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Über dieses Buch

Das Handbuch liefert einen umfassenden Einblick in zentrale Theorien, Forschungsfelder, Methoden und aktuelle Herausforderungen der Visuellen Kommunikationsforschung. Ziel ist es, einen State of the Art-Überblick über das dynamische Forschungsfeld zu geben, dabei traditionelle wie innovative Themenbereiche abzubilden, methodische Anleitungen zu geben und für kritische Aspekte der visuellen Forschung zu sensibilisieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Visuelle Kommunikationsforschung – ein interdisziplinäres Forschungsfeld

Einleitung in das Handbuch Visuelle Kommunikationsforschung

In gegenwärtigen, stark visualisierten Gesellschaften spielen Bilder nicht nur in der massenmedialen, sondern auch in der interpersonalen Kommunikation (ob nun medial vermittelt oder nicht) eine besondere Rolle. Gerade der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Erforschung von medial vermittelter visueller Kommunikation und ihrer Produktion, Aneignung, Rezeption und Wirkungen kommt deshalb besondere Bedeutung zu. Dieser einleitende Beitrag skizziert die Forschungstradition und Geschichte der Visuellen Kommunikationsforschung und gibt einen Überblick über die einzelnen Kapitel des Handbuchs Visuelle Kommunikationsforschung.

Katharina Lobinger, Rebecca Venema

Visuelle Kommunikationsforschung: Theoretische Grundlagen und Ansätze

Frontmatter

Bilder zwischen Zeichen, Handlungen und Praktiken

Grundbegriffe einer handlungsorientierten visuellen Kommunikationsforschung

Der Beitrag skizziert einen theoretischen Rahmen für die handlungsorientierte Betrachtung und die empirische Analyse visueller Kommunikation. Zuerst werden eine Bestandsaufnahme handlungsorientierter Zugänge sowie zeichen-, handlungs- und praxistheoretische Grundlagen im interdisziplinären Forschungsfeld vorgestellt. Die handlungsorientierte Betrachtung von Bildpraktiken wird anschließend am Beispiel bildbezogener Social-Media-Interaktionen auf Twitter veranschaulicht. Damit wird exemplarisch verdeutlicht, dass eine handlungsorientierte Betrachtung visueller Alltagskommunikation multimodal ausgerichtet sein muss.

Daniel Pfurtscheller

Digitalisierung, Mediatisierung und die vielen offenen Fragen nach dem Wandel visueller Alltagskultur

Eine zentrale Rahmenbedingung gegenwärtiger visueller Kultur ist zweifelsohne die Digitalisierung. Angesichts des Stellenwerts von Bildlichkeit in nahezu allen Bereichen von Kultur und Gesellschaft liegt es nahe, von einem „visuellen Zeitalter“ zu sprechen. Vor diesem Hintergrund führt der Beitrag zunächst die Mediatisierungsperspektive ein, um einen realistischen Blick für Fragen von Kontinuität und Wandel bildlicher und bildbezogener Alltagskultur im Kontext von Digitalisierung zu entwickeln. Vorgestellt und erläutert werden im Anschluss ausgewählte Tendenzen und Forschungsfelder, die es weiter zu erschließen und zu kartografieren gilt.

Wolfgang Reißmann

Bilder von Emotionen – Emotionen durch Bilder Eine interdisziplinäre Perspektive

Emotionen in Bildern, sich visuell manifestierende Emotionen, stellen ein komplexes, interdisziplinäres Forschungsfeld dar. Der folgende Beitrag trägt dieser Komplexität Rechnung und gibt einen Überblick über die relevanten Forschungsperspektiven zum Thema visuelle Darstellung von Emotionen, um Erkenntnisse zur Entstehung von Emotionen und zur Bedeutung visueller Kommunikation im Kontext medial evozierter Emotionen darzulegen. Die psychologische Perspektive wird um die soziologische erweitert, um emotionale Darstellungen in Massenmedien und ihr Einflusspotenzial zu erkunden. Hierzu werden aktuelle Ansätze zum komplexen Wechselverhältnis der Darstellung von Emotionen und Wirkung von Bildern auf Emotionen in der kommunikationswissenschaftlichen Analyse diskutiert.

