Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Der Band bietet einen Überblick über die Wissenschaftskommunikation unter vielen Perspektiven: Ausgehend von den politischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen, unter denen Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation stattfinden, werden die institutionellen Akteure auf nationaler und internationaler Ebene sowie Best-practice-Beispiele vorgestellt. Thematisiert werden ebenso die Perspektive der Wissenschaftskommunikation als Risiko- und Krisenkommunikation, das Verhältnis von Wissenschaftskommunikation zu Medien und Journalismus sowie die Evaluation von Wissenschaftskommunikation.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Die drei Ebenen der Wissenschaftskommunikation

Einleitung: Die drei Ebenen der Wissenschaftskommunikation

Das Wissenschaftssystem in Deutschland ist strukturell ausdifferenziert: Neben den 415 Hochschulen (davon 207 Fachhochschulen und 106 Universitäten; vgl. destatis.de) bieten die Institute von Bund und Ländern, der

Max Planck Gesellschaft

, der

Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

, der

Fraunhofer Gesellschaft

, der

Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz

sowie die Labore vieler Wirtschaftsunternehmen den Raum für wissenschaftliche Forschung. Gefördert wird sie in erster Linie von der Europäischen Kommission, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und anderen Bundes- und Landesministerien, von der

Deutschen Forschungsgemeinschaft

, von Stiftungen und anderen privaten Drittmittelgebern. Allein diese Statistik lässt schon erahnen, wie vielfältig die Themen, Projekte, Studien und Ergebnisse sind, die im Wissenschaftssystem hergestellt werden.

Beatrice Dernbach, Christian Kleinert, Herbert Münder

Makroebene: Wissenschaftskommunikation, Wissen und Wissenschaft

Frontmatter

Einstein brauchte keinen Pressesprecher. Die heutige Wissenschaft dagegen ist auf professionelle Medienarbeit angewiesen

Es war Anfang November 1919, als etwas äußerst Denkwürdiges für die Wissenschaft und die Wissenschafts-PR geschah: Die

London Times

titelte „Wissenschaftliche Revolution“, „Neue Theorie vom Universum“, „Newtons Vorstellungen umgestürzt“. Damit wurde der erste Superstar der Wissenschaft geboren – Albert Einstein. Und das ausgerechnet wegen einer Arbeit, die nur eine Handvoll Menschen weltweit überhaupt verstand. Einsteins Relativitätstheorie, die einige Jahre zuvor publiziert worden war, wurde durch eine Expedition nach Südafrika bestätigt. Dort war eine Sonnenfinsternis zu sehen, die die Gelegenheit bot, den so genannten Gravitationslinseneffekt nachzuweisen. Verkürzt dargestellt geht es dabei darum, dass das Licht von seiner geraden Bahn durch starke Schwerkraft abgelenkt wird. Praktische Relevanz damals? Null. Und doch gab es ein weltweites Medienecho – die Marke Einstein wurde geboren. Der Physiker nutzte seine Bekanntheit und nahm zu vielen politischen Fragen Stellung, obwohl ihm der Starrummel offenbar suspekt war: „Diese Welt ist ein sonderbares Narrenhaus. Gegenwärtig debattiert jeder Kutscher und jeder Kellner, ob die Relativitätstheorie richtig sei.“ (Albert Einstein am 12. September 1920, zitiert nach W. Gerischer-Landrock, 17.03.2008 im Österreichischen Rundfunk ORF, http://oe1.orf.at/artikel/206998) Der Personenkult um Einstein verstärkte sich mit der Verleihung des Nobelpreises im Jahr 1922 nochmals. Grundlagenforschung war spannend, revolutionär – und sie war ein Massenthema. Noch etwas kommt hinzu: Forschung war etwas, auf das man stolz war, das ein Land sich leistete.

Karl Ulrich Mayer

Von der Kommunikation über Wissenschaft zur wissenschaftlichen Bildung

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Selten hat dieses Zitat von Victor Hugo so genau gepasst wie auf die Überlegungen zur Verbesserung der Wissenschaftskommunikation, die Ende der 1990er Jahre gleichzeitig an verschiedenen Stellen in Deutschland angestellt wurden. Im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) entstand unter der Leitung von Edelgard Bulmahn, die im Oktober 1998 das Ministeramt übernommen hatte, die Idee der Wissenschaftsjahre.

Ekkehard Winter

Vom Dialog über Forschungsergebnisse zum Dialog über Erkenntnisprozesse

Es hat lange gedauert, bis sich die Wissenschaftler aus dem mittlerweile legendären Elfenbeinturm haben locken lassen. Ließ der kleine Spalt in der Tür zum Labor lange Zeit nur einen kurzen Blick zu, steht die Tür mittlerweile weit offen. Man könnte meinen, dass eine Art Normalität einzukehren scheint und mit der breiten Öffentlichkeit kommunizierende Wissenschaftler eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Rückblickend hat sich die Wissenschaftskommunikation lange auf die reine Wissensvermittlung beschränkt und auf Informationsformate (z. B. allgemeinverständliche Vorträge) gesetzt.

Gerold Wefer

Defizite im Überschuss. Zur Notwendigkeit verstärkter Nichtwissenskommunikation

Warum Nichtwissenskommunikation? Die Antwort auf diese Frage hängt ganz davon ab, welche Arten von Nichtwissen es gibt, wie dringend und drängend, wie beharrlich und herausfordernd sie sind, und wie unverzichtbar der offene Umgang mit Nichtwissen für gesellschaftliche Entscheidungsprozesse ist.

