser Beitrag führt begrifflich und konzeptionell ein, was mit Diversität gemeint ist und wie Versorgung auf verschiedenen Ebenen damit umgeht. Er tut dies aus der Perspektive der Gesundheitsversorgung und anhand von Einblicken in die stationäre Langzeitpflege im Alter. Eng verknüpft mit Diversität ist die Frage nach Ungleichheiten und deren komplexen Interdependenzen, wie sie das Intersektionalitäts-Konzept thematisiert. Wohlfahrtstaatliche Versorgung strebt danach, Ungleichheiten entgegenzuwirken und Diversitäten angemessen zu berücksichtigen. Chancengleichheit in der Versorgung, Kompetenzförderung bei Klient/-innen und im professionsspezifischen Handeln sind die drei Ebenen, auf denen angesetzt wird, um diversitätssensitiv versorgen zu können. Besondere Herausforderungen sind dabei die Personenzentriertheit der Interaktion zwischen Fachperson und Klient/-in, die Vulnerabilität der Klient/-innen sowie zunehmend die Notwendigkeit transkultureller Kompetenz.

Eva Soom Ammann

Advokatorische Ethik in der Sozialen Arbeit mit alten Menschen

Thema der advokatorischen Ethik sind die Prinzipien des bildenden, erziehenden und beschützenden Umgangs mündiger Menschen mit Menschen die entweder ‚noch nicht‘ – oder ‚nicht mehr‘“ mündig sind. Der Beitrag befasst sich mit Begründungsfragen einer advokatorischen Ethik im Kontext von Alter, mit der Menschenwürde als einem moralischen Gefühl mit universalistischem Anspruch und mit höchst voraussetzungsreichen Bedingungen sowie der Frage nach einem würdevollen Altern. Er diskutiert, inwiefern die advokatorische Ethik in der Sozialen Altenarbeit und in der Pflege einen besonderen Anwendungsbereich vorfindet.

Micha Brumlik

Care und Case Management im Kontext Sozialer Altenarbeit

Für die abgestimmte Organisation von Unterstützung und Begleitung in der Lebensführung im Alter bieten sich Fallsteuerung und Prozessmanagement mit dem Handlungskonzept Case Management an. Bei den oft komplexen Versorgungserfordernissen älterer Menschen werden verschiedene Dienstleistungen und Hilfen herangezogen, um Selbstbestimmung zu gewähren und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Case Management baut auf die örtliche Infrastruktur und sektorenübergreifende Vernetzung auf. Im Sinne von Managed Care werden Bedarfsklärung, Planung, Koordination und Begleitung des Verlaufs im Einzelfall ausgeführt (Care Management). Es erfolgt ein individualisiertes Unterstützungs- und Versorgungsmanagement in der Lebenswelt in Abstimmung mit dem alten Menschen und seinen Angehörigen.

Wolf Rainer Wendt

Sozialrecht, Sozialpolitik und Lebenslagen im Alter

Frontmatter

Sozialrecht und Sozialpolitik für das Alter – Entwicklungen bis Anfang der 1960er Jahre

Allgemeine Maßnahmen der Sozialpolitik galten immer auch für ältere Menschen, sofern sie bedürftig waren. Besondere Leistungen der Alterssicherung, die also an „Alter“ anknüpften, bzw. ihm verbunden waren, gibt es in Deutschland seit der gesetzlichen Rentenversicherung 1889. Erst in der Weimarer Republik folgte die Fürsorge. Ihre lange Tradition der stationären Hilfe für Alte wurde in der Bundesrepublik durch das Dienstleistungsangebot der sog. offenen Altenhilfe ergänzt. Der Beitrag konzentriert sich auf die Entwicklung dieser Bereiche und gibt einen Überblick über die Ausdifferenzierung des Systems der sozialen Sicherung und damit die Entwicklung des Sozialrechts sowie der Sozialversicherung vom Deutschen Kaiserreich bis Anfang der 1960er Jahre.

Peter Hammerschmidt, Florian Tennstedt

Alter, Rentenversicherung und andere Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts

Allgemeine Maßnahmen der Sozialpolitik galten immer auch für ältere Menschen, sofern sie bedürftig waren. Besondere Leistungen der Alterssicherung, die also an „Alter“ anknüpften, bzw. ihm verbunden waren, gibt es in Deutschland seit der gesetzlichen Rentenversicherung 1889. Erst in der Weimarer Republik folgte die Fürsorge. Ihre lange Tradition der stationären Hilfe für Alte wurde in der Bundesrepublik durch das Dienstleistungsangebot der sog. offenen Altenhilfe ergänzt. Der Beitrag konzentriert sich auf die Entwicklung dieser Bereiche und gibt einen Überblick über die Ausdifferenzierung des Systems der sozialen Sicherung und damit die Entwicklung des Sozialrechts sowie der Sozialversicherung vom Deutschen Kaiserreich bis Anfang der 1960er Jahre.