Katrin Döveling

Retro, Vintage, Nostalgie

Zur visuellen Kommunikation des Vergangenen und des Vergehens

Erinnerungskulturen sind maßgeblich durch visuelle Medien geprägt und die meisten Gesellschaften erinnern im Zuge der Digitalisierung zunehmend anhand von Bildern. Dieser Beitrag diskutiert vier Vergangenheitszugänge von Bildern: die Vergangenheit von visuellen Medien an sich (Archivfunktion/Akkumulation), die (Re-)Konstruktion des Vergangenen durch Archivbilder, die formal-ästhetische Imitation des Vergangenen und fiktive Bilder als Imagination der Vergangenheit. Am Beispiel von Vintage- und Retrobildern wird geklärt, wie sich diese Vergangenheitszugänge in unterschiedlichen medialen Kontexten und Bildästhetiken zeigen und inwiefern daran ein gesellschaftliches Bedürfnis nach Nostalgie ablesbar ist.

Manuel Menke, Katharina Niemeyer

Visuelle Authentizitäten und die Rolle kontextspezifischer Authentizitätsmarker in der visuellen Kommunikation

Fotografien gelten als besonders authentisch, da sie es vermeintlich vermögen, eine präzise, wahrheitsgetreue und unvermittelte Repräsentation der Wirklichkeit zu erzeugen. Andererseits eignen sich Fotografien auch hervorragend dazu, trotz Inszenierung und Manipulation einen authentischen Eindruck zu erwecken. Um sich dem Thema „visuelle Authentizität“ zu nähern, präsentiert der Beitrag unterschiedliche theoretische Konzepte von Authentizität und diskutiert ihre Anwendbarkeit auf visuelle Kommunikation. Authentizität ist, dem Verständnis des vorliegenden Beitrags nach, ein situiertes und veränderbares soziales Konstrukt, dessen Authentizitätsmarker je nach Kontext und Publikum unterschiedlich interpretiert werden.

Benjamin Krämer, Katharina Lobinger

Themenfelder der Visuellen Kommunikationsforschung

Frontmatter

Fotojournalismus und journalistische Bildkommunikation in der digitalen Ära

Journalismus ist ein zentrales Feld Visueller Kommunikationsforschung. Der Beitrag gibt einen Überblick über das Feld (foto-)journalistischer Bildkommunikation und stellt theoretische Perspektiven und Befunde zu den Strukturen, Arbeitsweisen und Routinen fotojournalistischer Bildproduktion und -distribution sowie zu Normen journalistischer Bildpublikation vor. Das Feld durchlebt aktuell unter Bedingungen der Digitalisierung tief greifende Veränderungen, die sowohl die Praxis als auch die Visuelle Kommunikationsforschung herausfordern.

Elke Grittmann

Terror der Bilder – Visuelle Kommunikation in Krieg und Terrorismus

Am 8. September 1972 wird mit dem Blutbad in München ein neues Kapitel der politischen Ikonografie eröffnet. Palästinensische Terroristen planen bei ihrem Anschlag auf israelische Sportler bei den XX. Olympischen Sommerspielen die mediale und insbesondere die Bildberichterstattung mit ein. Spätestens mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist die vormalige Trennungslinie zwischen Krieg und Terrorismus nicht mehr existent. Die Kommunikationswissenschaft hat sich bislang vorrangig mit Kriegsberichterstattung beschäftigt und entdeckt erst langsam die allgemeine Frage nach der visuellen Dimension in der Propagierung, Vermittlung und Kritik gewaltsamer Akte. Der Beitrag liefert einen Überblick über den Forschungsstand im Bereich konflikthafter und gewalttätiger Bildkommunikation. Dabei werden unterschiedliche Kanäle der Bilddistribution mit ihren Akteuren herausgearbeitet. Ein Fazit mit einem Ausblick auf die wichtigsten Fragestellungen zukünftiger Forschung beschließt den Beitrag.

