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Über dieses Buch

Dieses Buch erläutert und entwickelt das Profil der Betriebswirtschaftslehre weiter und liefert wichtige Beiträge zur Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre. Das Buch konzentriert sich dabei insbesondere auf die Gebiete Organisation, Personal, Rechnungswesen, Steuern und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.

Gegenwärtig zeichnet sich die Möglichkeit ab, dass sich die fachlichen Teilgebiete der Betriebswirtschaftslehre verselbständigen. Dazu trägt auch, aber nicht nur, das mittlerweile weltweit dominierende angelsächsische Verständnis des Faches bei, das durch eine weitgehende Zersplitterung der betriebswirtschaftlichen Teilgebiete gekennzeichnet werden kann. In der deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre besteht deshalb seit einigen Jahren das wieder entfachte Interesse und Bemühen, wichtige Beiträge zu der Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre und den Wurzeln des Faches in das wissenschaftliche Bewusstsein zu rücken. Dieses Buch leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Die Autoren identifizieren und diskutieren markante Ideen und Beiträge zur Entwicklung des Faches. Neben dem Blick zurück wird auch der aktuelle Zustand des Faches betrachtet. Auf dieser Grundlage werden denkbare weitere Entwicklungslinien von den Autoren abgeleitet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Perspektiven und Konzeption der Betriebswirtschaftslehre

Frontmatter

Einige „Ideen“ für die Ordnung einer Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre

Was kennzeichnet den Forschungsgegenstand „Ideen“? Diese Frage verfolgt der Beitrag in Bezug auf Merkmale, die Ordnung in Mengen von Einzelerkenntnissen bringen können, und die im Fall der Betriebswirtschaftslehre aus naturwissenschaftlichen Vorbildern in Medizin, Biologie und Physik entlehnt worden sind. Der Beitrag verfolgt den Gebrauch und die Entwicklung solcher Konzepte wie „sozialer Stoffwechsel“, „Organismus“, des „survival of the fittest“ oder des Gleichgewichtes. Es wird erörtert, ob die Anlehnung solcher Vorbilder Erkenntnisse oder auch Irrtümer und gelegentlich Unsinn erbracht hat. Es wird gezeigt, dass Analogien und Metaphern in Anlehnung an Medizinisches und Biologisches nicht und in Anlehnung an Physikalisches nur anfänglich fruchtbar gewesen sind.

Dieter Schneider

Allgemeine versus Spezielle Betriebswirtschaftslehre

Der Beitrag reflektiert die Rolle der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre für die Orientierung und Kontextualisierung des Faches und seiner Subdisziplinen. Es wird dargelegt, dass nahezu alle vergleichbaren Disziplinen eine allgemeine und eine spezielle Perspektive unterscheiden. Dabei ist in der allgemeinen Perspektive die theoretische Basis des jeweiligen Faches verankert. Das bedeutet: Die Betriebswirtschaftslehre ist auf die Entwicklung tragfähiger Theorien angewiesen: Sie reduzieren Komplexität und tragen dazu bei, übergreifende Zusammenhänge aufzuzeigen und handhabbar zu machen. Das Fehlen einer theoretischen Basis führt zu zusammenhanglosem Wissen: Je theoriearmer eine Disziplin ist, desto mehr neigt sie zur Zersplitterung und Auflösung. Diese Entwicklung, die u. a. durch das US‐amerikanische Fachverständnis forciert wird, müsste gebremst werden.

Wolfgang Weber

Kommentar zum Beitrag „Allgemeine versus Spezielle Betriebswirtschaftslehre“ von Wolfgang Weber

Zur Geschichte der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre

Der vorliegende Beitrag nimmt eine kritische Reflektion des Beitrages von Wolfgang Weber im vorliegenden Band vor. Darüber hinaus wird eine kurze Geschichte der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre dargestellt, die sich nach Ansicht des Verfassers in 5 Phasen seit ca. 1910 gliedern lässt. Es zeigt sich dabei ein starker Bedeutungsverlust der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre seit etwa 1970 zu Gunsten einer stärkeren Spezialisierung und Ausdifferenzierung in der Betriebswirtschaftslehre. Der Beitrag schließt mit Vorschlägen zur Abgrenzung von Allgemeiner Betriebswirtschaftslehre und Speziellen Betriebswirtschaftslehren und einer daraus abgeleiteten inhaltlichen Konzeption für eine Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.

Wolfgang Burr

Unternehmensethik – ein umstrittener Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre

Unternehmensethik ist erst in den letzten 30 Jahren zu einem anerkannten Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre geworden. Der Beitrag zeichnet diese Entwicklung nach und zeigt Gründe auf, die hierfür maßgebend sein dürften. Er arbeitet heraus, warum eine Bezugnahme allein auf das Konzept wertfreier wissenschaftlicher Aussagen und eine Beschränkung als rein ökonomische Wissenschaft für die BWL als anwendungsorientierte Disziplin nicht ausreichend erscheinen. Auf dieser Basis wird aufgezeigt, warum Unternehmensethik einen Teil der BWL bilden sollte und welche Konzepte hierfür entwickelt worden sind.

Hans-Ulrich Küpper

Kommentar zum Beitrag „Unternehmensethik – ein umstrittener Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre“ von Hans-Ulrich Küpper

Herr Küpper erläutert in seinem Beitrag mit Bezug auf die Geschichte der Betriebswirtschaftslehre (BWL) die Gründe der skeptischen Haltung der BWL gegenüber der Unternehmensethik. Er fordert, dass die „Unternehmensethik einen notwendigen Bestandteil betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre bilden sollte“. Der Kommentar folgt Herrn Küpper zu weiten Teilen. Die wissenschaftstheoretischen und metaethischen Voraussetzungen der Argumentation werden hingegen relativiert. Vor dem Hintergrund der historischen Skizze, die Herr Küpper in seinem Beitrag leistet, sind die Rolle der Werturteilsfreiheit und der Positiv‐Normativ‐Distinktion für das Selbstverständnis der BWL erneut zu diskutieren.