Felix Welti

Alter, Kranken- und Pflegeversicherung

Der soziale Rechtsstaat organisiert die Alterssicherung im Sinne der Generationensolidarität durch die gesetzliche Rentenversicherung, Pensionen, die Grundsicherung im Alter und die Regulierung betrieblicher und privater Altersvorsorge. In der Rentenversicherung spiegeln sich die Ansprüche die Biografie, insbesondere das Erwerbsleben, aber auch Kindererziehung, Pflege und Zeiten, in denen Lohnersatzleistungen bezogen wurden. Grundsicherung im Alter ist von der Bedürftigkeit abhängig, wobei das Heranziehen der Kinder stark eingeschränkt ist. Betriebliche und private Altersvorsorge ergänzen die Rentenversicherung, wobei insbesondere letztere nur sozial selektiv genutzt werden kann. Soziale Ungleichheit im Alter spiegelt und verstärkt soziale Ungleichheit im Lebenslauf. Sie bleibt für Sozialpolitik und Soziale Arbeit eine Herausforderung.

Stephan Rixen

Alter, Betreuungsrecht und Vorsorgevollmacht

Das 1992 in Kraft getretene Betreuungsgesetz löste das Entmündigungsrecht sowie die Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige ab und ist als Meilenstein mit dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts zu bezeichnen. Der Beitrag gibt unter Beachtung der reformpolitischen Diskussion einen Überblick über die betreuungs- und vorsorgerechtlichen Strukturen, u.a. Betreuungsbehörden, Betreuungsgericht und Betreuungsverein, wie sie heute gültig sind. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Aufgabenkreis der Gesundheitsfürsorge und die damit in Zusammenhang stehenden Instrumente der Patientenverfügung sowie die Vorsorgevollmacht gelegt. Der demographische Wandel und der damit einhergehende, erwartete Anstieg der Zahl betreuungsbedürftiger Personen werden möglicherweise weitere strukturelle Auswirkungen auf das Betreuungsrecht haben.

Kathrin Becker-Schwarze

Alter und Verbraucherschutz

Das Verbraucherrecht ist eine Querschnittsmaterie aus vielen Bereichen des Privatrechts, aber auch des Öffentlichen Rechts und sogar des Strafrechts, die sich dadurch auszeichnet, dass sie den Verbraucher in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt. Mit dem Rückzug des Staats aus Bereichen, die früher der Daseinsvorsorge zugeordnet waren, steigt die Bedeutung des Verbraucherschutzes u.a. in Bereichen, die alte Menschen betreffen, wie Altersvorsorge, Heimunterbringung und ambulante Pflege. Idealtypisch ergeben sich zwei Schienen des Verbraucherschutzes in Bezug auf das Alter: der Schutz von schwachen, abhängigen alten Menschen und der Schutz der wirtschaftlichen Entscheidungsfreiheit am Markt agierender alter Menschen. Beide Arten des Schutzes werden im Beitrag beleuchtet.

Peter Rott

Einkommen und Vermögen im Alter

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine sog. Wohlstandsgesellschaft, wovon insbesondere die heute älteren Bürger/-innen profitieren. Mit Blick auf Einkommen, Vermögen und Wohlstand im Alter lassen sich dennoch unterschiedliche Bilder assoziieren: Auf der einen Seite das Bild von lebensfrohen und wohlhabenden Senior/-innen. Dem stehen auf der anderen Seite Berichte über Altersarmut, niedrige Renten, steigende Armutsquoten sowie über Angewiesenheit auf staatliche Leistungen gegenüber. Der Beitrag analysiert vor diesem Hintergrund u.a. die Einkommens- und Vermögensverhältnisse älterer Menschen sowie das Armutsrisiko und Zahlen zur Verschuldung. Es wird gezeigt, dass sich die meisten älteren Menschen in Deutschland in einer guten Einkommens- und vor allem einer guten Vermögenslage befinden. Es gibt allerdings nach wie vor deutliche Unterschiede im Ost-West-Vergleich sowie Geschlechterunterschiede und die Gefahr weiter steigender Altersarmut.

Dietrich Engels

Wohnen im Alter

Wohnen hat eine Schlüsselfunktion für Lebensqualität, Wohlbefinden und Teilhabe im Alter. Im Beitrag werden sozial- und ökogerontologische Perspektiven darauf komplementär verschränkt. Dabei wird Wohnen als lebenslanger, von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägter Person-Umwelt-Austauschprozess verstanden, der Ressourcen seitens der Umwelt und der Person erfordert. Im ersten Abschnitt werden aus sozialgerontologischer Perspektive sozialräumliche Segregationsprozesse beschrieben und aufgezeigt, wie die individuelle Ressourcenausstattung für den Person-Umwelt-Austauschprozess von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt ist. Im zweiten Abschnitt werden aus ökogerontologischer Perspektive die Handlungs- und Erlebensprozesse und Wohnfolgen auf individueller Ebene (u.a. Umzüge, Wohnraumanpassungen) fokussiert.