Marion G. Müller, Thomas Knieper

Das Bild in der politischen Kommunikation

Der vorliegende Beitrag beleuchtet die Rolle von Bildern in der politischen Kommunikation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Neben verschiedenen theoretischen Zugängen wird die generelle Relevanz der visuellen politischen Kommunikation verdeutlicht. Inhaltliche Aspekte sowie Wirkungen visueller Darstellungen politischer Akteure werden unter Rückgriff auf empirische Daten dargelegt, wobei drei Darstellungsebenen (formale, personengebundene, inhaltliche Ebene) unterschieden werden. Die Bedeutung jeder Darstellungsebene wird zudem aus der Perspektive politischer und medialer Akteure sowie der RezipientInnen aufgezeigt und anhand von Beispielen aus der politischen Skandalforschung vertieft.

Christian von Sikorski, Cornelia Brantner

Werbebilder in der Kommunikationsforschung

Die Ästhetik und Wirkformen des modernen Werbebildes

Dem Bild fällt als treibende Kraft im Persuasionsprozess eine besondere Rolle in der Werbung zu. Wie im ersten Teil dieses Beitrages aufgezeigt wird, setzen Werbetreibende gezielt außergewöhnliche Ästhetik im Bild ein, um Aufmerksamkeit zu erregen und sie nutzen visuelle Rhetorik, um Produkte mit Assoziationen und Emotionen aufzuladen. Doch auch Wiedererkennung und Erinnerung von bildlichen Elementen sind im Vergleich zum reinen Text stärker. Dies wird deutlich von der hier erklärten Picture Superiority Theorie gezeigt. Doch die assoziative Logik von Bildern kann auch zu Fehlschlüssen führen. So beleuchtet der letzte Teil des Kapitels, wie Werbung zur Reproduktion von Stereotypen beitragen oder RezipientInnen in die Irre führen kann, was wir am Thema Greenwashing beispielhaft aufzeigen.

Mira Mayrhofer, Alice Binder, Jörg Matthes

Visuelle Unternehmenskommunikation

Visuelle Kommunikation als strategisches Instrument der Marken- und Unternehmenskommunikation

Der Aufbau und Erhalt einer klaren Identität, das Differenzieren von der Konkurrenz sowie das Erreichen von Aufmerksamkeit werden als Kernfunktionen Visueller Kommunikation im Marken- und Unternehmenskontext präsentiert. Das begriffliche Verständnis wie auch das Modell und die dargelegten ganzheitlichen Anwendungsfelder der Visuellen Unternehmenskommunikation gehen daher deutlich über die Ebene der dekorativen Ästhetik hinaus und präsentieren visuelle Kommunikation vielmehr als strategisches Instrument der Marken- und Unternehmenskommunikation. In Zeiten der Informationsüberlastung und gesättigter Märkte mit austauschbaren Produkten (etwa in Bezug auf Kernnutzen, Qualität, Preis) und Dienstleitungen wird die ökonomische Bedeutung visueller Kommunikation für die Marken- und Unternehmenskommunikation evident.

Alexander Berzler

Bilder in medial vermittelter Alltagskommunikation

Das Herstellen und Übermitteln von Bildern, insbesondere Fotografien, hat seit Beginn des Digitalisierungsprozesses stetig zugenommen und ist inzwischen alltägliche Praxis im Leben moderner Individuen. Im Zuge des sogenannten Web 2.0 bzw. unter dem Stichwort Social Media – verbunden mit der steigenden Beliebtheit von Smartphones und Foto-Apps – sind Bilder inzwischen wesentlicher Bestandteil von Alltagskommunikation. Der Beitrag thematisiert insbesondere den gegenwärtigen Trend zur Selbstvisualisierung, der unter dem Begriff „Selfie“ bekannt wurde.

