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Über dieses Buch

Das Handbuch stellt Studierenden mit Bachelor- und Masterabschlüssen soziologischer und sozialwissenschaftlicher Studiengänge das große Spektrum an Berufsfeldern wirklichkeitsnah vor und unterstützt sie dabei, berufliche Pläne zu konkretisieren, indem Strukturen von Tätigkeiten, Organisationen und Anforderungen in bestimmten Bereichen anschaulich beschrieben werden. Den Herausgebenden ist es dabei besonders wichtig, die Rede von der Theorie-Praxiskluft zu überwinden und aufzuzeigen, wie wichtig sozialwissenschaftliches Können und sozialwissenschaftliche Expertise in zahlreichen Berufsfeldern sind.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Teil A Studium und berufliche Orientierung

Frontmatter

Sozialwissenschaftliche Berufsfelder

Modelle zur Unterstützung beruflicher Orientierungsprozesse
Zusammenfassung
Die meisten Menschen müssen zur Befriedigung grundlegender Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung und Wohnung, also zur Sicherung der eigenen Existenz einer Erwerbstätigkeit in abhängigen und unabhängigen Beschäft igungsverhältnissen nachgehen, weil Vermögen und Ressourcen ein Leben ohne Hunger, Not und Sorgen führen zu können stark ungleich verteilt sind. Dies ist selbst in reichen, westlichen Industriegesellschaft en der Fall (vgl. Selke 2013), von einer globalen Perspektive ganz zu schweigen. Ulrich Beck nannte das die „Marktabhängigkeit in allen Dimensionen der Lebensführung“ (Beck 1986, S. 212). In Staaten mit einer fortschreitenden Tertiarisierung der Wirtschaft sstrukturen, liegen diese Tätigkeiten weitgehend in Dienstleistungsbereichen, deren Vielfalt schwer systematisierbar ist (vgl. Diaz Bone et al. 2004). Der Zugang zu den Tätigkeiten wird dabei fast ausschließlich über Qualifikationen geregelt, die ihren Ausdruck in Bildungs- und Ausbildungszertifikaten finden. Die Qualifikationsanforderungen steigen dabei stetig, und es ist absehbar, dass der Abschluss eines ersten berufsqualifzierenden Studiums die Hochschulreife ersetzen könnte, so wie das Verfügen über die Hochschulreife für den Zugang zu Ausbildungsberufen die mittlere Reife ersetzt hat (vgl. Voss und Wetzel 2013, S. 85).
Katrin Späte

Mit Bologna alles besser?

Soziologie von der Institutionalisierung zur Akkreditierung
Zusammenfassung
Vor genau 50 Jahren, im Jahr 1965, starteten einige Fachschaft svertreter der Sozialwissenschaft en im damaligen Verband Deutscher Studentenschaft en (VDS) eine Initiative, um Licht in die Frage zu bringen, was man denn mit Soziologie und Sozialwissenschaft en beruflich machen könnte: die erste Absolventenbefragung. Durch mühsame Recherchen bei Fachschaft en und Instituten wurden 636 Adressen von Absolventen, und möglicherweise auch einigen Absolventinnen, der Soziologie und Politikwissenschaft ausfindig gemacht und mit einem Fragebogen ‚ beglückt‘ . Die zentralen Fragen lauteten: „Welche Anstellungen folgten Ihrem Studium in zeitlicher Reihenfolge?“ und: „Geben Sie bitte für jede Anstellung an, wie wichtig Ihr sozialwissenschaft liches Studium für die Tätigkeit war oder ist“, mit einer dreistufigen Skala von „Keine Beziehung zu sozialwissenschaft lichem Studium“ bis zu „Sozialwissenschaft liches Studium war (ist) wesentliche Grundlage“ (Fragebogen Bl. 3).
Wolfram Breger

Gesucht: Soziologinnen und Soziologen?