Dörte Naumann, Frank Oswald

Soziale Netzwerke im Alter

Mit dem Konzept des sozialen Netzwerks werden in der Soziologie Beziehungsgeflechte von Individuen, Gruppen, Organisationen oder auch Gesellschaften beschrieben und analysiert. Diese Netze können z.B. hinsichtlich Umfang und Dichte, aber auch hinsichtlich der Qualität der sozialen Beziehungen oder des Austauschs zwischen den Mitgliedern näher untersucht werden. Werden Individuen betrachtet, stehen zumeist die soziale Integration und der Austausch z.B. mit Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn im Mittelpunkt des Interesses. Damit sind zentrale Aspekte des Lebens im Alter angesprochen. Der Beitrag gibt einen Überblick zu Theorien, Diskussionen und Befunden zu sozialen Netzwerken und Unterstützungsleistungen in der zweiten Lebenshälfte. Dabei werden Überlegungen zum Generationenverhältnis, zu Generationenbeziehungen und ‚crowding-out‘ einbezogen.

Harald Künemund, Martin Kohli

Gesundheit und Krankheit im Alter

Als kategoriale sich auf biologische Grundlagen und menschliches Handeln beziehende Begriffe sind Gesundheit und Krankheit an gesellschaftliche Wertvorstellungen gebunden, die den menschlichen Körpern kulturell eingeschrieben sind. Im Kontext dieser Annahmen stellt sich die Frage nach den Wirkgrößen von Gesundheit und Krankheit im höheren Lebensalter. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung sind dies neben dem Lebensstil und psychosozialen Faktoren, Lebenslagen und gesundheitlicher Ungleichheit, lebensverlaufsbezogene Entwicklungen. Von prägender Bedeutung ist bis ins hohe Alter ebenso die Genderperspektive. Für die Gestaltung der Prävention, der Gesundheitsförderung und der gesundheitlichen Versorgung sind diese Wirkgrößen von grundlegender Bedeutung.

Hans Günther Homfeldt

Alter und Bildung

Bildung ist einer der maßgeblichen Faktoren, die die Lebenslagen älterer Menschen in Deutschland prägen. Sie gilt als wichtige Ressource für wirtschaftliche Produktivität, gesellschaftliche Statuszuweisung und eine selbstbestimmte Lebensführung bis ins hohe Alter. Der Beitrag gibt einen Überblick über das Bildungsniveau, das Bildungsverhalten und die Bildungsaktivitäten der älteren Bevölkerung in Deutschland. Um der Heterogenität und Diversität dieser Personengruppe gerecht zu werden, wird nach Alter, Geschlecht und Region differenziert. Die Ausführungen beziehen sich vorwiegend auf die institutionalisierten Formen der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung und basieren auf einer Sekundäranalyse der bildungsbezogenen Daten des Alterssurveys 2014.

Karin Stiehr, Philipp Garrison

Alter und Geschlecht

Geschlecht ist eine zentrale Analysekategorie sozialwissenschaftlicher Forschung. Wie in diesem Beitrag komprimiert dargestellt wird, sind die Lebenslagen von Frauen und Männern bis heute über den Lebenslauf hinweg in vielerlei Hinsicht von Geschlechterungleichheiten gekennzeichnet. Nach einer Einführung in die Thematik werden Unterschiede in der Lebenserwartung von Frauen und Männern und die Geschlechterverteilung in verschiedenen Altersgruppen beschrieben. Es folgt eine kurze Darstellung der Lebenslagen älterer Frauen und Männer in verschiedenen Bereichen (materielle Lebenssituation, Bildung, Haushaltsformen), woraufhin vertiefend auf gesundheitliche Unterschiede und soziale Unterstützungsnetzwerke im Alter eingegangen wird. Der Beitrag schließt mit einer Zusammenfassung und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

Martina Brandt, Alina Schmitz

Alter und Homosexualität

Altenpolitik, Altenhilfe und -pflege sind im deutschsprachigen Raum nach wie vor von Heteronormativität gekennzeichnet, d.h. dass die Lebenswelten älterer Schwuler und Lesben öffentlich wenig bekannt sind und ihre Bedürfnisse selten berücksichtigt werden. Der Beitrag widmet sich dieser Leerstelle und gibt einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zum Thema Alter(n) und Homosexualität. Er fokussiert die biographischen Erfahrungen, die aktuellen Lebenssituationen und die gesundheitliche Versorgung älterer Schwuler und Lesben. Eine lebenslange Angst vor Diskriminierung, vor allem bei gleichzeitiger finanzieller Deprivationkann v.a. in der Lebensphase Alter zu Isolation führen. Der Beitrag verweist auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen älteren Schwulen und Lesben. Er zeigt die Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung und Wahrnehmung von LGBT in Politik und Öffentlichkeit sowie einer Sensibilisierung der Fachkräfte in Altenhilfe und Pflege.

Lea Schütze

Alter und Behinderung

Zwar hat sich die Lebenssituation behinderter Menschen in den vergangenen Jahrzehnten verbessert, wovon auch die wachsende Zahl alter Menschen mit Beeinträchtigung profitiert. Daten zu Armutsrisiken, sozialen Beziehungen, gesundheitlicher Versorgung sowie Wohnen, Alltagsunterstützung und Pflege zeigen jedoch, dass gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe alter behinderter Menschen weiterhin existenziell gefährden und sie von Ausgrenzung bedroht sind. Vor diesem Hintergrund stellt die mit dem sozialen Modell eingeführte Unterscheidung von individueller Beeinträchtigung und aus sozialen und materiellen Barrieren resultierender gesellschaftlicher Behinderung (Teilhabeeinschränkung) ein wichtiges Instrument zur Analyse und Verbesserung der Lebenslagen alter behinderter Menschen dar.

