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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Wandel ohne Wachstum — eine Chance für die Siedlungskultur

Wandel ohne Wachstum — eine Chance für die Siedlungskultur

Zusammenfassung
Zwischen Wohnungsbau und Siedlungskultur liegen Welten. Siedlungskultur ist ein Traum aus der ‚alten Welt‘, in der Menschen Häuser zum Wohnen, Arbeiten, Ausruhen und Vergnügen für sich, ihre Kinder und Kindeskinder bauten. Jeder von ihnen wollte wer sein, sich ausdrücken und je nach wirtschaftlicher Lage großen oder kleinen Eindruck machen. Diese Menschen waren in eine Kultur eingebunden, sie hatten eine gemeinsame Bauauffassung, ohne daß sie davon wußten.
Karl Ganser

(Stadt) Baukultur

Frontmatter

Sprünge nach vorn, Blicke zurück

Interbau Berlin 1957 — IBA Berlin 1983/1987 — IBA Emscher Park 1999
Zusammenfassung
Alle deutschen Bauausstellungen dieses Jahrhunderts haben das Wohnen als ein zentrales Thema betrachtet, manchmal auch als ihr einziges. „Bauausstellungen sind Wohn-Ausstellungen.“1 Manche hießen eigens so. Die Ausstellung auf dem Stuttgarter Weißenhof von 1927 nannte sich lapidar ‚Die Wohnung‘, die Breslauer Werkbundausstellung von 1929 ‚Wohnung und Werkraum‘, ihre Nachfolgerin auf dem Karlsruher Dammerstock aus demselben Jahr ‚Die Gebrauchswohnung‘, die Wiener Werkbundausstellung 1930 ‚Neuzeitliches Wohnen‘. Die Internationale Bauausstellung Berlin (IBA) von 1987 führte den Untertitel ‚Die Innenstadt als Wohnort‘. In dieser Tradition steht die IBA Emscher Park, indem sie den Wohnungsbau zu einem ihrer wichtigsten Arbeitsfelder gemacht hat.
Wolfgang Pehnt

Wohnküche und Muldensystem, Gemeinschaftswohnung und Gentrifizierung

Die Siedlungsprojekte Teutoburgia (Herne), Schüngelberg (Gelsenkirchen), CEAG und Depot (Dortmund)
Zusammenfassung
Wohnen tut jeder, kann jeder. Zumindestens allein. Zu zweit beginnen die Schwierigkeiten, in der Wohngemeinschaft steigern sie sich schon ins Problematische und in einem kleinen Dorf erst recht. Was müssen Siedlungsbauer und Wohnungswirtschaftler heule alles berücksichtigen, um einer Gruppe von Menschen individuellen Wohnraum zu geben und harnionische Sozialisation zu ermöglichen — haben sie überhaupt zwischen Individualität und Gemeinschaftsaufgabe eine Chance? Wie sehen die Vorbilder für morgen aus?
Dirk Meyhöfer

Warum es Sinn macht, die Gartenstadt immer wieder neu zu erfinden

Zusammenfassung
Die Erfindung der Gartenstadt hat den Siedlungsbau des 20. Jahrhunderts geprägt. Kein anderes Modell hat hundert Jahre lang Wohnungs- und Lebensreformer, industrielle und neuere Investoren, Initiativen und Architekturschulen immer wieder inspiriert. Und kaum ein anderes Modell wurde so unzulänglich rezipiert, in seinen Ambitionen verengt und so oft mißbraucht. Dies gilt nicht zuletzt für den gartenstädtischen Arbeitersiedlungsbau im Ruhrgebiet.
Peter Zlonicky