Der Stellenmarkt in der Wochenzeitung „Die Zeit“ 2001 bis 2014
Zusammenfassung
Im Sammelband „Was werden mit Soziologie“ (Breger und Böhmer 2007) wurde bereits mit Daten aus dem Mikrozensus darüber berichtet, wo Erwerbstätige tätig sind, die ein sozialwissenschaft liches Studium abgeschlossen haben (Glöckner 2007). Dabei zeigte sich, dass sozialwissenschaft lich Qualifizierte in erheblichem Umfang in Berufen beschäft igt sind, auf die ihr Hochschulstudium nicht speziell zugeschnitten war, beispielsweise in kaufmännischen Berufen oder Medienberufen.
Norbert Schreiber

Erwartungen der Wirtschaft an Absolventinnen und Absolventen

Zusammenfassung
Der Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist vielfältig, undurchsichtig und manchmal nervenaufreibend – für Absolventen und Personaler gleichermaßen. So wenig wie es den einzigen passenden Job für alle Soziologen oder Sozialwissenschaft ler gibt, so wenig gibt es auch den perfekten Bewerber für Unternehmen. Jedes Unternehmen stellt andere Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Welche Kompetenzen erwartet werden, hängt von der Branche, der zu besetzenden Position sowie der Größe des Unternehmens ab. Es macht oft mals auch einen großen Unterschied, ob das Unternehmen international aufgestellt ist oder nicht.
Kevin Heidenreich

Teil B Sozialwissenschaft liche Berufsfelder

Frontmatter

Beruflichkeit und Kompetenzentwicklung

Die Aufgaben der Berufsbildungsforschung
Zusammenfassung
Eine Ausbildung zu absolvieren, die dazu befähigt, eine berufliche Tätigkeit mit anerkanntem Profil auszuüben sowie weitere berufliche und persönliche Kompetenzentwicklungsmöglichkeiten eröffnet, ist mehr denn je ein Schlüssel und Garant für gesamtgesellschaft liche Teilhabe und für eine angemessene Positionierung in modernen Gesellschaft en. Aus soziologischer Perspektive sind damit eine Reihe wichtiger gesellschaft licher Th emen im Bedeutungszusammenhang der (Berufs)Bildung verbunden: die Bestimmung von Lebensweisen und Lebenschancen, Verteilung von Einfluss und Macht, die Prägung von Selbst- und Weltverhältnissen der Menschen. Um diese Zusammenhänge begreifb ar zu machen, muss die Soziologie mit Disziplinen wie der Pädagogik, ökonomie, Psychologie, Politikwissenschaft zusammenarbeiten und sich mit politischen Rahmenbedingungen und Entscheidungen kontinuierlich auseinandersetzen. Th ematisch und institutionell ist das der Rahmen, innerhalb dessen im Bundesinstitut für Berufsbildung Berufsbildungsforschung ausgeübt und reflektiert wird.
Agnes Dietzen

Qualitative Marktforschung

Zusammenfassung
Die Branche der Marktforschung wird geprägt von Produktinnovationen verschiedener Unternehmen und dem Wandel unserer Lebensstile. Zunehmende Internationalisierung, Digitalisierung und der Trend der „big data“ bestimmen das Denken und Handeln in Unternehmen und somit auch in der Marktforschung.
Die Vielzahl der Konsumgüter, die in fortgeschrittenen Industriegesellschaft en vorhanden sind, stellt Unternehmen vor die Herausforderung, Produkte zu entwickeln die nicht nur einen praktischen, sondern auch emotionalen Mehrwert im Leben eines Konsumenten bieten (denken wir an Apple).
Tatiana Müller

Arbeiten bei einer Gewerkschaft

Zusammenfassung
Gewerkschaft en sind Zusammenschlüsse von abhängig beschäft igten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, zum Schutz ihrer Rechte und zum Ausbau der Vertretung ihrer Interessen, wenn sie ihre Arbeitskraft an andere zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen aller Art verkaufen. Gewerkschaft en entstanden im Zuge der Industrialisierung und der damit verbundenen Institutionalisierung des Prinzips des kapitalistischen Wirtschaft ens (vgl. Kocka 2013), dass die mögliche Regelungsbedürft igkeit des Wirtschaft ens zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse durch das Instrument des „freien Marktes“ erfüllt sieht, auf dem Angebot und Nachfrage aller an Wirtschaft Teilnehmenden Menge, Art und Preis von Gütern regeln. Im Wettbewerb der Möglichkeiten von Wirtschaft sstrukturen hat sich das kapitalistische Prinzip weitgehend durchsetzen können. Gewerkschaft en als Organisationen erfüllen daher eine wichtige Funktion beim Ausgleich von Interessenkonflikten zwischen den Teilnehmern an Wirtschaft sprozessen und ihren unterschiedlichen Handlungsspielräumen
Joyce Abebrese