Katrin Falk, Michael Zander

Armut im Alter

Während das Armutsrisiko von Personen über 65 Jahren unter dem allgemeinen Armutsrisiko liegt, wächst die Zahl der Empfänger/-innen von Grundsicherungsleistungen. Der Beitrag legt verschiedene Faktoren dar, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben und weiter beitragen werden. Zudem zeigt er besonders betroffene Risikogruppen auf: Familienorientierte Frauen, ehemalige Selbstständige, zugewanderte Personen, umbruchsgeprägte Ostdeutsche und Personen mit komplex diskontinuierlichen (Erwerbs-)biografien unterliegen demnach besonderen Risikofaktoren. Es wird deutlich, dass Grundsicherungsbedürftigkeit im Alter das Ergebnis eines Zusammenspiels aus individuellen Lebensverläufen und Biografien sowie strukturellen Faktoren ist. Sozialpolitik und Soziale Arbeit sind gefragt Handlungsstrategien zu entwickeln, um das Risiko der Altersarmut zu minimieren.

Antonio Brettschneider, Ute Klammer

Alter(n) im ländlichen Raum

Der Beitrag befasst sich mit dem ländlichen Raum und den Änderungsprozessen, die ihn charakterisieren und differenzieren. Im Zentrum steht, wie sich die Situation alter Menschen in ländlichen Regionen heute darstellt. Es wird argumentiert, dass Potentiale und Herausforderungen der ländlichen Altenbevölkerung sich abhängig von verfügbaren individuellen Ressourcen wie auch gesundheitlichen Einschränkungen als sehr heterogen erweisen. Regionale Unterschiede und die Vielfalt des Alter(n)s auf dem Land sind auch in der Arbeit mit alten Menschen zu berücksichtigen. Der öffentlichen Daseinsvorsorge kommt die zentrale Aufgabe zu, Teilhabe zu ermöglichen und Engagement zu fördern. Wie Konzepte zur Sicherstellung der Daseinsvorsorge und Verbesserung der Situation einer heterogenen Zielgruppe ‚alte Menschen‘ auf dem Land ansetzen könnten, wird am Ende dieses Beitrags diskutiert.

Kerstin Hämel, Birgit Wolter

Alte Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrungen

Ältere Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrungen stellen eine waschsende Bevölkerungsgruppe in Deutschland dar. Bisherige Studien weisen meist auf die vielfältigen Benachteiligungen hin, die aus der Kombination von Migration/Flucht und Alter heraus entstehen. Dieser Beitrag fasst die zentralen Befunde der Forschung auf diesem Gebiet und den von Diversität gekennzeichneten Lebenslagen zusammen. Weiter verweist er auf die Reflexionsanforderungen, welche das Alter(n) im Kontext von Migration und Flucht an die Altenhilfe bzw. die Soziale Altenarbeit stellt.

Vincent Horn, Wolfgang Schröer, Cornelia Schweppe

Alter und Technik

Der Beitrag zeigt, dass in den letzten 20 Jahren zunehmend technisch geleitete Lösungsmöglichkeiten als Antwort auf die Herausforderungen der Versorgung und Pflege alter Menschen hervorgetreten sind. Technik wird u.a. in der Sozialraumgestaltung, in den privaten Wohnbereichen sowie in stationären Altenhilfeeinrichtungen eingesetzt und reicht von einfachen mechanischen Unterstützungen über smarte Systeme und assistive Technologien bis zum social robot. Der prägnante Anstieg an Forschungs- und Entwicklungsprojekten zum Thema Alter und Technik fordert die Expert/-innen Sozialer (Alten-)Arbeit in sozialpolitischen und ethischen Debatten, auf der Ebene theoretischer Diskurse, in der Forschung wie auch in der Praxis in besonderer Weise zur Mitgestaltung heraus. Im Beitrag wird deutlich, warum ihre Expertise bei der Einführung technischer Systeme und der Transformation der Lebenswelt an Bedeutung gewinnen sollte.

Lucia Tonello

Freizeit im Alter

In den 1970er Jahren wurde das Potenzial von Freizeitaktivitäten für die Lebensphase Alter entdeckt. In der Freizeit werden Ressourcen für selbstbestimmtes Handeln und die Unterstützung von Lebensqualität im Alter geortet. Der Artikel arbeitet aktuelle Forschungsliteratur zum Freizeitverhalten im Alter heraus, die gängigsten Forschungsmethoden und Ergebnisse auf und untersucht, wie diese für die Soziale Arbeit im Alter fruchtbar gemacht werden können. Die Freizeitforschung zeigt überzeugend, dass die Einbindung in Freizeitaktivitäten zu einem positiven Erleben des eigenen Alters beiträgt. Gleichzeitig beeinflusst der sozio-ökonomische Status altersbedingte Veränderungen im Freizeitverhalten. Diese Muster übertragen sich zunehmend auch auf digitale Umwelten und verweisen auf neue Forschungs- und Praxisfelder. Es geht um Risiken der e-Exklusion und digitalen Teilhabe im Alter. Diese Veränderungen verlangen neue Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit. Für die Zukunft wird zudem eine stärkere Vermischung von Erwerbsarbeit, Freiwilligenarbeit, Pflegearbeit und Freizeit erwartet. Der Beitrag plädiert für ein multizentrisches Lebensmodell im Alter, welches darauf gerichtet ist, die Spätlebensphase zwar auch aber nicht ausschließlich in der Freizeit zu realisieren, sondern auch in ehrenamtlichem Engagement, Bürgerinitiativen und Bildung, und für Selbstbestimmung in den gewählten Aktivitäten.