Ulla Patricia Autenrieth

Photo Sharing

Visuelle Praktiken des Mit-Teilens

Mit der vernetzten Fotografie, also der Konvergenz aus digitaler Fotografie, mobiler Kommunikation und Social Media, ist das Teilen von Fotos heute selbstverständlicher und zunehmend sichtbarer Teil der alltäglichen Kommunikation geworden. Der vorliegende Beitrag zeigt die Vielfalt an Photo-Sharing Praktiken auf. Dazu gibt er zunächst einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Photo Sharing. Daran anschließend werden unterschiedliche Dimensionen, anhand derer sich Photo Sharing systematisieren lässt, vorgestellt: Anhand 1) des räumlichen Bezugs der am Prozess Beteiligten, 2) des Zeitbezugs, 3) des Umfangs des Publikums bzw. der AdressatInnen und 4) der Modi des Sharing. Der Beitrag schließt mit einer Reflexion der Implikationen für die aktuelle kommunikations- und medienwissenschaftliche Forschung.

Katharina Lobinger, Maria Schreiber

Visuelle Wissenschaftskommunikation

Zur visuellen Darstellung von Wissenschaft, ihrer Produktion, Nutzung und Wirkung

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Produktion von Bildern in der Wissenschaftskommunikation sowie mit deren Inhalten und Wirkungen. Dabei wird unterschieden zwischen wissenschaftlichen Bildern und Bildern von WissenschaftlerInnen und Wissenschaft sowie zwischen an die Wissenschaftsgemeinschaft und an die breitere Öffentlichkeit bzw. ein Laienpublikum gerichteten Wissenschaftsbilder. Manche Bilder werden so prominent in der öffentlichen Kommunikation verwendet, dass sie ikonischen Status erreichen, wie etwa der Eisbär auf der Eisscholle. Wissenschaftsbilder können im Idealfall bei RezipientInnen Aufmerksamkeit erwecken und zu einem besseren Verständnis von Wissenschaft führen. Der Beitrag bietet einen Überblick über den Forschungsstand, der sehr heterogen ist und von gut erforschten Feldern, wie der visuellen Klimawandelkommunikation, bis zu weniger erforschten Bereichen, in denen es bestenfalls Einzelfallstudien gibt, reicht.

Julia Metag

Wissenschaftliche Bilder und die Visualisierung komplexer Daten

Blickt die Visuelle Kommunikationsforschung auf wissenschaftliche Bilder, werden Fragen virulent, die den visuellen Produktions-, Präsentations- und Kommunikationsprozess sowie die verbundenen Medienwirkungen betreffen (Müller und Geise 2015, S. 15): Wie wird Wissen sichtbar gemacht? Wie werden wissenschaftliche Bilder produziert, präsentiert und vermittelt? Wie rezipiert, angeeignet und verstanden? Welche Folgen ergeben sich daraus? Diesen Fragen haben sich v. a. ForscherInnen der Kunstgeschichte, der Visuellen Soziologie, der Bildwissenschaft sowie der Wissenschaftsforschung gewidmet. Im Analyseinteresse stehen die Produktion, Genese und Kommunikation von „visuellem Wissen“, die spezifischen Funktionen, die wissenschaftliche Bilder erfüllen sowie ihre Verortung im Forschungsprozess. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Bilder in ihren wissenschaftlichen und sozialen Kontexten Erkenntnis generieren, Wirklichkeit konstruieren und sozialen Sinn erzeugen, welche Chancen und welche Risiken mit dem Einsatz von Visualisierungen verbunden sind.

Stephanie Geise

Multidisziplinäre Forschungsperspektiven auf Infografiken und Datenvisualisierungen

Infografiken und Datenvisualisierungen zeichnen sich durch ihre visuelle Evidenz und Anschaulichkeit aus. Sie zeigen auf Anhieb, was Texte nur unzureichend zeigen können: Strukturen, Zusammenhänge, Relationen, Proportionen, Prozesse. Erst die Visualisierung von Daten und Informationen macht diese zugänglich und verständlich. Das grafische Vokabular von Infografiken und Datenvisualisierungen besteht aus Punkten, Linien und Flächen in unterschiedlichen Größen, Farben und Formen. Der Beitrag verortet Infografiken und Datenvisualisierungen in ihren unterschiedlichen Forschungskontexten, beleuchtet sie aus historischer Perspektive und liefert definitorische Grundlagen.