Arbeiten für den Frieden

Mit Soziologie zur Friedensfachkraft
Zusammenfassung
Das Konsortium Ziviler Friedensdienst (ZFD) ist ein Zusammenschluss verschiedener Nicht-Regierungsorganisationen und als Teil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ausschließlich durch das Bundesministerium für wirtschaft liche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Es entsendet seine Fachkräfte weltweit, um gewaltsamen Konflikten ohne militärische Mittel zu begegnen. Seit Programmbeginn im Jahr 1999 waren rund 800 Friedensfachkräfte in Projekten vor allem in Lateinamerika, Afrika, dem Balkan und Südostasien aktiv1. Eine Ausbildung zur Friedensfachkraft ist beispielsweise bei der vom Forum Ziviler Friedensdienst getragenen Akademie für Konflikttransformation möglich. In Kursen und Trainings wird in der Akademie praxisbezogenes Handlungswissen für die zivile Konfliktbearbeitung in Krisengebieten vermittelt.
Philipp Zwehl

Friedensfachkraft: Zwischen Public Relations und Friedensarbeit

Zusammenfassung
„Irgendwas mit Medien“, das war lange Zeit der Berufswunsch vieler junger Menschen, insbesondere wenn sie aus den Sozial- und Geisteswissenschaft en kommen. Der Journalismus gilt dabei als die Königsdisziplin, jedoch ist jedem, der eine Zeitung liest klar, dass die Tage dieses edlen Berufes nicht nur gezählt, sondern längst vorüber sind. Am anderen Ende des Spektrums liegen die Bereiche Marketing und Werbung, die sich letztlich dem reinen Verkauf von Produkten widmen. Und irgendwo dazwischen, im Niemandsland der Medienbranche, existiert die PR, auch bekannt als „Public Relations“, in deutscher Sprache häufig als „öffentlichkeitsarbeit“ bezeichnet. Marketing kann in Werbung und Marktforschung unterschieden werden, ist also eher produkt-, kunden- und verkaufsbezogen, während PR als externe Kommunikation das Unternehmen oder die Organisation in den Mittelpunkt stellt und auf öffentliche Akzeptanz (z. B. als „Image-Pflege“) ausgerichtet ist. Beides hat seinen Ursprung in erwerbswirtschaft lichen Unternehmungen (vgl. Vollmer 2007), wird aber seit einigen Jahren zunehmend auch von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Verbänden praktiziert.
Johannes Rüger

Kritisches Gedankengut ist gesund für die Gesellschaft

Zusammenfassung
Frau Mikich, Sie sind seit vielen Jahren eine führende Persönlichkeit im deutschen Fernsehjournalismus und Journalismus überhaupt. Wie waren Sie zu Ihrer Zeit auf das Studium der Soziologie gekommen?
Das war ein bisschen der Zeitgeist. Mich interessierte, wie Gesellschaft funktioniert, wie Gesellschaft zusammenhält. Es gab Professoren, die mich darin begeisterten (Kurt Lenk, Karl-Siegbert Rehberg insbesondere, Kurt Hammerich). Mich interessierte die Sache.
Sonia Mikich, Wolfram Breger

Ein Traumberuf

Sportberichterstattung und Sendungsmanagement im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
Zusammenfassung
Das Erste, das ZDF und die dritten Programme: der öffentlich-rechtliche Rundfunk nimmt in der Fernseh-Landschaft einen bedeutenden Platz ein. Seit 1948 gibt es in Deutschland dieses System eines demokratischen Rundfunks, der für alle zugänglich sein soll. Die nach britischem Vorbild gegründeten Landesrundfunkanstalten übernahmen die Rolle der Besatzungssender der Alliierten und folgten somit Besatzungs- bzw. deutschem Recht und wurden als Anstalten des öffentlichen Rechts deklariert
Im Jahr 1950 wurde die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland gegründet, besser bekannt als die ARD. Diese setzte sich in ihrer Gründungsformation aus den sechs Landesfunkanstalten BR (Bayrischer Rundfunk), HR (Hessischer Rundfunk), NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk), RB (Radio Bremen), SDR (Süddeutscher Rundfunk) und SWF (Südwestfunk) zusammen.
Boris Inanici

