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03.08.2017 | Immobilienfinanzierung | Im Fokus | Onlineartikel

Hohe Kaufpreise führen zum Mieten

Autor:
Christoph Berger

Die Eigentumsbildung wird in Deutschland immer unattraktiver. Die hohen Kaufpreise und die niedrigen Mietrenditen führen dazu, dass inzwischen die Mehrzahl der Deutschen eine Mietwohnung bevorzugt.

So geben laut dem aktuellen Deloitte Property Index 54,3 Prozent der deutschen Bevölkerung einer Mietwohnung den Vorzug. Zum Vergleich: Beim Zweitplatzierten Dänemark liegt der Wert bei 34,4 Prozent, in Österreich, Platz 3, bei 30,2 Prozent. Der niedrigste Wert wurde in Slowenien mit 2,4 Prozent ermittelt.

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Teuer, teurer, wohnen in der Stadt

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Auffallend ist, dass der Erwerb von Wohnraum zum Zweck der Vermietung europaweit zunehmend in den Fokus rückt. Allerdings liegen die Profite der Vermieter in Deutschland dabei unter dem europäischen Durchschnitt. Im dänischen Odense beispielsweise winkt mit 8,9 Prozent die höchste Rendite. Es folgen die drei ungarischen Städte Budapest (7,9 Prozent), Győr (7,8 Prozent) und Debrecen (7,8 Prozent). Berlin liegt mit 4,9 Prozent noch im oberen Mittelfeld, Hamburg mit 4,3 Prozent, Frankfurt mit 4,1 Prozent und München mit 3,2 Prozent im hinteren Drittel. Die niedrigste Rendite wird mit 2,0 Prozent im Innenstadtbereich Londons erzielt.

Im Durchschnitt 2.957 Euro pro Quadratmeter

Unter den teuersten Städten Deutschlands behauptet sich München als Spitzenreiter. Europaweit bleibt London weiterhin die unangefochtene Nummer eins, auch wenn die Preise dort allmählich sinken: von 2015 auf 2016 um 8,8 Prozent. Doch für den Quadratmeter sind in der Stadt an der Themse noch immer 16.538 Euro zu zahlen. In München sind es 6.580 Euro, in Frankfurt 4.300 Euro, in Hamburg 4.020 Euro und in Berlin 3.510 Euro. Die Hauptstadt verzeichnete im Vergleich zu den anderen deutschen Städten mit 9,7 Prozent jedoch den höchsten Anstieg im angegeben Zeitraum. Im Kapitel "Teuer, teuer, wohnen in der Stadt" des Springer-Fachbuchs "Luxusgut Wohnen" sucht Michael Voigtländer Antworten unter anderem auf die Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass Wohnen so teuer geworden ist?

Im Durchschnitt kostete 2016 ein Quadratmeter 2.957 Euro in Deutschland. In Großbritannien sind es im Vergleich dazu 4.628 Euro, in Frankreich 4.055 Euro. In Portugal waren 2016 im Durchschnitt 1.068 Euro zu zahlen.

Was die Nutzung von erworbenem Wohnraum betrifft, so stellt Deutschland laut dem Deloitte-Index eine Ausnahme dar. Denn: "In den meisten europäischen Ländern gilt das selbst genutzte Wohneigentum als Normalfall. Deutschland ist europaweit die große Ausnahme – trotz vielfältiger Finanzierungsmöglichkeiten, niedriger Zinsen und einer insgesamt guten wirtschaftlichen Lage der meisten Bürger", erklärt Michael Müller, Partner und Leiter des Bereichs Real Estate & Construction. Dabei habe die Studie ergeben, dass nur in den Niederlanden der Immobilienerwerb im Verhältnis zum Einkommen noch günstiger ist als in Deutschland.

Lebensentwürfe wünschen sich Flexibilität

Prognostiziert wird jedoch, dass die hohen Kaufpreise für einen allgemeinen und grenzübergreifenden Trend hin zum Mieten sorgen dürften. Auch Angebote wie Airbnb sowie die zu vielen Lebensentwürfen passende Flexibilität würden das Mieten attraktiv machen.

Was den Bau neuen Wohnraums betrifft, so entstanden laut der Untersuchung hierzulande 2016 3,9 neue Wohnungen pro 1.000 Einwohner. Platz 1 belegt Frankreich mit 6,8 Wohnungen, Schlusslicht ist Portugal mit 0,6 Wohnungen. Bei den Bauvorhaben liegt Deutschland mit 4,6 Projekten pro 1.000 Einwohner im oberen Mittelfeld, Österreich führt mit 7,6. Deutschland verfügt mit 41,8 Mio. Wohnungen über den größten Wohnungsbestand Europas, wird aber dennoch bezogen auf die Bevölkerungszahl mit nur 513 Wohnungen pro 1.000 Einwohner von Frankreich, Spanien und Portugal übertroffen.

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