Michaela Haase

Rechnungswesen und Steuern

Frontmatter

Luca Pacioli im Lichte von Betriebswirtschaftslehre und Economia Aziendale

Prolegomena zu einer vergleichenden Analyse historiographischer Narrative

Der Beitrag fragt nach dem Pacioli‐Bild in deutscher Betriebswirtschaftslehre und italienischer Economia Aziendale und untersucht deren Narrative auf einer breiten Basis ideengeschichtlicher Werke beider Länder. Methodisch wird eine synchronische (Abschn. 2 und 3) und diachronische Sicht (Abschn. 4) unterschieden.Der Beitrag zeigt in Abschn. 2, dass einige der fundamentalen betriebswirtschaftlichen Diskurse in (deutschen) Narrativen über Luca Pacioli ihr Spiegelbild fanden. Die Frage, ob die BWL früher als die VWL entstanden sei, die Theorie des Betriebes unabhängig (indifferent) vom Wirtschaftssystem zu konzipieren sei (Betriebswirtschaftslehre oder Privatwirtschaftslehre) und die Frage, ob die Betriebswirtschaftslehre Unternehmen (Betriebe der Fremdbedarfsdeckung) und private Haushalte (als Betriebe der Eigenbedarfsdeckung) beinhalte (Betriebswirtschaftslehre oder Einzelwirtschaftslehre) spiegelt sich wider in den Narrativen von Pacioli als Vorläufer der Handelswissenschaft, Pacioli und der doppelten Buchführung als Keimzelle des Kapitalismus und Pacioli als Vorläufer einer Betrieb und Haus umfassenden Einzelwirtschaftslehre. In der auf einem Rechnungswesen‐Kern fußenden Economia Aziendale wird Pacioli inzwischen vor allem als (buchhaltungs‑)technischer, weniger als wissenschaftlicher Vorläufer erachtet (Abschn. 3).Abschn. 4 ist eine Auseinandersetzung mit dem Pacioli‐Bild bei Schneider (2001) und Brockhoff (2014). Dieses wird mit italienischen und angloamerikanischen Forschungen zu folgenden Fragen kritisch abgeglichen und ergänzt: Wo und warum ist die doppelte Buchführung entstanden? Wer hat das erste bekannte Werk zur Buchhaltung geschrieben? Was waren die Quellen des Tractatus von Pacioli? Was war die Zielgruppe des Tractatus? Welchen didaktischen Wert hat Paciolis Werk?

Thomas Hermann

Kommentar zum Beitrag „Luca Pacioli im Lichte von Betriebswirtschaftslehre und Economia Aziendale“ von Thomas Hermann

Gemeinsame Traditionen und zukünftige Zusammenarbeitsmöglichkeiten

Der Beitrag von Thomas Hermann analysiert die Rolle von Luca Pacioli in der deutschen Betriebswirtschaftslehre und in der italienischen Economia Aziendale. Die Lektüre dieses Beitrags sowie die Teilnahme an der Tagung „Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre“ haben die folgende Ansätze hervorgebracht, die in diesem Koreferat präsentiert werden: 1.Rolle von Luca Pacioli in den Studien der Geschichte des Rechnungswesens in Italien;2.„Vorläufer“ unserer wissenschaftlichen Disziplinen (d. h. Ragioneria und Economia Aziendale);3.italienische „Gedankenrichtungen“;4.wissenschaftliche Akademien;5.universitäre Lehre dieser Disziplinen.

Carmela Gulluscio

Der Fiskus als Stakeholder und die Gewinnverteilung zwischen Unternehmungseignern und Gläubigern ab der Aktienrechtsnovelle von 1884

Die betriebswirtschaftliche Rechnungslegungsforschung bezieht vielfach steuerliche Problemstellungen ein. Das Schrifttum nennt z.B. die „Bilanzrechtstheorie“, die „Bilanzgestaltungstheorie“ sowie die „Bilanzwirkungstheorie“ (Ballwieser 1993); dabei wird die Verknüpfung zwischen Rechnungslegung und steuerlicher Gewinnermittlung in der deutschen Rechtsordnung traditionell als stark ausgeprägt eingeordnet. Für die Ideengeschichte der Rechnungslegungsforschung haben Busse von Colbe (1996) sowie Mattessich/Küpper (2003) Abhängigkeiten zwischen der Entwicklung von Forschung und rechtlichen Regulierungsbedingungen hervorgehoben. Der Beitrag betont in diesem Kontext die Bedeutung des Fiskus als Stakeholder für die Ideengeschichte. Es werden drei Zeitabschnitte (Forschungsphasen) der Betriebswirtschaftslehre ideengeschichtlich charakterisiert, die eine zunehmende Spezialisierung der Wirkungsanalysen von Gewinnermittlungs- und Gewinnverteilungsnormen zeigen. Nachdem Besonderheiten des rechtlichen Regulierungsumfeldes beschrieben wurden, wird in einem einfachen analytischen Erklärungsmodell eine Hypothese über den Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Forschungsideen und des durch die Rechtsordnung geprägten Regulierungsumfeldes formuliert: Unter dem Einfluss einer unflexiblen Rechtsordnung verläuft eine Spezialisierung von Wirkungsanalysen zeitverzögert. Charakteristisch wäre dies beispielsweise für eine (unflexible) Steuerrechtsordnung und (flexiblere) Regulierungsnormen durch die handelsrechtliche Rechnungslegung.