Kürzer, knackiger, mutiger: Vom Soziologiestudium in den Journalismus

Zusammenfassung
Der Journalismus wird in schöner Regelmäßigkeit für tot erklärt. Mal ist es die scheinbar abnehmende Qualität, mal sind es neue Medien, die Anlass zur Sorge geben. Derzeit arbeiten in Deutschland nach Schätzungen des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) zirka 43.500 fest angestellte Journalistinnen und Journalisten. Mit rund 13.5000 bieten die Tageszeitungen die meisten festen Arbeitsplätze in diesem Bereich in Deutschland (Kaiser 2015). Diese gelten allerdings auch als besonders gefährdet. Das liegt nicht nur daran, dass es immer weniger Abonnentinnen und Abonnenten gibt, sondern vor allem daran, dass die Zeitungsverlage immer weniger Werbeanzeigen einholen können. Zeitungen finanzieren sich aber laut Schneider und Raue zwischen 50 und 60% aus dem Verkauf von Anzeigenplatz (vgl. Schneider und Raue 2012, S. 341). Weitere Arbeitsfelder im Journalismus in Deutschland sind: Anzeigenblätter und Zeitschrift en, ca. 9.000 Festangestellte; privater und öffentlicher Rundfunk, ca. 9.000; Pressestellen, ca. 7.000; Online/Multimedia, zirka 4.000 und Pressebüros und Agenturen, zirka 1.000.
Bianca Fritz

Energie-Fachinformation: Vermittlung mit System

Zusammenfassung
Der Markt für Fachzeitschrift en ist in der Bundesrepublik Deutschland mit 3.800 Titeln der größte der Welt. Die Fachmedienbranche erzielte im Jahr 2013 einen Umsatz von 3,2 Mrd. Euro. Davon entfielen 57% auf Fachzeitschrift en. Die Funktion einer Fachzeitschrift ist es, Ordnung in einer Welt riesiger, unüberschaubarer Informationsströme zu schaffen. Nach der Business-to-Business (B2B)-Entscheideranalyse 2014/15 der Deutschen Fachpresse sind Fachzeitschrift en nach wie vor „die wichtigste berufliche Informationsquelle der professionellen Entscheider und eine bedeutende Orientierungshilfe bei Entscheidungsprozessen“ (Deutsche Fachpresse 2015, S.3).
Franz Lamprecht

Kommunikation ist (fast) alles: Zwischen Politik und öffentlicher Verwaltung als Referentin des Bürgermeisters

Zusammenfassung
Die öffentliche Verwaltung bietet mit ihren vielfältigen Arbeitsbereichen zahlreiche interessante Einsatzfelder mit einem Abschluss in Soziologie oder Sozialwissenschaft: etwa in den Bereichen Personalverwaltung, Gleichstellungsarbeit, Informationstechnik, Statistische Datenerhebung und -aufb ereitung oder öffentlichkeitsarbeit sowie in speziellen Arbeitsbereichen wie Arbeitssicherheit, Gesundheitsberichterstattung, Sozial- und Jugendhilfe, Umweltschutz, Raum- und Regionalplanung beziehungsweise Stadtentwicklung/Verkehrsplanung etc. (vgl. Marquardt 2007. S. 143f.; vgl. Kügler und Kubitza, Geithner-Simbine und Grau in diesem Band). Die Beschäft igungsverhältnisse im öffentlichen Dienst werden nach dem allgemeinen Arbeitsrecht und den Tarifverträgen, die von den öffentlichen Arbeitgebern und Gewerkschaft en ausgehandelt werden, geregelt. Das Einkommen der Beschäftigten des Bundes, der Länder oder der Kommunen richtet sich nach der Eingruppierung in Entgeltgruppen und Stufen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). In welche Entgeltgruppe und in welche Stufe jeweils eine Einordnung erfolgt, hängt davon ab, welcher Ausbildungsabschluss für die Stelle vorausgesetzt wird, welche Berufserfahrungen vorliegen, und mit welcher Leitungsverantwortung die Aufgaben verbunden sind.
Paula Wiesemann