Alfred Nordmann

Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation auf der Mesoebene

Frontmatter

Der Dialog muss organisiert und koordiniert werden. Eine Bilanz vonWissenschaft im Dialog (WiD)

Wahr ist, dass die Geschichte von

Wissenschaft im Dialog (WiD)

und die Beweggründe für die Gründung der Initiative im Jahr 1999 häufig und zu vielen Gelegenheiten erzählt wurden und werden (siehe die Beiträge von Mayer und Stäudner in diesem Bd.). Dies ist und war auch richtig, da zumindest in der ersten Hälfte der Zeit ihres Bestehens

WiD

auch bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weitestgehend unbekannt blieb und für das Anliegen permanent geworben werden musste. Dies hat sich in den vergangenen zehn Jahren durch den steten Bedeutungszuwachs des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stark geändert. Gründe hierfür liegen unter anderem in der fortschreitenden Professionalisierung der Wissenschaftskommunikation und dem damit einherschreitenden höheren Grad der Bedeutung des Themas für die Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen, aber auch in der besseren Vernetzung der Akteure auf diesem Gebiet, die mit den Fachtagungen

Wissenswerte

oder dem

Forum Wissenschaftskommunikation

einen festen Termin im Jahreskalender gefunden hat. Auch der in den vergangenen Jahren immer deutlicher hervorgetretene Anspruch an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sich auch einer breiten Öffentlichkeit zu erklären, hat dazu geführt, dass wenn auch nicht

WiD

als Organisation so doch

Wissenschaft im Dialog

als Programm in vielen Instituten angekommen ist.

Christian Kleinert

Halbe Treppe. Der Stifterverband hat viele Impulse gegeben, doch es bleiben blinde Flecken

Am Anfang war das Feuer. Mit großer Leidenschaft und Überredungskunst telefonierte Joachim Treusch am Abend des 26. Mai 1999 bei den Präsidenten der großen Wissenschaftsorganisationen vier Millionen Mark herbei. Damit hatte die Initiative ihr Startkapital beisammen. Am folgenden Tag unterzeichneten die Spitzen der deutschen Wissenschaftsorganisationen gemeinsam mit Stifterverbandspräsident Arend Oetker das erste

PUSH

-Memorandum („

Dialog Wissenschaft und Gesellschaft

“). Darin verpflichteten sie sich, gemeinsam in ein intensives Gespräch mit Politik und Gesellschaft einzutreten und den offenen Austausch mit Bürgern jeden Alters über die Chancen, Risiken und Folgen der Wissenschaft zu suchen.

Frank Stäudner

Die Rolle der Akademien in der Wissenschaftskommunikation

Mit der Gründung von Wissenschaftsakademien im 17./ 18. Jahrhundert erhielten die Wissenschaften eine institutionelle Verortung und (partielle) Unabhängigkeit, die für ihre Weiterentwicklung unabdingbar war. Wissenschaftsakademien wurden zu dem Ort, an dem Wissenschaft in der Verantwortung der Wissenschaft selbst betrieben werden konnte, wobei sie damit zugleich auch die Möglichkeit erhielt, sich frei von äußeren Zwängen entfalten zu können. Die Gründung jener Akademien, zu denen insbesondere die

Kurfürstlich-Brandenburgische Sozietät

und spätere

Preußische Akademie der Wissenschaften

gehört, in deren Tradition wiederum die heutige

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

steht, verbindet sich mit einem Wissenschaftsbegriff, dessen Zielrichtung am prägnantesten von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) definiert war, nämlich die Theorie mit der Praxis zu vereinen (in Leibnizscher Terminologie: „theoria cum praxi“), um somit dem Wohle der Gesellschaft zu dienen.

Günter Stock

Forschen in einem Weltunternehmen: die Innovationskommunikation von Siemens

Rund zwei Drittel der Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung werden in Deutschland von Industrieunternehmen getragen: zurzeit etwa 45 Mrd. € pro Jahr. 2010 haben allein die fünf forschungsstärksten deutschen Unternehmen –

Siemens, Daimler, VW, Bayer

und

BMW

– über 16 Mrd. € in Forschung und Entwicklung investiert. Das übertrifft die Forschungsausgaben sämtlicher deutscher Hochschulen mit knapp zwölf Milliarden Euro bei weitem. Im Geschäftsjahr 2011 hat allein Siemens rund 3,9 Mrd. € für Forschung und Entwicklung ausgegeben – mehr als die

Fraunhofer-Gesellschaft

und die

Max-Planck-Gesellschaft

zusammen. Auch die Zahl der

Siemens

-Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung ist beachtlich: Knapp 28.000 weltweit, darunter etwa 12.000 in Deutschland. Etwa 40 Erfindungen melden die Mitarbeiter an jedem Arbeitstag an – 8.600 waren es 2011. Mit den eingereichten Patenten befindet sich Siemens stets in den oberen Rängen der Patent-Rankings weltweit.

Ulrich Eberl

Die Entwicklung der Wissenslandschaft Ruhr. Ein kommunaler Blick

„Für ein Kind aus einer Arbeiterfamilie ist die Universität so fremd wie für einen Protestanten ein Kloster.“ Dieser Satz wird Ralf Dahrendorf zugeschrieben im Kontext der deutschen Bildungsdebatte in den 1970er Jahren. Dahrendorf beleuchtet in besonderer Weise die Situation im Ruhrgebiet. Wir definieren die Metropole Ruhr – da es keine geschlossene Verwaltungseinheit ist, sondern ein Konglomerat aus 53 Kommunen – als das Gebiet des

Regionalverbandes Ruhr (RVR)

. Essen ist eine der elf kreisfreien Städte inmitten dieser Region. Dieser Raum, in dem zurzeit rund 5,3 Mio. Menschen leben, hatte bis zum Jahr 1962 keine Universität. Die Hypothese ist plausibel, dass damals der beschauliche bürgerliche Standort zum Aufbau der Industrie gewählt wurde, um gar nicht erst einen Kontakt zwischen kritischer (universitärer) Intelligenz und der wachsenden Arbeiterbevölkerung zuzulassen.