Harald Jansen

Kommentar zum Beitrag „Der Fiskus als Stakeholder und die Gewinnverteilung zwischen Unternehmenseignern und Gläubigern ab der Aktienrechtsnovelle von 1884“ von Harald Jansen

Dieser Kommentar diskutiert zwei Themen des Beitrags von Harald Jansen (in diesem Buch) und ergänzt diese: Erstens die Einflüsse geänderter ökonomischer Bedingungen für die Rechnungslegung und zweitens das Aufgreifen von Forschungsergebnissen in der Rechnungslegungsregulierung. Der Kommentar schließt mit einem Resümee, wie sich diese beiden Themen im aktuellen Rahmenkonzept des IASB widerspiegeln.

Alfred Wagenhofer

Unternehmenstheorien in der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und unternehmenstheoretische Ansätze von Dieter Schneider

Der Beitrag geht der Frage nach, ob in der Geschichte der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre die Auffassung vertreten wurde, dass Unternehmenshandeln zwar auf das Handeln von natürlichen Personen zurückzuführen ist, aber – entgegen der zurzeit herrschenden Auffassung – in der Regel nicht dem Handeln der Unternehmenseigner oder Manager entspricht. Der Beitrag zeigt, dass Dieter Schneider, bevor er eine evolutorische Theorie der Unternehmung vorlegte, ein Unternehmensverständnis vertreten hat, das diesem Verständnis nahekommt.

Ute Schmiel

Kommentar zum Beitrag „Unternehmenstheorien in der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und unternehmenstheoretische Ansätze von Dieter Schneider“ von Ute Schmiel

Die Ausführungen von Ute Schmiel erhellen, wie Dieter Schneider durch die Analyse nicht hinterfragter Prämissen aus neuartigen Perspektiven oft neue und ganz andersartige Einsichten in die Grenzen weitläufig vertretener Ansätze erzielt. Dieser Intention folgend zeigt das Koreferat auf, warum es fruchtbar sein könnte, die von Schmiel (und dem frühen Dieter Schneider) angeführte Kritik an dem in der Regel unhinterfragten methodologischen Individualismus in der Unternehmenstheorie mit Hilfe von kritisch‐interpretativen Theorien auszudeuten, welche die erwähnten nichtindividuellen Determinanten des Unternehmenshandelns (der firmeneigenen Ziele) präzisieren.

Markus Diller, Markus Grottke

Controlling – eine bis heute rätselhafte Entwicklungs- und Ideengeschichte

Ein spezielles Beispiel für die Herausbildung neuer Teildisziplinen in der BWL ist das Controlling. Ausgehend von den USA hat es sich in Deutschland nach 1960 zuerst in der Praxis und mit deutlicher Verzögerung in der Wissenschaft durchgesetzt. Dabei bestehen bis heute unterschiedliche Auffassungen über seine Kernfunktion und seine Abgrenzung. Die breite Akzeptanz auf der einen Seite und die Unklarheit über den Gegenstand sowie dessen theoretische Fundierung auf der anderen weisen auf rätselhafte Brüche hin. Dem entspricht, dass es international nicht (mehr) als Controlling, sondern Management Accounting bezeichnet wird. Trotz dieser Widersprüche hat diese neue Teildisziplin die Ausrichtung der Informationssysteme, den Ausbau des Rechnungswesens sowie die Entwicklung des Führungs‑ sowie wirtschaftlicher Steuerungssysteme maßgeblich beeinflusst.

Hans-Ulrich Küpper

Kommentar zum Beitrag „Controlling – eine bis heute rätselhafte Entwicklungs- und Ideengeschichte“ von Hans-Ulrich Küpper

Die begrüßenswerte Vielfalt der Controllingtheorie

Die Reflexionen von Hans‐Ulrich Küpper in diesem Band zeigen sehr präzise nach, wie sich das Controlling als Teildisziplin der BWL, aus vielfältigen Quellen gespeist, entwickelt hat. In Variation von Küppers Beitrag wird hier die These vertreten, dass eine Vielfalt konkurrierender Konzeptionen, wie sie sich in der kurzen Geschichte der Controllingtheorie entwickelt hat, nicht nur als ein Kennzeichen von konzeptioneller Unreife, sondern auch als Ausdruck eines sich immer weiter entfaltenden Diskurses verstanden werden kann. Ich fundiere diese These unter Bezugnahme auf das Beispiel eines Theoriestrangs, der in der internationalen Diskussion unter dem Label des „critical accounting“ eine interdisziplinäre Öffnung und zugleich Fundierung der Controllingtheorie ermöglicht hat: die Thematisierung des Controllings und seiner Wirkungen im sozialen und organisationalen Kontext.

Tobias Scheytt

Organisation

Frontmatter

Zur Vorgeschichte der Organisationstheorie: Einige Anmerkungen zur Interpretation historischer Institutionen am Beispiel der Zunft

Aus heutiger Sicht muten die Regeln der mittelalterlichen Zunft höchst bizarr an. Nach einer knappen Darstellung verschiedener Theorien zu ihrer Entstehung werden die zentralen dieser bizarren Regeln dargestellt. Sie werden verständlich, wenn man die Zunft als eine Institution der traditionalen Gesellschaft begreift, welche die primitive Gesellschaft ablöst und ihrerseits die moderne Gesellschaft vorbereitet. An dem Beispiel der Zunft wird abschließend die Angemessenheit des auf der Institutionenökonomik basierenden wirtschaftshistorischen Ansatzes diskutiert.