Die kommunale Gleichstellungsbeauftragte – Institutionalisierung der Gleichstellung

Zusammenfassung
Der Institutionalisierung der Gleichstellung von Frauen und Männern ging ein langer Prozess voraus. Ihre Entwicklungsschritte stehen dabei in engem Bezug zur Geschichte der Frauenbewegung: Einer internationalen Entwicklung vorausgehend, ging Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre aus aktiven Frauengruppen in Deutschland die „neue Frauenbewegung“ hervor. Sie wollte aktiv auf die Politik Einfluss nehmen und forderte Politik, Medien und öffentlichkeit zu einer Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen heraus (vgl. Gerhard 2008, S. 5). Seit Mitte der 1970er Jahre forderten die Frauen seitens Verbänden, Gewerkschaft en und Parteien mit der Einrichtung von Gleichstellungsstellen in der öffentlichen Verwaltung eine stärkere Verankerung der Geschlechterfrage auf struktureller Ebene. Auch die vom deutschen Bundestag eingerichtete Enquête-Kommission „Frau und Gesellschaft “ mit dem Auft rag, Vorschläge für die rechtliche und soziale Gleichberechtigung von Frauen zu erarbeiten, hat 1980 nachdrücklich die Einsetzung einer obersten Bundesbehörde bis hin zu Gleichstellungsstellen auf kommunaler Ebene gefordert (vgl. Deutscher Bundestag, DS 11/4893 S. 4, 17; von Wrangel, 2012, S. 19). Frauenpolitische Verwaltungseinheiten entstanden in dieser Zeit zwar in ersten Ansätzen, meist in Form von Frauenreferaten, staatliche Frauenpolitik war zu dieser Zeit jedoch noch nicht als eigenständiges Politikfeld etabliert und wurde von den jeweils in ihrer Zuständigkeit betroffenen Fachressorts betrieben (vgl. Geppert & Lewalter, 2012, S. 7; Deutscher Bundestag, DS 11/4893, S. 4). Erst mit der Erweiterung des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit um das Bundesfrauenministerium im Jahre 1986, wurde auf Bundesebene ein eigenständiges Ressort und Politikfeld im Bereich der Frauenpolitik geschaffen, welches als zentrale Gleichstellungsstelle der Bundesregierung im Sinne der Enquête-Kommission angesehen werden kann.
Mandy Geithner-Simbine

Stadt- und Verkehrsplanung in der öffentlichen Verwaltung

Zusammenfassung
Eine Stadtverwaltung als Teil der öffentlichen Verwaltung „ist das Ergebnis eines langen historischen Entwicklungsprozesses“ wie Renate Mayntz es in ihrer klassischen „Soziologie der öffentlichen Verwaltung“ formuliert (Mayntz 1978, S. 12) und sie unterlag seit der Nachkriegszeit unterschiedlichen Reformen. In ihrer Studie über Innovationen in der Verwaltung unterscheidet Jutta Bott vier Entwicklungslinien von Reformen in der Bundesrepublik Deutschland, die bis heute auf die eine oder andere Weise und in unterschiedlichem Maß das Geschehen prägen. Hervorzuheben sind darunter das grundsätzliche Bemühen um einen Abbau von Bürokratie zur Verwaltungsvereinfachung ab dem Jahr 1975, auch bekannt unter dem Schlagwort „Schlanker Staat“ (vgl. Bott 2013, S. 12), ergänzt um das Leitbild mehr Bürgerorientierung als „Aktiver Staat“ ab dem Jahr 1978 (vgl. Bott 2013, S. 13) und schließlich das so bekannte wie vielfach kritisierte und beforschte „New Public Management“ ab dem Jahr 1991 (vgl. dies, S.16). All diese Reformansätze beeinflussen neben den Vorgaben der Europäischen Gemeinschaft auf supranationaler Ebene, die Organisationsstrukturen und Ziele von öffentlichen Verwaltungen auf den drei Ebenen von nationaler regierungspolitischer Kompetenzverteilung in Deutschland: den Kommunen, den Bundesländern und dem Bund.
Ingeborg Grau

