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Über dieses Buch

Identität, Identifikation und Ideologie sind auch im 21. Jahrhundert zentrale Begriffe in der Politik und hilfreich bei der Identifizierung und Erklärung aktueller politischer Probleme. Der Band zeigt die große Bedeutung der Theorie sozialer Identität für Fragen der Wahl- und Einstellungsforschung. Er belegt mit der Betrachtung der Parteiidentifikation aus verschiedenen Perspektiven das umfangreiche Potenzial für Analysen zu klassischen Themen der Wahl- und Einstellungsforschung und zeigt die vielfältigen Möglichkeiten quantitativer und qualitativer Methoden auf.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die Schule der Nation für den Staatsbürger in Uniform? Der Einfluss militärischer Sozialisation auf politische Einstellungen und politisches Verhalten in Deutschland

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht den Einfluss militärischer Sozialisation auf ausgewählte staatsbürgerliche Orientierungen und politische Verhaltensweisen in Deutschland. Die Analysen liefern umfassende empirische Evidenz für die Relevanz militärischer Erfahrungen bei der Erklärung staatsbürgerlicher Orientierungen und politischer Partizipationsformen. Es zeigen sich auch unter Kontrolle soziodemografischer Eigenschaften und ausgewählter politischer Einstellungen sowohl direkte als auch indirekte Effekte (über das politische Interesse bzw. die interne Efficacy) auf die genannten abhängigen Variablen. Die verschiedenen Analysen liefern grundsätzlich positive Effekte. Das heißt, Erfahrungen in der Bundeswehr gehen mit einem höheren politischen Interesse, einer stärkeren internen Efficacy sowie einer größeren Bereitschaft, sich politisch zu engagieren, einher. Diese Ergebnisse sind ein Indiz für die positiven Wirkungen der politischen Bildung wie der Führungsphilosophie der Bundeswehr, der Inneren Führung, im Hinblick auf das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform und somit für die Relevanz der Streitkräfte als staatliche politische Sozialisationsagentur, der es gelingt staatsbürgerliches (Verantwortungs-) Bewusstsein zu fördern.
Markus Steinbrecher

Parteiidentifikation und Alter: Eine empirische Analyse am Beispiel Hamburgs

Zusammenfassung
Der vorliegende Aufsatz untersucht den Zusammenhang zwischen dem Alter und der Parteiidentifikation mithilfe von Daten aus einer repräsentativen Befragung der Bürger der Freien und Hansestadt Hamburg. Es wird dabei zuerst auf die Parteineigung im Allgemeinen eingegangen. Dann werden die Unterschiede zwischen den Mustern, die im Falle der Neigung zu verschiedenen Parteien beobachtet werden, diskutiert. Die empirische Analyse bestätigt die Existenz eines positiven Zusammenhangs zwischen dem Alter und der Parteibindung, der bereits in anderen Kontexten belegt werden konnte. Es wird überdies gezeigt, dass sich jedoch die Form und die Stärke der Alterseffekte zwischen den Parteien unterscheiden. Diese Differenzen können auf den Gründungszeitpunkt einer Partei und ihre Position im Parteiensystem zurückgeführt werden, was wiederum mit dem Zeitpunkt der Sozialisation des Wählers zusammenhängt. Es wird zudem beobachtet, dass der landesspezifische Kontext der Sozialisation besser als politische Prozesse auf der Bundesebene die Identifikation mit der SPD erklären kann.
Kamil Marcinkiewicz

Soziale Identifikation vs. running tally: Der Einfluss des politischen Kontextes auf die Ausformung einer Parteiidentifikation

Zusammenfassung
Parteiidentifikation gilt als wichtiger Erklärungsfaktor für politische Einstellungen und Verhalten. Üblicherweise wird Parteiidentifikation entweder als Aspekt der durch das Elternhaus vermittelten sozialen Identität oder als Ergebnis der Summe von Bewertungen der aktuell vergangenen Regierungsperformanz der Parteien (running tally) verstanden. Ergänzend dazu argumentieren wir, dass der politische Kontext die individuelle Parteiidentifikation mitbeeinflussen kann und gehen der Frage nach, zu welchem Zeitpunkt im Lebenszyklus eines Menschen ein solcher Einfluss stattfindet: entweder in der Jugend bzw. im jungen Erwachsenenalter, wie es der Soziale Identitätsansatz vermuten lässt, oder im jeweils aktuellen Moment, was der Logik der running tally entsprechen würde. Auf Basis der Deutschen Longitudinalen Wahlstudie (GLES) gehen wir mithilfe konditionaler Logitmodelle dieser Frage nach. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der politische Kontext auf Bundesebene erst nach dem Jugendalter einen Einfluss ausübt. Auf Landesebene finden wir hingegen einen Einfluss des politischen Kontextes während des Jugendalters. Allerdings lassen sich die Unterschiede zwischen den Bundesländern hinsichtlich Ausmaß und Richtung der Parteiidentifikation nicht vollständig auf kompositionelle Effekte oder die Erfahrungen mit der Beteiligung der Parteien an Landesregierungen zurückführen.
Martin Elff, Nadine Meidert