Caren Heidemann, Klaus Wermker

Euroscience Open Forum – ein Ort der persönlichen Begegnungen für die europäische Forschergemeinde

International ist Wissenschaft schon immer – sie lebt vom freien Austausch der Erkenntnisse und Methoden und vom freien Zugang zu Forschungsgegenständen und Infrastrukturen. Der internationale wissenschaftliche Wettbewerb hat sich mit dem Eintritt neuer Akteure wie China, Indien und Brasilien jedoch rasant verschärft: Das ist eine Herausforderung an die traditionell starken Forschungsstandorte USA und in Europa. In der europäischen Öffentlichkeit und weltweit werden Entdeckungen und Erfindungen aus einem europäischen Land jedoch noch immer als nationale Leistungen wahrgenommen. Eine identitätsstiftende, lebendige und selbstbewusste europäische Forschergemeinde ist bislang nur in Ansätzen erkennbar.

Ingrid Wünning Tschol

Voneinander lernen: das Netzwerk der europäischen Science Festivals (Eusea)

Als im Jahr 1989 das weltweit erste Wissenschaftsfestival in Edinburgh stattfand, konnte keiner ahnen, welch rasante Verbreitung die Idee der Wissenschaftsfestivals nehmen würde. Dass diese Idee in Edinburgh entwickelt wurde, kam nicht von ungefähr, da die Stadt bekannt war und ist für ihre Kunstfestivals. So lag es nahe, den Wunsch, wissenschaftliche Erkenntnisse der Bevölkerung näher zu bringen, mit dem erprobten Konzept eines Festivals zu verbinden. Der Erfolg von Edinburgh hat viele Andere ermutigt, ebenfalls diesen Weg zu beschreiten.

Herbert Münder

Science on Stage Europe – Winning Hearts and Minds

Die Frage, wie es gelingt die Herzen und Köpfe junger Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zu erreichen, ist eine der großen Herausforderungen in der Bildung. Insbesondere, wenn es darum geht, die ursprüngliche Begeisterung der Kinder für Naturphänomene im formalen Bildungssystem zu fördern und darüber hinaus zu erhalten, bestätigen europäische Studien zwingenden Handlungsbedarf. In diesem Zusammenhang wird häufig die Schlüsselrolle der Lehrkräfte benannt, die sie bei der Kommunikation von Wissenschaft einnehmen. Sie sind Antriebskräfte der Bildung und somit für die Qualität der Bildungssysteme von herausragender Bedeutung. Die pädagogischen Fähigkeiten der rund sechs Millionen Lehrkräfte in der Europäischen Union (EU) sind deshalb entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaften. Wie können wir auf europäischer Ebene gemeinsam die Talente dieser Pädagogen fördern und deren Arbeit würdigen? Wie können wir frischen Wind in europäische Klassenzimmer bringen, auch wenn Bildung in die Kompetenz der Länder fällt?

Stefanie Schlunk

Kinderuniversitäten in der Welt – ein Vergleich

In den kommenden Jahren wird es auf Grund von zu niedrigen Interessentenzahlen verstärkt Probleme geben, qualifizierten studentischen Nachwuchs im MINT-Bereich zu bekommen.

Pia Schreiber

Wissenschaftsläden: Wissens-Broker mit weltweit gutem Ruf

Fast 100 Wissenschaftsläden wurden in den letzten drei Jahren allein in der chinesischen Großstadt Shanghai gegründet, die kanadische Regierung investierte in den Aufbau von Science-Shops Millionen. Ein Erfolgsmodell weltweit – das an Deutschland fast spurlos vorbei geht. Die Initialzündung für die Science-Shop-Bewegung in China kam 2006 aus der niederländischen Universitätsstadt Utrecht. Eine Woche lang informierten europäische Wissenschaftsladen-Mitarbeiter im Rahmen einer Summer School die Teilnehmer aus dem Fernen Osten, was Wissenschaftsläden sind, was sie leisten können und wie man sie aufbaut. Was sie erzählten, fiel bei den chinesischen Gästen auf fruchtbaren Boden. In keinem anderen Land gibt es inzwischen so viele Wissenschaftsläden wie in China. Die Studierenden helfen mit ihrem Uni-Wissen, wo sie nur können: Wie etwa lässt sich Strom sparen, wie die Energieversorgung überhaupt sicherstellen? Ist das Trinkwasser sauber? Wie investiert man sein weniges Geld sinnvoll? Wie kann man die Kinder besser schulen? Rund um die Uhr darf man bei Chinas Science-Shops anfragen. Wenn die Problemstellungen umfassender sind, arbeiten die Studierenden gemeinsam mit ihren Professoren eine Antwort aus.

Brigitte Peter, Norbert Steinhaus

Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation auf der Mikroebene

Frontmatter

Wie das Meer an Land kommuniziert wird. Zielgruppenorientierte Üffentlichkeitsarbeit am MARUM

Mehr als 50 Drehorte, 188 Tauchgänge, 445 Stunden belichtetes Filmmaterial – die

BBC

scheute keine Mühen, um die in der Tiefe der Ozeane verborgenen ökologischen Schätze zu heben und ans Licht der Weltöffentlichkeit zu bringen. Mehr als ein Jahr waren mehrere Teams unterwegs, um, so der britische Sender, „die letzte wirkliche Wildnis unseres Planeten, die Ozeane, zu erkunden“ und in einer achtteiligen Serie den Geheimnissen der Unterwasserwelten auf den Grund zu gehen. Einmal mehr war der Ozean für positive Nachrichten gut. Einerseits.