Gesundheits- und Sozialplanung im Ennepe-Ruhr-Kreis

Zusammenfassung
Die Umsetzung regierungspolitischer Vorhaben und gesetzlicher Vorgaben in der föderalistischen Bundesrepublik Deutschland sind grundsätzlich im Hinblick auf drei Ebenen unterscheidbar: der Bundes- und Landesebene und der kommunalen Ebene. Die Struktur und Funktion einer weiteren Ebene, eines Kreises sei im Folgenden kurz beschrieben, um die Tätigkeiten im Bereich Gesundheit und Soziales im Rahmen einer Kreisverwaltung einordnen zu können. Gehen nämlich zu erfüllende Aufgaben über die Kapazitäten von Kommunen hinaus, werden die Aufgaben von Kreisverwaltungen übernommen. Kreise sind damit als „selbstverwaltete kommunale Gebietskörperschaft en“ (Kost und Wehling 2010, S. 232) zu verstehen, die Aufgaben erfüllen wie beispielsweise im Bereich der Gesundheits- und Sozialplanung, der Wirtschaft sförderung oder der Finanzierung von regionalen Museen (vgl. ebd.). Der Kreistag ist mit einem Landtag als Volksvertretung vergleichbar, an der Spitze des Kreistags steht der Landrat. Einem Kreistag gehören die gewählten Parteien als Kreistagsfraktionen und der vom Kreistag gewählte Landrat (oder die Landrätin) als Vertretung des Kreises (analog der Funktion des Bürgermeisters bzw. Oberbürgermeisters in einer Kommune) an.
Katrin Johanna Kügler, Margarethe Kubitza

Kommunale Sozialplanung

Zusammenfassung
In dem 1986 von Ursula Feldmann im Auft rag des Deutschen Vereins für öffentliche und Private Fürsorge herausgegebenen „Handbuch der örtlichen Sozialplanung“ (Feldmann 1986), das nach wie vor die umfangreichste Handreichung zur kommunalen Sozialplanung darstellt, wird Sozialplanung zunächst als Handlungsform auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene begriffen, wobei auf der kommunalen Ebene – wie in anderen Handlungsbereichen auch – vielfach nur auf gesetzliche Vorgaben und Entwicklungen auf der Ebene des Bundes und des jeweiligen Landes reagiert werden kann.
Manfred Wittmann

Unternehmen: Mit Soziologie ins Management

Zusammenfassung
Management ist der Beruf, der die Organisationen der modernen Gesellschaft wirksam macht, und es ist der Managementanteil in jedem Beruf, der die Menschen innerhalb von Organisationen wirksam werden lässt. Dieser grundsätzlichen Definition von Fredmund Malik (Malik 2006, S. 14) folgend wird deutlich, dass Management einen harten Kern im Personalmanagement und in der Organisationsentwicklung hat.
Dabei bezieht sich „Management“ nicht nur auf Unternehmen oder Betriebe, sondern ist überall dort Bestandteil praktischen Handelns, wo Menschen in strukturierten Zusammenhängen zusammenarbeiten. Also auch in Verbänden, Vereinen, Gewerkschaft en, Kirchen, Parteien, Sozietäten, Praxen usw. gibt es Management.
Florian Böllhoff

Freiberuflichkeit mit Soziologie: Chancen und Risiken der Selbständigkeit

Zusammenfassung
Selbständig-freiberufliche Tätigkeiten sind im Dienstleistungssektor angesiedelt, dessen Expansion als charakteristisch für die nach-industrielle Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft angesehen wird. (Vgl. Bell 1975) Ihre Anzahl hat sich auch in Deutschland kontinuierlich erhöht: von 210.000 Personen 1950 (alte Bundesrepublik) über 550.000 Personen 1994 auf mehr als eine Million im Jahr 2008 (Deutschland gesamt, vgl. Abb. 1). Für das Jahr 2013 zählt der Berufsverband der Freien Berufe, gestützt auf Zahlen des Instituts für Freie Berufe (IFB), Nürnberg, über 1.200.000 Personen.
Jürgen Lehmann