Alfred Kieser

Kommentar zum Beitrag „Zur Vorgeschichte der Organisationstheorie“ von Alfred Kieser

Der Beitrag befasst sich mit der Frage, ob es gerechtfertigt sei, ökonomische Konzepte zur Erklärung vorneuzeitlicher Institutionen heranzuziehen. Er kommt im Gegensatz zu Kieser, der diese Frage verneint und stattdessen für einen makrosoziologischen Ansatz plädiert, zu einem positiven Ergebnis. Dabei stützt er sich auf die jüngere Fassung der Neuen Institutionenökonomie Douglass North’scher Prägung.

Klaus Macharzina

Die Steuerungsproblematik in Aktiengesellschaften im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert entstehen vermehrt große Aktiengesellschaften, auch außerhalb von Branchen, für die sie in früheren Jahren mit staatlichem Monopol ausgestattet und privilegiert worden waren. Bei ihrer Leitung entstehen Agency‐Probleme, für die mit vorsichtigen Schritten nach Lösungen gesucht wird. Nach dem Versagen von Staatsaufsicht werden sie gesehen in einschränkenden Regelungen für die handelnden Personen, Aufsicht durch die Eigentümer, materiellen Anreizen und der Hoffnung auf moralisches Handeln. Die Emergenz dieser Instrumente als Vorläufer aktueller Diskussionen wird dargestellt. Eine situativ begründete Ordnung der Instrumente bildet das Ergebnis.

Klaus Brockhoff

Kommentar zum Beitrag „Die Steuerungsproblematik in Aktiengesellschaften im 19. Jahrhundert“ von Klaus Brockhoff

Der Beitrag von Klaus Brockhoff wird mit Bezug auf die jüngeren Entwicklungen zur Corporate Governance eingeordnet. Ergänzend werden am Beispiel der Gründerkrise von 1873 einige Bemerkungen zur Bedeutung von Skandalen für die Fortentwicklung des Rechts der Aktiengesellschaften vorgetragen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den damaligen und den heutigen Themen der Diskussion um die Corporate Governance werden abschließend aufgezeigt.

Bernd Schauenberg

Dogmengeschichte der Organisation

Anmerkungen zur Historie der Organisationstheorie – eine Geschichte des Vergessens

Eine Dogmengeschichte der rund einhundert Jahre alten oder jungen Organisationstheorie fehlt bislang. Hier wird die These entwickelt, dass mit der Theorie der Unternehmung die Prozess‑ oder Ablauforganisation und mit der Theory of the Firm die Struktur‑ oder Aufbauorganisation begründet worden sind. Für Gutenberg ist die Organisation die Umsetzung der Planung in der Unternehmung. Für Coase dagegen bestimmen Transaktionskosten die Form der Institutionen – im Wesentlichen Märkte oder Firmen. Von diesen grundlegenden Konzepten ausgehend werden die Ablauforganisation – und damit verbundene Aspekte wie Planung, Motivation und Konflikt – sowie die Aufbauorganisation – unter Gesichtspunkten des Informationssystems, hierarchischer und flexibler Formen – erläutert. Darüber hinaus diskutiert der Beitrag Aspekte der Vertragstheorie und der Aufgaben‐Organisation.

Horst Albach

Kommentar zum Beitrag „Dogmengeschichte der Organisation“ von Horst Albach

Zu früh, zu spät.

Die betriebswirtschaftliche Organisationsforschung hat mit der Adaption der Neuen Institutionenökonomik Anschluss an die Theoriebildung in der Volkswirtschaftslehre gefunden. Allerdings wurden fachinterne Entwicklungen damit begrenzt. Darüber hinaus werden die neuen Gemeinsamkeiten seitens der Schwesterdisziplin kaum geteilt.

Wenzel Matiaske

Aufbau- und Ablauforganisation und deren Revitalisierung als Struktur und Prozess

Die deutsche Organisationsforschung lässt sich bis zum Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen. Die Entstehungsgeschichte, die sich auf das Grundthema Aufbau und Ablauf konzentriert, kann in vier Phasen untergliedert werden. Die erste stellt allgemeine Gestaltungsnormen wie „Kunde“ oder „Betriebszweck“ in den Vordergrund, um Gestaltungsaussagen für Aufbau und/oder Ablauf herzuleiten. In der zweiten Phase werden Aufbau und Ablauf innerhalb der Grenzen des Unternehmens „optimiert“, wobei der Aufbau eindeutig den Ablauf dominiert. In der dritten Phase schließlich rückt die Unternehmensumwelt in den Vordergrund und das Verhältnis von Aufbau und Ablauf relativiert sich. In der letzten Phase schließlich gewinnt die Ablauforganisation in Gestalt des Prozessmanagements an Bedeutung. Der Aufbau wird den Erfordernissen effizienter Geschäftsprozessgestaltung unterworfen, wobei auch Unternehmensgrenzen relativiert werden.

Michael Gaitanides

Kommentar zum Beitrag „Aufbau- und Ablauforganisation und deren Revitalisierung als Struktur und Prozess“ von Michael Gaitanides

Die Prozessorganisation gründet in der deutschsprachigen Ideengeschichte der Organisationsforschung, in welcher das Verhältnis von Aufbau‑ und Ablauforganisation schon immer eine bedeutende Rolle gespielt hat. Das Konzept der modernen Prozessorganisation hat jedoch vier weitere Elemente hinzugefügt: den Einbezug psychologischer Erkenntnisse und von Erkenntnissen des Wissensmanagements, die Verknüpfung von Strategie und Organisation sowie die Anwendung anspruchsvoller empirischer Methoden.