Wibke Weber

Visual Storytelling in der Kommunikationsforschung

So wie andere Kommunikationsformen, hat das Digitale auch die Praxis des Geschichtenerzählens verändert. In diesem Beitrag skizzieren wir das Forschungsfeld, das sich mit digitalem Geschichtenerzählen beschäftigt, und arbeiten dieses in Hinblick auf visuelle Aspekte des digitalen Geschichtenerzählens auf. Dabei ziehen wir zum einen den Forschungsstand zu klassischen Formen digitaler Erzählungen, die in Workshops produziert werden, heran sowie, zum anderen, jenen zu digitalen Geschichten in Foren, Blogs und sozialen Netzwerkseiten.

Cigdem Bozdag, Sigrid Kannengießer

Comics und Karikaturen in der Kommunikationsforschung

Comics und Karikaturen sind visuelle Darstellungen von Handlungen, Situationen und Akteuren. Beide haben unterschiedliche historische Entwicklungen, Verwendungen und Zugänge. Comics weisen narrative Strukturen auf. Ihre wissenschaftliche Betrachtung zielt auf das Verständnis der Erzählweisen und der soziokulturellen Entstehungs- und Rezeptionsbedingungen. Ebenso steht die Ästhetik der Darstellung im Fokus, was Comics der Kunstgeschichte und -wissenschaft zugänglich macht. Karikaturen kann man der politischen Kommunikation zuordnen. Dies zieht Betrachtungsweisen nach sich, die auf das Verstehen der kulturellen Verwendung ausgerichtet sind. Fragen zwischen Meinungsfreiheit und Verantwortung gehören ins Spektrum dieser Auseinandersetzung.

Clemens Schwender, Doreen Grahl, Thomas Knieper

Theoretische Perspektiven auf mediale Geschlechterbilder

Das Doing Gender und die symbolische Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit in und durch Medien sind für die sich seit den 1970er-Jahren im deutschsprachigen Raum etablierenden Gender Media Studies zentral. Dabei ist im deutschsprachigen Raum nicht nur die stärker sozialwissenschaftlich orientierte Kommunikationswissenschaft als „kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung“ mit dem Zusammenhang von Kommunikation, Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht befasst, sondern auch die geistes- und kulturwissenschaftlich verortete Medienwissenschaft. Im Folgenden wird von Gender Media Studies die Rede sein (Lünenborg und Maier 2013), um transdisziplinäre wie transnationale Perspektiven zu ermöglichen. Der Beitrag liefert zunächst einen Überblick über frühe kommunikationswissenschaftliche Studien zu Geschlechterbildern und -stereotypen. Daran anschließend werden verschiedene Theorien, Ansätze und Perspektiven innerhalb der transdisziplinären Forschungsfelder Visuelle Kommunikationsforschung und Geschlechterforschung vorgestellt. Abschließend werden Herausforderungen der Gender Media Studies mit Blick auf die Forschung zu Geschlechterbildern und Medien diskutiert.

Tanja Maier, Martina Thiele

Körperbilder in der Kommunikationsforschung

Der Beitrag unternimmt den Versuch einer Systematisierung der visuellen Körperbildforschung in der Kommunikationswissenschaft. Es werden die Besonderheiten einer Körperbildforschung unter kommunikationswissenschaftlicher Prämisse herausgearbeitet sowie relevante Theorie- und Forschungsansätze und ihre disziplinären Bezüge vorgestellt. Zudem verdeutlichen beispielhafte Forschungsfelder die aktuellen methodischen Herausforderungen und auch Ansprüche an die Theoriebildung für den Konnex Mensch-Körperbild-Medien.