Mit Soziologie ins Hochschulmanagement

Zusammenfassung
Der eigene berufliche Weg erscheint schon einmal als Reise durch ein Wunderland – im positiven Sinn. Das in diesem Beitrag vorgestellte Berufsfeld beschreibt daher auch nur einen möglichen Pfad durch und in einen Tätigkeitsbereich, der in den letzten Jahren zunehmend auch durch Quereinstiege erobert wird und eine eigene „berufliche Identität“ unter der Bezeichnung Hochschulmanagement und Wissenschaft smanagement entwickelt.
Das hochschulische Bildungssystem als sogenannter tertiärer Bildungsbereich soll zunächst kurz als zugrunde liegende Rahmenbedingung für das vorgestellte Berufsfeld beschrieben werden, bevor es dann um die konkreten Tätigkeiten und einen möglichen Weg in das Berufsfeld Hochschulmanagement geht.
Annette Pietsch

Berufung zu Freiheit und Vielfalt: Soziologieprofessur an einer Universität

Zusammenfassung
Die Berufung auf eine Professur an einer Universität bedeutet, vielfältige Aufgaben in Lehre, Forschung, wissenschaft licher Gemeinschaft und universitärer Selbstverwaltung zu erfüllen. Diese Vielfalt der Aufgaben kann für die Person, die sie ausführt, äußerst reizvoll sein, birgt aber gelegentlich auch die Gefahr der individuellen überforderung. Grundsätzlich gilt in Deutschland die Freiheit von Forschung und Lehre, d. h. Wissenschaft lerinnen und Wissenschaft ler können sowohl die Inhalte von Forschung als auch die Inhalte der Lehre selbst bestimmen. So ist es als Grundrecht im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Artikel 5, Satz 3 festgelegt. Inwieweit diese Freiheit auch in Zeiten der Bologna-Reformen noch gegeben ist und wie überhaupt das Amt einer Universitätsprofessorin bzw. Hochschullehrerin strukturiert und auszuführen ist, das wird im Folgenden genauer beschrieben.
Birgit Blättel-Mink

Alterssoziologie hat Zukunft

Zusammenfassung
Das Th ema „Alter(n)“ hat Konjunktur. Es ist für viele das Zukunft sthema. Im Jahr 2011 betrug der Anteil an Seniorinnen und Senioren, Menschen die 65 Jahre oder älter sind, an der Gesamtbevölkerung 20,6% und ist somit umfänglicher als der Anteil der heranwachsenden Menschen unter 20 Jahren mit einem Anteil von 18,2% (vgl. Datenreport 2013, S. 16). Gleichzeitig beläuft sich die durchschnittliche Lebenserwartung für Mädchen auf 82,7 Jahre und bei Jungen auf 77,7 Jahre (Datenreport 2013, S. 21). Die objektiven Lebensbedingungen und die Selbstbewertung der Menschen im Alter haben sich dramatisch verändert. Sowohl der selbständig, ja sogar der sich zivilgesellschaft lich engagierende als auch der fürsorglich abhängige hilfe- bzw. pflegebedürft ige Anteil alter Menschen hat sich erhöht (Datenreport 2013, S. 31, S. 354). Da der Untersuchungsgegenstand der Gerontologie somit für jeden sichtbar expandiert, konnte sich auch die Alterssoziologie seit den 1960er Jahren differenziert entwickeln. Die beruflichen Handlungsmöglichkeiten für Soziologinnen und Soziologen nehmen kontinuierlich zu.
Jörg Peter