Margit Osterloh

Die Emergenz korporativer Akteure und die Unschuld des Wirtschaftlichkeitsprinzips

Die Emergenz korporativer Akteure ist eine institutionelle Tatsache im Sinne John Searles. Solche Tatsachen werden hervorgebracht durch performative Sprechakte – einschließlich „Taten‐sprechen‐lassen“ – des Typs „X zählt als Y im Kontext K“. Organisationen erlangen auf diese Weise Akteursstatus – und sind die mächtigen Akteure der Moderne. Dazu trägt eine Metaphorologie bei, die sich mit performativer Wirkung der Körpermetapher bedient. Der Status einer „corporate personhood“ wurde den „corporations“ in den USA 1886 vom Supreme Court zugebilligt – unter tatkräftigem Einfluss der Eisenbahngesellschaften. Dass es ein unschuldiges, wertfrei in Anspruch zu nehmendes Wirtschaftlichkeitsprinzip nicht geben kann, weil es außerhalb einer Arrow‐Debreu‐Welt keinen institutionellen, regulatorischen Nullzustand gibt, zeigt sich schlagend an der Macht korporativer Akteure, auf die institutionellen Bedingungen ihrer Wirtschaftlichkeit im Wege des rent‐seeking Einfluss zu nehmen. Dafür ist ihre erfolgreiche Einflussnahme auf die Statuierung der „corporate personhood“ ein wichtiges Beispiel.

Günther Ortmann

Kommentar zum Beitrag „Die Emergenz korporativer Akteure und die Unschuld des Wirtschaftlichkeitsprinzips“ von Günther Ortmann

Der Kommentar nimmt Bezug auf Thesen, die Günther Ortmann in seinem Beitrag formuliert hat. Ortmanns Kritik an der mangelnden betriebswirtschaftlichen Befassung mit der Institutionalisierung von korporativen Akteuren wird in dem Kommentar aufgegriffen und zugespitzt. Es wird argumentiert, dass Ortmanns Thesen in letzter Konsequenz ein Nachdenken über die begrenzte Haftung von Körperschaften, die Möglichkeit optimierenden Managementhandelns und das Interesse der betriebswirtschaftlich Forschenden an der Konstruktion eines „unschuldigen“ Wirtschaftsprinzips anregen sollten.

Jürgen Beyer

Die grenzenlose Unternehmung: Auflösung des institutionellen Gegenstandes der Betriebswirtschaftslehre? – Eine subjektive Rekonstruktion der Entstehung eines neuen Blicks auf die Unternehmung

Die „grenzenlose Unternehmung“ verband das theoretische Interesse an der Neuen Institutionenökonomie mit der empirischen Forschung zu den Wechselwirkungen zwischen Technologien, v. a. Informations‑ und Kommunikationstechnologien, sowie Organisationsstrukturen und Märkten. Eine grundlegende Aussage dieser und weiterführender Forschung ist, dass erst eine integrative Betrachtung von Technologie und sozialer Ordnung eine aussagefähige Erklärung und Prognose von realen gesellschaftlichen bzw. organisationalen Phänomenen ermöglicht. Virtuelle Organisationsformen, Unternehmensvernetzungen und elektronische Märkte sind heute ein Standardgegenstand der BWL. Doch auch wenn Hierarchien aufgelöst sowie Wertschöpfung und Leistungsbeziehungen immer mehr über Märkte und Formen des zwischenbetrieblichen Austauschs realisiert werden, verliert die BWL nicht ihren Gegenstand. Unternehmen sind vielmehr als Organisationsformen zur Verwirklichung unternehmerischer Ideen, also mit der dynamischen, wirtschaftlichen Initiative‑ und Risikoträgerfunktion, neu zu verstehen.

Arnold Picot

Kommentar zum Beitrag „Die grenzenlose Unternehmung: Auflösung des institutionellen Gegenstandes der Betriebswirtschaftslehre?“ von Arnold Picot

Entgrenzung der Organisation und Organisationstheorie

„Die grenzenlose Unternehmung“ hat die betriebswirtschaftliche Organisationsforschung nicht nur bezüglich ihres empirischen Gegenstandes neu fokussiert, sondern mit dem grundlegenden Bezug auf die Neue Institutionenökonomik auch theoretisch befruchtet. Die Weiterentwicklung der Theoriebildung am Gegenstand hybrider Organisationen wirft allerdings die Frage auf, ob nicht die zeitgenössische Neue Ökonomische Soziologie einen Theorierahmen bietet, der die Empirie der grenzenlosen Unternehmung und deren theoretische Anregungen besser integrieren kann.

Wenzel Matiaske

Personalwirtschaftslehre

Frontmatter

Eine Diskursgeschichte der Personallehre(n)

Noch seltener als die Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre insgesamt wurde diejenige der Personalwirtschaftslehre beforscht, die sich als spezielle Betriebswirtschaftslehre erst in den 1960er‐Jahren etabliert hat. Die Rekonstruktion der personalwirtschaftlichen Diskurse im Sinne von Deutungskämpfen setzt bei der „Allgemeinen Gewerkslehre“ vom Emminghaus Mitte des 19. Jahrhunderts ein und verfolgt die Entwicklung mit Schwerpunkten in den 1920er‐Jahren sowie vor allem die Entstehungsgeschichte der Teildisziplin in der Nachkriegszeit. Aktuell widerstreiten in den Wahrheitsspielen unterschiedliche Strömungen, was in konkurrierenden Benennungen und Orientierungen zum Ausdruck kommt. Ausgehend von einer Kritik einer einseitigen ökonomischen Deutung wird ausblickend die Frage aufgeworfen, ob die Kategorie Personal den zeitgenössischen Arbeitsverhältnissen noch gerecht wird.