Dagmar Hoffmann

Visuelle Stereotype in der Kommunikationsforschung

Stereotype sind einfache Muster, die aktiviert werden, wenn Wahrnehmungen in Kategorien eingeteilt werden, die ihrerseits Grundlage für Einstellungen und Handlungen sein können. Das geht meist schnell, ist aber auch nicht immer akkurat. Walter Lippmann hat den Begriff in die Publizistik eingeführt und ausführlich beschrieben. Um Ausprägungen und Verwendungsweisen zu diskutieren, konzentriert sich das Kapitel auf Altersstereotype. An diesem Beispiel werden die Aspekte anhand einer aktuellen gesellschaftlichen Debatte thematisiert. Alter wird visualisiert in Karikatur, Film, Werbung und Journalismus. Dabei wird auch die Wirkung von Altersstereotypen betrachtet.

Clemens Schwender, Thomas Petersen

Von Geovisualisierung bis zur verorteten Bildlichkeit

Lokative Medien und Geomedien in der Visuellen Kommunikationsforschung

Der Beitrag behandelt lokative Medien und Geomedien aus interdisziplinärer Perspektive und fokussiert visuelle Aspekte. Zunächst werden Geomedien als soziale Konstrukte definiert und ihre Implikationen für Machtverhältnisse diskutiert. In der Auseinandersetzung mit den verschiedenen turns in der Betrachtung von lokativen Medien und Geomedien und der Medien- bzw. Kommunikationsgeografie wird auf die Mediatisierung von Räumlichkeit und auf den visual algorithmic turn fokussiert. Der abschließende Überblick über visuelle Aspekte startet mit Geovisualisierung und Geovisual Analytics, bevor der Einsatz von PGIS sowie die „verortete Bildlichkeit“ behandelt werden.

Cornelia Brantner

Methoden der Visuellen Kommunikationsforschung

Frontmatter

Bilder als Quellen in der Kommunikationsforschung

Visuelle Darstellungen gewinnen als Quellenmaterial auch für die historische Forschung in der Geschichts- und Kommunikationswissenschaft an Bedeutung. Der Beitrag zeigt anhand beispielhafter Aspekte und Studien auf, wie sich dieser Quellenwert konkret niederschlägt, welche Formen des Zugriffs auf Bilder (auch methodisch) zu unterscheiden sind, und wie sich Schnittstellen zur interdisziplinären Forschung ergeben. Dabei wird auch der vermeintliche Wahrheitsgehalt von visuellen Informationen problematisiert und auf die trotz Digitalisierung oft eingeschränkte Zugänglichkeit von Bildquellen hingewiesen.

Patrick Rössler, Konrad Dussel

Zur Bedeutung von Bildkontexten und Produktionsprozessen für die Analyse visueller Kommunikation

Wir leben in einem visuellen Zeitalter, in dem Bilder allgegenwärtig sind. Zugleich unterliegen wir dem Trugschluss, dass Bilder intuitiv zugänglich sind und sich Bildbedeutungen unwillkürlich erschließen. Dabei sind Bilder komplexe Konstrukte mit mannigfaltigen Bedeutungsebenen. Insofern müssen sie systematisch erschlossen werden. Bei der Analyse von Bildern sollten neben den manifesten und latenten Bildinhalten auch die Kontexte im Prozess der Bildkommunikation sowie allgemeine strukturelle Kontexte zwingend miteinbezogen werden. Eine stringent durchgeführte Kontextanalyse ermöglicht eine adäquate Bildannäherung. Der Beitrag führt in die Methode der Kontextanalyse bzw. der ikonologischen Kontextanalyse ein und stellt diese beispielhaft vor.

Thomas Knieper, Marion G. Müller

Methoden der Medienbildanalyse in der Visuellen Kommunikationsforschung

Ein Überblick

Medienbilder sind zentraler Gegenstand und Forschungsfeld der Visuellen Kommunikationsforschung. In den vergangenen Jahren ist nicht nur die Zahl der Studien angewachsen, die Forschung hat auch verstärkt daran gearbeitet, Ansätze und Methoden zur Medienbildanalyse auszuarbeiten und weiterzuentwickeln. Der vorliegende Beitrag definiert zunächst den Forschungsbereich der Medienbildanalyse und stellt die derzeit wichtigsten, theoretisch fundierten und regelgeleiteten Ansätze und Methoden sowie Anwendungen zur Analyse von Medienbildern vor.