Franz Kolland, Vera Gallistl

Partnerschaft und Sexualität im Alter

Gemessen daran, dass Partnerschaft und Sexualität wichtige Voraussetzungen für ein ‚gelingendes‘ Altern darstellen, werden diese von der gerontologischen Forschung noch wenig berücksichtigt. Im Beitrag werden auf der Basis des bisher Vorliegenden neben statistischen Ergebnissen zu Familienstand auch Befunde zu Partnerschaftsverläufen sowie Partnerschaftszufriedenheit im Alter und deren intrapersonelle und dyadische Bedingungen referiert. Als besondere Herausforderungen für älterwerdende Paare werden der Auszug der Kinder, der Übergang in die nachberufliche Phase, der Umgang mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie Pflegebedürftigkeit und die familiäre Pflege identifiziert. Weiterhin werden Befunde zur Veränderung der Sexualität und Intimität im Alter beschrieben und für eine differenzierte Betrachtung der Pluralisierung von Partnerschaftsverläufen und Veränderungen der Alterssexualität plädiert.

Stephan Baas, Marina Schmitt

Gewalt gegen ältere Menschen

In diesem Beitrag wird das Thema Gewalt gegen ältere Menschen in seiner Komplexität beschrieben. Pflegebedürftigkeit und Hochaltrigkeit sind kein Hinderungsgrund für Gewalterlebnisse, sondern Kriterium für eine besondere Risikogruppe. Der Lebenszusammenhang in der Familie, Familiendynamiken, Generationenkonflikte aber auch die Ehepartnerpflege bedingen unterschiedliche Risiken für Gewalthandlungen. Auch in einer stationären Einrichtung sind Gewalthandlungen nicht ausgeschlossen. Da die reale Häufigkeit von Gewalterlebnissen umstritten ist und in unterschiedlichen Studien sehr variiert, werden im Beitrag kaum Statistiken dargestellt, sondern die Diskussion des Themas in der Forschung und die dort vorzufindenden Deutungen fokussiert.

Katharina Gröning, Yvette Yardley

Delinquenz älterer Menschen

Der Beitrag untersucht delinquentes Handeln im höheren Lebensalter und zeigt, dass – in Deutschland wie auch international – ältere Erwachsene im Vergleich zu anderen Altersgruppen in der Kriminalstatistik selten und in erster Linie durch leichtere Delikte, vornehmlich im Bereich der Eigentumskriminalität, als Straftäter in Erscheinung treten. Erklärungsansätze für delinquentes Handeln im Alter werden erörtert. Staatliche Reaktionen auf Alterskriminalität weisen z.B. hinsichtlich altersspezifischer Sanktionierungen, nur wenige Besonderheiten auf. Aus dem bereits seit längerem steigenden Anteil der Älteren an der Gefangenenpopulation in Deutschland ergeben sich Herausforderungen für die Soziale Arbeit. In einigen Bundesländern wurden bereits auf ältere Gefangene spezialisierte Einrichtungen im Vollzug geschaffen; insgesamt steht der Strafvollzug jedoch vor der Aufgabe, auf die spezifischen Gegebenheiten von Freiheitsentzug an Älteren und auf die Herausforderung der Ermöglichung gelingenden Alterns auch im Vollzug adäquat zu reagieren.

Thomas Görgen, Werner Greve, Arnd Hüneke

Demenz als soziales Phänomen

Demenz wurde lange als rein medizinisches Problem, allenfalls noch als pflegerisch relevante Herausforderung, begriffen. Mittlerweile wird sie immer mehr als soziales Phänomen thematisiert. Die kognitiven Beeinträchtigungen haben (psycho-)soziale Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Angehörigen. Gleichzeitig sind soziale Faktoren ausschlaggebend für die Lebensqualität der betroffenen Menschen mit und trotz einer demenziellen Behinderung. Dazu zählen Fragen von Verständnis, Toleranz und Wissen auf Seiten der Personen im Umfeld aber auch der Verfasstheit des gesellschaftlichen Umfeldes. Der Beitrag skizziert den bisherigen Perspektivwandel hin zur Wahrnehmung von Demenz als sozialem Phänomen. Er zeigt weiter Handlungsansätze unter Beteiligung der Sozialen Arbeit auf, die Selbsthilfe, Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Demenz ermöglichen sollen.