Gertraude Krell

Kommentar zum Beitrag „Eine Diskursgeschichte der Personallehre(n)“ von Gertraude Krell

Der Kommentar misst Gertrude Krells Begriff „Diskursgeschichte von Personallehren“ zunächst an einer besonders anspruchsvollen, mit Heidegger’schen Reflexionen vergleichbaren Version von Foucaults vieldeutiger Diskursphilosophie. Er weist sodann auf Methodenprobleme empirisch besser überprüfbarer Entwicklungsgeschichten von Personalwesenslehren hin, die von herkömmlichen Theorie‑ und Disziplinenhistorien tendenziell unterschätzt werden. Am besten dürften diese methodischen Schwierigkeiten auf dem Weg international vergleichender Rekonstruktionen von Theorien und Praktiken des Personalwesens bewältigt werden, die es schaffen, Bibliotheken, Archiven und Gewährsleuten möglichst viele Primärquellen von großer Überzeugungskraft abzugewinnen.

Emil Walter-Busch

„Personalökonomie und Personalwirtschaftslehre“ – eine Spurensuche

Ist die ökonomische Wende in den Personalwissenschaften (auch) in der deutschsprachigen Literatur vorbereitet worden, oder handelt es sich bei diesem Perspektiven‑ und Methodenwechsel zu Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts um eine Rezeption im Wesentlichen angelsächsischer Autoren? Zur Beantwortung dieser Frage werden die wichtigsten Argumentationsfiguren der Personalökonomie benannt, die Ansichten zur Natur des Arbeitsvertrages und einer angemessenen Unternehmensverfassung der frühen deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre resümierend gesichtet und schließlich gezeigt, dass die Auseinandersetzung über eine „verhaltenswissenschaftliche versus ökonomische Orientierung der Personalwissenschaften“ obsolet ist. Zwar haben US‐amerikanische Autoren die Pionierarbeit erledigt, aber heute gedeiht die Personalökonomie in einer internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft. Wichtige institutionenökonomische Fragen allerdings sind noch zu lösen.

Dieter Sadowski

Kommentar zum Beitrag „Personalökonomie und Personalwirtschaftslehre – eine Spurensuche“ von Dieter Sadowski

Die im Dunkeln sieht man nicht. Oder: context matters – auch und gerade bei ideengeschichtlicher Rekonstruktion

Ungeachtet der Verdienste personalökonomischer Überlegungen zur Weiterentwicklung der Personalwirtschaftslehre kritisiert der Beitrag die weitgehende Invisibilisierung des kontextuellen Rahmens in der Personalökonomie und die auch damit verbundene Ausblendung des Machtaspekts. Er weist zusätzlich darauf hin, dass der Einfluss der Personalökonomie im globalen personalwirtschaftlichen Diskurs beschränkt bleibt.

Wolfgang Mayrhofer

Bilder der Austauschbeziehung zwischen Kapital und Arbeit in der Personalwirtschaftslehre – Grundzüge einer Ideengeschichte

Befragung der Werkzeuge und Befragung der Gedanken

Der Beitrag behandelt die Frage, welche Bilder oder Vorstellungen in der Personalwirtschaftslehre von den „Arbeitsbeziehungen“ – den Austauschbeziehungen zwischen Kapital und Arbeit – vorherrschen und wie sich diese verändert haben. Identifiziert werden vier realtypische Bilder von Arbeitsbeziehungen, wobei die zur jeweiligen Zeit vorhandenen ökonomisch‐politischen Bedingungen einen deutlichen Einfluss darauf haben, welche Bilder in den Vordergrund des Diskurses rücken.Ein erstes, paternalistisches Bild verkörpert sich im Konzept der Betrieblichen Partnerschaft, das seine Hochzeit in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte. Weitergeführt wird dieses Bild mit stärkerer Betonung ökonomischer Ziele im Konzept des Mitunternehmertums. Ein zweites Bild, das in Deutschland in den 1960er‐Jahren entsteht, findet sich in führungs‑ bzw. motivationspsychologischen Ansätzen. Arbeitsbeziehungen werden hier auf den individuellen Austausch am Arbeitsplatz reduziert. Interessengegensätze, Konflikte und Machtdifferenzen werden – wenn überhaupt – in erster Linie auf Arbeitsplatzebene behandelt. Ein drittes, durch die Idee des Interessenpluralismus charakterisiertes Bild gewinnt an Einfluss um 1980 herum. Fortgeführt wird es heute in einer „sozioökonomischen“ Perspektive, in der Institutionen (wie das Arbeitsrecht oder Gewerkschaften) als den Austausch zwischen Kapital und Arbeit regulierende, durch Macht geprägte und sie prägende Einrichtungen wichtig sind. Ein viertes Bild findet man seit den 1990er‐Jahren in der Personalökonomik. Die ökonomischen Wirkungen von Institutionen der Arbeitsbeziehungen spielen in diesem Bild eine wichtige Rolle. Dass Macht die Institutionen und die durch sie regulierten Austauschverhältnisse strukturiert, wird dagegen weitgehend ausgeblendet. Ein fünftes, in den 1970‐er Jahren erkennbares systemkritisches Bild hat sich nicht etablieren können. Diese Vorstellung beruht auf der Annahme einer strukturell bedingten Dominanz des „Kapitals“ und verkörperte sich am ehesten im Ansatz der heute weitgehend ignorierten Arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre. Systemkritische Ansätze taugen – anders als andere – nicht zur Legitimation der gegenwärtigen Wirtschafts‑ und Unternehmensordnung. Vermutlich finden sie deswegen in der Disziplin der Personalwirtschaftslehre an den Hochschulen kaum Akzeptanz.