Eine neue Gartenstadt-Siedlung: die Seseke-Aue in Kamen

Zusammenfassung
Bereits auf den ersten Blick unterscheidet sich die Siedlung Seseke-Aue in Kamen deutlich vom städtebaulichen Bild der Umgebung. Rote Ziegeldächer und pastellfarbene Fassaden schaffen eine freundliche, einladende Atmosphäre und heben sich angenehm von der in der Region üblichen, eher gräulichen Farbgebung ab. Zwischen langgestreckten Häuserzeilen öffnen sich üppig bepflanzte Gärten und parkähnliche Flächen. Keine Verkehrsstraße zerschneidet die Siedlung, die Häuser werden nur über Gehwege erschlossen. Es herrscht Ruhe, Motorengeräusche hört man nicht — eine ungewöhnliche Erfahrung in der einstigen Industrieregion. Wo andernorts Fahrzeuge parken, spielen Kinder in einem Sandkasten, plaudern Bewohner auf einer Gartenbank. Nur wer Möbel und schwere Güter zu transportieren hat, darf ausnahmsweise mit dem Auto über die Wege einfahren; ansonsten werden alle Fahrzeuge auf Parkplätzen am Rande der Gartenstadt abgestellt.
Jörg Blume

Eine Chance für ‚richtige Standorte‘?

Zusammenfassung
Angeregt durch beeindruckende Fotos in Architektur-Gazetten, entwickelte sich die Neugier, die neuen Siedlungen des traditionsreichen Wiener Wohnungsbaus zu erkunden. Die ersten Besichtigungstouren an den Rand der Stadt zu den bekannten Siedlungen Wienerberg-Gründe, Traviatagasse, Othellogasse, Pilotenweg und Brunner Straße erzeugten schnell Begeisterung. Die stellte sich leicht ein — formal-ästhetische Qualitäten prägten den ersten Eindruck. Neu waren die Farbigkeit, die durchgängige sorgfältige Gestaltung, die Qualität der Materialien, die vergleichsweise hohe Dichte, die teilweise ungewöhnlichen Gebäudeformen und-typen. Das Neue, Ungewohnte und Schöne verstellt oftmals den Blick, der erst mit der Zeit frei wird, auch strukturelle Probleme zu erkennen.
Kunibert Wachten

Virtuoses Wohnquartier auf dem ehemaligen Küppersbuschgelände

Zusammenfassung
Auf einem brachgefallenen Industriegelände der Firma Küppersbusch im Gelsenkirchener Stadtteil Feldmark gestaltete das Architektenpaar Michael Szyszkowitz und Karla Kowalski aus Graz ein virtuoses Wohnquartier. Zwei- bis viergeschossige Gebäude staffeln, schichten und verschachteln sich um einen linsenförmigen Platz. „Zukunftsweisende Architektur“, meinen die einen. „Das städtebauliche Umfeld mißachtend“, kritisieren die anderen.
Jörg Blume

Planungskultur

Frontmatter

Lernprozesse

Zwölf Vermutungen über die Entwicklung der Planungskultur
Zusammenfassung
Wer Ziele und Arbeitsweisen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park verstehen will, muß zurückblicken. Denn vieles von dem, was die IBA verfolgt, und die Art und Weise, wie sie dies beharrlich betrieben hat, war durchaus nicht neu. Vielmehr spricht manches dafür, daß hier Entwicklungslinien aufgegriffen und weiterentwickelt werden, die bereits vor einem Vierteljahrhundert begannen. Mit der damals einsetzenden Erneuerung des ‚Bestands‘ — als Alternative zu flächenhaftem Abriß und Neubau von Stadtteilen — wurden zugleich Lernprozesse in Gang gesetzt, die zu Veränderungen von Zielen und Verfahren der Planung führten.
Klaus Selle

Schule als Wohn- und Lebensort — Siedlung als Lernort

Die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck und die Selbstbausiedlung Laarstraße
Zusammenfassung
Spätnachmittag, Schulschluß. Rainer Winkel, Direktor der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, verabschiedet die Kinder am Schulausgang. Er lobt, mahnt, muntert auf — für nahezu alle hat er ein Wort übrig. Manchem seiner Schützlinge streicht er geschwind über den Kopf, einen leicht gekleideten Jungen drängt er dazu, bei dem naßkalten Wetter doch besser eine Regenjacke anzuziehen. So persönlich wie in einer kleinen Dorfschule kann er sein, denn noch sind es nur etwas mehr als hundert Kinder, die den ganztägigen Unterricht in der neuen Gesamtschule im Stadtteil Bismarck, einem typischen Gelsenkirchener Arbeiterviertel, aufgenommen haben. Für seine neue Aufgabe ist der Schulreformer aus Berlin ins Ruhrgebiet gekommen. Die Arbeit macht ihm sichtlich Spaß. Mit jedem Schulbeginn wird seine Schülerschar nun in den kommenden acht Jahren wachsen — bis von der fünften bis zur 13. Klasse alle Jahrgänge vertreten sind. Rund 1100 Schüler sollen es dann im Jahre 2006 sein. Parallel zu den Schülerzahlen wächst auch die Schule — die Anlage wird erst nach und nach fertiggestellt. So erleben die ersten Schülergenerationen den Bauprozeß mit und gestalten sogar ihre Klassenräume selbst.
Jörg Blume