Peter Wißmann

Nachkriegskindheiten und Altern

Der Beitrag verweist darauf, dass zeithistorische Einflussgrößen auf Lebensverläufe und Altern in Forschungskontexten gezielt berücksichtigt werden sollte. Menschen, die in den Nachkriegszeiten aufgewachsen sind, realisieren oft erst im Alter das Ausmaß ihrer zeitgeschichtlichen Prägungen. Die zeitnahe Forschung zu Kindern in der Nachkriegszeit hatte lange Zeit daran mitgewirkt, bestimmte Themen zu Kriegsfolgen, Schuld, psychischer Beschädigung, Traumata etc. auszublenden und ein Bild vom unbeschädigten Kind und einer ‚gesunden deutschen Jugend‘ zu entwerfen. Mit Bezug auf zeithistorische und mentalitätsgeschichtliche Forschungserkenntnisse findet mittlerweile in klinischgerontologischen und sozialwissenschaftlichen Praxis- und Forschungsfeldern eine zunehmende Sensibilisierung hinsichtlich der nachhaltigen Folgen von Kriegsbelastungen, Gewalterfahrungen, NS-Ideologie und Erziehung u.v.m. in den Nachkriegskindheiten statt. Im Beitrag wird die Bedeutung dieser Belastungen für die Lebenslagen und Befindlichkeiten der Betroffenen im Alter deutlich.

Insa Fooken

Sterben und Tod

Tod und Sterben sind zunehmend ein Problemkreis des Alters und damit der Alterswissenschaften geworden. Entsprechend wirft der vorliegende Beitrag zunächst einen Blick auf die Geschichte und historische Bedeutung des Todes, auf Todesursachen sowie Suizid und erläutert dann die Veränderung von Sterbedeutungen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Der Alterstod ist demnach zur normativen Erwartung geworden, was mit einer zunehmenden Institutionalisierung des Sterbens einhergeht. Damit rücken zum einen Krankenhäuser, darüber hinaus aber vor allem Möglichkeiten ambulanter und stationärer Palliativ- und Hospizversorgung in den Fokus. Zu den zukünftigen Aufgaben aller am Sterbeprozess beteiligten Professionen, auch der Sozialen Arbeit, gehört die Herstellung einer kontinuierlichen Versorgung der Sterbenden und Etablierung von Ritualen, die ihren physischen, psychischen und sozialen Bedürfnissen gerecht wird.

Stefan Dreßke

Suizid im Alter

Jährlich nehmen sich in der BRD rund 3500 Menschen über 65 Jahre das Leben. Der Beitrag zeigt, dass sich hinter dem Entschluss zu einer Suizidhandlung im Alter oft schwere Einbußen an Lebensqualität – sei es durch physische oder psychische Erkrankungen, Verlusterfahrungen und soziale Isolation – stehen, die sich zu einer schweren Krise verdichtet haben, und dass es sich häufig um einen stiller Tod handelt, der von anderen kaum wahrgenommen wird. Neben Daten zur Epidemiologie werden Risiko- und Schutzfaktoren und mögliche Formen der Prävention und Intervention vorgestellt. Dabei gilt das Augenmerk auch der helfenden Beziehung. Ein Exkurs zur Sterbehilfe und zum assistierten Suizid ergänzt die Ausführungen.

Hannah Müller-Pein, Reinhard Lindner

Soziale Konstruktionen des Alters

Frontmatter

‚Alter‘ als Soziale Konstruktion – eine soziologische Einführung

Der Beitrag skizziert wissenschaftstheoretische Überlegungen zum Bedeutungsüberschuss der Begriffe ‚Alter‘, ‚Altern‘, ‚Altsein‘ oder ‚Altwerden‘, mit denen zum einen deutlich gemacht wird, dass sich die Wirklichkeit und damit auch das Altern sowie die Theorien und Diskurse über das Altern in einem andauernden Herstellungs- bzw. Konstruktionsprozess befinden. Anschließend wird am Beispiel der Zeit verdeutlicht, was unter ‚sozialer Konstruktion‘ zu verstehen ist und vor diesem Hintergrund die Eignung des Kalenders als Messinstrument für das menschliche Alter hinterfragt. Schließlich wird der sozialen Konstruktion von Altersstufen und Altersgrenzen nachgegangen und gezeigt, dass Alterseinteilungen (biologisches Alter, soziales Alter, kalendarisches Alter) immer nur als idealtypische Konstrukte zu begreifen sind, die zwar nicht realiter vorzufinden sind, aber in substanzialisierter Form als real existierend gedacht werden.

Klaus R. Schroeter, Harald Künemund

Altersbilder in der Geschichte

‚Altersbilder‘ sind Vorstellungen, Konzepte, Stereotypen zu Alter und Altern. ‚Alter‘ sind die unterschiedlichen Unterteilungen des Lebenslaufs. Alle Gesellschaften haben Vorstellungen eines ganzen Lebens und seiner Untergliederung in Phasen, Stufen oder Gruppen entwickelt. Diesen werden vielfältige, auch widersprüchliche Deutungen und soziale Erwartungen zugeordnet und in Symbolisierungen unterschiedlicher Art ausgedrückt. Im Beitrag geht es um das höhere und hohe Alter und um sprachliche Symbolisierungen in Alterswürdigungsdiskursen. Skizziert werden die historischen Veränderungen von Altersbildern, Altersvorstellungen und Vorstellungen von Alterslebensstilen.