Werner Nienhüser

Kommentar zum Beitrag „Bilder der Austauschbeziehung zwischen Kapital und Arbeit in der Personalwirtschaftslehre – Grundzüge einer Ideengeschichte“ von Werner Nienhüser

Abhängige Lohnarbeit. Anmerkungen zum Fokus der Industrial Relations

In dem Korreferat thematisiert der Autor von ihm als Leerstellen der Personalwirtschaftslehre diagnostizierte Gegenstände. Zum einen handelt es sich um die theoretische Verortung des Phänomens des abhängig Beschäftigten im betrieblichen, herrschaftlich organisierten Arbeitsprozess, zum anderen um die ordnungspolitische Begründung der Mitbestimmung in Betrieb und Unternehmen. Der Autor stützt seine Argumentation auf Erkenntnisse und Einsichten bedeutender Sozialwissenschaftler (Schmoller, Brentano, Max Weber, T. S. Marshall, Sinzheimer, Fraenkel, Böhm, Biedenkopf, Willgeroth).

Walther Müller-Jentsch

Von Arbeitsrecht nur Spurenelemente? Zum Verhältnis von Personalwirtschaft und Arbeitsrecht

Die Schnittstelle von Arbeitsrecht und Personalwirtschaft wird kaum erforscht, was angesichts der thematischen Nähe zunächst überrascht. Dies ist in der Rechtswissenschaft durch die rechtsdogmatische Orientierung bedingt. In der Personalwirtschaftslehre werden rechtliche Institutionen durchaus analysiert, wobei das Arbeitsrecht in der ökonomischen Analyse des Rechts allerdings stiefmütterlich thematisiert wird. Dieser Befund wird durch eine Analyse ausgewählter Publikationen bekräftigt. Jedoch bestehen Potentiale gerade bei der verhaltenswissenschaftlich geprägten Personalwirtschaftslehre, deren Tiefenerklärung sozialen Handelns der sozioökonomischen Erweiterung personalökonomischer Ansätze dienen und so zu einem Behavioral Labor Law beitragen würde.

Florian Schramm

Kommentar zum Beitrag „Von Arbeitsrecht nur Spurenelemente? Zum Verhältnis von Personalwirtschaft und Arbeitsrecht“ von Florian Schramm

Das Arbeitsrecht als „Geschäftsgrundlage“ der Personalwirtschaft?

Trotz Schnittmengen sind Arbeitsrecht und Personalwirtschaft bislang kaum in Austausch getreten. Die Gründe wie mangelnde Kapazität einerseits und geringer Bedarf andererseits sind in beiden Disziplinen zu finden. In Kontext der durch die neue Digitalisierung beschleunigten Entwicklung zur Entgrenzung von Arbeit ist das Verhältnis allerdings in Bewegung geraten. Nunmehr ist insbesondere auf Seiten des Rechts Nachfrage nach Theorie und vor allem auch der Empirie dieser Entwicklung entstanden.

Wenzel Matiaske

Rezeptionsgeschichte der Betriebswirtschaftslehre

Frontmatter

Die Amerikanisierung der Managementausbildung nordischer Länder

Hier wird die These vertreten, dass die Business Schools der USA allmählich zum Vorbild für Managementausbildung in nordischen Ländern geworden sind und diese Ausbildung sukzessive stärker amerikanisiert worden ist. Die Entwicklung ist Ergebnis des Zusammenspiels von institutionellen Strukturen und bedeutsamen Akteuren. Nach einer Zusammenfassung der institutionellen Entwicklung in den nordischen Ländern und der Vorbilder werden die Ideengeber ins Blickfeld gerückt und es wird gezeigt, wie sowohl Studierende als auch Lehrende in zunehmendem Maß ihr Augenmerk auf die Vereinigten Staaten gerichtet haben. Auf dieser Grundlage werden dann Ergebnisse des Amerikanisierungsprozesses, d. h. die Lehrpläne und insbesondere die Herkunft von Lehrbüchern betrachtet. Es wird gezeigt, dass der bedeutsamste Anteil der ausländischen Literatur aus den Vereinigten Staaten stammt. Diese Literatur hat für alle nordischen Länder zumindest die gleiche Bedeutung wie die nordische; in Finnland und Norwegen spielt die amerikanische Literatur sogar eine vorherrschende Rolle. Abschließend wird darauf hingewiesen, dass diese Amerikanisierungstendenzen in den letzten zehn Jahren durch das Ranking von Business Schools in den Medien und durch Akkreditierungsverfahren noch verstärkt worden sind.

Lars Engwall

Die Rezeptionsgeschichte der deutschen Betriebswirtschaftslehre in Japan

Die Betriebswirtschafslehre entfaltete Einfluss insbesondere über drei Professoren – namentlich Yojiro Masutchi, Yasutaro Hirai und Torao Nakanishi –, die in den 20er‐Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland bei Heinrich Niklisch, Fritz Schmidt und Eugen Schmalenbach Studienaufenthalte hatten. Sie publizierten wichtige Lehrbücher und haben auf Unternehmen in Japan lange praktischen Einfluss ausgeübt. Die nachfolgende Generation der japanischen Forscher, die sich an der Betriebswirtschafslehre orientierten, war allerdings stärker an theoriegeleiteten Fragestellungen interessiert. Der Einfluss ist seit den 1970er‐Jahren stark zurückgegangen und eine seinerzeit gegründete Forschergruppe, die sich mit der deutschen BWL beschäftigte, existiert nur noch im Rahmen eines jährlichen Workshops. Es wurden allerdings eine Reihe deutschsprachiger Lehrbücher zur ABWL und Organisationstheorie sowie zum Innovationsmanagement und zur „Grenzenlosen Unternehmung“ ins Japanische übersetzt. Heute könnte das Thema der deutschen Corporate Governance ein Thema sein, welches den Austausch erneut befruchten könnte.

