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Über dieses Buch

Berlin ist seit der Wiedervereinigung Hauptstadt des vereinten Deutschlands, die alten Zentren Ost und West wachsen immer mehr zusammen. Das Buch beleuchtet die politische Geschichte Berlins als Hauptstadt Deutschlands, die Entscheidung über die Verlagerung des Regierungssitzes nach der Wende 1989-90 und analysiert die besondere Architektur zentraler Bauten und die Lage Berlins in der Mitte Europas.
Der InhaltHauptstadtfunktionen in Geschichte und Gegenwart • DDR-Hauptstadt Berlin • Hauptstadtsuche zwischen Bonn und Berlin • Die Hauptstadtverlagerung und das Berlin-Bonn-Gesetz von 1994 • Länderfusion Berlin-Brandenburg? • Die „Mitte der Mitte“: Die Gestaltung des Regierungszentrums • Die stadtsoziologischen Folgen des Hauptstadtumzugs • Kulturstadt und Kulturarchitektur in Berlin
Der AutorProf. (em.), Dr. Dr. h.c. Klaus von Beyme ist Politikwissenschaftler an der Universität Heidelberg und Ehrenprofessor der Lomonossow-Universität in Moskau.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Berlin wurde vielfach ein Hang zur Selbstüberschätzung nachgesagt. In Meyers Konversationslexikon von 1874 war zu lesen: »Ein unangemessener Stolz auf Berlin und seine Herrlichkeit ist dem Berliner eigentümlich«. Klaus Mann kam im Vergleich der Hauptstädte zu dem Schluss: »Im Gegensatz zur französischen Kapitale ist die deutsche nicht schöpferisch begabt, sondern nur organisatorisch«. Ein linksliberaler Architekturkritiker wie Hegemann (1930; 1979: 182) hat Berlin wegen der militaristischen und bürokratischen Orientierung der Hohenzollern als eine »Mietskasernenstadt« kritisiert.
Klaus von Beyme

Kapitel 2. Hauptstadtfunktionen in Geschichte und Gegenwart

Zusammenfassung
Das Problem der Hauptstadt ist ein Kernproblem der Politik und der politischen Wissenschaften«, schrieb 1930 der Geograph Friedrich Metz (1930: 5). Er fügte aber resignierend hinzu: »Sollte es wenigstens sein«. Die im engeren Sinn »Politischen Wissenschaften«, die beschworen wurden, haben diese Meinung jedoch keineswegs immer adaptiert.
Klaus von Beyme

Kapitel 3. DDR-Hauptstadt Berlin

Zusammenfassung
Berlin wurde Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen erobert. Sie stießen auf eine Trümmerlandschaft: Von den 245 000 Gebäuden waren 11,3 % total, 8,2 % sehr schwer und weitere 3 % mittelschwer beschädigt, wurden aber als wiederherstellbar eingestuft. Als leicht beschädigt und noch benutzbar galten 70,1 % der Bauten.
Klaus von Beyme

Kapitel 4. Hauptstadtsuche zwischen Bonn und Berlin

Zusammenfassung
Von allen wichtigen Ländern Europas hat kein System eine so umstrittene Hauptstadt hervorgebracht wie Deutschland. Berlin als Zentrum Preußens war als Hauptstadt des Deutschen Reiches ab 1871 bei allen Anti-Preußen zunächst äußerst unbeliebt, vor allem in Süddeutschland. Da half es anfangs auch wenig, dass die Hohenzollern immerhin ein süddeutsches Herrschergeschlecht waren und auf eine wesentlich ältere Geschichte zurückblickten als die zunächst unbedeutende brandenburgische Kapitale.
Klaus von Beyme

Kapitel 5. Die Hauptstadtverlagerung und das Berlin-Bonn-Gesetz von 1994

Zusammenfassung
Nicht nur die Phase der Hauptstadtsuche war im vereinten Deutschland einmalig. Auch die Hauptstadtfindung nach der Entscheidung gestaltete sich kaum jemals in der Geschichte so kontrovers. Man kann die verzögerte Implementation des Beschlusses zum Regierungssitz allenfalls mit Brasilien vergleichen.
Klaus von Beyme

Kapitel 6. Länderfusion Berlin-Brandenburg?