Albert Gerdes, Martina Pätzold

Kommunikation des Forschungsalltags: das Gläserne Labor im Deutschen Museum

Die Aufgaben eines naturwissenschaftlich-technischen Museums sind vielfältig. In erster Linie gilt es, historische und gegenwärtige Kulturgüter aus Wissenschaft und Technik forschend zu erschließen und zu bewahren. Zudem besitzt das Museum einen Bildungsauftrag und vermittelt einer breiten Öffentlichkeit die geschichtliche Entwicklung von Fragestellungen, Methoden und Erkenntnissen naturwissenschaftlicher Forschung sowie der Genese von Technik. In diesem Sinne wurde das

Deutsche Museum

in München im Jahr 1903 durch Oskar von Miller als Schau menschlichen Entdeckungs- und Erfindergeistes und als Bildungsstätte gegründet. Der Reformpädagoge Georg Kerschensteiner formulierte später die „Bildungsaufgabe des

Deutschen Museums

“ und unterstrich „den aktiven, unterhaltenden sowie belehrenden Charakter des Museumsbesuchs“. Unter Bildung verstand er jedoch weniger die Vermittlung und Aneignung immer weiteren Wissens, als vielmehr die Erziehung zur Ehrfurcht vor den Schöpfern der Meisterwerke der Wissenschaft und Technik, „vor jenen Großen, die in selbstloser Hingabe die Menschheit befreien halfen aus der Willkür der Naturkräfte“ (Kerschensteiner 1925, S. 39–42).

Paul Hix, Peter Schüßler, Frank Trixler

Der außerschulische Lernort Science Center

Hinter dem Begriff steht ein Ansatz, der in Deutschland schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde (Reichert 2008), der aber erst nach konsequenter Umsetzung durch Frank Oppenheimer in den 1960er Jahren an Bedeutung gewann. Im Mittelpunkt steht dabei die möglichst unmittelbare Auseinandersetzung mit einem Phänomen.

Achim Englert, Michael Kiupel

Dreihundert Jahre Bildungstradition in der Stadt. Das Haus der Wissenschaft

Auf der Bremer Düne in der Sandstraße steht das ehemalige

Haus Vorwärts

, direkt neben dem Bremer Dom in einer der ältesten Straßen Bremens. Ursprünglich aus drei Häusern bestehend, wurde es über die Jahrhunderte zu einem zusammenhängenden Haus umgebaut. Das älteste Haus ist über 500 Jahre alt und der Häuserkomplex blickt mittlerweile auf eine dreihundertjährige Bildungstradition zurück. In den 1670er Jahren beherbergte das

Haus Vorwärts

eine Klippschule – auch Armen- oder Domnebenschule genannt. 1853 zog der Arbeiterbildungsverein

„Vorwärts“

ein, dem das Haus seinen damaligen Namen verdankt. Mitte des 19. Jahrhunderts florierte die bremische Tabakindustrie, doch die Arbeiter wurden vom Bürgertum als ziemlich „entsittlichtes und entnervtes Proletariat“ wahrgenommen. Ein Redakteur der

Bremer Zeitung

hatte deshalb angeregt, den vielen bremischen Tabakarbeitern bessere Bildungs- und Freizeitangebote zu machen. Anfang der 1970er Jahre sollte der gesamte Komplex abgerissen werden, um für ein großes Parkhaus Platz zu schaffen. Die älteren Gebäude wurden jedoch unter Denkmalschutz gestellt und blieben so erhalten. Nach einer Nutzung als Polizeiwache und einem mehrjährigen Leerstand begann Mitte 2004 der Umbau zum

Haus der Wissenschaft

und damit die Wiederaufnahme des Themas Bildung in einem historischen Haus in der Innenstadt.

Maria Santos, Gerold Wefer

Science Slam: Wettbewerb für junge Wissenschaftler

In den letzten zehn Jahren hat sich in der Wissenschaftskommunikation viel getan. Überall begeistern Kinderunis, lange Nächte der Wissenschaft und andere publikumsnahe Formate zahlreiche Besucher. Dennoch sind die neuen Kommunikatoren unter den Wissenschaftlern, die sich in diesen neuen Formen engagieren, bisher nur schwer zu finden. Die Mitarbeiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an den Hochschulen müssen häufig händeringend nach Referenten für ihre Veranstaltungen suchen und Tage der offenen Tür werden von den Wissenschaftlern oft eher als notwendiges Übel angesehen.

Britta Eisenbarth, Markus Weißkopf

„Wissenschaft debattieren!“

Seit einigen Jahren werden in der Wissenschaftskommunikation verstärkt partizipative Formate eingesetzt: Gemeinsam im Dialog diskutieren Wissenschaftler und Bürger dabei gesellschaftlich relevante Themen und Fragestellungen und erarbeiten Lösungsvorschläge. Hier kommen das Fachwissen der wissenschaftlichen Experten und die Wertvorstellungen, Zukunftsvisionen und Wünsche der Bürger zusammen.

Maria Kolbert

Science meets Parliament: eine neue Form der Politikberatung

Politikberatung hat Konjunktur. Das zeigt sich sowohl auf der Nachfrageseite als auch bei den Anbietern. Forschungsorganisationen bauen ihre Präsenz in Berlin aus, Stäbe zur Politikberatung entstehen – und Institute oder Arbeitsgruppen nennen sich plötzlich „Think Tanks“. Zugleich sind die Themen in der Politik in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden: Vieles hängt mit Vielem zusammen, seien es die internationale Mobilität mit der Gefahr von eingeschleppten Krankheitserregern oder der Klimawandel und die Aufgabe von Tagebaugruben mit dem Berliner Wasserhaushalt. Das Ganze spielt sich vor dem Hintergrund einer erhöhten medialen Aufmerksamkeit ab, wodurch jeder Fehler, vermeintlich oder echt, in der Politik eine enorme Auswirkung haben kann. Börsen reagieren auf Aussagen von Politikern, die in Minutenschnelle weltweit verbreitet werden können.

