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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Soldat-Sein heute: Eine Einleitung

Der Soldatenberuf erlebt seit einiger Zeit eine nachhaltige Re- und Neudefinition. Denn vor dem Hintergrund eines erweiterten Sicherheitsbegriffs, der beispielsweise mit einer Responsibility to Protect argumentiert und Krieg, so die Diktion von Ulrich Beck, zu Frieden werden lässt, der die Forderung der Stabilisierung fragiler Staaten erhebt, den Wiederaufbau von Staaten in Nachkriegssituationen plant, die Reform staatlicher Systeme und Instrumente zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit staatlicher Sicherheitsorgane absichert und anderen Staaten in Bürgerkriegssituationen hilft, deren staatliches Gewaltmonopol durchzusetzen, sollen Soldatinnen und Soldaten heute kämpfende, abschreckende, deeskalierende und humanitär und sozialarbeiterisch tätige Individuen und anderes mehr sein, und das alles am besten noch gleichzeitig.
Angelika Dörfler-Dierken, Gerhard Kümmel

Einführung des Direktors des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr zur Eröffnung des Workshops

Meine Damen, meine Herren, ich darf Sie alle zu diesem Workshop „Identität, Selbstverständnis, Berufsbild – Implikationen der neuen Einsatzrealität für die Bundeswehr“ des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr in Strausberg herzlich begrüßen. Ich freue mich sehr, dass dieser Workshop hier, zu diesem Thema und in dieser Zusammensetzung stattfindet.
Ernst-Christoph Meier

Organisation, Institution und Individuum: Der militärische Kontext in soziologischer Perspektive

Es ist zuweilen einfacher, sich mit betriebswirtschaftlichen Instrumenten der sozialen Wirklichkeit zu nähern: Wenn eine bestimmte konkrete Absicht, ein ausformulierter Zweck vorhanden ist, wenn die möglichen Instrumente und Restriktionen bekannt sind, lassen sich zielführende Strukturen finden und nach Möglichkeit implementieren. Die Zwecke werden von oben bis zu einer bestimmten unteren Ebene hin durchgereicht. Was für eine tiefer liegende Ebene Zweck ist, kann für die höhere Mittel sein und entsprechend rational eingeschätzt und beurteilt werden. Aber die auf diesen Voraussetzungen aufbauenden und vorab rational durchdachten Maßnahmen funktionieren oft schlechter als angenommen. Die Planenden haben vielleicht etwas falsch eingeschätzt, etwas anderes übersehen; ihre Planung wird nachjustiert. Auch das ist üblich und zu erwarten.
Erhard Stölting

Soldatische Identität – normativ

Was ist soldatische Identität? Wenn man sich heute einer solchen Frage nähert, bemüht man regelmäßig die Google-Suchmaschine. Zum Suchbegriff ‚soldatische Identität’ werden dort Anfang Dezember 2008 über 6 000 Fundquellen angezeigt. Eine offizielle Definition des Bundesministeriums der Verteidigung ist nicht darunter, was allerdings auch nicht verwundert. Es gibt schlichtweg keine offizielle Definition für die soldatische Identität. Warum das so ist und was dennoch als soldatisches Selbstverständnis erwartet wird, möchte ich im Folgenden darlegen.
Dieter Ohm

Soldatische Identität, Tradition und Einsatz

Eine „Armee ohne Pathos“ sollte sie sein (vgl. Weinstein 1951). Keine Kopie, keine Restauration, „grundlegend Neues“ wollten kriegsgediente Generäle im Zeichen der Wiederbewaffnung schaffen, als sie sich 1950 in Himmerod zu ersten Überlegungen zusammenfanden (vgl. zur Himmeroder Denkschrift vom Oktober 1950 Rautenberg/Wiggershaus 1985: 17-34). Ohne Pathos sollte die künftige Streitmacht sein, aber nicht ohne Ethos: Eine neue Konzeption des Soldatischen, ein besonderer Typus des Soldaten sollte die innere Struktur der Armee tragen und eine moderne Unternehmensphilosophie, die Innere Führung, prägen. So heißt es in einem Dokument der Dienststelle Blank, dem späteren Verteidigungsministerium, vom 10. Januar 1953: „Alle Arbeiten auf dem Gebiet der ‚Inneren Führung’ haben das Ziel, den Typ des modernen Soldaten zu schaffen und fortzubilden, der freier Mensch, guter Staatsbürger und vollwertiger Soldat zugleich ist.“
Loretana de Libero

