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Über dieses Buch

Hjalmar Schacht gilt auf Grund seiner Rolle als Präsident der Reichsbank bis heute als umstrittene Figur in der Wirtschaftsgeschichte. Gleichwohl er nach dem Zweiten Weltkrieg umfassende Kritik an der Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik der Bundesbank und der Bundesregierung übte, fanden seine theoretischen Ansichten bisher wenig Beachtung. Dabei ist sein Beitrag zur wirtschaftswissenschaftlichen Forschung bemerkenswert.

Dieses Buch diskutiert daher erstmals systematisch Schachts Ansichten zur Geld- und Konjunkturpolitik. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Bedeutung Schachts Analysen für die Gestaltung von geld- und konjunkturpolitischen Systemen haben, die inhärent eine Preis- und Wechselkursstabilität fördern. Vergleicht man seine Analysen mit denen anderer Teilnehmer der wirtschaftlichen Debatte in der Nachkriegszeit, sind sie in Tiefgang und Treffsicherheit kaum übertroffen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit den Auffassungen von Hjalmar Schacht zur Geld- und Konjunkturpolitik. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Bedeutung Schachts Analysen der Funktion der Geld-, Kapital- und Gütermärkte für die Möglichkeit der Gestaltung geld- und konjunkturpolitischer Systeme haben, die inhärent eine Preis- und Wechselkursstabilität fördern.
Arie van der Hek

2. Ende der Hyperinflation

Zusammenfassung
Hjalmar Schacht wird 1923 mit einer Position betraut, die ihn in die Lage versetzt, seine Auffassungen zur Wirtschafts- und Geldpolitik in der Praxis umzusetzen. Die Reichsregierung hat ihn im November 1923 zunächst zum Kommissar für Geldpolitik und anschließend im Dezember 1923 zum Präsidenten der Reichsbank ernannt. In seinem Buch Die Stabilisierung der Mark von 1927 beschreibt er seine Politik bis etwa Ende 1926. Im gleichen Jahr erscheint seine Broschüre Eigene oder geborgte Währung, in der er ganz konkret auf die Grundsätze eingeht, auf denen seine Auffassungen zur Geldpolitik beruhen. Im Jahr 1966 blickt er mit seinem Buch Magie des Geldes. Schwund und Bestand der Mark auf sein Berufsleben zurück. Darin wird natürlich auch dieser Zeitraum besprochen.
Arie van der Hek

3. Konjunkturelle Erholung auf Sand gebaut (1924–1930)

Zusammenfassung
Für Hjalmar Schacht stand die politische Agenda fest. Die Geldpolitik der Reichsbank sowie die Haushalts- und Konjunkturpolitik der Reichsregierung müssten auf eine Erholung der Wirtschaft ausgerichtet sein, die mit einer Wechselkurs- und Preisstabilität einherginge. Dabei galten die monetären Spielregeln, die Deutschland durch das Dawes-Abkommen auferlegt waren.
Arie van der Hek

4. Außenpolitik, Handel, Geld und Kapital

Zusammenfassung
In welchem Kräftefeld musste die Reichsregierung agieren, als sie eine Neuverhandlung des Dawes-Abkommens anstrebte? Das Rheinland sowie ein einzelner Stützpunkt am rechten Rheinufer waren noch besetzt. Das Ruhrgebiet war inzwischen geräumt. Die Gründe, die Frankreich und Belgien seinerzeit zur Besetzung des Ruhrgebiets veranlassten, waren nur allzu gut bekannt. Deutschland sollte zur Lieferung von Waren und zur Leistung von Zahlungen gezwungen werden. Beide Länder bestanden weiterhin auf Zwangsmitteln, damit Deutschland seine Verpflichtungen erfüllte. Was das Problem noch komplizierter gestaltete, war die von Frankreich und Großbritannien vorgenommene Verknüpfung zwischen den Reparationszahlungen und den interalliierten Kriegsschulden. Beide Länder wollten die Reparationszahlungen zur Kriegsschuldentilgung verwenden.
Arie van der Hek