Josef Zens

10 Jahre Kinder-Uni: Ein innovatives Format überschreitet die Universität und gewinnt internationale Dimensionen

Im akademischen Jahr 2001/2002 gab es an zwei Universitäten im deutschsprachigen Raum Kinder-Unis, mit denen sie sich in völlig neuer und radikaler Weise gegenüber der bisher unbeachteten Zielgruppe Kinder öffneten: in Tübingen und Innsbruck. Heute, zehn Jahre später, wissen wir von mindestens 200 solcher Angebote europaweit. Man schätzt, dass inzwischen weit mehr als eine Million Kinder von Kinder-Uni-Aktivitäten erreicht wurde.

Michael Seifert

Unimpressed by Science – Wissenschaftskommunikation in der naturwissenschaftlichen Ausbildung

Die Ziele der Wissenschaftskommunikation sind so vielfältig wie deren Bezugsgruppen: Von der Schaffung breiter gesellschaftlicher Akzeptanz für neue Technologien, über interdisziplinäre Synergien, bis zum gezielten Wissens- transfer und dem Dialog zwischen Forschung und Wirtschaft reicht die Palette des wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bildungsauftrages.

Helmut Jungwirth, Kerstin Buhlert

SFB Outreach – Schülervideos zu Meereswissenschaften

Wissenschaftskommunikation für Jugendliche durch Jugendliche: Geht das überhaupt? Können komplexe Inhalte von ganzen Forschungsschwerpunkten durch Schülerinnen und Schüler erfasst, aufbereitet und an andere Schüler weiter vermittelt werden?

Joachim Dengg, Mareike Wilms

Nanogold – außerschulische Chemie im teutolab

Faszinierend, aber auch schwer verdaulich – so erscheint das Bild der Naturwissenschaften in der Öffentlichkeit. Chemie zählte lange zu den unbeliebtesten Schulfächern (Barke und Hilbing 2000, S. 17–23) Studienanfängerzahlen in Chemie und Physik wachsen erst seit kurzem wieder, und der Fachkräftemangel im naturwissenschaftlich-technischen Bereich wird allgemein beklagt. Themen wie Energie, Klima, Verkehr oder Gesundheit stoßen in der Bevölkerung allerdings auf breites Interesse, auch wenn sie ein naturwissenschaftliches Grundverständnis verlangen. Auch lassen sich viele Menschen für Rekorde, neue Einsichten und Erfindungen begeistern – für Berichte über kleinste Teilchen und leichteste Materialien oder über neue Einblicke in medizinische und neurobiologische Prozesse. Warum ist es dann, bei aller Faszination, so schwierig, für Alltag und Zukunft wichtige naturwissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu vermitteln?

Katharina Kohse-Höinghaus

Was sind und zu welchem Zweck brauchen wir geisteswissenschaftliche Schülerlabore?

Geisteswissenschaftliche Schülerlabore: Der komplette Name klingt nach einem Fall von Contradictio in adjecto. Schülerlabor – mit dieser Bezeichnung weiß man im Jahre 11 nach

PUSH

weithin etwas anzufangen, die Definition läuft in etwa auf das Folgende hinaus: Schülerlabore sind dauerhaft betriebene außerschulische Initiativen, die 1) Kindern und Jugendlichen eine adressatengerechte manuelle und intellektuelle Auseinandersetzung mit den MINT-Disziplinen ermöglichen; 2) sich vorwiegend an ganze Klassen oder Kurse richten; 3) durch selbstständiges Experimentieren gekennzeichnet sind und 4) zum Ziel haben, das naturwissenschaftlich-technische Interesse und Verständnis der Heranwachsenden zu steigern und auf diese Weise den fachlichen Nachwuchs zu fördern (vgl. Lernort Labor 2010). Aber geisteswissenschaftliche Schülerlabore? Wie hat man sich diese vorzustellen?

Yvonne Pauly

Jugend in Aktion – Wissensshows fürs Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt

Der Schritt von der Kindheit ins Erwachsenenalter ist dramatisch. Körper, Seele und Geist sind im Umbruch. Das Denken, Fühlen, Handeln, die Wahrnehmung der Umwelt und das Selbstverständnis – alles wird auf den Kopf gestellt. Wie schwierig die Kommunikation in dieser Phase ist, wissen wir alle. Hirnforscher haben herausgefunden: Im Jugendalter sterben bis zu 30.000 Nervenverbindungen pro Sekunde ab. Gleichzeitig vernetzen sich die übrigen Neuronen immer stärker, vor allem im Hirnbereich, der die Entscheidungsfindung, Planung und Motivaton steuert; aber auch im Gefühlszentrum, in dem Situationen als negativ oder positiv bewertet werden. Zusammen mit den hormonellen Umstellungen führt dies bei Pubertierenden zu den weithin bekannten Stimmungsschwankungen, der oft geringen Motivation und dem großen Interesse an riskantem Verhalten.

Annette Hasselmann, Monika Bach

Wissenschaftskommunikation und die populären (neuen) Massenmedien

Frontmatter

Neue Aufgaben für alte Medien

Bevor ich mich mit den Herausforderungen für die alten Printmedien durch die neuesten Entwicklungen beschäftige, möchte ich ein bisschen von früher erzählen. Konkret darüber, wie der Arbeitsalltag von Wissenschaftsjournalisten Anfang der 90er Jahre aussah – nicht in der Absicht, den jüngeren Kollegen zu sagen, wie gut sie es doch heute haben, sondern um den rasanten Wandel zu illustrieren, der seitdem stattgefunden hat.

Christoph Drösser

„… und schreiben Sie uns einen schönen Artikel!“ Zum Verhältnis der Wissenschaftsjournalisten zu Wissenschaftskommunikatoren

Anfang 2011 war es wieder einmal so weit: Unerwartet hohe Dioxinwerte in Tierfutter, Eiern und Schweinefleisch verunsicherten Verbraucher und beschäftigten viele Wissenschaftsredaktionen. Reporter und Fernsehteams telefonierten und reisten auf der Suche nach Hintergrund und den passenden Experten durch die Republik: Toxikologen wurden interviewt, um das Risiko durch Dioxine einzustufen, Agraringenieure sollten erklären, wie Umweltgifte in Nahrungsmittel gelangen.

