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Über dieses Buch

Der vorliegende Band stellt ein erstes Grundlagenwerk zur Imaginationsforschung in der Ökonomie dar. Er erforscht die ökonomische Theoriegeschichte (auch mit Bezug auf die Philosophiegeschichte) und fragt, welche Bilder und Selbstbilder über Menschen, über das wirtschaftliche System und über die Zukunft in ökonomischen Theorien enthalten sind. Wie ist die Beschäftigung mit Imaginationen im Mainstream der Wirtschaftswissenschaften verloren gegangen und wie kann sie wiederbelebt werden?

Prof. Dr. Walter Otto Ötsch ist Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung.

Prof. Dr. Silja Graupe ist Professorin für Ökonomie und Philosophie und Leiterin des Instituts für Ökonomie der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Imagination und Bildlichkeit in der Ökonomie – eine Einführung

Zusammenfassung
Die Einführung informiert über die Intention des Buches: einen Aspekt des wirtschaftenden Menschen in den Vordergrund zu stellen, der in der zeitgemäßen Ökonomik wenig untersucht wird – nämlich seine Fähigkeit Bilder wahrzunehmen, zu deuten, zu produzieren und zu teilen und darauf seine sozialen Wahrnehmungen und sein soziales Handeln zu begründen. Genau dieser Aspekt ist bei Adam Smith in der Theory of Moral Sentiments zu finden, wurde in der Geschichte der ökonomischen Theorie bald vergessen, in der Neoklassik geleugnet und bleibt im Wissenskonzept von Hayek nur einer selbst ernannten Elite von original thinkers vorbehalten.
Walter Otto Ötsch, Silja Graupe

Zur Theorie und Philosophie des Bildes

Zusammenfassung
Im Aufsatz wird ein breiter Überblick unternommen, wie in der Geschichte der Philosophie über Bilder gedacht worden ist: von Platons „Ideen“ als Urbilder bis zu Wittgensteins Konzeptes eines Gedankens als Bild. Dabei wird auch auf neurologische Befunde eingegangen und auf Grundthemen der Kulturwissenschaften Bezug genommen, wie die Geschichte der Metapher von der Camera Obscura oder den Icon Turn – ein solcher hat ja in den Wirtschaftswissenschaften (noch?) nicht stattgefunden.
Karl-Heinz Brodbeck

Diltheys Traum

Vom Haben einer Weltanschauung
Zusammenfassung
Der Autor stellt anhand von Diltheys Abhandlung Traum die spezifischen Charakteristiken dar, die eine Weltanschauung aufweisen muss. Ohne sie kann kein Wissen erworben oder ein historisches Bewusstsein erlangt werden, z. B. eine Vorstellung von der eigenen Herkunft und jener Möglichkeiten gewonnen werden, die in der eigenen Zukunft liegen. Eine Weltanschauung ist historisch bedingt, begrenzt und relativ – und besitzt zugleich unergründliche und unvorstellbare Momente.
Ralf Lüfter

Die Selbstwahrnehmung der Wirtschaft

Zum Wandel herrschender Leitbilder
Zusammenfassung
Das Paper beschreibt den enormen Wandel, den die Ökonomik in ihrer Selbstsichtweise vom 17. bis zum 20. Jahrhundert unternommen hat: von einer Staatslehre bzw. einer Staatswissenschaft zu einer abstrakten Ökonomik – eine zentrale Rolle hat dabei die Entwicklung der Statistik gespielt. In diesem Prozess wurde die Ökonomik quasi objektiviert und zugleich ihrer Moralität entkleidet, die in der Schottischen Politischen Ökonomie noch enthalten war.
Karl-Heinz Brodbeck

„Eine Wissenschaft um ihrer selbst willen“

Der motivationale Frame der Ökonomik
Zusammenfassung
Der Beitrag rekonstruiert die verborgenen Selbstbilder, die in Hauptwerken und Lehrbüchern der Ökonomik seit den 1870er-Jahren enthalten sind. Die Autorin analysiert die sprachlichen Selbstbeschreibungen ökonomischer Ansätze: welche Ziele setzen sie sich, für welche Personen wird die Theorie formuliert und nach welchen Kriterien wird dabei vorgegangen? Die Analyse verdeutlicht, wie weit sie sich die Lehrbuchökonomie heute von dem ursprünglichen Anspruch der Politischen Ökonomie als einer praktischen und moralischen Wissenschaft entfernt hat.
Silja Graupe