5. Die große Wirtschaftskrise (1930–1933)

Zusammenfassung
Nachdem Schacht die Reichsbank verlassen hatte, setzte die Zeit des Niedergangs der Weimarer Republik ein. Ihren Abschluss fand diese Entwicklung unter den beiden Kabinetten des Zentrumpolitikers Brüning (30. März 1930 bis 30. Mai 1932), dem national-konservativen Kabinett von Papen (2. Juni 1932 bis 3. Dezember 1932) sowie dem Kabinett von Schleicher (3. Dezember 1932 bis 30. Januar 1933). Die politischen Verhältnisse waren durch eine immer stärkere Polarisierung gekennzeichnet. An den Wahlurnen legte Hitlers NSDAP mit einer einzigen Unterbrechung kontinuierlich zu. Dem stand die starke KPD gegenüber, während die Parteien der Mitte an Boden verloren. Die drei genannten Regierungen sahen sich angesichts dessen gezwungen, von der verfassungsrechtlichen Möglichkeit Gebrauch zu machen und mit Notverordnungen zu regieren. Der Reichstag billigte dieses Vorgehen und demonstrierte damit die eigene Machtlosigkeit. Hier zeigte sich die mangelnde Zukunftsfähigkeit der jungen demokratischen Weimarer Republik. Der einstmals so fortschrittliche Demokrat Hjalmar Schacht hatte inzwischen seinen Glauben an eine demokratisch verfasste parlamentarische Republik verloren. Er schlug sich auf die Seite der National-Konservativen, die zum autokratisch regierten alten Deutschland zurückkehren wollten. Seine Broschüre aus dem Jahr 1930 mit dem vielsagenden Titel „Nicht reden, handeln! Deutschland, nimm dein Schicksal selbst in die Hand!“ zeugte davon. Sie war voller national-konservativer Rhetorik. So besitze das deutsche Volk den Fleiß und das Pflichtbewusstsein, um aus eigener Kraft zu Wohlstand zu gelangen. Was fehle, sei die Führung, mit der sich diese Eigenschaften Geltung verschaffen könnten. Das Volk könnte sich unter geeigneter Führung von den ausländischen Einmischungsversuchen, die die eigene Bewegungsfreiheit einschränkten, befreien. Die Stärke von Deutschlands Erholung liege im Volk und seinem Staat. Und unter diesem Gesichtspunkt sei auch eine Zusammenarbeit mit anderen zu betrachten.
Arie van der Hek

6. Kurze wirtschaftliche Erholung unter Hitler (1933–1939)

Zusammenfassung
Im Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Seinem Kabinett gehörten nationalsozialistische und nationalkonservative Minister verschiedener Couleur an. Am 17. März 1933 berief Hitler Hjalmar Schacht zum Präsidenten der Reichsbank. Hitlers Ernennung zum Reichskanzler ging sicher zu einem Großteil auf seinen propagandistischen Ansatz sowie sein rhetorisches Talent zurück, das er dabei zur Schau stellte. Er ging systematisch auf Distanz zur „alten“ Politik und den zugehörigen Parteien der Mitte. Für den desolaten Zustand, in dem sich Deutschland befand, machte Hitler immer wieder diese Parteien verantwortlich. Gleichzeitig hatte er es auf die Bolschewisten, die Juden, die sogenannten „Plutokraten“, die marxistischen Sozialdemokraten und die Gewinner des (Ersten) Weltkriegs abgesehen. Die hatten das deutsche Volk ins Elend gestürzt. Ein radikaler Kurswechsel musste her. Die Massenarbeitslosigkeit sollte durch eine Politik zur Ankurbelung der Wirtschaft beseitigt werden. In der Außenpolitik ging es um die Wiederherstellung Deutschlands als anerkannte Großmacht. Das Unrecht der Friedensregelungen musste rückgängig gemacht werden. In Bezug auf die politische Umsetzung dieses Kurswechsels machte Hitler nur vage Andeutungen. Laut Schacht besaß die NSDAP kein ausgearbeitetes Wirtschaftsprogramm. Sorge bereitete ihm das nicht. Schacht verfolgte eine Doppelstrategie. Zu eindeutige Aussagen im Kampf um die politische Macht würden für Kritik sorgen. Mit Blick auf die Wahlen war es attraktiver, mit Diffamierungen und Versprechen auf das Volk einzuwirken und dabei auf die Abneigungen und Unsicherheiten der Wähler einzugehen. Schacht überlegte auch, dass er – wenn er mit einem Kabinett Hitler wieder in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten würde – Handlungsspielraum für die Ausgestaltung eigener Auffassungen bekäme. Seiner Einschätzung nach lag das im Bereich des Möglichen. Seine Kritik an der von den Vorgängerregierungen und vom letzten Reichsbankpräsidenten Luther geführten Deflationspolitik war bekannt. Auch mit der Überzeugung, dass es ein Kabinett Hitler geben müsste, hatte er nicht hinter dem Berg gehalten. Seine Argumentation war offensichtlich ganz einfach. Stand der NSDAP die Regierungsgewalt nicht zu? Immerhin war sie bei den Wahlen erfolgreich. Wäre eine Koalition aus NSDAP und Nationalkonservativen nicht das beste Mittel, um die bolschewistische Gefahr abzuwehren? Wäre eine solche Koalition nicht auch der beste Garant dafür, Hitler und seine Verbündeten von radikalen Umbrüchen der Wirtschaftsordnung zum Nachteil der Privatwirtschaft abzuhalten?
Arie van der Hek