The Common Grounds of Adherence? A Qualitative Analysis of Young Partisans’ Collective Identity

Zusammenfassung
While party identification is one of the mostly used concepts for the explanation of vote choice, the components of party identification and the collective identity of party adherents were never explored systematically. After conceptualizing party identification within the social identity approach, we propose a research framework for the analysis of the collective identity of party adherents. Finally, in a first explorative attempt, we use this framework to analyze, as an example, the collective identity of adherents of the German parties SPD and the Greens. Although the two parties are part of the same ideological camp, we found that they both emphasize the importance of shared values, issues and goals as key components of collective identity, but they differ when it comes to the importance of the myth of origin, customs and lifestyle aspects.
Jasmin Fitzpatrick, Sabrina J. Mayer

„…Deutschland eben“. Eine Analyse zur Interpretation des Begriffs „rechts“ durch Bundestagskandidaten auf Grundlage von Structural Topic Models

Zusammenfassung
Dieser Beitrag untersucht, wie die Kandidaten zur Bundestagswahl 2013 den Begriff „rechts“ interpretieren und welche Determinanten ihre Interpretation beeinflussen. In einem ersten Analyseschritt werden mithilfe eines Structural Topic Models die verschiedenen Interpretationen des Begriffs „rechts“ aus offenen Survey-Antworten extrahiert. In einem zweiten Schritt wird der Einfluss zwischen- und innerparteilicher Heterogenität auf die Art der Interpretation des Begriffs „rechts“ getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Begriffsverständnis nach Parteiblöcken der Kandidaten (Linke, SPD, Grüne vs. FDP, CDU/CSU, AfD) deutlich unterscheidet. Gleichzeitig zeigt sich Variation im Antwortverhalten der Kandidaten „rechter“ Parteien. Während Kandidaten, die sich innerhalb der AfD ideologisch rechts einstufen, eine positive Haltung gegenüber dem Begriff einnehmen, steigt bei Kandidaten der CDU/CSU die kritische Distanzierung, je rechter sich ein Kandidat auf der ideologischen Links-rechts-Skala selbst einstuft.
Michael Jankowski, Sebastian H. Schneider, Markus Tepe

Links-autoritäre Bürger bei der Bundestagswahl 2013: Sozialstrukturelle Determinanten und Konsequenzen einer Angebotslücke für Wahlbeteiligung und Regimeunterstützung

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag untersucht die Gruppe der „links-autoritär“ eingestellten Bürger, die ökonomisch linke mit soziokulturell autoritären Sachfragenpositionen kombinieren. Da keine der relevanten deutschen Parteien eine solche Positionierung aufweist, sind links-autoritäre Bürger von einer Angebotslücke betroffen. Vor diesem Hintergrund fragen wir, erstens, nach der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Links-Autoritären, und, zweitens, nach den Konsequenzen der links-autoritären Angebotslücke für die Wahlbeteiligung und politische Unterstützung dieser Gruppe. Unsere empirischen Analysen basieren auf dem Nachwahlquerschnitt der GLES zur Bundestagswahl 2013. Erstens zeigt sich, dass links-autoritäre Policy-Positionen verstärkt unter Angehörigen unterer sozialer Schichten und bei älteren, in der DDR sozialisierten Individuen zu finden sind. Zweitens zeigen sich die erwarteten Folgen der links-autoritären Angebotslücke: Links-Autoritäre sind mit dem Parteiangebot weniger zufrieden, sie haben sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit an der Bundestagswahl 2013 beteiligt und sind unzufriedener mit dem Funktionieren der Demokratie im Allgemeinen. Diese Befunde haben bedeutsame Implikationen für das Wählerpotenzial einer Partei, die links-autoritäre Positionen mit populistischen Protestbotschaften verbindet.
Nils D. Steiner, Sven Hillen
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