Gerd Göckenjan

Aktuelle Altersbilder – ‚junge Alte‘ und ‚alte Alte‘

Altersbilder sind Vorstellungen von der Rolle, den Eigenschaften und dem Wert alter Menschen in der Gesellschaft, die über das Deskriptive hinausgehen und normativ wirksam sind. Der Beitrag zeigt, dass aktuell ein positiv konnotiertes Bild des ‚jungen‘ Alters einem negativ besetzten Bild des ‚alten‘ oder ‚hohen‘ Alters gegenüber steht. Auch Konzepte aus der sozialgerontologischen Forschung wie das ‚aktive‘, das ‚erfolgreiche‘, das ‚produktive‘, das zu gestaltende‘ Alter(n), die zugleich Grundlage für die Leitbilder des sog. jungen Alters in der Sozialen Altenarbeit sind, tragen entgegen der Absicht der Ent-Stigmatisierung des Alters selbst zur Tabuisierung des Alters bei, indem durch die Nicht-Thematisierung von Gebrechlichkeit eine mögliche Pflegebedürftigkeit ausgeblendet und nur auf ein gesundes Altern Bezug genommen wird. Die Bilder des sog. alten oder hohen Alters sind überwiegend direkt einseitig defizitär oder stellen – auch im sozialpädagogischen Altersdiskurs – ‚Abhängigkeit‘ in den Fokus. Für eine kritische Gerontologie und Soziale Altenarbeit besteht die Herausforderung darin, diese Dichotomisierung des Alters aufzulösen und Menschen in jeder Lebensphase und -lage als weder nur autonom/aktiv oder nur abhängig/passiv zu begreifen, sondern nach ‚Sowohl-als-auch-Konstellationen‘ zu suchen.

Barbara Pichler

Psychogerontologische Konzepte des Alter(n)s

Psychologische Alternsforschung konzentriert sich auf die mit dem Altern einhergehenden psychischen Veränderungen des Menschen. In diesem Beitrag wird dieses Forschungsgebiet anhand von vier Schlüsselfragen eingeführt. Hierbei geht es (1) um die Beschreibung psychischer Veränderungen und (2) der Bedingungen dieser Veränderungen, (3) die Bewältigung von altersassoziierten Belastungen sowie (4) die zielgerichtete Verbesserung der Lebensqualität im Alter mit psychologischen Mitteln (Interventionen). Danach werden Ressourcen des Älterwerdens, näher beleuchtet, nämlich kognitive Leistungen, Persönlichkeitsaspekte, Bewältigungsformen und soziale Beziehungen. Es zeigt sich, dass psychisches Altern zwar mit einer Reihe von Verlusten und Risiken verbunden ist, jedoch auch hilfreiche Anpassungsprozesse (Coping-Strategien) zur Verfügung stehen, um mit den Widrigkeiten des Älterwerdens umzugehen. Schließlich wird noch ein Blick auf zwei zentrale psychologische Interventionsformen geworfen, nämlich kognitives Training und Psychotherapie.

Hans-Werner Wahl, Marina Schmitt

Kulturwissenschaftliche Alternsstudien

Unter Stichworten wie ‚Aging Studies‘ haben sich in den letzten Jahrzehnten kulturwissenschaftliche Sichtweisen auf das Alter(n) etabliert. Dabei werden Altersdefinitionen, Altersbilder und -stereotype als kulturelle Konstruktionen betrachtet, die sich in unterschiedlichen Medien (Sprache, Bild, Film, Fernsehen usw.) ausprägen. Impulse erhalten solche kulturwissenschaftlichen Altersstudien von benachbarten Diskussionsfeldern wie den Gender Studies und Postcolonial Studies. Der Beitrag skizziert einige für die Soziale Arbeit besonders relevante Schwerpunkte kulturwissenschaftlicher Forschungen zum Alter(n), unter anderem bezogen auf Konzepte von Alter und Geschlecht, Andersheit und Fremdheit, Gedächtnis und Erinnerung sowie nicht zuletzt auf transdisziplinäre und partizipative Ansätze.

Miriam Haller, Thomas Küpper

Alter und Recht

Der Beitrag befasst sich mit dem Thema Alter und Recht in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird zunächst auf die geschichtliche Entwicklung, die Besonderheiten und Charakteristika des Rechts der älteren Menschen, die verschiedenen Altersbegriffe und ihre rechtliche Verwendung eingegangen. Anschließend werden die relevanten Rechtsgebiete eines Rechts der älteren Menschen herausgestellt. Es werden insbesondere die Bereiche der Selbstbestimmung und der Betreuung, Krankheit und Pflegebedürftigkeit, Alterssicherung, Straf- und Strafvollzugsrecht und die Altenhilfe im Sozialhilferecht erörtert. Ebenso wird der Themenkomplex Altersgrenzen und Diskriminierung auf Gründen des Alters, auch unter verfassungs-, europa- und internationalrechtlichen Aspekten, angesprochen. Der Beitrag schließt mit einigen Hinweisen zu den besonderen rechtlichen Belangen in der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen.