Einfach und selber bauen

Selbstbausiedlungen für soziales Wohnen, Nachbarschaft und Baukultur in der Stadt
Zusammenfassung
Über 50 Jahre lang war der Nachkriegs-Wohnungsbau wohnungspolitisch, ökonomisch und ideologisch gespalten: in den ‚sozialen Wohnungsbau‘ und das ‚Eigenheim‘. Diese Polarität hat Stadtentwicklung, Städtebau und Architektur gleichermaßen geprägt.
Henry Beierlorzer

Jede freie Minute auf der Baustelle

Wie zwanzig Familien mit Hilfe des Prinzips ‚Einfach und selber bauen‘ zu Eigenheimen kamen
Zusammenfassung
Ein eigenes Haus? Na ja, vielleicht eine Eigentumswohnung. Mehr trauten sich Gabriele und Herbert Hecken nicht zu. Natürlich, für die beiden Kinder wünschten sie sich schon, sie könnten in einem eigenen Häuschen mit Garten aufwachsen statt in der Altbau-Mietwohnung. Doch allein mit Herbert Heckens Einkommen aus seiner Tätigkeit als Großhandelskaufmann — seine Frau, eine gelernte Bürokauffrau, arbeitet derzeit nicht — würde das nicht gehen.
Roland Kirbach

Wohnkultur

Frontmatter

Was bleibt, ist Qualität

Siedlungen in Zeiten zyklischer Verläufe des Wohnungsmarktes
Zusammenfassung
In einer Zeit, da die Wohnung zunehmend zum Handelsobjekt wird, da man sich schwer tut wegen kurzatmiger Renditeerwartungen ebenso wie kurzatmiger hoher quantitativer Forderungen zur Investition im Neubau, in einer Zeit, in der statt dessen ganze Wohnungsunternehmen gehandelt werden und ihren Besitzer wechseln, erscheint vielen in der Wohnungswirtschaft Tätigen über Qualitäten des Wohnungs- und Siedlungsbau nachzudenken unverantwortlich oder aber zumindest antiquiert oder gar fahrlässig.
Karl-Heinz Cox

„Das ist wie Urlaub, man vergißt die Zeit“

Inmitten einer alten Bergarbeitersiedlung entstanden Sozialwohnungen, in denen sich die Mieter wie im Eigenheim fühlen
Zusammenfassung
Nein, Liebe auf den ersten Blick war es wirklich nicht. Als die ersten Neubauten standen, gibt Karin Eichenauer zu, seien ihr die Tränen gekommen: „Diese Farben, rote Türen, bunte Fensterrahmen!“ Innen eine Eisentreppe, die an Bahngleise erinnere. Vor allem: Die Häuser waren aus Holz, aus grünem Holz! Und darauf hat ihre Familie sechs Jahre lang gewartet?
Roland Kirbach

Soziales Management und Revitalisierung von Nachbarschaft

Eine Aufgabe moderner Wohnungswirtschaft
Zusammenfassung
Die Daten aus den Städten der Welt, die von der Weltsiedlungsorganisation UNHCS-Habitat zusammengetragen werden, zeigen, daß die Bundesrepublik Deutschland international zu den Ländern mit der besten Wohnungsversorgung gehört.1 In den deutschen Städten und Gemeinden ist das Qualitätsniveau der Wohnungsversorgung nicht nur besonders hoch, sondern auch vergleichsweise gleichmäßig. In kaum einem anderen Land wohnen auch die Bevölkerungsgruppen, die sich am unteren Ende der Einkommenspyramide befinden, so hochwertig. Großflächige Ghettos von sozialen Randgruppen oder Einwanderern, wie sie aus anderen Industrieländern bekannt sind, gibt es in deutschen Städten kaum. Selbst Quartiere wie das Frankfurter Bahnhofsviertel, Köln-Chorweiler oder Berlin-Kreuzberg haben bisher noch nicht das Ausmaß der Problemkonzentration erreicht, wie es in nordamerikanischen, britischen, französischen oder niederländischen Städten herrscht.
Volker Eichener

