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23.06.2020 | Handel | Infografik | Onlineartikel

Galeria Karstadt Kaufhof im Abwärtsrausch

Autor:
Eva-Susanne Krah
2 Min. Lesedauer

62 Filialen schließen, bis zu 1,4 Milliarden Euro Umsatzeinbußen drohen, innovative Filialkonzepte fehlen: Der wankende Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof ist nur die Speerspitze längst notwendiger Umbrüche im Handel.

Die Filialschließungen von mehr als einem Drittel der Häuser bei Galeria Karstadt Kaufhof sind ein harter Schlag für den Konzern, der sich zuletzt auch mit Karstadt Sports über das Schutzschirmverfahren vor der harten Insolvenz retten wollte. Mit dem Aus für Premiumstandorte wie an der Frankfurter Zeil sowie für Flaggschiffhäuser in verschiedenen umsatzstarken Einkaufszentren bekommt auch der Einzelhandel insgesamt ein Problem. Denn durch die Sortimentsvielfalt und die Bedarfsdeckung waren die Häuser nach wie vor ein Frequenzbringer in Innenstadtlagen und Fußgängerzonen. Doch Kunden wirklich begeistern konnten sie schon seit Jahren nicht mehr. Die Gründe hierfür sind vielfältig, darunter

  • überbordende Sortimente, 
  • fehlende Erlebniskaufanreize,
  • zu wenige Versuche, den Online- mit dem stationären Verkauf, wie etwa mit dem Click&Collect-Prinzip, zu verzahnen, sowie 
  • schleppende Management-Entscheidungen zu Markenführung, Immobilien und Modernisierung seit der Fusion 2018.

Sie haben das Kapital des Unternehmens, große Flächen und vielfältige Lieferantenkontakte, stetig mehr ausgehöhlt. 

Modell Kaufhaus ist veraltet

Doch nicht nur die Corona-Krise und fehlende Innovationskraft haben dem Geschäftsmodell Kaufhaus zugesetzt. Es ist auch das sich wandelnde Kaufverhalten der Konsumenten. Das zeigen Zahlen aus einer Vuma-Studie: Gaben im Jahr 2000 noch 38,3 Prozent der Befragten an, in den letzten sechs Monaten bei Karstadt eingekauft zu haben, sind es 20 Jahre später nur noch 24,2 Prozent. Und erklärten damals nur 12,9 Prozent, dass sie nie ins Kaufhaus gehen, sind es heute 38,2 Prozent.

Auch Filialisten, etwa Modeketten aus den Hochzeiten der 80er Jahre oder Parfümieriefilialisten wie Douglas, die derzeit ebenfalls händeringend nach neuen Konzepten suchen, haben den disruptiven Wandel unterschätzt. Plattformgiganten wie Amazon haben sie zu wenig entgegenzusetzen. Ähnliches spielt sich mit dem Ausverkauf der Warenhausgruppe Real an die Investorengruppe SCP im Lebensmittelhandel ab. Hier sichern sich Konkurrenten wie Kaufland mit dem Kauf des Online-Marktplatzes Real.de das Sahnestück für die Zukunft im Vertrieb.

Händler müssen sich digital neu erfinden

Springer-Autor Gerrit Heinemann formuliert im Buch "Geschäftsmodelle in die Zukunft denken" im Kapitel "Die neue Kundenorientierung - Geschäftsmodelle und Geschäftssysteme der Zukunft im Einzelhandel" die Transformation im Handel 4.0 so: "Kaum eine Branche ist derzeit größeren Herausforderungen ausgesetzt als der Einzelhandel. In den letzten Jahren finden Entwicklungen statt, welche die Rolle des klassischen oder stationären Handels dramatisch verändern und seine Daseinsberechtigung infrage stellen. Vor allem aus Kundensicht müssen sich die Händler digitalbasiert neu erfinden." Er glaubt, dass die Gestaltung von Geschäftsmodellen und Geschäftssystemen im Zuge der Digitalisierung auch stationären Händlern "neue Möglichkeiten der Wertschöpfung" eröffnen, etwa für die Innenstadt-Läden oder Shopping Center. Doch deren Betreiber müssen sich beeilen, denn Konsumenten warten nicht.

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