Paradoxe Anforderungen an Soldaten im (Kriegs-)Einsatz

Wenn sich Organisationen für die Identitäten ihrer Angehörigen interessieren, und wenn sie sich fragen, welche Normen und Werte dem individuellen Handeln zugrunde liegen sollen, dann ist dies stets ein Indikator dafür, dass sich diese Organisationen in einer krisenhaften Situation befinden bzw. möglicherweise in naher Zukunft befinden werden. Den Anstoß für solche Debatten gibt häufig die Feststellung, dass Selbstverständnis und Identität der Angehörigen einer Organisation nicht mehr ausreichend mit den Anforderungen, die von den Organisationen erhoben werden, zur Deckung gebracht werden können. Die Bewältigung des Spannungsverhältnisses zwischen dem, was Organisationen von ihren Angehörigen verlangen, und dem, was die Individuen leisten wollen und leisten können, gehört zu den Routinen, die Organisationen entwickeln müssen, um bestehen zu können. Eine Debatte zu Selbstverständnis und Identität von Angehörigen einer Organisation zeigt deshalb an, dass sich dieses Spannungsverhältnis derart zuspitzt, dass in der Organisation die Befürchtung um sich greift, die von der Organisation postulierten Ziele ließen sich nicht oder nur eingeschränkt erreichen.
Jens Warburg

Herausforderungen im Einsatzland: Das PRT Kunduz als Beispiel zivil-militärischer Interventionen

Die externe Bereitstellung von Sicherheit ist bei zivil-militärischen Interventionen, die wie im Kosovo, in Ost-Timor oder in Afghanistan auf Aufbau und Stabilisierung rechtsstaatlich institutionalisierter Herrschaft abzielen, die Schlüssellegitimation der militärischen Präsenz im intervenierten Land. „Keine Sicherheit ohne Entwicklung und keine Entwicklung ohne Sicherheit“ wird für die doppelgleisige Strategie der Bundesregierung im Afghanistankonzept als Motto ausgegeben (Bundesregierung 2007: 4, 11).
Jan Koehler

Seelisches Trauma und soldatisches Selbstverständnis: Klinische Erfahrungen aus psychiatrischer Sicht

Die Bundeswehr nimmt nun seit über 15 Jahren im Rahmen ihres erweiterten Aufgabenspektrums an internationalen friedenssichernden Einsätzen teil. Begonnen haben die Auslandsmissionen mit dem rein sanitätsdienstlichen UNEinsatz in Kambodscha 1992/1993 (UNTAC), wo die Bundeswehr das Feldlazarett für die insgesamt ca. 20 000 im Land eingesetzten UN-Soldaten und UN-Mitarbeiter betrieb und auch die Zivilbevölkerung mitversorgte. Es folgte 1993/94 der UN-Einsatz in Somalia. Seit 1994 bis heute stellt die Bundeswehr ein kleines Kontingent für eine UN-Beobachtermission in Georgien. Bei den ebenfalls immer noch laufenden Einsätzen auf dem Balkan (SFOR/EUFOR in Bosnien-Herzegowina seit Dezember 1996 und KFOR im Kosovo seit Juni 1999) sind derzeit insgesamt 2 640 Soldaten eingesetzt (Stand: März 2009). Den derzeitigen Schwerpunkt des militärischen Engagements im Ausland bildet seit Dezember 2001 der Afghanistan-Einsatz mit derzeit ca. 3 800 Soldaten, die in Usbekistan (Flugbasis Termez), der Hauptstadt Kabul und in der Nordregion in Mazar-e-Sharif, Kunduz und Feyzabad in regionalen Wiederaufbauteams eingesetzt sind.
Karl-Heinz Biesold