Elke Grittmann

Qualitative Methoden der Analyse von Bildhandeln und Bildaneignung

Im Fokus dieses Beitrags stehen Instrumente und Verfahren der Erhebung und Auswertung zur Analyse von Bildhandeln und Bildaneignung. Dabei werden klassische Verfahren und Untersuchungsfelder der Visuellen Kommunikationsforschung um Phänomene multimodaler Alltagswelten und digitaler Bildpraktiken erweitert. Plädiert wird für handlungstheoretische, wissenssoziologische sowie praxeologische Herangehensweisen, die die Bedeutung, sozialen Kontexte, subjektiven Sinnzuschreibungen sowie gesellschaftlichen Sinnzusammenhänge der Bilder, des Bildhandelns und der Bildaneignung umfassen.

Wolfgang Reißmann, Dagmar Hoffmann

Methoden der Bildrezeptions- und Bildwirkungsforschung

Empirische Kommunikationsforschung, die sich im weitesten Sinne dem spezifischen Analysegegenstand „Bild“ widmet, ist mit der Herausforderung konfrontiert, die mit der visuellen Codierung und Decodierung einhergehenden Besonderheiten Visueller Kommunikation analytisch zu durchdringen, theoretisch zu fundieren und angemessen methodisch auf diese zu reagieren. Da Bilder im Wahrnehmungs- und Rezeptionsprozess über eine spezifische, assoziative und holistische Decodierungslogik operieren, ist ein „spezifisch visuell-wissenschaftliches Vorgehen“ im gesamten Forschungs- und Analyseprozess unerlässlich (Knieper und Müller 2001, S. 13). Diese Erkenntnis markiert den Ausgangspunkt des vorliegenden Beitrags, der sich aus Perspektive einer spezifischen Bildrezeptions- und Bildwirkungsforschung zentralen Methoden ihrer empirischen Analyse widmet, diese im Überblick zusammenstellt und ihre jeweiligen Aufklärungspotenziale vorstellt.

Stephanie Geise

Visuelle Methoden

Forschen mit Bildern – Erforschen von Bildern

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit visuellen Methoden und illustriert deren Anwendung in der Visuellen Kommunikationsforschung sowie in der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Forschung generell. Bilder und visuelle Elemente können auf vielfältige Weisen zu Forschungszwecken eingesetzt werden, etwa wenn Fotografien als Gesprächsstimuli in Interviews oder Zeichnungen und Visualisierungen zur Veranschaulichung komplexer Zusammenhänge genutzt werden. Der Beitrag möchte entsprechend für die Potenziale visueller Methoden sensibilisieren und gibt forschungspraktische Anleitungen anhand mehrerer Beispielstudien.

Katharina Lobinger, Jeanne Mengis

Ansätze und Verfahren der Visuellen Netzwerkforschung

In der Methodologie der Netzwerkforschung hatte die Visualisierung schon von Beginn ihren Platz, wenn auch der Zeitpunkt – in der Regel am Ende einer Netzwerkanalyse – und der Rahmen – vor allem zur Präsentation der Analyseergebnisse – ein anderer war, als in der visuellen Netzwerkforschung, in der Visualisierungen eine viel zentralere Rolle zukommt. In diesem Artikel wollen wir daher zuerst die methodologischen Voraussetzungen der Netzwerkforschung umreißen, bevor wir uns mit ganz unterschiedlichen Möglichkeiten der Visualisierung relationaler Strukturen befassen. Hierbei liegt der Fokus auf den unterschiedlichen Strategien für den Einsatz von Visualisierungen im Verlauf eines Forschungsprozesses, die in einer Synopsis auch grafisch „veranschaulicht“ werden. Danach werden Verfahren zur visuellen Datenerhebung präsentiert und idealtypisch abgegrenzt, sowie deren Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt. Schließlich stellen wir grafische Elemente der Netzwerkforschung vor und zeigen, inwieweit diese für bestimmte Informationsdarstellungen geeignet sind.