Nicole Heißmann

Die andere Seite des Schreibtisches. Zum Verhältnis von Wissenschaftskommunikatoren zu Wissenschaftsjournalisten

„Die andere Seite des Schreibtisches“ – mit diesem Ausdruck wird häufig metaphorisch das Verhältnis von Wissenschaftskommunikatoren und Journalisten beschrieben. Wie in allen Bereichen öffentlicher Kommunikation unterliegt auch dieses Beziehungssystem einem stetigen Wandel. Während noch bis in die achtziger Jahre hinein die Distanz zwischen Wissenschaft und deren kommunikativen Vermittlern recht weit – oder um in der Metapher zu bleiben, der Schreibtisch besonders breit – gewesen zu sein scheint, erleben wir heute, wie aus dem ehemals wuchtigen Eichenmöbel ein filigraneres Büromöbel wird, über dem manchmal gar die Distanz aufgehoben zu sein scheint: Wissenschaftsjournalisten und Kommunikatoren rücken auf Grund noch eingehender zu beschreibender Faktoren viel enger zusammen, wenngleich sie weiterhin unterschiedliche Ziele verfolgen: Journalisten haben die Aufgabe, die interessierte Öffentlichkeit über Forschungsergebnisse sowie deren mögliche Folgen und Risiken zu informieren und über Hintergründe aufzuklären; der Wissenschaftskommunikator vertritt hingegen oftmals notwendige Partikularinteressen der wissenschaftlichen Einrichtung, für die er tätig ist.

Felicitas von Aretin

Die Wissenschaftspressekonferenz (WPK): von der „Mafia der Vernunft“ zum kritischen Begleiter der Forschung

Unter Kommunikationsgesichtspunkten ist der Vereinsname ein Flop – könnte man meinen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird zwar manchmal ein Bindestrich zwischen ‚Wissenschaft‘ und ‚Pressekonferenz‘ eingefügt, doch das ändert nichts an den beiden grundsätzlichen Problemen, die der Name mit sich bringt. Zum einen wirkt er altbacken, weil doch alle Welt schon seit Jahren nur noch von Wissen spricht. Und zum anderen richtet der Verein kaum noch Pressekonferenzen aus. Er erhält zwar immer wieder Anfragen dieser Art, doch er will kein Sprachrohr für die Wissenschaft sein.

Alexander Mäder

WissensWerte. Netzwerke im Zeitalter des medialen Strukturwandels

Die Bremer Konferenz

WissensWerte

hat sich seit ihrer Premiere 2004 als Treffpunkt der wissenschaftsjournalistisch interessierten Szene in Deutschland etabliert. Sie ist eine seit 2004 jährlich in Bremen stattfindende Fachkonferenz für Wissenschaftsjournalisten. Klingt simpel, ist aber alles andere als selbstverständlich, wenn man sich die Anfänge dieser Veranstaltung in Erinnerung ruft.

Franco Zotta

Social Media: die neue Öffentlichkeit

Konferenzen finden heute öffentlicher statt, als manchen Teilnehmern bewusst ist. Denn einige Twitterer nutzen den Microblogging-Dienst für die Live-Berichterstattung. Sie twittern aus dem Vortragssaal, greifen die Kernthesen heraus, kommentieren Diskussionen oder verweisen auf nützliche Links. Hat der Live-Twitterer einen geschulten Blick fürs Wesentliche, erweisen sich seine Posts als Informationsschatz und dienen als Konferenz-Dokumentation. So geschah es etwa auch bei den vergangenen Foren

Wissenschaftskommunikation

. Ein Nebeneffekt: Wer erst später dazu stieß, oder gar nicht teilnehmen konnte, erhielt dennoch einen Eindruck über Qualität und Zuschnitt der Beiträge.

Annette Leßmöllmann

Wissenschaftsblogs – Kulturraum mit eigenen Regeln

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts begannen die ersten Wissenschaftler, das Medium Weblog systematisch zu nutzen, um wissenschaftliche und politische Themen aus ihrer Sicht zu kommentieren. Mit der Gründung der Plattform

Scienceblogs.com

2006 durch das Magazin

Seed

wurden die wissenschaftlichen Webtagebücher erstmals als eigenständiges Genre weithin wahrgenommen. Die amerikanischen Scienceblogs etablierten sich als sichtbarer Anlaufpunkt und Schrittmacher der wissenschaftlichen Blogkultur, die sich bis heute über gemeinsame Ansprüche und Ideale definiert. Allerdings war die Plattform trotz ihrer Bedeutung zu jedem Zeitpunkt nur ein kleiner Teil der wissenschaftlichen Blogosphäre.

Lars Fischer

Bloggende Wissenschaftler – Pioniere der Wissenschaftskommunikation 2.0

Es gibt Revolutionen, die kommen auf leisen Sohlen daher. Der Einzug von Blogs in die Wissenschaftskommunikation ist eine solche. Dem ersten bloggenden Wissenschaftler war es – davon dürfen wir ausgehen – sicherlich kaum bewusst, welche Tragweite diese Ausweitung der akademischen Schreibzone haben sollte. Und auch die etablierten Akteure der Wissenschaftskommunikation haben diese ersten Geh- und Schreibversuche zunächst kaum beachtet. Aber wissenschaftliche Blogs sind gekommen, um zu bleiben. Binnen weniger Jahre haben sie sich als Instrument der Wissenschaftskommunikation etabliert und stehen heute an der Schwelle zur Professionalisierung (vgl. Brumfiel 2009). Höchste Zeit also, um zu fragen, was und wer hinter der ganzen Sache steckt.