Probleme der Transformation und das neue Bild des Soldaten

Hauptsächlich wegen seiner Griffigkeit steht der Terminus Transformation im Mittelpunkt zahlreicher Überlegungen über die Weiterentwicklung der Streitkräfte und ihre Anpassung an ein neues Aufgabenprofil. Die Definition im Weißbuch 2006, welches der Transformation eins von seinen acht Kapiteln widmet, heißt: „Transformation ist die vorausschauende Gestaltung eines fortlaufenden Prozesses zur Anpassung an die sich permanent verändernden Rahmenbedingungen, mit dem Ziel, die Wirksamkeit der Bundeswehr im Einsatz zu erhöhen.“ (BMVg 2006: 103) Richtig viel ist damit noch nicht gesagt. Man könnte lakonisch darauf hinweisen, dass derlei, nämlich die Veränderungen der Rahmenbedingungen zur Kenntnis zu nehmen, möglichst auch Veränderungstrends zu erkennen, die eigene Organisation, ihre Strukturen, Ausbildungsrichtlinien, Bewaffnung und Ausrüstung sowie die Einsatzgrundsätze auf allen Ebenen durch Anpassung an diese Veränderungen des Umfeldes zu optimieren, dass all dies ja doch eigentlich eine ständige Aufgabe von Streitkräften war und ist.
Wilfried von Bredow

Das Bild vom demokratischen Soldaten: Erste Ergebnisse der empirischen Fallstudie zur Bundeswehr

In welchem Verhältnis stehen demokratische Gesellschaften zum Militär, und wie drückt sich dies im jeweiligen Soldatenbild aus? Diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt mit dem Titel „Das Bild vom demokratischen Soldaten: Spannungen zwischen der Streitkräfteorganisation und den Grundsätzen der Demokratie im europäischen Vergleich“, das seit Mai 2006 mit einer Laufzeit von drei Jahren an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) durchgeführt wird. Als komparative Untersuchung angelegt, werden im Rahmen des Forschungsprojekts qualitative Fallstudien zu insgesamt 14 europäischen Ländern erstellt und miteinander verglichen. Wegen der Bedeutung der zivilen Kontrolle der militärischen Gewaltmittel für ein Funktionieren der Demokratie liegt der Schwerpunkt der Länderstudien auf postsozialistischen Transformationsstaaten aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa; vier westeuropäische, gefestigte Demokratien dienen als Vergleichspunkte.
Julika Bake

Identitätspolitik der Bundeswehr

Der Titel über den folgenden Überlegungen – „Identitätspolitik der Bundeswehr“ – ist mit Bedacht doppeldeutig gewählt. Fraglich ist nämlich, ob hier ein Genitivus subjectivus oder ein Genitivus objectivus vorliegt: also, ob die Bundeswehr ihre eigene Identitätspolitik macht, oder ob Identitätspolitik durch andere Akteure, vorzugsweise das Parlament (denn die Bundeswehr ist bekanntlich eine Parlamentsarmee) für die Bundeswehr gemacht wird. Und was ist überhaupt mit ‚Bundeswehr’ gemeint? Geht es um die einzelne Soldatin und den Soldaten als Individuum oder um die Organisation? Ist der Soldat das Subjekt, das Identitätspolitik betreibt, indem es seine soldatische Berufsidentität aufbaut, oder ist der Soldat das Objekt für identitätspolitische Anstrengungen anderer, das Objekt, das eine bestimmte Berufsidentität aufbauen soll? Und: Wenn die Durchführung von identitätspolitischen Maßnahmen Aufgabe der Politik ist, wenn die Politik identitätsbildend oder -regulierend für die Bundeswehr tätig wird – wie beeinflusst sie die Identität von Soldaten?
Angelika Dörfler-Dierken

Das soldatische Subjekt zwischen Weltrisikogesellschaft, Politik, Gesellschaft und Streitkräften. Oder: Vom Schlagen einer Schneise durch den Identitäts- Selbstverständnis-Berufsbild-Dschungel

Der schottische Folk-Sänger Donovan, die britische Antwort auf Bob Dylan und Joan Baez, besang im Jahre 1965, d. h. in einer Zeit, für die der Vietnamkrieg prägend werden sollte, den „Universal Soldier“.
Gerhard Kümmel

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