Bilder in der Geschichte der Ökonomie

Das Beispiel der Metapher von der Wirtschaft als Maschine
Zusammenfassung
Der Beitrag beschreibt die lange Geschichte der Metapher von der Maschine in der Philosophie (seit der Antike) und in der Ökonomik (seit dem 18. Jahrhundert), letztere reicht von den Physiokraten über Adam Smith, Robert Malthus, David Ricardo, John Stuart Mill, Stanley Jevons und Léon Walras sowie Gérald Debreu bis zu Hayeks Konzept einer erweiterten Ordnung. Dabei wird der Mensch immer mehr auf rein maschinenhafte Aspekte reduziert. Es wird gezeigt, dass in der Neoklassik heute zwei sich widersprechenden Metaphern von der Maschine enthalten sind.
Walter Otto Ötsch

Auswege aus dem Labyrinth der phantasmata

Thomas Hobbes als Begründer des homo oeconomicus?
Zusammenfassung
Der Beitrag zeigt, wie in der Renaissance in der Politischen Ökonomie die imaginatio aufgewertet und im 17. Jahrhundert problematisiert und abgewertet wurde, verdeutlicht unter anderem bei Hobbes. Dieser betont aber auch die schöpferische Freiheit beim Menschen, was wiederum Strategien einer Visualisierung seines Denkens freisetzt: Hobbes Bilder von der Wolfsnatur des Menschen oder vom Krieg aller gegen alle haben sich tief in das kollektive Bewusstsein Europas eingeprägt.
Hans Schelkshorn

Erwarten, Vorstellen, Entscheiden

Zeitbilder der futurischen Entscheidung
Zusammenfassung
Der Autor beschreibt, wie bei ökonomischen Entscheidungen die Zukunft als Erwartungsraum mit Erwartungspunkten imaginiert wird: eine Landkarte von verwirklichbar vorgestellten Möglichkeiten, eingebettet in den weiteren Raum „des Möglichen, das wir uns als nicht verwirklichbar vorstellen.“ Finanzobjekte erscheinen nach dieser Analyse als Projekte imaginativ-apperzeptiver Art, dabei formen sich „Bilder“ von Märkten, die sich unmittelbar wandeln können. Phänomene dieser Art kann die ökonomische Standardtheorie aus epistemischen Gründen nicht erfassen.
Birger P. Priddat

„The promised land“

Das Bild der Zukunft in Keynes’ „Economic Possibilities for our Grandchildren“
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert das Szenario, dass Keynes 1930 für die Situation nach 100 Jahren entworfen hat. Keynes entwickelte damals die Vorstellung, im Jahre 20130 müsse das ökonomische Problem der Knappheit gelöst sein. Seine Ansicht beruht auf der Hypothese absoluter Bedürfnisse, die nur operativ bzw. machbar befriedigt werden können. Dies impliziert einen in der ökonomischen Theorie verankerten Machtwillen bzw. einen „Willen zum Willen“ – eine spezifische Form der Einbildung, die „das Ökonomische“ zur „universellen zieldefinierenden Wahrheit der Erde“ gemacht hat.
Ivo De Gennaro

Das massenmediale Bild als konstitutives Moment des Geldes

Zusammenfassung
Der Autor stellt die These einer Entstofflichung des Geldes vor und argumentiert, dass damit keine Entsinnlichung verbunden ist, weil eine Akzeptanz von Geld immer auf visuellen Strategien beruht. Bilder sind konstitutive Bestandteile von Geld, das wird anhand von Bilder und den Strategien, auf denen sie beruhen, gezeigt. Damit realisiere sich auch Herrschaft – das sei mit ein Grund, warum Menschen „durch ihre Geldverwendung ein Geldsystem akzeptieren, welches ihnen vorwiegend schadet“.
Simon Küffer

„Bildnerisches Denken“ als Wissensform der Ökonomie?

Überlegungen zum Verhältnis von Wissenschaft und Kunst
Zusammenfassung
In welcher Beziehung steht Wissenschaft zur Kunst, wissenschaftliches Wissen zu menschlicher Erfahrung? Der Autor beschreibt das Konzept der Ästhetik, das Alexander Baumgarten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Gegenposition zum neuzeitlichen Rationalismus (auf dem auch die neoklassische Mikroökonomie ruht) entworfen hat und stellt dies in Bezug zum „Bildnerischen Denken“ bei Paul Klee. Dieses markiert einen gestalterischen Erkenntnisprozess, der auch in den Wissenschaften stattfindet, wenn sie (wie Alfred Marshall) Weltbilder entwerfen und handlungsorientierende Geschichten schreiben.
Steffen W. Groß
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