Marc Scheloske

Podcasts sind ein Element des Web 1.5

Als Anfang der 1990er Jahre das World Wide Web (Web 1.0) begann, war es ein Informationssystem von Forschern für Forscher. Die Nutzer konnten in der Regel ganz leicht einfache Webseiten – meist direkt in HTML – erstellen. Häufig wurde zu Seiten von Fachkollegen verlinkt. Letztlich war das Web 1.0 in seiner Anfangszeit eine Ansammlung von user generated content in Form eines sozialen Netzes. Mit der Popularisierung des Web entstanden große, meist kommerzielle Inhaltsanbieter, und viele Nutzer des Netzes waren reine Inhaltskonsumenten. Erst mit der Etablierung von Diensten, mit denen es Nutzern extrem leicht gemacht wird, Inhalte zu erstellen und Vernetzungen mit ihren Peers vorzunehmen, entstand mit dem Web 2.0 auf breiter Basis wieder das, was zu Anfängen des Web unter Expertenkreisen ohnehin schon vorhanden war: ein Netz von Mensch zu Mensch, ein soziales Netz, bei dem die Grenze zwischen Anbieter und Nutzer von Informationen verschwimmt.

Jens Kube

Virtuelle 3D-Welten gestalten

Wissenschaftskommunikation hat in den letzten Jahren eine umfassende mediale Bereicherung erfahren. Neben den ‚klassischen‘ Formaten, wie Zeitungen, Magazinen, sowie Wissenschaftssendungen in Radio und Fernsehen, haben Anwendungen wie soziale Netzwerke, Wikis, Podcasts und Weblogs steigende Verbreitung im medialen Mix gefunden, wenngleich ihr Einsatz noch teils kritisch betrachtet wird (Gerber 2009, S. 25).

André Mersch

Wissenschaftskommunikation als Risiko- und Krisenkommunikation

Frontmatter

Streit um die „Zauberzellen“.

Wissenschaftskommunikation in der Stammzelldebatte

1998 schaffte es der amerikanischen Biomediziner James Thomson, aus nicht benötigten Embryonen US-amerikanischer Fertilitätskliniken erstmals embryonale menschliche Stammzellen zu gewinnen, nachdem 1981 die ersten embryonalen Stammzellen der Maus isoliert worden waren. Thomson gelang damit ein wissenschaftlicher Erfolg, der einerseits mit der Verheißung verbunden war, irgendwann einmal Zellen zur Verfügung stellen zu können, die sich – zumindest im Prinzip – in jegliches menschliches Gewebe entwickeln lassen könnten; andererseits aber sorgte gerade diese prinzipielle Möglichkeit dafür, dass die Geschichte der Stammzelldebatte – genauer: die Geschichte der öffentlich und politisch über dieses Thema geführten Debatte – von Beginn an eine Geschichte impliziter Krisenkommunikation war und bis heute geblieben ist. Denn dieser potenzielle Nutzen lenkte den Blick zugleich auf ethisch-moralische Grundfragen, die mit entsprechendem Eifer und bisweilen einer Kompromisslosigkeit diskutiert wurden, die sonst nur in krisenhaften Ausnahmefällen zu beobachten sind.

Armin Himmelrath

Sind wir gefährdet?

Krisenkommunikation für ein Bundesinstitut auf dem Gebiet des Gesundheitsschutzes

Freitag, 24. April 2009, kurz nach 9 Uhr. Eine Nachrichtenagentur meldet, dass Mexiko wegen eines „tödlichen Grippevirus“ mit „mindestens 20 Toten“ alle Schulen und Universitäten in Teilen des Landes schließt (AFP 2009a). Um 15 Uhr wird gemeldet: „die Erreger breiteten sich bis in den Südwesten der USA aus, wo sich die Gesundheitsbehörden ´äußerst besorgt` zeigten“ (AFP 2009b). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass die am meisten betroffene Altersgruppe junge Erwachsene sind, und Influenzaviren normalerweise diese Gruppe nicht besonders betreffen (vgl. WHO 2009). Schnell etabliert sich der Begriff

Schweinegrippe

, der bleibt, obwohl Behörden und Wissenschaftler den Erreger später weltweit umbenennen in

Neues Influenzavirus

und danach in (Pandemische)

Influenza H1N1

2009.

Susanne Glasmacher

Fakten, Fakes and Figures

Die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 gehörte mit einer Viertelmillion Toten zu den Jahrhundertereignissen. Es sei hier kurz der Ablauf der Ereignisse dargestellt, soweit er für das Verständnis der folgenden Darstellung notwendig ist.

Franz Ossing

Evaluation der Wissenschaftskommunikation

Frontmatter

Das Verhältnis von Wissenschaftlern zur öffentlichen Kommunikation

Wissenschaftler sind in vielfacher Weise und in verschiedenen Rollen, direkt oder vermittelt, in wissenschaftsexterne Kommunikationsprozesse eingebunden, in denen Wissenschaft auf verschiedene Weisen und in mannigfaltigen Kontexten thematisiert wird. Sie bilden Lehrer und Ärzte aus, die dann wissenschaftliches Wissen an Schüler und Patienten weitervermitteln, und sind in Kommissionen an der Politikberatung beteiligt. Sie führen Besuchergruppen durch ihre Institute, halten öffentliche Vorträge, wirken an der Gestaltung von Science Centers und Museen mit, und treffen sich neuerdings mit interessierten Laien in sogenannten Science Cafés, um über Wissenschaft zu plaudern. Einige betreiben eigene Blogs oder Websites im Internet, die sich auch an ein nicht-wissenschaftliches Publikum richten. Vor allem aber geben Wissenschaftler Medien Interviews oder treten als Experten in Talkshows oder Wahlsendungen auf, stehen Journalisten in Recherchegesprächen Rede und Antwort, lassen sich bei der Arbeit im Labor filmen und beraten Sendungs- oder Filmemacher bei der Produktion von Dokumentation mit Wissenschaftsbezug.