7. Schachts Kommentare zur Geldpolitik der Nachkriegszeit

Zusammenfassung
Hjalmar Schacht war ab 1944 in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert und gelangte schließlich in das Lager Niederdorf in Südtirol. Dort, im abgelegenen Pustertal, geriet er schließlich in die Hände der amerikanischen Streitkräfte. Schnell musste er feststellen, dass es sich nicht um seine Befreiung handelte. Vielmehr hatte er sich vor dem Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg zu verantworten. Ihm wurden Verschwörung mit Hitler gegen den internationalen Frieden und die Sicherheit bzw. Teilnahme an der Kriegsvorbereitung zur Last gelegt. Am 1. Oktober 1946 wurde er freigesprochen. In Württemberg kam er für kurze Zeit wieder mit seiner Familie zusammen. Dann nahmen ihn die deutschen Behörden fest. Im Rahmen der Entnazifizierung wurde er vor eine Spruchkammer gestellt, die über eine Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie an Kriegsvorbereitungen zu befinden hatte. Schließlich wurde er zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Das Berufungsverfahren brachte zwar keinen Freispruch, führte aber im September 1948 zu seiner Freilassung. Von Württemberg zog er nun nach Niedersachsen. In einem weiteren Berufungsurteil folgte am 13. September 1950 ein endgültiger Freispruch. Er wäre nicht Hjalmar Schacht gewesen, wenn er nun für den Rest seines Lebens geschwiegen hätte. Seine Vergangenheit verfolgte ihn. 1948 erschien sein Buch „Abrechnung mit Hitler“. Darin äußert er Bedauern über die Geschehnisse und bietet Erklärungen für sein offenkundiges Unvermögen, rechtzeitig zu erkennen, mit wem er es in der Person Hitlers und dessen Gefolgschaft zu tun hatte. An die Stelle dieses Unvermögens tritt jetzt eine harte Verurteilung.
Arie van der Hek

8. Nachwort

Zusammenfassung
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der deutschen Krise zur Zeit der Kabinette Brüning sowohl in historisch orientierten als auch in theoretischen Wirtschaftsuntersuchungen große Aufmerksamkeit geschenkt. Das galt beispielsweise für die Debatte deutscher Wirtschaftswissenschaftler zu der Frage, ob die Politik von Brüning vertretbar gewesen sei oder nicht, die sogenannte „Borchardt-Kontroverse“. Knut Borchardt behauptete, dass Brüning angesichts der stark gestiegenen Staatsschulden und des immer noch bestehenden Finanzierungsdefizits keine Alternative gehabt habe. Es standen keine ausländischen Kredite mehr zur Verfügung. Eine Sanierung der öffentlichen Finanzen aus eigener Kraft war unvermeidlich geworden. Folge war eine fortgesetzte Deflationspolitik. Diese Politik führte zu Kostensenkungen durch Nachfrageschwäche und einen Kampf um schwindende Marktanteile. Das Ergebnis war eine tiefe Depression, auf die nach Borchardts Überzeugung nur eine wirtschaftliche Erholung folgen konnte. Monetäre Impulse wären dann lediglich zur Ankurbelung gerechtfertigt gewesen. In dieser Debatte erhielt Borchardt Unterstützung von Albrecht Ritschl. Kritik dagegen kam von Carl Ludwig Holtfrerich und Rainer Meister. Holtfrerich war der Auffassung, dass Brünings Problem auf Brüning selbst und dessen Vorgänger Hermann Müller zurückging, weil diese öffentliche Investitionen als Wachstumsmotor ausgeschlossen hatten. Erst das daraus resultierende enttäuschende Wirtschaftswachstum machte das Finanzierungsproblem so dringlich. Meister behauptete, dass es für die Entscheidung von Brüning keinen Grund gegeben habe. Eine rechtzeitige Abwertung der Reichsmark hätte bei einer Lohnkostenentwicklung, die hinter der Produktivitätssteigerung zurückblieb, ausgereicht, um die Zahlungsbilanz auszugleichen und die Konjunktur anzukurbeln.
Arie van der Hek

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