Markus Gamper, Michael Schönhuth

Herausforderungen der Visuellen Kommunikationsforschung

Frontmatter

Multimodalität als Herausforderung für die Visuelle Kommunikationsforschung

Abbildungen ebenso wie Texte oder gesprochene Sprache kommen in der Medienkommunikation nicht isoliert vor, sondern in Kombination mit anderen Modi. Medienkommunikation ist dementsprechend immer multimodal. Insofern stellt der Begriff der visuellen Kommunikation eine Vereinfachung der hybriden Medienlogik dar. Der Beitrag zeigt erstens, zu welchen analytischen Verkürzungen eine Vernachlässigung der intermodalen Relationen führen kann und stellt zweitens die wichtigsten Ansätze zur Multimodalität vor. In einem dritten Schritt wird demonstriert, wie unter einer multimodalen Perspektive zentrale Probleme der visuellen Kommunikationsforschung angegangen werden können.

H.-J. Bucher

Rechtliche Rahmenbedingungen der wissenschaftlichen Bildverwendung

Der Beitrag geht auf zwei wesentliche Rechtsbereiche ein, die bei der wissenschaftlichen Bildverwendung zu beachten sind: Erstens das Urheberrecht, das den Schöpfer des Bildes in den Blick nimmt, und zweitens das Recht am eigenen Bild, das die Abgebildeten in den Fokus rückt. Nach einem allgemeinen Überblick über die Rechtsgrundlagen wird auf die einzelnen Verwendungshandlungen eingegangen. Festzuhalten ist, dass der bloße Werkgenuss, also beispielsweise das Anschauen von Bildern zu Erhebungs- und Analysezwecken in der Regel erlaubnisfrei ausgestaltet ist, während die öffentliche Zugänglichmachung regelmäßig die Einwilligung der Schöpfer und der Abgebildeten voraussetzt. Wichtigste Ausnahmeregelung ist das Bildzitat.

Louisa Specht-Riemenschneider, Anna-Maria Volpers, Vera Eickhoff

Ethische Aspekte der Visuellen Kommunikationsforschung

In der Visuellen Kommunikationsforschung spielt Ethik eine zentrale Rolle, um das Handeln von Forschenden und Bildschaffenden abseits rechtlicher Fragen angemessen beurteilen zu können. Dieser Beitrag zeigt daher auf, an welchen Stellen innerhalb der Wissenschaftsethik eine gesonderte Betrachtung Visueller Kommunikationsforschung notwendig ist. Im Anschluss wird auf einer allgemeineren Ebene Bildethik an sich diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf journalistischer Fotografie liegt. Die Aspekte der Authentizität und Digitalisierung werden in diesem Kontext besonders stark herausgearbeitet, um so Bezüge zu aktuellen Entwicklungen in sozialen Medien herzustellen.

Alexander Godulla

Theoretische, thematische, forschungsethische und methodologische Herausforderungen der Visuellen Kommunikationsforschung

Ein programmatischer Ausblick

Im abschließenden Beitrag des Handbuchs Visuelle Kommunikationsforschung geben mehrere ForscherInnen einen Ausblick auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Forschungsfeld der Visuellen Kommunikation. Es wird die Dringlichkeit betont, adäquate Ansätze zur Erforschung von Bewegtbildern zu entwickeln. Zudem werden neue Kommunikationsformen und Kommunikationsumgebungen, wie sie durch Augmented und Virtual Reality ermöglicht werden, sowie automatisierte Verfahren zur Analyse großer Bildmengen und Bilddaten reflektiert. Aber auch theoretische Anforderungen an die Erforschung von komplexen Sichtbarkeitsverhältnissen werden angesprochen. Schließlich bleiben forschungsethische Fragen sowie Fragen nach dem Zeigen von Bildern in wissenschaftlichen Publikationen aktuell und müssen stets neu verhandelt werden.

Katharina Lobinger, Wolfgang Reißmann, Daniel Pfurtscheller, Cornelia Brantner, Rebecca Venema, Elena Marchiori
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