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31.05.2022 | Hannover Messe | Im Fokus | Online-Artikel

Industrie wächst zwischen Sorge und Zuversicht

verfasst von: Thomas Siebel

3 Min. Lesedauer
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Industrieverbände in Deutschland rechnen für 2022 mit weiterem Wachstum, sofern die Energieversorgung nicht abbricht. VDMA, BDI und ZVEI mit ihren Einschätzungen zu Beginn der Hannover Messe.

Trotz des Kriegs in der Ukraine, anhaltender Lieferkettenprobleme und Lockdowns in China rechnet VDMA-Präsident Karl Haeusgen im Maschinen- und Anlagenbau mit einem realen Produktionswachstum im Jahr 2022. Allerdings senkt der VDMA seine ursprüngliche Prognose von 4 % Wachstum auf 1 %. Daneben dürfte nach Einschätzung des Verbands der Umsatz um 8 % auf einen Höchstwert von 239 Milliarden Euro wachsen. Als Grund für die trotz der Belastungen positive Prognosen nennt Haeusgen das momentan sehr hohe Auftragspolster von aktuell 11,6 Monaten. Zudem wirkten sich die weltweiten Konjunktur- und Infrastrukturprogramme positiv aus. Der Kampf gegen den Klimawandel und die Neuausrichtung von Wertschöpfungs- und Lieferketten gehe nur mit modernsten Technologien aus dem Maschinenbau.

Ein Risiko für die Maschinenbauindustrie ist laut Haeusgen jedoch die russische Invasion in der Ukraine. Das Russland-Geschäft der Unternehmen sei inzwischen spürbar eingeschränkt oder vollständig erlegen, was für einzelne Unternehmen schmerzhaft sei. Heausgen ordnet jedoch ein, dass die Investitionen in Produktion und Montage in Russland gering seien im Vergleich zur Größe des Markts. Hauesgen unterstützt die Sanktionen und rechnet damit, dass das Vertrauensverhältnis für Geschäfte mit Russland über viele Jahre gestört bleiben wird.

Lieferketten und Energieversorgung bereiten Sorgen

BDI-Präsident Siegfried Russwurm rückt in seinem Statement zur Eröffnung der Hannover Messe die Risiken für die Industrie noch stärker in den Blickpunkt. Versorgungsnetzwerke und Lieferketten seien zum Zerreißen gespannt, zudem schwächten die fehlgeschlagene Null-Covid-Politik Chinas sowie die Sorge vor einer neuen Virusvariante im Herbst das Wirtschaftswachstum erheblich. Den Anstieg der Produktion im verarbeitenden Gewerbe beziffert Russwurm auf nur noch knapp 2 %, das Exportwachstum dürfte sich in Folge des Kriegs in der Ukraine in diesem Jahr von ursprünglich erwarteten 4 auf 2,5 % verringern.

Wie auch VDMA-Präsident Haeusgen weist Russwurm auf die Unsicherheit ihrer Prognosen hin. Voraussetzung für das Erreichen der Wachstumsziele sei, dass die Lieferkettenprobleme in der zweiten Jahreshälfte merklich abnehmen und dass die Energieversorgung nicht abrupt abbreche. Laut Russwurm würde ein Embargo gegen russisches Gasexporte "das Wachstum in Europa abwürgen und unsere Wirtschaft in einer Rezession schicken". Haeusgen und Russwurm fordern unter anderem einen beschleunigten Ausbau von erneuerbaren Energien sowie von Kapazitäten für die Wasserstoffversorgung. Kurzfristig müsse laut Russwurm vor allem die Versorgung mit Flüssig-Erdgas sichergestellt werden.

Elektroindustrie trotzt schwierigem Umfeld

Weniger betroffen von dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ist die Elektro- und Digitalindustrie. Der Branchenverband ZVEI hält an der Jahresanfangsprognose von 4 % Produktionswachstum im Jahr 2022 fest. Verbandspräsident Gunther Kegel begründet das mit der hohen Kapazitätsauslastung und dem sehr guten Auftragsbestand von fast sechs Monaten. Zudem stimme die fundamentale Notwendigkeit der zunehmenden Elektrifizierung und Digitalisierung zuversichtlich.

Um die deutschen und europäischen Klimaziele zu erreichen, fordert Kegel unter anderem Investitionen in Schlüsseltechnologien. So seien Leistungshalbleiter essenziell für den Ausbau von Elektromobilität und erneuerbaren Energien. Dass Europa bei Schlüsseltechnologien wie der Mikroelektronik mehr technologische Souveränität erreichen will, sei richtig. Mit den im europäischen Förderprojekt IPCEI Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien zugesagten Fördermitteln könne Europa ein Mikroelektronik-Ökosystem aufbauen, das dem Wettbewerb mit asiatischen und US-amerikanischen Unternehmen standhalte und das die Versorgung mit Chips aller Strukturgrößen deutlich besser gewährleiste.

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