Zusammenfassung
Die bilateralen Verhandlungen der beiden Bundesländer Berlin und Brandenburg wurden durch die diskutierten Fusionspläne behindert. Die Frage des kommunalen Finanzausgleichs war schwierig zu regeln. Berlin hätte mit seinem unabhängigen Status als Bundesland ca. 70 % seiner Steuereinnahmen verloren, von denen nur 50 % nach Berlin zurückflossen.
Klaus von Beyme

Kapitel 7. Die »Mitte der Mitte«: Die Gestaltung des Regierungszentrums

Zusammenfassung
Entscheidende Bedeutung gewann die Mitte der Spreeinsel ab 1442. Zunächst war sie als »Zwing Cölln« entstanden, am strategisch wichtigsten Ort der Doppelstadt zur Beherrschung der Bürger. Diese militär-strategische Dominanz führte nie zu einer bedeutenden stadträumlichen Qualität in Bezug auf die Stadt (Flierl in: Flierl/Parzinger 2009: 109). Seit dem 17. Jahrhundert vollzog sich eine Westwanderung der Herrschaftsinstitutionen, mit wichtigen Zwischenstationen wie die Wilhelmstraße und dem finalen West-Ziel des Charlottenburger Schlosses (Welch 1999: 25 f.).
Klaus von Beyme

Kapitel 8. Die stadtsoziologischen Folgen des Hauptstadtumzugs

Zusammenfassung
Berlin ist ein Sonderfall europäischer Hauptstädte, als es mit nur 4 % der Staatsbevölkerung in seinen Mauern Schlusslicht in Europa ist. Eine Besonderheit erscheint auch, dass die Kernstadt Berlins einen deutlich höheren Anteil an der Gesamtbevölkerung des Großraums besitzt und die Einwohnerdichte im Umland niedrig liegt. Die Vereinigung von Berlin und Brandenburg ist plebiszitär abgelehnt worden. Berlin ist zudem der einzige deutsche Stadtstaat, der die Vereinigung politisch-administrativ zu bewältigen hat.
Klaus von Beyme

Kapitel 9. Kulturstadt und Kulturarchitektur in Berlin

Zusammenfassung
Einige ausländische Analytiker empfahlen Berlin, sich auf die Rolle als politisches und kulturelles Zentrum zu beschränken, weil aufgrund von Umfragen unter Repräsentanten japanischer Firmen, die wirtschaftliche Konkurrenz anderer deutscher Großstädte schwer zu schlagen sei (Japan Berlin Study Group 1993: 23). Es gab auch Publizisten (Schmidt 2012: 50), welche die Debatte um Berlins Zukunft als »verstockt geführt« wahrnahmen. Berlin als Metropole musste wegen des Mangels an wirtschaftlicher Potenz seine Bedeutung im Kulturleben kompensieren. In den politisierten Kulturdebatten – etwa um das Stadtschloss – entdeckte man bei aller Kreuzberger Provinzialität »etwas Piratisches« und eine »Occupy-Wut«.
Klaus von Beyme

Kapitel 10. Konklusion

Zusammenfassung
Berlin als Mischung von Weltstadtanspruch und Scham über Rückständigkeit hat bereits im 19. Jahrhundert wichtige Schriftsteller aufgebracht. Fontane meinte schon 1862, es gebe höchstens acht bis zehn Häuser, die eine »verhältnismäßige Zierde bildeten«. Karl Gutzkow, ein politisch vielfach verfolgter und abgelehnter Schriftsteller des »Jungen Deutschland«, der 1844 die »Weltstadt Berlin« ausrief, beklagte in seiner »Ästhetik des Hässlichen« von 1873, an der Hauptstadt sei alles »arm, unschön, unkaiserlich«.
Klaus von Beyme

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