Hans Peter Peters

Zur Evaluation von Modellprojekten zur Wissenschaftskommunikation

Der Begriff der Wissenschaftskommunikation hat in der Moderne Konjunktur. Kaum eine Gesellschaft, welche sich nicht dem Programm

Public Understanding of Science and Humanities (PUSH)

widmet. Science Center entstehen allenthalben allerorten, allein in Deutschland werden über 30 gezählt (vgl.

www.ecsite.eu

). Neue Didaktiken der Wissenschaftsvermittlung (

Inquiry-based science education (IBSE)

) werden diskutiert und ausprobiert (vgl. Science Update (POLLEN) 2007; OECD 2009; BBAW 2010; Pfenning 2010). Die im Internet verfügbaren Wissensforen und Datenbanken erschließen das Wissen der Welt und die Weisheit der Vielen für Alle. Historisch gesehen hat sich die Wissenschaftskommunikation von der frühen Vermittlung der Naturwissenschaften in gesellschaftlichen Events über die Epoche der Aufklärung, neuen Literaturgenres wie der Science Fiction (z. B. Jules Verne, Mary Shelley) bis hin zur Aufgabe der Allgemeinbildung entwickelt. Wie nie zuvor sind heutige Gesellschaften von Wissen und Technisierung durchdrungen, im Alltag, Freizeit und Beruf. Soziologen wie Helmut Willke (1999, S. 259 ff) sprechen von der Wissensgesellschaft, in der Wissen und Bildung zu zentralen individuellen Eigenschaften mündiger Bürger zählen (Bertelsmann-Stiftung 2010). Andere wie Ulrich Beck (1986) oder Ortwin Renn (2007) betonen den Risikoaspekt als neues Element der Wissenschaftskommunikation in der Wissensgesellschaft, nämlich der Abschätzung von Folgen, Chancen und Risiken.

Uwe Pfenning

Die Perspektive von Lehrern auf den außerschulischen Bildungsort Science Center – eine explorative Fragebogenuntersuchung am Beispiel der Phänomenta

Die Bedeutung außerschulischer Bildungsorte für kindliche Lernprozesse ist in der Schulpädagogik unbestritten (vgl. hierzu beispielsweise Burk et al. 2008). Mit dem Besuch außerschulischer Bildungsorte verbindet sich in der Literatur eine Vielzahl von Erwartungen (Dühlmeier 2008, S. 20 ff.; Sauerborn und Brühne 2007, S. 13 ff.).

Sören Asmussen

Evaluation der Online-Kommunikation

Es gibt in Deutschland bis dato kein Internet-Portal, auf dem Informationen über (deutsche) Forschungsprojekte, deren Organisationsstrukturen und Ergebnisse mit einem Klick ersichtlich wären. Zwar fehlt eben diese Sammelstelle, aber mittlerweile gibt es keine wissenschaftliche Einrichtung, die nicht im Internet präsent ist: Auf den Forschungslandkarten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist vor allem zu sehen, welche Institution in welchem Verbund forscht (vgl.

www.bmbf.de/de/5355.php

); Wissenschaft im Dialog ist ebenso zu finden wie die

Deutsche Forschungsgemeinschaft

, der

Stifterverband der Deutschen Wissenschaft

, die

Robert Bosch Stiftung

und andere Stiftungen, die Hochschulen und Forschungseinrichtungen von Bund und Ländern sowie großer Unternehmen. Die Datenbank der

Deutschen Akademie der Technikwissenschaften

(

www.acatech.de

) unter der Adresse

www.motivation-technik-entdecken.de

(auch unter

www.tecnopedia.de/

abrufbar) erfasst in erster Linie wissenschaftliche Projekte, die das Themenfeld Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) bearbeiten. Für die Sozial- und Geisteswissenschaften ist etwas ähnliches noch nicht entwickelt; aber der

Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten

befasst sich in einem Working Paper vom August 2011 (

www.ratswd.de

) mit den Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Ziel, Daten wissenschaftlicher Einrichtungen und Projekte zu erfassen, zu sammeln, zu strukturieren und sie im Sinne eines besseren Gesamtüberblicks der Öffentlichkeit bereitzustellen, ist also formuliert und fokussiert.

Beatrice Dernbach, Pia Schreiber

„Stadt der Wissenschaft“ – Ergebnisse der Evaluation des Wettbewerbs

Städte schenken ihren vorhandenen Wissensressourcen zunehmende Aufmerksamkeit und binden sie strategisch in kommunale Wachstumsstrategien ein. „Bürgermeister, Kommunalpolitiker sowie Hochschul- und Institutsleiter versuchen durch die Teilnahme an Wettbewerben wie Stadt der Wissenschaft oder durch Aufgreifen von Knowledge City-Strategien, bisher brachliegende Potentiale für die Stärkung der lokalen Wirtschaft in den Dienst zu nehmen.“(Franz 2004, S. 95).

Stefanie Wesselmann, Clas Meyer

Vorhang auf für Phase 5

Trendstudie: 30 Delphi-Experten analysieren Zukunftsszenarien

Gliedert man den grundlegenden Wandel der Wissenschaftskommunikation in den vergangenen Jahrzehnten in vier Phasen, dann nehmen wir jetzt gerade Anlauf für einen fünften paradigmatischen Entwicklungsschritt. Die dafür nötigen neuen Konzepte und Werkzeuge, Tätigkeitsprofile und Strukturen haben 30 der renommiertesten Experten auf Basis von Datenanalysen und einer eigens durchgeführten Branchenumfrage kontrovers diskutiert. Zur Einordnung zunächst aber ein kurzer historischer Rückblick:

Alexander Gerber
Weitere Informationen