Euphorie und Normalität nachbarschaftlicher Gemeinschaftsprojekte

Geschichten aus drei Siedlungen
Zusammenfassung
Der Garten, den die Bewohner der kleinen Siedlung ‚Grabeland‘ nennen, gibt der Anlage einen Hauch altmodisch-ländlicher Nutzung, wie er für alte Siedlungen charakteristisch ist. Beete mit Gemüsepflanzen, Stauden, niedrige Büsche, alles gepflegt, aber nicht übergepflegt, mit anderen Worten: ein hübscher Anblick. Kein Zufall, sagt Doris K., eine ehemalige Bewohnerin, über dieses Grabeland haben sich alle hier noch einmal intensiv verständigt, das lag ihnen am Herzen, man diskutierte, verteilte Parzellen ... hier steckt noch Herzblut drin.
Beatrix Novy

Bewohnerengagement, Selbsthilfe und Eigenverantwortung in Mietsiedlungen

Eine Rundreise durchs Ruhrgebiet
Zusammenfassung
Bewohnerengagement und Selbsthilfe in bezug auf Wohnung, Grundstück und Gebäude sind Attribute, die man üblicherweise dem Wohneigentum zuordnet und dort vor allem dem Eigenheim und dem Wohnen mit individuellem Eingang und eigenem Garten. Mit dem Mietwohnungsbau dagegen verbindet man anonymes Wohnen auf der Etage, hohe Fluktuation und eine Dienstleistungsbeziehung zwischen Hauseigentümer und Mieter sowie umgekehrt ein Konsumentenverhältnis zwischen Mieter und Eigentümer.
Joachim Boll

Bewohner ergreifen die Initiative: die Siedlung Stemmersberg

Zusammenfassung
„Ich geh hier nicht raus!“ Der hagere Mann im Pullover ist aufgestanden, um besser gehört zu werden. Solche Sätze sind an diesem Abend bei der Bewohnerversammlung der Siedlung Stemmersberg noch öfter zu hören: Die Siedlungseigentümerin will 36 Häuser abreißen, weil sie vom Schwamm befallen sind. Die Stimmung in der Gastwirtschaft ‚Heideblümchen‘ erinnert an alte Zeiten: An die ‚Rettet Eisenheim!‘-Kampagnen der siebziger Jahre, an die Kämpfe um Zechensiedlungen, die schon zum Abriß freigegeben waren und deren Lebensqualitäten just damals wiederentdeckt worden waren: von den Bewohnern, aber auch von Stadtplanern, Studenten, Regionalforschern, von einer Generation, die den kleinfamiliären Muff der Adenauer-Ära abgeschüttelt hatte und die Vorbilder solidarischer Lebensformen in der Geschichte der Arbeiterbewegung suchte. Daß die Realität dabei manchmal ein bißchen verklärt wurde, nahm dem Engagement nicht die Bedeutung. Eisenheim beispielsweise blieb stehen.
Beatrix Novy

Projekte

Frontmatter

Neue und alte Siedlungen als Erneuerungsimpuls für eine Region Projekte der IBA Emscher Park

Zusammenfassung
Als Ende der achtziger Jahre die Idee einer Internationalen Bauausstellung Emscher Park geboren wurde, war klar, daß — anders als etwa bei der IBA in Berlin —, deren Strukturprogramm keine Wohnbauausstellung werden würde. Man erinnere sich: Mitte der achtziger Jahre spielte der Wohnungsneubau kaum eine Rolle für die städtebauliche Entwicklung, geschweige denn im nördlichen Ruhrgebiet, in dem seit Jahren Schrumpfungsprozesse eine Entwicklung prägen, die sich u. a. in Einwohnerverlusten und letztlich auch in Wohnungsleerständen zeigen.
Henry Beierlorzer, Joachim Boll

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