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04.07.2019 | Handel | Infografik | Onlineartikel

Künstliche Intelligenz soll Ladendiebstähle stoppen

Autor:
Eva-Susanne Krah

Mehr als vier Milliarden Euro hat der deutsche Einzelhandel 2018 durch Inventurdifferenzen verloren. Das sind fünf Prozent mehr als noch 2017. Mehr KI im Handel soll das Problem lösen.


Der größte Batzen, 3,75 von insgesamt 4,3 Milliarden Euro Verlusten, entfällt auf Ladendiebstähle durch Kunden, die im Einzelhandel Waren mitgehen lassen. Für 

  • rund eine Milliarde Euro Verlust sind Mitarbeiter verantwortlich,
  • für 350 Millionen Euro Lieferanten und Servicekräfte, 
  • wirtschaftliche Schäden durch Inventurdifferenzen in Höhe von 560 Millionen Euro entstanden durch Organisationen. 

Das zeigt die Studie "Inventurdifferenzen 2019" des EHI-Retail Institute, für die 95 Unternehmen mit insgesamt 22.551 Verkaufsstellen befragt wurden. Knapp 340.000 einfache und schwere Ladendiebstähle wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2018 gemeldet. Und das, obwohl der Handel laut EHI jährlich 1,45 Milliarden Euro in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen investiert. Spitzenreiter waren laut Statista 2017 Klau-Täter im Bundesland Berlin, mit 973 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Mit KI gegen Klau-Profis

Klassische Handelsunternehmen wollen dem Übel jetzt mit künstlicher Intelligenz zu Leibe rücken, denn mit Verkaufspreisen gerechnet, geht dem Einzelhandel hochgerechnet durchschnittlich ein Prozent seines Umsatzes verloren. So testet Etailment zufolge beispielsweise die Handelskette Globus mit der Lösung Cartwatch des Start-ups Signatrix die Einkaufswagenbeobachtung. Das System meldet ähnlich dem Prinzip aus dem Bankenbereich bei verdächtigen Kontobewegungen Auffälligkeiten, nur eben anhand der Bewegungen von Einkaufswagen. Weichen diese von den gelernten Bewegungen ab, schlägt das System Alarm. Zuvor hat es typische Einkaufswagenbewebungen gelernt und wird auf Bewegungsmuster von Ladendieben trainiert. Ladendetektive werden bei einem Alarm per Push-Nachricht informiert. In Japan sollen Kunden mithilfe der Start-up-Software Vaak bereits vor dem eigentlichen Diebstahl einfach aufgrund ihres Verhaltens überführt werden. Material von Überwachungskameras dient zur Kundenanalyse: Nervosität, eine auffällige Körpersprache oder Handbewegungen soll potenzielle Diebe überführen.

Bestände durch KI optimieren

Die Anwendungsfelder für künstliche Intelligenz im stationären Handel sind aber noch weitaus umfangreicher, wie der Springer-Autor Rainer Gläß im Kapitel "1. Anwendungsfelder von Künstlicher Intelligenz im Handel" des essentials "Künstliche Intelligenz im Handel 2 – Anwendungen" aufzeigt. KI bekommt laut Gläß nicht zuletzt aufgrund wachsender Anforderungen an das Prozessmanagement und anspruchsvollere Konsumenten in Vertrieb und Handel Auftrieb. Zum unmittelbaren Nutzen von KI gehören zum Beispiel reduzierte Lieferengpässe und damit Umsatzausfälle aufgrund von Fehlbeständen in der Lagerwirtschaft, KI in Warenflussprozessen und Bestandsmanagement oder auch das kanalübergreifende Fulfillment von Kundenbestellungen.

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