Gerhard Igl

Altersforschung

Frontmatter

Altersforschung als interdisziplinäres Projekt

Nach einer Klärung einiger grundlegender Aspekte von Interdisziplinarität werden im Beitrag illustrierend Befunde einer Befragung ausgewählter Projekte der Vernetzung in der Gerontologie vorstellt. Abschließend wird diskutiert, ob und inwieweit die Altersforschung als ‚transdisziplinäres Projekt‘ einzuschätzen ist. Insgesamt wird deutlich, dass – trotz erheblicher Barrieren auf der individuellen, organisatorischen und institutionellen Ebene – die Altersforschung viele interdisziplinäre Bezüge aufweist und sich der Herausforderung einer stärkeren Vernetzung und kritischen Auseinandersetzung mit der Praxis stellen muss.

Hermann Brandenburg, Katharina Steinhauer

Sozial- und verhaltenswissenschaftliche Gerontologie in Deutschland

Der Beitrag gibt einen Überblick über die sozialwissenschaftliche und verhaltenswissenschaftliche Gerontologie, verstanden als ein prototypisch multidisziplinäres Wissenschaftsfeld, dessen Ziel es ist, die Bedingungen gelingenden Alterns von Individuen und Gesellschaften zu erforschen sowie Kenntnisse über jene Faktoren zu erlangen, die zu Lebenssituationen im Alter führen, in denen Hilfe und Unterstützung notwendig sind. Zunächst werden relevante Themen aus Sicht der Alternssoziologie und Alternspsychologie aufgezeigt. Im Anschluss wird die Entwicklung von gerontologischen Forschungseinrichtungen und -strukturen nachgezeichnet und werden die existierenden gerontologischen Forschungsförderungen kritisch betrachtet. Es werden außerdem vier ‚große‘ Studien exemplarisch vorgestellt und abschließend zukünftige Aufgaben und Entwicklungen der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Gerontologie angedeutet.

Clemens Tesch-Römer, Andreas Motel-Klingebiel

Die Altenberichte der Bundesregierung

Themen, Paradigmen, Wirkungen

Der Beitrag untersucht die Themen, Paradigmen und Wirkungen der Altenberichterstattung der Bundesregierung aus der Perspektive kritischer Wissenschaft. Aufgezeigt wird eine theoriefundierte und empirisch gesättigte innere Kohärenz der bislang vorliegenden sieben Altenberichte, die fachwissenschaftlich weitgehend konsensfähig ist. Deutlich werden zugleich Lücken, die die Berichterstattung aufweist, wenn man die hierin vorgenommene Re-Konstruktion des individuellen und sozialen Alterns an einer de-konstruktiven Meta-Selbstreflexion im Sinne Kritischer Gerontologie post-strukturaler Ausrichtung misst.

Frank Schulz-Nieswandt

Vergleichende Alternsforschung – nationale Bedingungen, internationale Ergebnisse und Strategien

Der Beitrag zeichnet nach, in welcher Weise Alternssozialarbeit und Alternsforschung zusammengewirkt haben, welche Traditionen sich dabei im deutschsprachigen Raum bemerkbar machten und welche methodischen Probleme sich dabei ergeben haben. In der Gegenwart verunklaren sich die Konturen: das methodische Repertoire des Vergleichens hat sich erweitert, die besondere Multidisziplinarität des gerontologischen Zugriffs ist diskussionsführend geworden und der gerontologische Blick geht nun zunehmend in die Widersprüchlichkeit einer vielgestaltigen Weltgesellschaft. Der Beitrag stellt in diesem Kontext wissenschaftstheoretische Überlegungen, exemplarische internationale Journals und Studien (u.a. SHARE und COST) vor.

Hans-Joachim von Kondratowitz

Partizipative Altersforschung

In den Sozial- und Geisteswissenschaften existiert eine lange Tradition an Forschung, bei der Menschen aus den Lebenswelten beteiligt sind, die erforscht werden. Mit solchen sogenannten partizipativen (Alters-)Forschungen wird eine veränderte (Macht-)Beziehung zwischen professionellen Forscher/-innen und den Menschen, deren Lebenswelt erforscht wird, angestrebt. Darüber hinaus zielen solche Projekte im Ideal auf ein Empowerment marginalisierter Gruppen sowie auf eine Veränderung der sozialen Wirklichkeit ab. Aktuell verzeichnen partizipative Ansätze in der Kritischen Gerontologie aber auch in der Praxis eine wachsende Beliebtheit, welche mit unterschiedlichen (politischen) Intentionen verbunden ist. Der Beitrag beleuchtet, welche Hoffnungen und Erwartungen mit partizipativen Forschungen assoziiert werden, wie Partizipation dabei konzipiert wird und welche Herausforderungen mit solchen Forschungsprojekten verbunden sind. Aufgezeigt werden auch kritische Perspektiven auf die Einbeziehung älterer und alter Menschen in (Forschungs-)Projekte im aktuellen politischen Kontext.

Carolin Kollewe

Backmatter

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