Wildern im Revier der Historiker: Das Museum als Arbeitsfeld

Zusammenfassung
In Deutschland gibt es zurzeit über 6.300 Museen. Sie sind in unterschiedliche Kategorien eingeordnet. Grob wird zwischen Kunstmuseen, kulturhistorischen Museen, naturwissenschaft lichen oder technikhistorischen Museen, Freilichtmuseen, Schloss- oder Burgmuseen und Spezialmuseen unterschieden. Auch die Trägerschaft ist weit gefächert: sowohl Bund, Länder, Städte und Kommunen, als auch öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Stift ungen und Vereine treten als Museumsträger auf. Im Jahr 2012 wurden in den deutschen Museen 112.807.633 Besuche erfasst (vgl. Institut für Museumsforschung 2012). Zum Vergleich: Dies ist ein Vielfaches der jährlichen Besuchszahlen der ersten und zweiten Herrenfußballbundesliga zusammengenommen.
Thomas Drerup

Teil C Soziologie in europäischer Perspektive

Frontmatter

Soziologiestudium und Berufsaussichten in Finnland

Zusammenfassung
In Finnland haben Forschung und Lehre im Bereich der Gesellschaft swissenschaft en im Rahmen von einzelnen Wissenschaft sbereichen bereits unter schwedischer Herrschaft begonnen. Die erste Professur der Wirtschaft swissenschaft en wurde bereits im Jahr 1747 an der Åbo Akademi gegründet. Der Lehrstuhl war damals viel umfassender als es später bei der Volkswirtschaft slehre der Fall war.
Von unabhängigen Gesellschaft swissenschaft en war damals noch nicht die Rede. Der erste Inhaber des Lehrstuhles für Wirtschaft swissenschaft en war der bekannte Naturwissenschaft ler Pietari Kalm. Mit der Lehre der Statistik wurde im Jahr 1886 und mit der Lehre der Soziologie im Jahr 1890 begonnen, als Edward Westermarck zum Dozenten der Soziologie ernannt wurde.
Juhani Laurinkari

Soziologie in Frankreich: Ausbildung, Beschäftigung und Praxis

Zusammenfassung
Die Institutionalisierung der Soziologie in Frankreich als universitäre Disziplin kann auf das Jahr 1958 datiert werden, dem Jahr der Einführung des Abschlusses „Licence“ und der Promotion. Bis in die 1980er Jahre hinein bleibt die Soziologie wesentlich akademisch, mit anderen Worten orientiert an universitärer Forschung und Lehre. Heute hat sich die Soziologie breit diversifiziert, sowohl im Hinblick auf die Studiengänge als auch im Hinblick auf die beruflichen Aussichten. Sie hat sich professionalisiert, indem sie sich auf Ausbildungsgänge und berufliche Perspektiven ausgerichtet hat, um Studierende auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Zu einem großen Teil hat sich diese Entwicklung aus staatlichen und europäischen Reformen im Kontext des Bologna-Prozesses ergeben. Im Jahr 2005 wurde das Gesetz zur Vereinheitlichung der Studienabschlüsse (LMD) verabschiedet, zwei Jahre später das Loi Pecresse (loi relative aux libertés et responsabilités des universités, LRU), ein Gesetz zur Freiheit und Verantwortung von Universitäten. Im Folgenden werden die aktuelle Ausbildungssituation, die beruflichen Aussichten sowie Handlungsfelder beschrieben. Verweise auf historische Entwicklungen und der Vergleich mit anderen Gesellschaft swissenschaft en dienen dazu, die neueren Entwicklungen besser nachvollziehen zu können. Um die Situation der Soziologie in der Gegenwart zu beschreiben, werden statistische Daten zu Studierendenzahlen, zur Anzahl erworbener Abschlüsse und Berufsaussichten von Absolventinnen und Absolventen der Soziologie dargestellt.
Odile Piriou

Studying and Practicing Sociology in Spain

Zusammenfassung
This chapter provides an overview of sociological studies and sociological practice in Spain. Our aim is to help and make information available to students, graduates and practitioners that are interested in coming to Spain for purposes of study, training, research internships, and career development in different sectors of the labor market.
Some important facts that sociologists wishing to come to Spain should take into account is that our history and context are important issues for both studying and working. Spain offers a vibrant and diverse arena for learning and practicing sociology, although the peculiarities of the universities and the labor market have important implications. Sociology is a very young official degree when compared to other European countries.
Manuel Fernández-Esquinas, Lucila Finkel, Marius Domínguez-Amorós, José Antonio Gómez-Yánez

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