Akihiro Koyama

Die Entwicklung der Wirtschaft und der Betriebswirtschaftslehre in Südkorea

Die Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre in Korea ist eng mit der Realgeschichte der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung verbunden. Während der japanischen Besatzung wurde Anfang der 1920er‐Jahre eine erste Handelshochschule in Seoul gegründet und in den 1930er‐Jahren entstanden weitere Hochschulen. Die grundlegenden Lehrbücher waren in japanischer Sprache verfasst und stammten von Autoren, die von der deutschen Handelslehre stark beeinflusst waren. Nach 1945 und insbesondere nach dem Korea‐Krieg entwickelte sich ein starkes Interesse an den Wirtschaftswissenschaften und 1954 veröffentlichte Soo‐Young Chung das erste Lehrbuch für Wirtschaftswissenschaft auf Koreanisch. In Folge setzte ein reger Austausch, insbesondere mit den USA aber auch mit Deutschland ein. Zwar konnte die Gruppe der in Deutschland ausgebildeten Hochschullehrer die BWL als Kontrastprogramm zur anglo‐amerikanisch fundierten Business‐Administration seit Ende der 1970er‐Jahre in Korea positionieren. Jedoch verstärkte sich der Trend in Richtung des US‐amerikanischen Managements im Zuge der Wirtschaftskrise und der Akzeptanz des „Global Standard“ in der koreanischen Wirtschaft. Erst in jüngster Zeit setzte ein Umdenken mit dem Projekt unter dem Titel die „Suche nach K‐Management“ ein.

Seong Kook Kim

Betriebswirtschaftslehre in der Türkei in den 1930er–1950er Jahren

Dieses Kapitel berichtet über den Einfluss der deutschen Betriebswirtschaftslehre (BWL) auf die betriebswirtschaftliche Bildung in der Türkei im Zeitraum von 1930 bis 1950. Das Kapitel zeigt zunächst, wie die BWL durch ein kleines Netzwerk von Vertretern der BWL türkischer Nationalität, die das Fach in Deutschland studiert hatten, und emigrierten deutschen Hochschullehrern in die Türkei gebracht worden ist. Ferner wird gezeigt, dass die Betriebswirtschaftslehre zunächst die wirtschaftswissenschaftliche Lehre und Forschung dominierte, in den 1950er‐Jahren jedoch mit dem Aufkommen eines stärker werdenden amerikanischen Einflusses an Bedeutung verlor. Der Beitrag schließt mit Hinweisen auf die Spuren, welche die BWL hinterlassen hat, von denen einige bis heute überdauert haben.

Behlül Üsdiken

Der Einfluss der Deutschen Betriebswirtschaftslehre in Spanien

Unabhängig von wichtigen Entwicklungen im wirtschaftlichen Denken, die sich zu bestimmten Augenblicken in der Geschichte Spaniens abzeichneten, sowie abgesehen von der Entwicklung einzelner relevanter Persönlichkeiten, findet die Institutionalisierung der Universität relativ spät statt, nämlich in den 1940er‐Jahren, als die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften in Madrid gegründet wurde. Ohne Zweifel sind ihre institutionellen Vorläufer in den Schulen für höhere Marktwirtschaftsstudien sowie den privaten Einrichtungen im Bereich der betriebswirtschaftlichen Lehre bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden. Die Integration der Betriebswirtschaftslehre in die Universität findet wiederum in den 50er‐Jahren statt.Dabei fällt besonders der Stellenwert von Denkansätzen aus dem deutschsprachigen Raum ins Auge, sowohl was den Bereich der Volkswirtschaft, aber auch der Betriebswirtschaftslehre angeht. In diesem Beitrag wird diese Entwicklung nachvollzogen, besonders was das betriebswirtschaftliche Gebiet betrifft sowie den Anteil deutscher Wissenschaftler und Unternehmer an dieser institutionellen Entwicklung, aber auch in der Weiterbildung und in den Veröffentlichungen, die während etlicher Dekaden erschienen sind. Dies sowohl bezogen auf eine theoretische Ebene wie auch auf die unternehmerische Wirklichkeit.

Santiago García Echevarría, María Teresa del Val

Management-Ausbildung im US-amerikanisch-deutschen Vergleich

Business Schools und betriebswirtschaftliches Studium

Das Studium der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland hat ideengeschichtlich andere Wurzeln als dasjenige an US‐amerikanischen Business‐Schools. Insbesondere die starke Orientierung der MBA‐Ausbildung am neoklassischen Paradigma steht einer Ausrichtung an Erfordernissen der Praxis entgegen. Dies wird in den unterschiedlichen Reaktionen der BWL und der Business‐Schools auf Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte wie der japanischen Art der Unternehmensführung oder die Etablierung von Entrepreneurship in den Studiengängen deutlich. Ferner wird herausgearbeitet, dass die Business Schools im Unterschied zur BWL eine aktive Rolle bei der Finanzialisierung des zeitgenössischen Kapitalismus einnahmen. Der BWL wird eine Selbstvergewisserung ihrer Ursprünge angeraten.

Robert Locke

Von Schützenkönigen und Zwergen

Vom Nutzen der Ideengeschichte in der Betriebswirtschaftslehre

An die Kenntnis der Ideengeschichte der Betriebswirtschaftslehre knüpfen sich Erwartungen, das Fach besser zu verstehen, Anregungen für die Weiterentwicklung zu vermitteln oder den Dialog mit Nachbarwissenschaften zu fördern. Daneben aber hilft diese Kenntnis dabei, die Konzepte korrekt und ungekürzt wiederzugeben, den zeitlichen Kontextbezug zu berücksichtigen und Doppelarbeit zu vermeiden. Dies wird an Beispielen gezeigt. Wegen dieser Nutzen der Ideengeschichte wird abschließend erörtert, wie und wem sie vermittelt werden sollte.

Klaus Brockhoff

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